Noch Anfang März prägten überflutete Straßen, über die Ufer getretene Flüsse und vollgelaufene Keller das Bild im westfranzösischen Département Maine-et-Loire. Nach einem der regenreichsten Winter seit Beginn der Wetteraufzeichnungen schien Wasser im Überfluss vorhanden zu sein. Nur wenige Monate später zeigt sich jedoch ein völlig anderes Bild: Wegen anhaltender Trockenheit gelten bereits die ersten Einschränkungen beim Wasserverbrauch.
Für viele Bewohner wirkt dieser Wandel kaum nachvollziehbar. Erst standen Felder unter Wasser, jetzt soll plötzlich jeder Tropfen gespart werden. Was auf den ersten Blick wie ein Widerspruch erscheint, verdeutlicht in Wahrheit, wie stark sich der Wasserkreislauf unter dem Einfluss des Klimawandels verändert. Extreme Niederschläge und lange Trockenphasen lösen einander immer häufiger in kurzer Zeit ab.
Der Winter 2025/2026 zählte in Frankreich zu den nassesten seit mehr als sechs Jahrzehnten. Über Wochen hinweg sorgten intensive Regenfälle für außergewöhnliche Hochwasser. Besonders die Einzugsgebiete von Loire und Maine waren betroffen. Zeitweise standen mehr als 80 Départements unter Hochwasserwarnung, zahlreiche Gemeinden wurden später als Naturkatastrophengebiete anerkannt.
Doch ein außergewöhnlich nasser Winter garantiert längst keine entspannte Wasserversorgung im Sommer. Ein großer Teil der Niederschläge floss rasch über Flüsse und Bäche ab, statt langsam in tiefere Bodenschichten einzusickern. Seit April blieben zudem viele Regenfälle aus, während mehrere ungewöhnlich warme Phasen die Verdunstung deutlich beschleunigten. Die Böden trockneten innerhalb weniger Wochen aus, kleinere Gewässer führten immer weniger Wasser und erste Flüsse erreichten kritische Pegelstände.
Darauf reagierte die Präfektur des Maine-et-Loire mit ersten Wasserbeschränkungen. Je nach Einzugsgebiet gelten unterschiedliche Vorgaben. So unterliegt die Bewässerung landwirtschaftlicher Flächen bereits Einschränkungen, ebenso das Befüllen privater Swimmingpools, die Gartenbewässerung sowie das Reinigen von Fahrzeugen und befestigten Flächen. Die Maßnahmen sollen verhindern, dass sich die Wasserknappheit weiter verschärft und die Versorgung von Bevölkerung, Landwirtschaft und Natur gefährdet.
Klimaforscher sehen in dieser Entwicklung keinen Einzelfall. Der Klimawandel sorgt nicht zwangsläufig für weniger Niederschlag, sondern verändert vor allem dessen Verteilung. Regen fällt häufiger in kurzer Zeit und mit großer Intensität. Die Folge sind Überschwemmungen, während längere Trockenphasen und Hitzewellen die Böden anschließend rasch austrocknen lassen. Genau dieser schnelle Wechsel zwischen Wasserüberschuss und Wassermangel gilt als eine der größten Herausforderungen der kommenden Jahrzehnte.
Selbst gut gefüllte Grundwasserspeicher nach einem regenreichen Winter bieten keine Garantie gegen sommerliche Engpässe. Entscheidend bleibt, wie gleichmäßig Niederschläge über das Jahr verteilt sind und wie schnell Wasser durch Hitze verdunstet oder verbraucht wird. Regionen wie das Maine-et-Loire stehen deshalb vor einer doppelten Aufgabe: Sie müssen sich zugleich gegen Hochwasser schützen und Wasser für trockene Monate speichern.
Für die Menschen vor Ort fühlt sich dieser Wandel fast unwirklich an. Noch vor wenigen Monaten kämpften sie gegen Wassermassen, heute bestimmen Sparmaßnahmen den Alltag. Was früher als Ausnahme galt, entwickelt sich zunehmend zur neuen Normalität. Der Umgang mit Wasser verlangt künftig deutlich mehr Weitsicht – denn nicht allein Dürre oder Hochwasser stellen die größte Gefahr dar, sondern der immer schnellere Wechsel zwischen beiden Extremen.
Autor: Andreas M. B.









