Schlagwort: ökosystem

  • Giftige Stille über den Baronnies: Neun tote Geier in der Drôme

    Giftige Stille über den Baronnies: Neun tote Geier in der Drôme

    Neun majestätische Vögel, die lautlos über die Felsen der Drôme kreisten, liegen nun leblos im Tal. Vergiftet. Ein schockierender Fund, der Fragen aufwirft – und weit über einen lokalen Kriminalfall hinausweist.

    Ein Drama mit bitterem Beigeschmack Zwischen dem 19. und 21. April wurden im Süden des Départements Drôme die ersten Kadaver entdeckt. Insgesamt sind inzwischen neun tote Geier gezählt worden. Die Untersuchungen ergaben: Ein hochgiftiges, längst verbotenes Insektizid war im Spiel. Mit anderen Worten – jemand hat gezielt Gift ausgelegt. Das Ganze ist kein tragischer Unfall, sondern wirkt wie dunklen Machenschaften: „Wir sind einfach nur angewidert“, erklärte Christian Tessier von der Vereinigung Vautours en Baronnies. Der Verein hat Strafanzeige gestellt, die Ermittlungen liegen inzwischen bei der Staatsanwaltschaft Grenoble und dem Office français de la biodiversité (OFB).

    Die Rolle der Geier: Naturpolizei der Lüfte Geier haben in Europa einen schweren Stand. Lange wurden sie…

    [wtr-time]

    Der weitere Text ist unseren Abonnenten vorbehalten.


    Warum ein Abo? Weil guter Journalismus seinen Preis hat.

    Information mag frei zugänglich sein – aber Journalismus ist kein Selbstläufer. Recherchen, Interviews, Faktenchecks und Einordnungen erfordern Zeit, Expertise und Verantwortung.

    Wer unabhängige, fundierte Berichterstattung will, muss sie ermöglichen. Werbefinanzierung allein reicht nicht – sonst entscheiden Klickzahlen über Inhalte.

    Ein Abonnement ist kein Eintrittsgeld, sondern ein Bekenntnis: zur Qualität, zur Unabhängigkeit und zu einer informierten Öffentlichkeit.

    Information ist frei. Journalismus kostet. Und genau deshalb lohnt sich ein Abo.


    Abo-Light – das Monatsabonnement zum schlanken Preis

    Alle Artikel für 0,50 € pro Woche. Das Abo wird monatlich mit 2 € abgerechnet und ist monatlich kündbar.

    Monatsabonnement buchen…


    Premium-Abo – das Jahresabonnement mit wertvollen Add-Ons

    Alle Artikel für 0,38 € pro Woche. Das Abo wird jährlich mit 20 € abgerechnet und ist jährlich kündbar.

    Das Premium-Jahres-Abo bietet unbegrenzten Zugriff auf unseren individuellen Reiseplaner.

    Und regelmässig wechselnde ausgewählte E-Books zum kostenlosen Download.


    Jahresabonnement buchen…


    Lebenslang – das Premium-Abo für immer

    Für eine einmalige Zahlung für nur 36 €. Unbegrenzter Zugriff – ein Leben lang.

    Das Premium-Abo-Lebenslang bietet unbegrenzten Zugriff auf unseren individuellen Reiseplaner.

    Und regelmässig wechselnde ausgewählte E-Books zum kostenlosen Download.


    „Abo-Lebenslang“ buchen…


     

     

  • Zurück auf dem Gipfel – wie der iberische Steinbock die Pyrenäen neu erobert

    Zurück auf dem Gipfel – wie der iberische Steinbock die Pyrenäen neu erobert

    Er war verschwunden – für immer, dachte man. Doch nun steht er wieder auf den schroffen Graten der Pyrenäen, die Hörner gegen den Wind gereckt, als wäre er nie fort gewesen: der iberische Steinbock. Eine alpine Ikone, ein Symbol des Wildlebens – und eine der spektakulärsten Erfolgsgeschichten europäischer Artenerhaltung.

    Mehr als ein Jahrhundert lang blieb der französische Teil des Gebirges ohne seine wohl markanteste Wildziegenart. 1910 wurde das letzte Tier der einst endemischen Unterart, Capra pyrenaica pyrenaica, durch Jagd und Lebensraumverlust ausgerottet. Als im Jahr 2000 auch das letzte Individuum auf spanischer Seite starb, war das Kapitel scheinbar endgültig geschlossen. Doch manche Geschichten wollen eben neu geschrieben werden.

    Ein zäher Neuanfang in luftiger Höhe

    2014 begannen Forscher:innen und Behörden beiderseits der Grenze, einen ehrgeizigen Plan umzusetzen: die Wiederansiedlung des iberischen Steinbocks – allerdings in Form seiner nächsten lebenden Verwandten, Capra pyrenaica victoriae. Diese lebt in Zentralspanien, in der Sierra de Guadarrama bei Madrid. Von dort wurden über Jahre hinweg Tiere gefangen, untersucht und schließlich auf verschiedene Höhenlagen der französischen Pyrenäen verteilt – darunter Cauterets, Gavarnie-Gèdre und das Gebiet des regionalen Naturparks Ariège.

    Dabei war nichts dem Zufall überlassen. Strenge Gesundheitskontrollen – insbesondere gegen die gefürchtete Brucellose – sorgten für maximale Sicherheit für Tiere, Menschen und das Weidevieh der Region.

    Die Rückkehr einer wilden Seele

    Was folgte, übertraf selbst optimistische Erwartungen: Die Tiere fanden sich in ihrer neuen alten Heimat zurecht, pflanzten sich erfolgreich fort – und blieben. Zehn Jahre nach dem ersten Auswilderungsjahr leben heute rund 600 Steinböcke wieder in den französischen Pyrenäen. Im Nationalpark sind es 410, im Naturpark Ariège etwa 250.

    Ein satter Zuwachs – und ein klares Zeichen dafür, dass der Steinbock nicht nur genetisch, sondern auch ökologisch bestens angepasst ist. Die Gebirgskette scheint ihm wie auf den Leib geschneidert. Die Population wächst nicht nur stabil, sondern auch gesund – bislang zumindest.

    Ein bisschen Sorge bleibt immer

    Natürlich ist kein Naturschutzprojekt ganz ohne Haken. Gerade die genetische Vielfalt der heutigen Population ist ein Punkt, der vielen Fachleuten Sorgen bereitet. Schließlich stammen alle Tiere aus relativ wenigen Elterntieren derselben spanischen Region. Der gefürchtete genetische Flaschenhals ist also ein realer Risikofaktor.

    Aktuell wird diskutiert, gezielt neue Tiere aus anderen spanischen Populationen – etwa aus der südlich gelegenen Sierra Nevada – einzugliedern, um das Erbgut aufzufrischen. Eine Art genetischer Tapetenwechsel – notwendig, wenn der Steinbock langfristig überleben soll.

    Auch der Gesundheitsschutz bleibt ein Thema. Regelmäßig werden Tiere eingefangen und untersucht – eine Maßnahme, die nicht nur den Steinböcken selbst dient, sondern auch der nahen Nutztierhaltung und dem Menschen. Zoonosen sind kein romantisches Thema, aber ein realistisches.

    Grenzenlose Zusammenarbeit

    Was diese Geschichte besonders macht, ist der Schulterschluss: Biolog:innen, Wildtierexpert:innen, Förster:innen und Behörden auf beiden Seiten der Grenze zogen – und ziehen – an einem Strang. Zwischen französischen und spanischen Nationalparks, lokalen Institutionen und europäischen Förderprojekten entstand ein Modell der grenzüberschreitenden Naturschutzkooperation, das Schule machen könnte.

    Und wie oft gelingt das schon in Europa – dass ausgerechnet ein Steinbock zum verbindenden Symbol wird?

    Ein Vorbild mit Hörnern

    Der Blick zurück macht klar: Der Steinbock ist mehr als nur eine Art. Seine Rückkehr zeigt, dass man verlorene Arten mit Geduld, Planung und politischem Willen tatsächlich zurückholen kann. Die Pyrenäen sind dadurch nicht nur reicher geworden – sie sind auch ein Stück ursprünglicher, wilder, echter.

    Solche Projekte machen Mut. Nicht, weil sie einfach wären. Sondern weil sie zeigen, dass schwierige Aufgaben lösbar sind – wenn man sie gemeinsam anpackt.

    Und Hand aufs Herz: Wer würde nicht gerne einmal auf einem Berg stehen, dem Ruf eines Steinbocks lauschen – und dabei denken: „Du bist wieder da“?

    Autor: Andreas M. Brucker