Schlagwort: nachrichten.fr

  • Covid-19 kehrt zurück – Herbstwelle, Impfkampagne und neue Varianten

    Covid-19 kehrt zurück – Herbstwelle, Impfkampagne und neue Varianten

    Der Herbst bringt nicht nur bunte Blätter und kühlere Temperaturen mit sich – er bringt auch das Coronavirus zurück ins Rampenlicht. Nach einem ruhigen Sommer erlebt Frankreich nun einen erneuten Anstieg an Infektionen. Gesundheitsbehörden, Ärzt:innen und Apotheken beobachten die Entwicklung genau. Und ab Mitte Oktober startet eine neue Impfkampagne, deren Impfstoff speziell auf den aktuell dominierenden Virus-Subtyp angepasst wurde. Ein Virus, das saisonal wird „On n’est pas étonné de la recrudescence“ – überrascht ist kaum jemand über die Zunahme der Fälle. In Rennes erklärt eine Apothekerin, das Virus kehre inzwischen fast wie eine Art „Saisonware“ zurück: Schulbeginn, volle Klassenzimmer, kühlere Temperaturen, mehr Aufenthalte in Innenräumen – das ist der perfekte Nährboden für die Verbreitung. Zahlen bestätigen diesen Eindruck. Laut dem Sentinelles-Netzwerk, das auf die freiwilligen Meldungen von Ärzt:innen fusst, lag die Inzidenz in der zweiten Septemberwoche 2025 bei 19 Fällen p…

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  • Frankreich holt Frauen und Kinder aus syrischen Dschihadistenlagern zurück – Zwischen Verantwortung und Risiko

    Frankreich holt Frauen und Kinder aus syrischen Dschihadistenlagern zurück – Zwischen Verantwortung und Risiko

    Am Dienstag, dem 16. September 2025, landete in Frankreich mal wieder ein Flugzeug mit einer heiklen Fracht: drei Frauen im Alter zwischen 18 und 34 Jahren und zehn Kinder, die zuvor in Lagern und Gefängnissen im Nordosten Syriens gelebt hatten. Die Operation verlief diskret, aber ihre Wirkung reicht weit über die Landebahn hinaus. Sie wirft alte Fragen neu auf – Fragen nach Sicherheit, Verantwortung und dem Umgang einer Gesellschaft mit ihrer Vergangenheit. Zwei der Frauen wurden nach der Ankunft direkt in Gewahrsam genommen. Das Parquet national antiterroriste, also die nationale Antiterror-Staatsanwaltschaft, ermittelt. Die dritte Frau sieht einer formellen Anklage entgegen. Die Kinder dagegen kamen in die Obhut der französischen Jugendämter. Sie sollen medizinisch, psychologisch und sozial betreut werden – ein langwieriger Weg zurück in ein normales Leben.

    Ein Thema, das Frankreich nicht loslässt Die Rückführungen sind kein Novum. Seit 2019 organisiert Frankreich immer wieder Flüg…

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  • Tag- und Nachtgleiche: Vom mythischen Adler bis zur weißen Friedenstaube des Orion – einige Gedanken

    Tag- und Nachtgleiche: Vom mythischen Adler bis zur weißen Friedenstaube des Orion – einige Gedanken

    Am 22. September 2025, exakt um 20.19 Uhr, tritt sie ein: die Tag- und Nachtgleiche. Ein uraltes kosmisches Ereignis, das Menschen seit Jahrtausenden fasziniert und inspiriert. Der Moment, in dem Licht und Dunkelheit im Gleichgewicht stehen, war für frühe Hochkulturen weit mehr als ein astronomische…

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  • Unwetter Bretagne: Ertrunken im eigenen Auto – ein Todesfall, der viele Fragen aufwirft

    Unwetter Bretagne: Ertrunken im eigenen Auto – ein Todesfall, der viele Fragen aufwirft

    Montagmorgen in Guingamp, Nordwestfrankreich. Es regnet, ununterbrochen, seit Stunden. Die Böden sind durchweicht, Bäche steigen über die Ufer, Straßen verwandeln sich in reißende Flüsse. Mitten in diesem Wetterchaos geschieht es: Eine Frau stirbt, weil ihr Auto von den Wassermassen mitgerissen wird. Ein tragischer Unfall – und ein Warnsignal. Ein kurzer Moment, der das Leben kostet Die Frau, etwa 55 Jahre alt, war auf dem Weg zur Arbeit. Sie nahm eine Strecke, die sie wahrscheinlich gut kannte. Doch an diesem Morgen war alles anders. Eine überflutete Straße, ein zunächst unscheinbares Rinnsal, das sich in einen Strom verwandelt hatte – und plötzlich gibt es kein Zurück mehr. Ihr Fahrzeug wird eingeschlossen, das Wasser steigt. Sie schafft es nicht, sich zu befreien. Rettungskräfte finden später das Auto – und ihren leblosen Körper. Die Wetterlage war dramatisch. Der gesamte bretonische Küstenabschnitt, insbesondere das Département Côtes-d’Armor, stand unter Unwetterwarnung. Innerhalb …

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  • Kommentar: Endlich bewegt sich was – weiter so, Herr Lecornu!

    Kommentar: Endlich bewegt sich was – weiter so, Herr Lecornu!

    Manchmal braucht es den Druck der Straße und die Wut einer ganzen Gesellschaft, bis eine Regierung endlich handelt. Frankreich hat lange zugesehen, wie sich an der Spitze eine Parallelwelt herausbildet: Milliardäre, die durch komplexe Konstrukte ihre Steuerlast minimieren, während die Mittelschicht immer neue Belastungen schultern muss. Nun kündigt Premierminister Sébastien Lecornu – einer der engsten Vertrauten Macrons und nun in der Haushaltsfrage zum zentralen Akteur avanciert – an, dass die Reichsten tatsächlich stärker in die Pflicht genommen werden sollen. Endlich!

    Es ist höchste Zeit, dass jemand erkennt, dass der soziale Frieden nicht auf Dauer gewährleistet werden kann, wenn 1.800 Steuerhaushalte mit gigantischen Vermögen fast nach Belieben ihre Abgaben steuern, während Millionen Franzosen jeden Cent zweimal umdrehen. Die Taxe Zucman mag in ihrer rohen Form handwerklich angreifbar sein – aber sie hat eines geschafft: Sie hat das Tabu gebrochen, über die systematische Unterbesteuerung der Ultrareichen zu sprechen.

    Natürlich, die üblichen Warnungen hallen wieder durch die Chefetagen: „Standortgefährdung“, „Exil der Talente“, „Investitionshemmnis“. Man kennt das Mantra. Es wird so lange wiederholt, bis man es fast glaubt. Aber Hand aufs Herz: Wer will uns wirklich weismachen, dass Bernard Arnault oder die Familien Mulliez, Dassault oder Bettencourt ihr Imperium einfach ins Ausland verlagern würden? Frankreich ist ihr Markt, ihre Basis, ihr Symbol, ihre Heimat. Die Drohung mit der Kofferpackerei ist nicht mehr als ein rhetorisches Erpressungsinstrument – durchsichtig und unverschämt.

    Die Wahrheit ist: Eine Gesellschaft, die sich selbst noch ernst nehmen will, braucht einen fairen Lastenausgleich. Und fair heißt eben nicht, dass Krankenschwestern, Lehrer und kleine Selbständige immer mehr abführen, während Superreiche sich hinter Holdings verstecken. Wenn Lecornu und Macron nun tatsächlich ein Modell entwickeln, das Dividenden aus diesen Konstrukten konsequent mit mindestens 20 Prozent belegt, wäre das ein Signal der Gerechtigkeit – und ein längst überfälliger Schlag gegen die organisierte Steuervermeidung.

    Wird es reichen? Nein, noch nicht. Aber es wäre ein Anfang. Ein Anfang, der zeigt: Die Politik kann, wenn sie will, aus der Komfortzone der Reichenfreundlichkeit ausbrechen. Ein Anfang, der beweist: Wir sind nicht ohnmächtig gegenüber einer Handvoll Milliardäre. Ein Anfang, der Mut macht.

    Darum: Weiter so, Herr Lecornu! Lassen Sie sich nicht einschüchtern – weder von Wirtschaftslobbys noch von jenen politischen Kräften, die reflexhaft jeden Schutzwall für das große Geld hochziehen. Die Mehrheit der Bürger steht hinter Ihnen. Was jetzt zählt, ist Durchhaltevermögen – und der Wille, endlich eine Wende hin zu mehr sozialer Gerechtigkeit einzuleiten.

    Ein Kommentar von MAB

  • Donald Trump ehrt Charlie Kirk: Ein Abschied voller Pathos, Politik und Glaubensbekenntnisse

    Donald Trump ehrt Charlie Kirk: Ein Abschied voller Pathos, Politik und Glaubensbekenntnisse

    Ein riesiges Stadion, eine Bühne voller Emotionen und ein Publikum, das zwischen Trauer und Triumph schwingt – so verabschiedete sich die amerikanische Rechte von Charlie Kirk, dem getöteten konservativen Influencer und Gründer von Turning Point USA. Am Sonntag, dem 21. September, strömten rund 65.000 Menschen in ein Stadion in Glendale, Arizona, um seinem Leben und Wirken die letzte Ehre zu erweisen.

    Donald Trump persönlich, flankiert von Vizepräsident J.D. Vance, trat vor die Menge. Die Atmosphäre? Ein Mix aus religiösem Gottesdienst, patriotischem Rockkonzert und politischer Großkundgebung.


    „Ein Märtyrer für die amerikanische Freiheit“

    Trump, der wie ein Priester in eigener Mission vor der Menge stand, sprach von Charlie Kirk als „einem Märtyrer“ und „einem Riesen seiner Generation“. Der 30-Jährige war am 10. September auf einem Universitätscampus mit einem Schuss in den Hals getötet worden. Ein Angriff, der die rechte Szene tief erschüttert hat.

    Mit ernster Stimme malte Trump das Bild eines Mannes, der „für die Freiheit Amerikas“ gestorben sei – Worte, die sofort auf fruchtbaren Boden fielen. Immer wieder brandeten „USA! USA! USA!“-Rufe durch das Stadion. Zwischen den Reden erklangen christliche Rocksongs, die wie ein Soundtrack zur Inszenierung von Opfer, Erlösung und patriotischem Kampf wirkten.


    Die Stimme der Witwe: Vergebung statt Rache

    Besonders bewegend war der Auftritt von Erika Kirk. Tränenüberströmt erklärte die Witwe, dass sie ihrem Mannes Mörder vergebe. „Ich vergebe ihm, weil Christus es getan hat und weil Charlie es getan hätte“, sagte sie, während die Menge in stehenden Applaus ausbrach.

    Ein Satz, der wie ein Echo durch die Halle ging: „Die Antwort auf Hass ist nicht Hass.“
    Damit setzte sie ein Zeichen, das zugleich christlich und politisch gedeutet werden konnte. Denn während sie sprach, war schon klar: Der Täter, ein 22-jähriger Student namens Tyler Robinson, ist angeklagt – die Staatsanwaltschaft fordert die Todesstrafe. Ein gnadenloses juristisches Verfahren läuft an, während auf der Bühne Gnade gepredigt wird.

    Ein Kontrast, der schärfer kaum sein könnte.


    Vance predigt von „Wiedergeburt“

    Auch J.D. Vance, Trumps Vizepräsident und enger Vertrauter von Kirk, ergriff das Wort. Sein Tonfall war kämpferisch, fast predigerhaft. Der Mord, so Vance, habe nicht zu einem Begräbnis geführt, sondern zu einer „Wiedergeburt in der Feier von Charlie Kirk und Jesus Christus“.

    Es war ein Satz, der den Saal elektrisierte – und gleichzeitig die Richtung vorgab, in die die konservative Bewegung den Tod ihres Idols einordnet: nicht als Ende, sondern als neues Kapitel.

    Doch was bedeutet diese Rhetorik für eine ohnehin zutiefst polarisierte Gesellschaft? Wird aus Trauer politisches Kapital geschlagen?


    Politik, Pathos – und ein alter Bekannter: Elon Musk

    Fast beiläufig, aber medienwirksam: Auf der Bühne kam es auch zu einem Handschlag zwischen Donald Trump und Elon Musk. Drei Monate nach ihrer öffentlichen Zerwürfnis sprachen beide wieder miteinander – und zwar freundschaftlich.

    Für viele Beobachter war es ein Seitenmoment, für Trumps Anhänger ein Signal: Die Allianz der großen Namen lebt, selbst wenn sie zeitweise bröckelt. Und so verwandelte sich die Trauerfeier gleichzeitig in eine politische Machtdemonstration, bei der das „Wer ist wer“ der amerikanischen Rechten sichtbar wurde.


    Ein Abschied, der mehr war als ein Abschied

    Fünf Stunden dauerte die Zeremonie. Sie war Gedenkfeier, politische Kundgebung, Glaubensbekenntnis und Machtdemonstration in einem. Charlie Kirk wurde gefeiert wie ein Märtyrer, sein Name verschmolz mit dem nationalen Pathos der Redner und den religiösen Botschaften der Lieder.

    Es bleibt die Frage: War dies ein Trauergottesdienst oder der Startschuss für eine neue, noch stärker religiös aufgeladene Phase der amerikanischen Rechten?

    Sicher ist: Charlie Kirk mag tot sein – doch in Glendale wurde er zum Symbol erhoben, das seine Bewegung weit über seinen Tod hinaus tragen soll.

    Autor: Andreas M. Brucker

  • Der Prozess ohne Leiche: Cédric Jubillar vor Gericht

    Der Prozess ohne Leiche: Cédric Jubillar vor Gericht

    Ein blauer Jogginganzug, ein leerer Blick, vier Polizisten – so betritt Cédric Jubillar an diesem Montagmorgen den Gerichtssaal in Albi. Es ist kurz nach neun. Der Mann, der seit fast vier Jahren im Zentrum eines der mysteriösesten Kriminalfälle Frankreichs steht, nimmt im gläsernen Angeklagten-Box Platz. Um ihn herum: Dutzende Reporter, Kameras, Mikrofone. Auf seinen Schultern lastet ein Verdacht, schwer wie Blei. Der Mord an seiner Frau Delphine. Der Fall, der seit Jahren das ganze Land bewegt, beginnt in einer kalten Dezembernacht im Jahr 2020 – mitten im Corona-Lockdown. Delphine Jubillar, 33 Jahre alt, Krankenschwester, zweifache Mutter, verschwindet spurlos. Ihr Mann meldet sie um 4:09 Uhr als vermisst. Was zunächst wie ein Familiendrama wirkt, wird rasch zum kriminalistischen Albtraum. Keine Leiche. Keine Tatwaffe. Kein Geständnis. Und doch sitzt nun einer auf der Anklagebank. Eine Nacht, ein Verschwinden – und viele Fragen Die Ehe der Jubillars war zerrüttet. Beide standen kurz…

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  • Frankreich und Palästina – eine Chronologie der Annäherung

    Frankreich und Palästina – eine Chronologie der Annäherung

    Die Beleuchtung der Pariser Tour Eiffel am 21. September 2025 mit den Fahnen Israels und Palästinas war kein isoliertes Ereignis, sondern Teil einer langen politischen Entwicklung. Frankreichs Haltung zur Palästinenserfrage hat sich in den vergangenen Jahrzehnten mehrfach gewandelt – zwischen sicherheitspolitischer Nähe zu Israel, Rücksicht auf internationale Bündnisse und wachsender Offenheit gegenüber palästinensischer Staatlichkeit.

    1947–1949: Die Gründung Israels Mit der UN-Teilungsresolution von 1947 und der Anerkennung Israels im Januar 1949 folgte Frankreich der westlichen Linie. Palästina als eigenständiger politischer Akteur spielte in der französischen Außenpolitik zunächst keine Rolle. 1967: Der Bruch mit Israel Nach dem Sechstagekrieg und der Besetzung von Westjordanland, Gaza und Ostjerusalem verurteilte Präsident de Gaulle die israelische Politik und stoppte Waffenlieferungen. Frankreich setzte fortan stärker…

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  • Macron und Lecornu zwischen fiskalischem Pragmatismus und politischem Druck

    Macron und Lecornu zwischen fiskalischem Pragmatismus und politischem Druck

    Die Debatte um die sogenannte Taxe Zucman hat Frankreichs Regierung in eine heikle Lage gebracht. Einerseits drängt die öffentliche Meinung darauf, dass die Wohlhabendsten stärker zur Finanzierung des Staates beitragen. Andererseits fürchtet der Élysée, ein schlecht konstruiertes Instrument könnte Investitionen hemmen, Kapital ins Ausland treiben und juristisch anfechtbar sein. Im anstehenden Haushaltsgesetz dürfte daher zwar eine stärkere Belastung der Reichsten verankert werden – allerdings nicht in der von Gabriel Zucman vorgeschlagenen Form.

    Ursprung und Idee der Taxe Zucman Der Ökonom Gabriel Zucman, international bekannt für seine Studien über Steuervermeidung, schlug einen Mindeststeuersatz von 2 Prozent jährlich auf Vermögen oberhalb von 100 Millionen Euro vor. Ziel ist es, sicherzustellen, dass selbst jene, die über komplexe Konstruktionen oder niedrige Einkünfte aus tatsächlicher Arbeit kaum Einkommensteuer zahlen, einen substantiellen Beitrag leisten. Betroffen wären rund 1…

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  • Macron und die Palästina-Frage: Zwischen Diplomatie, Innenpolitik und geopolitischem Kalkül

    Macron und die Palästina-Frage: Zwischen Diplomatie, Innenpolitik und geopolitischem Kalkül

    Mit der Ankündigung, am Rande der UN-Generalversammlung in New York einen palästinensischen Staat offiziell anzuerkennen, vollzieht Emmanuel Macron eine Zäsur in der französischen Nahostpolitik. Frankreich wird damit als erstes G7-Land diesen Schritt gehen – ein Signal, das weit über die unmittelbare Krisendiplomatie hinausweist. Der Entscheid folgt nicht nur außenpolitischen Erwägungen, sondern spiegelt ebenso innenpolitischen Druck und die Suche nach einer neuen Rolle Frankreichs auf der internationalen Bühne.

    Eine Kehrtwende mit Anlauf

    Lange hatte Macron eine vorsichtige Linie verfolgt. Noch im Mai 2024 hatte er betont, eine Anerkennung dürfe nicht aus „Emotion“ erfolgen, sondern müsse in einem „nützlichen Moment“ geschehen. Diese zurückhaltende Haltung unterschied sich von jener Spaniens, Irlands oder Norwegens, die sich bereits frühzeitig zu einem palästinensischen Staat bekannten. Doch der französische Präsident verschob seine Position schrittweise. Ein Interview im April nach einem Ägypten-Besuch markierte den Wendepunkt: Frankreich müsse in den kommenden Monaten zur Anerkennung schreiten.

    Seither folgten intensive diplomatische Signale. Am 24. Juli kündigte Macron auf X (vormals Twitter) überraschend an, den Schritt im September bei den Vereinten Nationen vollziehen zu wollen – eine bewusste Inszenierung, die Frankreich in den Mittelpunkt der diplomatischen Aufmerksamkeit rückte.

    Druckmittel gegenüber Israel

    Die unmittelbare Begründung ist die Eskalation im Gazastreifen und die fortgesetzte israelische Siedlungspolitik im Westjordanland. Mit der Anerkennung will Paris Druck auf Premierminister Benjamin Netanjahu ausüben, die militärischen Operationen einzudämmen und humanitäre Korridore zu öffnen. Aus dem Umfeld des Élysée heißt es, man sei an einem „Punkt des beinahe irreversiblen Schadens“ angelangt.

    Der Schritt ist zugleich ein Signal an die arabische Welt, dass Frankreich die Zweistaatenlösung nicht aufgegeben hat – ein Prinzip, das seit vier Jahrzehnten die Linie der französischen Diplomatie prägt. Damit positioniert sich Paris bewusst gegen die von Donald Trump und Netanjahu angedachten Konzepte einer faktischen Aufgabe palästinensischer Staatlichkeit.

    Wiederbelebung der Palästinensischen Autonomiebehörde

    Ein weiterer Beweggrund ist die Stärkung der Palästinensischen Autonomiebehörde (PA), die seit Jahren an Legitimität eingebüßt hat. Mahmoud Abbas versprach Macron in einem Schreiben vom Juni tiefgreifende Reformen, Neuwahlen binnen Jahresfrist unter internationaler Aufsicht und eine klare Distanzierung vom Hamas. Paris interpretiert dies als Ansatz, eine Alternative zum islamistischen Machtapparat in Gaza aufzubauen.

    Die französische Regierung legt Wert darauf, dass künftig nur Akteure an Wahlen teilnehmen dürfen, die Israels Existenzrecht anerkennen und Gewalt ablehnen. Mit diesem Kurs will Macron verhindern, dass die Anerkennung als „Sieg des Terrorismus“ interpretiert wird – ein Vorwurf, den etwa der Conseil représentatif des institutions juives de France (Crif) bereits geäußert hat.

    Frankreichs Streben nach internationalem Gewicht

    Frankreich reiht sich mit seiner Entscheidung in eine Mehrheit der UN-Mitgliedsstaaten ein: 148 Länder erkennen Palästina inzwischen als Staat an. Doch im Kreis der westlichen Industrienationen war dieser Schritt bislang tabu. Als erstes G7-Land eröffnet Paris eine neue Dynamik. Belgien und Australien folgten umgehend, weitere europäische Länder wie Portugal und Luxemburg könnten sich anschließen.

    Frankreich sucht damit nach einer Führungsrolle in einer von Blockaden geprägten Diplomatie. Im September votierten in New York 142 Staaten für eine Resolution, die die Hamas aufforderte, die Kontrolle in Gaza aufzugeben – eine Initiative, die maßgeblich von Frankreich und Saudi-Arabien eingebracht wurde. Der Élysée sieht darin einen diplomatischen Erfolg: erstmals sei es gelungen, Länder mit Nähe zur Hamas zu einer klaren Verurteilung des 7. Oktober zu bewegen.

    Innenpolitische Dimensionen

    Die Entscheidung ist aber auch ein innenpolitisches Signal. In Frankreich ist die öffentliche Meinung gespalten: Laut einer Ifop-Umfrage vom 18. September befürworten 29 Prozent eine sofortige Anerkennung, 38 Prozent wollen Bedingungen wie die Freilassung der Geiseln und die Entwaffnung der Hamas abwarten, ein Drittel ist grundsätzlich dagegen.

    Für Macron ist die Anerkennung ein Versuch, das gesellschaftliche Klima zu befrieden. Die Erinnerung an den Terroranschlag auf die Pariser Konzerthalle Bataclan verleiht der Debatte über die Geiseln eine besondere Sensibilität. Gleichzeitig wächst in der muslimischen Bevölkerung das Gefühl, Frankreichs Politik sei zu israelfreundlich. Ein Bericht des Innenministeriums warnte im Juni vor einem „tiefen Unbehagen“, das islamistische Strömungen zu instrumentalisieren suchten.

    Macrons Ziel ist es daher, außenpolitische Weichenstellungen mit der innenpolitischen Kohäsion zu verbinden. Die Anerkennung Palästinas soll nicht nur ein Signal an Jerusalem und Ramallah sein, sondern auch an die französische Gesellschaft: Paris will sich als Garant einer ausgewogenen, eigenständigen Nahostpolitik positionieren.

    Am Ende verfolgt Macron drei miteinander verflochtene Ziele: den Versuch, den Nahostkonflikt zu deeskalieren, die Stärkung der Palästinensischen Autonomiebehörde als Gegenmodell zum Hamas – und die Rückgewinnung französischer Handlungsfähigkeit sowohl international als auch im eigenen Land. Ob dieser Balanceakt gelingt, hängt indes nicht nur von Paris ab, sondern von der Reaktion Israels, der arabischen Staaten und einer zunehmend polarisierter werdenden französischen Öffentlichkeit.

    Autor: P. Tiko