Schlagwort: Paris

  • Der ungeliebte Riese von Paris: Warum die Tour Montparnasse weiter für Streit sorgt

    Der ungeliebte Riese von Paris: Warum die Tour Montparnasse weiter für Streit sorgt

    Seit mehr als 50 Jahren prägt die Tour Montparnasse die Skyline von Paris – und kaum ein Bauwerk löst so viele Diskussionen aus. Der 210 Meter hohe Büroturm galt bei seiner Eröffnung als Symbol des Fortschritts. Heute steht er vor allem für eine städtebauliche Fehlentscheidung, die viele Pariser bis heute nicht verziehen haben. Nun gerät auch die seit Jahren geplante Rundumerneuerung ins Wanken: Explodierende Kosten, unterschiedliche Interessen der Eigentümer und ein schwieriger Büromarkt stellen das Millionenprojekt infrage.

    Die Geschichte des Hochhauses reicht bis in die 1930er-Jahre zurück. Schon damals stieß der Bahnhof Montparnasse an seine Kapazitätsgrenzen. Nach dem Zweiten Weltkrieg entschied sich die Stadt für einen umfassenden Umbau des Viertels. Der Bahnhof wurde nach Süden verlegt, alte Straßenzüge verschwanden, und auf dem frei gewordenen Gelände entstand die Idee eines modernen Geschäftsviertels mit einem markanten Hochhaus als Blickfang.

    Als Ende der 1960er-Jahre die Bauarbeiten begannen, regte sich heftiger Widerstand. Architekten, Politiker und Denkmalschützer warnten davor, die einzigartige Silhouette von Paris dauerhaft zu verändern. Ihre Einwände blieben erfolglos. 1973 war der Turm fertiggestellt – mit 59 Stockwerken, einer dunklen Glasfassade und einer Höhe, die ihn weit über die Dächer der französischen Hauptstadt hinausragen ließ.

    Die Kritik ließ nicht lange auf sich warten. Viele empfanden den Bau als Fremdkörper mitten in einer Stadt, die weltweit für ihre historischen Boulevards und klassischen Fassaden berühmt ist. Besonders beliebt wurde ein bissiger Witz: Den schönsten Blick auf Paris genieße man von der Aussichtsplattform der Tour Montparnasse – schließlich müsse man den Turm von dort aus nicht sehen. Die öffentliche Ablehnung hatte Folgen. Bereits wenige Jahre später verschärfte Paris seine Bauvorschriften und verlagerte neue Hochhäuser weitgehend in die Randgebiete der Metropole.

    Zu den ästhetischen Problemen gesellten sich später technische. In den 2000er-Jahren rückte die Asbestbelastung des Gebäudes in den Mittelpunkt. Die Sanierung erwies sich als kompliziert, teuer und langwierig. Unterschiedliche Gutachten, aufwendige Sicherheitsmaßnahmen und die komplizierte Eigentümerstruktur bremsten jede grundlegende Modernisierung aus. Der Turm gehört nicht einem einzelnen Investor, sondern mehreren Dutzend Eigentümern mit teils sehr unterschiedlichen wirtschaftlichen Interessen.

    2017 schien dennoch ein Neuanfang möglich. Ein internationaler Architekturwettbewerb brachte ehrgeizige Pläne hervor. Die dunkle Fassade sollte einer hellen, transparenten Gebäudehülle weichen. Vorgesehen waren moderne Büroflächen, ein Hotel, Restaurants sowie ein begrünter Dachbereich. Aus dem ungeliebten Hochhaus sollte ein nachhaltiges Wahrzeichen entstehen, das besser in das Stadtbild passt.

    Doch genau dieses Vorhaben gerät inzwischen ins Stocken. Während anfangs mit Baukosten von rund 300 Millionen Euro gerechnet wurde, stiegen die Schätzungen Jahr für Jahr deutlich an. Inzwischen bewegt sich das Gesamtvolumen einschließlich Steuern und weiterer Ausgaben in Richtung 800 Millionen Euro. Parallel dazu hat sich der Markt für Büroimmobilien grundlegend verändert. Homeoffice, gestiegene Finanzierungskosten und eine schwächere Nachfrage nach großen Büroflächen erschweren die wirtschaftliche Kalkulation erheblich.

    Hinzu kommt, dass nicht mehr alle Eigentümer den ursprünglichen Umbau unterstützen. Besonders größere Investoren äußern Zweifel an der Rentabilität des Projekts. Dadurch steht die umfassende Neugestaltung praktisch wieder zur Diskussion.

    Seit Ende März 2026 ist die Tour Montparnasse vollständig geräumt. Auch die Aussichtsplattform, die jedes Jahr zahlreiche Besucher anzog, blieb geschlossen. Eigentlich sollten die Bauarbeiten längst begonnen haben. Stattdessen herrscht Unsicherheit darüber, ob das bisherige Konzept überhaupt noch umgesetzt wird. Gleichzeitig wächst der Zeitdruck, da wichtige Genehmigungen nur noch begrenzte Zeit gültig sind.

    Als Alternative gilt inzwischen eine deutlich kleinere Lösung. Im Mittelpunkt stünden dann die technische Modernisierung, die vollständige Asbestsanierung und eine schlichtere Erneuerung der Fassade. Das wäre wesentlich günstiger, würde dem Gebäude jedoch kaum jene spektakuläre Verwandlung verleihen, auf die viele gehofft hatten.

    So bleibt die Tour Montparnasse das, was sie seit ihrer Entstehung ist: ein Symbol für den schwierigen Spagat zwischen Moderne und Tradition. Der dunkle Turm ragt weiterhin über Paris, ungeliebt, umstritten und zugleich zu bedeutend, um ihn einfach verschwinden zu lassen.

    M.A.B.

  • Bahnstreik in der Normandie sorgt am ersten August-Wochenende für erhebliche Einschränkungen

    Bahnstreik in der Normandie sorgt am ersten August-Wochenende für erhebliche Einschränkungen

    Ausgerechnet zum ersten großen Reisewochenende im August werden Bahnreisende zwischen Paris und der Normandie auf eine Geduldsprobe gestellt. Ein kurzfristig angekündigter lokaler Streik bei der französischen Staatsbahn SNCF führt von Freitag, 31. Juli, bis einschließlich Sonntag, 2. August 2026, zu zahlreichen Zugausfällen, geänderten Fahrplänen und voraussichtlich stark ausgelasteten Verbindungen. Besonders betroffen sind Urlauber, Tagesausflügler und Pendler, die zwischen der Hauptstadt und den beliebten Küstenorten der Normandie unterwegs sind.

    An dem Arbeitskampf beteiligen sich vor allem Lokführer, daneben auch Zugbegleiter sowie Beschäftigte an den Bahnhöfen im Bereich Paris-Saint-Lazare. Mehrere Gewerkschaften tragen die Protestaktion gemeinsam. Die SNCF spricht von einer unerwarteten lokalen Arbeitskampfmaßnahme, die den Zugverkehr auf einigen der wichtigsten Verbindungen der Region deutlich beeinträchtigt.

    Vor allem die Strecken vom Bahnhof Paris-Saint-Lazare in Richtung Rouen, Le Havre, Caen, Cherbourg, Vernon, Évreux sowie Trouville und Deauville stehen im Mittelpunkt der Einschränkungen. Gerade diese Verbindungen zählen während der Sommerferien zu den meistgenutzten Bahnstrecken Frankreichs. Tausende Menschen nutzen sie jedes Wochenende, um an die Strände des Ärmelkanals oder in die historischen Städte der Normandie zu reisen. Nun drohen längere Wartezeiten, überfüllte Züge und kurzfristige Änderungen im Fahrplan.

    Bereits für den ersten Streiktag mussten zahlreiche Verbindungen gestrichen werden. Ursprünglich waren 465 Züge auf den betroffenen Strecken vorgesehen, mindestens 67 davon fielen bereits vorab aus. Gleichzeitig unterscheiden sich die veröffentlichten Angaben zur tatsächlichen Anzahl der fahrenden Züge je nach Informationsquelle. Für Reisende bedeutet das vor allem eines: Allgemeine Prognosen helfen nur bedingt. Wer unterwegs ist, sollte ausschließlich den Status der eigenen Verbindung im Blick behalten.

    Neben den Zugausfällen rechnen Experten mit erheblichen Verspätungen und einer deutlich höheren Auslastung der verbleibenden Züge. Wer zeitlich flexibel plant, dürfte außerhalb der klassischen Hauptreisezeiten bessere Chancen auf einen Sitzplatz haben. Trotzdem gilt: Gerade an diesem Wochenende ist Geduld gefragt.

    Der Zeitpunkt des Streiks verschärft die Lage zusätzlich. In Frankreich fällt das erste August-Wochenende traditionell mit dem sogenannten „chassé-croisé“ zusammen. Dann treffen die Rückkehrer aus den Juli-Ferien auf die Urlauber, die Anfang August ihre Reise antreten. Straßen, Bahnhöfe und Züge erreichen regelmäßig ihre Kapazitätsgrenzen – und genau in diese ohnehin angespannte Situation platzt nun der Arbeitskampf.

    Immerhin bleibt nicht das gesamte Bahnnetz der Normandie von den Einschränkungen verschont. Mehrere regionale Verbindungen sollen planmäßig verkehren. Dazu gehören unter anderem die Strecken zwischen Rouen und Dieppe, Rouen und Caen, Rouen über Amiens nach Lille sowie verschiedene Verbindungen rund um Caen, Granville, Rennes, Alençon und Le Mans. Auch die regionalen Nomad-Busse sollen ihren Betrieb ohne Einschränkungen fortsetzen. Selbst zwei TGV-Verbindungen bleiben nach aktuellem Stand vom Streik unberührt.

    Zusätzliche Schwierigkeiten ergeben sich unabhängig vom Arbeitskampf auf der Strecke zwischen Paris und Évreux. Dort laufen Bauarbeiten im Zusammenhang mit der Verlängerung der Schnellbahnlinie Eole. Zwischen Samstagmittag und Sonntagmittag ruht der Zugverkehr auf diesem Abschnitt vollständig. Außerhalb dieser Sperrung müssen einige Züge Umleitungen fahren, wodurch sich die Reisezeit spürbar verlängert.

    Die SNCF empfiehlt allen Fahrgästen, den Status ihrer Verbindung jeweils am Vortag ab 17 Uhr zu kontrollieren. Selbst bestätigte Züge können kurzfristig noch geändert oder gestrichen werden. Für Fahrkarten betroffener Verbindungen gelten erleichterte Regelungen bei Umbuchung und Erstattung. Wer von einem Zugausfall betroffen ist, sollte daher die Mitteilungen der Bahn sorgfältig prüfen.

    Der Bahnstreik legt die Normandie zwar nicht lahm, trifft aber ausgerechnet jene Strecken, auf denen zum Ferienbeginn besonders viele Menschen unterwegs sind. Wer an diesem Wochenende zwischen Paris und der normannischen Küste reist, sollte genügend Zeit einplanen, die eigene Verbindung kurz vor der Abfahrt noch einmal überprüfen und sich auf einen längeren Reisetag einstellen.

    Von C. Hatty

  • Schwer an Alzheimer erkrankt: Anwalt fordert Freilassung des Terroristen Carlos

    Schwer an Alzheimer erkrankt: Anwalt fordert Freilassung des Terroristen Carlos

    Der venezolanische Terrorist Ilich Ramírez Sánchez, besser bekannt unter seinem Kampfnamen „Carlos“ oder „der Schakal“, könnte nach mehr als drei Jahrzehnten Haft erneut Gegenstand einer juristischen Grundsatzdebatte werden. Sein Verteidiger hat beim zuständigen Pariser Strafvollstreckungsgericht die Freilassung seines Mandanten aus medizinischen Gründen beantragt. Zur Begründung verweist er auf eine fortgeschrittene Alzheimer-Erkrankung, die den heute 76-Jährigen nach seiner Darstellung nicht mehr in die Lage versetze, den Alltag im Gefängnis eigenständig zu bewältigen.

    Der Antrag wirft eine Frage auf, die weit über den Einzelfall hinausreicht: Wie weit reicht das Gebot der Menschenwürde im Strafvollzug – selbst gegenüber einem Mann, der als einer der berüchtigtsten Terroristen des 20. Jahrhunderts gilt und für zahlreiche Tote verantwortlich gemacht wird?

    Antrag auf Haftentlassung aus medizinischen Gründen

    Der Rechtsanwalt des inhaftierten Terroristen wandte sich mit einem Schreiben an die Präsidentin des Pariser Strafvollstreckungsgerichts, das für Terrorismusverfahren zuständig ist. Er fordert eine zeitnahe Anhörung, um über eine Haftentlassung aus gesundheitlichen Gründen zu entscheiden.

    Nach Darstellung der Verteidigung habe sich der körperliche und geistige Zustand des Gefangenen erheblich verschlechtert. Carlos leide an einer fortschreitenden Alzheimer-Erkrankung, verliere zunehmend die Orientierung und sei inzwischen auf Hilfe im Alltag angewiesen. Unter diesen Umständen könne der französische Staat seinem Mandanten ein menschenwürdiges Lebensende außerhalb des Gefängnisses ermöglichen, ohne die rechtsstaatlichen Grundsätze infrage zu stellen.

    Die französische Gesetzgebung erlaubt grundsätzlich eine Haftunterbrechung oder Entlassung aus medizinischen Gründen, wenn ein Gefangener schwer erkrankt ist und eine angemessene Behandlung oder Betreuung im Strafvollzug nicht mehr gewährleistet werden kann. Allerdings gelten bei Terrorismusdelikten besonders strenge Maßstäbe. Das Gericht muss sowohl medizinische Gutachten als auch Sicherheitsaspekte berücksichtigen.

    Mehr als drei Jahrzehnte Haft

    Carlos befindet sich seit seiner Festnahme im August 1994 ununterbrochen in französischer Haft. Der heute 76-Jährige verbüßt mehrere lebenslange Freiheitsstrafen, die auf verschiedene Terroranschläge und Morde zurückgehen.

    Verurteilt wurde er unter anderem wegen der Ermordung dreier Personen in Paris im Jahr 1975 sowie wegen mehrerer Bombenanschläge in Frankreich, bei denen zahlreiche Menschen ums Leben kamen oder schwer verletzt wurden. Hinzu kommt seine Verurteilung wegen des Granatenanschlags auf das Pariser Kaufhaus Drugstore Publicis im September 1974. Bei diesem Attentat starben zwei Menschen, 34 weitere wurden verletzt.

    Die französische Justiz bestätigte seine lebenslange Freiheitsstrafe letztinstanzlich im Jahr 2021. Während des Prozesses zeigte Carlos keinerlei Reue. Vielmehr bezeichnete er sich weiterhin als revolutionären Kämpfer und bekannte sich öffentlich zu zahlreichen Gewalttaten.

    Der Terrorist, der Europa in Angst versetzte

    Ilich Ramírez Sánchez gehörte in den 1970er- und 1980er-Jahren zu den international meistgesuchten Terroristen. Geboren 1949 in Venezuela, schloss er sich früh radikalen palästinensischen Organisationen an und arbeitete zunächst für die Volksfront zur Befreiung Palästinas (PFLP). Später agierte er zunehmend eigenständig und baute ein internationales Netzwerk auf, das Kontakte zu verschiedenen militanten Gruppen unterhielt.

    Seinen weltweiten Bekanntheitsgrad erreichte Carlos durch den Überfall auf die Opec-Konferenz in Wien im Dezember 1975. Gemeinsam mit seinem Kommando nahm er zahlreiche Erdölminister als Geiseln und zwang sie auf eine spektakuläre Flucht über mehrere Länder. Die Aktion machte ihn endgültig zu einer Symbolfigur des internationalen Terrorismus.

    In Frankreich wurde sein Name insbesondere mit einer Serie von Bombenanschlägen verbunden, die Anfang der 1980er-Jahre das Land erschütterten. Die Anschläge richteten sich gegen Bahnhöfe, öffentliche Einrichtungen und andere zivile Ziele. Mehrere Menschen kamen dabei ums Leben, Dutzende wurden verletzt. Die Anschlagsserie trug wesentlich dazu bei, dass Frankreich seine Anti-Terror-Gesetzgebung verschärfte und den Ausbau spezialisierter Ermittlungs- und Sicherheitsbehörden vorantrieb.

    Nach jahrelanger Flucht gelang französischen Sicherheitskräften 1994 die Festnahme des Terroristen im Sudan. Er wurde nach Frankreich gebracht und befindet sich seitdem in verschiedenen Hochsicherheitsgefängnissen.

    Der Gesundheitszustand im Mittelpunkt

    Im Mittelpunkt des aktuellen Verfahrens steht nicht die Schuldfrage, sondern ausschließlich der medizinische Zustand des Gefangenen. Das zuständige Gericht wird prüfen müssen, ob tatsächlich eine schwere Demenzerkrankung vorliegt und ob die gesundheitliche Situation eine weitere Inhaftierung noch zulässt.

    Hierfür dürften unabhängige Sachverständige den Gesundheitszustand beurteilen. Gleichzeitig werden die Strafvollzugsbehörden darlegen müssen, ob eine angemessene medizinische Versorgung innerhalb des Gefängnisses weiterhin gewährleistet werden kann. Auch die Anti-Terror-Staatsanwaltschaft dürfte im Verfahren Stellung beziehen.

    Aus juristischer Sicht reicht allein ein hohes Alter nicht aus, um eine Haftentlassung zu rechtfertigen. Entscheidend ist vielmehr, ob die Erkrankung ein Ausmaß erreicht hat, das eine Fortsetzung der Haft mit den gesetzlichen Vorgaben und den menschenrechtlichen Verpflichtungen Frankreichs unvereinbar erscheinen lässt.

    Zwischen Vergeltung und Menschenwürde

    Der Antrag berührt einen der schwierigsten Bereiche des modernen Strafrechts. Einerseits stehen die außergewöhnliche Schwere der begangenen Straftaten sowie das Leid der Opfer und ihrer Angehörigen im Mittelpunkt. Andererseits verpflichtet der Rechtsstaat seine Behörden dazu, die Menschenwürde jedes Gefangenen zu achten – unabhängig von dessen Vergangenheit.

    Diese Grundsätze ergeben sich sowohl aus dem französischen Recht als auch aus der Europäischen Menschenrechtskonvention. Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte hat wiederholt betont, dass selbst schwerste Straftäter Anspruch auf eine menschenwürdige Behandlung und angemessene medizinische Versorgung besitzen.

    Eine mögliche Haftentlassung würde daher weder die rechtskräftigen Urteile noch die historische Verantwortung des Terroristen relativieren. Ebenso wenig käme sie einer nachträglichen Begnadigung gleich. Vielmehr müsste das Gericht ausschließlich beurteilen, ob der Gesundheitszustand des Gefangenen eine weitere Inhaftierung rechtlich noch zulässt.

    Die Entscheidung dürfte deshalb weit über den Fall Carlos hinaus Beachtung finden. Sie wird erneut zeigen, wie ein demokratischer Rechtsstaat das Spannungsverhältnis zwischen berechtigtem Strafanspruch, öffentlicher Sicherheit und dem Schutz der Menschenwürde selbst gegenüber einem der berüchtigtsten Terroristen der Nachkriegsgeschichte austariert.

    P. Tiko

  • Das höchste Gebäude von Paris zerfällt – und alle schauen zu

    Das höchste Gebäude von Paris zerfällt – und alle schauen zu

    Es ist schon beeindruckend. Da steht mitten in Paris ein 210 Meter hoher Betonriese, von dem inzwischen regelmäßig Fensterscheiben und Fassadenteile auf die Straße stürzen – und die eigentliche Überraschung ist nicht, dass das passiert. Die Überraschung ist, dass bislang noch niemand unter diesen Trümmern gestorben ist.

    Vielleicht gehört das inzwischen zum Stadtbild. Eiffelturm, Notre-Dame, Louvre – und der Tour Montparnasse als monumentales Symbol dafür, wie meisterhaft man Probleme aussitzen kann. Jahr für Jahr wird diskutiert, geplant, gestritten und gerechnet. Währenddessen verabschieden sich Fenster aus den oberen Etagen und suchen sich ihren eigenen Weg Richtung Asphalt.

    Natürlich folgt nach jedem Vorfall das übliche Ritual. Die Feuerwehr rückt an. Straßen werden abgesperrt. Experten seilen sich an der Fassade ab. Politiker zeigen sich besorgt. Eigentümer verweisen auf offene Finanzierungsfragen. Anschließend kehrt wieder Ruhe ein – bis zur nächsten herabfallenden Scheibe.

    Man fragt sich unweigerlich: Worauf wartet man eigentlich? Auf den ersten Todesfall? Auf ein Auto, das von mehreren hundert Kilogramm Glas getroffen wird? Oder darauf, dass Touristen den Turm künftig nur noch mit einem Schutzhelm fotografieren?

    Es geht längst nicht mehr um Architektur oder um die Frage, ob der Tour Montparnasse schön oder hässlich ist. Darüber streiten die Pariser seit seiner Eröffnung. Es geht um Sicherheit. Um Verantwortung. Und um den erschreckenden Eindruck, dass Eigentümer und Entscheidungsträger lieber endlose Debatten führen, als endlich zu handeln.

    Der Streit um Millionenbeträge wirkt inzwischen geradezu grotesk. Für Sanierungspläne scheint kein Geld vorhanden zu sein. Absperrbänder und Feuerwehreinsätze dagegen gehören offenbar zum kalkulierten Alltag. Eine bemerkenswerte Prioritätensetzung.

    Paris präsentiert sich gern als Weltmetropole, als Stadt der Innovation, der Kultur und der Lebensqualität. Doch mitten in dieser Weltstadt steht ein Hochhaus, das Stück für Stück auseinanderfällt. Ausgerechnet an einem der belebtesten Verkehrsknotenpunkte der Hauptstadt.

    Vielleicht sollte man den Tour Montparnasse einfach offiziell umwidmen. Nicht mehr als Bürogebäude, sondern als Mahnmal der französischen Verwaltungskunst. Eintritt frei – Helmpflicht empfohlen.

    Irgendwann endet jeder Stillstand. Die einzige offene Frage lautet: Passiert das durch entschlossenes Handeln oder erst durch eine Tragödie? Wer darauf keine Antwort geben möchte, trägt längst Mitverantwortung.

    C. Hatty

  • Fenster stürzen vom Tour Montparnasse – Sorge um die Sicherheit wächst

    Fenster stürzen vom Tour Montparnasse – Sorge um die Sicherheit wächst

    Erneut sind vom Tour Montparnasse in Paris Fensterelemente aus großer Höhe auf die Straße gestürzt. Verletzt wurde zwar niemand, doch der Vorfall sorgt für erhebliche Unruhe. Besonders beunruhigend: Nach Medienberichten handelt es sich bereits um den dritten ähnlichen Zwischenfall innerhalb von sechs Monaten. Damit rückt die Frage nach dem baulichen Zustand des Hochhauses und der seit Jahren geplanten Sanierung immer stärker in den Mittelpunkt.

    Am Sonntagnachmittag lösten sich zunächst Teile eines Fensters im 20. Stockwerk. Wenige Stunden später fiel eine weitere Scheibe aus einem der obersten Geschosse rund 200 Meter in die Tiefe. Die Trümmer gingen auf der Rue du Départ nieder und schlugen teilweise in unmittelbarer Nähe von Geschäften auf.

    Augenzeugen schilderten chaotische Szenen. Passanten schrien und suchten hastig Schutz, nachdem die herabfallenden Teile bemerkt worden waren. Andere beobachteten das Geschehen aus sicherer Entfernung. Viele Anwohner reagieren inzwischen mit Sorge. Einige kündigten an, den Bereich um den Turm künftig zu meiden. Das ohnehin umstrittene Hochhaus gilt für manche inzwischen nicht mehr nur als ungeliebtes Wahrzeichen, sondern als mögliches Sicherheitsrisiko.

    Die Feuerwehr sperrte die Rue du Départ sowie die Rue Edgar-Quinet vorübergehend ab. Spezialkräfte untersuchten die Fassade und entfernten im Abseilverfahren weitere lockere Fensterelemente, um zusätzliche Gefahren auszuschließen. Erst nach Abschluss der Sicherungsarbeiten konnte der Bereich wieder freigegeben werden.

    Dass niemand verletzt wurde, grenzt angesichts der stark frequentierten Umgebung an Glück. Der Tour Montparnasse befindet sich unmittelbar neben einem der wichtigsten Pariser Bahnhöfe. Täglich sind dort Tausende Pendler, Touristen und Besucher unterwegs.

    Der 1973 eröffnete Turm ist mit rund 210 Metern das höchste Gebäude innerhalb des Pariser Stadtgebiets. Schon bei seiner Errichtung war die Architektur umstritten. Inzwischen prägen jedoch vor allem technische Probleme und der Sanierungsbedarf die Diskussion. Das Gebäude wurde bereits vollständig geräumt, nachdem umfangreiche Asbestbelastungen bekannt geworden waren.

    Eigentlich war eine umfassende Modernisierung vorgesehen. Geplant waren eine neue Glasfassade, ein Hotel, zusätzliche öffentliche Bereiche sowie ein begrünter Dachbereich. Die Kosten stiegen jedoch von ursprünglich rund 600 Millionen auf etwa 800 Millionen Euro. Zusätzlich geriet das Projekt zuletzt ins Stocken, nachdem ein wichtiger Miteigentümer seine Unterstützung für die aufwendige Komplettsanierung zurückgezogen hatte.

    Ab September soll zunächst mit der Entkernung der unteren Stockwerke, der Asbestsanierung und dem Rückbau von Fassadenteilen begonnen werden. Ob die ursprünglich geplante Neugestaltung anschließend tatsächlich umgesetzt wird, bleibt offen. Nach den jüngsten Vorfällen geht es längst nicht mehr nur um Architektur oder Investitionen – sondern vor allem um die Sicherheit im Herzen der französischen Hauptstadt.

    Daniel Ivers

  • Der Skulpturengarten der Île Seguin: Kunst und Natur zwischen monumentalen Neubauten

    Der Skulpturengarten der Île Seguin: Kunst und Natur zwischen monumentalen Neubauten

    Über viele Jahrzehnte galt die Île Seguin als Herz der französischen Automobilindustrie. Auf der Seine-Insel westlich von Paris liefen Millionen Renault-Fahrzeuge vom Band, zeitweise arbeiteten hier mehr als 30.000 Menschen. Lärm, Schornsteine und Produktionshallen prägten das Bild. Heute entsteht an derselben Stelle ein Kulturquartier, das Konzerthaus, Kunst, Freizeit und Gastronomie miteinander verbindet. Im Mittelpunkt dieser […]

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  • Raus aus Paris, rein ins Grüne: Wie die Bourgogne-Franche-Comté neue Einwohner gewinnen möchte

    Raus aus Paris, rein ins Grüne: Wie die Bourgogne-Franche-Comté neue Einwohner gewinnen möchte

    Während viele ländliche Regionen Frankreichs mit sinkenden Einwohnerzahlen, alternden Gemeinden und der Abwanderung junger Menschen kämpfen, schlägt die Bourgogne-Franche-Comté einen bemerkenswerten Weg ein. Statt den demografischen Wandel lediglich hinzunehmen, wirbt die Region aktiv um Menschen, die sich ein neues Leben fernab der Großstadt vorstellen können. Mit einem landesweit einzigartigen Programm möchte sie Familien, Berufstätige und Ruhesuchende für einen Neustart auf dem Land begeistern.

    Die Resonanz überrascht selbst die Verantwortlichen. Schon kurz nach dem Start meldeten sich Tausende Interessenten, die ernsthaft über einen Umzug nachdenken. Offensichtlich trifft das Angebot einen Nerv.

    Viele Dörfer und kleinere Städte der Region stehen seit Jahren vor denselben Herausforderungen. Junge Menschen verlassen ihre Heimat für Ausbildung oder Studium und finden anschließend Arbeit in den großen Metropolen. Zurück bleiben Gemeinden, in denen Schulen immer weniger Kinder zählen, Geschäfte schließen und Arztpraxen kaum Nachfolger finden. Für viele Orte geht es längst um die Frage, wie ihre Zukunft aussehen soll.

    Genau dort setzt das Programm „Venez vivre en Bourgogne-Franche-Comté“ an. Anders als klassische Werbekampagnen beschränkt es sich nicht auf schöne Landschaftsbilder oder touristische Versprechen. Interessenten erhalten eine persönliche Begleitung, die den Schritt in ein neues Leben erleichtern soll. Unterstützung gibt es bei der Suche nach geeignetem Wohnraum, bei Fragen zum Arbeitsmarkt, zu Schulen, Kinderbetreuung und Freizeitmöglichkeiten sowie beim Kontakt mit Unternehmen und Verwaltungen vor Ort.

    Gerade dieser persönliche Ansatz macht den Unterschied. Ein Umzug bedeutet schließlich weit mehr als nur einen Wohnortwechsel. Neue Arbeitsplätze, soziale Kontakte und der Alltag der ganzen Familie wollen organisiert sein. Genau dabei möchte die Region helfen.

    Dass das Konzept so viel Aufmerksamkeit erhält, überrascht kaum. Spätestens seit der Corona-Pandemie denken viele Menschen über ihre Lebensweise neu nach. Homeoffice eröffnet zahlreiche Möglichkeiten, den Wohnort freier zu wählen. Gleichzeitig steigen die Lebenshaltungskosten in Paris und anderen Großstädten stetig an. Für viele Familien bleibt der Traum vom Eigenheim dort unerreichbar.

    Auf dem Land sieht die Rechnung oft ganz anders aus. Häuser mit Garten, mehr Platz und eine ruhige Umgebung kosten häufig nur einen Bruchteil dessen, was in der Hauptstadt verlangt wird. Dazu kommen kurze Wege, Natur direkt vor der Haustür und ein stärkeres Gemeinschaftsgefühl. Manche würden sagen: Da lebt es sich einfach entspannter.

    Doch die Bourgogne-Franche-Comté setzt nicht allein auf ihre idyllische Landschaft. Auch wirtschaftlich bietet die Region Chancen. Unternehmen aus Industrie, Handwerk, Landwirtschaft, Gesundheitswesen und Tourismus suchen händeringend nach Fachkräften. Neue Einwohner stärken deshalb nicht nur den Arbeitsmarkt, sondern sichern auch Schulen, Vereine, Geschäfte und öffentliche Einrichtungen.

    Ob dieses Modell Schule macht, bleibt abzuwarten. Das Interesse anderer französischer Regionen ist jedenfalls groß. Viele stehen vor ähnlichen Problemen und beobachten genau, ob aus den zahlreichen Anfragen tatsächlich dauerhafte Zuzüge entstehen.

    Schon heute zeigt das Projekt jedoch, dass immer mehr Menschen bereit sind, ihre Prioritäten neu zu ordnen. Wer den Lärm der Metropole gegen Ruhe, Natur und ein engeres Miteinander tauschen möchte, findet in der Bourgogne-Franche-Comté nicht nur eine neue Adresse, sondern vielleicht auch ein neues Zuhause.

    Autor: Andreas M. Brucker

  • Fast jede fünfte Wohnung in Paris ist keine Hauptwohnung – doch die Zahlen erzählen eine komplexere Geschichte

    Fast jede fünfte Wohnung in Paris ist keine Hauptwohnung – doch die Zahlen erzählen eine komplexere Geschichte

    Paris leidet seit Jahren unter einer angespannten Wohnraumsituation. Steigende Mieten, ein knappes Angebot und der Rückgang dauerhaft bewohnter Wohnungen prägen die Debatte. Dabei fällt häufig die Behauptung, Hunderttausende Wohnungen stünden leer. Tatsächlich hängt die Antwort entscheidend davon ab, was unter einer „unbewohnten“ Wohnung verstanden wird.

    Grundsätzlich unterscheiden die französischen Behörden zwischen zwei Kategorien. Einerseits gibt es leerstehende Wohnungen, die unbewohnt und in der Regel unmöbliert sind oder über einen längeren Zeitraum nicht genutzt werden. Andererseits existieren Zweitwohnungen und gelegentlich genutzte Wohnungen, die zwar nicht als Hauptwohnsitz dienen, aber beispielsweise als Zweitwohnsitz, Pendlerwohnung oder zeitweise Ferienunterkunft genutzt werden.

    Nach den jüngsten von der Stadt Paris ausgewerteten Daten gibt es in der französischen Hauptstadt rund 272.000 Wohnungen, die nicht als Hauptwohnsitz genutzt werden. Das entspricht nahezu jeder fünften Wohnung im gesamten Wohnungsbestand.

    Rund 130.000 Wohnungen stehen tatsächlich leer

    Von diesen 272.000 Wohnungen entfallen etwa 48 Prozent auf leerstehende Wohnungen, was rund 130.000 Einheiten entspricht. Die übrigen 52 Prozent, rund 142.000 Wohnungen, werden als Zweitwohnungen oder gelegentlich genutzte Unterkünfte geführt.

    Diese Unterscheidung ist für die wohnungspolitische Diskussion von zentraler Bedeutung. Während leerstehende Wohnungen grundsätzlich dem regulären Wohnungsmarkt wieder zugeführt werden könnten, erfüllen Zweitwohnungen häufig andere Funktionen. Sie gehören etwa Berufspendlern, Personen mit mehreren Wohnsitzen oder Eigentümern, die ihre Wohnung nur zeitweise nutzen.

    Nicht jeder Leerstand ist ein wohnungspolitisches Problem

    Der Begriff „Leerstand“ vermittelt oft den Eindruck dauerhaft ungenutzter Wohnungen. Tatsächlich ist dies jedoch nur teilweise zutreffend.

    Ein Teil des Leerstands gilt als sogenannter friktioneller Leerstand. Dabei handelt es sich um Wohnungen, die sich lediglich vorübergehend nicht in Nutzung befinden – beispielsweise zwischen zwei Mietverhältnissen, während Renovierungsarbeiten oder im Zuge eines Erbverfahrens. Solche Leerstände gelten als normal und sind in jedem funktionierenden Wohnungsmarkt unvermeidbar.

    Nach Einschätzung der Stadt Paris sind jedoch rund 15 Prozent der leerstehenden Wohnungen bereits seit mehr als zwei Jahren ungenutzt. Diese dauerhaft leerstehenden Wohnungen stehen im Mittelpunkt der kommunalen Wohnraumpolitik. Sie sollen durch steuerliche Maßnahmen und rechtliche Instrumente möglichst wieder dem Wohnungsmarkt zugeführt werden.

    Wohnraummangel trotz hoher Zahl nicht dauerhaft bewohnter Wohnungen

    Die hohen Zahlen verdeutlichen das Spannungsfeld, in dem sich Paris befindet. Einerseits herrscht ein erheblicher Mangel an bezahlbarem Wohnraum. Andererseits existiert ein beträchtlicher Bestand an Wohnungen, die entweder gar nicht oder nur zeitweise genutzt werden.

    Besonders in den zentralen Arrondissements hat der Anteil von Zweitwohnungen und gelegentlich genutzten Wohnungen in den vergangenen Jahren zugenommen. Touristische Nutzung, internationale Eigentümer sowie der Wunsch nach einem Zweitwohnsitz in der französischen Hauptstadt haben diese Entwicklung zusätzlich verstärkt. Gleichzeitig versucht die Stadtverwaltung, den dauerhaften Wohnungsbestand zu schützen und Spekulation sowie langfristigen Leerstand einzudämmen.

    Auch steuerliche Maßnahmen spielen dabei eine wichtige Rolle. Frankreich erhebt bereits seit Jahren spezielle Abgaben auf dauerhaft leerstehende Wohnungen sowie auf Zweitwohnungen in angespannten Wohnungsmärkten. Ziel ist es, Eigentümer zu einer dauerhaften Vermietung zu bewegen und zusätzlichen Wohnraum für die Bevölkerung zu schaffen.

    Paris steht damit exemplarisch für viele europäische Metropolen, in denen steigende Immobilienpreise, internationale Kapitalanlagen und touristische Nutzung den Druck auf den Wohnungsmarkt erhöhen. Die Diskussion über leerstehende Wohnungen zeigt zugleich, dass pauschale Zahlen oft irreführend sind. Nicht jede Wohnung, die kein Hauptwohnsitz ist, steht tatsächlich leer – und nicht jeder Leerstand stellt automatisch ungenutzten Wohnraum dar.

    Entscheidend bleibt daher die Differenzierung zwischen dauerhaft leerstehenden Wohnungen und solchen, die aus nachvollziehbaren Gründen nur zeitweise oder saisonal genutzt werden. Erst diese Unterscheidung ermöglicht eine sachliche Bewertung der tatsächlichen Wohnraumsituation in Paris.

    Autor: P. Tiko

  • Daniel Siad tot aufgefunden – Ermittlungen im Epstein-Komplex gehen dennoch weiter

    Daniel Siad tot aufgefunden – Ermittlungen im Epstein-Komplex gehen dennoch weiter

    Der Tod des französischen Model-Scouts Daniel Siad sorgt in Frankreich und weit darüber hinaus für erhebliche Aufmerksamkeit. Der 69-Jährige wurde am Montagabend in seinem Wohnhaus in Colombes bei Paris leblos aufgefunden. Die Staatsanwaltschaft in Nanterre leitete umgehend eine Untersuchung zur Klärung der Todesursache ein und ordnete eine Obduktion an. Bislang liegt keine offizielle Bestätigung über die genauen Umstände seines Todes vor.

    Nach Angaben aus seinem Umfeld vermutet seine Anwältin einen Herzstillstand. Die französischen Behörden behandeln den Fall jedoch zunächst als ungeklärten Todesfall. Solche Verfahren gelten als übliche Vorgehensweise, solange medizinische und kriminaltechnische Untersuchungen noch ausstehen.

    Siad rückte in den vergangenen Monaten verstärkt in den Fokus der Öffentlichkeit, nachdem Anfang 2026 umfangreiche Unterlagen zum Fall Jeffrey Epstein veröffentlicht worden waren. In diesen sogenannten „Epstein Files“ tauchte sein Name vielfach auf. US-Ermittler und Medien beschrieben ihn als mutmaßlichen Rekrutierer junger Frauen für das Umfeld des verstorbenen US-Finanziers Jeffrey Epstein. Siad selbst wies sämtliche Vorwürfe zurück und betonte stets, seine Kontakte zu Epstein hätten ausschließlich geschäftlicher Natur gedient. Von den später bekannt gewordenen Sexualverbrechen habe er nach eigener Darstellung nichts gewusst.

    Auch in Frankreich stand der Model-Scout im Mittelpunkt umfangreicher strafrechtlicher Ermittlungen. Mehrere Frauen erhoben schwere Vorwürfe gegen ihn, darunter Vergewaltigung und Menschenhandel. Die französische Justiz prüfte diese Anschuldigungen bereits unabhängig von den Entwicklungen in den Vereinigten Staaten. Mit der Veröffentlichung der amerikanischen Akten rückte der Fall erneut in den Mittelpunkt des öffentlichen Interesses.

    Durch Siads Tod enden zwar die strafrechtlichen Ermittlungen gegen ihn persönlich. Die umfassenden Untersuchungen zum mutmaßlichen Netzwerk rund um Jeffrey Epstein bleiben davon jedoch unberührt. Die Pariser Staatsanwaltschaft stellte klar, dass gegen weitere mögliche Beteiligte weiterhin ermittelt wird. Ziel bleibt die vollständige Aufarbeitung möglicher Verbindungen und Verantwortlichkeiten innerhalb des internationalen Netzwerks.

    Der Fall erinnert zugleich an einen weiteren prominenten Namen aus dem Epstein-Umfeld. Bereits 2022 wurde der französische Modelagent Jean-Luc Brunel tot in seiner Gefängniszelle aufgefunden. Die damaligen Ermittlungen kamen zu dem Ergebnis, dass es sich um einen Suizid handelte. Beide Todesfälle rücken das französische Kapitel des Epstein-Komplexes erneut in den Blickpunkt und werfen ein Schlaglicht auf die langjährigen Verbindungen zwischen der internationalen Modelbranche und den laufenden Ermittlungen.

    Mit Spannung richtet sich der Blick nun auf die Ergebnisse der Obduktion sowie auf den Fortgang der französischen Untersuchungen. Unabhängig von der Todesursache dürfte der Fall Daniel Siad die Debatte über das internationale Epstein-Netzwerk und dessen mögliche Unterstützer noch lange prägen.

    Von Daniel Ivers

  • Créteils Seilbahn begeistert Touristen aus aller Welt

    Créteils Seilbahn begeistert Touristen aus aller Welt

    Wer an Paris denkt, hat meist den Eiffelturm, den Louvre oder die Champs-Élysées vor Augen. Doch immer häufiger zieht es ausländische Besucher an einen Ort, der bislang kaum als touristisches Ziel galt: nach Créteil. Dort entwickelt sich die erste urbane Seilbahn der Île-de-France überraschend zu einer Attraktion, die Reisende aus aller Welt anlockt. Eigentlich entstand […]

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