Ein kleiner Ort im Département Nord, ein stiller Abend im Oktober – und dann ein Knall, der alles verändert. In Saint-Python, einer Gemeinde mit kaum mehr als 1.000 Bewohnern, ist am Donnerstagabend ein 70-jähriger Mann ums Leben gekommen. Die Ursache: eine alte Granate, ein Relikt aus vergangenen Kriegen, das der Rentner in seinem Zuhause manipulierte. Die Explosion riss ihn aus dem Leben – und riss zugleich eine Frage wieder auf, die Frankreich nicht loslässt: Wie gefährlich sind die Altlasten der Geschichte?
Das Unglück
Donnerstag, 9. Oktober, gegen 21:30 Uhr. Die Rettungskräfte eilen zu einem Haus in Saint-Python. Was sie dort erwartet, ist eine Szenerie wie aus einem Katastrophenfilm: ein zerstörtes Zimmer, ein toter Mann – und fünf weitere Sprengkörper auf dem Gelände. Entschärfer sichern die verbliebenen Granaten, Spezialisten übernehmen die Spurensicherung. Schnell wird klar: Der Verstorbene war allein, es gibt keine weiteren Opfer.
Weniger klar ist, wie und warum es überhaupt …
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Noch vor wenigen Jahren stand das französische Unternehmen Les Forges de Tarbes kurz vor der Schließung. Heute jedoch brummt die Produktion wie nie zuvor. Getrieben von der steigenden Nachfrage nach Munition – insbesondere durch den Krieg in der Ukraine und den allgemeinen Wiederaufrüstungsbedarf Europas – ist die Fertigung von 155-mm-Artilleriegranaten zur obersten Priorität geworden.
Die Forges de Tarbes, die zum Unternehmen Europlasma gehören, sind der einzige Produktionsstandort in Frankreich für diese Art von Artilleriemunition. Ihre Aufgabe: Die Herstellung der hohlen Granatenkörper, die später mit Sprengstoff gefüllt und in den Einsatz geschickt werden.
Doch wie konnte sich dieses Unternehmen aus der Krise zu einem unverzichtbaren Bestandteil der europäischen Verteidigungsindustrie entwickeln?
Von der Schließung bedroht – jetzt unverzichtbar
Noch 2021 stand Les Forges de Tarbes vor dem Aus. Ohne große Aufträge war das Überleben des Betriebs fraglich. Doch mit dem Kriegsausbruch in der Ukraine 2022 änderte sich alles.
Die Nachfrage nach Artilleriemunition explodierte förmlich, und plötzlich waren Produktionsstätten wie die in Tarbes heiß begehrt. Im Jahr 2024 wird das Werk fast 60.000 Granatenkörper herstellen – ein rasanter Anstieg im Vergleich zu den Vorjahren. Derzeit liegt die Produktionsrate bei 2.000 Granaten pro Woche, doch bis Ende des Jahres soll diese Zahl auf 15.000 pro Monat steigen.
Und das ist erst der Anfang. Langfristig könnte die Kapazität auf 20.000 Granaten pro Tag erhöht werden – eine enorme Zahl, aber im Vergleich zu Russland dennoch bescheiden. Dort liegt die Produktionskapazität bei 50.000 Granaten täglich.
Doch Europlasma produziert nicht nur für die Ukraine. Auch andere europäische Länder bestellen Artilleriemunition, darunter die Tschechische Republik, die kürzlich einen Auftrag über 50.000 Granatenkörper erteilt hat.
Neue Standorte für die europäische Rüstungsproduktion
Die Forges de Tarbes sind mittlerweile ein zentraler Akteur, aber das reicht nicht aus. Um die Produktion weiter zu steigern, plant Europlasma den Ausbau zusätzlicher Standorte.
Ein vielversprechendes Projekt ist die Wiederbelebung des Unternehmens Valdunes in Nordfrankreich. Ursprünglich spezialisiert auf die Produktion von Eisenbahnrädern, soll das Werk künftig auch großkalibrige Granaten fertigen.
Doch damit nicht genug: Europlasma zeigt auch Interesse an den Fonderies de Bretagne, einem ehemaligen Zulieferer der Automobilindustrie. Falls die Übernahme gelingt, könnte hier täglich die Produktion von über 20.000 mittleren Kalibergranaten (120 mm) aufgenommen werden.
Diese Expansion ist mehr als nur ein geschäftlicher Schritt – sie ist eine Antwort auf die drängende Frage nach der europäischen Verteidigungsfähigkeit.
Die Herausforderungen der Hochskalierung
Trotz der wachsenden Nachfrage gibt es zwei große Hürden, die das Wachstum der Rüstungsproduktion bremsen:
Fachkräftemangel Die Forges de Tarbes kämpfen mit einem akuten Mangel an gut ausgebildeten Arbeitskräften. Besonders gefragt sind Schweißer, Schmiede und Kesselbauer – Berufe, die in den letzten Jahrzehnten immer weniger junge Menschen erlernen wollten.
Fehlende Maschinen und lange Lieferzeiten Ein weiteres Problem ist die Anschaffung der notwendigen Maschinen. Besonders die Spezialwerkzeuge und Formen für die Produktion der Granaten sind schwer zu bekommen. Die steigende Nachfrage nach diesen Anlagen hat die Lieferzeiten verdoppelt, was den Produktionshochlauf verzögert.
Europas neue Rüstungsstrategie
Der Krieg in der Ukraine hat die europäische Verteidigungspolitik nachhaltig verändert. Während vor 2022 in Europa jährlich 300.000 bis 400.000 Artilleriegranaten produziert wurden, liegt die Zahl heute bei fast zwei Millionen pro Jahr – und sie soll weiter steigen.
Das Ziel ist klar: Europa will unabhängiger von externen Rüstungsproduzenten werden und eine eigene, leistungsfähige Rüstungsindustrie aufbauen. Ursula von der Leyen, Präsidentin der EU-Kommission, brachte es kürzlich auf den Punkt:
„Wir brauchen eine sehr schnelle Erhöhung der europäischen Verteidigungsfähigkeiten – und wir brauchen sie jetzt!“
Auch der Militärexperte Léo Péria-Peigné vom Institut Français des Relations Internationales (IFRI) sieht eine drastische Veränderung:
„Die Nachfrage ist enorm, und wenn die politischen Versprechen in die Tat umgesetzt werden, wird der Bedarf weiter steigen.“
Fazit: Europas Rüstungsindustrie vor einem neuen Zeitalter
Die Forges de Tarbes stehen sinnbildlich für die neue europäische Realität: Von der Krise zur Hochkonjunktur – angetrieben von geopolitischen Spannungen und der Notwendigkeit, die eigene Verteidigungsfähigkeit zu stärken.
Ob dieser Boom von Dauer sein wird, hängt jedoch von vielen Faktoren ab. Wird Europa seine strategische Unabhängigkeit sichern können? Und wird es gelingen, genug Fachkräfte und Maschinen zu finden, um die Produktion weiter hochzufahren?
Fest steht: Die „Schmieden von Tarbes“ sind nicht mehr das vergessene Unternehmen von 2021. Sie sind heute ein Symbol für den Wandel der europäischen Verteidigungsindustrie – und für eine Zukunft, in der Rüstungsgüter wieder ein wirtschaftlicher Motor sind.
Stell dir vor, du spazierst an einem idyllischen Strand in der Normandie und unter deinen Füßen lauern explosive Relikte aus der Vergangenheit. 80 Jahre nach dem D-Day bleibt eine unsichtbare Bedrohung bestehen: Munition und Bomben, die während des Zweiten Weltkriegs abgeworfen wurden und nie explodiert sind. Dieser sogenannte „Kriegsmüll“ ist nicht nur gefährlich für die Bevölkerung, sondern auch eine erhebliche Bedrohung für die Umwelt. Die französische Umweltschutzorganisation Robin des Bois hat ein Inventar dieser gefährlichen Überbleibsel erstellt und alarmierende Zahlen veröffentlicht.
Verborgene Gefahren
Rund 15% der im Zweiten Weltkrieg eingesetzten Munitionen sind nie explodiert und liegen noch immer im Boden oder im Meer. Charlotte Nithart von Robin des Bois erklärt: „Damals dachte man, das Versenken der Granaten im Meer sei die richtige Lösung. Doch heute haben wir es mit Unterwasser-Müllhalden zu tun.“ Diese Waffen, von Granaten bis zu riesigen Bomben, sind über die Jahre hinweg zu tickenden Zeitbomben geworden. Was würde passieren, wenn jemand zufällig auf eine dieser Bomben stößt?
Die Bedrohung kommt jedoch nicht nur von Land. Vor den Stränden der Normandie liegen 34 Wracks, von Cherbourg bis Dieppe, die während der Kämpfe sanken oder nach 1945 absichtlich versenkt wurden. Eine besonders besorgniserregende Zone enthält 18 Landungsboote mit insgesamt 2000 amerikanischen Bomben an Bord. Diese Wracks und Bomben rosten langsam vor sich hin, und die darin enthaltenen Chemikalien wie TNT, Arsen, Quecksilber und Blei könnten bald die Nahrungsketten kontaminieren.
Die Notwendigkeit eines umfassenden Plans
Charlotte Nithart kritisiert, dass die Ausmaße dieser Umweltverschmutzung nur unzureichend untersucht und die Ergebnisse oft als „geheime Verschlusssache“ klassifiziert wurden. Robin des Bois fordert daher mehr Transparenz und die Schaffung einer spezialisierten Branche zur Entsorgung von Kriegsabfällen. „Was wir brauchen, ist ein ‚Marshallplan‘ für die Entminung, mit systematischeren Detektionen statt zufälliger Funde“, betont Nithart.
Ein Kampf gegen die Zeit
Bei dem aktuellen Tempo der Entminung würde es laut der Organisation 700 Jahre dauern, um Frankreich von diesen Kriegsrelikten zu befreien. Die Langsamkeit dieses Prozesses birgt das Risiko zukünftiger gesundheitlicher Skandale und Umweltkatastrophen. Es ist klar, dass dieses Problem nicht von selbst verschwindet.
Was tun?
Es stellt sich die Frage: Wie können wir diese unsichtbare Bedrohung beseitigen? Eine verstärkte internationale Zusammenarbeit und der Einsatz moderner Technologien zur Entdeckung und Entsorgung dieser Altlasten sind unerlässlich. Es ist nicht nur eine Frage der Sicherheit, sondern auch eine Frage des Respekts gegenüber den kommenden Generationen und der Umwelt, die wir ihnen hinterlassen.
Die Geschichte des Zweiten Weltkriegs mag in Geschichtsbüchern festgehalten sein, doch die Spuren dieses Krieges sind in der Normandie immer noch sehr real. Diese Spuren fordern uns auf, uns zu erinnern und zu handeln, bevor es zu spät ist. Denn in den Tiefen der Vergangenheit lauern Gefahren, die noch immer unsere Gegenwart und Zukunft bedrohen.
Angesichts der geopolitischen Umwälzungen durch den Krieg in der Ukraine und die globale Aufrüstung appelliert der französische Präsident Emmanuel Macron an die Rüstungsindustrie, ihre Produktion zu steigern und zu beschleunigen. Diesen Aufruf machte er bei der Grundsteinlegung einer neuen Munitionsfabrik in Bergerac, Südwestfrankreich, deutlich.
„Wir stehen dauerhaft vor einem geopolitischen und geostrategischen Wandel, in dem die Verteidigungsindustrien eine zunehmend wichtige Rolle spielen werden“, so Macron. Er betonte die Dringlichkeit, schnell und umfassend zu handeln, um eine „Kriegswirtschaft“ zu etablieren und die Ukraine weiterhin gegen Russland zu unterstützen.
Ein neues Kapitel in der französischen Rüstungsproduktion
Mit der neuen Anlage des europäischen Marktführers für Pulver und Sprengstoffe, Eurenco, soll ab Anfang 2025 jährlich 1.200 Tonnen Treibladungspulver für Artilleriegeschosse produziert werden. Dies markiert eine Kehrtwende in der französischen Rüstungspolitik, …
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Frankreich organisiert seine Militärhilfe für Kiew neu: Das Heeresministerium kündigt unter anderem die baldige Lieferung von sechs neuen Caesar-Kanonen an.
Frankreich baut seine militärische Unterstützung für die Ukraine aus. Sechs neue Caesar-Kanonen, vierzig Scalp-Langstreckenraketen, mehrere hundert Bomben und etwa fünfzig Luft-Boden-Raketen werden in den nächsten Wochen in die Ukraine geschickt. Eine deutliche Beschleunigung bei allen Arten von Munition, einschließlich Granaten, wurde angekündigt. „Zwischen Februar 2022 und April 2023 lieferten wir 1.000 Granaten pro Monat, seit Februar 2023 sind es 2.000 Granaten pro Monat und ab diesem Monat werden es 3.000 Granaten pro Monat sein“, erläuterte der französische Verteidigungsminister Sébastien Lecornu.
Um die Kräfte Kiews gegenüber Russland zu stärken, beschlossen Amerikaner und Europäer, eine sogenannte Artilleriekoalition ins Leben zu rufen. Dies ist eine der Aktionen, die Bemühungen im Bereich der Militärhilfe, die tendenziell kürzlich nachgelassen hatten, wieder zu beleben. In den letzten Monaten hatten Länder wie Norwegen, Schweden und Polen mehr Hilfe für die Ukraine geleistet als Frankreich. Auf einer Pressekonferenz kündigte Emmanuel Macron jetzt an, dass er im Februar in die Ukraine reisen werde.
Der französische Präsident forderte die französische Rüstungsindustrie am Freitag dazu auf, schneller zu produzieren. Emmanuel Macron erinnerte insbesondere daran, wie wichtig es sei, die ukrainische Armee in ihrem Krieg gegen Russland zu unterstützen und damit große Rüstungsaufträge zu gewinnen.
Macron möchte Frankreich aufrüsten. Der französische Präsident Emmanuel Macron forderte am Freitag, dem 19. Januar, die französische Rüstungsindustrie außerdem auf, schneller auf die Bedürfnisse der Ukraine im Krieg gegen Russland zu reagieren.
„Wir werden den Ukrainern weiterhin helfen“, denn „man darf Russland nicht denken lassen, dass es gewinnen kann (…) Ein russischer Sieg ist das Ende der europäischen Sicherheit“, sagte der französische Staatschef im Rahmen seiner Neujahrswünsche für die Streitkräfte auf dem Marinestützpunkt Cherbourg (Departement Manche).
Aber dafür müsse die französische Verteidigungsindustrie in den „Kriegswirtschaftsmodus“ mit „einer schnelleren und stärkeren Produkt…
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Ab dem 1. Januar darf in Frankreich Jagdmunition der Kategorien C und D von Tabakhändlern gegen Vorlage des Jagdscheins verkauft werden.
Ab Januar 2024 können Tabakhändler in Frankreich nach entsprechender Ausbildung und Zulassung auch Dienstleistungen für Jäger erbringen. „Für mich wird sich nicht viel ändern“, versichert eine Tabakhändlerin gegenüber Franceinfo. Betroffen wird Munition der Kategorien C und D für die Jagd sein, die nur gegen Vorlage eines Jagdscheins abgegeben werden darf. Die Nachricht überrascht die anderen Kunden. „Warum gibt es das hier? Das bedeutet, dass es irgendwo eine Waffe gibt. (…) Für mich ist das kein Ort für Munition“, bedauert eine Frau.
Mehr als eine Million Jäger in Frankreich. Für die Jäger hingegen ist es ein Glücksfall. „Ich finde, dass es eine schöne Initiative ist, um es den Jägern zu ermöglichen, die Patronen so nah wie möglich an ihrem Wohnort zu kaufen“, begrüßt ein Kunde die neue Maßnahme. Jäger müssen oft kilometerweit fahren, um einen Büchsenmacher oder Waffenhändler zu finden. Solche Geschäfte werden immer seltener. In einem Ausbildungszentrum für den Jagdschein fühlen sich passionierte Jäger verstanden. „Es ist praktisch. Es kann gelegentlich als Pannenhilfe dienen“, versichert ein Mann. Ein anderer meint: „Das wäre gut für die kleinen Dörfer“. Nach Angaben des Verbands gibt es in Frankreich mehr als eine Million praktizierende Jäger und 23.000 Tabakläden, die an sechs Tagen in der Woche geöffnet sind.