Schlagwort: öffentliche Debatte

  • Nach der Trauer wächst der Druck: Frankreich bereitet sich auf neue Proteste nach Lyhannas Beisetzung vor

    Nach der Trauer wächst der Druck: Frankreich bereitet sich auf neue Proteste nach Lyhannas Beisetzung vor

    Die Erschütterung über den Tod der jungen Lyhanna hält Frankreich weiterhin in Atem. Während die Familie und Angehörigen am Freitag in Fleurance im Département Gers Abschied von der Jugendlichen nehmen, kündigen zahlreiche Frauenrechtsorganisationen, Kinderschutzverbände und Bürgerinitiativen neue Demonstrationen im ganzen Land an. Aus der anfänglichen Trauer entwickelt sich zunehmend eine Bewegung, die Antworten fordert und politische Konsequenzen verlangt. Der Fall hat weit über die Grenzen der betroffenen Region hinaus für Entsetzen gesorgt. Seit der Auffindung des Leichnams beschäftigt die Tragödie die französische Öffentlichkeit. Besonders die Diskussion über den Umgang der Behörden mit dem mutmaßlichen Täter und mögliche Versäumnisse im Vorfeld des Verbrechens sorgt für anhaltende Empörung. In vielen Städten gingen bereits Tausende Menschen auf die Straße, um ihrer Trauer Ausdruck zu verleihen und gleichzeitig Kritik an staatlichen Institutionen zu üben. Für viele Teilnehmer steh…

    [wtr-time]

    Der weitere Text ist unseren Abonnenten vorbehalten.


    Warum ein Abo? Weil guter Journalismus seinen Preis hat.

    Information mag frei zugänglich sein – aber Journalismus ist kein Selbstläufer. Recherchen, Interviews, Faktenchecks und Einordnungen erfordern Zeit, Expertise und Verantwortung.

    Wer unabhängige, fundierte Berichterstattung will, muss sie ermöglichen. Werbefinanzierung allein reicht nicht – sonst entscheiden Klickzahlen über Inhalte.

    Ein Abonnement ist kein Eintrittsgeld, sondern ein Bekenntnis: zur Qualität, zur Unabhängigkeit und zu einer informierten Öffentlichkeit.

    Information ist frei. Journalismus kostet. Und genau deshalb lohnt sich ein Abo.


    Abo-Light – das Monatsabonnement zum schlanken Preis

    Alle Artikel für 0,50 € pro Woche. Das Abo wird monatlich mit 2 € abgerechnet und ist monatlich kündbar.

    Monatsabonnement buchen…


    Premium-Abo – das Jahresabonnement mit wertvollen Add-Ons

    Alle Artikel für 0,38 € pro Woche. Das Abo wird jährlich mit 20 € abgerechnet und ist jährlich kündbar.

    Das Premium-Jahres-Abo bietet unbegrenzten Zugriff auf unseren individuellen Reiseplaner.

    Und regelmässig wechselnde ausgewählte E-Books zum kostenlosen Download.


    Jahresabonnement buchen…


    Lebenslang – das Premium-Abo für immer

    Für eine einmalige Zahlung für nur 36 €. Unbegrenzter Zugriff – ein Leben lang.

    Das Premium-Abo-Lebenslang bietet unbegrenzten Zugriff auf unseren individuellen Reiseplaner.

    Und regelmässig wechselnde ausgewählte E-Books zum kostenlosen Download.


    „Abo-Lebenslang“ buchen…


     

     

  • Frankreich zwischen Trauer und Verunsicherung

    Frankreich zwischen Trauer und Verunsicherung

    Der Tod der elfjährigen Lyhanna hat in Frankreich eine Welle der Betroffenheit ausgelöst. In zahlreichen Städten versammelten sich Bürger zu Mahnwachen, stillen Märschen und Gedenkveranstaltungen. Im Mittelpunkt stand dabei weniger die politische Auseinandersetzung als vielmehr das gemeinsame Bedürfnis, Anteilnahme auszudrücken und über den Schutz von Kindern zu diskutieren. Die Zusammenkünfte wurden von vielen Teilnehmern als Zeichen des gesellschaftlichen Zusammenhalts verstanden. Familien, Anwohner, Vertreter von Vereinen und lokale Mandatsträger kamen zusammen, um ihre Trauer zu bekunden. Kerzen, Blumen und persönliche Botschaften prägten vielerorts das Bild. Die Veranstaltungen verliefen überwiegend ruhig und würdevoll. Gleichzeitig machten die Demonstrationen deutlich, dass der Fall weit über die unmittelbare Tragödie hinausreicht. Viele Bürger äußerten Sorgen hinsichtlich der Sicherheit von Kindern und Jugendlichen im öffentlichen Raum. Dabei standen Fragen nach Prävention, Betr…

    [wtr-time]

    Der weitere Text ist unseren Abonnenten vorbehalten.


    Warum ein Abo? Weil guter Journalismus seinen Preis hat.

    Information mag frei zugänglich sein – aber Journalismus ist kein Selbstläufer. Recherchen, Interviews, Faktenchecks und Einordnungen erfordern Zeit, Expertise und Verantwortung.

    Wer unabhängige, fundierte Berichterstattung will, muss sie ermöglichen. Werbefinanzierung allein reicht nicht – sonst entscheiden Klickzahlen über Inhalte.

    Ein Abonnement ist kein Eintrittsgeld, sondern ein Bekenntnis: zur Qualität, zur Unabhängigkeit und zu einer informierten Öffentlichkeit.

    Information ist frei. Journalismus kostet. Und genau deshalb lohnt sich ein Abo.


    Abo-Light – das Monatsabonnement zum schlanken Preis

    Alle Artikel für 0,50 € pro Woche. Das Abo wird monatlich mit 2 € abgerechnet und ist monatlich kündbar.

    Monatsabonnement buchen…


    Premium-Abo – das Jahresabonnement mit wertvollen Add-Ons

    Alle Artikel für 0,38 € pro Woche. Das Abo wird jährlich mit 20 € abgerechnet und ist jährlich kündbar.

    Das Premium-Jahres-Abo bietet unbegrenzten Zugriff auf unseren individuellen Reiseplaner.

    Und regelmässig wechselnde ausgewählte E-Books zum kostenlosen Download.


    Jahresabonnement buchen…


    Lebenslang – das Premium-Abo für immer

    Für eine einmalige Zahlung für nur 36 €. Unbegrenzter Zugriff – ein Leben lang.

    Das Premium-Abo-Lebenslang bietet unbegrenzten Zugriff auf unseren individuellen Reiseplaner.

    Und regelmässig wechselnde ausgewählte E-Books zum kostenlosen Download.


    „Abo-Lebenslang“ buchen…


     

     

  • Wer schützt uns vor den Beschützern? Eine Frage, die eigentlich keiner mehr hören will – und doch alle hören müssen

    Wer schützt uns vor den Beschützern? Eine Frage, die eigentlich keiner mehr hören will – und doch alle hören müssen

    Es ist eine dieser Fragen, die man am liebsten elegant umschifft, wie eine Pfütze nach einem Sommerregen.

    Und doch steht sie da, mitten im Weg, unausweichlich, fast trotzig: Wer schützt uns eigentlich vor denen, die uns schützen sollen?

    Man möchte ja glauben, alles sei in Ordnung. Der Staat wachsam, die Ordnungskräfte integer, das große Ganze stabil wie ein gut gezimmerter Tisch. Klar, hier und da knarzt es mal im Gebälk – aber bitte, das gehört doch dazu. Ein bisschen Realität, ein bisschen Reibung. Nichts, was das Vertrauen ernsthaft erschüttern müsste.

    Oder?

    Und dann taucht ein Video auf. Nicht inszeniert, nicht gefiltert, kein Drehbuch, kein Heldenmoment. Sondern rohe Wirklichkeit. Tritte, Schläge, Stimmen. Keine Dramaturgie – nur Gewalt. Und plötzlich wirkt das schöne Bild vom „Freund und Helfer“ wie ein Werbeplakat aus einer anderen Zeit.

    Natürlich, selbstverständlich, juristisch gilt die Unschuldsvermutung. Die muss gelten. Ohne sie wäre der Rechtsstaat nur noch Dekoration. Aber Vertrauen? Das funktioniert ein bisschen anders. Es wächst langsam – und verschwindet verdammt schnell.

    Man fragt sich unweigerlich: Was passiert eigentlich, wenn die Uniform nicht mehr beruhigt, sondern verunsichert? Wenn das Auftreten von Autorität nicht schützt, sondern droht? Wenn ein Satz wie „Wir sind die Polizei“ nicht Sicherheit ausstrahlt, sondern eher klingt wie eine schlechte Pointe?

    Das Bittere ist ja: Es sind nicht die spektakulären Einzelfälle allein, die das Vertrauen zersetzen. Es ist das Gefühl, dass sie vielleicht schon längst keine Einzelfäll mehr sind. Dieses leise, nagende „Vielleicht“. Dieses Unbehagen, das sich nicht abschütteln lässt.

    Und dann kommt sie, die reflexhafte Verteidigung: Ein paar schwarze Schafe, heißt es. Ein Ausrutscher. Eine Verkettung unglücklicher Umstände. Ja klar – und der Himmel ist grün, wenn man nur fest genug daran glaubt.

    Die Wahrheit ist unbequemer.

    Eine Institution misst sich nicht an ihren Hochglanzbroschüren, sondern an ihren schwächsten Momenten. An dem, was passiert, wenn niemand hinschaut. Oder – noch entscheidender – wenn plötzlich doch jemand hinschaut.

    Wie in diesem Fall in Nizza.

    Ironischerweise ist es ausgerechnet die Kamera eines Nachbarn, die hier für so etwas wie Ordnung sorgt. Nicht die Autorität selbst, sondern ihre Dokumentation. Man könnte fast zynisch sagen: Vielleicht brauchen wir weniger Vertrauen und mehr Speicherplatz.

    Klingt hart? Ist es auch.

    Denn eigentlich sollte es andersherum sein. Eigentlich sollte man sich sicher fühlen, wenn die Polizei auftaucht. Eigentlich sollte das Gewaltmonopol des Staates nicht wie eine Drohkulisse wirken, sondern wie ein Schutzschild.

    Eigentlich.

    Und doch bleibt am Ende diese eine Frage, die sich nicht wegmoderieren lässt, nicht relativieren, nicht kleinreden:

    Wer schützt uns vor denen, die uns schützen sollen?

    Vielleicht liegt die ehrlichste Antwort irgendwo zwischen Kontrolle, Transparenz und dem Mut, hinzusehen – auch dann, wenn es wehtut.

    Oder, ganz uncharmant formuliert: Vertrauen ist gut. Aber offenbar längst nicht mehr gut genug.

    Ein Kommentar von C. Hatty

  • Kulturkampf im Rathaus: Wie ein Filmfestival in Carcassonne zur politischen Grundsatzfrage wird

    Kulturkampf im Rathaus: Wie ein Filmfestival in Carcassonne zur politischen Grundsatzfrage wird

    Die Entscheidung fiel einstimmig – und sie ist von erheblicher Tragweite. Mit dem Rückzug seiner Subventionsanträge bei der neu gewählten Stadtverwaltung setzt das Internationale Festival des politischen Films in Carcassonne ein unmissverständliches Zeichen. Es geht nicht nur um Geld. Es geht um Wer…

    [wtr-time]

    Der weitere Text ist unseren Abonnenten vorbehalten.


    Warum ein Abo? Weil guter Journalismus seinen Preis hat.

    Information mag frei zugänglich sein – aber Journalismus ist kein Selbstläufer. Recherchen, Interviews, Faktenchecks und Einordnungen erfordern Zeit, Expertise und Verantwortung.

    Wer unabhängige, fundierte Berichterstattung will, muss sie ermöglichen. Werbefinanzierung allein reicht nicht – sonst entscheiden Klickzahlen über Inhalte.

    Ein Abonnement ist kein Eintrittsgeld, sondern ein Bekenntnis: zur Qualität, zur Unabhängigkeit und zu einer informierten Öffentlichkeit.

    Information ist frei. Journalismus kostet. Und genau deshalb lohnt sich ein Abo.


    Abo-Light – das Monatsabonnement zum schlanken Preis

    Alle Artikel für 0,50 € pro Woche. Das Abo wird monatlich mit 2 € abgerechnet und ist monatlich kündbar.

    Monatsabonnement buchen…


    Premium-Abo – das Jahresabonnement mit wertvollen Add-Ons

    Alle Artikel für 0,38 € pro Woche. Das Abo wird jährlich mit 20 € abgerechnet und ist jährlich kündbar.

    Das Premium-Jahres-Abo bietet unbegrenzten Zugriff auf unseren individuellen Reiseplaner.

    Und regelmässig wechselnde ausgewählte E-Books zum kostenlosen Download.


    Jahresabonnement buchen…


    Lebenslang – das Premium-Abo für immer

    Für eine einmalige Zahlung für nur 36 €. Unbegrenzter Zugriff – ein Leben lang.

    Das Premium-Abo-Lebenslang bietet unbegrenzten Zugriff auf unseren individuellen Reiseplaner.

    Und regelmässig wechselnde ausgewählte E-Books zum kostenlosen Download.


    „Abo-Lebenslang“ buchen…


     

     

  • Zwischen Antisemitismusbekämpfung und Meinungsfreiheit: Frankreichs umstrittenes Gesetzesvorhaben

    Zwischen Antisemitismusbekämpfung und Meinungsfreiheit: Frankreichs umstrittenes Gesetzesvorhaben

    Die Debatte um die von Caroline Yadan eingebrachte Gesetzesinitiative zur Bekämpfung „neuer Formen des Antisemitismus“ entwickelt sich zu einem politischen Brennpunkt in Frankreich. Was als Reaktion auf eine Zunahme antisemitischer Vorfälle gedacht ist, berührt zentrale Fragen liberaler Demokratien: Wo verläuft die Grenze zwischen strafbarer Hetze und legitimer politischer Kritik? Und inwiefern darf der Staat in diese Grenzziehung eingreifen? Ein Gesetz im Schatten geopolitischer Spannungen Die Vorlage, eingebracht im November 2024, ist ohne den Kontext der Ereignisse seit dem 7. Oktober 2023 kaum zu verstehen. Die andauernde Eskalation im Nahen Osten hat auch in Europa zu einer spürbaren Polarisierung geführt. In Frankreich registrierten Behörden eine deutliche Zunahme antisemitischer Vorfälle – von Schmierereien bis hin zu tätlichen Angriffen. Die Initiatoren des Gesetzes argumentieren, dass sich Antisemitismus gewandelt habe. Klassische Stereotype träten zunehmend in den Hintergrund…

    [wtr-time]

    Der weitere Text ist unseren Abonnenten vorbehalten.


    Warum ein Abo? Weil guter Journalismus seinen Preis hat.

    Information mag frei zugänglich sein – aber Journalismus ist kein Selbstläufer. Recherchen, Interviews, Faktenchecks und Einordnungen erfordern Zeit, Expertise und Verantwortung.

    Wer unabhängige, fundierte Berichterstattung will, muss sie ermöglichen. Werbefinanzierung allein reicht nicht – sonst entscheiden Klickzahlen über Inhalte.

    Ein Abonnement ist kein Eintrittsgeld, sondern ein Bekenntnis: zur Qualität, zur Unabhängigkeit und zu einer informierten Öffentlichkeit.

    Information ist frei. Journalismus kostet. Und genau deshalb lohnt sich ein Abo.


    Abo-Light – das Monatsabonnement zum schlanken Preis

    Alle Artikel für 0,50 € pro Woche. Das Abo wird monatlich mit 2 € abgerechnet und ist monatlich kündbar.

    Monatsabonnement buchen…


    Premium-Abo – das Jahresabonnement mit wertvollen Add-Ons

    Alle Artikel für 0,38 € pro Woche. Das Abo wird jährlich mit 20 € abgerechnet und ist jährlich kündbar.

    Das Premium-Jahres-Abo bietet unbegrenzten Zugriff auf unseren individuellen Reiseplaner.

    Und regelmässig wechselnde ausgewählte E-Books zum kostenlosen Download.


    Jahresabonnement buchen…


    Lebenslang – das Premium-Abo für immer

    Für eine einmalige Zahlung für nur 36 €. Unbegrenzter Zugriff – ein Leben lang.

    Das Premium-Abo-Lebenslang bietet unbegrenzten Zugriff auf unseren individuellen Reiseplaner.

    Und regelmässig wechselnde ausgewählte E-Books zum kostenlosen Download.


    „Abo-Lebenslang“ buchen…


     

     

  • Zwischen Fortschritt und Verhärtung: Frankreichs widersprüchlicher Umgang mit dem Rassismus

    Zwischen Fortschritt und Verhärtung: Frankreichs widersprüchlicher Umgang mit dem Rassismus

    Die Diagnose wirkt auf den ersten Blick eindeutig: In Frankreich nehmen rassistische Vorfälle zu, die öffentliche Debatte ist aufgeheizt, und Minderheiten berichten vermehrt von Diskriminierung. Doch wer genauer hinsieht, erkennt ein komplexeres Bild. Die französische Gesellschaft bewegt sich in entgegengesetzte Richtungen zugleich – hin zu mehr Toleranz in ihren Wertvorstellungen, aber auch zu einer sichtbaren Verschärfung sozialer Spannungen.

    Mehr Vorfälle, mehr Sichtbarkeit

    Die statistischen Befunde sind schwer zu relativieren. Polizeiliche Erhebungen zeigen eine deutliche Zunahme registrierter rassistischer Straftaten und Delikte. Hinter diesen Zahlen verbirgt sich jedoch nur ein Bruchteil der Realität. Opferbefragungen legen nahe, dass ein Grossteil der Vorfälle nie angezeigt wird – aus Misstrauen gegenüber den Behörden, aus Resignation oder aus Angst vor Konsequenzen.

    Diese Diskrepanz verweist auf ein strukturelles Problem: Der Staat misst vor allem das, was sichtbar wird, während ein grosser Teil alltäglicher Diskriminierung im Verborgenen bleibt. Gerade im Arbeitsmarkt, wo Herkunft und Name nach wie vor Einfluss auf Karrierechancen haben können, zeigen sich diese subtilen Formen besonders deutlich.

    Zugleich sind bestimmte Formen des Rassismus konjunkturellen Schwankungen unterworfen. Antisemitische und antimuslimische Vorfälle reagieren sensibel auf internationale Krisen, innenpolitische Debatten oder mediale Ereignisse. Das führt zu Ausschlägen, die weniger Ausdruck langfristiger Trends als vielmehr Indikatoren politischer Erregung sind.

    Der stille Fortschritt der Werte

    Demgegenüber steht eine Entwicklung, die weniger Aufmerksamkeit erhält, aber nicht minder bedeutsam ist: die langfristige Zunahme gesellschaftlicher Toleranz. Seit den 1990er Jahren lässt sich ein kontinuierlicher Anstieg der Akzeptanz gegenüber ethnischer und religiöser Vielfalt beobachten.

    Besonders ausgeprägt ist dieser Wandel bei jüngeren Generationen. Sie sind in einer pluraleren Gesellschaft aufgewachsen, verfügen im Durchschnitt über höhere Bildungsabschlüsse und pflegen selbstverständlichere Kontakte über kulturelle Grenzen hinweg. Für sie ist Diversität weniger ein politisches Thema als eine soziale Realität.

    Diese Entwicklung schlägt sich auch in normativen Erwartungen nieder. Eine breite Mehrheit der Bevölkerung befürwortet heute aktive Massnahmen gegen Diskriminierung und betrachtet Rassismus nicht mehr als Randproblem, sondern als zentrale gesellschaftliche Herausforderung.

    Polarisierung durch Politik und Medien

    Wie lässt sich vor diesem Hintergrund die gleichzeitige Zunahme rassistischer Vorfälle erklären? Ein entscheidender Faktor liegt im politischen und medialen Klima. In den vergangenen Jahren hat sich die Sprache in der öffentlichen Debatte spürbar verschoben. Themen wie Migration, nationale Identität oder Sicherheit werden schärfer und konfrontativer verhandelt.

    Dabei ist eine Verschiebung der Grenzen des Sagbaren zu beobachten. Positionen, die früher als randständig galten, finden heute Eingang in den Mainstream. Dies betrifft nicht nur explizit rechtsextreme Milieus, sondern auch Teile des bürgerlichen Spektrums, in denen migrationskritische oder identitätspolitische Argumentationsmuster an Gewicht gewonnen haben.

    Verstärkt wird diese Dynamik durch soziale Medien. Sie fungieren als Resonanzräume, in denen provokative und polarisierende Inhalte besonders schnell verbreitet werden. Algorithmen begünstigen emotionale Zuspitzung, während differenzierte Argumente weniger Sichtbarkeit erhalten. Das Resultat ist ein öffentlicher Diskurs, der konflikthafter wirkt, als es die gesellschaftliche Realität allein erklären könnte.

    Die veränderte Wahrnehmung von Rassismus

    Hinzu kommt ein weiterer Aspekt, der oft unterschätzt wird: die Veränderung der Wahrnehmung. Was heute als rassistisch gilt, wurde früher nicht zwingend so benannt. Sensibilisierungskampagnen, wissenschaftliche Studien und gesellschaftliche Debatten haben dazu beigetragen, Diskriminierung klarer zu erkennen und zu benennen.

    Diese „kognitive Verschiebung“ hat zwei Effekte. Einerseits führt sie zu einer höheren Meldebereitschaft und damit zu steigenden Fallzahlen. Andererseits verändert sie das gesellschaftliche Klima, indem sie die Erwartungen an Gleichbehandlung erhöht. Diskriminierung wird weniger toleriert, gleichzeitig aber auch häufiger thematisiert.

    Das Paradox liegt auf der Hand: Eine Gesellschaft, die sensibler für Rassismus wird, erscheint statistisch und subjektiv rassistischer – gerade weil sie ihn nicht mehr hinnimmt.

    Ein Land im Spannungszustand

    Frankreich befindet sich damit in einer Übergangsphase. Die republikanische Idee universeller Gleichheit steht unter Druck durch soziale Ungleichheiten, kulturelle Differenzen und geopolitische Spannungen. Gleichzeitig wächst der Anspruch, dieses versprechen der Gleichheit tatsächlich einzulösen.

    Diese doppelte Bewegung erzeugt Reibung. Fortschritte in der gesellschaftlichen Offenheit gehen einher mit Gegenreaktionen, die sich politisch und sozial artikulieren. Die Zunahme rassistischer Vorfälle ist daher nicht nur Ausdruck von Rückschritt, sondern auch Symptom eines intensiveren Aushandlungsprozesses.

    In diesem Sinne greift die These eines „immer rassistischeren“ Frankreichs zu kurz. Sie verkennt die Gleichzeitigkeit von Fortschritt und Konflikt. Die französische Gesellschaft ist weder auf einem eindeutigen Abwärts- noch auf einem klaren Aufwärtspfad. Sie bewegt sich vielmehr in einem Spannungsfeld, in dem normative Ansprüche, politische Interessen und soziale Realitäten miteinander ringen.

    Gerade diese Ambivalenz macht den Befund so schwer fassbar – und so politisch aufgeladen. Wer von einer einfachen Entwicklung spricht, unterschätzt die Tiefe der strukturellen Veränderungen, die Frankreich derzeit prägen.

    Autor: Andreas M. Brucker

  • Rassismus als politischer Stresstest: Der Fall Bally Bagayoko und die Grenzen der republikanischen Gleichheit

    Rassismus als politischer Stresstest: Der Fall Bally Bagayoko und die Grenzen der republikanischen Gleichheit

    Mit der Wahl von Bally Bagayoko zum Bürgermeister von Saint-Denis am 21. März 2026 begann eine politische Sequenz, die weit über die lokale Ebene hinausweist. Was zunächst als kommunalpolitisches Ereignis erschien, entwickelte sich innerhalb weniger Tage zu einem nationalen Symbolfall: für die Verrohung des öffentlichen Diskurses, für die Persistenz rassistischer Denkmuster – und für die Frage, wie belastbar das republikanische Gleichheitsversprechen in Frankreich tatsächlich ist. Bereits unmittelbar nach seiner Wahl wurde Bagayoko Zielscheibe einer Welle rassistischer Beleidigungen, die sich sowohl in sozialen Netzwerken als auch in klassischen Medien entfaltete. Die Geschwindigkeit und Intensität dieser Reaktionen offenbaren weniger einen spontanen Affekt als vielmehr ein strukturelles Problem: die latente Bereitschaft, politische Legitimität entlang ethnischer Zuschreibungen zu bewerten. Die Entgrenzung der politischen Kritik Demokratische Systeme leben vom Streit. Kritik an gewählt…

    [wtr-time]

    Der weitere Text ist unseren Abonnenten vorbehalten.


    Warum ein Abo? Weil guter Journalismus seinen Preis hat.

    Information mag frei zugänglich sein – aber Journalismus ist kein Selbstläufer. Recherchen, Interviews, Faktenchecks und Einordnungen erfordern Zeit, Expertise und Verantwortung.

    Wer unabhängige, fundierte Berichterstattung will, muss sie ermöglichen. Werbefinanzierung allein reicht nicht – sonst entscheiden Klickzahlen über Inhalte.

    Ein Abonnement ist kein Eintrittsgeld, sondern ein Bekenntnis: zur Qualität, zur Unabhängigkeit und zu einer informierten Öffentlichkeit.

    Information ist frei. Journalismus kostet. Und genau deshalb lohnt sich ein Abo.


    Abo-Light – das Monatsabonnement zum schlanken Preis

    Alle Artikel für 0,50 € pro Woche. Das Abo wird monatlich mit 2 € abgerechnet und ist monatlich kündbar.

    Monatsabonnement buchen…


    Premium-Abo – das Jahresabonnement mit wertvollen Add-Ons

    Alle Artikel für 0,38 € pro Woche. Das Abo wird jährlich mit 20 € abgerechnet und ist jährlich kündbar.

    Das Premium-Jahres-Abo bietet unbegrenzten Zugriff auf unseren individuellen Reiseplaner.

    Und regelmässig wechselnde ausgewählte E-Books zum kostenlosen Download.


    Jahresabonnement buchen…


    Lebenslang – das Premium-Abo für immer

    Für eine einmalige Zahlung für nur 36 €. Unbegrenzter Zugriff – ein Leben lang.

    Das Premium-Abo-Lebenslang bietet unbegrenzten Zugriff auf unseren individuellen Reiseplaner.

    Und regelmässig wechselnde ausgewählte E-Books zum kostenlosen Download.


    „Abo-Lebenslang“ buchen…


     

     

  • Wenn Literatur schweigt: Wie ein abgesagter Auftritt zur politischen Zäsur wird

    Wenn Literatur schweigt: Wie ein abgesagter Auftritt zur politischen Zäsur wird

    Manchmal reicht ein einziger Termin, der nicht stattfindet, um die Temperatur eines ganzen Landes zu messen. In der westfranzösischen Kleinstadt La Flèche sollte Ende März eine jener Veranstaltungen über die Bühne gehen, die im Kulturbetrieb als angenehm unaufgeregt gelten: eine Autorin, ein Essay, …

    [wtr-time]

    Der weitere Text ist unseren Abonnenten vorbehalten.


    Warum ein Abo? Weil guter Journalismus seinen Preis hat.

    Information mag frei zugänglich sein – aber Journalismus ist kein Selbstläufer. Recherchen, Interviews, Faktenchecks und Einordnungen erfordern Zeit, Expertise und Verantwortung.

    Wer unabhängige, fundierte Berichterstattung will, muss sie ermöglichen. Werbefinanzierung allein reicht nicht – sonst entscheiden Klickzahlen über Inhalte.

    Ein Abonnement ist kein Eintrittsgeld, sondern ein Bekenntnis: zur Qualität, zur Unabhängigkeit und zu einer informierten Öffentlichkeit.

    Information ist frei. Journalismus kostet. Und genau deshalb lohnt sich ein Abo.


    Abo-Light – das Monatsabonnement zum schlanken Preis

    Alle Artikel für 0,50 € pro Woche. Das Abo wird monatlich mit 2 € abgerechnet und ist monatlich kündbar.

    Monatsabonnement buchen…


    Premium-Abo – das Jahresabonnement mit wertvollen Add-Ons

    Alle Artikel für 0,38 € pro Woche. Das Abo wird jährlich mit 20 € abgerechnet und ist jährlich kündbar.

    Das Premium-Jahres-Abo bietet unbegrenzten Zugriff auf unseren individuellen Reiseplaner.

    Und regelmässig wechselnde ausgewählte E-Books zum kostenlosen Download.


    Jahresabonnement buchen…


    Lebenslang – das Premium-Abo für immer

    Für eine einmalige Zahlung für nur 36 €. Unbegrenzter Zugriff – ein Leben lang.

    Das Premium-Abo-Lebenslang bietet unbegrenzten Zugriff auf unseren individuellen Reiseplaner.

    Und regelmässig wechselnde ausgewählte E-Books zum kostenlosen Download.


    „Abo-Lebenslang“ buchen…


     

     

  • Ein Schuss in der Nacht – und ein Land streitet über Selbstverteidigung

    Ein Schuss in der Nacht – und ein Land streitet über Selbstverteidigung

    Es war eine dieser frostigen Februarnächte, in denen selbst das Knacken eines Dachbalkens lauter klingt als sonst. In Genas, östlich von Lyon, durchschnittliches Wohnviertel, gepflegte Hecken, diskrete Alarmanlagen, fiel gegen drei Uhr morgens ein Schuss. Wenige Sekunden später lag ein 19-Jähriger tot auf dem Dachboden eines Einfamilienhauses. Der Hausbesitzer, ein 70-jähriger Juwelier im Ruhestand, hatte zur Waffe gegriffen. Seitdem steht nicht nur ein Mann im Zentrum eines Ermittlungsverfahrens. Es steht eine ganze Gesellschaft vor dem Spiegel. Nach ersten Erkenntnissen sollen mehrere junge Männer versucht haben, über das Dach in das Haus einzudringen. Dachziegel wurden entfernt, Zugang zum Dachboden geschaffen. Der Eigentümer hörte Geräusche, ging nach oben – und traf dort auf einen der Eindringlinge. Was dann geschah, entscheidet nun über Schuld oder Rechtfertigung: Der Rentner schoss mit einer legal erworbenen Schusswaffe. Der mutmaßliche Einbrecher starb noch vor Ort. Die Justiz …

    [wtr-time]

    Der weitere Text ist unseren Abonnenten vorbehalten.


    Warum ein Abo? Weil guter Journalismus seinen Preis hat.

    Information mag frei zugänglich sein – aber Journalismus ist kein Selbstläufer. Recherchen, Interviews, Faktenchecks und Einordnungen erfordern Zeit, Expertise und Verantwortung.

    Wer unabhängige, fundierte Berichterstattung will, muss sie ermöglichen. Werbefinanzierung allein reicht nicht – sonst entscheiden Klickzahlen über Inhalte.

    Ein Abonnement ist kein Eintrittsgeld, sondern ein Bekenntnis: zur Qualität, zur Unabhängigkeit und zu einer informierten Öffentlichkeit.

    Information ist frei. Journalismus kostet. Und genau deshalb lohnt sich ein Abo.


    Abo-Light – das Monatsabonnement zum schlanken Preis

    Alle Artikel für 0,50 € pro Woche. Das Abo wird monatlich mit 2 € abgerechnet und ist monatlich kündbar.

    Monatsabonnement buchen…


    Premium-Abo – das Jahresabonnement mit wertvollen Add-Ons

    Alle Artikel für 0,38 € pro Woche. Das Abo wird jährlich mit 20 € abgerechnet und ist jährlich kündbar.

    Das Premium-Jahres-Abo bietet unbegrenzten Zugriff auf unseren individuellen Reiseplaner.

    Und regelmässig wechselnde ausgewählte E-Books zum kostenlosen Download.


    Jahresabonnement buchen…


    Lebenslang – das Premium-Abo für immer

    Für eine einmalige Zahlung für nur 36 €. Unbegrenzter Zugriff – ein Leben lang.

    Das Premium-Abo-Lebenslang bietet unbegrenzten Zugriff auf unseren individuellen Reiseplaner.

    Und regelmässig wechselnde ausgewählte E-Books zum kostenlosen Download.


    „Abo-Lebenslang“ buchen…


     

     

  • Kommentar: Fake News – die größte Seuche unserer Zeit

    Kommentar: Fake News – die größte Seuche unserer Zeit

    Fake News sind die größte Seuche der Gegenwart. Nicht anzeigepflichtig, nicht impfbar, hoch ansteckend. Sie kommen ohne Fieber, aber mit erhobenem Zeigefinger, ohne Laborbefund, dafür mit dramatischer Musik im Hintergrund und einem schlecht geschnittenen Video, das „endlich die Wahrheit“ enthüllt. Die Wahrheit natürlich. Welche sonst.

    Während echte Viren wenigstens den Anstand besitzen, sich biologischen Regeln zu unterwerfen, brauchen Fake News nur ein Smartphone, ein wütendes Herz und eine Internetverbindung. Zack – schon infiziert. Inkubationszeit: drei Sekunden. Symptome: Empörung, Misstrauen, das unerschütterliche Gefühl, schlauer zu sein als alle anderen.

    Besonders perfide wird es, wenn diese digitale Seuche auf reale Krisen trifft. Auf Bauern, die um ihre Existenz kämpfen. Auf Höfe, die seit Generationen bestehen und nun mittels eines Verwaltungsschreibens ausgelöscht werden. In diese ohnehin offene Wunde tropfen Fake News wie Benzin ins Feuer. Der Staat mordet Kühe aus Lust am Töten, Impfstoffe seien Gift, alles sei geplant, alles gesteuert, alles verraten. Beweise? Braucht man nicht. Gefühl reicht. Gefühl ist heute die härteste Währung.

    Fake News sind bequem. Sie erklären die Welt in fünf Sekunden, liefern klare Schuldige und ersparen das lästige Nachdenken. Komplexität wird weggewischt wie Dreck von der Windschutzscheibe. Wissenschaft? Zu langsam. Journalismus? Gesteuert. Fakten? Verdächtig. Ein verschwommenes Video mit Großbuchstaben im Titel dagegen – das überzeugt.

    Und so marschiert man los, voller Zorn, mit der Gewissheit, auf der richtigen Seite der Geschichte zu stehen. Dass man dabei vielleicht genau jenen schadet, die man zu verteidigen glaubt – geschenkt. Hauptsache, die Wut sitzt. Hauptsache, man fühlt sich gehört, auch wenn einem in Wahrheit nur ein Algorithmus zunickt.

    Das Bittere daran: Fake News brauchen keine bösen Absichten. Dummheit reicht. Naivität auch. Ein bisschen Misstrauen hier, ein bisschen verletzter Stolz dort – fertig ist der perfekte Nährboden. Und je lauter die Krise, desto besser gedeiht das Ganze. Eine Pandemie für die Vernunft, mitten unter uns.

    Fake News töten keine Kühe, sie töten Vertrauen. In Institutionen, in Nachbarn, in gemeinsame Wirklichkeit. Und ohne diese gemeinsame Wirklichkeit bleibt nur noch Geschrei. Wer das für Widerstand hält, irrt. Es ist Selbstzerstörung mit WLAN.

    Die echte Tragödie? Gegen diese Seuche hilft kein Lockdown. Nur Denken. Und das ist offenbar das knappste Gut unserer Zeit.

    Ein Kommentar von C. Hatty