Schlagwort: Mobilitätswende

  • Sorgt endlich für Alternativen: Unsere Geldbeutel fahren längst elektrisch

    Sorgt endlich für Alternativen: Unsere Geldbeutel fahren längst elektrisch

    Es gibt Dinge, auf die man sich in Europa offenbar verlassen darf: auf Steuerbescheide, schlechtes Wetter im falschen Moment und darauf, dass irgendeine Krise irgendwo auf der Welt irgendwann direkt an der Zapfsäule nebenan landet.

    In Frankreich zeigt sich dieses alte Spiel gerade wieder in seiner besonders kostspieligen Variante. Die Kraftstoffpreise sind kräftig gestiegen. In manchen Tankstellen kostet der Liter SP95 inzwischen mehr als zwei Euro, auch Diesel verteuert sich deutlich (in Deutschland ist dieser Punkt schon längst erreicht!). Wer 50 Liter in seinen Tank laufen lässt, darf gegenüber dem Preisniveau vor Beginn des Konflikts schnell rund 15 Euro zusätzlich auf den Tresen legen.

    Herzlichen Glückwunsch.

    Nicht einmal ein besseres Auto bekommt man dafür. Nicht mehr Reichweite. Keine bequemeren Sitze. Nicht einmal einen besonders hübschen Duftbaum.

    Man bezahlt schlicht mehr dafür, exakt dasselbe zu tun wie vorher.

    Natürlich existieren handfeste Gründe für diese Entwicklung. Der Rohölpreis steigt, weil die internationalen Märkte mögliche Lieferausfälle fürchten. Besonders nervös blickt die Welt auf die Straße von Hormus. Durch diese schmale Meerenge fließt ein erheblicher Teil des international gehandelten Erdöls. Sobald dort militärische Spannungen wachsen, beginnen Händler, Unternehmen und Regierungen zu rechnen – und Autofahrer dürfen später mitrechnen.

    An der Tankstelle.

    Genau darin steckt das eigentlich Absurde unserer jahrzehntelangen Verkehrspolitik. Wir diskutieren leidenschaftlich über Tempolimits, Verbrennerverbote, Ladekabel, Reichweitenangst und darüber, ob ein Elektroauto bei minus zwölf Grad noch bis Tante Erna kommt. Gleichzeitig akzeptieren wir beinahe achselzuckend ein Verkehrssystem, dessen wichtigste Energiequelle von politischen Entwicklungen Tausende Kilometer entfernt abhängt.

    Ein paar Drohungen rund um eine Meerenge, ein Krieg, eine Förderkürzung oder eine internationale Krise – und plötzlich schaut halb Europa morgens auf die Preistafel der Tankstelle wie früher der Bauer auf den Wetterhahn.

    Vielleicht wäre jetzt ein geradezu revolutionärer Gedanke angebracht: Alternativen.

    Und zwar echte.

    Elektromobilität gehört dazu. Nicht als Religion. Nicht als moralische Erziehungsmaßnahme. Nicht als rollender Heiligenschein für Menschen mit Photovoltaikanlage, Wärmepumpe und drei Komposttonnen.

    Sondern aus einem ziemlich banalen Grund: Sie erweitert unsere energetischen Möglichkeiten.

    Ein Elektroauto braucht kein Benzin aus Rohöl, das gefördert, über internationale Handelswege transportiert, raffiniert und anschließend durchs Land gefahren wird. Strom stammt dagegen aus unterschiedlichen Quellen – aus Wind, Sonne, Wasser, Kernenergie und anderen Bestandteilen des jeweiligen Strommixes.

    Natürlich macht das Autofahren nicht kostenlos. Strom, Netze und Ladeinfrastruktur kosten Geld. Auch Elektroautos benötigen Rohstoffe und Energie. Wer behauptet, mit dem Ladestecker beginne das finanzielle Schlaraffenland, verkauft Märchen.

    Doch beim Laden existieren verschiedene Wege: zu Hause, am Arbeitsplatz, am Supermarkt oder an öffentlichen Säulen. Wer eine Photovoltaikanlage besitzt, erzeugt einen Teil seiner Energie sogar auf dem eigenen Dach.

    Versuchen Sie das einmal mit Superbenzin.

    Ein kleines Bohrloch hinter der Garage dürfte zumindest bei den Nachbarn Fragen aufwerfen.

    Gerade deshalb wirkt ein Teil der öffentlichen Debatte inzwischen reichlich grotesk. Auf der einen Seite stehen jene, die das Elektroauto zum technischen Messias erklären. Auf der anderen Seite sitzen jene, die noch beim hundertsten Stammtisch erzählen, ein E-Auto tauge grundsätzlich nichts, weil der Cousin eines Bekannten 2021 einmal an einer kaputten Ladesäule gestanden habe.

    Leute, ernsthaft?

    Elektromobilität löst weder Staus noch Parkplatznot und verwandelt Mobilität nicht über Nacht in ein ökologisches Paradies. Sie bietet aber eine zusätzliche Möglichkeit, den Straßenverkehr weniger empfindlich gegenüber internationalen Ölpreisschocks zu machen. Das allein wäre Grund genug, sie nicht länger als ideologisches Spielzeug zu behandeln.

    Die aktuelle Entwicklung in Frankreich liefert dafür Anschauungsunterricht mit Preisschild.

    Steigende Kraftstoffkosten verändern bereits das Verhalten. Menschen fahren weniger, verzichten auf nicht notwendige Wege, bilden Fahrgemeinschaften oder steigen – sofern vorhanden – auf öffentliche Verkehrsmittel um. Das klingt in politischen Sonntagsreden wunderbar nach Verkehrswende.

    Für viele Betroffene fühlt es sich allerdings weniger nach Verkehrswende als nach leerem Portemonnaie an.

    Denn wer auf dem Land lebt, früh zur Arbeit fährt oder Kinder transportieren muss, verzichtet nicht mal eben fröhlich auf sein Auto. Der Krankenpfleger im Schichtdienst braucht keine politische Predigt darüber, dass Benzin eben teuer sei. Die Verkäuferin mit 30 Kilometern Arbeitsweg benötigt eine bezahlbare Alternative.

    Genau dort beginnt vernünftige Politik.

    Elektroautos müssen erschwinglicher werden, Laden muss unkompliziert und transparent funktionieren, Mietshäuser brauchen praktikable Lösungen, ländliche Regionen eine verlässliche Infrastruktur. Gleichzeitig gehören Bahn und öffentlicher Nahverkehr ausgebaut. Technologieoffenheit sollte schließlich nicht bedeuten, am Status quo festzuhalten und jede Alternative so lange kleinzureden, bis die nächste Ölkrise vor der Tür steht.

    Bleiben die Spannungen im Nahen Osten bestehen oder verschärfen sie sich rund um die Straße von Hormus, dürfte der Druck auf die Ölpreise anhalten. Eine diplomatische Entspannung könnte die Lage dagegen wieder beruhigen und Preise sinken lassen.

    Und dann?

    Dann atmen wir erleichtert auf, tanken wieder etwas billiger und vergessen vermutlich innerhalb weniger Monate, wie abhängig unser Verkehrssystem noch immer vom Öl ist.

    Bis zur nächsten Krise.

    Vielleicht sollten wir dieses Mal etwas Schlaueres tun.

    Nicht den Verbrenner verteufeln. Nicht Autofahrer beschimpfen. Nicht Elektromobilität schönreden.

    Sondern dafür sorgen, dass möglichst viele Menschen tatsächlich wählen können.

    Denn Klimaschutz ist ein starkes Argument für den Umbau unseres Verkehrs. Doch spätestens wenn der Literpreis die Zwei-Euro-Marke überschreitet, entdeckt selbst der überzeugteste Pragmatiker noch ein zweites Argument.

    Den eigenen Geldbeutel.

    Und der hält bekanntlich erstaunlich wenig von Ideologie.

    Andreas M. Brucker

  • Elektrische Mobilität für alle? Frankreichs „Leasing social“ zwischen Sozialpolitik und Systemgrenzen

    Elektrische Mobilität für alle? Frankreichs „Leasing social“ zwischen Sozialpolitik und Systemgrenzen

    Mit dem sogenannten „Leasing social“ hat Frankreich ein politisches Instrument geschaffen, das gleich zwei zentrale Herausforderungen adressieren soll: den sozialen Druck durch steigende Mobilitätskosten und die ökologische Transformation des Verkehrssektors. Nach ersten Umsetzungsphasen in den Jahren 2024 und 2025 steht für 2026 eine Neuauflage bevor – in einem wirtschaftlich und gesellschaftlich angespannten Umfeld. Steigende Energiepreise, fragile Kaufkraft und ambitionierte Klimaziele bilden den Rahmen. Doch hinter der politischen Signalwirkung stellt sich eine nüchterne Frage: Wer profitiert tatsächlich – und wie tragfähig ist das Modell? Kontinuität mit Anpassungsdruck Die geplante Neuauflage des Programms im Jahr 2026 knüpft in ihrer Grundstruktur an die Vorjahre an. Vorgesehen ist die Bereitstellung zehntausender zusätzlicher Elektrofahrzeuge im Rahmen staatlich subventionierter Leasingverträge. Ziel bleibt es, Haushalten mit begrenztem Einkommen den Zugang zu emissionsfreier M…

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  • Kommentar: So sieht Verantwortung aus – Warum kostenlose Busse mehr Mut zeigen als jede Spritpreisbremse

    Kommentar: So sieht Verantwortung aus – Warum kostenlose Busse mehr Mut zeigen als jede Spritpreisbremse

    Es ist ein seltsames Schauspiel, das sich dieser Tage wiederholt. An den Tankstellen flackern die Zahlen nach oben, Cent für Cent, wie ein stilles Fieberthermometer einer Gesellschaft, die sich an das Falsche gewöhnt hat. Und die Politik? Sie diskutiert über Deckel, Rabatte, Kompensationen – als würde man versuchen, einen Brand mit einem Glas Wasser zu löschen.

    Dabei liegt die Lösung längst auf der Straße. Oder besser gesagt: auf der Busspur.

    Denn was wäre, wenn man den Spieß einfach umdreht? Wenn man nicht länger versucht, das Autofahren künstlich bezahlbar zu halten, sondern endlich das Naheliegende stärkt – nämlich den öffentlichen Nahverkehr. Kostenlos. Zugänglich. Selbstverständlich.

    So wie in Dunkerque.

    Dort hat man verstanden, was Mobilität wirklich bedeutet. Nicht die Freiheit, sich teuren Treibstoff leisten zu können. Sondern die Freiheit, sich bewegen zu können – ohne Angst vor der nächsten Rechnung. Ohne dieses ständige Abwägen: Fahre ich heute oder spare ich mir das lieber?

    Es geht um Würde.

    Und ja, auch um Gerechtigkeit.

    Denn während an den Zapfsäulen weiter Gewinne in die Taschen der Ölmultis sprudeln, zahlen die Menschen doppelt: erst beim Tanken, dann über Steuern für halbherzige Entlastungspakete. Ein absurdes System. Fast schon zynisch. Man hält eine Infrastruktur künstlich am Leben, die sich immer mehr gegen die eigene Bevölkerung richtet.

    Warum eigentlich?

    Warum nicht den Mut haben, umzusteuern?

    Ein kostenloser Nahverkehr ist kein Geschenk. Er ist eine Entscheidung. Eine politische Haltung. Eine Absage an die Logik, dass Mobilität ein Luxusgut sein soll. Und eine klare Ansage: Die Stadt gehört allen, nicht nur denen mit vollem Tank.

    Natürlich kostet das Geld. Alles kostet Geld. Straßen kosten Geld. Subventionen kosten Geld. Stillstand kostet am meisten. Aber was ist teurer – ein funktionierendes Bussystem oder eine Gesellschaft, die sich zunehmend nicht mehr bewegen kann?

    Man muss diese Frage nur einmal ehrlich stellen.

    Und man spürt sofort, wie schief die derzeitige Debatte läuft.

    Denn es geht längst nicht mehr nur um Verkehrspolitik. Es geht um das Bild, das sich ein Land von sich selbst macht. Will es weiter zuschauen, wie sich soziale Spaltungen an der Zapfsäule vertiefen? Oder will es einen Schritt nach vorn machen – hin zu einer Mobilität, die verbindet statt trennt?

    Dunkerque gibt darauf eine Antwort. Leise, unspektakulär, aber wirkungsvoll.

    Der Bus fährt. Die Menschen steigen ein. Ohne Ticket, ohne Hürde. Und plötzlich funktioniert etwas, das vorher kompliziert schien. Einfach so.

    Vielleicht ist genau das der eigentliche Skandal: Dass es geht. Dass es längst funktioniert. Und dass man trotzdem zögert, es andernorts umzusetzen.

    Man könnte es auch anders sagen – ein bisschen zugespitzt, ein bisschen ungeduldig: Wir wissen längst, was richtig ist. Wir trauen uns nur noch nicht, es konsequent zu tun.

    Aber wie lange noch?

    Ein Kommentar von C. Hatty

  • Kommentar: Irgendwann wird es einfach zu teuer – wie Parkgebühren Autofahrer zur Verzweiflung treiben

    Kommentar: Irgendwann wird es einfach zu teuer – wie Parkgebühren Autofahrer zur Verzweiflung treiben

    Ich bin kein Querulant. Ich zahle meine Steuern, halte mich an die Regeln und versuche, niemandem auf die Nerven zu gehen. Aber wenn ich in der Stadt, in die ich einmal die Woche zum Einkaufen fahren muss, nicht mehr parken kann, ohne das Gefühl zu haben, abgezockt zu werden, platzt mir langsam der Kragen.

    Nizza ist schön, keine Frage. Sonne, Meer, Kultur – alles da. Aber Parken? Ein Albtraum. 2 Euro für nicht mal zwei Stunden. 25 Euro Strafe, wenn man mal kurz nicht aufpasst. Und das Schlimmste: Die Kontrolleure kommen zuverlässig wie ein Schweizer Uhrwerk. Man wird erwischt. Immer.

    Und ja, ich weiß: Das Geld fließt in Tunnel, in Fußgängerzonen, in irgendwas mit „Infrastruktur“. Klingt toll. Aber ehrlich? Ich habe inzwischen das Gefühl, ich bezahle für eine Stadt, die sich immer weiter von mir entfernt. Für eine Innenstadt, die lieber Fußgänger und Touristen sieht als Menschen, die hier leben, arbeiten, einkaufen. Es wirkt, als wolle man uns Autofahrer loswerden – aber bitte ohne auf unser Geld zu verzichten.

    Man sagt uns: „Parken ist ein Luxus.“ Aha. Also ist der Weg zur Arbeit Luxus? Der Besuch bei der Oma Luxus? Der Großeinkauf, weil man vier Kinder hat – Luxus?

    Was mich am meisten ärgert: Dass alles immer teurer wird und keiner mehr fragt, wie viel ein Mensch eigentlich noch tragen kann. Parkgebühren hier, Sprit- und Strompreise da, dann noch Versicherungen, Wartung, Inflation – irgendwann ist Schluss. Irgendwann wird aus Geduld Frust.

    Und aus Frust Wut.

    Ich will keine endlosen Diskussionen über Klimaziele und Mobilitätswende führen, ich will einfach nur in meiner Stadt leben können, ohne ständig das Gefühl zu haben, ich sei ein Problem, weil ich ein Auto habe. Ein Mensch mit Familie, Alltag, Verpflichtungen – kein Umweltverbrecher.

    Wer wirklich eine lebenswerte Stadt will, sollte nicht nur an Asphalt und Grünstreifen denken, sondern auch an die, die tagtäglich in ihr unterwegs sind – auf vier Rädern, weil es eben nicht anders geht.

    Ich will nicht das Blaue vom Himmel. Nur ein bisschen Fairness. Ein bisschen Menschlichkeit. Und ja – vielleicht einfach mal eine Stunde gratis parken, ohne schlechtes Gewissen.

    Denn irgendwann wird es wirklich einfach zu teuer.

    Ein Kommentar von Andreas M. Brucker – frustrierter Autofahrer aus Nizza

  • Alles auf leise gestellt: Warum die Île de Batz die Autos verbannt

    Alles auf leise gestellt: Warum die Île de Batz die Autos verbannt

    Sie ist klein, sie ist wildromantisch – und sie hat genug vom Blech: Die Île de Batz, ein winziges Eiland vor der bretonischen Küste bei Roscoff, will Mobilität grundlegend neu überdenken. Nicht irgendwann, sondern jetzt. Schon Ende Juni tritt eine kommunale Regelung in Kraft, die den Autoverkehr radikal einschränken wird.

    Was zunächst klingt wie ein Öko-Experiment, ist in Wahrheit der Versuch, die Seele einer Insel zu retten.

    Die Insel, die fast zu klein für Autos ist

    3,7 Kilometer lang, 1,6 Kilometer breit – das ist kein Ort, an dem man Autos braucht. Und trotzdem sind sie da. Immer mehr, besonders im Sommer, wenn Feriengäste und Zweitwohnungsbesitzer das kleine Eiland fluten.

    Auf den engen Wegen der Insel treffen Traktoren, Fahrräder, Fußgänger – und zunehmend auch Autos aufeinander. Eine gefährliche Mischung, die nicht nur den Verkehrsfluss behindert, sondern auch die Lebensqualität der Inselbewohner gefährdet.

    „Das ist nicht mehr der Geist der Insel“, sagt Bürgermeister Éric Grall. Und meint damit: Die Île de Batz war immer ein Ort der Langsamkeit – und der leisen Töne.

    Schluss mit dem Chaos: Ein Erlass soll es richten

    Deshalb hat der Gemeinderat jetzt beschlossen: Ab Ende Juni dürfen motorisierte Fahrzeuge nur noch nach vorheriger Genehmigung auf die Insel gebracht werden. Und diese Genehmigung ist an klare Regeln gebunden.

    Einheimische dürfen ihre alten Autos ersetzen – aber nicht beliebig viele neue Fahrzeuge anschaffen. Händler, Bauern und andere Dienstleister bekommen Sonderregelungen, damit das wirtschaftliche Leben auf der Insel nicht zum Erliegen kommt.

    Klingt radikal? Ist es auch.

    Aber es ist wohl genau das, was die Insel jetzt braucht.

    Bereits 2019 hatte die Kommune versucht, den Autoverkehr zu regulieren. Damals scheiterte das Vorhaben – aus juristischen Gründen. Die gesetzliche Grundlage fehlte.

    Diesmal haben sich die Verantwortlichen besser vorbereitet. Mithilfe juristischer Berater wurde ein wasserdichtes Regelwerk erarbeitet, das sich auf die französische Gesetzgebung zur besonderen Lage von Inselterritorien stützt – konkret auf die sogenannte „Loi 3DS“.

    Ein Paragraf mit Potenzial.

    Doch es geht nicht nur ums Verbieten. Es geht ums Ermöglichen.

    Die Insel fördert den Kauf von E-Bikes und Elektrorollern mit finanziellen Zuschüssen. Ältere und mobilitätseingeschränkte Personen können auf ein preiswertes Taximodell zurückgreifen. Und wer sich zu Fuß oder per Rad fortbewegt, erlebt die Insel ohnehin auf ganz andere Weise – entschleunigt, direkt, intensiv.

    Man könnte auch sagen: so, wie sie gedacht war.

    Natürlich regt sich auch Kritik. Vor allem von jenen, die regelmäßig aus dem Festland anreisen oder hier ihr Ferienhaus haben. Wird die Insel durch die neuen Regeln unzugänglicher? Werden Besucher abgeschreckt? Droht ein wirtschaftlicher Einbruch?

    Das sind berechtigte Fragen. Die Kommune weiß das – und sie versucht, im Dialog zu bleiben. Doch im Kern geht es um eine einfache Wahrheit:

    Die Île de Batz kann nicht gleichzeitig Erholungsparadies und Parkplatz sein.

    Ein Experiment mit Signalwirkung?

    Was auf Batz passiert, ist kein Einzelfall. Viele französische Inseln stehen vor ähnlichen Herausforderungen. Der Klimawandel, der Tourismus, der wachsende Mobilitätsbedarf – sie alle zwingen kleine Gemeinschaften, neue Wege zu gehen.

    Vielleicht ist die Île de Batz nur der Anfang. Vielleicht wird ihre Entscheidung zum Modell.

    Oder zur Warnung.

    Denn am Ende steht eine Frage im Raum, die über das Schicksal eines kleinen Eilands hinausgeht:

    Wie viel Mobilität verträgt ein Ort – bevor er sich selbst verliert?

    Autor: C. Hatty

    Quellen:

    https://www.letelegramme.fr/bretagne/on-ne-peut-pas-interdire-les-voitures-sur-lile-le-maire-de-lile-de-batz-temoigne-6415833.php
    https://www.letelegramme.fr/finistere/morlaix-29600/toutes-ces-voitures-ce-nest-pas-lesprit-de-lile-de-batz-6415632.php
    https://www.letelegramme.fr/finistere/ile-de-batz-29253/toutes-les-iles-font-face-a-un-afflux-de-voitures-sur-batz-lutilisation-des-vehicules-va-etre-reglementee-6836994.php
    https://iledebatzmandatmunicipal.over-blog.com/2025/06/bulletin-municipal-juin-2025.reaction-s-sur.html

  • Verkehrswende im Visier: Wie sinnvoll sind Frankreichs Umweltzonen wirklich?

    Verkehrswende im Visier: Wie sinnvoll sind Frankreichs Umweltzonen wirklich?

    Seit ihrer Einführung im Jahr 2019 gelten sie als Vorzeigeprojekt im Kampf gegen schlechte Luft: Frankreichs Zonen mit niedrigen Emissionen – kurz ZFE – sollen den Verkehr sauberer und die Städte lebenswerter machen. Doch mittlerweile geraten sie zunehmend in die Kritik. Zwischen positiven Umweltbilanzen und sozialen Spannungen stellt sich die Frage: Sind diese Zonen tatsächlich ein Erfolgsmodell oder droht hier ein gut gemeinter Ansatz zu scheitern? Saubere Luft – aber zu welchem Preis? In Städten wie Lyon lassen sich klare Fortschritte nachweisen: Der Gehalt an gesundheitsschädlichem Stickstoffdioxid ist um satte 44 Prozent gesunken, Feinstaub der Klasse PM2,5 um immerhin 24 Prozent. Das klingt nach einem Erfolg – und ist es in gewisser Weise auch. Doch jede Medaille hat bekanntlich zwei Seiten. Denn während sich die Luftqualität verbessert hat, verschärfen sich soziale Gräben. Besonders Menschen mit kleinem Budget geraten durch die ZFE unter Druck. Wer sich kein modernes Auto leiste…

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  • Weltfahrradtag: Wie Frankreich und Deutschland in die Pedale treten – und dabei ganz unterschiedlich ticken

    Weltfahrradtag: Wie Frankreich und Deutschland in die Pedale treten – und dabei ganz unterschiedlich ticken

    Der 3. Juni steht weltweit im Zeichen des Fahrrads. Ein Tag, der mehr ist als nur ein Anlass für Hobbyradler, sich in den Sattel zu schwingen. Der Weltfahrradtag ist ein Appell – an Politik, Gesellschaft und jeden Einzelnen. Es geht um mehr Lebensqualität, um Klimaschutz und um die Zukunft unserer Städte. Besonders spannend: der Vergleich zwischen Deutschland und Frankreich. Zwei Nachbarländer, die geografisch so nah liegen, in Sachen Fahrradkultur aber erstaunlich unterschiedlich unterwegs sind.


    Deutschland: E-Bikes, Rückenwind und Stolpersteine

    Deutschland hat in den letzten Jahren ordentlich Fahrt aufgenommen. Das Fahrrad – einst das Fortbewegungsmittel der Sparsamen oder Sportlichen – ist im Alltag angekommen. Besonders E-Bikes sind zum Kassenschlager geworden. Fast jeder kennt jemanden, der nicht mehr ohne fährt. Und tatsächlich: Die Verkaufszahlen sprechen eine klare Sprache.

    Doch trotz des Booms bleibt das Radeln für viele ein Abenteuer mit Nervenkitzel. Der Grund? Die Infrastruktur hinkt hinterher. In vielen Städten gibt es zwar Radwege – aber oft enden sie im Nichts, sind zu schmal oder schlichtweg schlecht gepflegt. Kreuzungen werden zum Risiko, weil klare Regelungen fehlen oder Autofahrer den Radverkehr nicht ernst nehmen. Die Folge: Viele Menschen würden gerne öfter radeln – trauen sich aber nicht so recht.

    Und dann ist da noch das Wetter. Ein altbekanntes Klischee, das viele Deutsche tatsächlich vom Radeln abhält. Wenn es regnet oder stürmt, bleibt das Fahrrad stehen – da hilft auch der beste Vorsatz nichts. Andererseits: Wer bei Wind und Wetter aufs Rad steigt, gewinnt Respekt. Und vielleicht sogar ein bisschen Stolz.


    Frankreich: Die Hauptstadt prescht vor, das Land zögert

    Frankreich dagegen tut sich schwerer mit dem Rad. Während das Fahrrad in Deutschland längst Teil der Mobilitätsstrategie ist, galt es in Frankreich lange als Freizeitbeschäftigung. Rennradfahren? Ja. Mit dem Rad zur Arbeit? Eher selten.

    Doch das Blatt wendet sich. Städte wie Paris haben in den letzten Jahren massive Veränderungen angestoßen. Radwege, die früher als Luxus galten, sind plötzlich Realität. Bürgermeisterin Anne Hidalgo hat mit mutigen Entscheidungen für Aufsehen gesorgt – nicht nur in Frankreich. Der Autoverkehr wurde zurückgedrängt, die Innenstadt für Radfahrer geöffnet. Wer heute durch Paris radelt, spürt: Hier weht ein neuer Wind.

    Ganz anders das Bild in vielen ländlichen Regionen. Dort bleibt das Auto König. Lange Distanzen, fehlende Radwege und wenig politische Unterstützung bremsen die Entwicklung. Auch in kleineren Städten fehlt oft der Mut zu grundlegenden Veränderungen. Der Wille ist da – aber der Weg noch weit.


    Zwei Länder, zwei Taktiken

    Während Deutschland auf bundesweite Förderprogramme und eine starke Fahrradindustrie setzt, geht Frankreich vor allem über städtische Pilotprojekte. Deutschland investiert viel in Forschung, Sicherheit und technische Standards. Frankreich hingegen punktet mit mutigen Visionen in einzelnen Metropolen.

    Was auffällt: Beide Länder kämpfen mit ähnlichen Problemen – aber sie setzen unterschiedliche Schwerpunkte. Deutschland diskutiert über Helmpflicht, Verkehrssicherheit und Abstandsregeln. Frankreich über Stadtplanung, Autoverkehr und Lebensqualität im urbanen Raum.


    Und was lernen wir daraus?

    Ganz einfach: Es gibt nicht den einen richtigen Weg. Aber es gibt viel voneinander zu lernen. Deutschland könnte sich mehr trauen – und Frankreich könnte mehr strukturieren. Warum nicht voneinander abschauen? Wer sagt denn, dass man immer das Rad neu erfinden muss?

    Und Hand aufs Herz: Wäre es nicht schön, wenn wir in ein paar Jahren auf den heutigen Weltfahrradtag zurückblicken und sagen könnten – da begann eine neue Ära?

    Von Andreas M. Brucker

    Es grüßt die Redaktion von Nachrichten.fr!