Schlagwort: Montpellier

  • Wenn der Süden zittert – Montpellier entdeckt den Winter

    Wenn der Süden zittert – Montpellier entdeckt den Winter

    Minus zwei Grad am Morgen. Für Berlin eine Randnotiz, für München ein Achselzucken, für Montpellier jedoch ein kleines meteorologisches Erdbeben. Die Stadt am Mittelmeer, sonst verwöhnt von milder Brise und sonnigem Nonchalance-Klima, friert. Und mit ihr ein ganzer Landstrich, der Kälte eher aus Erzählungen kennt als aus eigener Anschauung. Der Winter hat sich festgesetzt, nicht nur mit einem nächtlichen Gruß, sondern mit einer ganzen Woche Temperaturen unter dem Gefrierpunkt. Auch im Département Hérault gehört das zu den Ausnahmen. Die Reaktion der Menschen fällt entsprechend aus. Mützen und Handschuhe dominieren das Straßenbild, Schals werden tiefer ins Gesicht gezogen, Gespräche beginnen mit dem gleichen Satz: Unter null, das ist hier schon fast eine Katastrophe. Man sieht es an den Gesichtern. Erstaunen, ein wenig Stolz, ein bisschen Klage. Die Kälte trifft auf Ungeübte. Montpellier, sonst Ort des leichten Flanierens, wirkt für ein paar Tage wie eine Bühne für Improvisation. Wer mo…

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  • Das Hérault im Griff einer Jahrhundertflut

    Das Hérault im Griff einer Jahrhundertflut

    Der Süden Frankreichs kennt das Spiel mit dem Wasser. Manchmal leise, manchmal bedrohlich. Doch was sich in diesen Tagen im Département Hérault abspielt, sprengt selbst die Erfahrungswerte einer Region, die an meteorologische Extreme gewöhnt ist. Seit Dienstag, dem 23. Dezember 2025, steht das Département weiter unter roter Hochwasserwarnstufe. Rote Warnstufe – das klingt bürokratisch, meint aber etwas sehr Konkretes: Gefahr für Leib und Leben, für Häuser, Straßen, Gewissheiten.

    Ausgegeben wurde diese höchste Alarmstufe von Météo-France, und sie gilt nicht aus Vorsicht, sondern aus Notwendigkeit. Die Niederschläge der vergangenen Tage haben den Boden förmlich aufgeweicht, ihn in einen Schwamm verwandelt, der längst nichts mehr aufnehmen kann. In und um Montpellier fielen binnen kurzer Zeit bis zu 130 Liter Regen pro m2. Zahlen, die trocken wirken, bis man sieht, was sie anrichten.

    Der Fluss Hérault, sonst ein ruhiger Begleiter des Alltags, ist zum Hauptdarsteller geworden. Besonders in seinem Unterlauf, dort, wo er sich Richtung Mittelmeer bewegt, stieg der Pegel schneller, als viele reagieren konnten. In Agde verschwanden Promenaden unter braunem Wasser, als hätte der Fluss beschlossen, sich seinen historischen Raum zurückzuholen. Die gemessenen Werte erinnern an die großen Überschwemmungen der Jahre 1994 und 1995. Mehr als drei Jahrzehnte ist das her – für viele Bewohner eine ferne Erinnerung, für Jüngere eine völlig neue Erfahrung.

    Der Scheitelpunkt der Flut wurde am Montagabend gegen 20 Uhr erreicht, doch Entwarnung klingt anders. Zwar ließ der Regen nach, doch Wasser folgt eigenen Gesetzen. Es kommt verzögert, sammelt sich, drückt nach. Straßen bleiben gesperrt, Nebenachsen verwandeln sich in Rinnsale, dann in Ströme. Wer dachte, ein kurzer Blick reiche, stand plötzlich vor Absperrbändern und Blaulicht.

    Auch der Alltag bekam Risse. Rund tausend Haushalte saßen zeitweise ohne Strom, allein in Montpellier mehr als fünfhundert. Techniker arbeiteten unter Hochdruck, während Feuerwehr und Rettungsdienste pausenlos ausrückten. Hunderte Anrufe gingen ein, Menschen mussten aus gefährdeten Bereichen gebracht, Keller leergepumpt, Tiere in Sicherheit gebracht werden. Öffentliche Orte wurden vorsorglich geschlossen, Parks verriegelt, selbst vertraute Ausflugsziele blieben unzugänglich. Für viele fühlte sich das an wie ein Stillstand mitten im Weihnachtsgeschäft. Ziemlich bitter, um es salopp zu sagen.

    Die Präfektur reagierte mit einem engmaschigen Überwachungs- und Einsatzkonzept. Durchsagen, Warnmeldungen, klare Appelle. Nicht durch überflutete Straßen fahren. Abstand zu Flussufern halten. Zuhause bleiben, wenn es geht. Das klingt banal, rettet aber Leben. In solchen Momenten zeigt sich, wie dünn die Linie zwischen Routine und Ausnahmezustand verläuft.

    Meteorologisch betrachtet handelt es sich um einen klassischen, wenn auch außergewöhnlich heftigen sogenannten mediterranen Starkregen. Warme, feuchte Luftmassen steigen vom Mittelmeer auf und treffen in der Höhe auf kältere Luft. Das Ergebnis sind ortsfeste Gewitterzellen, die stundenlang Regen abladen, als gäbe es kein Morgen. Normalerweise ein Phänomen des Herbstes, diesmal jedoch ein winterlicher Nachzügler mit Wucht. Die Böden, ohnehin gesättigt von vorangegangenen Niederschlägen, verloren jede Pufferfunktion. Die Flüsse reagierten prompt.

    Der Hérault ist in dieser Hinsicht kein Einzelfall, aber ein Lehrbuchbeispiel. Kurze Einzugsgebiete, schnelle Reaktionszeiten, dichte Besiedlung entlang der Wasserläufe. All das verstärkt die Wirkung solcher Ereignisse. Historisch gesehen gab es immer wieder schwere Hochwasser, doch die aktuelle Lage zeigt erneut, wie verletzlich selbst moderne Infrastruktur bleibt. Brücken, Straßen, Stromnetze – vieles ist auf Normalität ausgelegt, nicht auf Extreme.

    Und genau hier beginnt die größere Debatte. Denn diese Flut steht nicht isoliert. Sie reiht sich ein in eine Serie von Wetterereignissen, die häufiger auftreten, intensiver, unberechenbarer. Klimatische Veränderungen verschieben Muster, verlängern Risikoperioden, erhöhen die Fallhöhe. Das ist keine Panikmache, sondern nüchterne Beobachtung. Wer heute entlang des Hérault steht und auf das Wasser blickt, versteht intuitiv, was Statistiken oft abstrakt formulieren.

    Nach Angaben der Wetterdienste bleibt die rote Warnstufe mindestens bis zum 24. Dezember bestehen. Erst wenn die Pegel nachhaltig sinken und keine neuen Niederschläge drohen, wird eine Herabstufung denkbar. Auch benachbarte Départements stehen unter erhöhter Beobachtung. Es ist ein regionales Ereignis, kein lokales Missgeschick.

    Für die Menschen vor Ort ist es vor allem eines: eine Bewährungsprobe. Für Behörden, für Einsatzkräfte, für Nachbarschaften. Man hilft sich, tauscht Informationen aus, bringt Sandsäcke, kocht Kaffee für Helfer. Diese kleinen Gesten tragen durch große Lagen. Und sie erinnern daran, dass Resilienz nicht nur aus Beton und Deichen besteht, sondern aus Gemeinschaft.

    Der Fluss wird sich wieder zurückziehen. Das tut er immer. Zurück bleiben Schlamm, Schäden, Fragen. Wie bauen wir künftig? Wo lassen wir dem Wasser Raum? Und wie bereiten wir uns auf Ereignisse vor, die früher als Ausnahme galten und heute fast schon zur Regel tendieren? Antworten darauf brauchen Zeit, Geld und politischen Willen. Aber sie beginnen mit dem genauen Hinsehen – jetzt, während das Wasser noch hoch steht.

    Von C. Hatty

  • Montpellier im Ausnahmezustand – wenn der mediterrane Himmel seine Schleusen öffnet

    Montpellier im Ausnahmezustand – wenn der mediterrane Himmel seine Schleusen öffnet

    Drei Tage Regen, 300 Liter Niederschlag und ein ganzes Stadtgebiet, das plötzlich aussieht wie ein aufgewühltes Meer: Montpellier erlebt in diesen Wintertagen ein Hochwasserereignis, das sich einbrennt – in Straßenzüge, in Erinnerungen, in das Selbstverständnis einer Region, die an Wetterkapriolen gewöhnt scheint und doch immer wieder überrascht wird.Wer am Morgen die Innenstadt betritt, spürt sofort dieses eigentümliche Schweigen, das überflutete Städte begleitet. Es ist das Schweigen des Wassers, das Besitz ergreift, Zentimeter für Zentimeter. Der Lez, sonst ein eher beschauliches Gewässer, wollte schlicht nicht mehr in seinem Bett bleiben. Er tritt über die Ufer, breitet sich aus, tritt über die Kais, bis er Straßen in Kanäle verwandelt. Ein Anblick, der an ferne Bilder aus anderen Weltregionen erinnert und doch mitten im Herzen Südfrankreichs stattfindet. Auf den Schienen steht das Wasser so hoch, dass der Tramwagen nicht gleitet, sondern kämpft – wie ein Schiff, das in viel zu fla…

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  • Wohnstress statt Studi-Start: Warum der Wohnungsmarkt in Montpellier zum Prüfstein für junge Menschen wird

    Wohnstress statt Studi-Start: Warum der Wohnungsmarkt in Montpellier zum Prüfstein für junge Menschen wird

    Es ist jedes Jahr dasselbe Spiel – und es wird nicht einfacher. In Montpellier, einer der größten Uni-Städte Frankreichs, beginnt das Wintersemester 2025 nicht mit akademischer Vorfreude, sondern mit dem bangen Blick auf den Wohnungsmarkt. Zehntausende Studierende suchen ein Dach über dem Kopf. Doch die Angebote bleiben knapp, die Mieten steigen – und die Wartelisten sind längst keine Listen mehr, sondern regelrechte Mauern. Der Wohnungsmarkt? Ein Dschungel. Und viele stolpern schon am Eingang. Ausbau, Ausbau, Ausbau – und trotzdem zu wenig Die Institution „Crous de Montpellier-Occitanie“, zuständig für studentische Wohnheime, gibt sich alle Mühe. Im März 2025 wurden 72 neue Studios in der Cité Boutonnet eingeweiht. Weitere 150 Wohnungen sollen dort bis Jahresende entstehen. Im September folgt zusätzlich ein neues Wohnhaus mit 90 Einheiten – 200 weitere sind bereits eingeplant. Ein beachtliches Tempo. Aber: Montpellier zählt über 80.000 Studierende. Und nur rund 9 Prozent von ihnen erg…

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  • Montpellier setzt auf sterile Tigermücken – ein biologisches Experiment gegen die Plage

    Montpellier setzt auf sterile Tigermücken – ein biologisches Experiment gegen die Plage

    Seit dem 21. August 2025 flattern in Montpellier nicht nur die gewohnten Spätsommerschmetterlinge durch die Luft. Im Stadtteil Malbosc, am nordwestlichen Rand der Stadt, wurden zehntausende sterile Tigermücken-Männchen freigesetzt. Ziel: den Fortpflanzungskreislauf einer Spezies durchbrechen, die längst zum Symbol einer neuen Gesundheitsgefahr in Südfrankreich geworden ist – der Aedes albopictus, besser bekannt als Tigermücke.

    Eine biologische Wette mitten in der Stadt Die Idee klingt fast paradox: Um eine Mückenplage einzudämmen, setzt man noch mehr Mücken frei. Doch hier steckt Methode dahinter. Entwickelt wurde das Projekt von der Montpellier-Start-up-Firma Terratis, unterstützt von der Stadtverwaltung. Dahinter steckt die sogenannte Technik des sterilen Insekts (TIS): Männliche Mücken werden in speziellen Anlagen gezüchtet, sterilisiert und anschließend in die Umgebung entlassen. Treffen sie auf Weibchen, kommt es zwar zur Paarung – aber nicht zu Nachkommen. Der Fortpflanzungszykl…

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  • Montpellier im Schock: 20-Jähriger schwebt nach Messerattacke zwischen Leben und Tod

    Montpellier im Schock: 20-Jähriger schwebt nach Messerattacke zwischen Leben und Tod

    Ein lauer Sommerabend im Zentrum von Montpellier endet in einem Albtraum. Mitten in der Nacht vom 13. auf den 14. August wurde ein 20-jähriger Mann aus Grenoble Opfer einer brutalen Messerattacke. Acht Stiche, eine lebensgefährliche Verletzung – die Innenstadt verwandelte sich binnen Minuten in einen Tatort, an dem sich Fassungslosigkeit und Angst mischten. Ein Streit eskaliert zur Messerattacke Die Tat ereignete sich inmitten der belebten Straßen der Altstadt. Ein Streit, dessen Hintergründe noch unklar sind, eskalierte zwischen zwei Gruppen junger Männer. Die Angreifer, ebenfalls aus Grenoble, im Alter von 17, 19 und 25 Jahren, sollen ihr Opfer regelrecht in die Enge getrieben haben. Augenzeugen berichten, der 20-Jährige sei unter sein Fahrrad gedrückt und ohne Erbarmen mit Tritten und Schlägen malträtiert worden – bis die Klingen gezückt wurden. Acht Stiche trafen ihn, jeder einzelne ein potenzielles Todesurteil. Niemand griff ein. Niemand stoppte die Gewalt. Polizei fasst Verdächti…

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  • Montpellier – Wenn Feuer nicht nur Flammen, sondern Fragen entzündet

    Montpellier – Wenn Feuer nicht nur Flammen, sondern Fragen entzündet

    Zwei Wochen.Dutzende Feuer.6.000 Quadratmeter verbrannte Vegetation. In Montpellier stand jetzt ein 30-jähriger Mann vor Gericht, der zwischen dem 25. Juni und dem 5. Juli 2025 im Département Hérault immer wieder kleine Brände gelegt hatte. Seine Strafe: zwei Jahre Haft – ausgesetzt zur Bewährung. Dazu die Auflage, psychiatrische Behandlung in Anspruch zu nehmen, zu arbeiten und eine Ausbildung zu absolvieren. Die Botschaft des Gerichts ist klar: Abschreckung allein genügt nicht – es geht um Heilung.

    „C’était vraiment bête de ma part“ – ein Geständnis ohne AusflüchteRenaud C., so der Name des Verurteilten, hat vor der Strafkammer nichts abgestritten. Er sprach von „Pulsions“, innerem Drang, den er nicht erklären konnte. Scham prägte seine Worte. „Ich habe Schande über meine Familie gebracht. Sie haben recht, ich muss mich behandeln lassen.“ Solche Sätze hört man nicht oft in einem Gerichtssaal – und wenn, dann stehen sie meist am Ende einer langen Kette verpasster Hilfsangebote.

    Pyro…

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  • Feuerfront im Süden: Wie Hunderte Hektar zwischen Montpellier und Sète in Flammen aufgingen

    Feuerfront im Süden: Wie Hunderte Hektar zwischen Montpellier und Sète in Flammen aufgingen

    Ein Windstoß, eine Funkenbildung – und plötzlich lodert ein Inferno. Innerhalb weniger Stunden verwandelten sich am Montag die trockenen Landschaften zwischen Cournonsec und Montbazin in ein glühendes Flammenmeer. Mehr als 300 Hektar Vegetation verbrannten, während Feuerwehrleute, Löschflugzeuge und Anwohner gegen die entfesselten Naturgewalten ankämpften.

    Die Kulisse: Südfrankreich, Département Hérault. Es ist später Nachmittag, als die ersten Flammen gesichtet werden – ausgelöst durch vermeintlich harmlose Arbeiten an einem Gartenzaun. Eine winzige Unachtsamkeit, eine unglückliche Windböe – und die Katastrophe nimmt ihren Lauf.

    Ein Feuer, das keine Gnade kennt

    „Es ging so schnell. Erst dachte ich: Das haben sie im Griff. Doch keine halbe Stunde später war der Brand schon über die Straße gesprungen“, berichtet ein Augenzeuge, der fassungslos neben seinem Auto stand. Während die Löschflugzeuge vom Typ Dash und Canadair in dichter Taktung über den Verkehr hinwegdonnern, beobachten die Menschen, wie sich das Feuer unaufhaltsam seinen Weg durch Weinberge und Garrigue bahnt.

    Garrigue – das ist diese typisch südfranzösische Vegetation, niedrig, buschig, durchzogen von Dornensträuchern, Thymian, Wacholder. Wunderschön, wenn man darin wandert. Brandgefährlich, wenn sie ausgetrocknet ist.

    „Mehr als drei Kilometer hat das Feuer in nur drei Stunden zurückgelegt“, erklärt Éric Vial, stellvertretender Direktor der Feuerwehr im Département Hérault. „Das ist eine enorme Geschwindigkeit für ein Wald- und Buschfeuer.“

    Ein Nachmittag voller Schrecken

    Gegen Abend trifft der Wind mit bis zu 40 Stundenkilometern auf die brennende Landschaft – und facht das Feuer weiter an. Die Einsatzkräfte geraten an ihre Belastungsgrenze. Dutzende Menschen müssen ihre Häuser verlassen oder werden zum Verbleib in den eigenen vier Wänden aufgefordert. Manche riskieren dennoch alles.

    Ein Rentner, der eigentlich nicht evakuiert werden wollte, erzählt, wie er versuchte, sein Haus zu retten: „Ich hab alles gewässert – die Fensterläden, die Türen, den Boden vorm Haus. Das Feuer war schon keine 30 Meter mehr entfernt. Dann sagten sie mir: ‚Wenn wir jetzt nicht gehen, können wir Sie nicht mehr retten.‘“

    Ein Flächenbrand mit System

    Nicht nur zwischen Montpellier und Sète brannte es. Auch im benachbarten Département Aude meldeten die Einsatzkräfte neue Brandherde. Viele davon entzündeten sich nahezu gleichzeitig – kein seltenes Szenario, wenn die Böden dermaßen ausgedörrt sind und der Wind wie ein Blasebalg wirkt.

    Doch in den späten Abendstunden gelang es den Feuerwehrleuten tatsächlich, sämtliche Feuer unter Kontrolle zu bringen. Ein enormer Kraftakt, der einmal mehr zeigt, wie fragil das ökologische Gleichgewicht in mediterranen Zonen geworden ist.

    Was bleibt, ist Asche – und die Frage nach dem Morgen

    Jedes Jahr dasselbe Spiel? Der Süden Frankreichs kämpft nicht nur gegen Hitze, sondern gegen strukturelle Überforderung. Wenige Regentage, monatelange Trockenperioden, immer wieder Menschen, die in der Sommerhitze unbedacht handeln – und dann stehen plötzlich Häuser, Höfe, ganze Lebensräume auf dem Spiel.

    Autor: Andreas M. Brucker

  • Flammen in der Pinède – Großbrand nördlich von Montpellier schnell eingedämmt

    Flammen in der Pinède – Großbrand nördlich von Montpellier schnell eingedämmt

    Es riecht nach verbranntem Harz, während dichter Rauch über die Pinède bei Saint-Clément-de-Rivière aufsteigt.

    Montag, 7. Juli 2025. Früher Nachmittag. Ein Funke genügt – und binnen Minuten frisst sich das Feuer durch das trockene Unterholz an der Route de Ganges, wenige Kilometer nördlich von Montpellier.

    Der Wind peitscht die Flammen in Richtung Montferrier-sur-Lez. Ein infernalischer Tanz aus Hitze, Rauch und brennenden Kiefern. Bewohner berichten, sie hätten das Brummen der Löschflugzeuge gehört, bevor sie überhaupt realisierten, was vor sich ging.

    150 Feuerwehrleute sind im Einsatz.

    Vier Canadairs, ein Dash und ein Hubschrauber der Sécurité Civile kreisen über der Region, laden Wasser aus nahegelegenen Seen und werfen es auf die Feuerfronten, die scheinbar unaufhaltsam voranschreiten. Unten am Boden kämpfen Männer und Frauen in Schutzanzügen mit Schlauchleitungen, Motorsägen und Feuerspritzen gegen Glutnester, die immer wieder neu aufflammen.

    Die Präfektur ordnet die präventive Evakuierung einiger Wohnhäuser an. Anwohner verlassen ihre Häuser mit gepackten Taschen, Haustieren und Erinnerungen, in der bangen Hoffnung, dass ihre vier Wände verschont bleiben.

    „Wir sahen die Flammen von der Terrasse aus“, erzählt ein Mann, der mit seiner Familie Richtung Ortsausgang fuhr. „Alles ging so schnell – es war beängstigend.“

    Warum breiten sich solche Brände so rasend aus?

    Der Sommer. Trockenheit. Temperaturen weit über 30 Grad. Dazu eine Brise, die aus einem kleinen Feuer einen lodernden Brandherd macht, bevor jemand eingreifen kann. Waldbrandsaison in Südfrankreich – eine ständige Angst, die in diesem Moment wieder einmal zur Realität wurde.

    Doch dann die erleichternde Nachricht: Der Brand ist unter Kontrolle. Zunächst.

    Vier Hektar Wald hat er verschlungen, eine Fläche so groß wie fünf Fußballfelder. Keine Häuser wurden zerstört. Niemand wurde verletzt. Ein kleiner Sieg in einem Kampf, der für viele Feuerwehren im Süden ein Sommermarathon ist.

    Die Straßen rund um Saint-Clément-de-Rivière und Montferrier-sur-Lez bleiben dennoch vorerst gesperrt. Glutnester schwelen oft unbemerkt im Unterholz, bereit, bei dem kleinsten Windstoß wieder aufzuleben. Die Einsatzkräfte bleiben vor Ort, überwachen mit Wärmebildkameras und geschärften Sinnen die verbrannte Fläche.

    Denn wer garantiert, dass der nächste Funke nicht schon lauert?

    Dieses Feuer führt einmal mehr vor Augen, wie verletzlich periurbane Gebiete sind – Zonen am Stadtrand, in denen Natur und Wohnraum sich berühren. Saint-Clément-de-Rivière, Teil der Metropolregion Montpellier, ist eingebettet zwischen Wäldern und Garrigue – eine wunderschöne Lage, aber in diesen Zeiten auch eine hochgefährdete.

    Die Behörden mahnen zur Vorsicht. Rauchen im Wald? Verboten. Offenes Feuer? Verboten. Denn oft reicht ein vergessener Zigarettenstummel oder ein Funke von einem Autoauspuff aus, um ganze Lebensräume zu vernichten.

    Für viele wirkt die Gefahr abstrakt, bis sie sich in Form eines pechschwarzen Rauches am Horizont auftürmt. Waldbrände sind längst Teil des mediterranen Alltags geworden. Klimawandel, steigende Temperaturen und anhaltende Trockenphasen bilden ein brandgefährliches Trio.

    Die kommenden Wochen versprechen keine Entwarnung. Im Gegenteil. Wetterdienste kündigen anhaltend heiße, trockene Tage für ganz Okzitanien im Südwesten Frankreichs an.

    Vorsicht ist nicht nur gut gemeinter Rat. Sie ist pure Notwendigkeit.

    Denn so schnell das Feuer heute besiegt werden konnte – morgen könnte es an anderer Stelle sehr leicht erneut aufflammen.

    Autor: Andreas M. Brucker

  • Schwitzen für Singapur: Hitzeschlacht bei den Schwimmmeisterschaften in Montpellier

    Schwitzen für Singapur: Hitzeschlacht bei den Schwimmmeisterschaften in Montpellier

    Was bleibt von den französischen Schwimmmeisterschaften 2025 in Erinnerung? Nicht nur die beeindruckenden Leistungen im Becken – sondern vor allem der brutale Hitzeschock, der Athletinnen und Athleten an ihre Grenzen brachte. Zwischen dem 14. und 19. Juni verwandelte sich das moderne olympische Schwimmbad Angelotti in Montpellier in eine Art Dampfsauna. Bei Temperaturen von über 35 °C kämpften Frankreichs beste Schwimmer nicht nur um Medaillen und WM-Tickets, sondern buchstäblich ums Durchhalten. Hitzekollaps statt Höhenflug Roman Fuchs, frischgebackener französischer Meister über 200 Meter Freistil, brachte es auf den Punkt: „Es ist einfach nur schrecklich. Ich dachte, ich kippe gleich um.“ Schon das Anziehen der Wettkampfanzüge sei eine Tortur gewesen – und das, bevor überhaupt der Startschuss gefallen war. Auch Rückenschwimmer Yohann Ndoye-Brouard, Sieger über 100 Meter Rücken, wurde von der Hitze fast aus dem Rennen geworfen. „Ich habe Zucker genommen, Wasser getrunken – aber es wa…

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