Schlagwort: Nachrichten Frankreich

  • Ein Schuss im Schatten der Macchia – Der gewaltsame Tod von Alain Orsoni erschüttert Korsika

    Ein Schuss im Schatten der Macchia – Der gewaltsame Tod von Alain Orsoni erschüttert Korsika

    Der Mord an Alain Orsoni, einer der schillerndsten und umstrittensten Figuren des korsischen Nationalismus, hat Frankreich aufgerüttelt. Der ehemalige Separatistenführer wurde am 12. Januar 2026 auf dem Friedhof von Vero, einem kleinen Ort in der Nähe von Ajaccio, während der Beerdigung seiner Mutter von einem Scharfschützen erschossen. Die Tat ist nicht nur eine menschliche Tragödie, sondern wirft erneut ein grelles Licht auf die unbewältigte Geschichte politischer Gewalt auf der französischen Mittelmeerinsel – und auf die fragilen Grenzverläufe zwischen Idealismus, Loyalität und organisierter Kriminalität.

    Ein Präzisionsschuss im Moment der Trauer Die Szene gleicht einem düsteren Drehbuch: Dutzende Trauergäste versammeln sich auf dem Friedhof von Vero, als plötzlich ein einzelner Schuss durch die Stille des Nachmittags bricht. Alain Orsoni, 71, wird tödlich getroffen – nach ersten Erkenntnissen von einem Scharfschützen, der sich in den umliegenden Höhenlagen des Macchia-Gebüschs pos…

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  • Protest auf Rädern: Französische Landwirte demonstrieren in Paris gegen Freihandel und Agrarpolitik

    Protest auf Rädern: Französische Landwirte demonstrieren in Paris gegen Freihandel und Agrarpolitik

    Am 13. Januar 2026 wird Paris erneut zum Schauplatz einer massiven landwirtschaftlichen Protestbewegung. Rund 350 Traktoren blockieren zentrale Verkehrsachsen der Hauptstadt, begleitet von hunderten Bäuerinnen und Bauern, die ihrem Frust über die Agrarpolitik Luft machten. Es ist nicht die erste Kundgebung dieser Art – wohl aber eine der symbolträchtigsten seit Beginn der Protestwelle im Jahr 2024. Die Demonstration verläuft bisher friedlich, der Verkehr in der Pariser Innenstadt ist aber zeitweise erheblich eingeschränkt. Die Polizeipräfektur hatte sich auf den Andrang vorbereitet und begleitet den Zug mit einem Großaufgebot an Einsatzkräften. Angeführt wird die Protestaktion von den beiden größten Bauernverbänden des Landes: der FNSEA (Fédération nationale des syndicats d’exploitants agricoles) sowie den Jeunes Agriculteurs. Beide rufen seit Monaten zur politischen Mobilisierung auf – regional, national, europäisch. Freihandel unter Beschuss: Der Mercosur-Vertrag als Auslöser Im Zent…

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  • Iran bereitet sich auf mögliche Konfrontation vor, signalisiert aber Verhandlungsbereitschaft

    Iran bereitet sich auf mögliche Konfrontation vor, signalisiert aber Verhandlungsbereitschaft

    Die Spannungen zwischen den Vereinigten Staaten und dem Iran haben erneut eine besorgniserregende Ebene erreicht. Nachdem Präsident Donald Trump von möglichen „sehr starken Optionen“ sprach, um auf die harten Repressionsmaßnahmen der iranischen Behörden gegenüber den Antiregierungsprotesten zu reagieren, hat der Iran seine Kriegsbereitschaft betont, gleichzeitig aber auch die Bereitschaft zu Verhandlungen signalisiert. Diese jüngsten Entwicklungen werfen wichtige Fragen über die zukünftigen diplomatischen und militärischen Wege, die beide Nationen einschlagen könnten, auf.

    In den letzten Wochen haben sich die Anti-Regierungsproteste im Iran intensiviert, ausgelöst durch die wachsende Unzufriedenheit der Bevölkerung mit wirtschaftlichen Schwierigkeiten und politischer Unterdrückung. Die Antwort des iranischen Regimes war bisher durch eine erhöhte Repressionspolitik gekennzeichnet. Trotz der Drohungen aus Washington besteht Teheran darauf, dass es sich auf jedes militärische Eingreifen vorbereitet hat, jedoch zeigt sich das Land offen für diplomatische Lösungen, um weitere Konflikte zu vermeiden.

    Die internationalen Reaktionen auf diese Ankündigungen waren gemischt. Während einige Staaten die Bereitschaft Irans zu Verhandlungen begrüßen, sehen andere in der militärischen Rhetorik eine mögliche Eskalation der Spannungen in der Region. Die globale Gemeinschaft bleibt in Alarmbereitschaft, da jede Fehlkalkulation zu einem weiteren Konflikt im Nahen Osten führen könnte.

    Experten betonen die Notwendigkeit einer sorgfältigen diplomatischen Herangehensweise. Die kommenden Wochen werden zeigen, ob die internationalen Vermittlungsbemühungen Früchte tragen oder ob die Spannungen in eine offene Konfrontation übergehen.


    Zerstörung nach der Waffenruhe: Israels reisst systematische Häuser im Gazastreifen ab

    Mehr als zwei Monate sind vergangen, seit Israel und die Hamas eine Waffenruhe vereinbart haben – ein Abkommen, das Hoffnung auf Erholung nach zwei Jahren intensiver Bombardierungen in Gaza weckte. Doch statt Wiederaufbau zu ermöglichen, geht die Zerstörung weiter. Seit Inkrafttreten der Waffenruhe hat Israel über 2.500 Gebäude im Gazastreifen abgerissen – viele davon systematisch, Block für Block.

    Eine Karte der Verwüstung

    Die räumliche Verteilung der Zerstörungen lässt auf ein strategisches Vorgehen schließen. Die meisten betroffenen Gebäude befinden sich in einem Korridor entlang der sogenannten „Gelben Zone“, einem Gebiet, das israelische Streitkräfte während der Kämpfe besetzt hatten und weiterhin kontrollieren. Doch auch jenseits dieser Zone, die eigentlich außerhalb des vereinbarten Operationsraums liegt, sind zahlreiche Abrisse dokumentiert.

    Satellitenbilder zeigen ein präzises, planmäßiges Vorgehen: Straßenzüge werden geräumt, ganze Stadtviertel dem Erdboden gleichgemacht. Dabei handelt es sich nicht um vereinzelte Häuser, sondern um umfassende urbane Abräumaktionen, die ganze Wohngebiete betreffen.

    Zwischen Sicherheitslogik und territorialer Realität

    Israel rechtfertigt die Zerstörungen mit dem Argument der Entmilitarisierung. Häuser würden abgerissen, weil sie mit Sprengfallen versehen oder über unterirdische Tunnel mit der militärischen Infrastruktur der Hamas verbunden seien. Die Demolierungen seien notwendig, um langfristige Sicherheit zu garantieren und Rückzugsräume der Hamas nachhaltig zu eliminieren.

    Doch ehemalige Militärangehörige und unabhängige Analysten äußern Zweifel an der Verhältnismäßigkeit dieser Maßnahmen. Ein früherer israelischer Kommandeur, der in den 1990er Jahren im Gazastreifen stationiert war, sprach von „absoluter Zerstörung“, nicht von gezieltem Vorgehen. Es gehe, so der Vorwurf, weniger um punktuelle Sicherheitsmaßnahmen als um die gezielte physische Veränderung des Territoriums – ein „Kahlschlag“ urbaner Struktur.

    Folgen für die palästinensische Zivilbevölkerung

    Für die palästinensische Bevölkerung in Gaza ist der fortgesetzte Abriss eine doppelte Katastrophe. Nach Jahren der Zerstörung und Isolation schien die Waffenruhe zunächst eine Rückkehr zur Normalität zu ermöglichen. Doch mit jedem abgerissenen Gebäude schwindet die Hoffnung auf ein Leben in den eigenen vier Wänden, auf Schulwege, Nachbarschaften, funktionierende Infrastrukturen.

    Vor allem im dicht besiedelten Osten Gazas, etwa in Vierteln wie Shujaiya, sind auf aktuellen Aufnahmen große Wohngebiete verschwunden. Die Trümmer zeugen von einer Vergangenheit, die sich nicht mehr rekonstruieren lässt – zumindest nicht unter den gegenwärtigen Bedingungen. Es entsteht der Eindruck, dass nicht nur gegen eine militärische Bedrohung, sondern auch gegen die Rückkehrfähigkeit der palästinensischen Zivilgesellschaft vorgegangen wird.

    Politische Dynamik und offene Fragen

    Der fortgesetzte Abriss wirft grundlegende Fragen auf: Kann eine Waffenruhe glaubwürdig sein, wenn sie nicht mit einem Ende der Zerstörung einhergeht? Welche Perspektiven bleiben für den Wiederaufbau, wenn neue Flächen für potenzielle Bebauung systematisch unbewohnbar gemacht werden? Und inwieweit verändert die fortlaufende Demolierung die politischen und territorialen Realitäten für eine künftige Lösung des Konflikts?

    Während internationale Vermittler weiter um einen nachhaltigen Frieden ringen, schafft die physische Realität vor Ort neue Fakten – nicht auf dem Papier, sondern im Gelände. Der Gazastreifen verändert sich: weniger durch Wiederaufbau, als durch kontrollierte Auslöschung bestehender Strukturen. Die Waffen mögen schweigen, doch die Landschaft selbst spricht eine unmissverständliche Sprache.


    Weitere Nachrichten

    – Russische Raketen versagen in Venezuela während eines US-Angriffs.
    Großbritannien untersucht Elon Musks Unternehmen X wegen sexualisierter AI-Bilder.
    – US-amerikanischer Botschafter in Indien bietet Hoffnung trotz angespannter Beziehungen.
    Schweiz: Barbesitzer nach Tragödie mit 40 Toten in Haft.
    Syrischer Wanderverein entdeckt das Land neu nach dem Bürgerkrieg.
    USA greifen Boot mit Flugzeug an, das wie ein Zivilflugzeug aussah.
    – Globale Kosten bei Manipulation der Federal Reserve durch Trump.
    – Archäologen entdecken große römische Villa unter einem Hirschpark in Wales.
    Venezuela entlässt weitere 24 politische Gefangene, sagt Menschenrechtsgruppe.
    Europa und China unternehmen Schritte zur Beilegung des Streits über Elektrofahrzeuge.

    Von Andreas Brucker

  • Der Traum vom Baguette – warum Frankreichs Bäcker ihtren deutschen Kollegen etwas voraus haben

    Der Traum vom Baguette – warum Frankreichs Bäcker ihtren deutschen Kollegen etwas voraus haben

    Leserfrage:Im Frankreichurlaub war das Aufstehen schon etwas Schönes, man – oder ich – konnte es kaum erwarten, in der Boulangerie mein Baguette zu kaufen. Dieses knusprige, leckere, in verschiedenen Sorten zu bekommende Baguette ist einfach ein Traum. In deutschen Bäckereien gähnende Langeweile, alles und überall die gleichen Fabrikartikel. Und in Deutschland kann man einfach kein Baguette. Und überall die gleichen Plunder landauf, landab. Meine Frage lautet: Werden die Bäckereien vom Staat gef…

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  • Warum in Frankreich die Eier knapp werden – ein Blick hinter die Regale

    Warum in Frankreich die Eier knapp werden – ein Blick hinter die Regale

    Die Regale sind leer, die Nachfrage ungebrochen: In Frankreich verschärft sich seit Monaten eine handfeste Versorgungskrise – betroffen ist ausgerechnet eines der alltäglichsten Lebensmittel: das Ei. Was auf den ersten Blick wie ein banales Versorgungsproblem erscheint, entpuppt sich bei genauerem Hinsehen als Ausdruck einer komplexen Gemengelage aus strukturellem Wandel, Konsumverhalten und klimatischen Störungen.

    Ein Alltagsgut wird zur Mangelware Die leeren Eierregale, die französische Verbraucherinnen und Verbraucher seit Ende 2025 zunehmend vorfinden, sind kein kurzzeitiger Ausrutscher logistischer Abläufe. Vielmehr spiegelt sich darin ein anhaltendes Missverhältnis zwischen Nachfrage und Angebot wider. Bereits im Jahr 2024 wurden pro Kopf über 220 Eier konsumiert – Tendenz steigend. Das entspricht einem Mehrbedarf von rund 300 Millionen Eiern pro Jahr. Ein bedeutender Teil dieser Zunahme ist auf einen veränderten Ernährungsstil zurückzuführen: Eier gelten als preisgünstige, prot…

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  • Schüsse auf der Weide – Viehdiebstahl und tote Schafe erschüttern einen Hof im Departement Mayenne

    Schüsse auf der Weide – Viehdiebstahl und tote Schafe erschüttern einen Hof im Departement Mayenne

    Es ist ein Bild, das selbst hartgesottenen Landwirten den Magen umdreht. Tote Schafe auf der Weide, Blut im Gras, dazu das Fehlen ganzer Würfe von Lämmern. In der kleinen Gemeinde Gennes-Longuefuye im Süden des Départements Mayenne sind Züchter Opfer eines Vorfalls geworden, der sprachlos macht. Als das Ehepaar Anfang der Woche seine Tiere kontrollieren wollte, stieß es auf vier tote Mutterschafe. Zwei weitere waren schwer verletzt und verendeten wenig später. Beim Wenden eines Kadavers entdeckte der Züchter eine auffällige Wunde an der Schulter. Kein Riss, kein Unfall. Eher ein Einschuss. Kurz darauf fanden sich weitere Hinweise: Einschusslöcher, eine Patronenhülse, dazu Bissspuren an mehreren Tieren. Parallel dazu fehlten 17 Lämmer – spurlos verschwunden. Die Staatsanwaltschaft in Laval bestätigte die Aufnahme von Ermittlungen. Untersucht wird nicht nur der Diebstahl, sondern auch die genaue Todesursache der Tiere. Der Verdacht: Schüsse aus einer Feuerwaffe. Für einen landwirtschaftl…

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  • SNCF-Streik am Dienstag: Zwischen Normalbetrieb und wachsendem Druck auf die Bahnführung

    SNCF-Streik am Dienstag: Zwischen Normalbetrieb und wachsendem Druck auf die Bahnführung

    Trotz eines landesweiten Streikaufrufs der Gewerkschaften CGT-Cheminots und SUD-Rail rechnet die SNCF am Dienstag, dem 13. Januar, mit einem weitgehend normalen Bahnverkehr. Doch hinter der nüchternen Meldung verbirgt sich eine tiefere soziale Spannung: Die Forderungen nach höheren Löhnen, besseren Arbeitsbedingungen und mehr Personal treffen auf eine Bahnführung, die sich auf den Abschluss der jährlichen Lohnverhandlungen zubewegt – unter dem wachsenden Druck ihrer Belegschaft.

    Fast normaler Betrieb – zumindest auf dem Papier

    Laut Mitteilung der SNCF vom Sonntag werde der Verkehr auf den TGV- und Intercités-Strecken planmäßig verlaufen. Auch bei den Regionalzügen (TER) sei mit „quasi normalem Betrieb“ zu rechnen, mit vereinzelten Einschränkungen lediglich in den Regionen Okzitanien und Île-de-France. Ein Szenario, das für Bahnreisende zunächst beruhigend klingt – aber nicht darüber hinwegtäuschen sollte, dass sich die Proteste in einem zentralen Moment der tarifpolitischen Verhandlungen formieren.

    Die Arbeitsniederlegung fällt bewusst auf das Finale der jährlichen verpflichtenden Lohnverhandlungen („négociations annuelles obligatoires“, NAO), deren Ausgang Signalwirkung für die gesamte Branche haben dürfte. Zwar hatte die SNCF-Führung im Dezember eine Sonderprämie an die Belegschaft ausgezahlt, doch sowohl CGT-Cheminots als auch SUD-Rail sehen darin lediglich ein symbolisches Entgegenkommen.

    Forderungen nach Kaufkraftausgleich und strukturellen Reformen

    In einem am 9. Januar veröffentlichten Flugblatt forderte die CGT eine allgemeine Gehaltserhöhung von 12 % sowie ein 13. Monatsgehalt für alle Beschäftigten. Daneben beklagt die Gewerkschaft den strukturellen Personalmangel sowie eine fortschreitende Verschlechterung der Arbeitsbedingungen. Dies betrifft insbesondere die steigende Arbeitsbelastung und eine „unzumutbare Flexibilisierung“ der Tätigkeiten.

    Auch SUD-Rail greift die Thematik auf und fordert pauschal 400 Euro mehr Grundgehalt für sämtliche Beschäftigte. Die Gewerkschaft argumentiert mit einer zunehmenden Vielseitigkeit der Aufgaben und einem wachsendem Druck durch permanente Umstrukturierungen innerhalb des Konzerns. Nach Einschätzung der Gewerkschaft sei es „höchste Zeit für eine echte Revalorisierung“ der Berufsbilder bei der SNCF – sowohl finanziell als auch strukturell.

    Der strukturelle Kontext: Zwischen Marktöffnung und Personalkrise

    Die aktuellen Forderungen lassen sich nicht losgelöst vom übergeordneten Kontext interpretieren. Die SNCF befindet sich in einem doppelten Spannungsfeld: Zum einen schreitet seit 2020 die schrittweise Marktöffnung des französischen Bahnverkehrs im Rahmen der EU-Vorgaben voran – ein Prozess, der zusätzliche Effizienzgewinne, aber auch wachsenden Kostendruck erzeugt. Zum anderen kämpft die SNCF intern mit Nachwuchsproblemen: 2025 blieben laut Angaben des Unternehmens rund 4 000 Stellen unbesetzt, besonders im Bereich der Lokführer, Instandhaltung und Sicherheit.

    Auch der demographische Wandel spielt eine Rolle: Der Altersdurchschnitt der Belegschaft liegt derzeit bei über 45 Jahren, viele erfahrene Fachkräfte stehen kurz vor dem Ruhestand. Ohne gezielte Nachwuchsprogramme droht in den kommenden Jahren eine Verstärkung des Personalengpasses – und damit auch ein weiterer Druck auf die verbliebenen Mitarbeitenden.

    Sozialpartnerschaft auf dem Prüfstand

    Für die SNCF-Führung unter Generaldirektor Jean-Pierre Farandou ist die aktuelle Situation heikel. Einerseits muss sie den wirtschaftlichen Zwängen der Bahnreform und den Erwartungen der Regierung gerecht werden, insbesondere im Hinblick auf die Schuldenreduktion des Konzerns. Andererseits droht ohne ein Entgegenkommen gegenüber den Gewerkschaften eine wachsende soziale Erosion innerhalb des Unternehmens.

    Dass der jetzige Streikaufruf nicht in einem flächendeckenden Stillstand mündet, darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass sich an der Basis Unmut aufbaut. Auch in anderen Sektoren – etwa bei der RATP oder im öffentlichen Dienst – mehren sich die Stimmen, die für 2026 eine stärkere gewerkschaftliche Mobilisierung prognostizieren. In diesem Licht betrachtet erscheint der 13. Januar als ein Testlauf: für die Gewerkschaften ebenso wie für die SNCF.

    Sollte es zu keiner substantiellen Einigung bei den laufenden Verhandlungen kommen, ist mit weiteren – und möglicherweise disruptiveren – Protestaktionen in den kommenden Monaten zu rechnen. Die Gewerkschaften haben bereits signalisiert, dass sie zu einer „langfristigen Mobilisierung“ bereit seien, sollte die Bahnführung keine grundlegenden Zugeständnisse machen.

    Der 13. Januar wird also weniger durch den unmittelbaren Effekt auf den Fahrplan in Erinnerung bleiben als durch seine Rolle als Indikator für die künftige Konfliktlage im französischen Bahnsektor. Die Weichen für ein schwieriges Jahr sind gestellt.

    Autor: P. Tiko

  • „Lieber unter Dänen als unter Amerikanern“ – In Nuuk wächst der Widerstand gegen Trumps Drohungen

    „Lieber unter Dänen als unter Amerikanern“ – In Nuuk wächst der Widerstand gegen Trumps Drohungen

    Donald Trumps wiederholte Ankündigung, sich den Besitz über Grönland sichern zu wollen, versetzt die Bevölkerung der arktischen Insel zunehmend in Alarmbereitschaft. In Nuuk, der Hauptstadt des autonomen dänischen Territoriums, wächst der Unmut – nicht nur gegen Washington, sondern auch gegen die kolonialen Altlasten der dänischen Herrschaft.


    Ein geopolitischer Vorstoß mit kolonialem Nachhall

    Seit seiner Rückkehr ins Weiße Haus Anfang 2025 hat Donald Trump seinen lange gehegten Plan wiederbelebt: die USA sollen sich Grönland einverleiben – aus geopolitischen und wirtschaftlichen Interessen. Was 2019 noch als bizarre Randnotiz internationaler Politik galt, hat sich 2026 zu einem ernsthaften Konfliktpotenzial zwischen den USA, Dänemark und der NATO entwickelt. Trumps jüngste Äußerung, man werde „zur Not mit Gewalt“ handeln, falls Grönland nicht freiwillig amerikanisch werde, hat in Europa diplomatische Schockwellen ausgelöst.

    Doch besonders in Grönland selbst ist der Aufruhr spürbar. Die Inuit, die etwa 88 % der rund 56 000 Einwohner stellen, sehen sich nicht nur von Washington bedroht, sondern blicken auch mit wachsender Skepsis auf ihre jahrhundertelange Abhängigkeit von Kopenhagen. Zwischen geopolitischem Kalkül und kolonialem Erbe steht eine Gesellschaft, die zunehmend nach Selbstbestimmung strebt.


    Die strategische Bedeutung Grönlands – und die Angst vor Ausverkauf

    Grönland ist reich an unerschlossenen Rohstoffen – insbesondere seltenen Erden – und liegt geostrategisch günstig zwischen Nordamerika und Europa. In einer Welt zunehmender arktischer Aufrüstung und angesichts des globalen Wettlaufs um Ressourcen gilt die Insel als Schlüsselregion. Die USA unterhalten bereits heute einen wichtigen Militärstützpunkt in Thule. Doch Trump will mehr: Kontrolle über Bodenschätze, Einfluss auf Handelsrouten, und eine symbolische Machtdemonstration im Hohen Norden.

    In Nuuk ruft das massive Widerstand hervor. Der 26-jährige Touristenführer Lucas, der mit seinem Kollegen Marc in einer Bar über die Lage spricht, bringt es auf den Punkt: „Was mich beunruhigt, ist, dass Trump unsere seltenen Erden will. Wenn er sich die schnappt, zerstört er die Natur – und für uns Grönländer ist die Natur unser Gott.“

    Diese Sorge vor ökologischer Verwüstung geht Hand in Hand mit einem tiefen Misstrauen gegenüber externer Kontrolle. „Vielleicht sind wir eines Tages unabhängig“, sagt Marc, „aber heute brauchen wir das dänische Geld und den Schutz der NATO.“ Zwischen Notwendigkeit und Wunsch nach Autonomie bleibt die Realität: Grönland ist wirtschaftlich fragil und militärisch schutzbedürftig.


    Koloniale Wunden, die nicht heilen

    Doch nicht nur die USA stoßen auf Ablehnung. Auch das Verhältnis zum dänischen Mutterland ist belastet. Die Erinnerung an Zwangsassimilation, soziale Vernachlässigung und systematische Unterdrückung prägt bis heute das kollektive Gedächtnis der Inuit. Besonders das Trauma der Zwangssterilisation von Inuit-Frauen in den 1960er- und 70er-Jahren wirkt nach. Rund 4 000 Frauen waren betroffen – darunter zwei Tanten von Sophie, einer Ladenbesitzerin in Nuuk. „Sie konnten nie Kinder bekommen. Das macht mich bis heute traurig“, sagt sie.

    Sophie, die in ihrem Souvenirgeschäft Tupilaqs – traditionelle Amulette zum Schutz vor bösen Geistern – verkauft, sagt es unverblümt: „Dieses Ding schützt euch vor diesem Teufel Trump und der dänischen Regierung.“ Ihr Groll richtet sich in beide Richtungen. Zwar dominiert Dänemark Grönlands Wirtschaft weiterhin, doch Reichtum und Entscheidungsgewalt bleiben in der Regel außerhalb der Insel. „Die Unternehmen hier gehören Dänen, nicht Grönländern“, stellt sie fest – eine Beobachtung, die viele teilen.


    Zwischen Blockkonflikt und Identitätsfindung

    Die politische Führung Grönlands versucht, inmitten des neuen Kalten Krieges im Arktischen Raum einen Weg zu finden. Der 75-jährige Per Berthelsen, Mitgründer der grönländischen Demokraten und Doyen des Landesparlaments, mahnt zur Besonnenheit: „Wir wollen Grönländer sein. Aber wir dürfen nicht nur zurückschauen. Wir müssen nach Wegen suchen, alle Interessen friedlich unter einen Hut zu bringen.“

    Was Berthelsen diplomatisch formuliert, spiegelt eine Realität wider, die sich nicht leicht auflösen lässt: Die geopolitischen Interessen der Großmächte – USA, Russland, China – kollidieren im Eismeer. Grönland steht dazwischen, mit einem Fuß in der dänischen Krone und dem anderen in einer möglichen, aber fernen Unabhängigkeit. Während Washington mit Drohungen operiert, stellt sich die Frage, wie belastbar die Verteidigungsgarantien der NATO sind – und ob die westliche Staatengemeinschaft bereit ist, Grönlands Selbstbestimmungsrecht ernst zu nehmen.

    Am Ende bleiben die Stimmen derjenigen, die auf der Insel leben: „Ich will nicht dänisch oder amerikanisch sein“, sagt Sophie. „Ich will einfach nur grönländisch sein.“ In einem geopolitischen Schachspiel, das weit über Nuuk hinaus reicht, ist das ein Satz, der sowohl trotzig als auch verletzlich klingt. Und der zeigt, dass der Wunsch nach Souveränität nicht zwangsläufig auf militärischer Stärke, sondern auf Identität, Erinnerung und Würde beruht.

    Autor: Andreas M. Brucker

  • Brandnacht von Crans-Montana: Untersuchungshaft, noch viele offene Fragen und ein Dorf unter Schock

    Brandnacht von Crans-Montana: Untersuchungshaft, noch viele offene Fragen und ein Dorf unter Schock

    Es sind diese Nächte, die sich in das kollektive Gedächtnis eines Ortes brennen. Crans-Montana, sonst Synonym für Wintersonne, mondäne Chalets und sportliche Eleganz, verbindet den Jahreswechsel 2026 mit einem anderen Bild: Flammen im Untergeschoss einer Bar, Sirenen, Rauch, Stille danach. Nun zieht die Justiz die erste harte Linie. Der Miteigentümer der Bar Le Constellation sitzt in Untersuchungshaft.

    Die Entscheidung fiel am Montag, dem 12. Januar. Das Zwangsmassnahmengericht des Kantons Wallis ordnete die vorläufige Inhaftierung von Jacques Moretti an, einem der Betreiber der Bar Le Constellation. Drei Monate zunächst. Begründung: Fluchtgefahr. Eine juristische Formel, nüchtern, fast kühl – und doch von enormer Tragweite für einen Mann, dessen Name seit Tagen untrennbar mit der Brandnacht verknüpft ist.

    Die Haft kann aufgehoben werden, so betont das Gericht, etwa gegen die Hinterlegung finanzieller Garantien. Doch vorerst bleibt die Zellentür geschlossen. In der Schweiz ist Untersuchungshaft kein Schuldspruch, sondern ein Instrument der Sicherung. Die Unschuldsvermutung gilt weiter. Juristisch korrekt. Emotional schwer auszuhalten – für alle Beteiligten.

    Der Brand brach in der Nacht zum Neujahr aus, im Untergeschoss des Lokals, dort, wo gefeiert, getanzt, gelacht wurde. Nach ersten Erkenntnissen der Ermittler sollen funkenstarke Dekorationskerzen mit einer schalldämmenden Deckenverkleidung aus Schaumstoff in Berührung gekommen sein. Ein Material, das im falschen Moment zur tödlichen Falle wird. Sekunden, vielleicht weniger. Dann Hitze, Rauch, Chaos.

    Die Ermittlungen gehen tiefer. Fragen stehen im Raum wie unausgesprochene Anklagen: Waren Feuerlöscher vorhanden? Waren sie zugänglich? Entsprachen die Fluchtwege den Vorschriften? Und vor allem: Hätten Menschenleben gerettet werden können? Solche Fragen bohren sich nicht nur in Aktenordner, sondern auch in die Seelen eines Dorfes, das seine Sicherheit plötzlich infrage stellt.

    Moretti und seine Ehefrau geraten ins Visier der Staatsanwaltschaft. Der Verdacht lautet auf fahrlässige Tötung, fahrlässige Körperverletzung und fahrlässige Brandstiftung. Schwere Vorwürfe, die im Schweizer Strafrecht einen klaren Rahmen haben. Fahrlässigkeit bedeutet nicht Vorsatz, aber Verantwortung. Verantwortung für Entscheidungen, für Unterlassungen, für das, was man hätte wissen, prüfen oder verhindern müssen.

    Man sieht die Bilder vor sich: Am 9. Januar betritt Moretti gemeinsam mit seiner Frau das Büro des Staatsanwalts in Sitten. Fotoapparate klicken, die Gesichter sind angespannt. Ein Moment zwischen Öffentlichkeit und Intimität, zwischen Rechtsstaat und persönlicher Tragödie. Die Kamera hält fest, was Worte kaum fassen.

    Crans-Montana selbst wirkt seitdem verändert. Wer durch die Straßen geht, hört Gespräche, halblaut, oft abgebrochen. „Hast du das gehört?“ – „Ja, schlimm.“ Mehr braucht es nicht. In den Cafés wird der Espresso schneller kalt als sonst. Manche sagen offen, dass so etwas überall passieren kann. Andere schütteln nur den Kopf. Diese Mischung aus Fassungslosigkeit und leiser Wut kennt man aus anderen Unglücken. Hier ist sie nun angekommen.

    Die Rolle der Justiz ist klar definiert. Die Staatsanwaltschaft des Kantons Wallis führt die Untersuchung. Am Ende dieser Phase steht eine Entscheidung: Einstellung des Verfahrens oder Anklageerhebung mit möglichem Prozess. Bis dahin sammelt man Gutachten, hört Zeugen, rekonstruiert Abläufe. Ein mühsamer, oft unspektakulärer Weg. Aber der einzige, der trägt.

    Auffällig ist die Begründung der Haft: Fluchtgefahr. Sie deutet darauf hin, dass die Behörden Moretti zutrauen, sich dem Verfahren zu entziehen. Ob wegen internationaler Kontakte, finanzieller Mittel oder persönlicher Umstände – darüber schweigen die Behörden bislang. Sicher ist nur: Untersuchungshaft ist in der Schweiz kein Automatismus. Sie wird angeordnet, wenn mildernde Mittel nicht ausreichen. Das macht die Entscheidung so schwerwiegend.

    Berichtet wurde der Fall unter anderem von France Télévisions, deren Journalisten früh Zugang zu Justizkreisen erhielten. Die Berichterstattung bleibt bislang sachlich, fast zurückhaltend. Kein Tribunal der Öffentlichkeit, keine voreiligen Schuldzuweisungen. Das entspricht dem Geist des Rechtsstaats – und tut gut in Zeiten, in denen Empörung oft schneller ist als Erkenntnis.

    Und doch bleibt das Unbehagen. Ein Brand, wahrscheinlich ausgelöst durch dekorative Kerzen, die eigentlich Freude verbreiten sollen. Eine schalldämmende Decke, gedacht für bessere Akustik, die sich als Brandbeschleuniger entpuppt. Sicherheitsauflagen, die auf dem Papier existieren – und in der Praxis womöglich versagen. Da fragt man sich schon: Wie viele solcher Risiken schlummern unbeachtet in Kellern, Clubs, Bars?

    Für die Betroffenen, für die Verletzten, für die Angehörigen der Opfer – ihre Perspektive steht jenseits juristischer Feinheiten. Dort zählt kein Paragraph, sondern der Verlust. Und für die Betreiber ähnlicher Lokale im ganzen Land dürfte der Fall wie ein Warnsignal wirken. Ein Weckruf, der sagt: Prüft noch einmal. Schaut genauer hin. Jetzt.

    Crans-Montana wird wieder feiern. Irgendwann. Aber diese Nacht, dieser Brand, diese Untersuchungshaft – sie bleiben Teil der Geschichte des Ortes. Eine Geschichte, die mahnt, ohne zu moralisieren. Die erinnert, ohne anzuklagen. Und die zeigt, wie schmal der Grat zwischen Ausgelassenheit und Katastrophe sein kann.

    Von Daniel Ivers

  • Wenn Geschichte Fahrt aufnimmt – Besucherrekord im Automobilmuseum von Mülhausen

    Wenn Geschichte Fahrt aufnimmt – Besucherrekord im Automobilmuseum von Mülhausen

    Manchmal reicht eine Zahl, um eine ganze Epoche zu umreißen. 278.450 Besucherinnen und Besucher im Jahr 2025 – so viele Menschen haben das Musée National de l’Automobile in Mülhausen gesehen wie seit den 1980er-Jahren nicht mehr. Vier Jahrzehnte liegen zwischen dem damaligen Höhepunkt und diesem neuen Rekord. Vier Jahrzehnte, in denen sich das Museum verändert, neu ausgerichtet und seinen Platz im kulturellen Koordinatensystem Europas gefestigt hat. Heute steht fest: Diese Institution fährt nicht im Windschatten der Geschichte, sie gestaltet sie aktiv mit.

    Das Automobilmuseum im elsässischen Mülhausen gilt seit Langem als eine der wichtigsten Adressen für automobilen Kulturerhalt. Mit seiner schieren Größe, seiner Dichte an Exponaten und der Aura einer Sammlung, die aus einer fast manischen Leidenschaft heraus entstand, besitzt es einen Charakter, der sich nicht kopieren lässt. Dass nun ein Besucherrekord vermeldet wird, wirkt deshalb weniger überraschend als folgerichtig. Wer genau hinsieht, erkennt dahinter eine konsequente Strategie, die das Museum aus dem reinen Bewahrungsmodus herausgeführt hat.

    Mülhausen selbst, eingebettet in die Industrielandschaft des Südelsass, ist kein klassisches Touristenzentrum. Gerade darin liegt eine stille Stärke. Das Museum fungiert als kultureller Magnet weit über die Stadtgrenzen hinaus und hat sich als zentraler Anziehungspunkt der Region Grand Est etabliert. Schulklassen aus Straßburg treffen auf Sammler aus Übersee, Familien aus dem Dreiländereck auf Technikbegeisterte aus Japan. Man kommt wegen der Autos – und bleibt wegen der Geschichten.

    Das Jahr 2025 markierte dabei einen Wendepunkt. Das Programm war nicht nur umfangreich, sondern präzise auf unterschiedliche Publikumsgruppen zugeschnitten. Vermittlung stand nicht länger im Schatten der Sammlung, sie wurde zu ihrem gleichwertigen Partner. Neue Formate, thematische Rundgänge und ein spürbar geschärfter Blick für Besucherbedürfnisse verliehen dem Haus eine neue Offenheit. Das Museum erklärte weniger – es erzählte mehr. Und es hörte zu.

    Ein besonderer Publikumsmagnet war die Ausstellung „Mit Tim und Struppi unterwegs“. Sie verband zwei Welten, die auf den ersten Blick unterschiedlicher kaum sein könnten: die klare, gezeichnete Linie der Comics und das schwere, glänzende Material historischer Automobile. Im Zentrum stand das Universum von Tim und Struppi, erschaffen von Hergé, dessen Geschichten Generationen geprägt haben. Die Fahrzeuge, die in den Abenteuern des berühmten Reporters auftauchen, wurden nicht als bloße Requisiten präsentiert, sondern als erzählerische Motoren.

    Plötzlich wurde sichtbar, welche Rolle Autos als Symbole von Freiheit, Macht oder Bedrohung spielen können. Historische Authentizität traf auf erzählerische Fantasie, Technikgeschichte auf Popkultur. Besucherinnen und Besucher zwischen sieben und siebenundsiebzig – und, ja, auch darüber hinaus – ließen sich darauf ein. Man hörte Sätze wie: „Den hatte ich ganz vergessen“ oder schlicht: „Krass, wie modern das wirkt.“ Solche Momente lassen sich nicht planen, aber man kann ihnen den Raum geben.

    Doch der Erfolg des Jahres 2025 ruhte nicht auf einer einzigen Ausstellung. Er speiste sich aus der Gesamtheit des Angebots. Der unvergleichliche Reichtum der Schlumpf-Sammlung, die mehr als 500 Fahrzeuge umfasst, bleibt das Herzstück des Museums. Die Geschichte der Brüder Fritz und Hans Schlumpf, deren Sammelleidenschaft ebenso bewundert wie kritisch betrachtet wurde, verleiht der Sammlung bis heute eine besondere Spannung. Hier geht es nicht nur um Technik, sondern um Obsession, Vision und den schmalen Grat zwischen Genie und Maßlosigkeit.

    Hinzu kamen Verbesserungen, die auf den ersten Blick unspektakulär wirken, im Erleben jedoch entscheidend sind. Der Empfang wurde neu gedacht, Besucherführung klarer strukturiert, Vermittlungsangebote stärker personalisiert. Das Museum wurde zugänglicher, ohne banal zu werden. Regionales Publikum fühlte sich stärker angesprochen, internationales Publikum besser abgeholt. Kurz gesagt: Das Haus öffnete sich, ohne sich zu verlieren.

    Bruno Fuchs, Präsident des Museums, fand für diesen Moment klare Worte. Der Besucherrekord, so betonte er, sei ein starkes Signal – für das Museum, für Mülhausen und für die gesamte Region. Er zeige die tiefe Verbundenheit des Publikums mit diesem außergewöhnlichen Erbe und unterstreiche zugleich die kulturelle, wirtschaftliche und touristische Dynamik des Standorts. In seinen Worten schwang etwas mit, das man selten in offiziellen Stellungnahmen hört: Stolz, aber kein Selbstzufriedenheitsgefühl.

    Der Blick richtet sich bereits nach vorn. Ab April 2026 plant das Museum eine international ausgerichtete Sonderausstellung zur Formel 1. Kaum ein anderes Thema vereint technische Höchstleistung, industrielle Exzellenz, Design, Sport und Popkultur so dicht wie diese Königsklasse des Motorsports. Die Erwartungen sind hoch, die Latte liegt nach dem Rekordjahr entsprechend oben. Doch wer die Entwicklung des Museums verfolgt hat, weiß: Hier wird nicht auf Effekte gesetzt, sondern auf Substanz.

    Das Automobilmuseum MNA Mülhausen bleibt damit ein Ort, an dem Vergangenheit und Zukunft in einem besonderen Dialog stehen. Es bewahrt nicht nur Fahrzeuge, sondern Deutungen. Es zeigt, wie Technik Gesellschaft formt – und wie Gesellschaft Technik erzählt. Der Rekord von 2025 ist kein Schlusspunkt, sondern ein Zwischenruf. Einer, der sagt: Geschichte kann begeistern, wenn man sie ernst nimmt. Und wenn man ihr zutraut, auch heute noch Fahrt aufzunehmen.

    Von C. Hatty