Innerhalb weniger Stunden verwandelte sich die ohnehin angespannte Lage im Département Var in eine Katastrophe. Was nach tagelangen Löscharbeiten bereits unter Kontrolle schien, entfachte sich am Freitagnachmittag mit ungeheurer Wucht erneut. Gewaltige Mistralböen und stürmische Winde ließen verbliebene Glutnester wieder aufflammen und trieben das Feuer in rasantem Tempo durch das Massif du Gros Bessillon. Die Flammen erreichten nach Angaben der Feuerwehr eine Höhe von mehr als 25 Metern – ein Anblick, den selbst erfahrene Einsatzkräfte nur selten erleben.
Besonders dramatisch entwickelte sich die Situation in Montfort-sur-Argens. Die Gemeinde wurde innerhalb kürzester Zeit vollständig von den Flammen eingeschlossen. Das Feuer breitete sich so schnell aus, dass die Feuerwehr trotz eines massiven Kräfteaufgebots kaum eine Chance hatte, den Vormarsch rechtzeitig zu stoppen. Erste Häuser fielen den Flammen zum Opfer. Wie groß die Schäden tatsächlich ausfallen, lässt sich erst beurteilen, sobald alle betroffenen Gebiete sicher betreten werden können.
Der erneute Brandausbruch kam keineswegs aus heiterem Himmel. Zwar galt der Waldbrand nach acht Tagen intensiver Löscharbeiten als fixiert, vollständig gelöscht war er jedoch nicht. In Wurzeln, Baumstümpfen und ausgetrockneten Böden glimmten weiterhin zahlreiche Brandherde. Als der Wind auffrischte, trugen sogenannte Feuersprünge brennendes Material weit über die bisherigen Sicherheitslinien hinaus. Plötzlich stand die Region erneut vor einem Flammenmeer.
Für die Bewohner bedeutete das eine weitere belastende Evakuierung. Rund 2.500 Menschen aus Montfort-sur-Argens, Correns, Le Val und Châteauvert mussten ihre Häuser oder Ferienunterkünfte verlassen. Manche Familien packten bereits zum zweiten oder dritten Mal innerhalb weniger Tage das Nötigste zusammen. Die Rückkehr in die betroffenen Ortsteile bleibt vorerst untersagt. Viele wissen noch nicht, ob ihr Zuhause unversehrt geblieben ist.
Bis zum Samstagmorgen hatte das Feuer rund 1.250 Hektar Vegetation zerstört. Diese Fläche kommt zu den bereits zuvor verbrannten 4.500 Hektar hinzu. In der Nacht gelang es den Einsatzkräften immerhin, besonders gefährdete Bereiche rund um Correns und Montfort-sur-Argens zu sichern und eine weitere Ausbreitung vorerst einzudämmen. Doch Entwarnung gibt es nicht.
Rund 1.300 Feuerwehrleute kämpfen weiterhin gegen die Flammen. Unterstützt werden sie von Löschhubschraubern sowie Canadair- und Dash-Flugzeugen, die unermüdlich Wasser über den Brandherden abwerfen. Mehrere Straßen bleiben gesperrt, während Rauch und Asche weite Teile des Départements bedecken. Wegen der extremen Waldbrandgefahr sind sämtliche Waldgebiete im Var vorübergehend geschlossen.
Die kommenden Stunden dürften entscheidend sein. Steigende Temperaturen, trockene Luft und neuer Mistral könnten das Feuer jederzeit erneut anfachen. Für die Einsatzkräfte zählt deshalb jeder Meter, den sie sichern können. Ihr Ziel bleibt klar: die verbliebenen Brandherde einzukreisen und weitere Feuersprünge auf Ortschaften zu verhindern. Die Menschen in der Provence hoffen derweil auf eine Wetteränderung – denn gegen die Naturgewalten stoßen selbst die bestausgerüsteten Feuerwehren irgendwann an ihre Grenzen.
Autor: Andreas M. Brucker
