Schlagwort: Migration USA

  • Der schlechte Jahresstart des Dollars – und andere World-News

    Der schlechte Jahresstart des Dollars – und andere World-News

    Der US-Dollar hat in den vergangenen sechs Monaten gegenüber den Währungen der wichtigsten Handelspartner Amerikas mehr als zehn Prozent an Wert verloren – der schlechteste Jahresbeginn seit 1973.

    Die aggressiven Zoll-Drohungen von Präsident Trump und seine eher isolationistische Außenpolitik, kombiniert mit Inflation und steigender Staatsverschuldung, haben dazu beigetragen, das Vertrauen in die Rolle der USA als Zentrum des globalen Finanzsystems zu untergraben. Auch wenn Trump inzwischen in seine Aggressivität etwas nachgelassen hat und sich die US-Aktien- und Anleihemärkte von ihren Verlusten zu Beginn des Jahres erholt haben, setzt der Dollar seine Talfahrt fort.

    „Ob der Dollar schwach oder stark ist, ist nicht die Frage“, sagte Steve Englander, globaler Leiter der G10-Devisenforschung. „Die Frage ist, was er dir darüber sagt, wie die Welt deine Politik einschätzt.“

    China liegt im Rennen um die Energie der Zukunft weit vorne

    Zwar stößt China weiterhin mehr klimaschädliche Emissionen aus als die USA und Europa zusammen, doch vollzieht es den Schwenk zu sauberer Energie mit atemberaubender Geschwindigkeit.

    Im vergangenen Jahr wurden in China mehr Windkraftanlagen und Solarpaneele installiert als im gesamten Rest der Welt, und der Boom der sauberen Energie breitet sich global aus. Chinesische Unternehmen bauen Fabriken für Elektrofahrzeuge und Batterien in Brasilien, Thailand, Marokko, Ungarn und anderen Ländern. China dominiert bereits die weltweite Produktion mehrerer sauberer Energietechnologien – und mit jedem Monat vergrößert sich sein technologischer Vorsprung.

    Gleichzeitig setzen die USA weiter auf Öl und Gas. Die Strategien beider Länder sind in hohem Maße von der nationalen Sicherheit geprägt. China verfügt im Gegensatz zu den USA nicht über leicht zugängliche eigene Öl- oder Gasvorkommen und ist daher bestrebt, seine Abhängigkeit von importierten fossilen Brennstoffen zu beenden und einen möglichst großen Teil seiner Wirtschaft mit erneuerbaren Energien zu versorgen.

    Tödlicher Angriff auf ein Strandcafé in Gaza

    Ein israelischer Luftangriff auf ein Café am Strand von Gaza-Stadt hat gestern Nachmittag mehr als zwei Dutzend Palästinenser getötet und dutzende weitere verletzt, berichten örtliche medizinische Helfer.

    Mohammad Abu Salmiya, Direktor des Al-Shifa-Krankenhauses in Gaza-Stadt, sagte, dass bei dem Angriff mehr als 30 Menschen getötet und mehr als 50 verletzt wurden. Das Gesundheitsministerium in Gaza veröffentlichte zunächst keine offiziellen Zahlen zu Toten und Verletzten, und das israelische Militär gab bisher keine Stellungnahme zu dem Angriff ab.

    WEITERE WICHTIGE NACHRICHTEN

    Europa: In Großbritannien, Frankreich, Italien und Spanien wurden Hitzewarnungen ausgegeben, da die Temperaturen mancherorts über 40 Grad Celsius stiegen.

    Syrien: Golfstaaten haben nach dem plötzlichen Zusammenbruch der Diktatur des Landes schnell Hilfe geleistet und investiert.

    Großbritannien: Da viele Abgeordnete der Labour-Partei offen revoltieren und die Wähler der Partei ihre Unterstützung entziehen, fordern Parteimitglieder Premierminister Keir Starmer auf, einen Linksschwenk vorzunehmen.

    Gesundheit: Eine neue Studie deutet darauf hin, dass Gewebeentzündungen möglicherweise kein natürlicher Teil des Alterns sind, sondern ein Produkt modernen Lebens.

    Reisen: Kriege und Konflikte zwingen Fluggesellschaften zunehmend dazu, ihre Routen neu zu planen.

    Russland: Wo früher alles Westliche verehrt wurde, ist China bei jungen Russen mittlerweile besonders angesagt.

    Norwegen: Ein Glücksspielunternehmen hat sich dafür entschuldigt, dass es tausende Menschen fälschlicherweise über große Lottogewinne informiert hatte. Ein Programmierfehler war der Grund für die Panne.

    Mexiko: Mitglieder des Sinaloa-Kartells haben sich mit einer rivalisierenden Bande verbündet – eine Allianz, die das kriminelle Untergrundnetzwerk in Dutzenden Ländern verändern könnte.

    US-Politik: Der Senat stimmt weiterhin über Änderungsanträge zu dem umfassenden wirtschafts- und innenpolitischen Gesetzespaket des Präsidenten ab.

    Migration: Die Trump-Regierung zahlte El Salvador Millionen Dollar, damit das Land abgeschobene Migranten inhaftiert.

  • Trump verhängt Einreisestopp – 12 Länder betroffen. Und weitere World-News

    Trump verhängt Einreisestopp – 12 Länder betroffen. Und weitere World-News

    Die US-Regierung unter Donald Trump hat erneut Nägel mit Köpfen gemacht: Einreiseverbote für Menschen aus zwölf Ländern treten ab Montag in Kraft. Damit zieht Trump die Zügel in seiner harten Einwanderungspolitik weiter an. Betroffen sind unter anderem Afghanistan, Iran, Somalia und der Sudan. Doch das ist noch nicht alles – auch teilweise Verbote für Länder wie Kuba, Venezuela oder Laos stehen auf der Liste.

    Offiziell begründet Washington den Schritt mit angeblichen Bedrohungen für die nationale Sicherheit. Schon in seiner ersten Amtszeit hatte Trump mit ähnlichen Maßnahmen auf sich aufmerksam gemacht – damals vor allem gegen Länder mit mehrheitlich muslimischer Bevölkerung. Kritiker sprechen von Diskriminierung, Trump-Anhänger hingegen von notwendigem Schutz.

    Putin plant Vergeltung gegen Ukraine – Trump als stiller Zuhörer

    Donald Trump sorgt in Sachen Ukraine erneut für Schlagzeilen – diesmal mit einer heiklen Enthüllung. In einem Social-Media-Post berichtete der US-Präsident von einem Telefonat mit Wladimir Putin. Der russische Präsident habe ihm zufolge angekündigt, auf den schweren Drohnenangriff der Ukraine reagieren zu wollen. „Ein gutes Gespräch“, so Trump, „aber kein Gespräch, das sofortigen Frieden bringt.“ Ein klares Statement zum weiteren Vorgehen? Fehlanzeige.

    Währenddessen spricht Putin in Moskau öffentlich von Angriffen auf russische Eisenbahnen, bei denen sieben Menschen ums Leben kamen. Die jüngsten Drohnenangriffe auf strategische Bomber? Kein Wort darüber. Stattdessen beschuldigt er Kiew, absichtlich den Friedensprozess zu sabotieren. Präsident Selenskyj hingegen wirft Putin Verzögerungstaktiken vor – um neue US-Sanktionen hinauszuzögern.

    Und dann ist da noch das Thema Iran: Laut Trump waren sich er und Putin einig, dass Teheran keine Atomwaffen besitzen dürfe. Er habe den Kremlchef um Hilfe bei einem neuen Atomdeal gebeten.

    Gaza: Hilfszentren nach tödlichen Zwischenfällen kurzzeitig geschlossen

    Inmitten der humanitären Katastrophe im Gazastreifen kommt es zu einem weiteren Rückschlag: Die von Israel unterstützte „Gaza Humanitarian Foundation“ hat ihre vier Lebensmittelausgabestellen vorübergehend geschlossen. Der Grund? Ein tödlicher Zwischenfall am Vortag, bei dem Palästinenser unter israelischen Beschuss gerieten, als sie versuchten, Hilfe zu bekommen.

    Laut örtlichen Gesundheitshelfern wurden allein in dieser Woche Dutzende Menschen in Rafah getötet – in der Nähe eines dieser Hilfszentren. Die genauen Umstände sind umstritten. Klar ist nur: Das ohnehin fragile Hilfssystem gerät zunehmend unter Druck. Großbritannien fordert nun eine unabhängige Untersuchung.

    Gleichzeitig blockierte die US-Regierung im UN-Sicherheitsrat eine Resolution, die einen sofortigen Waffenstillstand, die Freilassung aller Geiseln und die Wiederaufnahme humanitärer Hilfe gefordert hätte.

    Trotz des Krieges – Israels Rüstungsindustrie boomt. Mit fast 15 Milliarden Dollar Umsatz im letzten Jahr wurde ein neuer Rekord aufgestellt.

    Was sonst in der Welt noch passiert ist

    – In Indien kamen bei einer Massenpanik während eines Cricket-Spiels in Bengaluru mindestens elf Menschen ums Leben.

    – Die islamische Pilgerfahrt Hadsch hat begonnen – bei rekordverdächtigen Temperaturen, die sie zu einer echten Belastungsprobe machen.

    – Der iranische Oberste Führer Khamenei hat das neueste US-Angebot für ein Atomabkommen als „Unsinn“ bezeichnet.

    – Südkoreas Präsident Lee Jae-myung rief bei seiner Amtseinführung zu Dialog mit Nordkorea und zur Zusammenarbeit mit der Trump-Administration auf.

    – In El Salvador wurden drei ehemalige hochrangige Militärs wegen der Ermordung von vier niederländischen Journalisten im Jahr 1982 verurteilt.

    – In Mexiko steuert die Regierungspartei Morena auf eine Dominanz im Obersten Gerichtshof zu – dank der Wahl von Richtern durch das Volk.

    – Vietnam schafft die Zwei-Kind-Politik ab, um den Geburtenrückgang zu stoppen.

    – China verschärft Maßnahmen gegen den illegalen Export seltener Erden.

    – In Kanada will Premierminister Carney als Antwort auf Trumps Handelspolitik nun die innerkanadischen Handelsbarrieren zwischen den kanadischen Provinzen abbauen.

    – Und: In Deutschland sind die Tesla-Verkäufe im Mai zum fünften Mal in Folge zurückgegangen.

    Wirtschaft & Handel

    – Die US-Zölle auf Stahl und Aluminium steigen auf satte 50 Prozent – betroffen sind unter anderem die EU, Kanada, Mexiko, Brasilien und Südkorea. Großbritannien bleibt verschont.

    – Der Handelsstreit zwischen den USA und China wird immer mehr zu einem Kampf um globale Lieferketten.

    – Und nachdem das Weiße Haus sich das Ziel gesetzt hat, „90 Handelsabkommen in 90 Tagen“ abzuschließen, fragen sich viele: Wie lange dauert das in der Realität wirklich?

    Von Andreas M. Brucker

  • Israel verstärkt Militäreinsatz im Gazastreifen – und weitere World-News

    Israel verstärkt Militäreinsatz im Gazastreifen – und weitere World-News

    Israels Premierminister Benjamin Netanjahu kündigte gestern eine deutliche Ausweitung der Militäroffensive im Gazastreifen an. Er sagte, Israel befinde sich „am Vorabend eines kraftvollen Einfalls nach Gaza“. Der israelische Sicherheitsrat hat einem neuen Plan zugestimmt, der vorsieht, dass zehntausende zusätzliche Soldaten Territorien im Gazastreifen besetzen und die palästinensische Bevölkerung in den Süden verlagern.

    Netanjahu begründete die geplante Offensive damit, die noch verbleibenden Geiseln zurückzuholen. Kritiker warnen jedoch, dass genau diese Geiseln dadurch zusätzlich gefährdet würden – ohne dass sich das Kräfteverhältnis in einem seit anderthalb Jahren tobenden Krieg grundlegend ändern dürfte. Die Organisation der Geiselfamilien appellierte eindringlich an die Regierung, den Krieg nicht weiter auszuweiten.

    Laut israelischer Regierung soll die Offensive schrittweise beginnen, während parallel noch Waffenstillstandsgespräche laufen. Ein Sprecher sagte, Ziel sei es, Gebiete langfristig zu kontrollieren, um eine Rückkehr der Hamas zu verhindern.

    Hilfslieferungen:
    Gleichzeitig stimmte das Kabinett einem neuen System zur Verteilung humanitärer Hilfe zu. Die Lebensmittelversorgung in Gaza ist laut den Vereinten Nationen bereits auf einem „katastrophalen“ Niveau.

    Yemen:
    Als Reaktion auf eine Rakete der Huthi-Milizen, die am Wochenende in der Nähe des wichtigsten israelischen Flughafens einschlug, bombardierten israelische Kampfflugzeuge die Hafenstadt Hudaydah.


    USA bieten Migranten Geld für freiwillige Ausreise

    Die US-Regierung unter Präsident Trump überraschte gestern mit einem neuen Angebot: Illegale Migranten erhalten 1.000 Dollar sowie Unterstützung für die Rückreise in ihr Herkunftsland – sofern sie freiwillig ausreisen.

    Ein erster Migrant aus Honduras habe das Angebot bereits angenommen und sei von Chicago aus in seine Heimat geflogen. Die Auszahlung erfolgt laut Regierung erst, nachdem über eine App nachgewiesen wird, dass die Rückkehr abgeschlossen ist.

    „Wer sich illegal im Land aufhält, für den ist die freiwillige Ausreise der sicherste, effizienteste und günstigste Weg, um einer Festnahme zu entgehen“, erklärte Heimatschutzministerin Kristi Noem.

    Rwandas Außenminister bestätigte erste Gespräche mit der US-Regierung darüber, ob das ostafrikanische Land künftig Migranten aufnehmen könnte, die aus den USA abgeschoben werden.


    Missbrauchsopfer vor Papstwahl in Rom: Ein stiller Appell

    In Rom versammelten sich Opfer sexuellen Missbrauchs und Experten, die das Vorgehen der katholischen Kirche in solchen Fällen überwachen. Anlass ist das bevorstehende Konklave – die Wahl eines neuen Papstes.

    Ihr Ziel: Die Kardinäle dazu zu bewegen, dem Thema endlich oberste Priorität einzuräumen. Zwar wird dem kürzlich verstorbenen Papst Franziskus zugestanden, mehr unternommen zu haben als seine Vorgänger – doch die Realität zeigt ein anderes Bild. Neue Fälle kommen ans Licht, alte Wunden bleiben offen.

    Ein Sprecher des Vatikans erklärte, das Thema sei in den Vorbereitungsgesprächen der Kardinäle „als offene Wunde“ betrachtet worden. Nur so könne das Bewusstsein erhalten und ein Weg zur Heilung gefunden werden.


    Weitere wichtige Meldungen weltweit

    Ukrainekrieg:
    Tausende russische Soldaten gelten als vermisst – ihre Familien sind oft auf sich allein gestellt, wenn es um Antworten geht. In der ukrainischen Stadt Odessa tobt derweil ein Kulturkampf: Viele wollen sich endgültig von russischer Geschichte lösen.

    China:
    Wegen wachsender Handelskonflikte zwischen China und den USA stehen viele Unternehmen in Guangzhou vor wirtschaftlichen Problemen – und drohen in eine Krise zu rutschen.

    USA – Sean Combs:
    In New York begann das Verfahren gegen Musikmogul Sean Combs, bekannt auch als „Puff Daddy“. Ihm werden Erpressung, Gewalt gegen Frauen und Menschenhandel vorgeworfen. Die Jury-Auswahl läuft.

    Sudan:
    Der Internationale Gerichtshof wies eine Klage gegen die Vereinigten Arabischen Emirate zurück, in der ihnen vorgeworfen wurde, den Völkermord im Sudan unterstützt zu haben – mit der Begründung, ihm fehle die Zuständigkeit.

    Peru:
    Schockfund in einer Goldmine: In einem Schacht wurden die Leichen von 13 Bergarbeitern entdeckt. Die Mine wird vom größten Goldförderunternehmen des Landes betrieben.

    Brasilien:
    Die Polizei vereitelte offenbar einen geplanten Anschlag auf ein Konzert von Lady Gaga am Strand der Copacabana. Die Täter wollten Sprengsätze einsetzen.


    Europa im Fokus

    Handel:
    Laut einem Bericht der Europäischen Zentralbank wenden sich immer mehr europäische Konsumenten von US-Produkten ab – ein stiller Protest gegen die aktuelle politische Lage.

    Spanien:
    Über 10.000 Bahnreisende strandeten zwischen Madrid und Sevilla – Grund war ein technischer Fehler kombiniert mit Kabeldiebstahl. Der Hochgeschwindigkeitsverkehr kam zum Erliegen.

    Wissenschaft:
    Während die USA ihre Förderung für Forschungseinrichtungen drastisch kürzen, lockt die EU mit neuen Anreizen – und hofft, kluge Köpfe nach Europa zu holen.

    Tschechien:
    Ein Zufallsfund mit Goldglanz: Zwei Wanderer stießen auf einen Schatz aus Münzen und Schmuck. Wer ihn vergraben hat – das bleibt vorerst ein Rätsel.

    Von Andreas M. Brucker

  • Kommentar: Die leise Stimme des Gewissens in einer Welt, die schreit

    Kommentar: Die leise Stimme des Gewissens in einer Welt, die schreit

    Gestern war der Internationale Tag des Gewissens. Kaum jemand hat es bemerkt. Die Nachrichten waren wie immer voll von Bildern des Leids, von Raketen über Gaza, zerstörten Krankenhäusern in der Ukraine, von Schlauchbooten im Mittelmeer – und dazwischen Donald Trump, der mit grimmiger Miene seine Rückkehr ins Weiße Haus inszeniert, als wäre es eine Realityshow mit dem Titel Make Hate Great Again.

    Was für ein Zynismus: Ein Tag, der an unser menschliches Gewissen appelliert – während weltweit täglich Entscheidungen getroffen werden, die es verraten.

    Trump hat in seinem Wahlkampf angekündigt, im Falle seiner Wiederwahl nicht nur die restriktive Migrationspolitik seiner ersten Amtszeit fortzusetzen, sondern zu radikalisieren. Massendeportationen, Lager für illegale Einwanderer, Streichung jeglicher Schutzprogramme – das ist kein Schreckensszenario mehr, sondern eine offen formulierte und umgesetzte Strategie. Der Präsident der angeblich freien Welt will das Asylrecht de facto abschaffen. Gleichzeitig soll USAID, das amerikanische Entwicklungs- und Hilfsprogramm, drastisch gekürzt oder gleich ganz eingestellt werden. Wer Hilfe braucht, bekommt sie nicht mehr – nicht in Honduras, nicht in Haiti, nicht im Südsudan. America first, humanity last.

    Was ist in einer Welt, die sich so verhält, das Gewissen noch wert?

    Gewissen – das ist keine abstrakte Moralinstanz. Es ist diese leise, unbequeme Stimme, die nicht schweigt, wenn wir zu bequem, zu abgestumpft oder zu feige geworden sind. Sie fragt uns nicht, ob wir uns politisch links oder rechts verorten. Sie fragt uns: Was tust du, wenn ein Mensch leidet? Was tust du, wenn jemand klopft, der Hilfe braucht? Und vielleicht: Was lässt du zu, weil es dich nicht direkt betrifft?

    In Kriegszeiten – und ja, wir leben in einer Welt permanenter Kriege – scheint das Gewissen wie ein nostalgisches Relikt. Doch es ist gerade dann nötiger denn je. Denn Kriege beginnen immer mit der Entmenschlichung. Man hört Wörter wie „Invasoren“, „Illegale“, „Kollateralschäden“. Man baut Mauern, zieht Grenzen, streicht Budgets – und wäscht die Hände in politischer Alternativlosigkeit. Aber nein: Das Gewissen kennt keine geopolitische Strategie. Es sagt nur: Das ist falsch.

    Der Internationale Tag des Gewissens ist keine PR-Veranstaltung. Er ist ein stiller, unbequemer Moment. Er fordert uns heraus – nicht nur als Politikerinnen und Wähler, sondern als Menschen. Was sind wir bereit zu sehen? Was sind wir bereit zu tun?

    Wir stehen an einem Kipppunkt. Nicht nur ökologisch, wirtschaftlich oder politisch – sondern moralisch. Wenn wir Menschen im Mittelmeer ertrinken lassen, weil wir ihre Flucht „illegal“ nennen, wenn wir unsere Augen vor zerbombten Schulen verschließen, weil sie im „falschen“ Teil der Welt stehen, wenn wir Entwicklungshilfe streichen und dann die Folgen fürchten – dann verlieren wir etwas, das schwerer wiegt als jedes Bruttoinlandsprodukt.

    Dann verlieren wir unsere Menschlichkeit.

    Aber das Gewissen – so leise es auch sein mag – bleibt. Es flüstert, manchmal schreit es. Und es ist da. Gestern war sein Tag. Und heute? Heute liegt es an uns, ob wir weiter weghören.

    P.T.