Schlagwort: NOAA

  • Kommentar: Wer bei Wetterprognosen spart, spielt mit dem Tod

    Kommentar: Wer bei Wetterprognosen spart, spielt mit dem Tod

    Man stelle sich vor: Ein Hurrikan rast mit 250 Stundenkilometern auf die Küste zu. Doch diesmal warnt niemand rechtzeitig. Niemand weiß genau, wo er auf Land treffen wird. Niemand weiß, wann es wirklich gefährlich wird.

    Denn irgendjemand in einem klimatisierten Regierungsbüro hat entschieden: “Wir müssen sparen. Auch beim Wetter.”

    Absurd? Leider Realität.

    In den USA wurde das Budget der NOAA, der nationalen Wetterbehörde, um satte 30 Prozent gekürzt. Fast jeder zweite Arbeitsplatz ist betroffen. Die Menschen, die Tag und Nacht Rechner füttern, Modelle berechnen, Sturmfronten verfolgen und Evakuierungen vorbereiten, stehen auf der Straße.

    Was bedeutet das? Weniger Daten. Weniger Rechenleistung. Weniger Frühwarnungen. Mehr Tote.

    Ja, das klingt drastisch. Aber genau das ist es auch. Wer heute meint, bei Wettervorhersagen könne man „ein bisschen sparen“, versteht weder die brutale Macht des Klimawandels noch den Sinn von Prävention.

    Wettervorhersagen sind keine Luxus-Dienstleistung für gelangweilte Segler oder Outdoor-Influencer. Sie retten Leben. Punkt.

    Allein 2023 starben Tausende Menschen weltweit durch Überflutungen, Hitzewellen, Waldbrände oder Tornados. Fast immer lautet der entscheidende Unterschied zwischen Überleben und Tod: Zeit. Stunden. Minuten. Sekunden.

    Ohne präzise Wettervorhersagen wird diese Zeit kürzer. Oder sie verschwindet ganz.

    Was mich daran wütend macht, ist die Unwissenheit – oder schlimmer: die Gleichgültigkeit – von Entscheidungsträgern, die Budgets streichen, ohne die Konsequenzen zu begreifen. Vielleicht denken sie: „Ach, so schlimm wird’s schon nicht kommen.“

    Doch Naturgewalten interessieren sich nicht für unsere politischen Rechnungen. Sie kommen. Sie kommen härter und öfter. Wer das leugnet, lebt in einer Parallelwelt.

    Und wer dann noch die Augen verschließt und den Menschen die letzte Verteidigungslinie nimmt, der spielt mit deren Leben.

    Wie viele Tote muss es denn kosten, bis wir merken, dass Wettervorhersage kein Randthema ist? Zehn? Hundert? Tausend?

    Niemand käme auf die Idee, den Notruf abzuschaffen, weil er Geld kostet. Doch bei Wetterdiensten passiert genau das. Es ist eine stille Katastrophe, die wir erst begreifen, wenn es zu spät ist – wenn der Sturm längst alles weggerissen hat.

    Wir leben im Zeitalter von Klimakrise und Wetterextremen. Wer jetzt am Wetter spart, spart am falschen Ende. Er spart an unseren Leben.

    Und das ist kein Sparen. Das ist Wahnsinn. Und diesen Wahnsinn haben wir gerade in Texas erlebt.

    Ein Kommentar von P. Tiko

  • Schlechte Vorhersage: Wie Budgetkürzungen Wetterwarnsysteme schwächen

    Schlechte Vorhersage: Wie Budgetkürzungen Wetterwarnsysteme schwächen

    Die katastrophalen Überschwemmungen in Texas Anfang Juli 2025, bei denen mindestens 51 Menschen starben und zahlreiche weitere noch vermisst werden, legen offen, wie sich politische Sparprogramme auf die Katastrophenvorsorge ausgewirken.

    Personalmangel und Vorhersagen

    Unter Präsident Donald Trump wurden im Rahmen des Programms zur „Effizienzsteigerung der Bundesbehörden“ erhebliche Budgetkürzungen bei der National Oceanic and Atmospheric Administration (NOAA) und dem National Weather Service (NWS) vorgenommen. Insgesamt wurden rund 600 Stellen beim NWS gestrichen, was einem Rückgang der Belegschaft um etwa zehn Prozent entspricht. Besonders gravierend war die Situation in Texas: Das NWS-Büro in Houston arbeitete zeitweise mit bis zu 44 Prozent Personalunterdeckung. Vielfach wurden die rund um die Uhr betriebenen Dienste eingestellt und Wetterballonstarts reduziert – beides entscheidende Elemente für lokal präzise Wetterprognosen.

    Warnungen zu spät – Regenfälle weit unterschätzt

    Am 3. Juli veröffentlichte das NWS eine Hochwasserwarnung. Lokale Behörden beklagten jedoch, dass die prognostizierten Regenmengen von drei bis sechs Zoll die Realität erheblich unterschätzten. Tatsächlich fielen stellenweise über zehn Zoll Regen, was zu extremen Überflutungen führte. Der Leiter des texanischen Notfallmanagements wies auf die fehlende Übereinstimmung zwischen Vorhersage und tatsächlichem Ereignis hin. Viele Gemeinden blieben unvorbereitet – mit tragischen Folgen: Besonders betroffen war das christliche Sommercamp Mystic, in dem 27 Mädchen als vermisst gemeldet wurden.

    Regierung verteidigt, Kritik wächst

    Die Trump-Regierung verteidigte ihre Sparmaßnahmen mit dem Argument, veraltete Systeme modernisieren zu wollen. Heimatschutzministerin Kristi Noem bezeichnete die bestehenden Warnsysteme als überaltert und kündigte Investitionen an, nannte jedoch keine konkreten Zeitpläne oder Budgets. Stimmen aus dem Wetterdienst selbst sowie aus dem Kongress warnen hingegen eindringlich vor einer Gefährdung der öffentlichen Sicherheit. Alle fünf lebenden früheren Direktoren des NWS mahnten, die Kürzungen könnten die Fähigkeit der Behörde, genaue Wettervorhersagen zu liefern, erheblich beeinträchtigen.

    Gesellschaftliche Wetterwarnung am Limit

    Bereits im Juni war bekannt geworden, dass 15 NWS-Regionalstellen entlang der Golfküste und in Puerto Rico mit einer Unterbesetzung von mehr als 20 bis 30 Prozent arbeiteten. Betroffen waren auch kritische Regionen wie Miami und Houston. Die Folge: reduzierte Ballonstarts, fehlende Fachkräfte für stündliche Analysen und eine steigende Fehleranfälligkeit.

    Zwar betonen einige Meteorologen, das NWS habe die akute Flutgefahr grundsätzlich prognostiziert, und die Überschwemmungen stellten ein außergewöhnliches Extremwetterereignis dar. Dennoch bleibt: Eine redundante, breit gestützte Infrastruktur ist unverzichtbar – insbesondere angesichts zunehmender Wetterextreme infolge des Klimawandels.

    Alltagswarnsysteme funktionieren als Kette: von globalen Satellitendaten bis zu lokalen Daten und örtlichen Alarmen. Fehlt nur ein Glied – etwa Personal für Analysen oder für die Übersetzung und Verbreitung von Warnungen –, droht diese Kette zu reißen. Die Abschaltung der spanischsprachigen Warnkommunikation durch Vertragsbeendigung im Frühjahr 2025 ist dafür ein weiteres Beispiel.

    Eine funktionierende Warnlogistik ist eine lebensrettende Gratwanderung zwischen technologischer Modernisierung und verlässlicher Personaldecke.

    Autor: Andreas M. Brucker

  • Kommentar: Wenn das Klima brennt und die Zahlen schweigen

    Kommentar: Wenn das Klima brennt und die Zahlen schweigen

    Ich habe schon viele Texte über den Klimawandel geschrieben. Ich habe über schmelzende Gletscher berichtet, über brennende Wälder in Kalifornien, über Sturmfluten, die Küstenstädte überfluten. Ich habe Zahlen aufgeführt, Trends beschrieben, Modelle verglichen. Doch selten war ich so sprachlos – und gleichzeitig so wütend – wie bei der Nachricht, dass die USA ihre Datenbank für milliardenschwere Klimakatastrophen nicht mehr aktualisieren wollen.

    Wisst ihr, was das bedeutet? Es ist, als würde ein Arzt beschließen, den Blutdruck seiner Patienten nicht mehr zu messen, weil die Werte „zu schlecht“ aussehen. Oder als würde ein Kapitän auf offener See das Radar ausschalten, weil ihm der aufziehende Sturm unangenehm ist.

    Diese Datenbank war kein Luxus. Sie war eine Notwendigkeit. Sie war der Versuch, einem zunehmend unberechenbaren Klima mit nüchterner Wissenschaft zu begegnen – nicht mit Ideologie. Und genau das scheint Trump ein Dorn im Auge zu sein: unbequeme Fakten, die seinem Märchen von der „Klimahysterie“ widersprechen.

    Man kann viele politische Entscheidungen diskutieren. Aber was hier passiert, ist eine Kapitulation vor der Realität. Eine gefährliche. Denn ohne Daten verlieren wir die Fähigkeit, Risiken zu erkennen. Wir verlieren die Basis für Prävention, für Gerechtigkeit, für Verantwortung. Und letztlich verlieren wir das Vertrauen in unsere Institutionen.

    Ich frage mich: Was kommt als Nächstes? Zählt man dann auch keine Todesopfer mehr bei Hitzewellen, weil sie schlecht für das Image sind? Oder löscht man Satellitenbilder, wenn sie zu viele Waldbrände zeigen?

    Ich habe keine Lust mehr auf dieses Spiel aus Leugnen, Vertuschen und Verharmlosen. Nicht, wenn Menschen leiden. Nicht, wenn Milliarden an Schäden nicht einfach „verschwinden“, nur weil sie nicht mehr in Tabellen auftauchen. Die Katastrophen hören nicht auf, nur weil man sie nicht mehr zählt.

    Die Wahrheit ist: Wer Klimaschäden nicht erfasst, gibt auf. Und wer aufgibt, macht sich mitschuldig an dem, was kommt.

    Wir dürfen das nicht zulassen.

    Andreas M. Brucker

  • USA stoppen Klimakatastrophen-Datenbank – wenn das Verschweigen teurer wird als das Warnen

    USA stoppen Klimakatastrophen-Datenbank – wenn das Verschweigen teurer wird als das Warnen

    Man stelle sich vor, ein Land wird regelmäßig von Tornados, Hitzewellen und Überschwemmungen heimgesucht – und entscheidet plötzlich, solche Katastrophen einfach nicht mehr mitzuzählen. Klingt absurd? Genau das passiert gerade in den Vereinigten Staaten.

    Die NOAA, also die nationale ozeanische und atmosphärische Überwachungsbehörde, stellt ihre legendäre Katastrophen-Datenbank ein. Seit 1980 hatte sie akribisch aufgezeichnet, welche Naturkatastrophen mehr als eine Milliarde Dollar Schaden verursachten. Jetzt ist Schluss.

    Eine Datenbank als Spiegel der Klimarealität

    Diese Sammlung war mehr als nur eine Zahlenreihe. Sie war eine Lupe auf das, was uns der Planet über Jahrzehnte hinweg ins Stammbuch geschrieben hat. 403 Großereignisse zwischen 1980 und 2024, mehr als 2,9 Billionen Dollar Schaden – das ist keine Fußnote, das ist eine Mahnung in Ziffern gegossen.

    Die Datenbank hat Wissenschaftler informiert, Medienberichte untermauert und Politikern geholfen, Entscheidungen zu treffen. Und nun? Eine Banner-Nachricht auf der NOAA-Website sagt nüchtern: Aufgrund neuer Prioritäten, gesetzlicher Veränderungen und Personalwechsel werde sie nicht mehr weitergeführt.

    Was steckt dahinter?

    Wer ein bisschen zwischen den Zeilen liest, erkennt schnell: Das Ganze ist kein bürokratischer Unfall, sondern eine politische Richtungsentscheidung. Donald Trump – wieder Präsident, wieder mit der alten klimapolitischen Agenda – fährt den Klimaschutz systematisch zurück. Schon der Ausstieg aus dem Pariser Klimaabkommen an Tag 1 seiner zweiten Amtszeit war ein klares Signal.

    Jetzt wird’s praktisch: Wenn man die Daten nicht mehr erhebt, muss man sich auch nicht mehr mit den Konsequenzen herumschlagen. Keine Zahlen, keine Verantwortung – oder?

    Zahlen verstecken statt Verantwortung tragen

    Maya Golden-Krasner vom Center for Biological Diversity bringt es auf den Punkt: „Diese Regierung lässt die Menschen in Unwissenheit und damit in Unsicherheit.“ Und ja – wie soll man sich gegen eine Bedrohung wappnen, wenn man ihre Ausmaße nicht mehr erfassen will?

    Die Katastrophen nehmen zu, das zeigt jede einzelne Kurve, jedes Balkendiagramm der letzten Jahrzehnte. Besonders seit den 2000ern steigen Häufigkeit und Schadenshöhe sprunghaft an. Klimaforscher sehen den Klimawandel als Hauptursache – eine Kausalität, die man kaum noch leugnen kann. Und trotzdem: Die USA kneifen.

    Was bedeutet das konkret?

    Ein kleines Beispiel: In Kalifornien loderten 2020 die Flammen über Monate, 4 Millionen Hektar verbrannten. Der Schaden? Über 16 Milliarden Dollar. Diese Daten halfen Stadtverwaltungen, Versicherungen und Feuerwehren bei der Vorbereitung auf ähnliche Lagen.

    Und nun? Wer in Zukunft wissen will, ob sich Extremereignisse häufen, muss sich auf private Initiativen verlassen oder internationale Datenbanken nutzen – sofern die noch zugänglich bleiben. Kann das gutgehen?

    Ein gefährlicher Präzedenzfall

    Diese Entscheidung sendet ein fatales Signal. Wenn das mächtigste Industrieland der Welt aufhört, Klimaschäden systematisch zu erfassen, warum sollten kleinere Staaten das noch tun? In Zeiten globaler Vernetzung und grenzüberschreitender Krisen ist das ein Eigentor für alle.

    Aber es geht noch tiefer. Denn ohne Daten geht auch der Druck auf große Emittenten – insbesondere aus der fossilen Energiebranche – verloren. Die Verbindung zwischen Klimaschäden und konkretem wirtschaftlichem Verhalten wird unsichtbar gemacht. Plötzlich scheint niemand mehr schuld zu sein – außer vielleicht dem „Wetter“.

    Verantwortungsloses Vergessen

    Hier zeigt sich ein Muster, das sich in der Trump-Administration durchzieht: Wissenschaft wird zurechtgestutzt, Fakten werden selektiv ignoriert, kritische Stimmen marginalisiert. Die Datenbank war unbequem. Weil sie nicht lügen konnte. Weil sie zeigte, was es kostet, wegzuschauen.

    Der Think Tank hinter Trumps „Projekt 2025“ nennt die NOAA „alarmistisch“. Doch wer Alarm schlägt, wenn das Haus brennt, ist kein Panikmacher – sondern Feuerwehr.

    Also, was tun?

    Ist die Datenbank verloren? Nein – sie bleibt archiviert, das immerhin. Doch damit sie lebendig bleibt, braucht es jetzt andere: unabhängige Wissenschaft, investigative Medien, internationale Zusammenarbeit. Vielleicht auch Menschen wie dich und mich.

    Denn wer sonst, wenn nicht wir, soll daran erinnern, dass eine Billion nicht nur eine Zahl ist, sondern ein Aufschrei?

    Ein persönliches Wort

    Ich kann nicht anders, als dabei Wut zu verspüren. Nicht die destruktive, sondern die, die einen antreibt. Die, die sagt: „Nicht mit uns!“ Denn wenn wir anfangen, Katastrophen zu verschweigen, lassen wir die Schwächsten im Regen stehen – buchstäblich. Klimagerechtigkeit beginnt mit Ehrlichkeit. Und Ehrlichkeit beginnt mit Daten.

    Wer soll noch an die Zukunft glauben, wenn die Vergangenheit gelöscht wird?

    Und trotzdem: Ich glaube daran, dass eine informierte Gesellschaft stärker ist. Dass Wissenschaft am Ende mehr Menschen mobilisiert als Populismus. Dass Daten wieder zurückkehren – weil Menschen sie einfordern.

    Denn eines ist sicher: Der nächste Hurrikan wartet nicht darauf, ob er mitgezählt wird oder nicht.

    Von Andreas M. B.

  • Klimaforschung vor dem Aus? Trumps radikale Pläne für die NOAA

    Klimaforschung vor dem Aus? Trumps radikale Pläne für die NOAA

    Die Trump-nahe Projektgruppe „Project 2025“ will die Klimaforschung der USA von Grund auf umkrempeln – besser gesagt: zerschlagen. Das Budget der renommierten National Oceanic and Atmospheric Administration (NOAA) soll drastisch gekürzt werden. Was bisher als Rückgrat der amerikanischen Umwelt- und Klimapolitik galt, steht nun plötzlich auf der Kippe.

    Laut einem internen Memo des Weißen Hauses ist geplant, das Budget der NOAA von aktuell 6,1 Milliarden auf nur noch 4,5 Milliarden US-Dollar zu schrumpfen. Das ist ein Einschnitt von rund 27 Prozent. Besonders hart träfe es das „Office of Oceanic and Atmospheric Research“ (OAR), das als Schaltzentrale für Klimastudien innerhalb der Behörde dient. Dieses soll komplett gestrichen werden.

    Das große Aufräumen – oder das große Risiko?

    Man könnte fast meinen, es handle sich um eine neue Reality-TV-Staffel: „Amerikas Behörden auf Diät“. Doch was auf dem Spiel steht, ist kein Show-Effekt, sondern die Basis jahrzehntelanger Forschung. Das OAR liefert nicht nur essenzielle Daten für den Klimawandel, sondern versorgt Behörden weltweit mit Wetterprognosen, Frühwarnsystemen für Naturkatastrophen und Informationen zur marinen Biodiversität.

    Im gleichen Atemzug sollen auch die Zuständigkeiten des „National Marine Fisheries Service“ – der sich um den Schutz bedrohter Meeresarten und die Durchsetzung von Umweltgesetzen kümmert – an den „U.S. Fish and Wildlife Service“ übergehen. Was zunächst nach effizienter Umstrukturierung klingt, könnte in Wirklichkeit zu einem Kompetenzverlust führen, warnen Experten. Denn: Der U.S. Fish and Wildlife Service hat kaum Erfahrung mit den komplexen ökologischen Zusammenhängen der Meereswelt.

    Kritik auf breiter Front

    Ehemalige NOAA-Administratoren und Umweltorganisationen schlagen Alarm. Sie befürchten nichts weniger als den Kollaps eines der wichtigsten wissenschaftlichen Netzwerke der USA. Die NOAA gilt als Datenmotor für Landwirte, Fischereibetriebe, Versicherungen, Katastrophenschutz und sogar das Militär. Wer hier spart, spart nicht an der Forschung – sondern an der Sicherheit der Bevölkerung.

    Doch warum dieser radikale Sparkurs?

    Die Antwort liegt im konservativen Leitfaden „Project 2025“. Dieser sieht nicht nur eine komplette Umgestaltung der US-Umweltpolitik vor, sondern möchte Klimaschutz-Maßnahmen zugunsten fossiler Energien beenden. Ausgerechnet in einer Zeit, in der Extremwetterereignisse zunehmen und die globale Temperatur neue Rekorde bricht, scheint man auf Bundesebene einen Kurswechsel in Richtung Vergangenheit einzuschlagen.

    „Noch nichts beschlossen“ – ein schwacher Trost

    Zwar betont das Weiße Haus, dass die Pläne noch nicht in Stein gemeißelt sind – doch die Tatsache, dass ein derart detailliertes Memo überhaupt existiert, spricht Bände. Wissenschaftler und Aktivisten rufen daher den Kongress auf, sich schützend vor die NOAA zu stellen. Es geht nicht nur um Budgets und Behördenstrukturen. Es geht um Glaubwürdigkeit, um wissenschaftliche Unabhängigkeit – und letztlich um unsere Fähigkeit, auf die Klimakrise vorbereitet zu sein.

    Wie wollen wir Extremwetter vorhersagen, wenn wir die dafür notwendigen Datenquellen abschalten?

    Wenn Forschung zur Verhandlungsmasse wird

    Gerade in einer Zeit, in der die Welt auf wissenschaftlich fundierte Lösungen angewiesen ist, mutet dieser Kurswechsel wie ein Rückfall in alte Denkmuster an. Der politische Wille, die Umweltpolitik zu „verschlanken“, könnte am Ende zur völligen Handlungsunfähigkeit führen. Viele sehen in der geplanten Zerschlagung der NOAA weniger eine Kostenfrage – sondern einen ideologischen Kreuzzug gegen den Klimaschutz.

    Doch vielleicht ist gerade jetzt der richtige Zeitpunkt, sich daran zu erinnern, wie viele Lebensbereiche von dieser Arbeit abhängen. Wetter-Apps, Sturmwarnungen, Agrarberatung, Schifffahrtsrouten, Fischereiquoten – all das basiert auf Daten, die ohne die NOAA ins Leere laufen würden.

    Am Ende stellt sich die Frage: Wie teuer kommt uns eine Sparpolitik zu stehen, die auf Kosten von Wissen, Sicherheit und Umwelt geht?

    Von C. Hatty

  • Trumps Plan gegen das Klima: Wie eine Regierung die Wissenschaft zurückdrehen will

    Trumps Plan gegen das Klima: Wie eine Regierung die Wissenschaft zurückdrehen will

    Was passiert, wenn politische Ideologie auf Naturwissenschaft trifft? Es kracht – und zwar gewaltig. Der neueste Haushaltsentwurf von Donald Trump zeigt genau das. Die National Oceanic and Atmospheric Administration (NOAA), Amerikas wichtigste Wetter- und Klimaforschungsbehörde, steht im Zentrum eines umstrittenen Plans, der wie ein Frontalangriff auf die Klimaforschung wirkt.

    Geht es nach Trump, verliert NOAA nicht nur fast ein Drittel ihres Budgets, sondern auch ihr Herzstück: die Forschungseinheiten, die unser Verständnis von Wetter, Ozeanen und dem Klimawandel formen. Ein Kahlschlag mit Ansage.

    Kürzen, streichen, verlagern – das große Aufräumen

    Die Zahlen sprechen für sich. Von aktuell rund 6,1 Milliarden US-Dollar sollen 27 Prozent gestrichen werden. Das wäre fatal für eine Behörde, die täglich Millionen von Menschen durch präzise Wetterwarnungen schützt. Nicht nur in den USA, sondern weltweit.

    Betroffen wären unter anderem 16 universitäre Forschungszentren, regionale Klima-Datenzentren und das beliebte Sea-Grant-Programm, das sich mit der Entwicklung nachhaltiger Küstenregionen beschäftigt. Stattdessen sollen viele Aufgaben anderen Behörden übergeben oder sogar privatisiert werden – darunter die Vorhersage von geomagnetischen Stürmen, die unsere Satelliten und GPS-Systeme lahmlegen können.

    Die Begründung? Diese Programme seien „nicht im Einklang mit der Agenda des Präsidenten und dem Willen des amerikanischen Volkes“. Wer hier wohl für das Volk spricht?

    Warnrufe aus der Wissenschaft

    Der Widerstand ließ nicht lange auf sich warten. Demokraten und Wissenschaftler schlagen Alarm. Senator Chris Van Hollen bringt es auf den Punkt: Diese Kürzungen seien keine Sparmaßnahme, sondern ein Sicherheitsrisiko. Schließlich stützt sich die nationale Katastrophenvorsorge auf genau die Daten, die nun verschwinden sollen.

    Auch Rick Spinrad, NOAA-Chef unter Präsident Biden, findet deutliche Worte. Der Haushaltsentwurf erinnere ihn an ein „KI-generiertes Papier“, das alles mit dem Etikett „Klima“ einfach eliminiere – selbst wenn es gar nichts mit Klimawandel zu tun habe. Eine bizarre Logik.

    Effizienz oder Ideologie?

    Ein Argument, das immer wieder fällt, ist die angebliche Effizienz. Doch dieser „Umbau“ wirkt eher wie ein Umweg mit vielen Schlaglöchern. Abteilungen, die bisher unter einem Dach effizient zusammengearbeitet haben, sollen plötzlich aufgeteilt werden. Das bedeutet mehr Bürokratie, mehr Reibungsverluste, weniger Schlagkraft.

    Hinzu kommt: Einige der geplanten Änderungen sollen sofort greifen. Die Entwicklung neuer geostationärer Wettersatelliten soll gestoppt werden. Diese Satelliten liefern die konstanten Bilder vom Wettergeschehen über Nordamerika – unerlässlich für Frühwarnsysteme. Auch die Zuständigkeit für das Tracking von Satelliten und Weltraumschrott soll NOAA innerhalb von zwei Wochen an eine „nichtstaatliche Organisation“ abgeben.

    Wer glaubt, dass sich das alles nach einer durchdachten Reform anhört, täuscht sich gewaltig.

    Ein Spiel mit dem Feuer

    Die Folgen wären nicht nur wissenschaftlich, sondern auch ganz praktisch verheerend. Bauern verlassen sich auf NOAA-Daten für ihre Ernteplanung. Küstenstädte nutzen die Informationen zur Vorbereitung auf Stürme. Und weltweit bauen Klimamodelle auf den umfassenden, historischen Datensätzen der NOAA auf. Wenn diese Datenquelle versiegt, verliert nicht nur Amerika ein wichtiges Werkzeug im Kampf gegen den Klimawandel – die ganze Welt ist betroffen.

    Wie naiv muss man sein, um zu glauben, dass man Naturphänomene wie Tornados, Dürren oder Überschwemmungen durch ein paar Budgetkürzungen loswird?

    Ein Plan mit Geschichte – und gefährlicher Zukunft

    Die Vorlage für diesen Kahlschlag stammt aus dem sogenannten „Project 2025“ – einer konservativen Roadmap für die zweite Trump-Amtszeit. Darin wird NOAA als „Motor der Klimapanikindustrie“ bezeichnet. Dass dies kein Einzelfall ist, zeigt ein weiterer aktueller Schritt: die Kürzung eines Forschungsprojekts von NOAA mit der Princeton University, mit der Begründung, man wolle „Klimaanxiety“ bekämpfen.

    Was bleibt, ist das Gefühl, dass hier nicht gespart, sondern sabotiert werden soll.

    Was bedeutet das für die Zukunft?

    Ob dieser Plan tatsächlich umgesetzt wird, ist noch offen. Der Haushaltsentwurf ist Teil der laufenden Verhandlungen mit dem Kongress. Und wie so oft könnten die Abgeordneten Änderungen vornehmen – oder den Entwurf komplett ignorieren. Doch allein die Richtung, die eingeschlagen wird, ist alarmierend.

    Vielleicht stellt sich irgendwann die Frage: Haben wir damals wirklich genug getan, um unsere wissenschaftlichen Ressourcen zu schützen? Oder standen politische Eitelkeiten über dem kollektiven Wohl?

    Von C. Hatty