Schlagwort: Mittelschicht

  • Zwischen Inflation und Abstiegsangst: Warum sich die Franzosen wieder stärker gegenseitig helfen

    Zwischen Inflation und Abstiegsangst: Warum sich die Franzosen wieder stärker gegenseitig helfen

    Die grosse Inflationswelle der Jahre 2022 und 2023 ist in Frankreich zwar abgeflaut. Doch die wirtschaftliche Unsicherheit ist geblieben – und sie prägt zunehmend den Alltag vieler Menschen. Die Preise steigen heute langsamer als noch vor zwei Jahren, dennoch empfinden zahlreiche Haushalte ihre finanzielle Lage weiterhin als angespannt. Energie, Lebensmittel, Versicherungen und Wohnkosten belasten die Budgets dauerhaft. Für viele Franzosen hat sich das Gefühl verfestigt, dass wirtschaftliche Stabilität keine Selbstverständlichkeit mehr ist. In diesem Klima wächst eine stille Parallelökonomie der gegenseitigen Hilfe. Sie taucht in keiner volkswirtschaftlichen Statistik prominent auf, prägt aber zunehmend das soziale Gefüge des Landes: Nachbarschaftshilfe, gemeinsame Einkäufe, Tauschbörsen, Fahrgemeinschaften, Lebensmittelhilfen, Online-Spendenaktionen oder lokale Solidaritätsnetzwerke erleben einen bemerkenswerten Aufschwung. Diese Entwicklung erzählt viel über den Zustand der französis…

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  • Eigentum ohne Boden? – Wie das französische Modell des Bail Réel Solidaire die Mittelschicht entlasten soll

    Eigentum ohne Boden? – Wie das französische Modell des Bail Réel Solidaire die Mittelschicht entlasten soll

    Ein Haus kaufen, ohne den Boden zu besitzen – klingt wie ein Paradox, ist in Frankreich aber längst Realität. Das Bail Réel Solidaire (BRS), auf Deutsch etwa Sozialer Realpachtvertrag, gilt als eine der spannendsten wohnungspolitischen Innovationen der letzten Jahre. Sein Ziel: Menschen mit mittlerem Einkommen den Zugang zum Eigentum ermöglichen, obwohl die Immobilienpreise vielerorts explodieren.

    Ein Prinzip, das den Boden unter den Füßen teilt Das Grundprinzip ist ebenso simpel wie revolutionär. Beim BRS kauft man nur das Gebäude – nicht den Grund, auf dem es steht. Der Boden bleibt Eigentum eines gemeinnützigen Organismes de Foncier Solidaire (OFS), einer Art öffentlichen Treuhandstelle. Die Käufer:innen zahlen dafür eine modeste Bodenpacht, meist nur einige Euro pro Quadratmeter und Monat. Dadurch sinkt der Kaufpreis erheblich: 20 bis 50 Prozent günstiger als der freie Markt, je nach Region. In Paris bedeutet das rund 5 000 €/m² statt 10 000 €/m² – eine Preisdifferenz, die für vie…

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  • KOMMENTAR: Es bleibt, wie es immer war – die breite Masse zahlt

    KOMMENTAR: Es bleibt, wie es immer war – die breite Masse zahlt

    Die Reichen bleiben unangetastet, die Konzerne gut vernetzt – und wieder einmal soll die arbeitende Mitte für die Misere des Staates aufkommen. Was Frankreichs Regierung als „gerechte Konsolidierung“ verkauft, ist in Wahrheit nichts anderes als ein weiterer Verrat an jenen, die das Land am Laufen halten.


    Man muss sich das auf der Zunge zergehen lassen: 14 Milliarden Euro will der französische Staat im kommenden Jahr zusätzlich einnehmen. Nicht durch Wirtschaftswachstum, nicht durch Effizienzgewinne, nicht durch das Eindämmen von Verschwendung in der Verwaltung – sondern durch Steuern. Und wer soll sie zahlen? Nicht die Konzerne, die Dividenden sprudeln lassen. Nicht die Milliardäre, die ihr Vermögen clever durch Holdings und Fonds schleusen. Nein, es trifft wieder einmal die, die keine Lobby haben: die Mittelschicht, die kleinen Rentner, die Angestellten, die gerade so über die Runden kommen.

    Der Haushalt 2026 ist ein Lehrstück an politischer Feigheit. Man streicht Steuervergünstigungen für Rentner, friert die Bemessungsgrenzen der Einkommensteuer ein, kürzt soziale Abfederungen – und nennt das dann allen Ernstes „gerechte Lastenverteilung“. Dabei ist das Gegenteil der Fall: Wer heute etwas verdient, aber nicht genug, um sich Steuerberater, Stiftungskonstrukte oder Wohnsitzverlagerungen leisten zu können, wird still und effektiv zur Kasse gebeten.

    Die kalte Progression ist dabei die perfideste Form der Umverteilung nach unten. Millionen Franzosen werden in höhere Steuerklassen rutschen, nicht weil sie plötzlich reich wären, sondern weil ihre Löhne inflationsbedingt minimal steigen. Und der Staat? Der reibt sich die Hände, weil er ohne eine einzige parlamentarische Debatte mehr Geld einnimmt – ganz automatisch. Ein stiller Diebstahl im Mantel der „Steuertechnik“.

    Natürlich, es gibt auch Maßnahmen, die auf hohe Einkommen zielen – eine verlängerte „contribution différenciée“ etwa, oder neue Steuern auf Holdings. Doch das ist Kosmetik, nichts weiter. Symbolpolitik für Pressekonferenzen. Die Reichen wissen längst, wie man solchen Dingen ausweicht. Und die Regierung? Sie weiß es auch.

    Was bleibt, ist das alte Spiel: Die Mittelschicht zahlt. Weil sie muss. Weil sie nicht flüchten kann. Weil sie nicht optimieren kann. Und weil sie – wie immer – in der öffentlichen Debatte keine Stimme hat. Wer über Sozialtransfers redet, meint die Ärmsten. Wer über Steuergerechtigkeit spricht, meint die Reichsten. Und wer wird dazwischen zerrieben? Die Menschen, die früh aufstehen, Steuern zahlen, Kinder erziehen, arbeiten, pflegen, durchhalten.

    Der Zynismus liegt in der Rhetorik. Man spricht von „gerechter Verteilung“, „Beitrag aller“, „Konsolidierung mit Maß“. Doch die Wahrheit ist: Die politische Klasse hat keine Vorstellung mehr davon, was es bedeutet, mit einem Nettoverdienst von 1.800 Euro durch den Monat zu kommen, während Miete, Energie, Lebensmittel und nun auch noch höhere Steuern die Luft zum Atmen nehmen. Diese Realitäten spielen in ministeriellen Haushaltsklausuren keine Rolle.

    Und dabei wäre es möglich, anders zu handeln. Man könnte tatsächlich Steuerschlupflöcher für Großvermögen konsequent schließen. Man könnte den Verwaltungsapparat verschlanken. Man könnte endlich über eine echte Priorisierung der Staatsausgaben sprechen. Doch all das ist unbequem – und riskant. Also geht man den einfacheren Weg: Man belastet die, die sich nicht wehren können.

    Frankreich hat kein Einnahmeproblem. Es hat ein Mutproblem.

    Ein Kommentar von P.Tiko

  • Die französischen Steuerpläne: Eine Last für die Mitte der Gesellschaft

    Die französischen Steuerpläne: Eine Last für die Mitte der Gesellschaft

    Frankreichs Regierung will den Haushalt konsolidieren – doch der Preis dafür wird nicht von den Reichsten bezahlt, sondern von der breiten Mitte der Gesellschaft.


    Frankreichs Haushaltsentwurf für das Jahr 2026 offenbart ein bekanntes Muster: Wenn es eng wird in den Staatsfinanzen, greift Paris lieber zu Herkömmlichen als zu echten Strukturreformen. Mit dem erklärten Ziel, das Haushaltsdefizit unter Kontrolle zu bringen, plant die Regierung Mehreinnahmen in Höhe von rund 14 Milliarden Euro. Doch das vermeintlich ambitionierte Programm enthält keine neuen fiskalischen Aspekte – sondern eine Kaskade technischer Maßnahmen, die am Ende vor allem eine Gruppe treffen: den steuerlich ohnehin bereits stark belasteten Mittelstand.

    Der Löwenanteil des neuen Steueraufkommens soll aus dem Einfrieren der Tarifgrenzen bei der Einkommenssteuer sowie den Sozialabgaben stammen. Was trocken klingt, hat in der Praxis einen spürbaren Effekt: Mit jeder inflationsbedingten Lohnerhöhung rutschen Arbeitnehmer unweigerlich in höhere Steuerklassen – ein Phänomen, das Ökonomen auf Deutsch als kalte Progression bezeichnen. Wer sich über eine nominelle Gehaltserhöhung freut, wird real oft stärker zur Kasse gebeten. Rund 200.000 Haushalte könnten dadurch erstmals steuerpflichtig werden.

    Auch die Rücknahme oder Streichung von Steuervorteilen – etwa bei Renten oder haushaltsnahen Dienstleistungen – belastet tendenziell jene Gruppen, die weder zu den Wohlhabendsten gehören noch über komplexe Steuerkonstruktionen verfügen. Es sind Lehrer, Ingenieure, junge Familien und Rentner mit mittlerem Einkommen, die das Rückgrat des fiskalischen Konsolidierungskurses bilden sollen.

    Die politische Kommunikation aber erzählt eine andere Geschichte: Es sei ein gerechter Plan, heisst es aus dem Palais Matignon. Man wolle auch die «großen Vermögen» in die Pflicht nehmen – unter anderem mit einer Sonderabgabe auf Holdingstrukturen oder der Verlängerung eines Mindeststeuersatzes für Spitzeneinkommen. Doch die symbolischen Auswirkungen dieser Maßnahmen bleiben überschaubar. Heute zahlen die obersten Einkommensklassen in Frankreich einen deutlich unterproportionalen Anteil der Einkommenssteuer. Die Fiskalpolitik bleibt also, bei allen Ankündigungen, im Wesentlichen auf die Mittelschicht fokussiert.

    Auch die Wirtschaft mahnt zur Vorsicht. Zwar soll die schrittweise Abschaffung der CVAE – einer produktionsbezogenen Abgabe – Unternehmen entlasten. Gleichzeitig warnen Unternehmerverbände bereits vor neuen Belastungen durch die Kürzung von steuerlichen Anreizen. Besonders besorgniserregend: All diese Maßnahmen greifen in einem ökonomisch fragilen Moment. Das Wachstum ist verhalten, die Investitionsbereitschaft niedrig.

    Noch ist das Budget nicht verabschiedet – und in der Assemblée Nationale regt sich Widerstand. Der erfahrene Haushaltsausschussvorsitzende Charles de Courson etwa hält den Plan für «in der jetzigen Form nicht mehrheitsfähig». Viel wird davon abhängen, ob die Regierung willens ist, Transparenz über die tatsächliche Verteilung der Lasten zu schaffen – und bereit, die Mitte der Gesellschaft nicht länger als fiskalpolitischen Selbstbedienungsladen zu behandeln.

    Wer glaubwürdig sparen will, braucht nicht nur Mut zu grösserer Steuergerechtigkeit, sondern vor allem den Willen zu echter Priorisierung. Frankreichs Staat bleibt zu teuer – nicht weil die Bürger zu wenig zahlen, sondern weil der Apparat sich strukturellen Reformen systematisch entzieht.

    Von Andreas Brucker

  • Steuererhöhungen: Welche Einkommensgruppen könnten betroffen sein?

    Steuererhöhungen: Welche Einkommensgruppen könnten betroffen sein?

    Der neue französische Premierminister Michel Barnier hat wiederholt betont, dass die Mittelschicht von Steuererhöhungen verschont bleiben soll. Diese Aussage wurde von seinem Vorgänger Gabriel Attal nach einem Treffen mit dem Premierminister bestätigt. Aber wer gehört zur Mittelschicht in Frankreich? Und welche Einkommensgruppen könnten letztendlich von Steuererhöhungen betroffen sein? Ein genauer Blick auf die Zahlen offenbart ein differenziertes Bild. Wer gehört zur Mittelschicht? Laut dem Observatoire des inégalités, das sich auf Daten des französischen Statistikamts Insee stützt, gehört fast die Hälfte der Franzosen zur Mittelschicht. Es werden 30 % der Bevölkerung als einkommensschwach eingestuft, 20 % als einkommensstark, während die restlichen 50 % zur Mittelschicht gezählt werden. Eine genaue Definition der Mittelschicht ist jedoch nicht ganz einfach. Die jüngsten offiziellen Zahlen zur Einkommensverteilung stammen aus dem Jahr 2021. Seither haben sich aufgrund der Inflation un…

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  • Emmanuel Macron will weitere Steuersenkungen für die Mittelschicht

    Emmanuel Macron will weitere Steuersenkungen für die Mittelschicht

    Darüber sprach der Präsident der Republik am Sonntag in einem Interview mit der Zeitung „L’Opinion“. In einem Interview mit L’Opinion am Sonntag, dem 14. Mai, bekräftigte Emmanuel Macron, dass er seine Politik der Steuersenkung für die Mittelschicht fortsetzen will, um Arbeit besser zu entlohnen. „Wir müssen einen Kurs der Steuersenkung für unsere Mittelschicht fortsetzen. Warum? Weil wir, wenn wir das Land weiterhin an Bord holen wollen, der Arbeit wieder mehr Glaubwürdigkeit verleihen müssen“. „Heute helfen wir sehr stark den Menschen, die sich in einer Notlage befinden, die den Anschluss verloren haben. Wir unterstützen Geringverdiener sehr stark und haben mit der Aktivitätsprämie noch mehr getan“, fuhr der Staatschef fort, der nach der schmerzhaften Rentenkrise versucht, wieder die Kontrolle zu übernehmen. „Die Besteuerung der Einkommen der Mittelschicht ist zu hoch und beschleunigt sich zu schnell. Sie zerstört Kaufkraftgewinne zwischen 1.500 und 2.500 Euro. Ich spreche von denjen…

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