Schlagwort: Nachrichten Frankreich

  • Frankreich und der Elefant im Raum: Warum das Wort „Islamismus“ noch immer so schwer wiegt

    Frankreich und der Elefant im Raum: Warum das Wort „Islamismus“ noch immer so schwer wiegt

    Es gibt Worte, die ganze Gesellschaften in Aufruhr versetzen können. Worte, die nicht einfach nur Begriffe sind, sondern Symbole – für Angst, für Unsicherheit, für ungelöste Konflikte. „Islamismus“ ist ein solches Wort in Frankreich. Zehn Jahre nach den Attentaten vom 13. November 2015 ringt das Land noch immer damit, diesen Begriff auszusprechen, zu definieren – und mit ihm umzugehen. Denn „Islamismus“ ist in der politischen und gesellschaftlichen Debatte Frankreichs zur Chiffre geworden: für Terror, für Identitätskrisen, für das Ringen um republikanische Werte. Doch was meint dieses Wort eigentlich? Und warum tut sich Frankreich so schwer mit ihm? Zwischen Religion und Ideologie „Islamismus“ beschreibt keine Religion. Er ist keine andere Spielart des Islam. Vielmehr bezeichnet es eine politische Ideologie, die darauf abzielt, religiöse Gebote zur Grundlage gesellschaftlicher Ordnung zu machen – in ihrer radikalsten Ausprägung bis hin zur Ersetzung staatlicher Strukturen durch religiö…

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  • Wenn die Freude über die Sonne plötzlich den Klimasorgen weicht – ein Kommentar

    Wenn die Freude über die Sonne plötzlich den Klimasorgen weicht – ein Kommentar

    Ein goldener Novembertag, die Sonne küsst die Haut, Kinder lachen am Strand von Arcachon, als wäre der Sommer nie gegangen. Und doch liegt über dieser Idylle ein seltsamer Schatten. Es ist das beklemmende Gefühl, das viele nicht mehr abschütteln können: Diese Wärme fühlt sich falsch an.

    Denn was früher ein seltener Glücksfall war – ein milder Herbsttag, ein Sonnenstrahl zwischen grauen Wolken – ist heute fast ein schlechtes Omen. 26 Grad Mitte November? Noch vor wenigen Jahren hätte das für ungläubiges Staunen gesorgt, heute zucken viele nur noch mit den Schultern. Die Normalität hat sich heimlich, still und leise verschoben.

    Natürlich genießen wir das schöne Wetter. Natürlich sitzen wir lieber auf der Terrasse als im Regen. Aber was bedeutet das eigentlich, wenn der Winter ausfällt, der Frost sich verspätet, der Kamin kalt bleibt? Ist es noch Lebensqualität – oder ist es der Anfang vom Ende der Jahreszeiten?

    Wir sind zu Komplizen unseres eigenen Klimadramas geworden. Während wir die Sonnenbrille aufsetzen und uns über Heizkosteneinsparungen freuen, schmelzen an anderer Stelle Gletscher, versiegen Quellen, verglühen Lebensräume. Das ist der bittere Nachgeschmack dieser warmen Novembertage: Sie sind ein Versprechen ohne Zukunft.

    Und trotzdem – oder gerade deshalb – ist es so schwer, sich dieser Wetterlage zu entziehen. Wie soll man den Kindern erklären, dass ein Badetag im Herbst kein Grund zur Freude mehr ist? Wie sollen Gastronomen ihre volle Terrasse hinterfragen, wenn der Umsatz endlich wieder stimmt? Wie sollen wir alle lernen, das zu fürchten, was wir immer geliebt haben?

    Es ist eine perfide Ironie, dass ausgerechnet die Sonne, diese alte Vertraute unseres Urlaubsgefühls, zum Symbol einer schleichenden Katastrophe wird.

    Und ja, es ist ein Privileg, sich überhaupt diese Fragen stellen zu können – während anderswo Dürren, Brände und Stürme längst über Leben und Tod entscheiden. Aber genau dieses Privileg verpflichtet. Wir dürfen diese neue Realität nicht einfach hinnehmen. Nicht schweigend, nicht achselzuckend, nicht genießend, als wäre alles in Ordnung.

    Denn nichts ist in Ordnung.

    Wer jetzt noch meint, der Klimawandel sei ein Problem der Zukunft, hat nicht hingesehen. Er ist längst hier, in unseren Gärten, auf unseren Tellern, auf unseren Stirnen, wenn wir mit einem unguten Gefühl in den blauen Himmel blicken. Und wenn die Freude über die Sonne plötzlich den Klimasorgen weicht, ist das vielleicht kein Zeichen von Pessimismus – sondern von Reife.

    Denn echtes Umdenken beginnt oft dort, wo das Bauchgefühl zuerst rebelliert.

    Ein Kommentar von Victor Maréchal

  • November-Hitze im Südwesten Frankreichs – Zwischen Sonnenschein und Klimasorge

    November-Hitze im Südwesten Frankreichs – Zwischen Sonnenschein und Klimasorge

    Es ist ein Bild, das nicht so recht zum Kalender passt: Während andernorts der Herbst seine trüben Farben ausbreitet, sonnen sich die Menschen an der Bucht von Arcachon, als wäre August. Kinder planschen im seichten Wasser, Erwachsene genießen ihren Kaffee im T-Shirt auf der Terrasse. Am 12. und 13. November 2025 erreicht das Thermometer im Südwesten Frankreichs Spitzenwerte von bis zu 26 Grad. Ein Sommer im Herbst? Schön, ja – aber nicht ohne bitteren Beigeschmack.

    Die Wetterlage ist ungewöhnlich, beinahe surreal. In Bordeaux zeigt das Thermometer 22 Grad, an der Küste der Aquitaine sogar noch mehr. Manch einer nutzt die Gelegenheit für einen Strandtag mit der Familie, andere freuen sich schlicht über die warme Luft und die Sonne. Doch die Freude ist nicht ungetrübt. „Es ist schon schön, klar“, sagt eine Besucherin aus Bordeaux, „aber irgendwie ist es auch beunruhigend. So warm – mitten im November?“

    Meteorologen sprechen längst nicht mehr von einem Zufall. Was sich hier abspielt, sei mehr als nur eine milde Episode. „Das ist eine klare Anomalie“, erklärt Némo Pawlowski von Météo France. „Seit den 1950er-Jahren steigt die Durchschnittstemperatur in Frankreich um etwa 0,3 Grad pro Jahrzehnt. Diese Wärmeperioden im Herbst sind mittlerweile genauso bezeichnend für den Klimawandel wie die Sommerhitzen.“ Es sei kein Einzelfall mehr, sondern ein neuer Normalzustand, der sich immer deutlicher bemerkbar mache.

    Und das nicht nur beim Wetterbericht.

    Im Alltag der Menschen im Südwesten zeigen sich erste Anpassungen. Heizungen bleiben ausgeschaltet, der Kamin bleibt kalt. „Normalerweise hätte ich jetzt schon die erste Ladung Holz verfeuert“, meint ein Mann aus der Nähe von Dax. Stattdessen reicht ein Pullover – selbst am Abend. Der Energieverbrauch sinkt, doch die Unsicherheit wächst: Was bedeutet das für den Winter? Und für die kommenden Jahre?

    Auch in der Tierwelt ist der Wandel spürbar. Auf einem Reiterhof bei Arcachon müssen die Pferde wegen der ungewöhnlichen Wärme intensiver gepflegt werden. Audrey Lacondeguy, erfahrene Reiterin, beschreibt, wie sich durch das milde Klima die Zahl der Insekten verändert hat: „Wir haben deutlich mehr Zecken, was die Gefahr von Piroplasmose erhöht. Und dann sind da noch die Gastérophilen – Fliegen, die ihre Eier auf Pferde ablegen. Früher kannte man die eher aus wärmeren Monaten.“

    Was den Gastronomen an der Küste ein Lächeln entlockt, lässt Klimaforscher ratlos zurück. Denn für die Restaurants kommt der Wetterumschwung wie gerufen: Nach einem regnerischen Monatsbeginn bringt die Sonne volle Terrassen und klingelnde Kassen. „Wir hatten zwei richtig gute Tage“, berichtet Vincent Gerbaud vom Restaurant Chez Pierre in Arcachon. „Fast wie im August – das ist gut fürs Geschäft.“

    Doch wie lange kann man solche Wetterlagen noch genießen, ohne sich zu sorgen?

    Der französische Südwesten, geprägt von mildem Atlantikklima, ist schon lange bekannt für goldene Herbsttage. Doch diese Novembertage 2025 übersteigen alles Dagewesene. Sie markieren einen Kipppunkt im Bewusstsein vieler Menschen: Die Symptome des Klimawandels sind nicht mehr abstrakt, sie sind spürbar, sichtbar – und sie machen auch vor vermeintlich stabilen Jahreszeiten keinen Halt.

    Wenn der November zum zweiten Sommer wird, steht mehr auf dem Spiel als ein schöner Strandtag.

    Autor: C.H.

  • Freilassung mit vielen Akteuren: Die Begnadigung Boualem Sansals als Signal im deutsch-französisch-algerischen Beziehungsdreieck

    Freilassung mit vielen Akteuren: Die Begnadigung Boualem Sansals als Signal im deutsch-französisch-algerischen Beziehungsdreieck

    Die überraschende Freilassung des französisch-algerischen Schriftstellers Boualem Sansal wirft ein Schlaglicht auf die Spannungen und Spielräume der internationalen Diplomatie im Umgang mit autoritären Regimen. Dass ausgerechnet Deutschland in diesem Fall die Rolle des Vermittlers übernommen hat, während Frankreich diplomatisch im Hintergrund blieb, verdeutlicht nicht nur die sensiblen Beziehungen zwischen Paris und Algier – es zeigt auch, wie Literatur und Menschenrechte zu geopolitischen Faktoren werden können.

    Ein Autor, ein Urteil, ein diplomatischer Dominoeffekt

    Der 81-jährige Boualem Sansal, einer der bedeutendsten Intellektuellen der frankophonen Welt, war im November 2024 am Flughafen von Algier festgenommen worden. Im März 2025 verurteilte ein Gericht ihn zu fünf Jahren Haft wegen „Gefährdung der nationalen Einheit“. Hintergrund waren kritische Äußerungen über die algerischen Landesgrenzen, insbesondere im Zusammenhang mit der Westsahara-Problematik – ein Tabuthema in Algerien, das keinerlei Relativierung seiner territorialen Integrität duldet.

    International sorgte das Urteil für scharfe Kritik. Menschenrechtsorganisationen, Schriftstellerverbände und europäische Regierungen äußerten ihre Besorgnis. Während Paris sich demonstrativ zurückhielt, übernahm Berlin die Rolle des aktiven Fürsprechers. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier intervenierte direkt beim algerischen Präsidenten Abdelmadjid Tebboune – und dieser gewährte nun die Begnadigung.

    Deutschland als diskreter Vermittler – Frankreich als Zaungast?

    Die diplomatische Choreographie war auffällig. Emmanuel Macron telefonierte mit Sansal nach dessen Freilassung, aus dem Flugzeug zurück von einem Termin in Toulouse. In einem knappen Statement sprach er von „Effizienz“ und einem „Akt der Menschlichkeit“, lobte die „guten Dienste“ der Deutschen – eine höflich verpackte Anerkennung, aber auch ein Eingeständnis, dass Frankreich nicht die treibende Kraft hinter der Freilassung war.

    Warum hielt sich Paris so zurück? Die Erklärung liegt im Kontext. Seit Jahren sind die Beziehungen zwischen Frankreich und Algerien von gegenseitigem Misstrauen geprägt. Immer wieder kommt es zu diplomatischen Verstimmungen, etwa wegen französischer Äußerungen zur kolonialen Vergangenheit oder Algeriens Rolle in der Migrationspolitik. Zuletzt hatte Frankreich im Frühjahr 2025 offiziell die marokkanische Souveränität über die Westsahara anerkannt – eine Position, die in Algier als Affront gewertet wird. In diesem Klima hätte eine französische Forderung nach Freilassung Sansals womöglich das Gegenteil bewirkt.

    Eine Geste mit mehrfacher Bedeutung

    Dass der algerische Präsident dennoch einer Begnadigung zustimmte, ist in erster Linie Sansals Alter und Gesundheitszustand geschuldet. Der Autor leidet an Prostatakrebs in fortgeschrittenem Stadium, wie internationale Medien berichten. Humanitäre Gründe wurden offiziell angeführt. Doch die Entscheidung kann kaum losgelöst von ihrer politischen Dimension betrachtet werden.

    Sie erlaubt es Algerien, Gesicht zu wahren, indem nicht auf äußeren Druck aus Frankreich, sondern auf die diskrete Initiative Deutschlands reagiert wurde. Für Berlin wiederum bedeutet dieser Erfolg eine seltene Gelegenheit, außenpolitische Soft Power in Nordafrika zu demonstrieren – jenseits klassischer wirtschaftlicher oder sicherheitspolitischer Interessen.

    Ein Blick auf die künftige Dynamik

    Ob die Begnadigung langfristig eine Verbesserung der bilateralen Beziehungen zwischen Algerien und Frankreich einleitet, bleibt offen. Macron zeigte sich versöhnlich und betonte seine Gesprächsbereitschaft gegenüber Tebboune. Doch strukturell bleiben die Spannungen bestehen – sei es wegen des schwierigen Umgangs mit der kolonialen Vergangenheit, der ungeklärten Rolle der algerischen Diaspora in Frankreich oder divergierender geopolitischer Allianzen in Nordafrika.

    Zudem stellt sich die Frage, wie Algerien künftig mit oppositionellen Stimmen umgeht. Sansals Inhaftierung war nur der prominenteste Fall einer repressiven Linie gegenüber Intellektuellen und Aktivisten. Die Meinungsfreiheit bleibt stark eingeschränkt, insbesondere wenn es um historische Narrative oder territoriale Fragen geht. Der Fall Sansal erinnert an ähnliche Situationen in der Türkei oder in Ägypten, wo kulturpolitische Themen schnell zur Staatsräson erklärt werden.

    Eine Episode mit Symbolkraft – aber ungewisser Fortsetzung

    Die Freilassung Boualem Sansals ist eine humane Entscheidung mit politischer Tragweite. Sie zeigt, wie in autoritär geführten Staaten persönliche Schicksale zum Gegenstand geopolitischer Verhandlungen werden. Sie offenbart aber auch die diplomatischen Spielräume, die entstehen können, wenn traditionelle Akteure – wie Frankreich – bewusst zurücktreten und Dritte – wie Deutschland – intervenieren.

    Ob dieser Moment als Wendepunkt in die Geschichtsbücher eingehen wird, hängt weniger vom Willen Einzelner ab als von strukturellen Veränderungen im Verhältnis zwischen Europa und Nordafrika. Für den Moment bleibt die Hoffnung, dass der Schriftsteller seine letzten Jahre in Freiheit verbringen kann – und dass seine Stimme, lange Zeit zwischen den politischen Fronten zerrieben, nun wieder gehört wird.

    Autor: P. Tiko

  • Verbrechen mit Sprengkraft – Postraub erschüttert Roubaix

    Verbrechen mit Sprengkraft – Postraub erschüttert Roubaix

    Mitten in der morgendlichen Betriebsamkeit, kurz nach halb neun, bebte die Luft in Roubaix. Eine Explosion riss Anwohner aus dem Alltag, Passanten aus ihren Gesprächen, und verwandelte einen gewöhnlichen Novembermorgen in eine Szene wie aus einem Gangsterfilm. Ziel des Anschlags: ein Geldautomat der französischen Post, La Poste, im Herzen der nordfranzösischen Stadt. Was sich dort am Mittwochmorgen, dem 12. November, ereignete, lässt auf eine gut geplante und skrupellos durchgeführte Tat schließen. Drei maskierte Männer, in gelben Warnwesten getarnt, näherten sich dem Automaten – scheinbar routiniert, als wären sie Arbeiter. Tatsächlich handelte es sich jedoch um schwerkriminelle Täter, die mit Sprengstoff und Präzision einen der am stärksten gesicherten Außenautomaten aufbrachen – direkt an einer der Hauptverkehrsadern der Stadt. Eine Minute. Länger dauerte der Überfall nicht. Zeugen berichten von einem gespenstischen Schauspiel: ein Mann, der noch Sekunden zuvor Geld abhob, stand nur…

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  • Tod nach Flucht: Ein Jugendlicher, ein Roller und Fragen an die Gesellschaft

    Tod nach Flucht: Ein Jugendlicher, ein Roller und Fragen an die Gesellschaft

    Ein Roller, zwei Jugendliche, ein Kontrollversuch der Polizei – und am Ende ein Leben, das ausgelöscht wurde, bevor es richtig begonnen hatte. Die Straßen von Tourcoing, einer Stadt im Département Nord nahe der belgischen Grenze, wurden am Dienstagabend zur tragischen Bühne eines Dramas, das weit über den Einzelfall hinausweist. Es geht um Jugend, Verantwortung, Kontrolle – und um die tödliche Dynamik zwischen Flucht und Verfolgung. Ein 16-jähriger Junge verliert sein Leben. Sein 14-jähriger Freund überlebt schwer verletzt. Beide saßen auf einem Motorroller, unterwegs im abendlichen Stadtverkehr, als eine Streife der Stadtpolizei sie kontrollieren wollte. Doch statt anzuhalten, gibt der Fahrer Gas – es kommt zu einem „Refus d’obtempérer“, also dem bewussten Ignorieren der polizeilichen Anweisung. Nur 150 Meter später endet die Flucht an einem Laternenmast. Der Fahrer wird vom Fahrzeug geschleudert und stirbt noch am Unfallort. Die Ermittlungen laufen. Die Staatsanwaltschaft hat ein Ver…

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  • Wut auf dem Acker: Macrons Mercosur-Kurs entfacht Zorn der Bauern

    Wut auf dem Acker: Macrons Mercosur-Kurs entfacht Zorn der Bauern

    Mit dröhnenden Motoren und wütenden Gesichtern machen sie ihrem Ärger Luft – mitten in Toulouse. Mehrere Dutzend Traktoren wälzten sich am 12. November durch die Stadt, nicht etwa wegen eines Erntefestes, sondern als deutlich sichtbarer Ausdruck tiefsitzender Empörung. Zielscheibe der Wut: Emmanuel Macron. Der französische Präsident hat mit wenigen Worten einen Sturm entfacht – einen Sturm aus Misstrauen, Frustration und der Angst vor dem Ruin. Die Wurzel des Protests? Das Mercosur-Abkommen. Macrons jüngste Äußerung, er stehe „positiv, aber wachsam“ gegenüber dem geplanten Freihandelsabkommen mit den südamerikanischen Mercosur-Staaten, wurde von den Landwirten als klarer Wortbruch empfunden. Viele erinnern sich gut an seine Versprechen. „Er hat uns damals in die Augen geschaut und gesagt: Ich werde Mercosur nicht durchgehen lassen“, zitiert Jérôme Barthe, Präsident der FNSEA im Département Aude, mit bitterem Ton. „Er sagte dasselbe auf der Landwirtschaftsmesse. Und jetzt?“ Wer einmal l…

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  • Zehn Jahre danach: Ein stilles Zeichen gegen das Vergessen

    Zehn Jahre danach: Ein stilles Zeichen gegen das Vergessen

    Am Rande der Place de la République in Paris flackern Kerzen im Abendlicht. Blumen, handgeschriebene Zettel, Fotografien. Zehn Jahre nach den verheerenden Terroranschlägen vom 13. November 2015 ruft die Stadt Paris zu einer „geste commémoratif“, einer einfachen Geste der Erinnerung, auf – und die Bürgerinnen und Bürger folgen dem Aufruf. Der Ort ist nicht zufällig gewählt. Die Place de la République war damals, in den Tagen nach den Anschlägen, das symbolische Herz des öffentlichen Schmerzes. Spontan entstanden hier kleine Mahnmale, Kerzenmeere, Blumenhäufchen, Botschaften der Liebe, Trauer, Wut und Solidarität. Zehn Jahre später wird der Platz erneut zum Ort des kollektiven Innehaltens. Ohne große Worte. Ohne offizielle Zeremonien. Einfach durch die stille Präsenz der Menschen. Eine Nacht, die alles veränderte Der 13. November 2015 hat sich in das Gedächtnis der Nation eingebrannt. In nur 33 Minuten wurde Paris zum Schauplatz des schlimmsten Anschlags in Frankreich seit dem Zweiten We…

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  • Abschied von einem Wahrzeichen: In Reims wird aus den Galeries Lafayette ein Shein-Store

    Abschied von einem Wahrzeichen: In Reims wird aus den Galeries Lafayette ein Shein-Store

    Das Kaufhaus an der Rue de Vesle in Reims war mehr als nur ein Ort zum Einkaufen. Es war ein Symbol. Ein Fixpunkt in der Innenstadt, ein Stück Geschichte. Jetzt verschwindet der Name „Galeries Lafayette“ von der Fassade – und mit ihm ein Kapitel französischer Konsumkultur. Was folgt, ist nichts weniger als ein Bruch mit der Tradition: Die chinesisch-singapurische Fast-Fashion-Marke Shein zieht ein. Für viele klingt das nach einem massiven Kulturwandel. Für andere nach einer ökonomischen Notwendigkeit. Strategischer Bruch: SGM trennt sich von Galeries Lafayette Was wie ein plötzlicher Kurswechsel wirkt, war lange vorbereitet. Die Société des Grands Magasins (SGM) hatte 2022 sieben Filialen der Galeries Lafayette übernommen – darunter Reims, Dijon, Grenoble und in weiteren Städten. Nun endet die Zusammenarbeit mit dem traditionsreichen französischen Warenhaus. Der Grund: SGM will die Flächen anders nutzen. Im Zentrum steht die Partnerschaft mit Shein. Galeries Lafayette, als Franchisegeb…

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  • Doppelanschläge in einer angespannten Region

    Doppelanschläge in einer angespannten Region

    Die Bombenanschläge in den Hauptstädten Indiens und Pakistans in dieser Woche ereigneten sich im Abstand von nur einem Tag. Beide richteten nahezu identische Schäden an und hatten vergleichbare Auswirkungen – bei jedem der Anschläge wurden rund ein Dutzend Menschen getötet.

    Es gibt bislang keinen direkten Zusammenhang zwischen den beiden Attentaten. Wer für den Anschlag in Indien verantwortlich ist, ist noch unklar. Eine Splittergruppe der pakistanischen Taliban bekannte sich zu dem Bombenanschlag in Islamabad.

    Doch die Spannungen zwischen Indien und Pakistan sind derzeit so hoch, dass die Explosionen ausreichen, um die Sorge zu wecken, die beiden benachbarten Atommächte könnten erneut in eine Eskalationsspirale geraten – wie zuletzt im Mai. Das zeigt, wie nervös die Lage in der Region ist – und möglicherweise auch, wie wenig es braucht, um erneut in Gewalt abzugleiten.

    Ein zurückhaltenderes Indien

    Indien wirft Pakistan seit Langem vor, militanten Gruppen Unterschlupf und Unterstützung zu gewähren, die Anschläge auf indischem Boden verüben. In jüngerer Zeit hat Pakistan ähnliche Vorwürfe gegenüber Indien erhoben und behauptet, die indische Regierung unterstütze Kräfte, die den pakistanischen Staat bekämpfen.

    Seit der Rückkehr der Taliban an die Macht in Afghanistan sind die regionalen Dynamiken noch unberechenbarer und komplizierter geworden. Die pakistanische Regierung hatte die Taliban während ihres zwanzigjährigen Aufstands gegen die vom Westen unterstützte Republik in Kabul unterstützt. Nun aber beschuldigt Pakistan die Taliban, mit Indien zusammenzuarbeiten, um militante Gruppen zu unterstützen, die Anschläge in Pakistan verüben.

    Indische Regierungsvertreter haben sich nach dem tödlichen Bombenanschlag am Montag in Neu-Delhi – bei dem mindestens neun Menschen starben und 20 weitere in der Nähe einer U-Bahn-Station in einem belebten Teil der Altstadt verletzt wurden – auffallend zurückhaltend geäußert.

    Das steht im Kontrast zur indischen Reaktion im Frühjahr, nachdem bei einem Massaker an einem beliebten Picknickplatz für Touristen in Kaschmir – einem zwischen Indien und Pakistan umstrittenen Gebiet – Menschen ums Leben kamen. Bewaffnete Männer hatten gezielt hinduistische Touristen anhand ihrer Religionszugehörigkeit identifiziert und sie dann vor ihren Familien ermordet. Premierminister Narendra Modi machte daraufhin Pakistan für die Unterstützung der Angreifer verantwortlich und ließ militärische Schläge gegen das Nachbarland ausführen. Modi erklärte damals, jeder zukünftige Terroranschlag werde als Kriegshandlung betrachtet.

    Der Anschlag in Delhi wird nun als Terrorakt untersucht. Doch herauszufinden, wer genau dahintersteckt, dürfte schwierig werden. Indien steht auch auf dem Radar anderer Terrororganisationen, darunter der sogenannte Islamische Staat.

    Pakistan unter Druck

    Der Anschlag hat das Sicherheitsgefühl in Neu-Delhi erschüttert und den Druck auf die indischen Behörden erhöht.

    Gleichzeitig gilt das auch für Pakistan: Dort wurden am Dienstagmittag bei einem Selbstmordanschlag mindestens zwölf Menschen getötet und 27 weitere verletzt. Die Explosion ereignete sich in der Nähe des Eingangs zu einem schwer gesicherten Gerichtsgebäude in Islamabad. Die pakistanische Regierung sieht sich ohnehin schon einer wachsenden Zahl militanter Angriffe in den westlichen Grenzregionen zu Afghanistan ausgesetzt.

    In der pakistanischen Fernsehberichterstattung und in offiziellen Verlautbarungen wird die Taliban-Regierung in Afghanistan inzwischen häufig als „von Indien unterstützt“ bezeichnet. Im vergangenen Monat bombardierte Pakistan zwei afghanische Städte – darunter auch Kabul – just während eines offiziellen Besuchs des afghanischen Außenministers in Indien.

    Nur wenige Stunden nach dem Anschlag in Islamabad am Dienstag beschuldigte Pakistans Premierminister Shehbaz Sharif Indien, an der zunehmenden Gewalt beteiligt zu sein. Sharif sagte, der Angriff sowie ein Überfall auf eine Militärakademie im Westen des Landes am Montag seien „auf indische Anstiftung“ zurückzuführen.

    Das indische Außenministerium wies diese Vorwürfe als „haltlos und unbegründet“ zurück.

    Pakistans politische und militärische Führung hat seit dem viertägigen Gefecht im Mai ihre aggressive Rhetorik gegenüber Indien deutlich verschärft. Damals führte das Gefecht zu einem Popularitätsschub für den pakistanischen Armeechef Asim Munir, der gestern erweiterte verfassungsmäßige Vollmachten sowie lebenslange rechtliche Immunität zugesprochen bekam.

    Auch wenn die diplomatischen und kommunikativen Kanäle zwischen beiden Ländern derzeit auf einem historischen Tiefpunkt sind, mahnen einige weiterhin zur Besonnenheit. Maleeha Lodhi, ehemalige pakistanische Botschafterin bei den USA und den Vereinten Nationen, erklärte, die Spannungen seien zwar hoch, sie glaube jedoch nicht, dass die Länder kurz vor einem größeren Konflikt stünden.

    Doch der Konflikt im Frühjahr hat gezeigt, wie rasch die Situation eskalieren kann: Indien und Pakistan standen damals am Rand eines Kriegs, bevor US-Präsident Donald Trump beide Seiten zu einem Waffenstillstand drängte. Als die Feuerpause schließlich vereinbart wurde, erklärte Modi, die Operationen gegen Pakistan seien lediglich unterbrochen – nicht beendet – worden.


    WEITERE TOP-NACHRICHTEN

    Epstein-Affäre: Neue Enthüllungen belasten Trump

    Demokratische Abgeordnete im US-Kongress haben am Mittwoch E-Mails veröffentlicht, in denen der verurteilte Sexualstraftäter Jeffrey Epstein schrieb, dass Präsident Trump „Stunden in meinem Haus“ mit einem der Opfer seines Sexrings verbracht habe. In einer Nachricht behauptete Epstein, Trump habe von den Mädchen gewusst.

    Wenige Stunden später veröffentlichten republikanische Abgeordnete ihrerseits ein Konvolut von 23.000 Seiten Dokumenten aus Epsteins Nachlass. Die Republikaner bemühen sich seit Längerem, Trump – der einst mit Epstein befreundet war, bis es zum Bruch kam – zu schützen. Gleichzeitig wächst der Druck der Wählerbasis auf eine vollständige Offenlegung von Epsteins Kontakten zu mächtigen Männern. Der Sprecher des Repräsentantenhauses, Mike Johnson, kündigte an, in der kommenden Woche über eine Maßnahme zur Freigabe weiterer Epstein-Dokumente abstimmen zu lassen.

    Trump bestreitet jegliche Beteiligung an oder Kenntnis von Epsteins kriminellem Netzwerk entschieden. Die Pressesprecherin des Weißen Hauses warf den Demokraten am Mittwoch vor, sie wollten mit einer „konstruierten Erzählung Präsident Trump verleumden“.


    WEITERE MELDUNGEN:

    Präsident Trump unterzeichnete ein Übergangs-Haushaltsgesetz zur Wiedereröffnung der US-Regierung, nachdem es knapp das Repräsentantenhaus passiert hatte. Das ist das Ende des längsten Shutdowns in der Geschichte der USA.
    Israel erklärte, einen Grenzübergang in den Norden des Gazastreifens wieder geöffnet zu haben – eine langjährige Forderung von Hilfsorganisationen, die dringend benötigte Hilfe in das Gebiet bringen wollen.
    Japans Premierministerin Sanae Takaichi steht in der Kritik, weil sie eine Kabinettssitzung auf 3 Uhr morgens angesetzt hatte – in einem Land, das von einer Epidemie des „Tod durch Überarbeitung“ (karōshi) geprägt ist.
    – Der israelische Präsident Itzschak (Isaac) Herzog sagte, Trump habe ihm einen Brief geschickt, in dem er um die Begnadigung von Premierminister Benjamin Netanjahu bat, der wegen Korruption vor Gericht steht.
    – In einem Video ist zu sehen, wie eine neu gebaute Brücke in Sichuan, China, einstürzt – eine gewaltige Staubwolke steigt in den Himmel.
    42 Menschen, viele von ihnen auf der Flucht vor dem Krieg im Sudan, wurden tot aufgefunden, nachdem ihr Boot im vergangenen Monat vor der Küste Libyens kenterte.
    – Der algerische Präsident Abdelmadjid Tebboune begnadigte Boualem Sansal, einen algerisch-französischen Schriftsteller, der zu fünf Jahren Haft verurteilt worden war – wegen des Vorwurfs, die nationale Sicherheit untergraben zu haben.

    Autor: P. Tiko