Schlagwort: Meeresforschung

  • Walstrandung am Capbreton bewegt die Atlantikküste

    Walstrandung am Capbreton bewegt die Atlantikküste

    Der Fund sorgte für Bestürzung an der französischen Atlantikküste: An einem Strand von Capbreton ist ein Wal tot aufgefunden worden. Spaziergänger entdeckten das gewaltige Meeressäugetier am Ufer und alarmierten umgehend die Behörden. Innerhalb kurzer Zeit trafen Einsatzkräfte sowie Spezialisten für Meerestiere ein, um die Situation zu sichern und erste Untersuchungen einzuleiten.

    Strandungen großer Wale gehören zu den Ereignissen, die selbst in küstennahen Regionen nur selten vorkommen. Entsprechend groß war das Interesse der Bevölkerung. Zahlreiche Schaulustige versammelten sich am Strand, um einen Blick auf das Tier zu werfen. Gleichzeitig bemühten sich Fachleute darum, die Umgebung abzusperren und ungestört erste Erkenntnisse zu sammeln.

    Noch ist unklar, weshalb der Wal verendet ist. Die Experten stehen bei solchen Fällen regelmäßig vor einem komplexen Puzzle. Erkrankungen, Orientierungslosigkeit oder Verletzungen durch Zusammenstöße mit Schiffen zählen ebenso zu den möglichen Ursachen wie Nahrungsmangel oder Veränderungen der Umweltbedingungen. Erst eine eingehende Untersuchung des Kadavers dürfte Hinweise darauf liefern, was dem Tier letztlich zum Verhängnis wurde.

    Capbreton nimmt in der Meeresforschung eine besondere Stellung ein. Vor der Küste befindet sich der sogenannte Gouf von Capbreton, ein beeindruckender Unterwasser-Canyon, der tief in den Golf von Biskaya hineinreicht. Dieses einzigartige Naturphänomen schafft Lebensbedingungen, die zahlreiche Meeresbewohner anziehen. Delfine, Grindwale und gelegentlich sogar Buckelwale lassen sich in der Region beobachten. Für Naturfreunde gilt das Gebiet seit Jahren als echter Geheimtipp.

    Wenn Wale oder andere Meeressäuger an Land gespült werden, beginnt für Wissenschaftler eine wichtige Arbeit. In Frankreich werden solche Vorfälle von spezialisierten Netzwerken dokumentiert und analysiert. Die gesammelten Daten helfen dabei, Entwicklungen in den Meeresökosystemen besser zu verstehen. Oft zeigt sich, dass die Tiere bereits auf See gestorben sind und erst später durch Strömungen und Wetterbedingungen an die Küste gelangen.

    Der aktuelle Fund erinnert einmal mehr daran, wie faszinierend und zugleich verletzlich die Tierwelt der Ozeane ist. Die Begegnung mit einem Wal löst Staunen aus – selbst dann, wenn sie unter tragischen Umständen erfolgt. Für viele Menschen in der Region bleibt das gestrandete Tier ein bewegendes Symbol für die enge Verbindung zwischen Mensch und Meer und für die Verantwortung, die empfindlichen Lebensräume des Atlantiks zu schützen.

    Autor: Danile Ivers

  • Der stille Riese kehrt zurück

    Der stille Riese kehrt zurück

    Es braucht manchmal nicht mehr als ein paar Sekunden flimmernder Bilder, um eine ganze Landschaft des Denkens zu verschieben. Ein graublauer Rücken, eine sanft gleitende Bewegung, ein Maul, weit geöffnet wie ein Tor in eine andere Zeit — und plötzlich ist da wieder diese Ahnung: Die Welt unter der Wasseroberfläche lebt noch.

    Vor der Küste von Port la Nouvelle, dort, wo das Mittelmeer oft wie eine glatt polierte Fläche wirkt, zeigte sich ein Wesen, das man eher in alten Seefahrergeschichten vermutet hätte. Ein Riesenhai, rund zehn Meter lang, ruhig, fast gelassen. Kein Raubtier im klassischen Sinne, sondern ein Filterer, ein Sammler von Plankton, ein geduldiger Wanderer durch die Strömungen.

    Und doch.

    Allein sein Anblick reicht aus, um die Fantasie anzuzünden.

    Wie konnte ein solches Tier so lange aus unserem Blickfeld verschwinden — oder war es nie wirklich fort?

    Ein paar Meter Wasser genügen, und schon entzieht sich das Leben unserer Wahrnehmung. Das Meer besitzt diese eigentümliche Fähigkeit, Dinge zu verbergen, ohne sie zu löschen. Was wir nicht sehen, rutscht leise aus unserem Bewusstsein. Es wird zu einer Randnotiz, dann zu einer Erinnerung, schließlich zu einem Mythos.

    Der Riesenhai, dieser sanfte Koloss, ist ein Meister dieser Unsichtbarkeit.

    Er verschwand nie vollständig aus dem Mittelmeer. Doch er wurde selten, beinahe geisterhaft. Sichtungen blieben aus, Geschichten verstummten, und irgendwann schien es einfacher zu glauben, er sei weg. Ganz weg.

    Ein Irrtum, der sich hartnäckig hält — wie so viele Annahmen über die Natur.

    Dabei erzählen die jüngsten Beobachtungen eine andere Geschichte.

    Nicht laut, nicht triumphierend, sondern leise und vielschichtig.

    Von der Küste Okzitaniens bis hinauf in die Adria mehren sich die Hinweise, dass dieser Riese weiterhin seine Bahnen zieht. Keine plötzliche Rückkehr, kein dramatisches Comeback. Eher ein langsames Wiederauftauchen im menschlichen Blick.

    Ein Wiedersehen, könnte man sagen.

    Was bedeutet es eigentlich, wenn wir sagen, eine Art sei „zurück“?

    Ist es die Art selbst, die zurückkehrt — oder unser Blick, der sich verändert?

    Die Biologie kennt diese feine Unterscheidung schon lange. Große Meeresbewohner bewegen sich über enorme Distanzen, tauchen ab, verschwinden, wechseln ihre Routen. Sie entziehen sich der Logik fester Orte. Wer sie verstehen will, braucht Geduld. Und Demut.

    Beides ist im Alltag eher Mangelware.

    In den letzten Jahren hat sich etwas verschoben.

    Nicht unbedingt im Verhalten der Tiere, sondern in unserer Fähigkeit, sie wahrzunehmen. Smartphones, Drohnen, soziale Netzwerke — plötzlich wird das Meer beobachtet wie nie zuvor. Fischer filmen ihre Fänge, Segler ihre Begegnungen, Urlauber ihre Überraschungen.

    Das Ergebnis?

    Ein Mosaik aus Momentaufnahmen.

    Und mittendrin taucht er auf, dieser Riesenhai, als hätte er nur darauf gewartet, wieder gesehen zu werden.

    Doch Vorsicht vor zu schnellen Schlüssen.

    Ein einzelnes Video ersetzt keine wissenschaftliche Langzeitstudie. Eine Sichtung beweist keine stabile Population. Die Versuchung, aus einem Bild eine ganze Geschichte zu stricken, ist groß — vielleicht zu groß.

    Zwischen Alarmismus und naivem Optimismus verläuft ein schmaler Grat.

    Wer vorschnell vom Verschwinden spricht, unterschätzt die Widerstandskraft der Natur. Wer jede Beobachtung als Triumph feiert, übersieht ihre Verletzlichkeit.

    Die Wahrheit liegt, wie so oft, dazwischen.

    Der Riesenhai bleibt eine bedrohte Art.

    Seine Größe schützt ihn nicht, im Gegenteil. Große Tiere geraten leichter ins Netz menschlicher Einflüsse. Überfischung, Beifang, verschmutzte Gewässer — all das hinterlässt Spuren. Unsichtbare Spuren, die sich erst Jahre später zeigen.

    Und dann fragt man sich plötzlich: Wo sind sie geblieben?

    Vielleicht liegt genau darin die stille Tragik dieser Tiere.

    Sie verschwinden nicht mit einem Knall.

    Sie verblassen.

    Und doch steht dieser eine Moment vor der Küste wie ein Gegenbild.

    Ein Körper, der durch das Wasser gleitet, als gehöre ihm die Zeit selbst. Kein hektisches Jagen, kein aggressives Verhalten. Nur Bewegung. Rhythmus. Präsenz.

    Ein bisschen wie ein Gedanke, der lange verloren schien und plötzlich wieder auftaucht.

    Man könnte fast meinen, das Meer wolle uns etwas zeigen.

    Nicht mit erhobenem Zeigefinger, sondern mit einer Geste. Schau hin, scheint es zu sagen. Schau genauer hin.

    Denn da ist noch etwas.

    Ein Gefühl, das schwer zu greifen ist, aber sofort da ist, wenn man diese Bilder sieht.

    Staunen.

    Wann haben wir zuletzt über ein Tier gestaunt, ohne es sofort einordnen zu wollen? Ohne Kategorien, ohne Schlagzeilen, ohne den Reflex, alles zu bewerten?

    Der Riesenhai zwingt uns dazu.

    Er passt nicht in die üblichen Erzählungen vom gefährlichen Hai. Er widerspricht den Klischees, die sich tief in unsere Köpfe eingebrannt haben. Kein Jäger, kein Monster, kein Mythos aus Horrorfilmen.

    Ein friedlicher Gigant.

    Fast schon absurd in seiner Sanftheit.

    Und genau darin liegt seine Kraft.

    Seine Erscheinung verschiebt den Blick.

    Plötzlich geht es nicht mehr um Angst, sondern um Nähe. Nicht um Bedrohung, sondern um Koexistenz. Das Meer erscheint nicht mehr als feindlicher Raum, sondern als ein Ort, der uns fremd ist — und gerade deshalb Respekt verdient.

    Vielleicht brauchen wir genau solche Momente.

    Momente, in denen das Vertraute bröckelt.

    Die Sichtung vor Port la Nouvelle ist kein Beweis für eine heile Welt. Das Mittelmeer bleibt ein belastetes Ökosystem, geprägt von Erwärmung, Verschmutzung und intensiver Nutzung. Die Probleme verschwinden nicht, nur weil ein großer Fisch vorbeischwimmt.

    Aber.

    Es entsteht ein Riss in der Erzählung vom Verlust.

    Ein schmaler Spalt, durch den Hoffnung fällt.

    Und Hoffnung, das zeigt sich immer wieder, entsteht selten aus großen Gesten. Sie wächst in kleinen Beobachtungen, in unerwarteten Begegnungen, in diesen kurzen Momenten, in denen etwas auftaucht, das man längst abgeschrieben hatte.

    Vielleicht ist es genau das, was dieser Riesenhai uns sagt — ganz ohne Worte.

    Dass nicht alles verloren ist.

    Dass unter der Oberfläche noch Bewegung existiert.

    Dass Leben sich Wege sucht, selbst dort, wo wir es kaum erwarten.

    Natürlich reicht das nicht.

    Schutzmaßnahmen, Forschung, politische Entscheidungen — all das bleibt entscheidend. Ein einzelnes Tier verändert keine Systeme. Aber es verändert Perspektiven.

    Und Perspektiven sind der Anfang von allem.

    Denn was wir sehen, das verteidigen wir.

    Was wir fühlen, das bewahren wir.

    Der Riesenhai ist also mehr als nur ein biologisches Phänomen. Er ist ein Symbol. Nicht im kitschigen Sinne, sondern als leiser Hinweis darauf, dass die Natur komplexer ist, als unsere schnellen Urteile es zulassen.

    Man könnte sagen, er ist ein Botschafter.

    Einer, der keine Worte braucht.

    Und vielleicht liegt genau darin seine größte Wirkung.

    Er zwingt uns, langsamer zu werden.

    Hinzu schauen.

    Zuzuhören — auch wenn nichts gesagt wird.

    In einer Welt, die ständig nach Neuem verlangt, wirkt ein solches Tier fast wie ein Anachronismus. Ein Relikt aus einer anderen Zeit, das sich nicht beeilt, nicht anpasst, nicht erklärt.

    Einfach da ist.

    Ist das nicht irgendwie tröstlich?

    Dass es noch Dinge gibt, die sich unserer Geschwindigkeit entziehen?

    Am Ende bleibt ein Bild.

    Ein grauer Körper im Wasser, ein offenes Maul, das Plankton filtert, während über ihm die Sonne glitzert. Kein Drama, kein Spektakel. Nur Existenz.

    Und vielleicht ist genau das die eigentliche Nachricht.

    Nicht die Rückkehr eines Tieres.

    Sondern die Erinnerung daran, dass es nie ganz verschwunden war.

    Ein leises Comeback — nicht der Art, sondern unserer Aufmerksamkeit.

    Ein Artikel von M. Legrand

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  • Gast aus der Tiefe – Ein seltener Riesenhai taucht in der Bretagne auf

    Gast aus der Tiefe – Ein seltener Riesenhai taucht in der Bretagne auf

    Vier Meter lang, mit tellergroßen Augen und einer Schwanzflosse, die aussieht wie ein Schwert aus der Tiefsee – klingt nach einer Szene aus einem alten Abenteuerroman. Doch genau dieses Tier wurde jetzt, zum ersten Mal überhaupt, in den Gewässern vor der französischen Atlantikküste gesichtet: ein sogenannter „Requin-renard à gros yeux“, auf Deutsch der Großäugige Fuchshai. Gefangen – aber nur aus Versehen. Am 21. Oktober ging dieser seltene Meeresbewohner einem Fischer im Finistère an die Leine. Der Schock über das ungewöhnliche Tier war offenbar so groß wie das Tier selbst: über vier Meter misst der Hai, der zur Familie der Fuchshaie gehört und den wissenschaftlichen Namen Alopias superciliosus trägt. Für die Behörden war schnell klar – dieser Fang ist keine Alltagssache. Die Affaires Maritimes, die französische Meeresbehörde, schaltete sich ein und veranlasste, dass das Tier an die Station Marine de Concarneau übergeben wird – eine bedeutende Forschungseinrichtung an der bretonischen…

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  • Tiefsee oder Tiefschlag? Der Kampf um seltene Metalle in den Ozeanen spitzt sich zu

    Tiefsee oder Tiefschlag? Der Kampf um seltene Metalle in den Ozeanen spitzt sich zu

    Ein dunkler Ozeanboden, viele Kilometer unter der Wasseroberfläche. Keine Sonne, kaum bekannte Lebensformen – aber ein Schatz, der Staaten und Konzerne elektrisiert: Mangan, Kobalt, Nickel, seltene Erden. Ausgerechnet hier will Donald Trump den nächsten Rohstoffboom starten. Doch weltweit wächst der Widerstand.

    „Wir wären komplett verrückt, wenn wir anfangen würden, irgendwo zu bohren, das wir überhaupt nicht kennen“, wetterte Frankreichs Präsident Emmanuel Macron auf der UN-Ozeankonferenz in Nizza. Er spielt damit auf die Entscheidung von Donald Trump an, die großflächige Ausbeutung von Tiefseemineralien per Dekret zu erlauben – ein Alleingang, der weltweit Kritik provoziert.

    Trump – der große Abwesende in Nizza – hat sich erneut den Cowboyhut aufgesetzt. Mit seiner Entscheidung, das US-Unternehmen The Metal Company bei der Ausbeutung der Clarion-Clipperton-Bruchzone im Pazifik zu unterstützen, entfacht er eine hitzige Debatte: Gehört der Meeresboden irgendwelchen Staaten? Oder der gesamten Menschheit?

    „Die Tiefsee darf kein Wilder Westen werden“, warnte UN-Generalsekretär António Guterres. Auch Surangel Whipps Jr., Präsident der pazifischen Inselnation Palau, legte nach: „Kein einzelnes Land darf entscheiden, was mit einem Gut passiert, das allen gehört.“

    Derweil arbeiten Aktivisten, Wissenschaftler und einige Staaten an einem Moratorium – einer Art weltweiten Pausenknopf. Die Idee kam 2022 in Lissabon auf: Kleinere Inselstaaten schlugen vor, die Ausbeutung der Tiefsee vorerst zu verbieten, bis man besser wisse, womit man es dort eigentlich zu tun hat.

    Denn: Nur etwa 2 Prozent des Meeresbodens sind wissenschaftlich erfasst. Der Rest ist eine riesige, dunkle Unbekannte.

    Mittlerweile unterstützen 37 Staaten das Moratorium – Tendenz steigend. Auch in Nizza kamen vier neue Unterstützer hinzu. Donald Trumps Pro-Bergbau-Dekret hat dabei eher zur Mobilisierung beigetragen. „Er hat viele wachgerüttelt“, sagt Emma Wilson von der Deep Sea Conservation Coalition, einem Bündnis von 150 Umweltorganisationen.

    Und wie ist die rechtliche Lage?

    So einfach ist es gar nicht, in der Tiefsee einfach draufloszubohren. Außerhalb der nationalen Gewässer entscheidet nämlich die Internationale Meeresbodenbehörde (ISA), eine UN-Organisation mit 169 Mitgliedstaaten. Genau dort tobt ein stiller Kampf: Einige Staaten wollen einen verbindlichen Tiefsee-Bergbau-Kodex erarbeiten, andere drängen auf Tempo und Profit.

    Im Juli geht es weiter – dann trifft sich die ISA in Kingston, Jamaika. Die Gegner der Tiefsee-Ausbeutung wollen dort eine Art politische Abkürzung nehmen. Ihr Ziel: aus der politischen Haltung für ein Moratorium ein echtes, rechtlich bindendes Instrument machen.

    Klingt kompliziert? Ist es auch. Aber notwendig.

    Doch selbst wenn Trump drängelt – wirtschaftlich lohnend ist der Tiefseebergbau derzeit kaum. Die Technik ist teuer, die Bedingungen widrig, die Ausbeute unsicher. „Wer investiert in ein Abenteuer mit hohem Risiko und fragwürdigem Nutzen, wenn man viele dieser Rohstoffe noch an Land abbauen kann?“, fragt Meeresrechtsexperte Pradeep Singh.

    Immer mehr große Banken wie BNP Paribas oder Crédit Agricole haben bereits klargestellt: Kein Cent für Tiefseebergbau. Auch Tech-Riesen wie Apple und Google sowie Autohersteller wie Renault, Volvo und BMW schließen den Einsatz solcher Rohstoffe aus.

    Ein mächtiges Zeichen. Denn: Wenn keiner die Produkte kauft – wer soll dann bohren?

    Es bleibt ein Rennen gegen die Zeit. Zwischen moralischem Kompass und wirtschaftlichem Kalkül. Zwischen globalem Gemeinwohl und nationalem Egoismus.

    Noch ist nichts entschieden.

    Doch die Welt hört genau hin, wenn kleine Inselstaaten den Mächtigen die Stirn bieten und sagen: „Nicht mit uns!“

    Und man fragt sich: Wer setzt sich am Ende durch – die Stimme der Vernunft oder der Lärm des Bohrmeißels?

    Von Andreas M. Brucker

  • Nizza wird zum Epizentrum der Ozeanrettung – Was bei der UN-Ozeankonferenz 2025 wirklich zählt

    Nizza wird zum Epizentrum der Ozeanrettung – Was bei der UN-Ozeankonferenz 2025 wirklich zählt

    Es brodelt unter der Oberfläche – nicht nur im Wasser, sondern auch in den politischen Plenarsälen. Vom 9. bis 13. Juni 2025 richtet sich der Blick der Welt nach Nizza, wo die dritte Konferenz der Vereinten Nationen zum Ozean (UNOC-3) stattfindet. Frankreich und Costa Rica haben dieses globale Treffen ins Leben gerufen, um das zu schützen, was unser aller Überleben sichert: den Ozean.

    Ein Treffen mit Gewicht – nicht nur symbolisch

    Die UNOC-3 ist mehr als eine Wiederholung früherer Gipfel in New York (2017) und Lissabon (2022). Sie ist ein Aufruf zur Tat, zur radikalen Wende im Umgang mit unseren Meeren. Der Fokus liegt auf drei zentralen Baustellen: internationale Abkommen, Finanzierung nachhaltiger Meereswirtschaft und wissenschaftlicher Fortschritt.

    Der Schlüssel liegt im sogenannten BBNJ-Vertrag – einem Abkommen zum Schutz der Biodiversität in Meeresgebieten außerhalb nationaler Gerichtsbarkeit. Noch fehlen einige Unterschriften zur Ratifizierung. Diese Konferenz soll den entscheidenden Anstoß geben.

    Acht Missionen für einen bedrohten Planeten

    Emmanuel Macron ließ auf dem Pariser „SOS Océan“-Event im März keinen Zweifel: Wer das Meer schützt, schützt sich selbst. Acht Prioritäten hat Frankreichs Präsident formuliert – und sie haben es in sich.

    Die erste: Mindestens 30 Prozent des Ozeans sollen bis 2030 unter Schutz stehen. Ein ehrgeiziges Ziel, von dem aktuell noch nicht einmal die Hälfte erreicht ist.

    Zweitens: Plastikmüll soll nicht mehr unsere Strände fluten oder Wale ersticken. Ein globales Abkommen gegen Plastikverschmutzung steht kurz vor dem Abschluss – ein echter Gamechanger?

    Drittens wird die Fischerei in den Fokus genommen. Illegale Fangmethoden, schädliche Subventionen und Überfischung bedrohen ganze Ökosysteme. Macron will hier klare Regeln und ihre konsequente Durchsetzung.

    Punkt vier ist der Verkehr: Die Dekarbonisierung der Schifffahrt wird zur Mammutaufgabe. Grüne Treibstoffe, elektrische Hafenanlagen und emissionsfreie Frachter sollen bis 2050 Realität sein.

    Fünftens braucht es mehr internationale Kooperation – auch zwischen Städten, die mit dem steigenden Meeresspiegel kämpfen. Die Idee: Ein europäischer Ozeanpakt und globale Partnerschaften.

    Finanzen stehen auf Platz sechs. Die sogenannte „blaue Wirtschaft“ – nachhaltiger Tourismus, grüne Energie, Biotechnologie – soll gezielt gefördert werden. Klingt gut, aber woher kommt das Geld?

    Siebtens wird der Druck erhöht, den BBNJ-Vertrag tatsächlich umzusetzen. Nur mit globalem Schulterschluss ist dieser Schutzschirm für die Hochsee tragfähig.

    Und last but not least: Die Wissenschaft darf nicht auf dem Trockenen sitzen. Forschung braucht verlässliche Förderung, um die komplexen Zusammenhänge im Ozean besser zu verstehen.

    Ein bunter Mix der Akteure – und viele Erwartungen

    Was Nizza so besonders macht: Es ist kein exklusives Treffen von Politikern. Auch Umweltorganisationen, Wissenschaftler, Investoren und Vertreter der Privatwirtschaft sitzen mit am Tisch – oder besser gesagt: im Boot.

    Parallel zur Hauptkonferenz laufen der One Ocean Science Congress sowie ein Forum zu blauer Wirtschaft und Finanzen. Es geht um Austausch, um konkrete Projekte, um neue Allianzen. Und um die Frage: Wie lassen sich Umweltschutz und wirtschaftliche Interessen versöhnen?

    Klimakrise trifft auf Meeresschutz – wie hängt das zusammen?

    Die Meere sind nicht nur ein Lebensraum, sondern auch ein riesiger CO₂-Speicher und Klimaregulator. Ohne gesunde Ozeane keine Klimastabilität. Die UNOC-3 wird daher auch als inoffizielle Vorbereitung auf die COP30 in Belém (Brasilien) gesehen – der nächste große Klimagipfel steht bereits im Focus dieses Treffens.

    Die große Hoffnung: Der Plan von Nizza

    Am Ende soll der „Plan d’action de Nice pour l’Océan“ stehen – ein Fahrplan mit konkreten Zusagen, freiwilligen Maßnahmen und finanziellen Beiträgen. Kein Papier für die Schublade, sondern ein Werkzeugkasten für echten Wandel.

    Natürlich – es sind Worte. Aber wie oft wurde aus Worten eine Bewegung? Fridays for Future, Pariser Klimaabkommen, BBNJ – alles begann mit Debatten.

    Die Erwartungen sind hoch. Doch ebenso groß ist die Chance, Geschichte zu schreiben – mit Blick auf den Ozean, dieses blaue Wunder, das 70 Prozent unserer Erde bedeckt und doch so wenig verstanden ist.

    Von C. Hatty

  • Das Rätsel um den Fischtrawler Ravenel: Kommt nach 63 Jahren endlich die Wahrheit ans Licht?

    Das Rätsel um den Fischtrawler Ravenel: Kommt nach 63 Jahren endlich die Wahrheit ans Licht?

    An einem eisigen Januartag des Jahres 1962 verschwindet der französische Fischtrawler Ravenel mit 15 Männern an Bord spurlos vor dem französischen Überseedepartement Saint-Pierre-et-Miquelon. Keine Funkmeldung, keine Zeugen – nur ein paar zerstreute Wrackteile an der Küste Neufundlands. Seitdem ranken sich Spekulationen um das tragische Schicksal des damals brandneuen Schiffes. Nun, mehr als sechs Jahrzehnte später, scheint sich der Nebel des Ungewissen zu lichten: Ein Forschungsteam des CNRS hat kürzlich ein verdächtiges Schiffswrack entdeckt, nicht weit von jenem Ort, an dem die Ravenel zuletzt gesehen wurde. Ein eisiges Verschwinden mit bleibenden Narben

    Januar 1962. Der Trawler verlässt Saint-Pierre, begibt sich auf seine zweite Fangreise – und kehrt nie zurück. Die Witterung: gnadenlos. Eisige Stürme, raue See. Doch es gibt keinen Notruf, keine Spur auf hoher See. Nur eine Boje und eine hölzerne Tür treiben Tage später an Land. Die Familien warten vergebens auf Neuigkeiten. Und d…

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  • Kommentar: Mut ist ansteckend – warum diese sieben Menschen uns alle aufrütteln sollten

    Kommentar: Mut ist ansteckend – warum diese sieben Menschen uns alle aufrütteln sollten

    Es gibt Preise – und dann gibt es den Goldman Environmental Prize. Kein Glanz, keine Gala, kein aufgesetztes Lächeln fürs Blitzlichtgewitter. Stattdessen? Echte Geschichten. Echtes Engagement. Und ganz viel Herzblut.

    Man hört oft von Held:innen – und doch bleiben die meisten gesichtslos. Aber hier, bei diesem Preis, bekommen sie ein Gesicht, eine Stimme, eine Bühne. Und wer sich einmal mit diesen Geschichten beschäftigt hat, wird sie nicht mehr los.

    Ein Fluss mit Rechten? Klingt verrückt. Ist aber genial.

    Mari Luz Canaquiri Murayari aus Peru hat geschafft, was auf den ersten Blick unmöglich erscheint: Ein Fluss – der Marañón, ein Seitenarm des Amazonas – besitzt jetzt Rechte. Er darf nicht mehr verschmutzt werden, er darf frei fließen. Und die indigene Gemeinschaft der Kukama wacht über ihn wie über ein Familienmitglied.

    Klingt das nur nach Symbolik? Keineswegs. Es ist ein juristischer Triumph – und ein kraftvolles Signal für die Rechte der Natur und der Menschen, die seit Jahrhunderten im Einklang mit ihr leben. Wer schützt hier wen? Vielleicht schützt der Fluss ja auch uns, indem er weiter existiert.

    Müll kennt keine Grenzen – leider

    Semia Gharbi aus Tunesien zeigt, wie schmutzig das Geschäft mit dem Müll wirklich ist. Tausende Tonnen italienischer Haushaltsabfälle, illegal entsorgt in ihrer Heimat. Einfach so, als wäre Afrika eine gigantische Müllhalde.

    Doch Semia – Wissenschaftlerin, Lehrerin, Aktivistin – ließ sich nicht abspeisen. Sie recherchierte, deckte auf, forderte Verantwortung ein. Und siehe da: Die Müllberge wurden zurückgeschickt, Schuldige verhaftet, Gesetze verschärft. Weil eine Frau nicht weggeschaut hat.

    81 Jahre und kein bisschen müde

    Batmunkh Luvsandash aus der Mongolei. Ehemaliger Elektroingenieur, heute Wüstenschützer. Mit 81 Jahren kämpft er immer noch gegen die Ausbeutung der Gobi-Wüste.

    Ein Mann, ein Stück Land, ein unerschütterlicher Wille. Er hat durchgesetzt, dass ein 66.000 Hektar großes Gebiet geschützt bleibt. Kein Bergbau, keine Zerstörung, nur Natur. Ein stiller Held, der zeigt: Alter ist keine Ausrede.

    Der Fluss, der Europa wachgerüttelt hat

    Besjana Guri und Olsi Nika aus Albanien haben der Vjosa, einem der letzten wilden Flüsse Europas, ihre Freiheit bewahrt. Staudämme? Energiegewinnung? Alles schön und gut – aber nicht auf Kosten eines einzigartigen Ökosystems.

    Ihre Arbeit? Wissenschaftlich fundiert, leidenschaftlich vorgetragen, international unterstützt. Das Ergebnis? Die Vjosa ist heute der erste Wildfluss-Nationalpark Europas. Ein Sieg für die Natur – und für uns alle.

    Der Hafen, der nie gebaut wurde

    Carlos Mallo Molina war mal Bauingenieur. Heute baut er keine Häfen mehr, sondern Schutzräume. Auf Teneriffa verhinderte er mit viel Ausdauer einen Megahafen, der ein sensibles Meeresgebiet zerstört hätte.

    Seine Waffe? Wissen. Und ein langer Atem. Heute entsteht dort ein Zentrum für Meeresforschung und Schutz. Eine wundervolle Wendung – und ein Lehrstück für alle, die glauben, gegen wirtschaftliche Interessen könne man eh nichts tun.

    Ewige Chemikalien? Ewiger Kampf.

    Laurene Allen, Krankenschwester aus den USA, ist der lebende Beweis, dass Fürsorge nicht am Krankenbett endet. In ihrer Heimatgemeinde in New Hampshire fand sie heraus, dass das Trinkwasser mit PFAS belastet war – diesen „ewigen Chemikalien“, die Krebs und andere Krankheiten auslösen können.

    Die Behörden schwiegen. Laurene nicht. Über 20 Jahre kämpfte sie, bis endlich die lokale Plastikfabrik geschlossen wurde. Gesundheitsschutz heißt eben auch Umweltschutz.

    Und was ist mit uns?

    Was bewegt Menschen dazu, sich mit Konzernen, Regierungen und übermächtigen Interessen anzulegen? Was treibt sie an, wenn alles dagegen spricht?

    Vielleicht ist es diese einfache Wahrheit: Es geht ihnen nicht am Allerwertesten vorbei. Sie wollen nicht akzeptieren, dass Bequemlichkeit, Geld und Gleichgültigkeit über Leben, Natur und Gerechtigkeit triumphieren.

    Und mal ehrlich – wenn eine Krankenschwester eine Fabrik schließen kann, ein 81-Jähriger die Wüste schützt und eine indigene Anführerin einem Fluss Rechte erstreitet, was hält uns eigentlich noch zurück?

    Kleine Taten, große Wirkung

    Wir müssen nicht alle Nationalparks gründen oder internationale Müllskandale aufdecken. Aber wir können anfangen – vor der eigenen Haustür, in Gesprächen, mit kleinen Schritten. Vielleicht ist es das, was dieser Preis uns wirklich zeigt: Mut steckt an. Engagement wächst. Und Veränderung beginnt oft ganz leise.

    Diese sieben Menschen – und viele mehr – zeigen: Der Schutz unserer Erde ist kein Privileg von Expert:innen oder Aktivist:innen. Es ist eine Aufgabe für uns alle.

    Ein Kommentar von Catherine H.

  • Klimaforschung vor dem Aus? Trumps radikale Pläne für die NOAA

    Klimaforschung vor dem Aus? Trumps radikale Pläne für die NOAA

    Die Trump-nahe Projektgruppe „Project 2025“ will die Klimaforschung der USA von Grund auf umkrempeln – besser gesagt: zerschlagen. Das Budget der renommierten National Oceanic and Atmospheric Administration (NOAA) soll drastisch gekürzt werden. Was bisher als Rückgrat der amerikanischen Umwelt- und Klimapolitik galt, steht nun plötzlich auf der Kippe.

    Laut einem internen Memo des Weißen Hauses ist geplant, das Budget der NOAA von aktuell 6,1 Milliarden auf nur noch 4,5 Milliarden US-Dollar zu schrumpfen. Das ist ein Einschnitt von rund 27 Prozent. Besonders hart träfe es das „Office of Oceanic and Atmospheric Research“ (OAR), das als Schaltzentrale für Klimastudien innerhalb der Behörde dient. Dieses soll komplett gestrichen werden.

    Das große Aufräumen – oder das große Risiko?

    Man könnte fast meinen, es handle sich um eine neue Reality-TV-Staffel: „Amerikas Behörden auf Diät“. Doch was auf dem Spiel steht, ist kein Show-Effekt, sondern die Basis jahrzehntelanger Forschung. Das OAR liefert nicht nur essenzielle Daten für den Klimawandel, sondern versorgt Behörden weltweit mit Wetterprognosen, Frühwarnsystemen für Naturkatastrophen und Informationen zur marinen Biodiversität.

    Im gleichen Atemzug sollen auch die Zuständigkeiten des „National Marine Fisheries Service“ – der sich um den Schutz bedrohter Meeresarten und die Durchsetzung von Umweltgesetzen kümmert – an den „U.S. Fish and Wildlife Service“ übergehen. Was zunächst nach effizienter Umstrukturierung klingt, könnte in Wirklichkeit zu einem Kompetenzverlust führen, warnen Experten. Denn: Der U.S. Fish and Wildlife Service hat kaum Erfahrung mit den komplexen ökologischen Zusammenhängen der Meereswelt.

    Kritik auf breiter Front

    Ehemalige NOAA-Administratoren und Umweltorganisationen schlagen Alarm. Sie befürchten nichts weniger als den Kollaps eines der wichtigsten wissenschaftlichen Netzwerke der USA. Die NOAA gilt als Datenmotor für Landwirte, Fischereibetriebe, Versicherungen, Katastrophenschutz und sogar das Militär. Wer hier spart, spart nicht an der Forschung – sondern an der Sicherheit der Bevölkerung.

    Doch warum dieser radikale Sparkurs?

    Die Antwort liegt im konservativen Leitfaden „Project 2025“. Dieser sieht nicht nur eine komplette Umgestaltung der US-Umweltpolitik vor, sondern möchte Klimaschutz-Maßnahmen zugunsten fossiler Energien beenden. Ausgerechnet in einer Zeit, in der Extremwetterereignisse zunehmen und die globale Temperatur neue Rekorde bricht, scheint man auf Bundesebene einen Kurswechsel in Richtung Vergangenheit einzuschlagen.

    „Noch nichts beschlossen“ – ein schwacher Trost

    Zwar betont das Weiße Haus, dass die Pläne noch nicht in Stein gemeißelt sind – doch die Tatsache, dass ein derart detailliertes Memo überhaupt existiert, spricht Bände. Wissenschaftler und Aktivisten rufen daher den Kongress auf, sich schützend vor die NOAA zu stellen. Es geht nicht nur um Budgets und Behördenstrukturen. Es geht um Glaubwürdigkeit, um wissenschaftliche Unabhängigkeit – und letztlich um unsere Fähigkeit, auf die Klimakrise vorbereitet zu sein.

    Wie wollen wir Extremwetter vorhersagen, wenn wir die dafür notwendigen Datenquellen abschalten?

    Wenn Forschung zur Verhandlungsmasse wird

    Gerade in einer Zeit, in der die Welt auf wissenschaftlich fundierte Lösungen angewiesen ist, mutet dieser Kurswechsel wie ein Rückfall in alte Denkmuster an. Der politische Wille, die Umweltpolitik zu „verschlanken“, könnte am Ende zur völligen Handlungsunfähigkeit führen. Viele sehen in der geplanten Zerschlagung der NOAA weniger eine Kostenfrage – sondern einen ideologischen Kreuzzug gegen den Klimaschutz.

    Doch vielleicht ist gerade jetzt der richtige Zeitpunkt, sich daran zu erinnern, wie viele Lebensbereiche von dieser Arbeit abhängen. Wetter-Apps, Sturmwarnungen, Agrarberatung, Schifffahrtsrouten, Fischereiquoten – all das basiert auf Daten, die ohne die NOAA ins Leere laufen würden.

    Am Ende stellt sich die Frage: Wie teuer kommt uns eine Sparpolitik zu stehen, die auf Kosten von Wissen, Sicherheit und Umwelt geht?

    Von C. Hatty

  • Die Bedrohung des Great Barrier Reefs: Rekordtemperaturen im Korallenmeer

    Die Bedrohung des Great Barrier Reefs: Rekordtemperaturen im Korallenmeer

    Das Great Barrier Reef, das größte Korallenriff der Welt, steht vor einer existenziellen Krise. Eine neue Studie hat alarmierende Erkenntnisse geliefert: Die Meerestemperaturen im Korallenmeer, in dem das Riff liegt, haben 2024 ihren höchsten Stand in mindestens 400 Jahren erreicht. Diese extreme Erwärmung bedroht nicht nur die einzigartige Biodiversität des Riffs, sondern könnte auch das endgültige Aus für dieses natürliche Wunder bedeuten – möglicherweise noch innerhalb unserer Generation.

    Historische Temperaturrekorde und ihre Folgen

    Die jüngste Forschung zeigt, dass die Temperaturen im Korallenmeer, insbesondere in den Monaten Januar bis März, in den letzten Jahren außergewöhnliche Höhen erreicht haben. Besonders die Jahre 2016, 2017, 2020 und 2024 waren extrem heiß, mit 2024 als dem bisher wärmsten Jahr. Diese Temperaturspitzen haben zu wiederholten Massenausbleichungen von Korallen geführt – ein Prozess, bei dem die Korallen durch Hitzestress ihre symbiotischen Algen verlieren und damit ihre Farbe und ihre Hauptnahrungsquelle. Ohne Erholungspausen zwischen den Bleichen sind viele Korallenstöcke dauerhaft geschädigt oder sterben ab.

    Die Rolle des menschlichen Einflusses

    Die Ursachen dieser Rekordtemperaturen sind klar: Menschgemachte Treibhausgasemissionen sind der Hauptverursacher. Ohne den Einfluss des Menschen wären solche extremen Temperaturen im Korallenmeer, basierend auf Klimamodellen, praktisch unmöglich. Seit den 1960er Jahren hat sich die Erwärmung stark beschleunigt, was direkt mit dem Anstieg der CO2-Emissionen zusammenhängt.

    Globale Bedeutung und Handlungsbedarf

    Was am Great Barrier Reef geschieht, ist ein dringendes Warnsignal für die ganze Welt. Selbst bei einer Begrenzung der globalen Erwärmung auf 1,5 °C, wie im Pariser Abkommen angestrebt, könnten bis zu 90 % der Korallenriffe weltweit verloren gehen. Die Situation des Riffs ist damit nicht nur eine nationale Krise für Australien, sondern ein globales Problem, das koordiniertes internationales Handeln erfordert.

    Das Riff könnte in naher Zukunft unwiederbringlich verloren sein, wenn nicht sofort drastische Maßnahmen zur Reduzierung der Treibhausgasemissionen ergriffen werden. Jeder Bruchteil eines Grades an zusätzlicher Erwärmung erhöht das Risiko, dass unsere Generation Zeuge des Endes eines der wertvollsten Ökosysteme der Erde wird.

    Schlussfolgerung

    Die neuesten wissenschaftlichen Erkenntnisse verdeutlichen die Dringlichkeit der Klimakrise und die verheerenden Auswirkungen, die sie auf Ökosysteme wie das Great Barrier Reef hat. Die Zukunft dieses Naturwunders hängt davon ab, wie schnell und entschieden wir handeln, um die Ursachen des Klimawandels zu bekämpfen. Nur durch eine globale Anstrengung können wir verhindern, dass das Riff innerhalb weniger Jahrzehnte verschwindet.

  • Ökonomie des Meeres: Ein schlecht bekannter und doch beträchtlicher französischer Reichtum

    Ökonomie des Meeres: Ein schlecht bekannter und doch beträchtlicher französischer Reichtum

    Nach einem Besuch des nationalen Marinemuseums am Montag anlässlich seiner Wiedereröffnung wird Emmanuel Macron am Dienstag in Nantes zu einer Konferenz der Ökonomie des Meeres erwartet. Der französische Präsident will die Debatte um diesen Sektor neu beleben.

    Bei der 18. Ausgabe der „Assises de la mer“ treffen sich am Dienstag, dem 28. und Mittwoch, dem 29. November Fischer, Schiffbauer, Reeder, französische Kommunalpolitiker und Verbände. Das Hauptthema in diesem Jahr ist die französische Souveränität. Im Mittelpunkt der Konferenz stehen die Fischerei, der Seeverkehr, der Schiffbau, die Reedereien, die Forschung mit zahlreichen wissenschaftlichen und medizinischen Anwendungen, die die Meeresfauna und -flora ermöglichen. Das Meer ist aber auch gleichbedeutend mit der Entwicklung von Küstengebieten. Eine echte Meerespolitik ist auch eine Politik zur Erschließung der Küstengebiete und der französischen Häfen.

    Frankreich verfügt mit 11 Millionen Quadratkilometern Küstenlinie an allen Ozeanen über den zweitgrößten Meeresraum der Welt, noch vor den USA. Der unter französischer Souveränität stehende Meeresraum bringt der französischen Wirtschaft jedes Jahr 270 Milliarden Euro ein – sechsmal so viel wie der Luftfahrtsektor, dreimal so viel wie der Automobilsektor. Das sind 820.000 Arbeitsplätze und 14 % des französischen BIP. Etwa 85 % des Außenhandels Frankreichs werden über Häfen abgewickelt. Das beste Beispiel ist die Entwicklung des Projekts der Achse Le Havre-Rouen-Paris über Haropa Port, einem großen Fluss-See-Verbund auf der Seine-Achse, der von Le Havre ausgeht und dessen Ziel es ist, den Verkehr nach Ost- und Nordfrankreich zu erleichtern.

    Die französischen Hafenaktivitäten stagnieren allerdings derzeit mit einem Wachstum von gerade einmal 1%. Es gibt außerdem ein Problem mit der Fischerei, die unter europäischen Regelungen leidet. Frankreich importiert heute 85% seines Fischkonsums. Die Zahl der französischen Fischgeschäfte ist in den letzten zehn Jahren um fast ein Viertel gesunken.

    In Nantes will Emmanuel Macron die Debatte um das Meer als wichtigen Faktor für den Handelszugang, die französische Autonomie und Souveränität wiederbeleben. Frankreich muss natürlich auch und vor allem in Bezug auf die Umwelt und den ökologischen und energetischen Wandel sehr viel tun, um alle diese Berufe auf dem Weg zum Ausstieg aus den fossilen Energien bis 2050 entsprechend zu begleiten.