Schlagwort: Nachrichten Frankreich

  • Die Megalithen von Carnac: Bretagne hofft auf ihren ersten UNESCO-Titel

    Die Megalithen von Carnac: Bretagne hofft auf ihren ersten UNESCO-Titel

    Sie ragen still und majestätisch in den Himmel – Steinreihen, Menhire und gewaltige Grabhügel. Die Megalithen von Carnac sind mehr als archäologische Denkmäler. Sie sind das steinerne Gedächtnis einer Region, die nun auf eine besondere Auszeichnung hofft. Im Juli 2025 könnte das neolithische Ensemble in die Liste des UNESCO-Welterbes aufgenommen werden, der erste Titel dieser Art für die Bretagne und ein Meilenstein nach über einem Jahrzehnt gemeinsamer Anstrengungen.

    Von der Bucht von Quiberon bis zum Golf von Morbihan erstreckt sich ein einzigartiges Kulturerbe: Über 550 monumentale Stätten verteilen sich auf 28 Gemeinden. Die berühmtesten? Die schnurgeraden Steinreihen von Carnac. Der Tumulus Saint-Michel, der wie eine grüne Kuppe über der Landschaft thront. Das kunstvoll verzierte Cairn von Gavrinis. Und der gigantische zerbrochene Menhir von Er Grah in Locmariaquer – 20 Meter lang, 280 Tonnen schwer. All diese Bauwerke entstanden zwischen 5000 und 3000 v. Chr. Ein Zeitalter, in dem Menschen ohne Metallwerkzeuge riesige Steine bewegten und uns ein rätselhaftes archäologisches Vermächtnis hinterließen. Wie schafften sie es? Und vor allem – warum?

    Was macht dieses Ensemble so besonders? Seine Dichte. Seine architektonische Vielfalt. Die Gravuren im Cairn von Gavrinis – spiralförmig, abstrakt, symbolträchtig. Und die harmonische Einbettung in das bretonische Küstenpanorama. Diese Faktoren begründen den Antrag auf Anerkennung als „außergewöhnlichen universellen Wert“ – die höchste Würdigung der UNESCO.

    Seit 2012 treibt die Vereinigung „Paysages de Mégalithes“ die Kandidatur voran. Sie vereint Kommunen, Staat, Wissenschaftler und Bewohner. Im Januar 2024 reichten sie ihr Dossier ein – gestützt auf fünf Hauptargumente: Nirgendwo sonst in Europa stehen so viele Megalithbauten auf so engem Raum. Einige Tumuli sind in ihrer Monumentalität einzigartig. Die Gravuren besitzen herausragende künstlerische Qualität. Die Funde – Werkzeuge, Keramiken, Schmuck – zeigen den Reichtum dieser Kulturen. Und schließlich die perfekte Verschmelzung von Mensch und Landschaft in diesem Küstengebiet. Ein detaillierter Managementplan begleitet die Bewerbung, um die langfristige Erhaltung, Forschung und Vermittlung zu sichern.

    Doch nicht alle sind restlos begeistert. In Carnac wächst die Sorge vor einem Ansturm von Touristen. Mehr Busse, mehr Besucher – weniger Ruhe? Einige Archäologen kritisieren zudem die politische Dimension der Bewerbung. Sie fürchten, dass Marketing und Prestige über wissenschaftliche Sorgfalt gestellt werden. Hier zeigt sich ein altes Dilemma: Wie lässt sich Schutz mit Zugang verbinden? Wie bleibt ein Heiligtum ein Heiligtum – und wird nicht bloß zur Instagram-Kulisse?

    Im Juli 2025 fällt die UNESCO-Entscheidung. Sollte sie positiv ausfallen, wäre dies ein historischer Erfolg für die Bretagne. Der erste UNESCO-Welterbe-Titel überhaupt für die Region. Und eine Anerkennung, die nicht nur Touristen anzieht, sondern auch den Respekt vor diesem uralten Erbe stärkt. Denn jeder Stein erzählt eine Geschichte. Von Menschen, die hier vor 7000 Jahren lebten. Von einer Welt, die uns fremd erscheint – und doch zu unseren Wurzeln gehört.

    Andreas M. B.

  • Cannes bremst den Kreuzfahrttourismus: Weniger Riesenpötte, mehr Nachhaltigkeit

    Cannes bremst den Kreuzfahrttourismus: Weniger Riesenpötte, mehr Nachhaltigkeit

    Cannes macht ernst. Ab 1. Januar 2026 darf nur noch ein Kreuzfahrtschiff mit mehr als 3.000 Passagieren pro Tag in der Bucht vor Anker gehen – nie zwei gleichzeitig. Das hat der Stadtrat einstimmig beschlossen. Die Folgen sind gewaltig, denn die Zahl der Anläufe solcher Riesenschiffe wird deutlich sinken, von derzeit 175 pro Jahr auf 34 im Jahr 2026 und 31 im Jahr 2027. Außerdem wird die tägliche Zahl der Kreuzfahrtgäste auf maximal 6.000 begrenzt.

    Ein Strategiewechsel mit Ansage

    David Lisnard, Bürgermeister von Cannes, betont: Es geht nicht darum, Kreuzfahrten grundsätzlich zu verbannen. „Wir wollen kleinere, schönere und vor allem umweltfreundliche Schiffe begrüßen.“ Ab 2030 sollen idealerweise nur noch Schiffe mit maximal 1.300 Passagieren Cannes anlaufen. Ein klarer Kurswechsel.

    Europaweit auf dem Rückzug

    Cannes ist kein Einzelfall. Auch Nizza hat längst die Notbremse gezogen: Dort dürfen nur noch Schiffe mit weniger als 450 Passagieren im Hafen anlegen. Die Bucht von Villefranche-sur-Mer bei Nizza wird beschränkt auf 65 Kreuzfahrtschiffe pro Jahr – ebenfalls immer nur eines gleichzeitig. Und weiter westlich? Venedig hat seine Kanäle für große Kreuzer schon 2021 gesperrt. Barcelona und Amsterdam verschärfen ebenfalls die Regeln, um dem Massentourismus und seinen ökologischen Folgen Einhalt zu gebieten.

    Ein Schlag ins Kontor der Kreuzfahrtbranche

    Für die Cruise Lines International Association (CLIA) ist das ein harter Schlag. Der Verband hält die Beschränkungen für ungerechtfertigt und warnt vor wirtschaftlichen Schäden für die Hafenstädte. Doch viele Bewohner und lokale Politiker sehen das anders.

    Zahlen, die aufrütteln

    2024 legten in der Bucht von Cannes 175 Kreuzfahrtschiffe an. 460.000 Passagiere strömten in die Stadt. Manche der gigantischen Schiffe transportierten über 5.000 Menschen auf einen Schlag. Schon 2019 hatte Cannes eine Umweltcharta eingeführt, die Reedereien zu nachhaltigeren Praktiken verpflichtete – mit der Drohung, andernfalls den Zugang zu verwehren.

    Mehr Luft, mehr Raum, weniger CO₂

    Warum dieser drastische Schritt? Weil die Stadtverwaltung erkannt hat, dass Massentourismus nicht nur Geld bringt, sondern auch gewaltige Probleme: Luftverschmutzung, Belastung der Meeresfauna, Überfüllung der Altstadtgassen. Die neue Regelung soll dafür sorgen, dass Cannes atmen kann – im doppelten Sinne.

    Europa im Wandel

    Venedig, Barcelona, Amsterdam, Nizza und jetzt Cannes. Eine Frage drängt sich auf: Wird der Mittelmeerraum künftig ein Luxusziel nur für kleinere, hochpreisige Schiffe? Die Städte scheinen sich dafür entschieden zu haben. Und wer genau hinsieht, erkennt: Hier entsteht ein neues Tourismusmodell. Eines, das nicht mehr auf Masse setzt, sondern auf Qualität, Ästhetik und Nachhaltigkeit.

    Wohin steuert die Kreuzfahrt?

    Die Branche muss sich anpassen. Die größten Schiffe könnten künftig außen vor bleiben. Kleinere Reedereien mit modernen, umweltfreundlichen Schiffen dürften an Einfluss gewinnen. Vielleicht ist es genau dieser Wandel, den viele Urlauber schon lange herbeisehnen: weniger Gedränge, mehr Genuss, mehr Raum, weniger Emissionen.

    Eine Frage bleibt offen – wird die Branche schnell genug reagieren, um in diesem neuen Hafen der Nachhaltigkeit nicht unterzugehen?

    Autor: Andreas M. Brucker

  • Besançon muss Palästina-Flagge abhängen – Neutralität vor Solidarität?

    Besançon muss Palästina-Flagge abhängen – Neutralität vor Solidarität?

    Am 28. Juni 2025 wurde in Besançon ein Symbol der Solidarität wieder entfernt. Die Bürgermeisterin Anne Vignot ließ die palästinensische Flagge vom Vorplatz des Rathauses entfernen. Nicht aus Überzeugung, sondern weil das Verwaltungsgericht es angeordnet hatte. Der Grund? Der Richter sah darin eine politische Stellungnahme – und damit einen Verstoß gegen das Prinzip der Neutralität öffentlicher Einrichtungen. Zwischen Mitgefühl und Gesetzestreue „Es sollte ein Zeichen für Frieden und Solidarität sein“, erklärte Anne Vignot nach der gerichtlichen Entscheidung. Ihr Anliegen: die Unterstützung des palästinensischen Volkes in einer Zeit eskalierender Gewalt und humanitärer Not. Doch das Gericht sah keine Spielräume. Das Hissen einer ausländischen Flagge auf einem öffentlichen Gebäude, so die Begründung, überschreite die Grenzen dessen, was kommunale Neutralität zulasse. Kein Einzelfall in Frankreich Tatsächlich reiht sich dieser Fall in eine Serie ähnlicher Urteile ein. Immer wieder haben …

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  • Tragödie über dem Lac d’Annecy: Weltmeister Glenn Michelland stirbt bei Trainingsmanöver

    Tragödie über dem Lac d’Annecy: Weltmeister Glenn Michelland stirbt bei Trainingsmanöver

    Glenn Michelland liebte die Freiheit der Lüfte. Der 41-Jährige aus Lapte in der Haute-Loire war kein gewöhnlicher Hobbypilot. Er war Weltmeister im Paramotor-Endurance – erst 2024 holte er sich den Titel im britischen Manston. Am Samstag, den 28. Juni 2025, verlor er beim Training über dem Lac d’Annecy sein Leben. Es war ein klarer Frühsommertag in den Alpen, als Michelland gemeinsam mit anderen Piloten ein spezielles Training absolvierte: ein sogenanntes „SIV-Training“ – Simulation d’Incident en Vol. Ziel dieser Ausbildung ist es, gefährliche Situationen gezielt zu provozieren, um sie im Ernstfall routiniert meistern zu können. Nach dem Start am Col de la Forclaz führte Michelland eine anspruchsvolle Technikmanöver-Übung durch. Dabei geriet er plötzlich in seine eigene Hauptkappe. Die Leinen verhedderten sich. Ein Szenario, das selbst erfahrenen Piloten den Angstschweiß auf die Stirn treibt. Michelland versuchte noch, seinen Rettungsschirm auszulösen. Doch dieser öffnete sich nur tei…

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  • Marine Le Pen ruft zur Mobilmachung: Droht Frankreich eine neue Auflösung der Nationalversammlung?

    Marine Le Pen ruft zur Mobilmachung: Droht Frankreich eine neue Auflösung der Nationalversammlung?

    Marine Le Pen lässt keinen Zweifel daran, wie sie die aktuelle politische Lage in Frankreich einschätzt. „Ne procrastinez pas!“ – „Zögert nicht!“ – rief sie am 28. Juni 2025 auf der Convention de l’Union nationale ihren Abgeordneten des Rassemblement national (RN) zu. Ihre Botschaft: Die Partei müsse auf eine baldige erneute Auflösung der Assemblée nationale vorbereitet sein. Dahinter steht die Überzeugung, dass Präsident Emmanuel Macron angesichts wachsender Instabilität im Parlament diesen Schritt bald gehen könnte. Frankreich steht damit erneut vor einer Phase großer politischer Unsicherheit, während sich das Parteiensystem weiter fragmentiert und neue Allianzen auf der Rechten entstehen. Macron vor dem Risiko einer unregierbaren Nation Marine Le Pen argumentiert, dass die parlamentarische Mehrheit des Präsidenten „keiner klaren Richtung mehr folge“. Tatsächlich stützt sich die Regierung von Premierminister François Bayrou derzeit lediglich auf eine fragile relative Mehrheit aus Ren…

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  • Frankreich brennt: Hitzewelle mit über 40°C zeigt die brutale Wahrheit des Klimawandels

    Frankreich brennt: Hitzewelle mit über 40°C zeigt die brutale Wahrheit des Klimawandels

    Die Luft steht still.

    Seit dem 19. Juni erlebt Frankreich eine Hitzewelle, die alles bisher Dagewesene in den Schatten stellt. Temperaturen über 40°C verwandeln ganze Landstriche in flirrende Glutöfen. Für manche klingt das nach Mittelmeerurlaub, für Millionen Menschen bedeutet es pure Erschöpfung, Angst um die Gesundheit – und wachsende Sorge um die Zukunft.

    50 Hitzewellen seit 1947 – was sagt uns das?

    Am 28. Juni kletterten die Temperaturen in Südfrankreich auf neue Rekorde. 40,7°C in Cadenet, 40,1°C in Vailhan und Céret, knapp 40°C in Narbonne. Noch nie hat Frankreich solche Werte im Juni erlebt.

    Ist das noch ein heißer Sommer – oder schon ein erster Vorgeschmack auf die Welt von morgen?

    Météo-France warnt: Der Höhepunkt steht erst bevor. Zwischen dem 30. Juni und dem 2. Juli sollen die Temperaturen im Landesinneren konstant bei 36 bis 38°C liegen. Am 1. Juli könnte Frankreich die drittheißeste Tagestemperatur seiner Geschichte erleben.

    Ein Rekord jagt den nächsten.

    Alarmstufe Orange in 73 Départements

    Am 29. Juni weiteten die Behörden die Hitzewarnung auf 73 Départements aus. Fast das ganze Land steht unter Beobachtung, auch die dicht besiedelte Île-de-France.

    Die Werte bewegen sich von 30 bis 34°C in der Nordhälfte bis hin zu 39 oder 40°C nahe dem Mittelmeer. Wer in diesen Tagen draußen arbeitet, kämpft nicht nur gegen die Sonne, sondern gegen seinen eigenen Körper.

    Mal ehrlich – wer kann bei solchen Temperaturen noch klar denken?

    Schutz für die Verwundbarsten

    Die Behörden reagieren. Sie verlängern die Öffnungszeiten von Tageszentren, verteilen Wasserflaschen, öffnen klimatisierte Räume.

    Eine kleine Szene aus Marseille: Dort wurden Obdachlose diese Woche mit Bussen in kühle Aufenthaltsräume gebracht. Ein Helfer des Roten Kreuzes meinte: „Es ist, als würde man Menschen aus einem Backofen retten.“

    Treffender lässt sich diese Realität kaum beschreiben.

    Wenn selbst der Sport kapituliert

    Die extreme Hitze macht auch vor dem Spitzensport nicht Halt. Die französischen Radmeisterschaften in Les Herbiers wurden kurzerhand gekürzt – ein ganzer Rundkurs fiel weg. Bei erwarteten 36°C riskieren selbst austrainierte Profis einen Kreislaufkollaps.

    Stell dir vor, Sommersport könnte künftig nur noch nachts stattfinden – verrückt, oder?

    Das raten Gesundheitsbehörden

    Auch wenn es logisch klingt, hier nochmal die wichtigsten Punkte:

    • Trink regelmäßig Wasser, auch ohne Durst.
    • Vermeide körperliche Anstrengungen während der heißesten Stunden.
    • Halte deine Wohnung kühl, indem du tagsüber Fenster und Rollläden schließt und nachts lüftest.
    • Nimm Kontakt auf zu älteren, alleinstehenden oder kranken Menschen in deinem Umfeld.

    Manchmal reicht ein Anruf, um Leben zu retten.

    Klimawandel – nicht mehr nur Theorie

    Diese Hitzewelle reiht sich nahtlos ein in den Trend zunehmender Extremwetterereignisse. Forscher warnen: Sollte Frankreich bis Ende des Jahrhunderts um 4°C wärmer sein, werden 40°C heisse Tage jährlich auftreten. Einzelne Regionen könnten in der Spitze sogar 50°C erreichen.

    Was bedeutet das für Landwirtschaft, Wasserversorgung, Gesundheit?

    Hitze trifft nicht alle gleich

    Es ist keine Überraschung, dass Menschen mit gut isolierten Häusern, Klimaanlagen oder ländlichen Rückzugsorten besser durch solche Tage kommen. Wer in kleinen Dachwohnungen lebt, schlecht isolierte Sozialwohnungen bewohnt oder auf der Straße lebt, spürt die volle Härte.

    Hier zeigt sich: Klimaschutz ist immer auch soziale Gerechtigkeit. Anpassungsstrategien müssen die Schwächsten schützen. Alles andere wäre Zynismus pur.

    Ein flirrender Weckruf

    Frankreich brennt. Doch schwitzen allein bringt keine Veränderung.

    Diese Hitzewelle ist ein Weckruf, laut und unüberhörbar. Sie zeigt, was auf dem Spiel steht, wenn wir weiterhin nur halbherzige Klimaschutzmaßnahmen umsetzen. Moderne Datenmodelle und Satellitenmessungen ermöglichen uns heute eine nie dagewesene Präzision bei Vorhersagen – doch Vorhersagen retten keine Welt. Dafür braucht es politischen Mut, ein radikales Umdenken und die Bereitschaft, unser Wirtschaftssystem grundlegend zu verändern.

    Willst du in einer Welt leben, in der 50°C zur Sommernormalität gehören?

    Oder schauen wir in 50 Jahren zurück und sagen: „Damals hätten wir die Kurve kriegen können…“?

    Von Andreas M. Brucker

  • Schock in Belfort: Freund der Tochter unter Verdacht – Nathalie R. brutal erstochen

    Schock in Belfort: Freund der Tochter unter Verdacht – Nathalie R. brutal erstochen

    Freitag, der 27. Juni 2025. Eine Szene, so grausam, dass Worte kaum reichen. Nathalie Richard, 51 Jahre alt, wurde in ihrer Wohnung in der Rue du 4-Septembre leblos aufgefunden. Sie lag in einer Blutlache, ein Messer noch immer in ihrer Kehle. Ihr Ehemann kam gemeinsam mit einer ambulanten Pflegekraft am späten Nachmittag nach Hause. Was er sah, lässt sich kaum in Worte fassen: Seine Frau, reglos, der Körper von zahlreichen Messerstichen gezeichnet. Der tödliche Stich – direkt in die Halsschlagader. Eine Nachbarin, die nach dem Fund alarmiert wurde, steht noch immer unter Schock. „Es war eine Szene des Grauens. Ich glaube, ich werde niemals vergessen, was ich gesehen habe.“ Kurz nach der Tat entdeckten Polizisten in der Nähe der Wohnungstür die Tochter der Getöteten. Neben ihr: ihr Freund. 23 Jahre alt. Seine Hände – blutüberströmt. Er sagte aus, er habe sich selbst verletzt. Doch ein Arzt, der ihn untersuchte, fand keinerlei Wunden. Was bleibt, ist ein junger Mann, über und über mit…

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  • Sechs Verletzte bei Schiesserei in Nîmes: Angst, Wut und ein Stadtviertel am Rand des Abgrunds

    Sechs Verletzte bei Schiesserei in Nîmes: Angst, Wut und ein Stadtviertel am Rand des Abgrunds

    Freitagabend, kurz nach 19 Uhr. Im Viertel Valdegour in Nîmes peitschen Schüsse durch die Straßen. Sechs junge Menschen brechen zusammen, getroffen von einer Salve aus einem Kaliber, das sonst eher bei der Jagd verwendet wird: .222 Remington. Unter den Opfern – drei Minderjährige. Die beiden Jüngsten, 15 und 17 Jahre alt, schweben nicht mehr in Lebensgefahr, ihr Zustand bleibt dennoch besorgniserregend. „Wir, wir haben genug. Wir haben Angst. Wir sind hier nicht mehr sicher… Sie haben ein Polizeirevier hingestellt, aber das bringt nichts. Wir sehen nie Polizisten, nie eine Patrouille. Nichts. Das ist nicht normal.“ Die Worte eines Anwohners klingen nach Wut, aber noch mehr nach Resignation. Valdegour, Nachbarviertel von Pissevin, ist seit Jahren als Brennpunkt des Drogenhandels bekannt. Augenzeugen berichten, dass die Angreifer in einem Fahrzeug kamen, aus dem Auto heraus das Feuer eröffneten und ebenso schnell wieder verschwanden. Rund zwanzig Patronenhülsen fanden Ermittler am Tatort…

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  • La Désirade erstickt in einer Algenflut – und ist von der Welt abgeschnitten

    La Désirade erstickt in einer Algenflut – und ist von der Welt abgeschnitten

    Es gibt Momente, in denen eine Insel zum Sinnbild für Verletzlichkeit wird. La Désirade, dieses kleine französische Eiland östlich von Guadeloupe, erlebt gerade genau so einen Moment. Seit Wochen wälzen sich braune Algenteppiche unaufhaltsam an ihre Küsten. Sargassum – ein Name, der hier längst Albträume auslöst.

    Eine Invasion, wie sie die Insel noch nie gesehen hat

    Die Lage ist dramatisch. Der Hafen von La Désirade ist so stark verstopft, dass keine Fähre mehr anlegen kann. Die Reederei Comadile hat ihre Verbindungen mit Saint-François eingestellt. Sie spricht von einer „beträchtlichen Verschlechterung“ des Hafen-Zustands. Für den Bürgermeister Loïc Tonton ist klar: So etwas hat die Insel noch nie erlebt. Auch die Präfektur nennt die Invasion „beispiellos“. Wer die Fotos sieht – das Wasser dicht, trüb und bewegungslos unter den Algenschichten –, versteht, warum.

    Wenn das Brot nicht mehr kommt

    Die Menschen auf La Désirade sind verzweifelt. Ohne Fähren gibt es keine Lebensmittel, keinen Treibstoff, kein Mehl für das tägliche Brot. Alles kommt von außen. Daniel Dulorme, ein Bewohner, bringt es auf den Punkt: „Wenn morgen keine Warenlieferung kommt, ist hier alles vorbei. Essen, Benzin, Brot… Wir sind blockiert.“ Wie lange kann eine kleine Insel durchhalten, wenn der Nachschub versiegt?

    Das größte Problem: Die Insel hat schlicht keine Mittel, um die Sargassum-Invasion zu stoppen. Es gibt weder Boote noch Fangvorrichtungen, die die Algen schon auf See abfangen könnten. „Weder Guadeloupe noch lokale Unternehmen haben die nötigen Geräte für eine Algensammlung“, erklärt Bürgermeister Tonton. Eine Bitte um Spezialausrüstung liegt beim Präfekten auf dem Tisch. Doch bislang wartet La Désirade vergeblich auf konkrete Hilfe.

    Und es kommt noch schlimmer. Météo-France rechnet nicht mit einer Entspannung – im Gegenteil. In den kommenden Tagen und Wochen sollen die Algenteppiche weiter Richtung Nord-Grand-Terre und La Désirade treiben. Die Sargassum-Blüte erreicht derzeit ihren Höhepunkt. Wer am Strand steht und den Horizont absucht, sieht nur noch braune Wellenberge.

    Giftgas in der Luft

    Die Folgen der Sargassum-Invasion gehen weit über blockierte Häfen hinaus. Beim Verrotten der Algen entsteht Schwefelwasserstoff. Ein giftiges Gas, das Augen reizt, den Hals brennen lässt und Übelkeit verursacht. Viele Inselbewohner klagen über Kopfschmerzen, Atembeschwerden, Hautreizungen. Auch Tiere leiden: Meeresschildkröten schaffen es nicht mehr an Land, um ihre Eier abzulegen. Fische verenden unter den wabernden Teppichen. Es ist, als würde das Meer seine Lebenskraft verlieren.

    Ein Kampf David gegen Goliath

    Die Krise zeigt gnadenlos, wie hilflos Inseln wie La Désirade sind, wenn Naturkatastrophen – in diesem Fall ökologischer Art – sie treffen. Doch es gibt klare Ursachen: Klimawandel, Düngerabwässer aus Südamerika, veränderte Meeresströmungen – alles Faktoren, die die Algenexplosion nähren.

    Die Bevölkerung wartet jetzt auf Taten statt Versprechen. Boote, Fangvorrichtungen, Bagger – das sind keine Luxusinvestitionen, sondern Mittel zum Überleben. Denn was passiert, wenn die Versorgung komplett zusammenbricht? Die Insel lebt derzeit wie abgeschnitten von der Welt. Mit dem brennenden Gestank von Sargassum in der Nase und der bangen Frage: Wie lange noch?

    Von C. Hatty

  • Laute Telefon-Gespräche in Bus und Bahn: Frankreich wegen eines neuen Telefon-Trends gespalten

    Laute Telefon-Gespräche in Bus und Bahn: Frankreich wegen eines neuen Telefon-Trends gespalten

    Wer dieser Tage mit der Métro durch Paris fährt oder im TGV Platz nimmt, erlebt eine Szene, die vor einigen Jahren unmöglich gewesen wäre oder zumindest Stirnrunzeln ausgelöst hätte. Ein junger Mann hält sein Smartphone auf Armlänge von sich weg, spricht hinein, die Stimme seiner Gesprächspartnerin tönt klar und unverblümt durch den Wagon. Keiner reagiert. Denn laut einer aktuellen Umfrage empfinden mittlerweile 50 % der Französinnen und Franzosen solche Telefonate per Lautsprecher in öffentlichen Räumen als völlig normal – besonders in Bus, Bahn und Wartebereichen. Früher galt: Wer telefoniert, hält sich dezent zurück. Heute scheint sich dieses stille Abkommen in Luft aufgelöst zu haben. Die Gründe? So vielfältig wie die Gespräche selbst. Manche finden es schlicht bequemer, nicht ständig das Telefon ans Ohr zu pressen. Andere wollen aus hygienischen Gründen vermeiden, das Gerät direkt ans Gesicht zu halten. Und dann gibt es jene, die multitasken: mit einer Hand den Kinderwagen lenken,…

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