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  • Bab el-Mandeb: Wenn eine schmale Meerenge den Ölpreis diktiert

    Bab el-Mandeb: Wenn eine schmale Meerenge den Ölpreis diktiert

    Die Weltwirtschaft hängt an einigen wenigen Meerengen. Bab el-Mandeb gehört zu den gefährlichsten unter ihnen. Die nur wenige Dutzend Kilometer breite Passage zwischen Jemen und dem Horn von Afrika verbindet den Indischen Ozean über das Rote Meer mit dem Suezkanal – und damit die Förderregionen des Nahen Ostens mit Europa. Eine vollständige Blockade wäre deshalb weit mehr als ein regionales Sicherheitsproblem. Sie würde einen bereits angespannten Ölmarkt an einer seiner empfindlichsten Stellen treffen.

    Diese Gefahr ist im September 2026 besonders relevant. Der Brent-Preis notiert wieder deutlich über 100 Dollar je Barrel, während der Verkehr durch die Strasse von Hormus infolge des Konflikts mit Iran stark eingeschränkt ist. Saudi-Arabien hat deshalb seine Ausfuhren über den Rotmeerhafen Yanbu verstärkt. Ausgerechnet Bab el-Mandeb gewinnt damit als alternative Route zusätzlich an strategischem Gewicht. Fiele auch diese Passage aus, wären zwei zentrale Verkehrsadern des internationalen Ölhandels gleichzeitig beeinträchtigt.

    Der Ölmarkt braucht keine tatsächliche Knappheit

    Die Bedeutung von Bab el-Mandeb lässt sich zunächst in Zahlen ausdrücken. Nach Daten der amerikanischen Energy Information Administration passierten 2023 rund 9,3 Millionen Barrel Rohöl und Ölprodukte pro Tag die Meerenge. Wegen der Angriffe auf die Schifffahrt sank die Menge 2024 drastisch. Im zweiten Quartal 2026 erreichte der Durchfluss jedoch wieder rund 8,1 Millionen Barrel täglich.

    Damit nähert sich die Route erneut ihrer früheren Bedeutung. Zum Vergleich: Die weltweite Ölversorgung liegt bei ungefähr 100 Millionen Barrel täglich. Bab el-Mandeb ist also kein marginaler Transportweg.

    Allerdings wäre es falsch, eine Sperrung automatisch mit dem Ausfall von acht Millionen Barrel Produktion gleichzusetzen. Das Öl verschwindet nicht. Tanker können Afrika über das Kap der Guten Hoffnung umrunden. Genau darin liegt ein wesentlicher Unterschied zur Strasse von Hormus: Bab el-Mandeb ist geografisch umfahrbar.

    Doch Umfahrbarkeit bedeutet nicht Folgenlosigkeit.

    Der Umweg verlängert Reisen zwischen dem Persischen Golf beziehungsweise dem Roten Meer und Europa erheblich. Je nach Ausgangs- und Zielhafen können zusätzliche ein bis zwei Wochen entstehen. Tanker sind länger gebunden, Treibstoffverbrauch und Charterkosten steigen, und dieselbe Flotte kann innerhalb eines Jahres weniger Ladungen transportieren.

    Der entscheidende Engpass wäre deshalb zunächst nicht das Öl selbst, sondern die Transportkapazität.

    Der Risikoaufschlag kommt vor der Knappheit

    Ölmärkte reagieren nicht erst auf leere Tanks. Sie reagieren auf Wahrscheinlichkeiten.

    Schon die glaubhafte Gefahr einer längerfristigen Sperrung würde Händler dazu veranlassen, einen geopolitischen Risikoaufschlag einzupreisen. Reedereien müssten entscheiden, ob sie ihre Schiffe durch ein Gebiet schicken, in dem Drohnen, Raketen oder Minen drohen. Versicherer würden ihre Prämien erhöhen oder bestimmte Risiken überhaupt nicht mehr decken. Charterraten könnten steigen.

    Diese Mechanismen erklären, weshalb Ölpreise auch dann kräftig zulegen können, wenn die globale Förderung zunächst unverändert bleibt.

    Der Markt kauft gewissermassen Zeit und Sicherheit. Je unsicherer beides wird, desto teurer wird das Barrel.

    Der gegenwärtige Kontext verschärft diesen Mechanismus. Anfang September bewegten sich durch Bab el-Mandeb weiterhin zahlreiche Frachter und Tanker, während der Verkehr durch Hormus erheblich eingeschränkt war. Saudi-Arabiens Rotmeerhafen Yanbu fungiert gerade deshalb als strategisches Ausweichventil. Wird dieses Ventil gefährdet, verändert sich die Risikorechnung des gesamten Marktes.

    Die Lehre aus der Suez-Krise

    Dass eine blockierte Wasserstrasse enorme wirtschaftliche Folgen haben kann, zeigte zuletzt die Havarie der «Ever Given» im März 2021. Das Containerschiff blockierte den Suezkanal sechs Tage lang. Hunderte Schiffe stauten sich, Lieferketten wurden verzögert.

    Eine militärisch verursachte Sperrung von Bab el-Mandeb wäre allerdings von anderer Qualität. Bei der «Ever Given» war klar, dass Ingenieure an einer technischen Lösung arbeiteten. Bei einem bewaffneten Konflikt existiert kein vergleichbarer Zeitplan.

    Gerade die Unsicherheit über die Dauer macht geopolitische Blockaden gefährlich.

    Auch die Ölgeschichte zeigt, dass Erwartungen eine zentrale Rolle spielen. Während der Ölkrise von 1973 vervielfachte sich der Ölpreis innerhalb weniger Monate. Im Sommer 1990 sorgte die irakische Invasion Kuwaits für einen raschen Preissprung. Nach dem russischen Angriff auf die Ukraine stieg Brent 2022 zeitweise auf deutlich über 120 Dollar.

    Heute ist die Ausgangslage eine andere. Die Weltwirtschaft verbraucht Öl effizienter, Lieferquellen sind breiter diversifiziert, und strategische Reserven bilden einen erheblichen Puffer. Doch die Geografie lässt sich nicht diversifizieren. Tanker müssen durch Meerengen fahren oder lange Umwege nehmen.

    Strategische Reserven kaufen Zeit

    Ein kurzfristiger Ausfall von Bab el-Mandeb wäre deshalb beherrschbar. Die Mitgliedstaaten der Internationalen Energieagentur sind grundsätzlich verpflichtet, Vorräte im Umfang von mindestens 90 Tagen ihrer Nettoimporte vorzuhalten. Diese Reserven existieren genau für schwere Versorgungsstörungen.

    Wie mächtig dieses Instrument sein kann, zeigte sich erneut 2026. Im März beschlossen die 32 IEA-Mitgliedstaaten angesichts der Verwerfungen im Nahen Osten die Freigabe von 400 Millionen Barrel aus ihren Notfallreserven – die grösste koordinierte Aktion in der Geschichte der Organisation.

    Strategische Reserven können Panik verhindern und kurzfristige Lieferausfälle überbrücken. Sie können aber keine dauerhaft gestörte Transportarchitektur ersetzen.

    Eine Blockade von wenigen Tagen wäre deshalb etwas grundlegend anderes als eine Sperrung über Wochen oder Monate. Mit zunehmender Dauer würden Umwege zur neuen Normalität, verfügbare Tankerkapazitäten knapper und Transportkosten strukturell höher.

    Die 100-Dollar-Marke ist bereits keine Theorie mehr

    Noch vor einiger Zeit wurde bei Szenarien einer Sperrung von Bab el-Mandeb häufig darüber diskutiert, ob Brent wieder 100 Dollar je Barrel erreichen könnte. Diese Schwelle hat inzwischen ihren hypothetischen Charakter verloren. Am 11. September lag Brent bei mehr als 105 Dollar, nachdem die Preise innerhalb einer Woche um annähernd 13 Prozent gestiegen waren.

    Damit verschiebt sich die entscheidende Frage: Nicht mehr die Rückkehr zu 100 Dollar wäre das Extremszenario, sondern ein weiterer Sprung in Richtung der Höchststände des Jahres.

    Ob dies geschieht, hängt von mehreren Faktoren gleichzeitig ab: von der Dauer möglicher Störungen im Roten Meer, vom Verkehr durch Hormus, von der Förderpolitik der Opec-Staaten, von der Nachfrage Chinas und nicht zuletzt davon, ob zusätzliche Angriffe Ölterminals, Raffinerien oder Pipelines treffen.

    Gerade diese Gleichzeitigkeit macht die Lage ungewöhnlich.

    Normalerweise funktioniert eine alternative Route als Versicherung gegen den Ausfall einer anderen. Saudi-Arabiens Ost-West-Pipeline und der Hafen Yanbu beispielsweise sollen Exporte ermöglichen, ohne die Strasse von Hormus passieren zu müssen. Doch Öl, das in Yanbu verladen wird und Richtung Asien fährt, muss anschliessend durch Bab el-Mandeb. Wird auch diese Passage unsicher, verliert die Diversifikation einen Teil ihres Wertes.

    Europa wäre besonders exponiert

    Für Europa besitzt die Meerenge noch eine zusätzliche Bedeutung. Der Suezkanal bildet die kürzeste maritime Verbindung zu den Energiemärkten des Nahen Ostens und Asiens. Eine Sperrung am südlichen Eingang des Roten Meeres würde diese geografische Nähe faktisch aufheben.

    Die unmittelbare Konsequenz wären höhere Frachtraten. Danach könnten steigende Kosten für Diesel, Kerosin und petrochemische Produkte folgen. Schließlich würde ein länger anhaltender Ölpreisschock über Transport- und Produktionskosten erneut auf die Inflation durchschlagen.

    Damit würde aus einer militärischen Krise im Jemen rasch ein Problem für europäische Zentralbanken.

    Das ist die eigentliche Bedeutung des Satzes, eine Blockade von Bab el-Mandeb wäre «sehr problematisch». Die Formulierung klingt beinahe untertrieben. Nicht weil eine Sperrung zwangsläufig eine globale Ölknappheit auslösen müsste. Sondern weil sie in einer ohnehin fragilen Situation einen weiteren Puffer des internationalen Energiesystems beseitigen würde.

    Bab el-Mandeb bedeutet auf Arabisch das «Tor der Tränen». Die Bezeichnung ist alt, ihre geopolitische Aktualität dagegen bemerkenswert modern. Die Weltwirtschaft des 21. Jahrhunderts verfügt über Satelliten, algorithmischen Handel und hochentwickelte Logistiksysteme. Doch ein beträchtlicher Teil ihres Energiehandels bleibt von einigen schmalen Wasserstrassen abhängig.

    Die wichtigste Variable ist deshalb nicht allein, wie viele Barrel durch Bab el-Mandeb fahren. Entscheidend ist, wie viele Alternativen noch übrig bleiben, wenn diese Barrel dort nicht mehr fahren können. Solange Hormus eingeschränkt und das Rote Meer unsicher ist, wird jede zusätzliche Störung überproportional teuer. Genau deshalb könnte aus einer Krise an einer kleinen Meerenge sehr schnell ein globaler Preisschock werden.

    Andreas M. Brucker

  • Blick in die Welt: Der Iran-Krieg wird zum Stresstest für die Weltordnung

    Blick in die Welt: Der Iran-Krieg wird zum Stresstest für die Weltordnung

    Die internationale Presse blickt an diesem Freitag, 24. Juli 2026, auf eine Weltlage, in der mehrere Krisen gleichzeitig an Schärfe gewinnen. Im Zentrum steht die militärische Eskalation zwischen den Vereinigten Staaten und Iran, die inzwischen nicht mehr nur den Persischen Golf, sondern auch das Rote Meer und damit zentrale Adern des Welthandels betrifft. Hinzu kommen neue amerikanische Zölle, der fortdauernde Krieg in der Ukraine, schwere Waldbrände in mehreren Weltregionen und die fragile Lage im Gazastreifen.

    Der Krieg zwischen den USA und Iran greift auf die Region über

    Der wichtigste Schwerpunkt der internationalen Berichterstattung bleibt die direkte Konfrontation zwischen Washington und Teheran. Das amerikanische Militär hat nach eigenen Angaben eine weitere Serie von Angriffen auf iranische Ziele geflogen. Im Visier standen militärische Infrastruktur, Drohnenstellungen, Überwachungsanlagen und Küstenpositionen.

    Die eigentliche Brisanz liegt jedoch nicht allein in der Intensität der Angriffe, sondern in der geografischen Ausweitung des Konflikts. In mehreren Golfstaaten wächst die Sorge, selbst zum Kriegsschauplatz zu werden. Bahrain löste in der Nacht Luftschutzalarm aus, Kuwait und andere mit den Vereinigten Staaten verbündete Staaten der Region sehen sich ebenfalls einer erhöhten Bedrohung ausgesetzt.

    Besondere Aufmerksamkeit richten die internationalen Medien auf Angriffe der Huthi-Miliz auf saudische Öltanker im Roten Meer. Damit ist neben der Straße von Hormus nun auch die Route über Bab al-Mandab und den Suezkanal betroffen. Für den Welthandel ist diese Entwicklung von erheblicher Bedeutung: Die Energieversorgung Asiens und Europas hängt in hohem Mass von genau jenen Seewegen ab, die nun militärisch gefährdet sind.

    US-Präsident Donald Trump kündigte eine harte militärische Reaktion gegen Iran und die Huthi an. Zugleich mehren sich Berichte, wonach Teheran die jemenitische Miliz mit Waffen, Beratung und logistischer Hilfe unterstützt haben soll. Die Vereinten Nationen warnen vor einem regionalen Flächenbrand. Die Frage lautet in vielen Leitartikeln nicht mehr, ob sich der Konflikt ausweiten könnte, sondern wie weit er sich bereits ausgeweitet hat.

    Ölpreis und Lieferketten geraten unter Druck

    Die militärische Eskalation schlägt unmittelbar auf die Weltwirtschaft durch. Der Ölpreis ist über die Marke von 100 Dollar pro Barrel gestiegen. An den asiatischen Börsen kam es zu Kursverlusten, während Reedereien, Versicherer und Rohstoffhändler höhere Risiken für Transporte durch den Persischen Golf und das Rote Meer einpreisen.

    Die gleichzeitige Gefährdung zweier zentraler Seewege wäre für die Weltwirtschaft besonders problematisch. Die Straße von Hormus ist einer der wichtigsten Transportkorridore für Rohöl und Flüssiggas. Das Rote Meer wiederum verbindet über den Suezkanal Asien, Europa und Nordafrika. Werden beide Routen unsicher, steigen nicht nur Energiepreise, sondern auch Frachtkosten, Lieferzeiten und Inflationsrisiken.

    Auch in den Vereinigten Staaten selbst wird der Preis des Krieges zunehmend diskutiert. Die militärischen Operationen belasten den Haushalt, beanspruchen Bestände moderner Präzisionswaffen und führen im Kongress zu wachsendem Widerstand. Die innenpolitische Debatte dreht sich daher nicht nur um die strategische Notwendigkeit der Angriffe, sondern auch um deren politische und fiskalische Tragfähigkeit.

    Washington eröffnet eine neue Zollrunde

    Neben dem Krieg sorgt eine neue handelspolitische Entscheidung der US-Regierung für Unruhe. Washington hat neue zweistellige Einfuhrzölle gegen zahlreiche Handelspartner verhängt. Sie ersetzen eine vorübergehend geltende pauschale Abgabe von zehn Prozent und werden von der Regierung mit Bestimmungen gegen Waren begründet, die unter Einsatz von Zwangsarbeit hergestellt worden sein sollen.

    Diese Begründung ist politisch heikel. Der Kampf gegen Zwangsarbeit besitzt international breite Legitimität. Kritiker sehen in der Maßnahme jedoch vor allem ein handelspolitisches Druckinstrument, mit dem die USA ihre wirtschaftlichen Interessen durchsetzen wollen. Mehrere Handelspartner haben Protest eingelegt oder Gegenmaßnahmen angedeutet.

    Für exportorientierte Volkswirtschaften bedeutet die Entscheidung zusätzliche Unsicherheit. Unternehmen müssen mit höheren Kosten, unterbrochenen Lieferketten und komplexeren Zollverfahren rechnen. In Verbindung mit steigenden Energiepreisen entsteht damit eine doppelte Belastung: Die Weltwirtschaft wird gleichzeitig durch Krieg, Transportunsicherheit und Protektionismus unter Druck gesetzt.

    Der Ukrainekrieg bleibt ein europäischer Dauerkonflikt

    Der Krieg in der Ukraine ist in der internationalen Presse derzeit weniger dominant als die Eskalation im Nahen Osten, bleibt aber ein zentraler Konflikt der europäischen Sicherheitsordnung. Die Europäische Union arbeitet an einem weiteren Sanktionspaket gegen Russland. Im Mittelpunkt stehen Banken, Finanzplattformen, Akteure des russischen Ölgeschäfts sowie Personen und Unternehmen, die Moskaus Kriegswirtschaft stützen.

    Parallel setzt die Ukraine ihre Angriffe tief im russischen Staatsgebiet fort. Drohnenangriffe auf Lagerhäuser und Logistikanlagen sollen die russische Versorgung schwächen. Russland wiederum greift weiter ukrainische Energie- und Verkehrsinfrastruktur an. Für die Zivilbevölkerung bedeutet dies Stromausfälle, zerstörte Verkehrswege und eine zunehmende Erschöpfung nach Jahren des Krieges.

    In Kiew wächst zugleich der innenpolitische Druck. Personalentscheidungen innerhalb der Regierung und des Verteidigungsapparats werden kritisch beobachtet. Die ukrainische Führung steht vor einem doppelten Problem: Sie muss militärisch handlungsfähig bleiben und zugleich den gesellschaftlichen Zusammenhalt in einem Krieg sichern, dessen Ende nicht absehbar ist.

    Waldbrände zeigen die Verwundbarkeit moderner Staaten

    Auch die schweren Wald- und Vegetationsbrände in mehreren Weltregionen prägen die internationale Berichterstattung. Frankreich, Spanien, Schottland und Kanada melden großflächige Feuer. Im Südwesten Frankreichs mussten Tausende Menschen evakuiert werden. In Spanien brannten grosse Flächen in der Provinz Guadalajara. In Kanada belastete Rauch aus zahlreichen Bränden die Luftqualität bis in städtische Ballungsräume hinein.

    Auffällig ist nicht nur das Ausmass einzelner Brände, sondern ihre Gleichzeitigkeit. Viele Medien ordnen die Ereignisse nicht mehr als voneinander unabhängige Naturkatastrophen ein. Im Vordergrund steht ein Muster aus Hitze, Trockenheit, ausgedörrten Böden und überlasteten Einsatzkräften.

    Damit wird der Klimawandel zunehmend als Sicherheitsfrage behandelt. Waldbrände zerstören nicht nur Naturflächen, sondern belasten Gesundheitssysteme, Verkehrsinfrastruktur, Energieversorgung und öffentliche Haushalte. Die entscheidende Frage lautet nicht mehr, ob extreme Hitze und Trockenheit Brandrisiken erhöhen. Sie lautet, ob Staaten personell, technisch und finanziell darauf vorbereitet sind, wenn solche Krisen gleichzeitig auftreten.

    Gaza bleibt Teil einer grösseren regionalen Krise

    Auch der Gazastreifen bleibt im Blick der internationalen Presse. Israel hat neue Räumungsanordnungen ausgesprochen und anschließend Ziele in dem Küstengebiet bombardiert. Nach palästinensischen Angaben gab es erneut Tote.

    Der Krieg in Gaza wird derzeit von der amerikanisch-iranischen Konfrontation überlagert. Das mindert seine Bedeutung jedoch nicht. Vielmehr verschmelzen die verschiedenen Konflikte des Nahen Ostens zunehmend zu einer regionalen Gesamtlage: Gaza, Libanon, Jemen, Iran, der Persische Golf und das Rote Meer sind politisch und militärisch immer stärker miteinander verbunden.

    Für Diplomaten wird die Lage dadurch schwerer beherrschbar. Eine lokale Eskalation kann binnen Stunden Auswirkungen auf Energiepreise, Schifffahrt, Bündnispolitik und innenpolitische Debatten in Europa und den USA haben. Genau darin liegt die neue Qualität der Krise.

    Die internationale Presse beschreibt an diesem Freitag keine einzelne Weltkrise, sondern eine gefährliche Verdichtung mehrerer Krisenräume. Der Iran-Krieg bedroht zentrale Schifffahrtswege und treibt die Energiepreise. Die neuen US-Zölle verschärfen handelspolitische Spannungen. In der Ukraine geht der Abnutzungskrieg weiter. Waldbrände zeigen, wie rasch die Klimakrise zu einer unmittelbaren Gefahr für Sicherheit, Gesundheit und Infrastruktur wird.

    Auffällig ist, wie stark diese Entwicklungen miteinander verflochten sind. Militärische Konflikte verändern Energiepreise. Energiepreise beeinflussen Inflation und Staatshaushalte. Handelskonflikte belasten Lieferketten. Klimatische Extremereignisse binden Ressourcen, die zugleich für Verteidigung, Katastrophenschutz und soziale Stabilität gebraucht werden.

    Die Lage dieses 24. Juli 2026 zeigt damit eine Weltordnung unter wachsendem Stress. Es geht nicht nur um die Zahl der Krisen, sondern um ihre Gleichzeitigkeit. Je mehr Konflikte parallel eskalieren, desto kleiner werden die politischen Spielräume zu ihrer Eindämmung.

    Christine Macha

  • Kommentar: Sie kümmern sich nicht. Sie konservieren.

    Kommentar: Sie kümmern sich nicht. Sie konservieren.

    Es ist eine dieser politischen Rituale, die sich mit der Verlässlichkeit eines schlecht gewarteten Motors wiederholen: Die Preise an der Zapfsäule steigen – und schon greifen unsere Regierungen zum altbewährten Werkzeugkasten der Beruhigungspolitik. Ein bisschen Steuersenkung hier, ein bisschen Subvention dort, garniert mit der beruhigenden Botschaft: Wir kümmern uns.

    Nein, sie kümmern sich nicht. Sie konservieren.

    Denn was da subventioniert wird, ist nicht nur Benzin. Es ist ein System der Abhängigkeit, das sich längst als geopolitische Achillesferse erwiesen hat. Wer fossile Energien künstlich verbilligt, betreibt keine Sozialpolitik, sondern Realitätsverweigerung – und finanziert nebenbei jene Strukturen, die Europa regelmäßig in strategische Nervosität versetzen.

    Dabei läge die Alternative so greifbar nahe, dass man sich fast fragt, ob sie politisch zu einfach ist, um ernsthaft erwogen zu werden.

    Warum eigentlich nicht ein staatlich gefördertes Leasingmodell für Elektroautos? Kein bürokratisches Monstrum, keine komplizierten Förderanträge, sondern ein klarer, nachvollziehbarer Ansatz: 100 Euro im Monat für ein E-Auto. Punkt.

    Man stelle sich vor, was das bedeuten würde. Mobilität würde nicht länger am Ölpreis hängen, sondern an einer planbaren, stabilen Kostenstruktur. Haushalte würden nicht mehr zittern, wenn irgendwo am Golf eine Raffinerie brennt. Und die viel beschworene „Energiewende“ bekäme plötzlich eine konkrete, alltagsnahe Form.

    Natürlich, es gäbe Einwände. Die Infrastruktur. Die Strompreise. Die Frage der sozialen Treffsicherheit. Alles berechtigte Punkte – aber keiner davon ist unlösbar. Im Gegenteil: Sie sind lösbarer als die chronische Abhängigkeit von fossilen Importen, die politisch immer wieder als Naturgesetz hingenommen wird.

    Der eigentliche Einwand ist ein anderer, unausgesprochener: Ein solches Modell würde Konsequenz verlangen. Es würde bedeuten, sich von der bequemen Illusion zu verabschieden, man könne die alte Energiewelt mit ein paar steuerlichen Pflastern in die Zukunft retten.

    Doch genau diese Illusion ist es, die Europa sich nicht mehr leisten kann.

    Die jüngsten Angriffe auf Energieinfrastruktur führen es in brutaler Klarheit vor Augen: Energie ist kein gewöhnliches Gut. Sie ist Machtmittel, Druckmittel, im Zweifel Waffe. Wer sie importiert, importiert immer auch ein Stück Unsicherheit.

    Ein subventioniertes E-Auto für 100 Euro im Monat mag auf den ersten Blick wie ein großzügiges Versprechen wirken. In Wahrheit wäre es ein Akt politischer Nüchternheit. Es wäre die Einsicht, dass Unabhängigkeit ihren Preis hat – aber Abhängigkeit einen höheren.

    Und vielleicht, ganz vielleicht, wäre es auch ein Zeichen dafür, dass Politik mehr kann, als nur Symptome zu lindern. Dass sie gestalten kann.

    Bis dahin aber bleibt es beim gewohnten Schauspiel: Die Zapfsäule als politisches Beruhigungsmittel. Und die Zukunft als aufgeschobene Entscheidung.

    Ein Kommentar von Andreas M. Brucker

  • Energie unter Beschuss: Droht der Welt eine neue Schockwelle?

    Energie unter Beschuss: Droht der Welt eine neue Schockwelle?

    Die Bilder aus dem Golf sind ebenso eindrücklich wie beunruhigend: brennende Raffinerien, zerstörte Verladeterminals, unterbrochene Lieferketten. Was sich in den vergangenen Wochen zugespitzt hat, ist mehr als eine regionale Eskalation. Es ist ein Stresstest für die globale Energieordnung – und möglicherweise der Auftakt zu einer neuen Phase struktureller Unsicherheit.

    Angriffe auf das Herz der Energieversorgung

    Seit rund sechs Wochen mehren sich koordinierte Angriffe auf zentrale Öl- und Gasanlagen in der Golfregion. Drohnen und Raketen treffen gezielt Infrastruktur, die für die weltweite Versorgung essenziell ist. Nach bisherigen Schätzungen wurden rund 75 Anlagen beschädigt, ein Drittel davon schwer. Betroffen sind Raffinerien, Lagerstätten und insbesondere Flüssiggas-Terminals – jene neuralgischen Punkte, an denen fossile Energie in handelbare Form gebracht wird.

    Die Aussagen von Internationale Energieagentur und ihrem Direktor Fatih Birol lassen keinen Raum für Beschwichtigung. Birol spricht von der potenziell „schwersten Energiekrise der Geschichte“. Solche Worte sind in der traditionell nüchtern argumentierenden Energiepolitik selten – und sie markieren die Dimension der aktuellen Entwicklung.

    Ras Laffan und die Verwundbarkeit globaler Knotenpunkte

    Besonders gravierend ist der Ausfall der Anlage in Ras Laffan in Qatar, dem weltweit größten Zentrum für Flüssigerdgas (LNG). Dort wurde nicht nur Peripherie getroffen, sondern – wie Expert:innen betonen – das technische Herz der Produktion: die Verflüssigungseinheiten. Diese sind hochkomplex, schwer ersetzbar und nur mit erheblichem Zeitaufwand reparierbar.

    Prognosen gehen von mehreren Jahren aus, bis die volle Kapazität wiederhergestellt werden kann. In einer globalisierten Energiewirtschaft, die zunehmend auf LNG setzt, wirkt ein solcher Ausfall wie ein systemischer Schock. Europa etwa, das seit dem Rückgang russischer Pipeline-Lieferungen verstärkt auf Flüssiggas angewiesen ist, dürfte die Konsequenzen unmittelbar spüren.

    Auch einzelne Unternehmen sind betroffen. Der französische Energiekonzern TotalEnergies bestätigte Schäden an Produktionslinien in Saudi-Arabien. Solche punktuellen Ausfälle mögen isoliert betrachtet verkraftbar erscheinen, doch in der Summe entfalten sie eine erhebliche Hebelwirkung auf Preise und Versorgungssicherheit.

    Mehr als ein klassischer Ölpreisschock

    Die gegenwärtige Lage unterscheidet sich in zentralen Punkten von früheren Energiekrisen. Die Ölpreisschocks der 1970er Jahre waren politisch motivierte Angebotsverknappungen. Die aktuelle Situation hingegen ist geprägt durch physische Zerstörung von Infrastruktur – eine Form von Risiko, die schwer kalkulierbar ist und sich kurzfristig kaum kompensieren lässt.

    Hinzu kommt die veränderte Struktur der Energiemärkte. Die Diversifizierung der Bezugsquellen, lange als Garant für Stabilität gepriesen, stößt an ihre Grenzen, wenn mehrere kritische Knotenpunkte gleichzeitig ausfallen. Gleichzeitig ist die Nachfrage – insbesondere in Asien – weiterhin hoch, was die Anpassungsfähigkeit zusätzlich einschränkt.

    Der Gasmarkt reagiert besonders sensibel. Anders als Öl lässt sich Gas nicht ohne weiteres global umleiten; es ist stärker an Infrastruktur gebunden. Flüssiggas bildet hier zwar eine Brücke, doch gerade diese Brücke ist nun beschädigt. Das Resultat ist eine erhöhte Volatilität, die sich bereits in den Terminmärkten abzeichnet.

    Geopolitische Dimensionen und strategische Kalküle

    Die Angriffe werfen auch geopolitische Fragen auf. Die gezielte Sabotage von Energieanlagen deutet auf eine Eskalation jenseits klassischer militärischer Konfrontation hin. Energie wird erneut zur strategischen Waffe – nicht durch Embargos oder Sanktionen, sondern durch direkte physische Intervention.

    Für die betroffenen Staaten am Golf stellt sich die Herausforderung, ihre Infrastruktur besser zu schützen. Für importabhängige Volkswirtschaften hingegen geht es um die Frage, wie resilient ihre Versorgungssysteme tatsächlich sind. Strategische Reserven können kurzfristige Engpässe abfedern, ersetzen aber keine nachhaltige Stabilität.

    Europa etwa befindet sich in einer ambivalenten Lage: Die Abkehr von russischen Energieträgern hat die Abhängigkeit von anderen, teils ebenso fragilen Regionen erhöht. Die aktuelle Krise könnte diese Verwundbarkeit offenlegen – und die energiepolitische Debatte neu entfachen.

    Zwischen Marktmechanismen und politischer Steuerung

    In der Vergangenheit haben Märkte auf Energieknappheit mit Preisanstiegen reagiert, die wiederum Investitionen und Angebotsausweitungen anreizten. Doch dieser Mechanismus benötigt Zeit – Zeit, die in akuten Krisen fehlt. Wenn Infrastruktur zerstört ist, helfen auch hohe Preise nur begrenzt.

    Politische Eingriffe werden daher wahrscheinlicher: Preisdeckel, Subventionen, strategische Freigaben. Solche Maßnahmen können kurzfristig stabilisieren, bergen jedoch langfristige Risiken für Marktverzerrungen und Investitionsanreize.

    Zugleich könnte die Krise den Übergang zu erneuerbaren Energien beschleunigen. Doch auch hier gilt: Der Umbau der Energiesysteme ist ein langfristiges Projekt. Kurzfristig bleibt die Welt auf fossile Energieträger angewiesen – und damit anfällig für deren Störungen.

    Was sich derzeit abzeichnet, ist weniger eine klassische Krise als vielmehr ein Übergang in eine neue Phase struktureller Unsicherheit. Die Verwundbarkeit globaler Infrastrukturen, die politische Instrumentalisierung von Energie und die begrenzte Anpassungsfähigkeit der Märkte bilden ein komplexes Geflecht, das einfache Antworten erschwert. Die kommenden Monate werden zeigen, ob es sich um eine temporäre Erschütterung handelt – oder um den Beginn einer neuen energiepolitischen Realität.

    Autor: P. Tiko

  • Öltanker der Schattenflotte, Strafzölle und eingefrorene Milliarden: So will Europa Russland weiter unter Druck setzen

    Öltanker der Schattenflotte, Strafzölle und eingefrorene Milliarden: So will Europa Russland weiter unter Druck setzen

    Die Fronten in der Ukraine sind weiter verhärtet, der Krieg scheint kein Ende zu nehmen – und der Westen rüstet sich auf einer anderen Ebene: wirtschaftlich. Während Russland den vereinbarten Waffenstillstand ignoriert, plant die Europäische Union gemeinsam mit ihren Verbündeten ein neues Sanktionspaket. Der 17. Sanktionsschlag gegen Moskau steht vor der Tür. Doch welche Maßnahmen stehen diesmal auf dem Plan? Und können sie überhaupt noch Wirkung zeigen?

    Die Jagd auf die „Geisterflotte“ beginnt

    Ein Begriff wie aus einem Spionagethriller – und doch ganz real: Russlands sogenannte „Geisterflotte“ umfasst hunderte Schiffe, die unter falscher Flagge unterwegs sind, um internationale Sanktionen zu umgehen. Sie transportieren vor allem Öl, das in Drittstaaten verkauft wird – oft völlig unbemerkt von der internationalen Gemeinschaft.

    Nun will die EU diese Taktik durchkreuzen. Die Zahl der sanktionierten Schiffe soll sich verdreifachen – von 100 auf über 300. Diese Maßnahme muss zwar noch formell bestätigt werden, doch die Weichen sind gestellt.

    Auch Großbritannien legt nach: 100 verdächtige Schiffe sind dort bereits sanktioniert, ihnen droht die Festsetzung in britischen Hoheitsgewässern. Premierminister Keir Starmer spricht Klartext: „Wir tun alles, um die Geisterflotte zu zerstören und Russland seiner Öleinnahmen zu berauben.“ Stolze 18 Milliarden Pfund – so viel russisches Öl soll seit Anfang 2024 allein durch diese Flotte geschleust worden sein.

    Öl wird zur Achillesferse Moskaus

    Und genau hier setzt der nächste Hebel an: die russischen Ölkonzerne. Deren Gewinne sind eine tragende Säule für die Kriegsmaschinerie des Kreml. Das Ziel? Russland soll gezwungen werden, sein Öl unter Marktwert zu verkaufen – eine wirtschaftliche Kehrtwende mit drastischen Folgen.

    Frankreichs Außenminister Jean-Noël Barrot spricht gar von „verheerenden Sanktionen“. Besonders pikant: Im Gespräch ist ein Strafzoll von 500 Prozent auf russisches Öl sowie auf Länder, die es weiterhin importieren. Das wäre ein echter Paukenschlag – mit möglichen Nebenwirkungen.

    Denn Länder wie Ungarn oder die Slowakei sind weiterhin stark von russischer Energie abhängig. Für sie könnte dieser Schritt teuer werden – neue Bezugsquellen kosten Geld, Zeit und politische Überzeugungskraft.

    Asiatische Banken im Visier

    Ein bislang eher vernachlässigter Aspekt kommt nun ebenfalls auf den Tisch: die Rolle asiatischer Finanzinstitute. Viele von ihnen sind nach wie vor an das internationale Zahlungssystem SWIFT angeschlossen und helfen Russland, Sanktionen zu umgehen.

    Zukünftig sollen genau diese Banken verstärkt ins Visier genommen werden. Denn die Sanktionen des Westens haben eine bemerkenswerte geopolitische Dynamik ausgelöst – Russland orientiert sich zunehmend Richtung Osten. China, Indien, selbst kleine südostasiatische Länder bieten eine wirtschaftliche Brücke, über die Moskau wieder Tritt fassen will.

    Doch diese Brücke beginnt zu wackeln. Noch ist unklar, wie die neuen Maßnahmen gegen asiatische Banken genau aussehen sollen – doch allein die Andeutung setzt Signale.

    Der Milliarden-Schatz im Wartestand

    Eine der brisantesten Fragen bleibt weiterhin offen: Was geschieht mit den eingefrorenen russischen Vermögenswerten in der EU? Diese Gelder – teilweise in Milliardenhöhe – liegen seit Kriegsbeginn auf Eis. Bisherige Überlegungen, sie direkt für den Wiederaufbau der Ukraine zu verwenden, stießen auf rechtliche Bedenken.

    Frankreichs Präsident Emmanuel Macron hält den aktuellen Weg für sinnvoller: Statt die Gelder direkt zu nutzen, schöpft man die Zinsen ab, um Hilfsmaßnahmen für die Ukraine zu finanzieren. Ein kluger Schachzug oder doch nur ein Tropfen auf den heißen Stein?

    Polen zeigt sich optimistischer: Finanzminister Andrzej Domanski glaubt, dass der politische Wille wächst, dieses Kapital doch noch anzuzapfen. Die Diskussion wird intensiver – und es scheint nur eine Frage der Zeit, bis ein rechtlicher Rahmen gefunden wird.

    Ein wirtschaftlicher Marathon – kein Sprint

    Die neuen Sanktionen zeigen: Der Westen hat seinen wirtschaftlichen Hebel noch lange nicht ausgeschöpft. Doch wie viel Wirkung können sie noch entfalten? Russland hat sich über Jahre hinweg auf Isolation vorbereitet, seine Wirtschaft angepasst und neue Allianzen geknüpft.

    Trotzdem: Die Strategie bleibt klar. Schritt für Schritt, Maßnahme für Maßnahme soll Moskau wirtschaftlich ausgebremst werden. Und vielleicht, so die Hoffnung, lässt sich auf diesem Weg doch noch ein Fenster für echte Friedensverhandlungen öffnen.

    Aber mal ehrlich – wie viel Druck braucht es, bis Putin wirklich einknickt?

    Von C. Hatty

  • Krieg in der Ukraine: Welche Auswirkungen wird er auf die Preise für Öl, Gas und Weizen haben?

    Krieg in der Ukraine: Welche Auswirkungen wird er auf die Preise für Öl, Gas und Weizen haben?

    Öl, Gas und Weizen. Das sind Rohstoffe, die Russland in grossem Umfang an den Westen liefert. Auch wenn eine Verknappung nicht befürchtet wird, könnte die Ukraine-Krise direkte Auswirkungen auf diese Märkte haben.

    Bereits seit mehreren Monaten steigen die Preise für bestimmte Rohstoffe, speziell die Energiepreise. Angesichts der aktuellen Krise in der Ukraine stellt sich die Frage, wie sich dies auf die Preise für Produkte wie Gas, Öl, aber auch Weizen auswirkt.

    Weizen
    Die Ukraine und Russland sind ein wichtige Exporteure von Weizen weltweit, wobei Russland an erster Stelle steht. Zwar sind die Auswirkungen des Konflikts auf diesen Rohstoff heute noch schwer abzuschätzen. Zur Zeit des Konflikts um die Krim im Jahr 2014 sind die Getreidelieferungen ohne jegliche Probleme weitergeflossen.

    Es ist natürlich nicht unmöglich, dass die Preise vor dem Hintergrund der aktuellen Krise steigen werden, aber diese Presisteigerungen sollten nicht übermässig ausfallen. Keine übertriebenen Sorgen muss man sich insbesondere bei Brot machen. In einem Baguette, das etwa einen Euro kostet, liegt der Weizenanteil gerade einmal bei 7 bis 8 Cent.

    Schon im November letzten Jahres hatte Weizenpreis einen Höchststand erreicht: 300 Euro pro Tonne. Heute liegt der Preis für die Tonne weizen bei etwa 265 Euro pro Tonne.

    Gas
    Die größte Problematik besteht beim Gas, da Europa 40% seines Bedarfs in Russland einkauft und ein Teil dieses Gases durch die Ukraine fließt. Hier ist derzeit völlig unklar, was passieren wird. Der Marktpreis ist bereits in letzter Zeit von 72 auf 80 Euro gestiegen, aber auch da muss man relativieren: Zu Beginn des Winters stiegen die Gaspreise auf 160 Euro pro Megawatt.

    In jedem Fall aber sollte das Gas in Frankreich und Europa nicht knapp werden. Gas kommt über Pipelines nicht nur aus Russland, sondern auch aus Norwegen und in geringerem Masse aus Algerien. Flüssigerdgas (LNG), das mit Schiffen transportiert wird, wird vor allem aus den USA, Katar und Australien importiert. Gas wird in Frankreich nicht ausgehen, aber die Verbraucher werden mehr dafür bezahlen, weil es eine höhere Nachfrage bei einem stagnierenden Angebot geben wird. Und das wird sich auch auf die Strompreise auswirken.

    Und die Gasrechnung der Verbraucher? In Frankreich werden die Gaspreise durch den Staat gedeckelt, zumindest was Privathaushalte betrifft. Wirtschaftsminister Bruno Le Maire versicherte in der Zeitung 20Minutes, dass „das Einfrieren des Gaspreises für Privatpersonen“ „unter allen Umständen“ beibehalten werde. Die Tarife sind auf dem Niveau von Oktober 2021eingefroren. Diese Massnahme soll allerdings am 30. Juni nächsten Jahres enden.

    Könnte Russland den Gashahn ganz zudrehen? Das erscheint eher als unwahrscheinlich, denn wenn es das täte, wären die wirtschaftlichen folgen auch für Russland enorm. Die westlichen Märkte sind teilweise von Russland abhängig, aber Russland ist auch von den Einnahmen aus dem Westen abhängig.

    Öl
    Bereits seit mehreren Monaten steigen Öl- und damit auch die Kraftstoffpreise. Und auch heute spiegelt sich der beginnende Krieg in der Ukraine in einem steigenden Ölpreis wider:

    Am Morgen des 24. Februar stieg der Presi für ein Barrel Rohöl  über die Marke von 100 USD.

    Russland ist nach Saudi-Arabien der zweitgrößte Ölexporteur der Welt. Aber auch beim Öl zeichnet sich keine Gefahr einer gefährlichen Knappheit ab.

    Aber wenn ein Krieg ausbricht, wird das die Preise in die Höhe treiben.

  • Treibstoffpreise: Wie lässt sich der starke Anstieg rechtfertigen?

    Treibstoffpreise: Wie lässt sich der starke Anstieg rechtfertigen?

    Der Anstieg der Kraftstoffpreise scheint kein Ende zu nehmen. In der Tat steigen die Ölpreise weiter an. Experten erwarten, dass der Preis pro Barrel die symbolische Schwelle von hundert Dollar überschreiten wird. Warum aber dieser Preisanstieg?

    Das schwarze Gold macht seinem Namen alle Ehre. Der Preis für ein Barrel Öl steigt auf über 85 Dollar. Doch wie lässt sich ein solcher Anstieg erklären? Zunächst einmal ist die Omikron-Variante ein erster Grund für den Anstieg. Die Variante ist weniger gefährlich als befürchtet. Sie hat die Wirtschaft nicht gebremst und die Autofahrer verbrauchen weiterhin viel Öl. Der Verbrauch steigt, aber das Angebot hält nicht Schritt, zum Beispiel wegen der Aufstände in Kasachstan. Es kommt auch immer wieder zu Anschlägen auf Ölförderanlagen, die dann vorübergehend geschlossen werden müssen. Ein weiterer Grund für den Preisanstieg sind naturbedingte Vorfälle. In Kanada bremst ein Kältesturm die Produktion, während in Venezuela eine Pipeline in Brand geraten ist. 

  • Kraftstoffpreise an Tankstellen steigen in Frankreich weiter an

    Kraftstoffpreise an Tankstellen steigen in Frankreich weiter an

    Die Kraftstoffpreise an den Tankstellen in Frankreich sind in der vergangenen Woche weiter gestiegen, und zwar um etwa einen halben Cent pro Liter, wie aus den am Montag veröffentlichten offiziellen Zahlen hervorgeht.

    Diesel, der meistverkaufte Kraftstoff des Landes, kostete am Freitag im Durchschnitt 1,2673 Euro pro Liter und lag damit um 0,58 Cent höher als in der Vorwoche, so die Daten des Ministeriums für ökologischen Wandel. Bleifrei Premium 95 wurde für 1,3622 Euro verkauft, ein Plus von 0,43 Cent gegenüber der Vorwoche. SP95-E10, das bis zu 10 Prozent Ethanol enthält, stieg um 0,55 Cent auf 1,3432 Euro. Schließlich wurde der SP98 für 1,4210 Euro verkauft, ein Plus von 0,58 Cent.

    Für alle Arten von Kraftstoffen, die seit Anfang November gestiegen sind, muss man bis zum 13. März, also mehr als neun Monate zurückgehen, um höhere Preise zu finden. Die Kraftstoffpreise an der Zapfsäule variieren in Abhängigkeit von mehreren Parametern wie dem Preis für ein Barrel Öl, dem Euro-Dollar-Kurs, dem Lagerbestand an Mineralölprodukten und der Nachfrage sowie Steuern. Nach einem Rückgang infolge der Covid-19-Pandemie hatten sich die Ölpreise auf bescheidenem Niveau stabilisiert.

    In letzter Zeit waren die Ölpreise durch die Aussichten auf Covid-19-Impfstoffe gestützt worden und sind seit Anfang November um fast 40 % gestiegen. Doch Anfang letzter Woche belastete die Bekanntgabe des Auftretens einer Variante des für die Pandemie verantwortlichen Coronavirus die Märkte. Am vergangenen Donnerstag schloss das Barrel der Nordsee-Sorte Brent zur Lieferung im Februar bei 51,29 Dollar und damit fast 2 % niedriger als in der Vorwoche.