Schlagwort: nachrichten.fr

  • Zwischen Kontrolle und Realität – Frankreichs Debatte um das Handyverbot an Schulen

    Zwischen Kontrolle und Realität – Frankreichs Debatte um das Handyverbot an Schulen

    Die Nachricht kam beiläufig, beinahe im Vorübergehen, und doch schlug sie ein wie ein Blitz: „Plus de portable au lycée“ – kein Handy mehr am Gymnasium. Mit diesem Satz überraschte Emmanuel Macron bei einem Besuch im lothringischen Mirecourt nicht nur das Bildungspersonal, sondern vor allem Millionen französischer Schülerinnen und Schüler, deren Alltag ohne Smartphone kaum noch denkbar ist. Am traditionsreichen Lycée Saint-Just in Lyon, wo Schüler durch klassizistische Flure eilen und zwischen Vergangenheit und Gegenwart pendeln, sorgt die Ankündigung für angeregte Diskussionen. Der Gebrauch des Mobiltelefons ist hier bislang eine Grauzone: erlaubt in den Gängen, verboten im Klassenzimmer – jedenfalls offiziell. „Ich versuche, diskret zu sein. Ich spiele keine Spiele und schaue auch keine Serien im Unterricht. Wir dürfen das ja nicht“, erzählt ein Schüler. Doch ehrlich ist er auch: Nicht alle halten sich an die Regeln. „Viele machen es trotzdem – und versäumen dadurch den Unterricht.“ …

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  • Flammen in der Nacht – Zwei Tote bei Hausbrand in der Vendée

    Flammen in der Nacht – Zwei Tote bei Hausbrand in der Vendée

    Ein Haus in Flammen. Zwei Menschen tot. Und ein Dorf, das am Morgen danach vor einem schwarzen, rauchgeschwärzten Trümmerhaufen steht. In der kleinen Gemeinde Talmont-Saint-Hilaire in der Vendée wurde die Nacht zum Dienstag zur Tragödie – plötzlich, lautlos, unerbittlich. Gegen 23 Uhr alarmierte ein Notruf die Feuerwehr. Ein Feuer war in einem Einfamilienhaus ausgebrochen, mitten in einer ruhigen Wohnsiedlung unweit der Atlantikküste, südlich der beliebten Badeorte Les Sables-d’Olonne. Was zuerst als „starker Brand“ gemeldet wurde, entpuppte sich binnen Minuten als Inferno. Als die Rettungskräfte eintrafen, stand das Haus bereits lichterloh in Flammen. Die dichte Rauchwand ließ kaum Sicht zu – und keine Zeit für Zweifel. Die Feuerwehrleute kämpften sich durch das brennende Haus. Doch für zwei Menschen kam jede Hilfe zu spät. Ihre Körper wurden später in den Trümmern gefunden. Alter und Identität der Toten sind bislang nicht bekannt. Auch ob sie Bewohner des Hauses waren oder Gäste, ist…

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  • Grummeln im Land – aber kein Stillstand

    Grummeln im Land – aber kein Stillstand

    Warum die nationale Streikwelle in Frankreich diesmal kaum den Verkehr bremst – und dennoch viel Sprengkraft birgt Ein Streik, der kaum auffällt – und doch viel sagt über den Zustand eines Landes. Frankreich erlebt am 2. Dezember einen weiteren landesweiten Protesttag, aufgerufen von den Gewerkschaften CGT, FSU und Solidaires. Doch wer sich auf das gewohnte Ritual der blockierten Bahnhöfe und lahmgelegten Metros eingestellt hatte, staunt: Die Züge fahren. Die Busse rollen. Selbst in Paris bleibt der Berufsverkehr weitgehend ungestört. Das Anliegen der Streikenden ist indes nicht kleiner geworden – im Gegenteil. Es geht um nichts weniger als die Verteidigung des sozialen Modells Frankreichs gegen das, was viele als „kalte Rosskur“ des Haushalts 2026 empfinden. Pensionskürzungen, Stellenabbau im öffentlichen Dienst, fehlende Lohnerhöhungen: Die Regierung schnürt ein Sparpaket, das in Gewerkschaftskreisen als Frontalangriff empfunden wird. Doch der Protest bleibt – zumindest auf der Straß…

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  • Vier Jahre Gefängnis und das jähe Ende einer Karriere: Saint-Étienne verliert seinen Bürgermeister

    Vier Jahre Gefängnis und das jähe Ende einer Karriere: Saint-Étienne verliert seinen Bürgermeister

    Ein Satz, der wie ein Hammerschlag durch das große Justizzentrum von Lyon hallte: „Monsieur, Sie können nicht länger Bürgermeister von Saint-Étienne sein.“ So endete am 1. Dezember 2025 die Amtszeit von Gaël Perdriau, einem Mann, der einst als stabilisierender Faktor einer industriell gezeichneten Stadt galt – und nun tief gefallen ist. Die Verurteilung kam an sich nicht überraschend, wohl aber in ihrer Deutlichkeit. Vier Jahre Gefängnis, fünf Jahre politische Unwählbarkeit – mit sofortiger Wirkung. Das Gericht sprach ihn in vollem Umfang schuldig: wegen Erpressung, Bildung einer kriminellen Vereinigung und Veruntreuung öffentlicher Gelder. Das Urteil wirkt wie ein Paukenschlag in einer Affäre, die Frankreich seit Monaten elektrisiert. Die Affäre? Ein Skandal um eine Sexvideo-Falle, politisch motiviert, perfide in ihrer Konstruktion und lange vorbereitet. Im Zentrum: Ein Hotelzimmer, ein Escort-Boy und ein heimlich gefilmter Politiker. Das Opfer: Gilles Artigues, einst erster Beigeordn…

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  • Neuves-Maisons im Schockzustand – Der tödliche Brand wurde absichtlich gelegt

    Neuves-Maisons im Schockzustand – Der tödliche Brand wurde absichtlich gelegt

    Es war eine jener Nächte, in denen alles stillzustehen scheint – der 29. auf den 30. November in Neuves-Maisons, einer kleinen Gemeinde in der Meurthe-et-Moselle. Und doch wurde aus dieser Stille ein infernalisches Grauen, das fünf Leben forderte. Drei von ihnen waren kaum erwachsen: 16, 18, 20 Jahre alt. Ihre Zukunft – ausgelöscht in einer Flammenhölle, die nicht etwa durch Unglück entstand, sondern durch gezielten Vorsatz. „C’est l’effroi qui l’emporte“ – der Schrecken überwiegt alles, sagt Pascal Schneider, der Bürgermeister, mit bebender Stimme im Interview mit franceinfo. Es ist keine Phrase, sondern der Aufschrei eines Mannes, der seine Gemeinde kennt. Der weiß, wie sehr dieser Verlust nicht nur Familien trifft, sondern ein ganzes Gefüge. In einer Stadt wie Neuves-Maisons, wo Nachbarn noch wissen, wer nebenan wohnt, ist ein solcher Brand kein isoliertes Ereignis – er hinterlässt ein Loch. Die Feuerwehr war schnell vor Ort. Routiniert, entschlossen. Doch gegen das, was sich hinter…

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  • Papst der Mitte – Leo I. und sein Stil der leisen Autorität

    Papst der Mitte – Leo I. und sein Stil der leisen Autorität

    Als Papst Franziskus im Jahr 2013 zu einem seiner ersten Auslandsbesuche auf die Mittelmeerinsel Lampedusa reiste, war die Symbolik unübersehbar: Die kleine, zwischen Sizilien und Tunesien gelegene Insel ist für viele afrikanische Migranten das Tor nach Europa – ein Ort der Hoffnung wie des Leids. Mit dieser bewussten Geste signalisierte Franziskus frühzeitig, dass seine Amtszeit den Ausgegrenzten, Geflüchteten und Marginalisierten gewidmet sein würde.

    Seit der Wahl von Papst Leo I. im Mai dieses Jahres stellen sich viele Katholiken, aber auch außenpolitische Beobachter die gleiche Frage: Wird der neue Pontifex den Kurs seines charismatischen Vorgängers fortsetzen – oder sich davon absetzen?

    Ein erster Aufschluss darüber ergab sich in der vergangenen Woche, als Leo zu einer Reise in die Türkei und den Libanon aufbrach. Der Besuch wurde mit ungewöhnlicher Aufmerksamkeit verfolgt – nicht nur wegen der geopolitischen Brisanz der Region, sondern auch, weil sich darin Leos Selbstverständnis als Oberhaupt einer globalen Kirche ablesen lässt.

    Geste mit Signalwirkung

    Dass Leo seine erste große Auslandsreise in eine Region unternahm, die mehrheitlich muslimisch geprägt ist und von politischen Spannungen erschüttert wird, ist ein bewusstes Signal. Es verweist auf ein Pontifikat, das sich nicht in innerkirchlichen Debatten erschöpfen will, sondern den Dialog mit der Welt sucht – auch dort, wo dieser schwierig ist. Frieden war denn auch das dominierende Thema auf dieser Reise. Schon bei seiner Wahl hatte Leo das Wort „Frieden“ als erstes öffentlich ausgesprochen – eine semantische Brücke zu Franziskus, aber auch ein programmatischer Anspruch.

    Während sein Vorgänger sich nicht scheute, in klaren Worten Missstände zu benennen – etwa, wenn er die israelischen Angriffe in Gaza als möglichen „Völkermord“ einstufte – wählt Leo einen zurückhaltenderen Ton. In der Sache jedoch bleibt er klar: In Istanbul und Beirut erneuerte er die vatikanische Unterstützung für eine Zwei-Staaten-Lösung im Nahostkonflikt. Und zum Jahrestag der Angriffe vom 7. Oktober ließ sein Staatssekretär verlauten, sowohl der Hamas-Überfall als auch die militärische Reaktion in Gaza seien als „Massaker“ zu bezeichnen – eine Wortwahl, die auf diplomatischer Ebene durchaus Gewicht hat.

    Kontinuität in den Grundwerten

    Inhaltlich bleibt Leo in vielen Fragen seinem Vorgänger verbunden. Wie Franziskus betont auch er die Würde der Schwachen, die Verantwortung für die Umwelt und die moralische Pflicht zur Solidarität mit den Armen. Sein erstes offizielles Lehrschreiben widmete er dem Thema Armut – ein bewusstes Zeichen der Prioritätensetzung. In den USA rief er die katholischen Bischöfe auf, sich deutlich gegen Massendeportationen zu positionieren – ein politisches Statement mit klarer gesellschaftlicher Stoßrichtung.

    Auffällig ist jedoch, dass Leo neue Akzente setzt. Besonders deutlich wird das bei seiner Warnung vor den Risiken künstlicher Intelligenz, die er nicht nur als technologische, sondern auch als ethische Herausforderung begreift. Hier greift er ein Thema auf, das in der päpstlichen Lehre bislang kaum eine Rolle spielte – und positioniert sich als wacher Beobachter des digitalen Zeitalters.

    Der Ton macht den Unterschied

    Trotz vieler inhaltlicher Übereinstimmungen mit Franziskus unterscheidet sich Leo im Stil. Wo Franziskus konfrontierte, mahnt Leo. Wo sein Vorgänger mitunter scharf formulierte, setzt Leo auf leise Autorität. Er verzichtet weitgehend auf moralische Appelle und bevorzugt eine Sprache der Vermittlung. Dabei gelingt es ihm, Position zu beziehen, ohne zu polarisieren – eine Kunst, die im aktuellen Klima der Zuspitzung zunehmend selten geworden ist.

    Seine Amtsführung lässt sich deshalb als bewusst antipolarisierend beschreiben. In einer Welt, die von geopolitischen und gesellschaftlichen Gegensätzen geprägt ist, versteht sich Leo als Stimme der Mäßigung. Er spricht von Einheit, wo andere Differenz betonen. Er mahnt zum Frieden, wo die Sprache der Stärke dominiert. Und er sucht das Gemeinsame, wo viele das Trennende betonen.

    Eine Kirche im Spannungsfeld

    Diese Haltung gilt auch für den innerkirchlichen Raum. Die katholische Kirche steht vor tiefgreifenden Spannungsfeldern – von der Rolle der Frau im Amt über den Umgang mit wiederverheirateten Geschiedenen bis zur Frage, ob gleichgeschlechtliche Paare Zugang zu kirchlichen Segnungen erhalten sollen. In all diesen Debatten agiert Leo nicht als Reformpapst im klassischen Sinne, sondern als Moderator eines schwierigen Aushandlungsprozesses. Seine Zurückhaltung ist dabei weniger Ausdruck von Schwäche als von strategischer Klugheit: Er will einen Raum des Gesprächs schaffen, ohne die Fliehkräfte zu verstärken.

    Ein Papst, der zuhört

    Auch in seiner persönlichen Ausstrahlung unterscheidet sich Leo von vielen seiner Vorgänger. Er gilt als humorvoll, verspielt – und menschlich nahbar. Dass er gerne „Wordle“ spielt, mag eine Anekdote sein, doch sie passt ins Bild: Hier ist kein weltfremder Kirchenfürst am Werk, sondern ein Mensch mit Gespür für den Alltag. Wer ihm begegnet, berichtet von einem Mann, der zuhört, der beobachtet, der nicht dominieren will. Ein Papst, der seine Rolle nicht als Zentrum der Welt versteht, sondern als moralischer Kompass in einer aus den Fugen geratenen Zeit.


    Weitere wichtige Nachrichten

    Russland erwartet US-Gesandten
    Steve Witkoff, Sondergesandter von Präsident Trump, wird heute in Moskau zu Gesprächen mit Präsident Wladimir Putin erwartet. Witkoff war maßgeblich an der Ausarbeitung eines umstrittenen Friedensplans beteiligt, der neue diplomatische Bemühungen zur Beendigung des Ukrainekriegs ausgelöst hat. Trotz intensiver Verhandlungen gibt es bislang jedoch kaum Anzeichen für eine Annäherung zwischen den Konfliktparteien. Dennoch erklärte die EU-Außenbeauftragte Kaja Kallas gegenüber Journalisten, dies „könnte eine entscheidende Woche für die Diplomatie werden“.

    Katastrophe in Sri Lanka
    Präsident Anura Kumara Dissanayake bezeichnete den Zyklon „Ditwah“, der Sri Lanka vergangene Woche traf, als die „größte und herausforderndste Naturkatastrophe in unserer Geschichte“. Die Zahl der Todesopfer liegt inzwischen bei über 350. Überschwemmungen und Erdrutsche haben mehr als eine Million Menschen betroffen. Der Wiederaufbau stellt eine immense Herausforderung für die Regierung dar, die erst im Vorjahr nach dem Sturz einer langjährigen Herrscherdynastie ins Amt kam.

    Auch andere Länder Südostasiens – darunter Indonesien, Thailand und Vietnam – wurden von einer ungewöhnlich zerstörerischen Monsunzeit heimgesucht. Mindestens 1.200 Menschen kamen dabei ums Leben.

    Weitere Meldungen:

    • Bei dem Großbrand in einem Wohnkomplex in Hongkong, bei dem über 150 Menschen ums Leben kamen, setzten Bauunternehmen laut Behörden unsichere Gerüstnetze ein und versuchten später, dies zu vertuschen.
    • In Honduras liegt bei der Präsidentschaftswahl ein Trump-naher Kandidat laut ersten Ergebnissen Kopf an Kopf mit seinem Herausforderer – ein weiteres Beispiel für die unberechenbare Rolle des US-Präsidenten in internationalen Wahlkämpfen.
    • Ein Berufungsgericht entschied, dass Trumps Anwältin Alina Habba unrechtmäßig als US-Staatsanwältin in New Jersey tätig war.
    • Großbritannien hat sich bereit erklärt, höhere Ausgaben für Arzneimittel in Kauf zu nehmen, um drohende US-Zölle zu vermeiden.
    • Die russische Startrampe für Astronautenflüge zur Internationalen Raumstation ist nach einem Zwischenfall in der vergangenen Woche außer Betrieb.

    Autor: P. Tiko

  • Kugelhagel im Weinberg – wie die Drogenkriminalität das Dorfleben erschüttert

    Kugelhagel im Weinberg – wie die Drogenkriminalität das Dorfleben erschüttert

    Zuerst klingt es wie Silvester. Knallgeräusche, irgendwo draußen – vielleicht Kinder mit Böllern, denkt ein Anwohner in Mercurol, einem kleinen Ort nördlich von Valence. Doch die Detonationen werden lauter, eindringlicher. Dann Schreie. Grelle, hohe Schreie. Später wird man wissen: Es waren die letzten Lebenszeichen einer jungen Frau, 19 Jahre alt, die durch Schüsse ums Leben kam. Eine weitere Frau wird schwer verletzt. Der Vorfall entpuppt sich bald als gezielter Angriff auf das Fahrzeug – mit erschreckendem Hintergrund. Mercurol ist kein Ort, den man mit Verbrechen verbindet. Rebstöcke, Rundsteinmauern, Dorfleben. Hier kennt man sich. Und doch hat die Nacht auf den ersten Advent die Idylle zerstört. Unmittelbar vor einem Einfamilienhaus wird ein Auto von Schüssen durchsiebt. Sechs Einschusslöcher in der Fassade des Hauses belegen die Heftigkeit des Angriffs. Die beiden jungen Frauen befanden sich im Fahrzeug oder unmittelbar daneben. Der Fahrer des Wagens bringt sie in Panik ins nahe…

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  • Apprieu – tödliche Schüsse hinter geschlossenen Türen

    Apprieu – tödliche Schüsse hinter geschlossenen Türen

    Manchmal ist es die Stille, die am lautesten schreit. In Apprieu, einer kleinen Gemeinde im Département Isère, steht ein weißes Haus, wie viele andere. Zwei Etagen, ein Garten, eine Auffahrt. Kein Lärm, keine Vorfälle, nichts Auffälliges – bis auf jenen Donnerstagnachmittag, an dem eine Frau zur Tür ihrer Schwester geht und klingelt. Was sie dort vorfindet, wird sie niemals vergessen: zwei leblose Körper, mehrere Einschusslöcher, eine Stille, die ohrenbetäubend wirkt. Es ist der 27. November. Zwei Menschen, Anfang dreißig, werden erschossen aufgefunden – eine Frau und ein Mann, offenbar ein Paar. Nach allem, was die Ermittlungen bislang ans Licht gebracht haben, spricht vieles für ein vertrautes Drama: mutmaßlicher Feminizid, gefolgt von einem Suizid. Ein schrecklicher Verdacht, gestützt durch die Umstände am Tatort, die Aussagen der Angehörigen, die Spurenlage. Die Schwester der Frau ist es, die Alarm schlägt. Sie wollte eigentlich nur nachsehen, warum sich die junge Frau nicht meldet…

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  • Remigration – Wie ein rechtsextremer Kampfbegriff Einzug in die US-Politik hält

    Remigration – Wie ein rechtsextremer Kampfbegriff Einzug in die US-Politik hält

    Donald Trump hat in seiner ersten Amtszeit mit rhetorischen Grenzüberschreitungen Politik und Furore gemacht. In seiner zweiten, nach dem Wahlsieg 2024, werden aus impliziten Andeutungen nun explizite Forderungen. Der Begriff „Remigration“, bislang ein ideologischer Kampfbegriff der europäischen Rechten, ist mittlerweile Teil offizieller Verlautbarungen seiner Regierung. Was steckt hinter dem Wort – und welche politischen Konsequenzen birgt es?

    Trump nutzt „Remigration“ nicht mehr nur als Schlagwort. Er deutet an, eine Rückführung von Migrantinnen und Migranten sei notwendig, um „die amerikanische Gesellschaft zu retten“. In sozialen Medien erklärte er jüngst, „nur eine Rück-Migration könne die Situation vollständig heilen“. Dabei geht es nicht nur um illegale Einwanderung. Vielmehr wird suggeriert, dass auch Menschen mit legalem Aufenthaltsstatus oder sogar mit Staatsbürgerschaft das Land verlassen sollten, sofern sie nicht in ein bestimmtes kulturelles oder ethnisches Raster passen.

    Ideologisches Erbe aus Europa

    Der Begriff „Remigration“ stammt aus der Sprache europäischer Identitärer und Rechtsextremer. Er fungiert dort als Euphemismus für ethnisch motivierte Massenabschiebungen – mit dem erklärten Ziel, nationale „Reinheit“ wiederherzustellen. Besonders in Deutschland, Österreich und Frankreich wird der Begriff seit Jahren von rechtspopulistischen und rechtsradikalen Parteien verwendet, häufig in Verbindung mit der verschwörungstheoretischen „Great Replacement“-Erzählung: der angeblichen Ersetzung weißer europäischer Mehrheitsgesellschaften durch Migration.

    In Deutschland war die Debatte besonders aufgeladen, nicht zuletzt wegen der historischen Erinnerung an Deportationen im Nationalsozialismus. Die politische Aufladung des Begriffs ist so stark, dass er 2023 zum Unwort des Jahres gekürt wurde – als Beispiel für ein menschenverachtendes, verschleierndes Sprachmuster.

    Institutionalisierung in den USA

    Was bislang als extremistische Rhetorik galt, erhält nun institutionelle Form. Trumps Regierung hat angekündigt, ein „Office of Remigration“ im State Department schaffen zu wollen. Das Department of Homeland Security (DHS) verbreitete kürzlich in sozialen Netzwerken die Parole: „Remigration jetzt“. Dies ist keine rhetorische Eskalation mehr, sondern Ausdruck einer konkreten politischen Agenda.

    Diese Agenda zielt nicht nur auf die Verhinderung künftiger Migration, sondern auch auf die Umkehr bereits erfolgter Einwanderung. Damit wird ein Bruch mit jahrzehntelanger US-Einwanderungspolitik vollzogen, die – bei aller Kritik – auf Integration, Regularisierung und legale Einwanderung setzte.

    Ein Einzelfall als politischer Hebel

    Ausgelöst wurde die jüngste Welle rund um „Remigration“ durch einen gewalttätigen Vorfall in Washington: Ein afghanischer Flüchtling, der zuvor mit amerikanischen Einheiten in Afghanistan gearbeitet hatte, erschoss mutmaßlich einen Nationalgardisten und verletzten einen weiteren schwer. Obwohl es sich um einen Einzelfall handelt, nutzte Trump das Ereignis umgehend, um Migration aus ärmeren Ländern pauschal als Sicherheitsrisiko darzustellen. Die Vergabe von Visa an afghanische Staatsbürger wurde ausgesetzt, Asylanträge gestoppt.

    Solche Generalverdächtigungen sind nicht neu. Doch in der Verbindung mit einem Begriff wie „Remigration“, der in seiner Logik auf pauschale Diskriminierung hinausläuft, wird daraus ein gefährlicher politischer Kurswechsel.

    Gesellschaftspolitische und rechtliche Implikationen

    Die Diskussion um „Remigration“ berührt fundamentale Prinzipien liberaler Demokratien. Das Recht auf Asyl, der Schutz vor willkürlicher Ausweisung und die Gleichheit vor dem Gesetz stehen zur Disposition, wenn Herkunft oder kulturelle Prägung zur Kategorie staatlicher Zugehörigkeit gemacht werden.

    Remigration bedeutet in letzter Konsequenz nicht nur eine restriktive Einwanderungspolitik, sondern eine Politik der sozialen Selektion – entlang ethnischer, religiöser oder kultureller Kriterien. Dies widerspricht nicht nur internationalem Recht, sondern auch zentralen Verfassungswerten westlicher Demokratien.

    Export rechter Ideen

    Die Übernahme des Begriffs „Remigration“ durch die US-Regierung zeigt, wie sich rechtsextreme Narrative international verbreiten. Was in Europa als extremistisch galt, wird nun in den USA zum Bestandteil offizieller Politik. Es handelt sich um einen transatlantischen Ideenimport, der sich nicht auf Sprache beschränkt, sondern inzwischen sogar institutionelle Realität schafft.

    Dass ein Konzept, das im Kern auf Ausschluss und ethnisch definierte Zugehörigkeit zielt, in einem Einwanderungsland wie den USA politische Gestalt annimmt, markiert einen tiefgreifenden Paradigmenwechsel. Es ist ein Signal, das weit über die Vereinigten Staaten hinaus Resonanz finden dürfte – in einer Welt, in der Migration zum zentralen Thema gesellschaftlicher Auseinandersetzungen geworden ist.

    Autor: Andreas M. Brucker

  • Frankreichs neue Linie gegen „Taxi-Boote“ – Ein riskanter Kurswechsel in der Migrationspolitik

    Frankreichs neue Linie gegen „Taxi-Boote“ – Ein riskanter Kurswechsel in der Migrationspolitik

    Sie kommen bei Nacht, mit kaum mehr als einem GPS-Gerät und der Hoffnung, England zu erreichen. Kleine Schlauchboote, voll besetzt mit Menschen, die über den Ärmelkanal fliehen wollen – einer der gefährlichsten Seewege Europas. In Frankreich tragen sie einen zynischen Spitznamen: „Taxi-Boote“. Jetzt zieht die Regierung die Reißleine – und stellt die Strategie auf See grundlegend um. Die Gendarmerie maritime, bislang vor allem für Seenotrettung und Küstenüberwachung zuständig, erhält ein neues Mandat: Sie darf eingreifen, bevor das Drama beginnt. Nicht erst, wenn die Migranten an Bord sind – sondern schon, wenn die Boote noch leer sind, auf der Lauer, um an der Küste ihre menschliche Fracht aufzunehmen. Das klingt nach Kontrolle. Nach Ordnung. Nach einem entschlossenen Staat. Aber es birgt Risiken – und erzählt viel über das europäische Dilemma in der Migrationsfrage.

    Der Vorstoß kommt nicht aus dem Nichts. Seit Jahren kämpfen die französischen Behörden gegen ein System, das sich zuneh…

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