Schlagwort: Nachrichten Frankreich

  • Ein Tag zwischen Schicksal, Visionen und Selbstzerstörung: Der 27. November in der Geschichte

    Ein Tag zwischen Schicksal, Visionen und Selbstzerstörung: Der 27. November in der Geschichte

    Manche Daten scheinen wie zufällig aufgeladen – doch wer genauer hinschaut, erkennt Linien, Brüche und Wiederholungen. Der 27. November ist so ein Tag. Ein Datum, das politische Dramen, wissenschaftliche Pionierleistungen und tiefe menschliche Geschichten miteinander verwebt. In Frankreich, aber auch weit darüber hinaus.

    Beginnen wir mit einem Moment, der die Welt veränderte – auch wenn das an jenem Abend in Paris vermutlich kaum jemand ahnte.

    Der letzte Wille des Dynamit-Erfinders

    1895 saß Alfred Nobel in einem Pariser Hotelzimmer und setzte sein Testament auf. Kein gewöhnlicher Akt, sondern ein stiller Startschuss für eine weltumspannende Idee. Nobel, der durch die Erfindung des Dynamits zu Reichtum gekommen war, verfügte, dass sein Vermögen nach seinem Tod für Preise verwendet werden solle – für Menschen, die „der Menschheit den größten Nutzen erbracht“ hätten.

    Ein Akt, fast wie ein Versuch der Wiedergutmachung. Denn seine Erfindung war nicht nur im Tunnelbau ein Fortschritt – sie hatte auch das Gesicht der Kriegsführung verändert. Genau das wurde ihm bewusst, als ein französisches Blatt fälschlich seinen Tod meldete und titelte: „Der Tod des Kaufmanns des Todes“. Diese bittere Schlagzeile soll ihn wachgerüttelt haben.

    Was folgte, ist Geschichte: Die Nobelpreise entwickelten sich zu einer der höchsten Auszeichnungen für Wissenschaft, Frieden und Kultur weltweit. Heute noch werden sie jährlich in Stockholm und Oslo verliehen – und erinnern an jenes Testament, geschrieben an einem Novembertag in Paris.

    Toulon 1942: Die stolze Flotte geht unter – von eigener Hand

    Ein ganz anderes Kapitel schlug Frankreich am 27. November 1942 auf – und es war eines der dunkelsten.

    Mitten im Zweiten Weltkrieg rückte die deutsche Wehrmacht in die sogenannte „freie Zone“ Frankreichs ein, die bislang von Vichy-Frankreich kontrolliert worden war. Ihr Ziel: die französische Mittelmeerflotte in Toulon. Ein gewaltiges Bollwerk aus Kreuzern, Zerstörern, U-Booten – sie hätte das Kräfteverhältnis auf dem Meer verschieben können.

    Doch was geschah? Die Franzosen versenkten ihre eigene Flotte. 77 Schiffe wurden in den Hafenbecken gesprengt oder versenkt. Es war ein Akt der Verzweiflung, aber auch des Stolzes – um den Zugriff der Nazis auf das Flottenmaterial zu verhindern. Der Rauch über Toulon wurde zum Symbol für ein Land, das innerlich zerrissen war zwischen Kollaboration, Widerstand und Kapitulation.

    War es ein militärisches Desaster oder eine letzte heroische Tat? Historiker streiten bis heute darüber. Aber eines ist sicher: Frankreich verlor in diesen Stunden einen Großteil seiner Seemacht – nicht durch den Feind, sondern durch eigene Hand.

    Ein Gesicht, das die Medizin veränderte

    Springen wir in die jüngere Geschichte. Der 27. November 2005 markiert einen medizinischen Durchbruch, der nicht weniger bewegend ist – wenn auch auf andere Weise.

    In Amiens gelingt einem französischen Ärzteteam die erste erfolgreiche Teil-Gesichtstransplantation weltweit. Die Patientin war schwer verletzt, ihr Gesicht verstümmelt. Was bislang undenkbar schien, wurde durch moderne Chirurgie und immunsuppressive Therapien Wirklichkeit: Die Übertragung von Haut, Muskeln, Nerven, Gewebe – alles fein säuberlich verbunden.

    Es war ein Balanceakt zwischen Ethik, Technik und Hoffnung. Der Eingriff öffnete neue Türen für Menschen mit schwersten Verletzungen, etwa durch Tierbisse, Verbrennungen oder Unfälle. Zugleich begann eine gesellschaftliche Diskussion: Was macht Identität aus? Ist das neue Gesicht noch das eigene?

    Ein medizinischer Meilenstein – geboren aus Not, getragen von Mut und Können. Und wieder war es Frankreich, das an einem 27. November Weltgeschichte schrieb.

    Himmlische Visionen in Paris

    Auch auf geistiger Ebene hat dieses Datum Spuren hinterlassen. 1830 berichtet die junge Ordensfrau Catherine Labouré in Paris von einer Marienerscheinung. In ihrer Vision erhält sie das Bild einer Medaille, die später als „Wundertätige Medaille“ bekannt wird – ein rundes Schmuckstück, das Millionen Gläubige in aller Welt tragen.

    Ein religiöses Symbol, entstanden in einer Zeit des Umbruchs, der politischen Restauration und des sozialen Wandels. Es war eine Zeit, in der viele Menschen Trost und Halt in spirituellen Zeichen suchten – und genau das bot ihnen diese einfache Medaille.

    Und was machte sie so besonders? Laut Überlieferung soll sie nicht nur Trost spenden, sondern sogar Wunder bewirken. Gläubige berichteten von unerklärlichen Heilungen, von Geborgenheit in schweren Momenten. Die Medaille wurde schnell zu einem weltweiten Phänomen – bis heute.

    Und sonst so? Ein kleiner Blick über Frankreich hinaus

    Noch ein paar Daten aus aller Welt:

    • Am 27. November 1971 erreicht die sowjetische Sonde Mars 2 als erstes menschengemachtes Objekt den Mars – auch wenn die Landung missglückt.
    • 2001 stirbt der Ex-Beatle George Harrison – Millionen Fans weltweit gedenken ihm und seiner Musik.
    • Und 1978 entführt die italienische Mafia den Industriellen Pietro Costa – ein weiterer Baustein im Mosaik der blutigen „bleiernen Jahre“ Italiens.

    Wer also denkt, der 27. November sei nur irgendein Tag zwischen Advent und Jahresendspurt, der irrt gewaltig.

    Ein unscheinbares Datum – mit Nachhall bis heute

    Ob im Testamentszimmer eines schwedischen Erfinders, im Hafenbecken von Toulon, im OP-Saal in Amiens oder im Gebetsraum eines Pariser Klosters: Der 27. November hat sich auf vielfältige Weise ins kollektive Gedächtnis eingebrannt.

    Warum faszinieren uns solche Tage? Vielleicht, weil sie uns zeigen, dass Geschichte kein abstraktes Lehrbuch ist – sondern lebendige Erinnerung, aufgeladen mit Emotion, Entscheidung und oft auch Tragik.

    Denn am Ende sind es nicht nur Jahreszahlen, die zählen – sondern das, was sie ausgelöst haben. Und manchmal genügt ein Datum, um eine ganze Kette von Entwicklungen auszulösen. Der 27. November ist ein solches Datum.

  • Tod in der Abenddämmerung – Marseille erschüttert von tödlichen Schüssen auf 18-Jährigen

    Tod in der Abenddämmerung – Marseille erschüttert von tödlichen Schüssen auf 18-Jährigen

    Es war kurz nach 18 Uhr, die Schatten des Tages lagen bereits über den Straßen von Marseille, als in der Cité Bel Horizon plötzlich Schüsse fielen. Vier Einschläge – Brust, Rücken, Arme, Gesäß. Gezielt. Tödlich. Wenige Minuten später stand fest: Ein junger Mann ist tot. Achtzehn Jahre alt. Ein weiteres Opfer in einer Stadt, die mit jeder Patrone ein Stück Unschuld verliert. Der Tatort liegt unweit der Gare Saint-Charles, mitten im 3. Arrondissement, einem Stadtviertel, das schon lange als Brennpunkt gilt. Hier mischen sich Altbauten mit trister Tristesse, Hoffnung mit Frustration, Alltag mit Ausnahmezustand. Es ist kein Ort, der zur Ruhe kommt – eher ein Brennspiegel urbaner Verwerfungen. Die alarmierten Einsatzkräfte der Marins-Pompiers, Marseilles maritimen Feuerwehr, trafen nur wenige Minuten nach den Schüssen ein. Doch da war es schon zu spät. Die Kugeln hatten ganze Arbeit geleistet. Der junge Mann lag in einem Innenhof, reglos. Keine Reaktion mehr. Kein Puls. Kein Atemzug. Trotz …

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  • Wenn der Winter nach Wald duftet: Trüffelsaison in Sainte-Alvère eröffnet

    Wenn der Winter nach Wald duftet: Trüffelsaison in Sainte-Alvère eröffnet

    In Sainte-Alvère, mitten in der hügeligen Landschaft der Dordogne, beginnt die Saison nicht mit Schneefall oder Weihnachtsliedern – sondern mit einem ganz eigenen Klang: dem Läuten einer Glocke auf dem Wochenmarkt. Sie kündigt an, was viele hier sehnsüchtig erwarten – den ersten offiziellen Verkauf der schwarzen Trüffel des Jahres. Diesmal war der Auftakt besonders üppig: […]

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  • Kampf gegen den Felssturz: Wie die Alpen-Maritimes mit moderner Technik gegen die Natur ankämpfen

    Kampf gegen den Felssturz: Wie die Alpen-Maritimes mit moderner Technik gegen die Natur ankämpfen

    Ein schmaler Weg, drei Stunden täglich für den Verkehr geöffnet – und dahinter: der Kampf gegen die Zeit, gegen das Gestein, gegen die Unberechenbarkeit der Berge.

    In den südfranzösischen Alpen, genauer gesagt im Département Alpes-Maritimes, führt ein Felssturz zu erheblichen Einschränkungen im Straßenverkehr. Doch während sich Autofahrer in Geduld üben und mit Umleitungen arrangieren, arbeiten Spezialisten fieberhaft daran, die Strecke dauerhaft zu sichern. Es geht um mehr als nur Asphalt. Es geht um Vertrauen in die Technik – und ein bisschen auch ums Prinzip.


    Colette wartet. Eine Stunde früher als nötig steht sie da, vor der Sperre der Bergstraße, die nun nur noch dreimal täglich für jeweils eine Stunde freigegeben wird. „Lieber so, als dass mir ein Brocken aufs Auto fällt“, sagt sie trocken. Ein Satz, der in dieser Region nicht übertrieben klingt.

    Denn was sich kürzlich hier ereignete, hätte schlimmer enden können: Ein Felssturz donnerte in den sogenannten „Couloir d’avalanches“ – ein Abschnitt, der seit Jahrzehnten als Risikozone bekannt ist. Doch diesmal hielten die Schutzvorrichtungen stand. Ein wichtiger Moment für ein paar Stahlseile, Maschendraht und gut platzierte Dissipatoren.


    „Da sieht man es – der Pfosten ist komplett verbogen, die Dämpfer sind zerrissen, aber sie haben gehalten“, sagt Denis Huber, Chef des Unternehmens Garelli CUT. Seit zwanzig Jahren seien diese Netze dort installiert – und jetzt hätten sie ihre Feuertaufe bestanden.

    Doch auf diesem Erfolg will man sich nicht ausruhen. Im Gegenteil: Während Autofahrer mit Wartezeiten kämpfen, rollen Bagger an. Eine neue Fahrspur entsteht, um die Baustelle zu entlasten. „Die alte Trasse ist nicht mehr tragbar. Wir schaffen gerade eine neue, die fast fertig ist“, erklärt Pierre Mario von der Firma Valtinée. Ein Kraftakt im alpinen Gelände – aber einer, der sich lohnt.


    Die Natur hat ihre eigenen Pläne. Und der Mensch? Der lernt, sich anzupassen.

    Bis zu sechs Monate sollen die Arbeiten noch dauern. So lange wird der Hang weiter analysiert, werden neue Netze geplant, Winkel vermessen, Einschlagkräfte berechnet. Alles mit dem Ziel, das Risiko künftiger Felsstürze zu minimieren. Ein Drahtseilakt zwischen Vorsorge und Wiederherstellung.

    Für Berufstätige wie Cécile sind die Bauzeiten ein Balanceakt. „16 oder 17 Uhr – das ist einfach unpraktisch, wenn man arbeitet“, klagt sie. Doch wie so oft in den Bergen bleibt wenig Spielraum für Alternativen. Die Natur lässt nicht mit sich verhandeln – sie diktiert.


    Schon Ende nächster Woche soll die Straße wieder regulär befahrbar sein – zumindest vorübergehend. Ein kleiner Lichtblick für alle, die täglich pendeln, arbeiten, leben müssen – trotz der gewaltigen Kulisse, die nicht nur Postkartenmotive liefert, sondern mitunter auch tonnenschwere Probleme.

    Der Winter steht vor der Tür. Doch diesmal geht man vorbereitet in die kalte Jahreszeit. Dank Technik – und neuer Wege.

    Andreas M. Brucker

  • Kommentar: Ein Fest der Erinnerung – Was Weihnachtsmärkte für uns bedeuten

    Kommentar: Ein Fest der Erinnerung – Was Weihnachtsmärkte für uns bedeuten

    Es ist der erste Atemzug kalter Winterluft, der nach Zuckerwatte riecht und nach gebrannten Mandeln. Es ist das Glitzern der Lichterketten, das sich in Kinderaugen spiegelt – und in den Augen von Erwachsenen, die längst vergessen glaubten, wie sich kindliche Vorfreude anfühlt.

    Weihnachtsmärkte sind kein Event. Sie sind ein Gefühl.

    Ein Gefühl von Heimkehr, selbst wenn man nie weg war. Ein paar Schritte durch den festlich geschmückten Platz, und plötzlich ist man wieder fünf Jahre alt. Hält eine dampfende Tasse mit beiden Händen. Sieht zu dem riesigen Tannenbaum hoch, als wäre er der Mittelpunkt der Welt. Und vielleicht ist er das – zumindest für einen Moment.

    In einer Zeit, die uns oft zu viel abverlangt, in der alles schneller, lauter, greller wird, bieten Weihnachtsmärkte etwas, das unbezahlbar ist: Stille im Trubel. Wärme mitten im Frost. Nähe unter Fremden. Denn nirgendwo sonst rücken wir einander so selbstverständlich näher wie zwischen Glühweintassen und Lichterglanz. Ein Lächeln, ein „Frohe Weihnachten“ – und schon beginnt etwas zu leuchten, das keine Lichterkette ersetzen kann.

    Weihnachtsmärkte sind Erinnerungsmaschinen.

    Sie konservieren Düfte, Stimmen, Melodien. Ein altes Weihnachtslied, gespielt von einem Blechbläser-Ensemble auf dem Marktplatz – und plötzlich ist der geliebte Großvater wieder da. Der, der früher den besten Stollen buk. Der, der die Geschichten vom Christkind erzählte, bis man eingeschlafen war. Alles ist wieder da, nur für einen Augenblick – aber das genügt.

    Und ja, es gibt Kritik. An Kommerz, an Überfüllung, an Kitsch. Doch wer nur die Buden sieht, verpasst den Zauber dazwischen. Die leisen Gespräche. Das Staunen. Die Hände, die sich finden. Die Herzen, die einander erkennen, obwohl sie sich nie begegnet sind.

    Vielleicht brauchen wir Weihnachtsmärkte gerade deshalb so sehr. Weil sie uns daran erinnern, was wir sind – und was wir sein könnten: Menschen, die sich auf das Wesentliche besinnen. Auf Licht. Auf Liebe. Auf Hoffnung.

    Auf das, was bleibt, wenn alles andere vergeht.

    Ein Kommentar von C. Hatty

  • Strasbourg im Lichterkleid: Warum der Weihnachtsmarkt ein Muss ist

    Strasbourg im Lichterkleid: Warum der Weihnachtsmarkt ein Muss ist

    Es gibt Orte, die man einmal im Leben gesehen haben muss. Der Weihnachtsmarkt in Straßburg gehört zweifellos dazu. Wenn sich die engen Gassen der elsässischen Altstadt in ein Lichtermeer verwandeln, wenn der Duft von Glühwein und Zimtsternen durch die Straßen zieht und über der Place Kléber der große Weihnachtsbaum leuchtet wie ein nordischer Stern – dann beginnt im Herzen Europas eine der zauberhaftesten Zeiten des Jahres. Straßburg nennt sich in dieser Phase nicht ohne Grund selbstbewusst „Capitale de Noël“, Hauptstadt des Weihnachtsfestes. Die Eröffnung des traditionsreichen Weihnachtsmarktes, der seine Wurzeln bis ins Jahr 1570 zurückverfolgt, ist für Jeanne Barseghian, die grüne Bürgermeisterin der Stadt, ein Ereignis von beinahe sakralem Charakter. „Man arbeitet das ganze Jahr über darauf hin“, sagt sie im Interview mit dem Sender FranceInfo. Kein Wunder – dieser Markt ist nicht bloß ein Fest der Sinne, sondern auch ein logistisches Großprojekt, das jedes Jahr rund 3,4 Millionen …

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  • Frankreichs Militärmacht im Wandel – Verteidigung zwischen Anspruch und Realität

    Frankreichs Militärmacht im Wandel – Verteidigung zwischen Anspruch und Realität

    Frankreich versteht sich traditionell als militärische Großmacht Europas. Auch 2025 untermauert Paris diesen Anspruch: Mit einer weltweit präsenten Armee, atomarer Abschreckung und modernen Streitkräften gilt das Land als strategischer Eckpfeiler europäischer Sicherheit. Doch die sicherheitspolitische Lage ist im Wandel – und Frankreichs Verteidigungsapparat steht vor strukturellen wie konzeptionellen Prüfsteinen. Mit der aktuellen Aufstockung des Militärbudgets, einer Neuausrichtung der Streitkräfte und ambitionierten Planungen für das kommende Jahrzehnt will die französische Regierung die militärische Handlungsfähigkeit sichern – national wie international. Der Blick auf Zahlen, Strukturen und Strategien zeigt: Frankreich bleibt eine der wenigen europäischen Nationen mit globalem Gestaltungsanspruch – doch dieser ist zunehmend kostenintensiv und komplex. Aufrüstung mit Augenmaß – das Budget als strategisches Signal Im Haushaltsjahr 2025 beläuft sich der französische Verteidigungsetat…

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  • Frankreichs Medien rufen: Freiheit für Christophe Gleizes!

    Frankreichs Medien rufen: Freiheit für Christophe Gleizes!

    Ein Land, das Journalisten verurteilt, weil sie Fragen stellen, gerät mit Recht ins Zwielicht. Und wenn über 300 Medienhäuser eines anderen Landes unisono protestieren, ist das kein Routinevorgang, sondern ein deutliches Signal. Seit dem 26. November 2025 fordern Frankreichs bedeutendste Publikationen mit einer gemeinsamen Erklärung die sofortige Freilassung von Christophe Gleizes, einem französischen Journalisten, der in Algerien zu sieben Jahren Haft verurteilt wurde – wegen Interviews, wegen Kontakten, wegen seiner Arbeit.

    Gleizes, freier Reporter unter anderem für die Magazine So Foot und Society, wurde am 28. Mai 2024 bei Recherchen zum Fußballverein JS Kabylie in der gleichnamigen Region festgenommen. Der Vorwurf: Verbindungen zu einem Funktionär des Vereins, der wiederum dem makelbehafteten Mouvement pour l’autodétermination de la Kabylie (MAK) nahestehen soll – einer Bewegung, die Algeriens Regierung als terroristisch einstuft. Der Journalist habe, so das Gericht in Tizi-Ouzou, „Terrorismus verherrlicht“ und Propagandamaterial besessen, das dem nationalen Interesse schade.

    Der Richterspruch vom 29. Juni 2025 stieß auf breite Empörung – in Frankreich, aber auch in Teilen der internationalen Öffentlichkeit. Die Stimmen der Solidarität argumentieren, dass Gleizes kein Verbrechen begangen habe, sondern schlicht seinem Beruf nachging. Journalismus sei kein Komplizentum, sondern Kontrolle. Kritik. Chronistenpflicht.

    Es sind gewichtige Stimmen, die sich für Gleizes erheben: Neben etablierten Zeitungen wie Le Monde, Libération, Le Figaro oder Ouest-France haben sich auch 16 Journalistenschulen organisiert. Sie lesen öffentlich aus seinen Texten, sie protestieren, sie schreiben offene Briefe. Fußballvereine wie OGC Nizza oder der Paris FC haben sich angeschlossen – ebenso wie Persönlichkeiten aus Kultur und Gesellschaft.

    Der koordinierte Appell der Medien ist außergewöhnlich. In Frankreichs Pressegeschichte gab es kaum vergleichbare Aktionen. Was hier zusammenkommt, ist mehr als kollegiale Fürsprache – es ist ein kollektiver Aufschrei. Einer, der sich nicht nur auf die Biographie eines einzelnen Journalisten bezieht, sondern auf die Grundfrage: Dürfen Staaten Journalisten einsperren, weil ihnen deren Fragen unbequem sind?

    Die Antwort, die Frankreichs Redaktionen geben, ist deutlich: Nein. Nicht in einem freien Staat. Nicht unter dem Vorwand der Sicherheit. Nicht, wenn die Recherche – und sei sie noch so heikel – im professionellen Rahmen bleibt.

    Natürlich ist die Lage komplex. Natürlich sind die Beziehungen zwischen Paris und Algier derzeit angespannt, diplomatisch fragil. Aber genau in solchen Momenten zeigt sich, ob Prinzipien wie Pressefreiheit Substanz haben – oder nur Floskeln auf Konferenzen sind. Die Medien betonen: Solche geopolitischen Verwerfungen dürfen nie dazu führen, dass Journalist:innen zu Bauern auf dem Schachbrett der Diplomatie degradiert werden.

    Die Hoffnung auf eine Wende nährt sich derweil aus einem anderen Fall: Anfang November wurde der in Algerien inhaftierte Schriftsteller Boualem Sansal, ebenfalls mit französischem Pass, überraschend begnadigt. Viele deuten dies als mögliches Zeichen der Entspannung – und hoffen auf einen ähnlichen Akt der Gnade für Gleizes.

    Bis zum 3. Dezember bleibt wenig Zeit – an diesem Tag soll in Tizi-Ouzou das Berufungsverfahren beginnen. Die Forderungen der Unterstützer sind klar: Ein faires Verfahren. Ein transparenter Prozess. Und vor allem: Freiheit für einen Journalisten, der nichts getan hat, außer unbequeme Fragen zu stellen.

    Denn in Wahrheit geht es nicht nur um Christophe Gleizes.

    Es geht um das Recht, zu recherchieren, zu dokumentieren, zu widersprechen.

    Es geht um den Schutz all jener, die tagtäglich an der Frontlinie der Information stehen – in Diktaturen wie in Demokratien.

    Und es geht um das Signal, das von diesem Fall ausgeht: Wird Gleizes freigelassen, wäre das ein Sieg für die Pressefreiheit. Bleibt er in Haft, ist es ein Menetekel.

    Autor: Andreas M. Brucker

  • Tiere hinter Gittern – und im Stich gelassen: Behörden räumen Wildpark in Montredon-Labessonnié

    Tiere hinter Gittern – und im Stich gelassen: Behörden räumen Wildpark in Montredon-Labessonnié

    Was bleibt von einem Ort, der einst seine Besucher faszinieren wollte – und am Ende nur Entsetzen hinterlässt? Im Tarn, einem ländlich geprägten Département im Süden Frankreichs, wurde in dieser Woche ein düsteres Kapitel tierschutzrechtlicher Versäumnisse geschlossen. 24 Tiere, darunter eine Tigerdame, zwei Wölfe, ein Otter, ein Karakal (eine mittelgroße Wildkatze, die vor allem in Afrika und Teilen Asiens heimisch ist – bekannt für ihre charakteristischen langen, schwarzen Ohrpinsel) und sage und schreibe 19 Waschbären, wurden aus dem ehemaligen Wildpark „Les Trois Vallées“ evakuiert – allesamt in einem Zustand, der den Verantwortlichen keine Wahl ließ. Der Ort: ein verwaistes Tiergehege bei Montredon-Labessonnié. Die Lage: alarmierend. Schon Anfang September hatten Kontrollbehörden bei einer unangekündigten Inspektion festgestellt, was man auf den ersten Blick kaum glauben möchte: Lebensräume, die diesen Namen nicht verdienen. Zerfallene Gitter, spitze Metallteile, ungesicherte Ausl…

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  • Rückhaltlos verurteilt: Was die endgültige Strafentscheidung gegen Nicolas Sarkozy bedeutet

    Rückhaltlos verurteilt: Was die endgültige Strafentscheidung gegen Nicolas Sarkozy bedeutet

    Der französische Kassationsgerichtshof hat am 26. November 2025 das letzte Wort gesprochen: Die Verurteilung von Nicolas Sarkozy wegen illegaler Wahlkampffinanzierung im Rahmen der sogenannten Affäre Bygmalion ist nun rechtskräftig. Zum zweiten Mal innerhalb weniger Jahre wird damit ein ehemaliger Präsident der Fünften Republik strafrechtlich belangt – mit weitreichenden Folgen für das politische Selbstverständnis Frankreichs. Die Affäre, die seit Jahren ihre Schatten auf die französische Politik wirft, bietet nicht nur Einblicke in das Innenleben eines überdrehten Präsidentschaftswahlkampfs, sondern verweist auch auf strukturelle Schwächen der politischen Kultur der V. Republik: mangelnde Kontrolle, Nähe zwischen Partei und Dienstleister – und eine erstaunliche Risikobereitschaft aufseiten höchster Amtsträger.

    Ein teurer Wahlkampf und ein illegales System Im Zentrum der Bygmalion-Affäre steht der Präsidentschaftswahlkampf von 2012, bei dem Nicolas Sarkozy um eine zweite Amtszeit kämp…

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