Schlagwort: Milchbauern

  • Milch, die niemand abholt

    Milch, die niemand abholt

    Milch gilt als Inbegriff des Alltäglichen. Sie steht morgens auf dem Tisch, verschwindet im Kaffee, landet in Käse, Butter oder Joghurt. Kaum jemand denkt darüber nach, wie fragil der Weg zwischen Stall und Supermarkt tatsächlich ist. In der französischen Mayenne hat genau diese Zerbrechlichkeit nun eine erschreckend konkrete Form angenommen.

    21 Bio-Milchbauern standen plötzlich vor einem absurden Problem: Ihre Kühe produzierten weiter – doch niemand holte die Milch ab.

    Auslöser war die Schließung einer Molkerei in Entrammes Ende April nach einer gerichtlichen Liquidation. Von einem Tag auf den anderen brach die gesamte Logistik weg. Rund 12.000 Liter Bio-Milch pro Tag fanden keinen Abnehmer mehr. Für viele Betriebe begann ein Wettlauf gegen die Zeit. Kühlanlagen liefen am Limit, Tanks füllten sich bis zum Rand, Telefone glühten. Doch Milch kennt keine Pause.

    Kühe lassen sich schließlich nicht wie Maschinen abschalten.

    Wer noch nie einen Milchviehbetrieb besucht hat, unterschätzt leicht die gnadenlose Taktung dieses Berufs. Gemolken wird morgens und abends, jeden Tag, ohne Feiertag, ohne Wochenende. Die Tiere geben weiter Milch, egal ob der Markt funktioniert oder nicht. Wenn dann kein Tankwagen kommt, bleibt irgendwann nur noch der bitterste aller Schritte: Wegschütten.

    Genau das geschah in der Mayenne.

    Innerhalb von rund zehn Tagen sollen etwa 150.000 Liter Bio-Milch vernichtet worden sein. Hochwertige Ware, produziert unter strengen Standards, gedacht für Verbraucher, die bewusst regional und ökologisch einkaufen möchten. Stattdessen floss die Milch in Gruben und Güllebehälter. Ein Bild, das viele Landwirte nur schwer aus dem Kopf bekommen dürften.

    Besonders bitter: Es fehlte nicht an Nachfrage nach Lebensmitteln. Das Problem lag dazwischen – in jener oft unsichtbaren Kette aus Verträgen, Transporten, Verarbeitung und Handel. Bricht dort ein einziges Glied weg, gerät plötzlich ein ganzes System ins Wanken.

    Und zwar verdammt schnell.

    Die betroffenen Bauern versuchten offenbar sogar, ihre Bio-Milch zu Schleuderpreisen anzubieten. Teilweise fand sich nicht einmal für weniger als 50 Cent pro Liter ein Käufer. Das zeigt, wie wenig Spielraum kleine Erzeuger besitzen, wenn sie kurzfristig aus bestehenden Lieferketten herausfallen. Milch ist kein Produkt, das tagelang auf Halde liegen kann. Binnen Stunden beginnt der Countdown.

    Inzwischen gibt es zumindest eine vorläufige Rettung. Das französische Bio-Netzwerk Biolait übernimmt die Sammlung der Milch von den 21 Betrieben. Der Vertrag läuft über fünf Jahre und umfasst rund vier Millionen Liter Bio-Milch jährlich. Für die Bauern bedeutet das vor allem eines: wieder Planungssicherheit.

    Doch der Vorfall hinterlässt Fragen, die weit über die Mayenne hinausreichen.

    Frankreich präsentiert sich gern als Land regionaler Qualität, bäuerlicher Tradition und kurzer Wege. Bio-Landwirtschaft genießt politisch wie gesellschaftlich hohes Ansehen. Gleichzeitig zeigt dieser Fall, wie stark selbst kleine regionale Strukturen von wenigen industriellen Akteuren abhängen. Fällt eine Molkerei aus, stehen Existenzen binnen Tagen auf der Kippe.

    Die Geschichte aus Entrammes erzählt deshalb nicht nur von verschütteter Milch. Sie erzählt von einem Ernährungssystem, das nach außen robust wirkt, im Inneren jedoch erstaunlich empfindlich bleibt. Ein einziger Ausfall genügt – und plötzlich wird selbst beste Bio-Milch zu Abfall.

    Autor: Daniel Ivers

  • Frankreich: Milchpreis wird im Jahr 2024 nicht billiger werden

    Frankreich: Milchpreis wird im Jahr 2024 nicht billiger werden

    Trotz der jüngsten Abschwächung der Inflation und der Diskussionen auf dem letzten Landwirtschaftssalon wird erwartet, dass die Milchpreise im Jahr 2024 nicht sinken werden. Das französische Institut für Viehzucht (Idele) hat seine Prognosen für das kommende Jahr veröffentlicht, und die Aussichten deuten darauf hin, dass die Preise stabil bleiben werden. Im Jahr 2023 stiegen die Milchpreise um 5%, was jedoch nicht ausreichte, um den starken Rückgang des Einkommens der Milchbauern auszugleichen. Herausforderungen in der Milchwirtschaft Die durchschnittlichen Großmarktpreise für eine Tonne Milch (1.000 Liter) erreichten 460 Euro, was immer noch nicht ausreicht, um die steigenden Produktionskosten der Bauern zu decken. Unterschiede ergeben sich je nach Größe der Betriebe und den Verhandlungen mit den Milchverarbeitern. Größere Betriebe, die Milchwirtschaft mit Ackerbau kombinieren, können ihre Einnahmen besser ausgleichen als reine Milchviehbetriebe. Einfluss der neuen Agrarpolitik Die Pr…

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  • Bauernproteste: Milchbauern demonstrieren zwischen der Nationalversammlung und dem Eiffelturm

    Bauernproteste: Milchbauern demonstrieren zwischen der Nationalversammlung und dem Eiffelturm

    Rund 100 Milchbauern demonstrieren am Dienstag seit 10 Uhr in der französischen Hauptstadt, um bessere Milchpreise zu fordern. Eine Demonstration von Milchbauern wurde für Dienstag, den 13. Februar, am Vormittag zwischen der Nationalversammlung und dem Eiffelturm angesetzt. Etwa 100 Milchbauern versammeln sich ab 10 Uhr vor der Nationalversammlung, um auf ihre Arbeitsbedingungen und den niedrigen Milchpreis aufmerksam zu machen. Anschließend wollen sie unter dem Eiffelturm kostenlos Milch verteilen.

    Die APLI (Vereinigung der unabhängigen Milcherzeuger) hat die Bewegung ins Leben gerufen. „Heute ist die Regierung dabei, kleine Maßnahmen umzusetzen, um zu versuchen, die Landwirten zu beruhigen, aber das Problem ist viel schwerwiegender, es ist strukturell, und es ist ein Preisproblem“, erklärte Adrien Lefèvre, Sprecher des Verbands, gegenüber dem Sender France Bleu Paris. Adrien Lefèvre verweist insbesondere auf unlauteren W…

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  • Französische Landwirte: Im Aveyron machen Milchbauern gegen zu niedrige Preise mobil

    Französische Landwirte: Im Aveyron machen Milchbauern gegen zu niedrige Preise mobil

    Die Milcherzeuger des Departements Aveyron haben beschlossen, in einem Kampf mit dem Unternehmen Lactalis den Milchpreis zu steigern. Sie führen Aktionen in Einkaufszentren durch, um die zu niedrigen Preise anzuprangern.

    Seit 12 Jahren investiert Marie-Amélie Viargues in Pruines (Aveyron) ihre ganze Energie in die Pflege ihrer Tiere: 80 Kühe, die morgens und abends gefüttert und gemolken werden müssen. Dennoch reiste die Departementssekretärin der Bauern-Gewerkschaft FDSEA 12 am Dienstag vergangener Woche bis nach Toulouse (Departement Haute-Garonne), um ihrem Ärger Ausdruck zu verleihen. Aus dem Aveyron waren etwa ein Dutzend Milchbauern ihnen gekommen, um die Kollegen des ganzen Departements zu repräsentieren.

    „Ein Einkommen von weniger als 10.000 Euro“ pro Jahr für die Viehzüchter.
    „Die Züchter haben im Jahresdurchschnitt ein Einkommen von weniger als 10.000 Euro, d. h. weniger als 800 Euro pro Monat“, klagt Marie-Amélie Viargues. Die Milchviehhalter im Departement Aveyron haben sich daher entschlossen, ein ganz spezielles Problem anzugehen: den Kampf um einen besseren Milchpreis mit dem Unternehmen Lactalis. Am Donnerstag vergangener Woche gingen sie jedoch nicht auf die Straße, sondern in Einkaufszentren, um den Kunden die zu niedrigen Preise bewusst zu machen. Die Landwirte haben nun einen Termin mit dem Präfekten des Departements Aveyron. Danach wollen sie entscheiden, welche Form ihre nächste Aktion annehmen soll.