Schlagwort: Nachrichten Frankreich

  • Marseille abgeschnitten: Die A7 ist dicht – 36 Stunden Ausnahmezustand auf der „Autoroute du Soleil“

    Marseille abgeschnitten: Die A7 ist dicht – 36 Stunden Ausnahmezustand auf der „Autoroute du Soleil“

    Man hört es bis ins Herz von Marseille: das tiefe Dröhnen der Bagger, das Kreischen der Schneidbrenner, die dumpfen Schläge der Abrissmeißel.

    Die Autobahn A7, jene Lebensader, die Lyon mit Marseille verbindet, bleibt dieses Wochenende vom 4. bis 6. Juli 2025 komplett gesperrt – zwischen Les Pennes-Mirabeau und der Gare Saint-Charles. 36 Stunden lang ist Schluss mit Ferienverkehr in diesem Abschnitt.

    Was ist los auf der „Autoroute du Soleil“?

    Freitag um Mitternacht gingen die Sperrbalken runter, Sonntag um 12 Uhr sollen sie wieder verschwinden. Grund: Zwei Fußgängerbrücken aus den 1950er Jahren – „La Martine“ und „Mère de Dieu“ – sind so marode, dass ein bloßes Flicken nicht mehr ausreicht.

    Oder, wie Stéphane Maurone von der Präfektur Bouches-du-Rhône es formuliert:

    „Es geht nicht mehr darum, zu reparieren, sondern abzureißen und neu zu bauen. Würden wir die Brücken im aktuellen Zustand belassen, gefährdeten wir massiv die Sicherheit der Nutzer.“

    Wenn Beton bröselt, helfen keine Pflaster

    Die beiden Brücken überspannen die A7 in den nördlichen Vierteln Marseilles. Über Jahrzehnte trugen sie Generationen von Fußgängern, Radfahrern und Schulkindern – jetzt haben sie ihre Lebenszeit überschritten.

    Die Bauarbeiten laufen in drei Phasen ab: Erstens: Abriss der Brückentafeln an diesem Wochenende. Zweitens: Verstärkung der Pfeiler und Auflager. Drittens: Einbau der neuen Brückenteile bis spätestens Herbst.

    Dafür sind rund zwanzig Techniker und Ingenieure im Dauereinsatz – bei Tag, bei Nacht, bei drückender Hitze. Marseille schwitzt bei über 31 Grad, die Baukolonnen schwitzen mit.

    Mitten in den Ferien – wer plant sowas?

    Klar, dass diese Vollsperrung viele Reisende zur Weißglut treibt. Ausgerechnet zum Ferienauftakt, wenn das südfranzösische Verkehrsnetz ohnehin an seine Belastungsgrenzen stößt.

    Rund 100.000 Fahrzeuge rollen im Durchschnitt täglich über diesen Streckenabschnitt. Jetzt wird der gesamte Verkehr umgeleitet – vor allem über die A55 und die A50. Wer Marseille vom Norden her erreichen möchte, muss deutlich mehr Zeit einplanen.

    Doch warum gerade jetzt?

    Mathieu Canal, Projektleiter, weiß um die Kritik: „Es gibt nie einen guten Zeitpunkt, um eine Autobahn wie die A7 zu sperren. Aber angesichts der Tatsache, dass im Vélodrome-Stadion zur Zeit kein Großevent stattfindet, und der technischen Zwänge war dieses Wochenende die am wenigsten ungünstige Option.“

    Eine Aussage, die wenig tröstet, aber der Realität entspricht. Oder gibt es jemals einen perfekten Moment, um eine Hauptschlagader einer Millionenstadt lahmzulegen?

    Festivals, Konzerte, Wirtschaftsgipfel – Chaos vorprogrammiert

    Hinzu kommt: Marseille und Aix-en-Provence sind an diesem Wochenende Gastgeber zahlreicher Veranstaltungen. Neben Festivals finden auch die renommierten „Rencontres économiques d’Aix“ statt, ein wirtschaftspolitisches Spitzentreffen mit Teilnehmern aus ganz Europa.

    Die Präfektur rät daher dringend, Reisen frühzeitig zu planen, auf öffentliche Verkehrsmittel auszuweichen und – wer kann – einfach den Zug zu nehmen. Besonders für Fluggäste mit Ziel Aeroport Marseille-Provence bietet sich die Anreise in die Stadt per Bahn an, um nicht im Blechlawinenchaos zu stranden.

    Digital informiert statt analog genervt

    Für alle, die trotz Sperrung mit dem Auto unterwegs sind, gilt: Augen auf und Ohren gespitzt.

    Die Verantwortlichen haben Ausweichrouten ausgeschildert, Radio Vinci Autoroutes sendet ständige Updates, Verkehrstafeln zeigen aktuelle Infos, und natürlich hilft auch die App Waze, durch den Asphaltdschungel zu navigieren.

    Wer nicht vorbereitet ist, steht im Stau – wer vorbereitet ist, steht vielleicht etwas weniger lang im Stau.

    Ein Knochenjob mit Zukunftsperspektive

    So ärgerlich die Sperrung auch sein mag, sie ist unumgänglich. Schließlich sollen Brücken nicht nur tragen, sondern vor allem sicher sein. Das Projekt ist Teil einer umfassenden Modernisierungsstrategie des französischen Autobahnnetzes, um marode Bauwerke zu ersetzen, bevor es zu Tragödien kommt. Denn niemand möchte erleben, was Italien 2018 mit dem Einsturz der Morandi-Brücke in Genua erlebt hat.

    Sicherheit hat ihren Preis.

    Und der wird in Marseille gerade in Form von Geduld, Umwegen und Zeitverlust bezahlt.

    Ein kurzer Blick nach vorne

    Im Herbst sollen die neuen Brückentafeln eingehoben und fertig montiert werden. Dann fließt der Verkehr wieder ungehindert und sicher. Bis dahin gilt: Durchhalten.

    Denn so sehr die Sonne auf dem Asphalt brennt – eine intakte Brücke ist allemal wichtiger als eine freie Fahrt ohne Umleitung.

    Und wer weiß – vielleicht wird diese kleine Geduldsprobe für manche Autofahrer oder manche Reisende zur unerwarteten Lektion in Entschleunigung.

    Autor: C.H.

  • Eine Tante, acht Lebensversicherungen und ein Dessert mit tödlicher Note

    Eine Tante, acht Lebensversicherungen und ein Dessert mit tödlicher Note

    Die Geschichte klingt wie aus einem düsteren Roman von Agatha Christie. Doch sie spielt nicht in einem englischen Herrenhaus, sondern im sonnigen Südwesten Frankreichs. Am 2. Juli 2025 begann vor dem Schwurgericht der Gironde der Prozess gegen Claudine Baquey, eine 80-jährige Frau, die beschuldigt wird, ihre Nichte Agnès Lou vergiftet zu haben – um an insgesamt 400.000 Euro aus acht heimlich abgeschlossenen Lebensversicherungen zu kommen. Ein Abend, der im Koma endete Es war der 3. September 2011, als Agnès Lou, damals 43 Jahre alt, in ihrem Bett in Bordeaux das Bewusstsein verlor. Kurz zuvor hatte sie ein Dessert gegessen, das ihre Tante für sie zubereitet hatte. Im Krankenhaus stellten die Ärzte fest, dass sie Aldicarb im Blut hatte – ein extrem giftiges Pflanzenschutzmittel, das in Frankreich seit 2007 verboten ist. Elf Tage später, am 14. September, durfte sie wieder nach Hause. Doch kaum hatte sie sich erholt, erlitt sie erneut ähnliche Symptome, nachdem sie ein Glas Wasser getrun…

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  • Macron und die Frage einer zweiten Parlamentsauflösung: Frankreichs institutionelle Blockade

    Macron und die Frage einer zweiten Parlamentsauflösung: Frankreichs institutionelle Blockade

    Ein Jahr nach der Auflösung der Nationalversammlung erhält Frankreichs Präsident Emmanuel Macron erneut die verfassungsrechtliche Möglichkeit, die Kammer ein weiteres Mal aufzulösen und Neuwahlen auszurufen. Doch trotz wachsender Frustration in der Bevölkerung zögert der Staatschef. Die derzeitige politische Blockade lähmt Frankreichs Handlungsfähigkeit – und stellt Fragen an die Substanz des Fünften Republikmodells. Frankreich erlebt eine Phase institutioneller Lähmung, wie sie das Land in der Geschichte der Fünften Republik nur selten kannte. Seit der überraschenden Auflösung der Nationalversammlung im Juni 2024, die auf die Niederlage der Präsidentenmehrheit bei den Europawahlen folgte, ist die politische Lage blockiert. Ein Jahr später verfügt Emmanuel Macron wieder über das verfassungsrechtliche Instrument der Auflösung, doch das Risiko eines erneuten Patts schreckt den Élysée-Palast. Die damalige Auflösung verfolgte eine klare strategische Logik: Mit einem Schockmanöver wollte Ma…

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  • Europas Rechte und die Klimapolitik: Pascal Canfin warnt vor einem „europäischen Trumpismus“

    Europas Rechte und die Klimapolitik: Pascal Canfin warnt vor einem „europäischen Trumpismus“

    Der französische Europaabgeordnete Pascal Canfin sieht Europa am Beginn einer neuen kulturpolitischen Auseinandersetzung. In scharfen Worten kritisierte der ehemalige Umweltminister jüngst den Kurs der französischen Parteien Les Républicains (LR) und Rassemblement National (RN). Sie führten, so Canfin, eine „anti-ökologische Offensive“, die er als Ausdruck eines „europäischen Trumpismus“ deutet. Im Interview mit France Inter am 4. Juli sprach Canfin von einer „reaktionären Internationalen“, die weit über Frankreich hinausreiche. Diese Allianz richte sich nicht nur gegen Klimaschutz, sondern auch gegen Minderheitenrechte und eine humane Migrationspolitik. Der Begriff „europäischer Trumpismus“ verweist dabei auf den politischen Stil des US-Präsidenten: aggressive Rhetorik, Ablehnung wissenschaftlicher Konsense und die Mobilisierung gegen progressive Reformprojekte. Rückschritte bei Umweltpolitik als Symptom Konkret bezieht sich Canfins Kritik auf mehrere Entscheidungen der französischen …

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  • 4. Juli – Ein Tag voller Geschichte und Emotionen

    4. Juli – Ein Tag voller Geschichte und Emotionen

    Kaum ein Datum trägt so viel Symbolkraft wie der 4. Juli. Ob Weltereignisse, Alltagserlebnisse oder lokale Anekdoten – dieser Tag schreibt jedes Jahr neue Kapitel.

    🌍 Weltweit – Freiheit mit Folgen

    Am 4. Juli 1776 wurde in Philadelphia die Unabhängigkeitserklärung verabschiedet. Eine radikale Wende: Dreizehn Kolonien trennten sich von Großbritannien – die Entstehung der Vereinigten Staaten war in vollem Gange.
    Doch die Geschichte wollte es dramatisch: Am 4. Juli 1826, exakt fünfzig Jahre nach diesem Akt, starben zwei Gründerväter – John Adams und Thomas Jefferson – am selben Tag. Nur fünf Jahre später verstarb James Monroe – ebenfalls am 4. Juli. Eine erstaunliche Koinzidenz, die bis heute Gänsehaut verursacht.

    Ein weiteres Jubiläum – das Erscheinen der ersten Ausgabe von Walt Whitmans „Leaves of Grass“ im Jahr 1855 – fiel ebenso auf diesen Tag. Literatur-Geschichte schrieb der Ausnahmedichter damit selbst.
    Auch technische Großtaten feiern diesen Tag: 1802 öffnete die Militärakademie West Point, 1817 begann der Bau des Erie-Kanals – beide Meilensteine in Bildung und Infrastruktur.
    Im Jahr 1863 fiel während des amerikanischen Bürgerkriegs bei Vicksburg die Entscheidung – ein strategischer Sieg mit weitreichenden Folgen.
    In der Moderne: 1995 dockte die US-Raumfähre Atlantis an die russische Raumstation Mir an – ein Symbol post‑kalter‑Krieg‑Kooperation. Und 2012 jubelten Wissenschafter in Genf über Hinweise auf das Higgs‑Boson – ein Triumph der Grundlagenforschung.

    🇺🇸 Alltag amerikanisch – bunt, laut, nachdenklich

    Seit 1870 ist der 4. Juli gesetzlicher Feiertag, seit 1941 ein bezahlter bundesweiter Ruhetag. Feuerwerke, Paraden, Barbecues und Baseball sind festes Programm – rummsende Böller inklusive.
    150 Millionen Hotdogs am Tag? Kein Scherz – amerikanischer Alltag in Zahlen.
    Interessanter Nebeneffekt: Der 4. Juli markiert den Rückblick – auf Gründer, Kriege, soziale Fragen. 1917 etwa wurde der amerikanische Unabhängigkeitstag in Paris mit Paraden gefeiert – Zeichen der Solidarität im Ersten Weltkrieg.

    🇫🇷 Frankreich – ein Hauch von Amerika

    Hierzulande blieb der 4. Juli lange ein Randereignis – bis 1917. Da zogen amerikanische Truppen zu Millionen durchs Land – Paris feierte mit, Zeitungen berichteten euphorisch, und die Tricolor-Flagge neben der Stars and Stripes zeigte: Verbündete auf Augenhöhe. Aber das Engagement verpuffte, sobald die Kriegssituation sich wandelte.

    Ein ganz anderes Kapitel: Bereits 1465 verfügte ein französischer König, dass Städte Straßenlaternen installieren lassen sollten – erste Zeichen moderner urbaner Beleuchtung.
    Zwei jüngere Namen: 1530 starb ein Held der Hundertjährigen Kriege; 1546 folgte der Tod eines berüchtigten Korsaren – ein Spiegel längst vergangener Machtspiele im Mittelmeer.

    🕰 Rückblick und Wirkung – was bleibt?

    • Freiheit war nicht sofort umfassend: Unabhängigkeit ohne die Abschaffung der Sklaverei blieb hohl. Erst dekadenlange Kämpfe und neue Feiertage – etwa Juneteenth – füllten sie mit Inhalt.
    • Feierkultur enthält immer auch Kritik – der 4. Juli ist stolz und selbstreflexiv zugleich. In den USA finden heute öffentliche Lesungen der Unabhängigkeitserklärung statt – Zeichen demokratischer Selbstvergewisserung.
    • Frühe Globalisierung: Ob Vicksburg oder Higgs‑Boson – dieser Tag markiert mehr als Nationen‑Geschichten, er verbindet Wissenschaft und internationale Zusammenarbeit.

    🧐 Eine rhetorische Frage zum Schluss:

    Ist Unabhängigkeit jemals endgültig – oder ist sie eine Aufgabe, die immer wieder neu erarbeitet wird?

  • Digitale Gesinnungsprüfung – Das Rassemblement National verschärft seine Kandidatenauswahl

    Digitale Gesinnungsprüfung – Das Rassemblement National verschärft seine Kandidatenauswahl

    Das Rassemblement National (RN) hat kürzlich eine spezialisierte Firma beauftragt, die digitalen Profile seiner zukünftigen Kandidaten für die französischen Parlamentswahlen zu überprüfen. Damit will die Partei um Marine Le Pen verhindern, dass sogenannte „schwarze Schafe“ nominiert werden, deren Aussagen oder Verhalten der öffentlichen Wahrnehmung des RN schaden könnten. Diese Maßnahme ist Teil einer umfassenderen Strategie zur Professionalisierung und zur stärkeren Kontrolle der Kandidatenaufstellung. Sie erfolgt vor dem Hintergrund anhaltender Kritik an der Partei, Kandidaten mit extremistischen, rassistischen oder verschwörungsideologischen Positionen zu unterstützen. Reaktion auf Enthüllungen über Hassrede und Verschwörungstheorien In den vergangenen Jahren hatten Medien wie Mediapart recherchiert, dass mehr als hundert RN-Kandidaten in sozialen Netzwerken durch Hassrede, Verschwörungstheorien oder antisemitische Äußerungen aufgefallen waren (Mediapart, 2024). Solche Enthüllungen …

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  • Die Drei Corniches: Wo sich die Seele der Côte d’Azur offenbart

    Die Drei Corniches: Wo sich die Seele der Côte d’Azur offenbart

    Es gibt Straßen, die einfach von A nach B führen. Und dann gibt es die Drei Corniches an der Côte d’Azur – drei legendäre Routen, die weit mehr sind als Asphalt und Kurven. Sie sind ein Versprechen. Ein Versprechen auf Meerblick, Mittelmeerduft, Geschichte und Geschichten, die man nie wieder vergiss…

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  • Frankreichs Tourismus im Wandel – warum die Aufenthalte kürzer werden

    Frankreichs Tourismus im Wandel – warum die Aufenthalte kürzer werden

    Frankreich bleibt ein Magnet für Reisende aus aller Welt.

    Rund 100 Millionen internationale Gäste strömten 2024 ins Land – ein Beleg für seine ungebrochene Anziehungskraft. Doch ein leiser Trend legt sich über die stolze Bilanz: Die Urlauber bleiben nicht mehr so lange wie früher.

    Im Schnitt verkürzte sich ihr Aufenthalt von 11 auf 10 Tage. An der Côte d’Azur, dem funkelnden Juwel der französischen Riviera, verweilen Gäste im Hotel gar nur noch durchschnittlich 2,3 Nächte. Ein Wimpernschlag, gemessen an den endlosen Sonnenstunden dort.

    Doch woran liegt das?

    Die Gründe reichen von der schlichten Kostenfrage bis hin zu einem kulturellen Wandel des Reisens.

    Sparen ist das neue Reisen

    Die Preise steigen, nicht nur in Paris.

    Ein Croissant, das einst für ein Lächeln und zwei Euro zu haben war, kostet jetzt drei. Hotelübernachtungen ziehen nach, Restaurants legen kräftig drauf, und auch Freizeitaktivitäten belasten das Urlaubsbudget stärker als früher.

    Viele Reisende reagieren pragmatisch. Statt ganz zu streichen, kürzen sie lieber. Ein bis zwei Nächte weniger – schon bleibt Spielraum für andere Ausgaben. So halten sie die Reisekasse im Lot, ohne auf das Erlebnis Frankreich zu verzichten.

    Kleine Auszeiten statt großer Fluchten

    Hinzu kommt ein Perspektivwechsel.

    Immer mehr Menschen ziehen mehrere kurze Reisen einem langen Jahresurlaub vor. Ein verlängertes Wochenende in Bordeaux, ein Städtetrip nach Lyon, ein Blitzbesuch bei Freunden in Marseille – so teilen sie ihre Erholung übers Jahr auf.

    Das klingt nach Stress? Nicht unbedingt.

    Der Wunsch nach Abwechslung, neuen Eindrücken und Mikro-Abenteuern prägt gerade die jüngeren Generationen, die mit Billigfliegern und flexiblen Arbeitsmodellen aufgewachsen sind. Für sie gilt: Mehrere Tapetenwechsel schlagen einen einzigen monatelang geplanten Sommerurlaub.

    Schnell, bequem, überallhin

    Die moderne Mobilität erleichtert diese Entwicklung enorm.

    Günstige Flüge, ein dichtes TGV-Netz und Sharing-Angebote lassen Frankreich klein erscheinen – als läge alles nur eine Zugstunde entfernt. Wer dienstags noch in Brüssel im Büro sitzt, kann mittwochs morgens schon Kaffee am Pariser Canal Saint-Martin schlürfen.

    Klingt verlockend, nicht wahr?

    Weniger Nächte, weniger Einnahmen

    Für die Tourismusbranche bedeutet das jedoch Anpassungsdruck.

    Kürzere Aufenthalte bedeuten geringere Einnahmen pro Kopf. Ein Gast, der zehn Nächte bleibt, isst häufiger auswärts, bucht Ausflüge, kauft Andenken und zahlt mehr Nächtigungsabgaben. Bleibt er nur zwei Nächte, schrumpfen diese Umsätze.

    Hoteliers, Gastronomen, Betreiber von Freizeitparks und Museen stehen daher vor der Aufgabe, ihre Angebote neu zu denken.

    Neue Konzepte für neue Zeiten

    Die Strategie? Kurz, knackig, erlebnisreich.

    Viele Anbieter entwickeln Programme, die Besuchern in kürzester Zeit das Beste der Region zeigen. Genussrouten mit Weinproben und Käseverkostungen an einem Nachmittag. Stadtführungen, die Geschichte in eine Stunde quetschen, ohne oberflächlich zu wirken.

    Auch digitale Services gewinnen an Bedeutung. Wer heute reist, will alles sofort: Verfügbarkeiten, Buchungen, Bewertungen. Anbieter, die hier nicht mithalten, verschwinden aus dem Sichtfeld der Kurzurlauber.

    Der Reiz der Heimat

    Interessant ist zudem der Trend zum Naherholungstourismus.

    Viele Franzosen entdecken ihr eigenes Land neu. Statt zwei Wochen Spanien gönnen sie sich ein Wochenende Normandie. Statt Fernreise lieber ein Spa-Hotel im Elsass. So verteilt sich der Binnenreiseverkehr stärker, was der regionalen Wirtschaft zugutekommt.

    Und nun?

    Frankreich bleibt unangefochten Spitzenreiter in Europa.

    Doch um diesen Titel zu verteidigen, müssen die Akteure des Tourismus sich der Realität anpassen: Kürzere Aufenthalte sind kein kurzfristiger Ausreißer, sondern Teil eines tiefgreifenden Wandels im Reiseverhalten.

    Die entscheidende Frage lautet daher: Wie macht man ein Land, das schon alles hat, noch verlockender – auch für Gäste, die nur kurz bleiben?

    Vielleicht liegt die Antwort in der Kunst der Verdichtung: ein Land voller Geschichten, die selbst in zwei Tagen unvergesslich bleiben.

    Autor: Andreas M. Brucker

  • Frankreichs ökologische Planung gerät ins Stocken

    Frankreichs ökologische Planung gerät ins Stocken

    Frankreich droht seine Klimaziele zu verfehlen. Der Rückzug des Secrétariat général à la planification écologique (SGPE) aus dem Zentrum der politischen Steuerung wirft ein Schlaglicht auf die strukturellen Probleme der französischen Klimapolitik. Das im Sommer 2022 von Präsident Emmanuel Macron geschaffene SGPE sollte ursprünglich alle Maßnahmen zur Dekarbonisierung bündeln und koordinieren. Doch mit der Demission seines ersten Generalsekretärs, Antoine Pellion, im Februar 2025 hat die Behörde an Gewicht verloren. Die Folge sind Verzögerungen bei zentralen strategischen Dokumenten wie der Stratégie nationale bas carbone (SNBC) und der Programmation pluriannuelle de l’énergie (PPE). Das Haut Conseil pour le climat (HCC), ein unabhängiges Expertengremium zur Evaluierung der französischen Klimapolitik, warnt, dass die derzeitige Entwicklung die Einhaltung der gesetzlich verankerten Ziele für 2030 und 2050 gefährde. Frankreich plant bis 2030 eine Reduktion der Treibhausgasemissionen um 50…

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  • Kommentar: Langsam wird es wirklich peinlich, Frau Le Pen

    Kommentar: Langsam wird es wirklich peinlich, Frau Le Pen

    Langsam wird es wirklich peinlich, Frau Le Pen. Für eine Politikerin, die sich seit Jahren als unbestechliche Retterin des „wahren Frankreich“ inszeniert, türmen sich die Korruptions- und Veruntreuungsvorwürfe mittlerweile zu einer schamlosen Farce. Kaum ist der Skandal um die Scheinassistenten halb verdaut – der Ihnen eine fünfjährige Sperre für öffentliche Ämter einbrachte –, da kommen neue Enthüllungen über Millionenbeträge ans Licht, die Ihr EU-Parlamentsbündnis an dubiose Firmen im eigenen Umfeld verteilt hat.

    Was wollen Sie Ihren Wählern eigentlich noch erzählen? Dass es „administrative Differenzen“ waren, wenn Aufträge in Millionenhöhe an die Firma Ihres langjährigen Komplizen Chatillon gehen? Dass es reine „Feinheiten in der Buchhaltung“ sind, wenn dessen Ehefrau Druckaufträge abrechnet, bei denen sie Hunderttausende Euro Gewinn ohne jede politische Leistung einstreicht? Oder dass es völlig normal ist, wenn EU-Gelder in die Kastration von Katzen oder die Restaurierung von Dorfkirchen fließen – Hauptsache, die Vereine stehen Ihrer Partei nahe?

    Sie können sich nicht ewig hinter Ihrer Opferinszenierung verstecken. Niemand zwingt Sie dazu, systematisch an den Töpfen öffentlicher Gelder zu naschen, während Sie gleichzeitig in jedes Mikrofon rufen, Brüssel sei ein korrupter Moloch. Langsam wird klar: Sie kritisieren nicht die Korruption – Sie ärgern sich nur, wenn andere davon profitieren.

    Es ist diese Form der Doppelmoral, die Politikverdrossenheit befeuert. Sie und Ihre Partei erheben moralische Ansprüche, für die Ihnen jegliche persönliche Glaubwürdigkeit fehlt. Ihre Wähler mögen Ihnen glauben, dass Sie Frankreich „vom System befreien“ wollen. Doch was sie am Ende bekommen, ist eine Partei, die das System genauso benutzt wie alle anderen – nur mit weniger Anstand und mehr Lautstärke.

    Langsam wird es wirklich peinlich, Frau Le Pen. Und für Frankreich wird es zunehmend gefährlich.

    Ein Kommentar von P. Tiko