Schlagwort: Papst Franziskus

  • Afrikas Katholiken im Aufbruch – und im Konflikt mit Rom

    Afrikas Katholiken im Aufbruch – und im Konflikt mit Rom

    Die Zukunft der katholischen Kirche entscheidet sich zunehmend südlich der Sahara. Während Europa säkularisiert und Lateinamerika sich religiös fragmentiert, wächst die Zahl der Gläubigen in Afrika rasant. Doch mit dieser demografischen Verschiebung treten auch ideologische Spannungen zutage, die das Selbstverständnis der Weltkirche grundlegend herausfordern.

    Mit rund 288 Millionen Gläubigen stellt Afrika inzwischen mehr als ein Fünftel der weltweiten Katholiken. Das Wachstum übertrifft das aller anderen Kontinente deutlich. Diese Dynamik erklärt, warum Papst Leo seine großen Auslandsreisen demonstrativ mit einem Afrika-Besuch beginnt – noch vor Stationen in den USA oder Südamerika. Die symbolische Botschaft ist klar: Die Peripherie ist ins Zentrum gerückt.

    Wachstum und Konkurrenz

    Das religiöse Wachstum Afrikas vollzieht sich jedoch nicht im luftleeren Raum. Katholiken konkurrieren zunehmend mit evangelikalen und pfingstkirchlichen Bewegungen, die häufig konservativere Positionen vertreten und mit emotionaler Liturgie sowie sozialer Nähe punkten. In vielen Ländern entscheiden nicht nur Theologie, sondern auch soziale Dienstleistungen und Gemeinschaftsstrukturen über religiöse Zugehörigkeit.

    Die katholische Kirche steht daher vor einem strategischen Dilemma: Soll sie an universellen Reformen festhalten oder stärker auf lokale kulturelle Kontexte eingehen? Diese Frage wird besonders virulent bei moralischen Themen.

    Der Konflikt um Werte

    Afrika gilt als Hochburg konservativer katholischer Positionen. Reformen unter Papst Franziskus, etwa die Erlaubnis zur Segnung gleichgeschlechtlicher Paare, stießen hier auf massiven Widerstand. Viele Bischöfe ignorieren oder relativieren diese Vorgaben bis heute.

    Ein exemplarisches Beispiel ist Kamerun. Dort identifizieren sich rund 30 Prozent der Bevölkerung als katholisch. Gleichzeitig ist Homosexualität strafbar, und gesellschaftlich dominieren traditionelle Wertevorstellungen. Lokale Kirchenvertreter argumentieren, dass kulturelle Normen nicht einfach durch römische Beschlüsse ersetzt werden könnten.

    Auch andere Themen zeigen die Spannung zwischen Doktrin und Lebensrealität. Polygamie ist in vielen afrikanischen Gesellschaften verbreitet, steht jedoch im Widerspruch zur katholischen Lehre. Eine jüngste Initiative afrikanischer Bischöfe sucht nach pragmatischen Lösungen, etwa durch eine schrittweise Integration Betroffener in die kirchliche Gemeinschaft – ohne die Lehre formal zu ändern.

    Ein vorsichtiger Papst

    Papst Leo agiert bislang zurückhaltend. Auf seiner Reise vermeidet er kontroverse Themen wie Homosexualität oder Polygamie. Stattdessen betont er politische Prinzipien wie Rechtsstaatlichkeit und Transparenz – etwa bei seinem Besuch beim langjährigen Präsidenten Paul Biya.

    Diese Strategie deutet auf ein bewusstes Ausweichen hin. Die innerkirchlichen Konfliktlinien sind bekannt, doch ihre offene Austragung birgt Risiken. Ein zu starkes Beharren auf Reformen könnte die wachsenden afrikanischen Gemeinden entfremden; ein Nachgeben wiederum würde die universelle Geltung kirchlicher Normen infrage stellen.

    Ungleichgewicht der Macht

    Hinzu kommt ein strukturelles Problem: Die wachsende Bedeutung Afrikas spiegelt sich bislang kaum in den Machtverhältnissen im Vatikan wider. Im Kardinalskollegium, das den Papst wählt, sind afrikanische Vertreter deutlich unterrepräsentiert. Dieses Ungleichgewicht verstärkt das Gefühl vieler Gläubiger, dass ihre Stimme zwar zählt – aber nicht entscheidet.

    Die katholische Kirche befindet sich damit in einem Transformationsprozess, der über reine Zahlen hinausgeht. Es geht um kulturelle Deutungshoheit, moralische Autorität und institutionelle Repräsentation. Afrika ist nicht nur Wachstumsmarkt, sondern auch Prüfstein für die Fähigkeit der Kirche, Einheit in Vielfalt zu organisieren.

    Die kommenden Jahre dürften zeigen, ob es Rom gelingt, diese Spannungen produktiv zu gestalten – oder ob sie sich zu einer Zerreißprobe entwickeln.


    Diplomatie unter Hochdruck: Pakistan vermittelt zwischen Teheran und Washington

    Die Ankunft pakistanischer Vermittler in Teheran markiert einen neuen Versuch, die fragile Waffenruhe zwischen Iran und den Vereinigten Staaten zu stabilisieren. Im Zentrum der Spannungen steht der Zugang zur strategisch entscheidenden Straße von Hormus – einer der wichtigsten maritimen Engpässe für den globalen Energiemarkt.

    Seit dem Abbruch der direkten Gespräche am vergangenen Wochenende dient Pakistan als Kommunikationskanal zwischen beiden Seiten. Diese indirekte Diplomatie verweist auf das tiefe Misstrauen, das weiterhin besteht. Ein iranischer Regierungssprecher bestätigte, dass bislang keine Einigung über eine Wiederaufnahme offizieller Verhandlungen erzielt wurde.

    Parallel dazu verschärft sich die militärische Lage. Die Vereinigten Staaten haben nach eigenen Angaben den Schiffsverkehr von und nach Iran vollständig unterbunden. Die Blockade iranischer Häfen stellt eine erhebliche Eskalation dar und bewegt sich völkerrechtlich in einer Grauzone. Während Washington von einer notwendigen Sicherheitsmaßnahme spricht, wertet Teheran die Aktion als wirtschaftliche Kriegsführung.

    Die iranische Führung reagierte mit scharfen Drohungen: Sollte die Blockade fortgesetzt werden, könne man den gesamten Schiffsverkehr im Persischen Golf sowie angrenzenden Gewässern stoppen. Eine solche Maßnahme hätte weitreichende Folgen für den internationalen Handel, insbesondere für den Öl- und Gastransport.

    Unklar bleibt bislang die tatsächliche Wirksamkeit der amerikanischen Blockade. Zwar berichtete das US-Militär, dass mehrere Schiffe den Anweisungen gefolgt seien und umkehrten, doch noch fehlen unabhängige Bestätigungen. Beobachter weisen darauf hin, dass eine vollständige Kontrolle der stark frequentierten Seewege operativ anspruchsvoll ist.

    Die kommenden Tage dürften entscheidend sein. Ob es Pakistan gelingt, Vertrauen aufzubauen und einen erneuten Verhandlungstermin zu ermöglichen, wird maßgeblich darüber entscheiden, ob sich die Krise weiter zuspitzt oder zumindest vorübergehend eingedämmt werden kann.


    WEITERE NACHRICHTEN

    Gestern jährte sich der Beginn des Konflikts im Sudan zum dritten Mal – ein Krieg, der zur größten humanitären Krise der Welt geführt hat.

    Der staatliche saudische Staatsfonds steht unter finanziellem Druck und steht kurz davor anzukündigen, seine Unterstützung für LIV Golf einzustellen.

    Ein Schüler eröffnete das Feuer in einer Schule in der Türkei und tötete mindestens neun Menschen – es ist bereits der zweite Amoklauf an einer Schule in der Türkei innerhalb von zwei Tagen.

    Die ranghöchste US-Diplomatin in Venezuela gab bekannt, dass sie ihren Posten verlässt – nur wenige Monate nach ihrem Amtsantritt.

    Trump drohte, Jerome Powell zu entlassen, sollte dieser sein Amt als Vorsitzender der Federal Reserve nicht freiwillig aufgeben.

    Ein Softwareverkäufer aus Paris gewann ein Picasso-Gemälde im Wert von 1,2 Millionen Dollar mit dem Titel „Tête de Femme“. Er hatte an einer Wohltätigkeitsverlosung teilgenommen.

    Ein Wissenschaftler in Großbritannien hat den genauen Standort einer Londoner Immobilie entdeckt, die einst William Shakespeare gehörte.

    Die BBC will rund 2.000 Stellen abbauen – etwa 10 Prozent ihrer Belegschaft.

    Ye, der Rapper, der früher als Kanye West bekannt war, verschob ein Konzert in Frankreich, für das von den Behörden bereits ein mögliches Verbot geprüft worden war.

    Johnny Somali, ein US-amerikanischer YouTuber, der für sogenanntes „Rage Bait“ bekannt ist, wurde in Südkorea zu sechs Monaten Haft verurteilt – wegen der Verbreitung sexueller Deepfakes und anderer Online-Aktionen.

    Christine Macha

  • Papst der Mitte – Leo I. und sein Stil der leisen Autorität

    Papst der Mitte – Leo I. und sein Stil der leisen Autorität

    Als Papst Franziskus im Jahr 2013 zu einem seiner ersten Auslandsbesuche auf die Mittelmeerinsel Lampedusa reiste, war die Symbolik unübersehbar: Die kleine, zwischen Sizilien und Tunesien gelegene Insel ist für viele afrikanische Migranten das Tor nach Europa – ein Ort der Hoffnung wie des Leids. Mit dieser bewussten Geste signalisierte Franziskus frühzeitig, dass seine Amtszeit den Ausgegrenzten, Geflüchteten und Marginalisierten gewidmet sein würde.

    Seit der Wahl von Papst Leo I. im Mai dieses Jahres stellen sich viele Katholiken, aber auch außenpolitische Beobachter die gleiche Frage: Wird der neue Pontifex den Kurs seines charismatischen Vorgängers fortsetzen – oder sich davon absetzen?

    Ein erster Aufschluss darüber ergab sich in der vergangenen Woche, als Leo zu einer Reise in die Türkei und den Libanon aufbrach. Der Besuch wurde mit ungewöhnlicher Aufmerksamkeit verfolgt – nicht nur wegen der geopolitischen Brisanz der Region, sondern auch, weil sich darin Leos Selbstverständnis als Oberhaupt einer globalen Kirche ablesen lässt.

    Geste mit Signalwirkung

    Dass Leo seine erste große Auslandsreise in eine Region unternahm, die mehrheitlich muslimisch geprägt ist und von politischen Spannungen erschüttert wird, ist ein bewusstes Signal. Es verweist auf ein Pontifikat, das sich nicht in innerkirchlichen Debatten erschöpfen will, sondern den Dialog mit der Welt sucht – auch dort, wo dieser schwierig ist. Frieden war denn auch das dominierende Thema auf dieser Reise. Schon bei seiner Wahl hatte Leo das Wort „Frieden“ als erstes öffentlich ausgesprochen – eine semantische Brücke zu Franziskus, aber auch ein programmatischer Anspruch.

    Während sein Vorgänger sich nicht scheute, in klaren Worten Missstände zu benennen – etwa, wenn er die israelischen Angriffe in Gaza als möglichen „Völkermord“ einstufte – wählt Leo einen zurückhaltenderen Ton. In der Sache jedoch bleibt er klar: In Istanbul und Beirut erneuerte er die vatikanische Unterstützung für eine Zwei-Staaten-Lösung im Nahostkonflikt. Und zum Jahrestag der Angriffe vom 7. Oktober ließ sein Staatssekretär verlauten, sowohl der Hamas-Überfall als auch die militärische Reaktion in Gaza seien als „Massaker“ zu bezeichnen – eine Wortwahl, die auf diplomatischer Ebene durchaus Gewicht hat.

    Kontinuität in den Grundwerten

    Inhaltlich bleibt Leo in vielen Fragen seinem Vorgänger verbunden. Wie Franziskus betont auch er die Würde der Schwachen, die Verantwortung für die Umwelt und die moralische Pflicht zur Solidarität mit den Armen. Sein erstes offizielles Lehrschreiben widmete er dem Thema Armut – ein bewusstes Zeichen der Prioritätensetzung. In den USA rief er die katholischen Bischöfe auf, sich deutlich gegen Massendeportationen zu positionieren – ein politisches Statement mit klarer gesellschaftlicher Stoßrichtung.

    Auffällig ist jedoch, dass Leo neue Akzente setzt. Besonders deutlich wird das bei seiner Warnung vor den Risiken künstlicher Intelligenz, die er nicht nur als technologische, sondern auch als ethische Herausforderung begreift. Hier greift er ein Thema auf, das in der päpstlichen Lehre bislang kaum eine Rolle spielte – und positioniert sich als wacher Beobachter des digitalen Zeitalters.

    Der Ton macht den Unterschied

    Trotz vieler inhaltlicher Übereinstimmungen mit Franziskus unterscheidet sich Leo im Stil. Wo Franziskus konfrontierte, mahnt Leo. Wo sein Vorgänger mitunter scharf formulierte, setzt Leo auf leise Autorität. Er verzichtet weitgehend auf moralische Appelle und bevorzugt eine Sprache der Vermittlung. Dabei gelingt es ihm, Position zu beziehen, ohne zu polarisieren – eine Kunst, die im aktuellen Klima der Zuspitzung zunehmend selten geworden ist.

    Seine Amtsführung lässt sich deshalb als bewusst antipolarisierend beschreiben. In einer Welt, die von geopolitischen und gesellschaftlichen Gegensätzen geprägt ist, versteht sich Leo als Stimme der Mäßigung. Er spricht von Einheit, wo andere Differenz betonen. Er mahnt zum Frieden, wo die Sprache der Stärke dominiert. Und er sucht das Gemeinsame, wo viele das Trennende betonen.

    Eine Kirche im Spannungsfeld

    Diese Haltung gilt auch für den innerkirchlichen Raum. Die katholische Kirche steht vor tiefgreifenden Spannungsfeldern – von der Rolle der Frau im Amt über den Umgang mit wiederverheirateten Geschiedenen bis zur Frage, ob gleichgeschlechtliche Paare Zugang zu kirchlichen Segnungen erhalten sollen. In all diesen Debatten agiert Leo nicht als Reformpapst im klassischen Sinne, sondern als Moderator eines schwierigen Aushandlungsprozesses. Seine Zurückhaltung ist dabei weniger Ausdruck von Schwäche als von strategischer Klugheit: Er will einen Raum des Gesprächs schaffen, ohne die Fliehkräfte zu verstärken.

    Ein Papst, der zuhört

    Auch in seiner persönlichen Ausstrahlung unterscheidet sich Leo von vielen seiner Vorgänger. Er gilt als humorvoll, verspielt – und menschlich nahbar. Dass er gerne „Wordle“ spielt, mag eine Anekdote sein, doch sie passt ins Bild: Hier ist kein weltfremder Kirchenfürst am Werk, sondern ein Mensch mit Gespür für den Alltag. Wer ihm begegnet, berichtet von einem Mann, der zuhört, der beobachtet, der nicht dominieren will. Ein Papst, der seine Rolle nicht als Zentrum der Welt versteht, sondern als moralischer Kompass in einer aus den Fugen geratenen Zeit.


    Weitere wichtige Nachrichten

    Russland erwartet US-Gesandten
    Steve Witkoff, Sondergesandter von Präsident Trump, wird heute in Moskau zu Gesprächen mit Präsident Wladimir Putin erwartet. Witkoff war maßgeblich an der Ausarbeitung eines umstrittenen Friedensplans beteiligt, der neue diplomatische Bemühungen zur Beendigung des Ukrainekriegs ausgelöst hat. Trotz intensiver Verhandlungen gibt es bislang jedoch kaum Anzeichen für eine Annäherung zwischen den Konfliktparteien. Dennoch erklärte die EU-Außenbeauftragte Kaja Kallas gegenüber Journalisten, dies „könnte eine entscheidende Woche für die Diplomatie werden“.

    Katastrophe in Sri Lanka
    Präsident Anura Kumara Dissanayake bezeichnete den Zyklon „Ditwah“, der Sri Lanka vergangene Woche traf, als die „größte und herausforderndste Naturkatastrophe in unserer Geschichte“. Die Zahl der Todesopfer liegt inzwischen bei über 350. Überschwemmungen und Erdrutsche haben mehr als eine Million Menschen betroffen. Der Wiederaufbau stellt eine immense Herausforderung für die Regierung dar, die erst im Vorjahr nach dem Sturz einer langjährigen Herrscherdynastie ins Amt kam.

    Auch andere Länder Südostasiens – darunter Indonesien, Thailand und Vietnam – wurden von einer ungewöhnlich zerstörerischen Monsunzeit heimgesucht. Mindestens 1.200 Menschen kamen dabei ums Leben.

    Weitere Meldungen:

    • Bei dem Großbrand in einem Wohnkomplex in Hongkong, bei dem über 150 Menschen ums Leben kamen, setzten Bauunternehmen laut Behörden unsichere Gerüstnetze ein und versuchten später, dies zu vertuschen.
    • In Honduras liegt bei der Präsidentschaftswahl ein Trump-naher Kandidat laut ersten Ergebnissen Kopf an Kopf mit seinem Herausforderer – ein weiteres Beispiel für die unberechenbare Rolle des US-Präsidenten in internationalen Wahlkämpfen.
    • Ein Berufungsgericht entschied, dass Trumps Anwältin Alina Habba unrechtmäßig als US-Staatsanwältin in New Jersey tätig war.
    • Großbritannien hat sich bereit erklärt, höhere Ausgaben für Arzneimittel in Kauf zu nehmen, um drohende US-Zölle zu vermeiden.
    • Die russische Startrampe für Astronautenflüge zur Internationalen Raumstation ist nach einem Zwischenfall in der vergangenen Woche außer Betrieb.

    Autor: P. Tiko

  • Spannung im Vatikan: 12:00 Uhr am Mittag – Noch kein neuer Papst gewählt

    Spannung im Vatikan: 12:00 Uhr am Mittag – Noch kein neuer Papst gewählt

    Die Augen der Welt richten sich auf einen unscheinbaren Schornstein – auf dem Dach der Sixtinischen Kapelle. Doch statt der ersehnten weißen Rauchwolke stieg am Donnerstagvormittag erneut schwarze Rauch auf. Das bedeutet: Auch am Morgen des zweiten Tages des Konklaves bleibt der Stuhl Petri leer.

    Geduld ist gefragt

    Seit Mittwochnachmittag befinden sich die 133 wahlberechtigten Kardinäle im Konklave, abgeschottet von der Außenwelt. Ihre Mission: Einen Nachfolger für Papst Franziskus finden. Doch eine Einigung ist bislang ausgeblieben. Zwei Wahlgänge am Donnerstagmorgen – kein Erfolg. Und wieder schwebte schwarzer Rauch über dem Petersdom, begleitet von enttäuschten Blicken auf dem Platz davor.

    Viele Pilger und Schaulustige haben sich dort versammelt, manche betend, andere in gespannter Stille. Hoffnung und Frustration liegen spürbar nah beieinander. Eine ältere Italienerin sagte leise: „Ich war auch bei der Wahl von Franziskus hier. Damals war das gute Gefühl sofort da.“ Diesmal jedoch besteht eher ein Gefühl einer zähen Suche.

    Zwei Drittel – ein hoher Anspruch

    Ein neuer Papst braucht mindestens 89 Stimmen – eine Zwei-Drittel-Mehrheit. Das Wahlverfahren ist klar strukturiert: Je zwei Wahlgänge am Vormittag und zwei am Nachmittag. Sollte auch der zweite Wahlgang am Vormittag keine Entscheidung bringen, wird nachmittag beziehungsweise am Abend erneut Rauch aufsteigen – entweder schwarz oder weiß.

    Wer weiß, vielleicht überrascht uns der nächste Rauch mit einem himmlischen Signal?

    Ein offenes Rennen

    Die Liste der Favoriten – die sogenannten „papabili“ – ist lang und vielfältig. Namen wie Pietro Parolin und Pierbattista Pizzaballa stehen hoch im Kurs, beide Italiener mit starker Präsenz im Vatikan. Auch der Malteser Mario Grech wird genannt, ebenso wie Jean-Marc Aveline, Erzbischof von Marseille, und Luis Antonio Tagle von den Philippinen, der als besonders weltoffen und volksnah gilt.

    Auffällig ist, dass viele der möglichen Kandidaten aus Regionen stammen, die bisher in der Kirchengeschichte selten im Fokus standen – sogenannte „Peripherien“, die Papst Franziskus besonders am Herzen lagen. Kein Wunder, schließlich hat er 81 Prozent der diemal wahlberechtigten Kardinäle selbst ernannt – viele davon aus Afrika, Asien oder Lateinamerika.

    Ein Balanceakt zwischen Tradition und Aufbruch

    Das macht das aktuelle Konklave zu einem der offensten seit Jahrzehnten. Ein Favorit scheint nicht klar erkennbar. Das wiederum macht die Entscheidung schwer, denn die Kirche steht an einem Wendepunkt. Soll der neue Papst den Kurs von Franziskus fortsetzen – mit Fokus auf Reformen, Umwelt und soziale Gerechtigkeit? Oder folgt ein Rückschwenk zu konservativeren Werten?

    Diese Fragen bewegen nicht nur die Kardinäle. Auch Millionen Gläubige weltweit spüren: Die Wahl des neuen Papstes wird weitreichende Konsequenzen haben – spirituell, politisch und gesellschaftlich.

    Mehr als eine Entscheidung – ein globales Zeichen

    Ein bisschen fühlt sich das Ganze an wie ein kollektiver Atem, den die katholische Welt gerade anhält. Jede Entscheidung, jede Rauchwolke sendet ein Signal – weit über Rom hinaus. Vielleicht ist genau das auch der Grund, warum dieses Konklave so viel Aufmerksamkeit auf sich zieht.

    Denn in einer Welt voller Konflikte, Klimakrise und gesellschaftlicher Spaltung suchen viele nach Orientierung – und hoffen, sie in einem neuen geistlichen Oberhaupt zu finden. Der nächste Papst wird nicht nur Oberhaupt der katholischen Kirche sein. Er wird ein globaler Akteur auf der Bühne des 21. Jahrhunderts.

    Ob die Kardinäle sich dieser Tragweite bewusst sind? Zweifel daran gibt es keine. Doch bis der weiße Rauch aufsteigt, heißt es: abwarten – und beten.

    Von C. Hatty

  • Neuer Papst gesucht: Im Vatikan begann heute eine richtungsweisende Wahl im Konklave

    Neuer Papst gesucht: Im Vatikan begann heute eine richtungsweisende Wahl im Konklave

    Am frühen Abend des 7. Mai 2025 fiel im Vatikan ein symbolträchtiger Riegel ins Schloss: Punkt 18 Uhr wurden die Türen der Sixtinischen Kapelle geschlossen. Dahinter – 133 Kardinäle aus 70 Ländern, eingeschlossen bis zur Wahl des nächsten Papstes. Das Konklave, streng abgeschirmt von der Außenwelt, hat begonnen. Eine Zeremonie voller Geschichte, Strenge und Hoffnung auf die Zukunft.

    Die Welt schaut hin.

    Ein Ritus zwischen Tradition und Moderne

    Schon am Vormittag begann der Tag im Zeichen des Übergangs. In der Basilika Sankt Peter versammelten sich die Kardinäle zur Messe, bevor sie sich am Nachmittag zur Kapelle Pauline begaben – zur stillen Andacht und Sammlung. Was dann folgte, kennt man nur aus Fernsehbildern: In feierlicher Prozession zogen sie in die Sixtinische Kapelle ein, den Blick ernst, das Ritual einstudiert.

    Dort heißt es: Schweigen. Kein Smartphone, kein Internet, nicht einmal ein Funksignal darf den Raum durchdringen. Man könnte sagen: Die Zeit bleibt stehen – während draußen die Welt weiterrauscht.

    Der erste Wahlgang: Testlauf oder Überraschung?

    Noch am selben Abend erfolgt die erste Abstimmung. Ein echter Paukenschlag wird nicht erwartet – dieser Durchgang gilt traditionell eher als Orientierung. Das bedeutet: Die 89 Stimmen, die für eine Wahl nötig sind, dürften frühestens im Laufe des Donnerstags für den Auserwählten zusammenkommen.

    Falls nicht, gibt es bis zu vier weitere Versuche pro Tag. Jede Wahl endet mit einem simplen, aber weltweit beachteten Zeichen: schwarze Rauchwolke – kein Ergebnis. Weiße Rauchwolke – wir haben einen Papst.

    Ein Konklave wie nie zuvor

    Nie war ein Konklave internationaler. 70 Länder, 133 Wahlberechtigte – eine bunte Weltkarte der katholischen Kirche. Und ein Fingerzeig auf die Reformpolitik von Papst Franziskus, der zu Lebzeiten rund 81 Prozent der heutigen Wahlkardinäle ernannt hat. Diese Mehrheit könnte darüber entscheiden, ob sein Nachfolger seine Linie fortführt oder ganz neue Akzente setzt.

    Was ebenfalls auffällt: Der Blick der Kirche richtet sich zunehmend auf die sogenannten „Ränder“ – Länder und Regionen, die früher kaum repräsentiert waren, heute aber lautstark mitreden.

    Die Favoriten: Bekannt, doch nicht berechenbar

    Die Liste der möglichen Kandidaten – die sogenannten papabili – ist so offen wie selten. Als Favoriten jedoch gelten:

    • Pietro Parolin, Italiener, aktuell Kardinalstaatssekretär. Er gilt als erfahrener Diplomat – leise im Ton, aber einflussreich im Hintergrund.
    • Luis Antonio Tagle, Philippiner, zuständig für Evangelisierung. Charismatisch, populär, ein Gesicht des Globalen Südens.
    • Jean-Marc Aveline, Erzbischof von Marseille – ein Theologe mit sozialem Profil, der die Nähe zu den Menschen sucht.
    • Robert Sarah, aus Guinea, konservativ geprägt und bekannt für seine klare, manchmal unbequeme Haltung.

    Wer wird das Rennen machen? Oder kommt am Ende jemand ganz anderes, den bisher kaum jemand auf dem Zettel hatte? Es wäre nicht das erste Mal – und sicherlich nicht das letzte.

    Die Kirche am Scheideweg

    Wer immer der nächste Papst wird, eines steht fest: Die Herausforderungen sind immens. Die Kirche muss ihr zerbrechliches Gleichgewicht zwischen Tradition und Erneuerung bewahren, Skandale aufarbeiten, Reformen umsetzen – und dabei nicht ihre Glaubwürdigkeit verlieren.

    Dazu kommen globale Fragen: Migration, Umwelt, soziale Ungleichheit – alles Themen, bei denen das Oberhaupt der katholischen Kirche eine starke Stimme sein kann. Oder muss.

    Was bringt der weiße Rauch?

    In diesen Tagen geht es um mehr als eine Personalie. Es geht um Orientierung, Vertrauen, vielleicht sogar um ein neues Kapitel. Denn in einer Zeit, in der alte Gewissheiten bröckeln, sehnen sich viele nach einer moralischen Instanz, die Orientierung bietet.

    Die Wahl in der Sixtinischen Kapelle mag hinter dicken Mauern stattfinden – doch ihre Wirkung strahlt weit darüber hinaus. Es ist ein Moment, der Geschichte schreiben kann.

    Fragt sich nur: Welche?

    Von C. Hatty

  • Hinter verschlossenen Türen: Das Geheimnis des Konklaves

    Hinter verschlossenen Türen: Das Geheimnis des Konklaves

    Wer wird der nächste Papst? Diese Frage zieht regelmäßig die Aufmerksamkeit der ganzen Welt auf sich – und doch kennt kaum jemand die genauen Abläufe hinter den Mauern des Vatikans. Das Konklave, jene streng geheime Versammlung der Kardinäle zur Wahl des Papstes, ist mehr als nur eine Zeremonie: Es ist ein jahrhundertealtes Ritual voller Symbolik, Macht und Geschichte.

    Mit Schlüssel – „cum clave“

    Der Begriff „Konklave“ stammt aus dem Lateinischen und bedeutet wörtlich „mit Schlüssel“. Das ist kein Zufall. Die Kardinäle, die einen neuen Papst wählen, werden nämlich regelrecht eingeschlossen – von der Außenwelt abgeschottet, ohne Handys, Internet oder Medien. Kein Kontakt nach draußen. Warum dieser Aufwand?

    Die Idee dahinter ist alt – und durchaus pragmatisch.

    Im 13. Jahrhundert und davor zog sich die Papstwahl manchmal über Jahre. Insbesondere das Konklave von 1268 bis 1271 in Viterbo, das unglaubliche 33 Monate dauerte, gilt als unrühmliches Beispiel. Während die Kardinäle sich nicht auf einen Kandidaten einigen konnten, wuchs der Druck auf sie. Schließlich verschloss man sie regelrecht im Versammlungssaal, reduzierte ihr Essen auf Brot und Wasser – und siehe da, ein Papst wurde gewählt.

    Damit solche Peinlichkeiten künftig vermieden werden, führte Papst Gregor X. 1274 verbindliche Regeln ein. Fortan mussten sich die wahlberechtigten Kardinäle zu einem Konklave zurückziehen – hinter verschlossenen Türen.

    Der Ablauf: Vom Einzug bis zum weißen Rauch

    Wenn ein Papst stirbt oder – wie zuletzt bei Benedikt XVI. – zurücktritt, beginnt zunächst die sogenannte Sedisvakanz, die „Leere des Stuhls Petri“. In dieser Zeit ruht die Amtsgewalt des Papstes. Die Kirche wartet – und bereitet sich gleichzeitig auf den wichtigsten Akt ihrer Verfassung vor.

    Dann ist es so weit: Die Kardinäle reisen nach Rom. Dort findet im Petersdom eine letzte feierliche Messe statt. Anschließend ziehen sie in die Sixtinische Kapelle ein, diesen ikonischen Ort mit Michelangelos berühmtem Deckenfresko – und ab diesem Moment gilt: „extra omnes“ – alle anderen raus.

    Was folgt, ist ein strikter Tagesablauf: Gebet, Diskussionen, geheime Wahlgänge. In der Regel zwei pro Vormittag, zwei am Nachmittag. Damit ein Kandidat Papst wird, braucht er eine Zwei-Drittel-Mehrheit. Die Wahlzettel werden handschriftlich ausgefüllt, eingesammelt, gezählt – und am Ende verbrannt.

    Aus dem Kamin auf dem Dach der Kapelle steigt Rauch auf. Schwarz, wenn die Wahl erfolglos war. Weiß, wenn ein neuer Papst gefunden wurde. Dann ist der Jubel in Rom – und weltweit – groß.

    Wer darf wählen?

    Wahlberechtigt sind alle Kardinäle, die jünger als 80 Jahre sind. Ihre Zahl liegt derzeit bei etwas über 130 – Männer aus allen Teilen der Welt, von Afrika bis Asien, von Lateinamerika bis Europa. Dabei gilt: Die Mehrheit stammt oft aus Regionen, in denen die Kirche besonders stark oder wachsend ist.

    Die Wahl selbst ist ein geistlicher Akt, keine politische Wahl im herkömmlichen Sinn. Dennoch spielen Machtverhältnisse, Netzwerke und persönliche Überzeugungen natürlich eine Rolle. Es gibt konservative Strömungen und reformorientierte Kardinäle, Traditionalisten und Brückenbauer.

    Ein bisschen erinnert das Ganze an eine Mischung aus Gebetsgemeinschaft, Geheimbund und Weltkongress.

    Was steht auf dem Spiel?

    Die Wahl eines neuen Papstes ist ein kirchenpolitisches Ereignis mit globalem Echo. Der Pontifex ist nicht nur geistliches Oberhaupt von über einer Milliarde Katholiken – er hat auch Einfluss auf ethische Debatten, Menschenrechtsfragen, diplomatische Prozesse. Seine Stimme wiegt schwer.

    Der künftige Papst steht dabei vor gewaltigen Aufgaben: Die Kirche ringt mit der Aufarbeitung von Missbrauchsskandalen, der Frage nach der Rolle der Frau, dem Priestermangel und dem Verhältnis zu anderen Religionen. Hinzu kommt die Herausforderung, junge Menschen wieder für den Glauben zu gewinnen.

    Und nicht zuletzt muss der neue Papst auch persönlich überzeugen – durch Integrität, Bescheidenheit, Charisma.

    Zwischen Mystik und Moderne

    So archaisch das Konklave auch wirken mag – es ist ein bemerkenswerter Beweis für die Kontinuität kirchlicher Tradition. Über Jahrhunderte hinweg hat sich das Verfahren gehalten, immer wieder leicht angepasst, aber nie grundlegend verändert.

    Was regelmäßig zu kuriosen Szenen führ: Man stelle sich vor – Männer in roten Talaren, abgeschottet in einer Kapelle, diskutieren unter strengster Geheimhaltung über die Zukunft der Kirche und der Welt. Und draußen warten Tausende auf das berühmte Rauchzeichen, als ginge es um ein mittelalterliches Orakel.

    Ist das nicht irgendwie faszinierend?

    Der Blick nach vorn

    Mit dem Tod von Papst Franziskus beginnt heute mit dem aktuellen Konklave erneut eine neue Etappe. Wird sein Nachfolger den Reformkurs weiterführen oder kehrt die Kirche zu alten Pfaden zurück? Wer wird die entscheidenden Stimmen auf sich vereinen?

    Eines ist sicher: Das Konklave ist weit mehr als eine Wahl. Es ist ein Moment der Besinnung, der Konzentration – und der Hoffnung. Für die Kirche. Für Gläubige auf der ganzen Welt. Und vielleicht auch für eine Gesellschaft, die nach Orientierung sucht.

    Denn wer auch immer aus der Sixtinischen Kapelle als neuer Papst hervorgeht – die Welt wird genau hinschauen.

  • Vatikan unplugged – Ein Insider packt aus

    Vatikan unplugged – Ein Insider packt aus

    Vier Jahre lang bewegte sich Loup Besmond de Senneville durch die Flure eines der geheimnisvollsten Machtzentren der Welt – des Vatikans. Nun veröffentlicht der französische Journalist mit seinem Buch Vatican secret – Quatre années au cœur du plus petit État du monde ein Werk, das mehr als nur eine …

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  • Trump und Selenskyj im Vatikan – Ein stilles Signal für den Frieden?

    Trump und Selenskyj im Vatikan – Ein stilles Signal für den Frieden?

    Es gibt Momente in der Weltpolitik, die überraschen – und manchmal auch Hoffnung wecken. Ein solcher Moment ereignete sich am 26. April 2025 im Petersdom zu Rom. Während der feierlichen Abschiedszeremonien für Papst Franziskus kam es dort zu einem Treffen, das niemand auf dem Radar hatte: Donald Trump, der amtierende US-Präsident, und Wolodymyr Selenskyj, Präsident der Ukraine, begegneten sich und sprachen miteinander. Nach Monaten eisiger Funkstille, ausgelöst durch einen diplomatischen Eklat im Weißen Haus, fanden die beiden Staatschefs erneut zusammen – und das ganz ohne Berater, ohne Dolmetscher, nur sie zwei.

    Rund 15 Minuten dauerte dieses Gespräch. Kein Marathon, eher ein politischer Espresso. Doch reichen solche kurzen Gespräche wirklich aus, um Bewegung in einen festgefahrenen Konflikt zu bringen? Vielleicht.

    Ein Gespräch unter Kuppeln und Symbolen

    Der Petersdom – diese Kulisse allein spricht Bände. Wo sonst, wenn nicht unter den riesigen Kuppeln des Vatikans, sollte man über Frieden sprechen? Ein Ort, an dem Jahrhunderte Diplomatie und Glauben sich überlagern. Genau hier saßen sie, Trump und Selenskyj, Kopf an Kopf. Keine Kameras, kein Blitzlichtgewitter, dafür ein Hauch von Geschichte, der in der Luft lag.

    Selenskyj beschrieb das Treffen später als „symbolträchtig“ und wagte sogar das große Wort „historisch“. Wer könnte es ihm verdenken? Nach Jahren des Krieges, des Leids, der unzähligen Gespräche ohne Ergebnis – da wirkt selbst ein 15-Minuten-Dialog wie ein Funken Hoffnung.

    Der harte Kern: Waffenstillstand und Friedensgespräche

    Aber worüber sprachen sie wirklich? Ganz klar stand ein Thema im Zentrum: der vollständige, bedingungslose Waffenstillstand in der Ukraine. Trump zeigte sich dabei gewohnt direkt. Seine Botschaft: Die Vermittlung der USA sei kein Selbstläufer. Sollten keine Fortschritte erzielt werden, könne die amerikanische Unterstützung auch enden. Ein drohender Zeigefinger – aber auch ein Anstoß für Bewegung.

    Ein bemerkenswerter Schachzug? Vielleicht ist es genau das, was in solchen Gesprächen zählt: Druck ausüben, Grenzen abstecken, aber gleichzeitig Gesprächsbereitschaft signalisieren.

    Moskau bleibt nicht stumm

    Interessant war auch, wie schnell nach dem Treffen Reaktionen folgten. Aus Moskau meldete sich Kremlsprecher Dmitri Peskow und bekundete Offenheit für Verhandlungen – ohne Vorbedingungen. Ein Satz, der aufhorchen ließ. Denn bisher zeigte sich Russland in den Friedensgesprächen eher unnachgiebig.

    Gleichzeitig war auch aus Kiew ein klares Zeichen zu hören: Die Bereitschaft zu einem bedingungslosen Waffenstillstand stehe. Worte, die Gewicht haben – wenn sie denn tatsächlich in Taten münden.

    Ein diplomatischer Hoffnungsschimmer?

    Doch reicht das? Internationale Beobachter bewerteten das Treffen vorsichtig optimistisch. Man sah darin einen diplomatischen Schritt in die richtige Richtung – vielleicht der erste seit Langem. Aber die Zweifel bleiben. Russland hat in der Vergangenheit oft andere Signale gesendet als es tatsächlich handelte. Noch immer gibt es Berichte über Angriffe, über Kämpfe, über zivile Opfer.

    Kann ein Treffen, das gerade einmal so lange dauert wie eine Kaffeepause, den Lauf der Dinge verändern? Oder ist es nur ein kleines Licht inmitten des Nebels?

    Warum ausgerechnet jetzt?

    Man könnte sich fragen: Warum gerade jetzt, warum in Rom? Vielleicht war es genau die richtige Zeit. Der Tod von Papst Franziskus hat die Mächtigen dieser Welt an einen Tisch, besser gesagt an einen Platz, gebracht. Ein Moment der Besinnung – und vielleicht auch der Einsicht. Manchmal entstehen aus Trauer neue Wege.

    Für Trump war es sicher auch eine Gelegenheit, sich erneut als globaler Vermittler zu inszenieren. Und Selenskyj? Der ergriff die Chance, seine Bereitschaft zum Frieden zu demonstrieren – in einem Rahmen, der die Welt hinschauen ließ.

    Bleibt der Funke bestehen?

    Es bleibt die Frage, ob aus diesem symbolträchtigen Gespräch mehr wird als eine Randnotiz in den Geschichtsbüchern. Die nächsten Wochen werden zeigen, ob sich Verhandlungstüren wirklich öffnen oder ob sie rasch wieder zufallen. Hoffnung ist erlaubt, Skepsis bleibt gesund.

    Von C. Hatty

  • Des Papstes letzte Kontroverse: Wie Falschinformationen das Erbe von Franziskus verzerren

    Des Papstes letzte Kontroverse: Wie Falschinformationen das Erbe von Franziskus verzerren

    Warum ein verstorbener Papst weiterhin Zielscheibe rechter Kampagnen bleibt.

    Der Tod von Papst Franziskus am 21. April 2025 war ein weltweites Ereignis – und doch blieb das Bild des verstorbenen Kirchenoberhaupts nicht unberührt von Skandalen. Kaum hatte sich der Rauch über den Vatikan verzogen, machten Videos und Vorwürfe die Runde: Franziskus sei rassistisch gewesen, habe Gläubige gedemütigt. Schlagworte, die hängen bleiben. Doch was steckt wirklich dahinter?

    Ein Blick hinter die Kulissen zeigt schnell: Vieles von dem, was derzeit viral geht, ist Teil einer gezielten Kampagne.

    Eine Geste, viele Interpretationen

    Zentraler Bestandteil der aktuellen Aufregung sind Videos, die zeigen, wie Papst Franziskus seine Hände von Gläubigen wegzieht, wenn sie versuchen, seinen Ring zu küssen. Für einige ein Affront – ein Zeichen von Verachtung. Besonders ein Clip, in dem Franziskus die Hand vor einem schwarzen Mann zurückzieht, brachte den Vorwurf des Rassismus auf den Tisch.

    Aber Moment mal – sehen wir hier wirklich die ganze Wahrheit?

    Die Aufnahmen stammen aus dem Jahr 2019, aus einer Zeit, in der Franziskus das Küssen seines Papstringes bewusst einschränkte. Damals erklärte der Vatikan: Der Papst wolle die Verbreitung von Keimen vermeiden. Besonders in Zeiten, in denen Pandemien das öffentliche Leben prägen, ist das mehr als nachvollziehbar. Und das Beste: Der Papst handelte bei allen Gläubigen gleich – egal welcher Herkunft. Diskriminierung? Fehlanzeige.

    Desinformation im Trauerkleid

    Doch warum kocht dieses Thema ausgerechnet jetzt wieder hoch?

    Die Antwort liegt auf der Hand: Nach dem Tod von Franziskus nutzten vor allem ultrakonservative Kreise und rechte Gruppierungen die Gunst der Stunde. Sie bedienten sich alter Aufnahmen, interpretierten sie neu – und setzten sie gezielt ein, um das Andenken an einen Papst zu beschädigen, der für sie stets ein Dorn im Auge war.

    Franziskus war kein Kirchenoberhaupt der leisen Töne. Seine progressiven Positionen zu Migration, Umweltschutz und LGBTQ+-Rechten machten ihn zur Hassfigur für Traditionalisten und Populisten. Besonders europäische Rechtsaußen-Politiker wie Éric Zemmour, der den Papst einst als „woke“ verspottete, sehen jetzt ihre Chance gekommen, um dessen Erbe zu diskreditieren.

    Echte Kontroversen? Ja, aber mit Kontext

    Natürlich war Franziskus nicht frei von Fehltritten. Im November 2022 sagte er, einige der „grausamsten“ russischen Soldaten im Ukraine-Krieg stammten aus ethnischen Minderheiten wie den Tschetschenen und Burjaten. Der Vorwurf: Rassismus. Der Vatikan entschuldigte sich prompt in Moskau – ein diplomatischer Eiertanz, der zeigt, wie schwer es manchmal fällt, die Balance zwischen Meinung und Diplomatie zu halten.

    Noch heikler wurde es im Mai 2024, als Franziskus in einer privaten Runde ein umstrittenes Wort benutzte, das von vielen als homophob gewertet wurde. Wieder hagelte es Kritik, wieder folgte eine Entschuldigung. Der Papst ließ verlauten, er habe niemanden verletzen wollen und bereue seine Wortwahl.

    Doch was sagt das alles aus?

    War Franziskus ein Rassist, ein Homophob? Oder eher ein älterer Mann mit impulsiven Aussagen, der sich seiner Wirkung nicht immer bewusst war? Wahrscheinlich ist es am Ende keines davon.

    Wie Propaganda funktioniert

    Die aktuelle Welle der Vorwürfe zeigt vor allem, wie leicht Bilder aus dem Kontext gerissen und neu aufgeladen werden können. Ein Handwegziehen wird zum Symbol für Rassismus, ein missverständliches Wort zum Beleg für Homophobie. Die Strategie dahinter? Einfach: Wiederholung. Wer etwas oft genug hört oder sieht, glaubt es irgendwann. Besonders in Zeiten sozialer Netzwerke, in denen Emotionen mehr zählen als Fakten.

    Dabei ist die Wahrheit oft vielschichtiger. Franziskus war einer der umstrittensten Päpste der Neuzeit – und gleichzeitig einer der populärsten. Seine Haltung zur Moderne, seine Offenheit für gesellschaftliche Themen, sein Eintreten für Arme und Benachteiligte machten ihn für viele zum Hoffnungsträger – und für andere zum Feindbild.

    Ein Erbe unter Beschuss

    Letztlich bleibt das Erbe von Papst Franziskus umkämpft. Die Angriffe auf ihn enden nicht mit seinem Tod – im Gegenteil. Gerade jetzt versuchen Gegner, seine Errungenschaften kleinzureden und durch gezielte Desinformation Zweifel zu säen.

    Doch so einfach lassen sich Geschichte und Vermächtnis nicht umschreiben. Wer genauer hinsieht, erkennt: Hinter den vermeintlichen Skandalen steckt oft mehr Kampagne als Substanz. Und vielleicht zeigt sich genau daran, wie sehr Franziskus bewegt hat – und immer noch bewegt.

    Von Andreas M. Brucker

  • Trump zu Putin: „Wladimir, HÖR AUF!“ – und weitere World-News

    Trump zu Putin: „Wladimir, HÖR AUF!“ – und weitere World-News

    Bei russischen Raketen- und Drohnenangriffen auf Kiew wurden gestern mindestens 12 Menschen getötet und 90 weitere verletzt. Dieser Angriff veranlasste Ex-Präsident Trump zu einer seltenen Missbilligung Moskaus.

    „Wladimir, HÖR AUF!“, schrieb Trump auf sozialen Medien, direkt an den russischen Präsidenten Wladimir Putin gerichtet. „Ich bin nicht glücklich über die russischen Angriffe auf KIEW. Unnötig und sehr schlechtes Timing.“

    Der Angriff ereignete sich nur wenige Stunden, nachdem Trump und seine engsten Berater den ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj dazu gedrängt hatten, einen von den USA entworfenen Friedensplan zu akzeptieren, der Russland stark begünstigen würde.

    Gestern erklärte Trump im Oval Office, er habe „keine Loyalität“ gegenüber einer der beiden Seiten, sein einziges Ziel sei es, den Krieg zu beenden und Leben zu retten. Gleichzeitig behauptete er jedoch, Putin habe ein „ziemlich großes Zugeständnis“ gemacht, um den Konflikt zu beenden. Auf Nachfrage, worin dieses Zugeständnis bestehe, antwortete Trump: „Aufhören, das ganze Land zu übernehmen.“

    Krim: Trump zeigt sich bereit, Russlands Anspruch auf die Krim anzuerkennen. Dies würde zehn Jahre US-Außenpolitik über Bord werfen und ein gefährliches Signal senden – nämlich, dass die USA gewaltsame Grenzverschiebungen akzeptieren. In der Ukraine ist dieser Vorschlag indiskutabel.

    Europäische Länder betrachten die Zukunft der Ukraine als entscheidend für ihre eigene Sicherheit. Offizielle Stellen betonen, dass sie Kiew weiterhin unterstützen werden, auch falls sich die USA aus den Friedensverhandlungen zurückziehen.

    Ein General verurteilt: Der russische Generalmajor Iwan Popow, der entlassen wurde, nachdem er die russische Armeeführung wegen Problemen auf dem Schlachtfeld kritisiert hatte, wurde wegen Korruption zu fünf Jahren Haft verurteilt.


    Eskalation zwischen Indien und Pakistan

    Die Spannungen zwischen Indien und Pakistan haben sich gestern drastisch verschärft. Pakistan kündigte Vergeltungsmaßnahmen gegen Indien an, einen Tag nachdem Indien Sanktionen gegen Pakistan verhängt hatte – Hintergrund war ein Anschlag in Kaschmir, bei dem 26 Touristen starben.

    Pakistan schloss seinen Luftraum für indische Fluggesellschaften und forderte, dass Indien sein diplomatisches Personal in Islamabad reduziert sowie den Handel zwischen beiden Ländern aussetzt. Indien hat offiziell noch keine Gruppe für den Anschlag nahe der Stadt Pahalgam verantwortlich gemacht, während Pakistan jegliche Verwicklung abstreitet.

    Gleichzeitig wächst in Pakistan die Sorge – indische Offizielle deuten mögliche Militärschläge an. Im Fernsehen warnen Verteidigungsexperten vor unvorhersehbaren Folgen einer Eskalation.

    Details: Nachdem Indien ein wichtiges Wasserabkommen ausgesetzt hat, erklärte Pakistan, jede Blockade der Flüsse werde als „Kriegserklärung“ betrachtet. Pakistan ist auf das Wasser des Indus-Flusssystems, das durch Indien fließt, für etwa 90 Prozent seiner Landwirtschaft angewiesen.


    Papst Franziskus wird morgen beigesetzt

    Der Vatikan veröffentlichte gestern das erste Bild des Grabes von Papst Franziskus – schlicht, ungeschmückt und seinem Willen entsprechend. Das Grab besteht aus Marmor und trägt die Inschrift „Franciscus“.

    Zehntausende Katholiken haben dem verstorbenen Papst die letzte Ehre erwiesen, dessen Leichnam im Petersdom aufgebahrt ist. Die Beisetzung findet morgen statt.


    WEITERE WICHTIGE NACHRICHTEN

    Frankreich: Ein Schüler in Nantes erstach während der Mittagspause vier Mitschüler, einer starb. Das Motiv ist unklar.

    Klima: Trump unternahm einen großen Schritt zur Erschließung von Rohstoffen auf dem Meeresboden – eine Praxis, die von fast allen anderen Staaten abgelehnt wird.

    Israel: Das Militär Israels gab zu, im vergangenen Monat ein Gästehaus der UN in Gaza mit Panzern beschossen zu haben. Ein UNO-Mitarbeiter starb.

    Südkorea: Der ehemalige Präsident Moon Jae-in wurde wegen Korruption angeklagt – der nächste Ex-Staatschef vor Gericht.

    Amsterdam: Die Bürgermeisterin entschuldigte sich für die Rolle der Stadt bei der Verfolgung jüdischer Bürger während des Holocaust.

    Syrien: Großbritannien hob Sanktionen gegen mehrere syrische Regierungsbehörden unter Assad auf.

    Kanada: Die Polizei erschoss einen Mann am Flughafen Toronto Pearson, was zur teilweisen Schließung eines Terminals führte.

    Äthiopien: Kaffeebauern kämpfen darum, neuen EU-Vorgaben zu genügen, die eine vollständige Rückverfolgbarkeit der Bohnen verlangen.

    USA: Trump glaubt, seine Zölle würden Unternehmen dazu zwingen, Fabriken in den USA zu bauen – ob das tatsächlich eintritt, bleibt höchst zweifelhaft.

    Israel: Ein Expertenteam arbeitet seit über einem Jahr an einem Leitfaden für die Unterstützung von Geiseln nach ihrer Freilassung.

    USA: Ein indonesischer Student, verheiratet mit einer Amerikanerin, wartet auf eine Green Card. Nun droht ihm die Abschiebung wegen einer Verhaftung im Jahr 2022.

  • Frankreich streitet über Trauerbeflaggung für Papst Franziskus

    Frankreich streitet über Trauerbeflaggung für Papst Franziskus

    Wenn Frankreich die Flaggen auf Halbmast setzt, ist das normalerweise ein Zeichen nationaler Trauer – und ein stilles Ritual, das selten große Wellen schlägt. Doch diesmal sorgt die Entscheidung, am 26. April 2025, dem Tag der Beisetzung von Papst Franziskus, die Fahnen an öffentlichen Gebäuden zu senken, für ordentlich Zündstoff. Der Grund? Es geht um die ewige Gretchenfrage in Frankreich: Wie hältst du’s mit der Laïcité? Ein symbolischer Akt oder ein Bruch mit Prinzipien? Der französische Premierminister gab die Entscheidung bekannt, die Flaggen zu senken – mit der Begründung, der Papst sei nicht nur Oberhaupt der katholischen Kirche, sondern auch Staatschef des Vatikans. Ein Akt der Diplomatie also, ein Zeichen des Respekts für eine globale Friedensfigur. So die Regierung. Doch nicht alle sehen das so unkritisch. Besonders aus dem linken Lager hagelt es Kritik. Linke Stimmen gegen das Senken der Fahnen Marine Tondelier von den Écologistes etwa macht aus ihrer Empörung keinen Hehl. F…

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