Schlagwort: Ozeane

  • Macrons Meeresoffensive: Frankreich nimmt Kurs auf eine blaue Zukunft

    Macrons Meeresoffensive: Frankreich nimmt Kurs auf eine blaue Zukunft

    Frankreichs Präsident Emmanuel Macron steht kurz davor, eine neue Serie ambitionierter Maßnahmen zum Schutz der Ozeane anzukündigen. Ein politisches Bekenntnis, das nicht überraschend kommt – denn schon in den letzten Jahren zeichnete sich ab, dass der französische Staatschef dem marinen Umweltschutz eine besondere Rolle beimisst. Die Frage, die sich nun stellt: Werden Worten diesmal auch wirksame Taten folgen?


    Schon 2022, beim One Ocean Summit im bretonischen Brest, positionierte sich Macron klar als Fürsprecher des Blauen Planeten. Damals versammelten sich Vertreter aus 41 Ländern und über 500 Fachleute, um über die Zukunft der Meere zu beraten. Frankreich nutzte die Bühne, um seine südlichen Meeresgebiete stärker unter Schutz zu stellen – etwa durch die Erweiterung der Naturschutzgebiete in den französischen Süd- und Antarktisgebieten.

    Ziel war unter anderem, die Küstenmülldeponien bis 2025 vollständig zu beseitigen. Ein Vorhaben, das sich gewaschen hat.


    Doch der Wille zur Veränderung ging noch weiter. Frankreich trat dem High Level Panel for a Sustainable Ocean Economy bei – einer internationalen Initiative, die auf eine nachhaltige Nutzung der Meeresressourcen abzielt. Konkret: 100 Prozent der französischen Wirtschaftszone sollen ökologisch verantwortungsvoll bewirtschaftet werden.

    Das bedeutet nicht Verzicht, sondern kluge Steuerung. Also: Wirtschaft ja, aber im Einklang mit den Ökosystemen.


    Ein besonders mutiges Signal setzte Macron im November 2022 bei der Klimakonferenz COP27 in Ägypten. Dort stellte er sich demonstrativ gegen die Ausbeutung der Tiefsee. Frankreich – einst interessiert an der Erschließung von Rohstoffen in den Tiefen der Ozeane – sprach sich nun für ein Moratorium aus.

    Eine 180-Grad-Wende. Und ein Fingerzeig an Industrien, die die Tiefsee als neuen Goldrausch betrachten.


    Ein weiterer Baustein dieser Meeresstrategie: Die nationale Schutzgebietsstrategie für das Jahr 2030. Sie sieht vor, dass 30 Prozent des französischen Staatsgebiets – inklusive der maritimen Zonen – unter Schutz gestellt werden sollen. Davon soll ein Drittel unter „striktem Schutz“ stehen.

    Doch genau an diesem Punkt entzündet sich auch Kritik.

    Was bedeutet eigentlich „strikter Schutz“? Wie verbindlich sind die Regeln? Und reichen die finanziellen Mittel überhaupt, um Schutz in der Praxis umzusetzen? Mehrere Umweltorganisationen zweifeln genau daran – und mahnen verbindlichere Vorgaben an.


    Macron hat auch den globalen Rahmen im Blick. Bei der UN-Ozeankonferenz in Lissabon 2022 plädierte er für ein internationales Abkommen zum Schutz der Hochsee – angelehnt an das Pariser Klimaabkommen. Ein verbindlicher Pakt für die Weltmeere, getragen von möglichst vielen Staaten, wäre ein großer Wurf.

    Doch bis dahin ist es ein weiter Weg – und die globale Uneinigkeit in Umweltfragen ist kein Geheimnis.


    Frankreich als Vorreiter im Meeresschutz? Das klingt gut. Doch Worte alleine werden das Plankton nicht retten. Die Zeit drängt – Meereserwärmung, Überfischung, Plastikflut und industrielle Interessen setzen dem Ozean zu. Und vielen Schutzgebieten fehlt bislang eines: echte Durchsetzungskraft.

    Wenn Macron nun erneut auf die Bühne tritt, um neue Maßnahmen anzukündigen, dann sollte die Marschrichtung klar sein: klare Regeln, echte Kontrolle, spürbare Wirkung.

    Denn: Wer den Ozean schützt, schützt auch das Klima – und letztlich uns selbst.

    Von C. Hatty

  • Der drohende Kollaps des Atlantik-Stroms: Eine globale Katastrophe in Sicht?

    Der drohende Kollaps des Atlantik-Stroms: Eine globale Katastrophe in Sicht?

    Der Atlantische Meridionale Umwälzzirkulation (AMOC) ist ein riesiges ozeanisches Strömungssystem, das als Herzschlag des globalen Klimas gilt. Seine Rolle ist es, warmes Wasser von den Tropen nach Norden zu transportieren und kaltes Wasser in den Süden zurückzuführen. Dabei reguliert es das Klima in weiten Teilen der Welt – von milden Wintern in Europa bis zu stabilen Wettermustern in den Tropen. Doch genau dieses lebenswichtige System steht kurz vor einem dramatischen Umbruch, der das Klima weltweit für Jahrhunderte verändern könnte.

    Eine neue Studie schlägt Alarm: Der Kollaps des AMOC könnte bereits zwischen 2025 und 2095 eintreten. Obwohl die Unsicherheiten bei der Vorhersage groß sind, sind sich führende Klimawissenschaftler einig, dass das Risiko eines Zusammenbruchs real ist und verheerende Folgen haben könnte.

    Was ist das AMOC und warum ist es so wichtig?

    Das AMOC ist Teil eines globalen Zirkulationssystems, oft als „ozeanisches Förderband“ bezeichnet, das Wärme und Nährstoffe um den Globus transportiert. Besonders der Golfstrom – ein bekannter Teil dieses Systems – hält das Klima in Westeuropa verhältnismäßig mild. Diese Strömung funktioniert nach einem simplen physikalischen Prinzip: Salzhaltiges, kaltes Wasser ist dichter und sinkt ab, während wärmeres Wasser aus den Tropen nachströmt, abkühlt und ebenfalls absinkt. Dadurch entsteht eine stetige Bewegung, die dafür sorgt, dass das Klima auf der Erde im Gleichgewicht bleibt.

    Doch genau dieses Gleichgewicht gerät ins Wanken. Der Klimawandel, getrieben durch menschliche Aktivitäten, verändert die grundlegenden physikalischen Bedingungen im Nordatlantik. Schmelzendes Eis aus Grönland und steigende Niederschlagsmengen führen dazu, dass Süßwasser in den Nordatlantik fließt, das die Dichte des salzigen Meerwassers reduziert und das Absinken des Wassers verlangsamt. Dadurch schwächt sich das AMOC ab – eine Entwicklung, die bereits seit den frühen 2000er Jahren beobachtet wird und aktuell auf einem Tiefststand der letzten 1000 Jahre angelangt ist.

    Was passiert, wenn AMOC zusammenbricht?

    Die Vorstellung eines AMOC-Kollapses ist nicht neu. Geologische Aufzeichnungen zeigen, dass das Strömungssystem in den letzten 100.000 Jahren mehrfach abrupt zusammengebrochen ist. Ein solches Ereignis führte in der Vergangenheit zu extremen Klimaveränderungen innerhalb weniger Jahrzehnte.

    Ein Zusammenbruch des AMOC hätte schwerwiegende Auswirkungen:

    • Abkühlung in Europa: Ohne den Golfstrom würde sich Europa drastisch abkühlen. Wissenschaftler prognostizieren Temperaturstürze von 5 bis 10 Grad Celsius in den kommenden Jahrzehnten. Solche Klimaextreme könnten das europäische Wetter massiv verändern – mit bitterkalten Wintern, kürzeren Vegetationsperioden und einem höheren Energiebedarf.
    • Extreme Wettermuster weltweit: Während Europa und Nordamerika sich abkühlen würden, stiege die Temperatur in den Tropen. Besonders betroffen wären Regionen wie die Sahelzone oder der Amazonas-Regenwald, wo Veränderungen der Monsunzyklen katastrophale Auswirkungen auf Landwirtschaft und Wasserressourcen hätten.
    • Meeresspiegelanstieg an der US-Ostküste: Der Zusammenbruch könnte den Meeresspiegel entlang der amerikanischen Ostküste um mehrere Meter anheben und so Städte wie New York oder Miami einem noch größeren Risiko von Überschwemmungen aussetzen.

    Zudem könnte sich der Zusammenbruch auf marine Ökosysteme auswirken, die das Leben im Ozean, Fischbestände und somit die Ernährungssicherheit von Millionen Menschen bedrohen würden.

    Wie nah sind wir an diesem Wendepunkt?

    Ein Wendepunkt, auch als „Tipping Point“ bezeichnet, ist der Punkt, an dem das System aus dem Gleichgewicht gerät und irreversible Veränderungen eintreten. Forscher schätzen, dass das AMOC bereits in den nächsten Jahren diesen Punkt erreichen könnte. Eine im Jahr 2023 veröffentlichte Studie warnt davor, dass der Kollaps des AMOC bereits ab 2025 beginnen könnte – viel früher als bisher angenommen.

    Die bisherigen Daten basieren auf indirekten Messungen, da das AMOC erst seit 2004 direkt beobachtet wird. Die Forscher untersuchen daher historische Temperaturdaten und andere Indikatoren, um herauszufinden, wie stark das System bereits geschwächt ist. Doch obwohl die Prognosen variieren, sind sich die Wissenschaftler einig: Das Risiko ist real, und die Auswirkungen könnten verheerend sein.

    Gibt es noch Hoffnung?

    Die drohende Gefahr des AMOC-Kollapses zeigt einmal mehr, wie dringend klimatische Maßnahmen nötig sind. Um das Schlimmste zu verhindern, müssen die globalen Treibhausgasemissionen drastisch gesenkt werden. Wissenschaftler fordern deshalb, die Ziele des Pariser Abkommens einzuhalten, die eine Begrenzung der globalen Erwärmung auf 1,5 Grad Celsius anstreben. Ohne solche Maßnahmen könnten wir bereits in wenigen Jahren irreversible Schäden sehen, die das Leben auf der Erde fundamental verändern.

    Die Debatte über den AMOC-Kollaps ist jedoch noch nicht abgeschlossen. Einige Experten sind skeptisch, ob die Modelle und Vorhersagen wirklich so akkurat sind, wie sie dargestellt werden. Doch selbst wenn es Unsicherheiten gibt, ist die Botschaft klar: Die Risiken sind zu groß, um sie zu ignorieren. Wenn wir weiter „business as usual“ betreiben, könnten wir uns in eine Zukunft begeben, in der extreme Klimaereignisse zur Norm werden – und das nicht erst in ferner Zukunft.

    Fazit: Handeln bevor es zu spät ist

    Die Warnungen der Klimaforscher sind deutlich: Ein Kollaps des AMOC wäre ein einschneidendes Ereignis, dessen Folgen weit über Europa hinausreichen und das Klima auf der gesamten Erde für Jahrhunderte beeinflussen würde. Die einzige Lösung liegt in unserem Handeln – und die Zeit drängt.

    Die Frage, die wir uns stellen müssen, lautet: Wie lange können wir es uns noch leisten, wegzuschauen?

  • „Ozean“ in Rouen: Eine Reise zwischen Land und Meer

    „Ozean“ in Rouen: Eine Reise zwischen Land und Meer

    Das Atrium in Rouen lädt Besucher zu einer faszinierenden Reise von den Tiefen der Ozeane bis zu den Küsten der Normandie ein. Diese interaktive Erkundung enthüllt die Geheimnisse der Unterwasserwelt und die maritimen Aktivitäten der Region. Perfekt für die bevorstehenden Sommerferien bietet diese v…

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  • Die Bedeutung unserer Ozeane zu Zeiten des Klimawandels

    Die Bedeutung unserer Ozeane zu Zeiten des Klimawandels

    Überlegungen und Informationen zum heutigen Welttag der Ozeane

    Einleitung: Das blaue Herz unseres Planeten

    Unsere Ozeane – das sind riesige, tiefe Gewässer, die etwa 71% der Erdoberfläche bedecken und einen entscheidenden Einfluss auf das globale Klima haben. Sie sind das Herz unseres Planeten, das blaue Band, das Leben ermöglicht und erhält. Doch wie steht es um dieses Herz in Zeiten des Klimawandels? Was passiert mit unseren Ozeanen, wenn sich die Welt erwärmt? Tauchen wir ein in diese faszinierende, aber auch alarmierende Welt.

    Klimapuffer und Kohlendioxidspeicher

    Die Ozeane sind wahre Meister der Klimaregulation. Sie absorbieren etwa 93% der überschüssigen Wärme, die durch den Treibhauseffekt entsteht. Ohne diese gigantischen Wärmespeicher wäre unser Planet schon längst überhitzt. Außerdem nehmen die Ozeane etwa ein Viertel des vom Menschen verursachten Kohlendioxids auf – das sind rund 2,5 Milliarden Tonnen pro Jahr. Dieser Prozess mildert den Treibhauseffekt ab, doch er hat auch seine Schattenseiten.

    Wenn Kohlendioxid im Meerwasser gelöst wird, bildet es Kohlensäure, was zu einer Versauerung der Ozeane führt. Seit Beginn der Industrialisierung ist der pH-Wert der Meere bereits um 0,1 Einheiten gesunken, was etwa einer 30%igen Zunahme der Säurekonzentration entspricht. Diese chemische Veränderung hat dramatische Auswirkungen auf das marine Leben, insbesondere auf kalkbildende Organismen wie Korallen und einige Planktonarten, die das Fundament der marinen Nahrungskette bilden.

    Lebensraum und Biodiversität

    Unsere Ozeane sind die Heimat einer beeindruckenden Vielfalt an Lebewesen. Von mikroskopisch kleinen Plankton bis hin zu den gigantischen Blauwalen – die marine Biodiversität ist überwältigend. Doch der Klimawandel setzt diesen Lebensraum unter erheblichen Stress. Steigende Temperaturen, versauernde Meere und schwindende Sauerstoffzonen bedrohen viele Arten.

    Ein besonders besorgniserregendes Beispiel sind die Korallenriffe. Diese „Regenwälder der Meere“ bieten Lebensraum für etwa ein Viertel aller Meeresarten. Doch sie sind extrem empfindlich gegenüber Temperaturänderungen. Schon eine Erhöhung der Wassertemperatur um wenige Grad Celsius kann zu Korallenbleiche führen, einem Zustand, bei dem die symbiotischen Algen, die den Korallen ihre Farbe und einen Großteil ihrer Nahrung liefern, abgestoßen werden. Ohne diese Algen verhungern die Korallen und sterben ab.

    Klimaflüchtlinge im Meer

    Nicht nur an Land gibt es Klimaflüchtlinge – auch viele Meeresbewohner sind gezwungen, ihre angestammten Lebensräume zu verlassen. Fische und andere mobile Arten wandern in kühlere Gewässer ab, was weitreichende Folgen für die Fischereiwirtschaft und die Nahrungsmittelsicherheit hat. Küstennahe Gemeinschaften, die auf Fischfang angewiesen sind, müssen sich neuen Herausforderungen stellen.

    Aber was passiert mit den Lebewesen, die nicht einfach umziehen können? Viele sesshafte Arten sind extrem anfällig für Veränderungen in ihrer Umgebung. Seegraswiesen und Mangrovenwälder, die wichtige Brutstätten für viele Meeresbewohner sind, werden durch den steigenden Meeresspiegel und die zunehmende Erosion bedroht. Solche Ökosysteme sind nicht nur Lebensräume, sondern auch bedeutende Kohlenstoffsenken, die helfen, den Klimawandel zu verlangsamen.

    Der Einfluss auf Wetter und Klima

    Die Ozeane spielen eine zentrale Rolle im globalen Klimasystem. Sie beeinflussen das Wetter, regulieren Temperaturen und sind maßgeblich an den großen Klimamustern beteiligt, wie El Niño und La Niña. Diese Phänomene, die durch Wechselwirkungen zwischen Ozean und Atmosphäre entstehen, haben weitreichende Auswirkungen auf das Wetter weltweit – von Dürreperioden in Australien bis hin zu schweren Regenfällen in Südamerika.

    Ein sich veränderndes Klima bringt auch eine Verschiebung dieser Muster mit sich. Extremereignisse wie Hurrikane und Taifune nehmen an Intensität zu, da wärmeres Wasser als „Treibstoff“ für diese Stürme dient. Die Zerstörungskraft solcher Wetterereignisse hat bereits jetzt verheerende Auswirkungen auf Küstengemeinden und Infrastrukturen.

    Schutz und Erhaltung der Ozeane

    Angesichts dieser Herausforderungen stellt sich die Frage: Was können wir tun, um unsere Ozeane zu schützen? Ein wichtiger Schritt ist der Ausbau von Meeresschutzgebieten. Diese Gebiete, in denen menschliche Aktivitäten eingeschränkt sind, ermöglichen es marinen Ökosystemen, sich zu erholen und widerstandsfähiger gegenüber den Auswirkungen des Klimawandels zu werden. Doch derzeit sind nur etwa 7,5% der Weltmeere geschützt – viel zu wenig, um einen umfassenden Schutz zu gewährleisten.

    Neben dem Schutz der Meeresgebiete ist auch die Reduktion der Kohlendioxidemissionen entscheidend. Weniger Treibhausgase bedeuten weniger Erwärmung und Versauerung der Ozeane. Dies erfordert internationale Zusammenarbeit und ehrgeizige Klimapolitik, um die schlimmsten Auswirkungen des Klimawandels abzuwenden.

    Soziale Gerechtigkeit und die Ozeane

    Die Klimakrise ist auch eine Krise der Ungleichheit. Küstengemeinden in Entwicklungsländern sind oft am stärksten von den Auswirkungen des Klimawandels betroffen, haben jedoch die geringsten Mittel, um sich anzupassen. Fischerei ist in vielen dieser Regionen eine wichtige Einkommens- und Nahrungsquelle. Wenn Fischbestände schrumpfen oder wandern, bedeutet dies unmittelbare Bedrohungen für die Lebensgrundlage von Millionen von Menschen.

    Anpassungsstrategien müssen daher auch soziale Gerechtigkeit berücksichtigen. Dies beinhaltet die Unterstützung für nachhaltige Fischerei, den Schutz von Lebensräumen und die Sicherung von Einkommensquellen für betroffene Gemeinschaften. Es ist unerlässlich, dass wir die am meisten gefährdeten Gruppen in den Mittelpunkt unserer Bemühungen stellen.

    Technologische Fortschritte und die Zukunft der Ozeane

    Es gibt Hoffnung. Verbesserungen in der Technologie und der Datenverfügbarkeit ermöglichen es uns, präzisere Aussagen über den Zustand unserer Ozeane zu treffen und effektivere Schutzmaßnahmen zu ergreifen. Fernerkundung, durch Satelliten gestützte Überwachung und innovative Forschungsansätze liefern uns detaillierte Einblicke in die Veränderungen, die unsere Ozeane durchmachen.

    Doch es braucht mehr als Technologie. Es braucht politischen Willen und gesellschaftliches Engagement. Wir müssen die Bedeutung der Ozeane in den Mittelpunkt unserer Klimapolitik stellen und anerkennen, dass ihr Schutz auch unser Überleben sichert. Ohne gesunde Ozeane gibt es kein gesundes Klima – so einfach ist das.

    Persönliche Reflexion: Ein Plädoyer für die Ozeane

    Ich lebe am Mittelmeer und es gibt Momente, da stehe ich am Ufer und blicke auf das weite, unendliche Meer hinaus. Ich denke an die unzähligen Lebewesen, die in diesen Tiefen leben, an die Wellen, die seit Millionen von Jahren die Küsten formen. Und ich frage mich: Wie werden zukünftige Generationen diese Ozeane erleben? Werden sie auch noch die Wunder und die Schönheit sehen können, die uns heute so selbstverständlich erscheinen?

    Die Ozeane sind unsere Lebensadern. Sie verdienen unseren Schutz und unsere Fürsorge. Es ist an der Zeit, dass nicht nur die Wissenschaftler, sondern auch wir „normalen“ Menschen als globale Gemeinschaft handeln. Es ist nicht zu spät, aber die Uhr tickt. Lassen wir uns von den Ozeanen inspirieren – in ihrer Kraft, in ihrer Schönheit und in ihrer Fähigkeit, sich zu erneuern. Und handeln wir entsprechend.

    MAB


    Quellen:

    • IPCC Special Report on the Ocean and Cryosphere in a Changing Climate
    • NOAA Ocean Acidification Program
    • World Wildlife Fund (WWF) Reports on Marine Biodiversity
    • United Nations Environment Programme (UNEP) on Marine Protected Areas
  • Studie schlägt Alarm: Zivilisation durch Zusammenbruch einer Mega-Meeresströmung bedroht?

    Studie schlägt Alarm: Zivilisation durch Zusammenbruch einer Mega-Meeresströmung bedroht?

    Laut einer Studie, die am 25. Juli in der wissenschaftlichen Zeitschrift Nature Communications veröffentlicht wurde, könnte das System der Meeresströmungen, das unsere Ozeane durchzieht, bis Ende des Jahrhunderts zusammenbrechen.

    Die globalen Meeresströmungen sind laut einer Studie, die in der Fachzeitschrift Nature veröffentlicht wurde, in Gefahr. Eine Abschwächung oder gar der Zusammenbruch dieser Strömungen könnte in den nächsten Jahrzehnten passieren.

    Die meridionale atlantische Umkehrzirkulation (oder „Amoc“) ist eine Gruppe von Meeresströmungen, zu denen auch der Golfstrom gehört. Diese Zirkulation, die eine Schleife innerhalb des atlantischen Beckens bildet, spielt eine grundlegende Rolle in unserem heutigen Klimasystem und dient als „Thermostat“ für das Weltklima.

    Sie transportiert einen Teil der Wärme, die am Äquator auftritt, zu den Polen und schafft ein klimatisches Gleichgewicht durch den gleichzeitigen Transport kalten Wassers von den Polen zum Äquator.

    Die tiefe Ozeanzirkulation wird durch Unterschiede in der Temperatur und dem Salzgehalt der Wassermassen verursacht (Bild/NASA).

    Die Mathematikerin und Statistikerin Susanne Ditlevsen, Co-Autorin der Studie, erklärt in der Publikation Reporterre, dass es diesen Strömungen zu verdanken ist, dass wir in Europa ein mildes Klima haben. Laut der Studie von Susanne und Peter Ditlevsen könnte Amoc einen echten Abschwung erleben. Die beiden Forscher stützten sich bei ihren Schätzungen auf Veränderungen der Meeresoberflächentemperatur zwischen 1870 und 2020.

    Wenn unsere Treibhausgasemissionen in diesem Tempo weitergehen, dann könnte Amoc mit einer Wahrscheinlichkeit von 95% zwischen 2025 und 2095 kollabieren, so die Forscher. Ein Umkippen, das, wenn es eintritt, in der Zeit eines Menschenlebens nicht umkhrbar wäre.

    „Amoc befindet sich seit über 12.000 Jahren in einer aktiven Phase. Aber wenn wir weiterhin so handeln, wie wir es tun, werden wir in eine Stillstandsphase übergehen und es wird kein Zurück mehr geben“, erklärt Susanne Ditlevsen. „Wir haben keine Ahnung, was das bedeuten würde: Die Zivilisation, die Landwirtschaft, alles, was wir über die Welt wissen, basiert auf einem Klimasystem mit Amoc in der ‚aktiven‘ Phase“.

    Laut einer Studie aus dem Jahr 2022 wären die klimatischen Folgen monumental, wenn es zu einer solchen Umwälzung käme. Eine noch stärkere Austrocknung Afrikas und Asiens sowie ein abrupter Klimawandel auf dem europäischen Kontinent könnten beobachtet werden. Dieser könnte mit dem des „kanadischen Westens“ vergleichbar sein, so Florian Sévellec in Reporterre. Polare Kälte im Winter, gefolgt von großer Hitze im Sommer.

    Allerdings sind die Wissenschaftler erst seit 2004, als die entsprechenden Messgeräte installiert wurden, in der Lage, die Strömungen des Amoc direkt zu messen. Doch auch wenn die Wissenschaftler noch keine direkte Verbindung zwischen der globalen Erwärmung und einer Schwächung von Amoc hergestellt haben, bleibt ihrer Meinung nach eine sofortige Reduzierung der Treibhausgasemissionen unumgänglich.

  • Hitzewelle: Auch in den Meeren und Ozeanen ersticken die Fische

    Hitzewelle: Auch in den Meeren und Ozeanen ersticken die Fische

    Seit mehreren Wochen lebt frankreich im Rhythmus aufeinanderfolgender Hitzeperioden. Aber nicht nur die Erde überhitzt sich: Ende Juli erreichte die Oberflächentemperatur des Mittelmeers mit 30,7 °C einen Rekordwert. Dieses Phänomen der „Meereshitze“ wird aufgrund der globalen Erwärmung in den Meeren und Ozeanen immer häufiger, mit dramatischen Folgen für die Artenvielfalt.

    Auch unter Wasser spielt das Thermometer verrückt. Ende Juli erreichte die Temperatur des Mittelmeers vor der Küste von Alistro im Osten Korsikas laut dem meteorologischen Observatorium Keraunos mit 30,7 °C einen Rekordwert. Am nächsten Tag wurden in Villefranche-sur-Mer, nur wenige Kilometer von Nizza entfernt, 29,2 °C Wassertemperatur gemessen. So etwas hat es noch nie gegeben, zu dieser Jahreszeit liegt die Temperatur des Mittelmeers normalerweise zwischen 21 und 24 °C.

    Wissenschaftler sprechen von einer „marinen Hitzeperiode. Wie ihr Pendant an Land zeichnet sie sich durch für die Jahreszeit ungewöhnlich hohe Temperaturen aus und kann mehrere Tage oder sogar Wochen andauern und ein mehr oder weniger großes Gebiet betreffen. Zur Zeit dauert sie laut Experten seit Ende Juni an und betrifft den gesamten westlichen Mittelmeerraum vom Stiefel Italiens bis nach Spanien.

    Marine Hitzewellen im Zusammenhang mit terrestrischen Hitzewellen
    Diese Klimaanomalie hängt mit den aufeinanderfolgenden Hitzewellen zusammen, die Süd- und Westeuropa in den letzten Wochen heimgesucht haben. Die Temperatur in der Atmosphäre und die Temperatur im Ozean stehen in enger Relation: Wenn wir über die globale Erwärmung sprechen, dürfen wir nicht vergessen, dass 90% der Wärme, die sich seit der vorindustriellen Zeit angesammelt hat, vom Ozean absorbiert wurde.

    Wenn es einen Überschuss an Wärme in der Atmosphäre gibt, wird der Ozean versuchen, diese Wärme zu absorbieren, und das kann zu einer Überhitzung des Wassers führen. Das geht allerdings nur unter einer Bedingung: Das Wasser muss ruhig sein und es darf keinen Wind geben. Das ist aber genau die Situation, die im Moment im Mittelmeer herrscht. Windstösse führen dazu, dass sich das warme Wasser an der Oberfläche mit dem kühleren Wasser in der Tiefe vermischt und dadurch die an der Oberfläche gemessene Temperatur sinkt.

    Marine Hitzewellen sind nicht auf das Mittelmeer beschränkt. Der Pazifische Ozean, insbesondere der Nordpazifik und Westaustralien, waren bereits von marinen Hitzewellen betroffen. In jüngster Zeit wurden sie auch im Südatlantik und im Arktischen Ozean beobachtet, wie der Marine Heatwave Tracker, eine Software zur Identifizierung von ozeanischen Hitzewellen auf dem gesamten Globus, zeigt.

    Verheerende Auswirkungen auf die marinen Ökosysteme
    Diese plötzlichen, punktuellen Temperaturanstiege, die zur globalen Erwärmung der Ozeane hinzukommen, haben verheerende Folgen für die Wasserflora und -fauna. Ein Team von 70 Wissenschaftlern hat wir die Auswirkungen im Mittelmeer für den Zeitraum von 2015 bis 2019 untersucht und hat festgestellt, dass bei etwa 50 Arten ein Massensterben stattgefunden hat.

    Die Hauptopfer der Erwärmung: Korallen, Seeigel, Schwämme, aber auch die Posidonia, eine Pflanze, die die Eigenschaft hat, große Mengen an Kohlenstoff im Boden zu speichern. In Spanien prognostizieren einige Wissenschaftler sogar, dass die Posidonia bis 2040 von den Balearen vollständig verschwinden könnte.

    Auf der anderen Seite der Erdkugel sind diese Meereshitzewellen massgeblich an der Ausbleichung des Great Barrier Reefs beteiligt. Laut einem Bericht der australischen Regierung, der im Mai veröffentlicht wurde, sind 91% des Riffs aufgrund einer lang anhaltenden Hitzewelle im Sommer bleich geworden. Insgesamt werden 50% der weltweiten Korallenriffe als langfristig durch die Erwärmung der Ozeane bedroht angesehen.

    Flucht oder Überleben
    Während diese statischen Arten dazu verurteilt sind, sich an die neuen Temperaturen anzupassen oder zu sterben, fliehen einige Fische, Krustentiere und Meeressäuger aus ihrem Lebensraum in kühlere Gewässer. Diese Wanderungen können tausende von Kilometern betragen, wie eine im Oktober 2020 in der Fachzeitschrift Nature veröffentlichte Studie ergab.

    Auf diese Weise kommen im Mittelmeer Arten an, die normalerweise das Rote Meer oder den südlichen Atlantik bevölkern, während andere aus dem Süden des Meeres in den Norden wandern. Einige dieser Arten sind harmlos, aber andere, wie etwa der Kaninchenfisch, sind sehr gefräßig und fressen grosse mengen an Algen, was zu einer weiteren Verschlechterung des Lebensraums führt und die noch vorhandenen einheimischen Arten gefährden kann.

    Aus wirtschaftlicher und sozialer Sicht kann all dies grosse negative Folgen für die Fischerei haben – bestimmte Fischarten etwa werden in bestimmten Gebieten knapp werden.

    Wissenschaftler schlagen Alarm und warnen davor, dass mit der globalen Erwärmung die Hitzewellen auf der Erde zunehmen und sich intensivieren werden. Dasselbe wird auch für die marinen Hitzeperioden gelten.

    Im Jahr 2019 enthüllte der Bericht des Weltklimarats über die Ozeane und die Kryosphäre, dass sich die Intensität, das Ausmaß und die Dauer der marinen Hitzewellen zwischen 1982 und 2016 bereits verdoppelt hatten. Und die Klimaforscher warnen: Wenn wir bei einer Erwärmung um weitere zwei Grad bleiben, werden die ozeanischen Hitzewellen um das 20-fache zunehmen. Nur ein weiteres Grad darüber hinaus werden sie um das 50-fache zunehmen.

    Ganz abgesehen davon, dass diese Hitzespitzen für die Menschen noch eine weitere Konsequenz haben können: Sie führen zu starken Niederschlägen und Überschwemmungen. Wenn nämlich das Mittelmeer im Frühherbst warm ist, entstehen mit grossen Mengen verdunstetem Meerwasser gefüllte Wolken, was zwangsläufig zu starken Regenfällen und Überschwemmungen führt – das ist bei den großen Hochwassern im Jahr 2019 passiert.