Schlagwort: Mafia

  • „Chez nous, on tue le plus“ – Wie Korsika im schon Klassenzimmer gegen die Mafia kämpft

    „Chez nous, on tue le plus“ – Wie Korsika im schon Klassenzimmer gegen die Mafia kämpft

    „Bei uns wird am meisten gemordet.“ Ein Satz, der hängen bleibt. Nicht, weil er aus einem düsteren Thriller stammt, sondern weil ihn ein Jugendlicher im Unterricht ausspricht. Auf Korsika, jener Insel zwischen Postkartenidylle und Polizeiberichten, gehört diese bittere Selbstbeschreibung für viele Heranwachsende zum Alltag. Die Zahlen sprechen seit Jahren eine nüchterne Sprache: Gemessen an der Bevölkerungszahl liegt die Mordrate deutlich über dem französischen Durchschnitt, viele Taten stehen im Zusammenhang mit organisierter Kriminalität. Nun greift die Insel zu einem Mittel, das ebenso schlicht wie radikal ist: Aufklärung – und zwar früh. Bereits im Collège, also ab der sechsten Klasse, beginnen spezielle Anti-Mafia-Kurse. Was in Sizilien seit Langem Teil zivilgesellschaftlicher Initiativen ist, wagt nun auch Frankreich – ausgerechnet auf jener Insel, die lange als Synonym für eine ganz eigene Spielart der Unterwelt galt. Die Idee dahinter wirkt fast unspektakulär. Man wolle Mythen …

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  • Korsika sagt Nein – Wie eine Insel den Mut findet, sich selbst im Spiegel zu betrachten

    Korsika sagt Nein – Wie eine Insel den Mut findet, sich selbst im Spiegel zu betrachten

    Der Wind über den Hügeln von Cargèse riecht nach Salz – und Nachdenklichkeit. Zwischen den weißen Grabsteinen liegt ein Ort, der längst zum Symbol geworden ist – das Grab von Massimu Susini. Sein Name hallt über die Insel wie ein Echo, das nicht mehr verklingen will. 2019 wurde der junge Korsen erschossen – mitten am Tag, vor seiner Paillotte. Zwei Kugeln, zwei Sekunden – und ein Schuss, der eine Bewegung in Gang setzte, die heute, sechs Jahre später, durch ganz Korsika zieht.

    An diesem Samstag, dem 15. November 2025, versammeln sich in Ajaccio und Bastia wieder Menschen auf den Straßen. Transparente, Stimmen, Tränen. „Maffia nò, a vita iè!“ – Nein zur Mafia, ja zum Leben. Es klingt fast wie ein Gebet, eine Beschwörung, ein Stück Selbstachtung. Zum ersten Mal seit Langem spricht die Insel laut aus, was sie so lange verschwiegen hat.


    Schatten über einer schönen Insel

    „La Corse est un théâtre d’ombres“ – Korsika ist ein Schattentheater. Der Satz fällt leise, fast wie ein Geständnis. Jean-Toussaint Plasenzotti, der Onkel des ermordeten Massimu, steht am Grab seines Neffen, die Hände tief in den Taschen, und schaut aufs Meer. „Sie haben geglaubt, sie könnten das Problem mit zwei Kugeln lösen. Aber sie haben nicht verstanden, dass sie damit etwas in Bewegung setzen.“

    Der Schmerz ist persönlich, doch der Kampf längst politisch. Aus der Trauer um Massimu entstand ein Kollektiv, das seinen Namen trägt. Kein Verein aus Aktivisten, sondern eine Bewegung aus Bürgern, die sagen: Genug.

    Plasenzotti sagt: „Das sind keine Fremden, die uns bedrohen. Das sind unsere eigenen Leute. Unsere Nachbarn. Unsere Cousins. Unsere alten Schulfreunde.“
    Ein bitterer Gedanke, der trifft. Denn auf Korsika verschmilzt der Alltag mit den Schatten – Geschäfte, Bauunternehmen, Immobilien. Wo das Geld fließt, wächst die Angst. Und Schweigen wird zur Währung.


    Der Preis des Schweigens

    Léo Battesti, einst im FLNC, heute Sprecher des Kollektivs Maffia nò, a vita iè, beschreibt die Lage mit klaren Worten: „Der Drogenhandel ist nur die Spitze. Das eigentliche Geschäft läuft über Bauprojekte, Reedereien, Transportfirmen. Da wird gewaschen, verschoben, gedealt – aber elegant, im Anzug.“

    Er erzählt von verbrannten Booten in Saint-Florent – vier Stück allein in diesem Jahr. Zufälle? Wohl kaum. „Wer sich weigert mitzumachen, zahlt. Entweder mit Geld oder mit Angst.“

    Die Mafia auf Korsika hat längst kein Gesicht mehr wie aus alten Filmen. Sie trägt Anzug, spricht Französisch und benutzt das Smartphone wie ein Politiker. Sie verleiht, sie kauft, sie droht – mit einem Lächeln.
    Und die Opfer? Meist sind es kleine Unternehmer, Bürgermeister, Menschen mit Rückgrat. Wie David Brugioni, ehemaliger Bürgermeister von Centuri, der sich erinnert: „Ein Immobilienmakler bot mir 5.000 Euro an. Einfach so, für mich. Als ich fragte warum, sagte er: ‘Du brauchst doch Geld für die Uni deiner Kinder.’“

    Er lacht bitter. „Das war keine Freundlichkeit. Das war eine Einladung, Teil des Spiels zu werden.“


    Die Insel im Würgegriff

    „Stellen Sie sich vor“, sagt Battesti, „Sie sind Bürgermeister an der Küste. Ein Grundstücksentscheid, und der Preis steigt um das Zweihundertfache. Der Druck ist unvorstellbar.“
    Wer da „nein“ sagt, bekommt Besuch – oder es brennt ein Feuer.

    „Die Mafia ist wie ein Krake“, meint Plasenzotti. „Ihre Arme sind überall – in den Häfen, in den Rathäusern, in den Cafés.“ Und doch – es gibt Risse im System. Die Menschen haben begonnen, über das Unsagbare zu reden.

    In Ajaccio sieht man neuerdings Sticker an Laternenmasten: « Maffia nò, a vita iè ». Kein großer Akt, aber ein Zeichen. Und Zeichen sind gefährlich, wenn sie anfangen, sich zu vermehren.


    Zwischen Mut und Angst

    Warum jetzt? Warum erst jetzt? Vielleicht, weil zu viele Morde geschehen sind. Vielleicht, weil die Jungen keine Lust mehr auf das Schweigen der Alten haben. Oder weil sich die Insel, die immer stolz auf ihre Unabhängigkeit war, endlich eingestehen muss, dass die Freiheit Korsikas nicht nur gegen Paris, sondern auch gegen die eigenen Dämonen verteidigt werden muss.

    Ein Lehrer in Bastia sagt: „Meine Schüler schreiben heute Texte über Mut. Vor zehn Jahren hätten sie das nie getan.“
    Korsika, diese raue, schöne Insel, ringt mit sich selbst – und mit einer Frage, die größer ist als sie: Wie heilt man eine Gesellschaft, die sich selbst fürchtet?


    Die Justiz zieht nach

    Die französische Justiz hat erkannt, dass der Kampf gegen die korsische Mafia kein gewöhnlicher Fall ist. Seit 2025 gibt es auf der Insel einen eigenen regionalen Antikriminalitäts-Pool – einzigartig in Frankreich.
    Jean-Philippe Navarre, der Staatsanwalt von Bastia, beschreibt seine Mission so: „Wir wollen nicht mehr warten, bis ein Mord passiert. Wir wollen vorher verstehen, wo die Fäden laufen.“

    Er spricht von Kartographien der Macht, von Netzwerken, die man sichtbar machen will. „Wir greifen den zweiten und dritten Kreis an – die Komplizen, die stillen Mitwisser, die Geschäftspartner. Ohne sie existiert keine Mafia.“

    In seinem Büro hängt ein Foto von einem Graffiti: „Navarre, la valise ou le cercueil“ – der Koffer oder der Sarg. Er sagt, das erinnere ihn jeden Morgen daran, warum er nicht aufgeben darf.


    Das Aufwachen der Gesellschaft

    Die Bewegung wächst. Schulen, Gewerkschaften, Künstler, sogar Priester beteiligen sich an Diskussionen, Lesungen, Mahnwachen. In Cargèse wurde kürzlich ein Wandbild enthüllt – es zeigt Massimu Susini mit weit geöffneten Augen, als würde er sagen: „Ich sehe euch.“

    Viele junge Korsen sagen, sie hätten genug von der „Kultur des Cousinats“. Ein Student in Corte bringt es auf den Punkt: „Ehre ist nicht, zu schweigen. Ehre ist, zu reden.“
    Vielleicht ist das der wahre Wendepunkt – wenn Schweigen keine Tugend mehr ist.


    Korsika zwischen Zorn und Hoffnung

    Natürlich, das alles geht nicht von heute auf morgen. Noch immer fürchten sich viele, den Mund aufzumachen. Noch immer laufen Ermittlungen ins Leere. Noch immer herrscht Angst. Aber – und das ist neu – es gibt Widerstand.

    Ein alter Mann in Ajaccio fasst es bei der Demo so zusammen: „Früher hatte ich Angst, jetzt hab ich Enkel. Und die sollen frei leben.“

    Was, wenn genau das der Anfang einer neuen korsischen Identität ist? Einer, die Stolz nicht mehr mit Schweigen verwechselt, sondern mit Verantwortung?
    Korsika kämpft, ja – aber vielleicht zum ersten Mal in seiner Geschichte gegen den richtigen Feind: sich selbst.

    Ein Artikel von M. Legrand

  • Marseille, Gold und Mafia: Wie Geldwäsche zur Industrie wird

    Marseille, Gold und Mafia: Wie Geldwäsche zur Industrie wird

    Ein Schlag, der glänzt wie Gold und nach Pulver riecht.Am Dienstag, dem 23. September 2025, meldete die Staatsanwaltschaft von Marseille die Zerschlagung eines weitverzweigten Netzwerks der Geldwäsche – mit internationalen Verbindungen, Schmuggelrouten über Italien, Kosovo und die Türkei und der unvermeidlichen Nähe zu Drogenhandel und organisierter Kriminalität. Die Zutaten erinnern an einen Thriller, doch dahinter steckt nüchterne Realität: eine industrielle Maschinerie des Geldwaschens, die Marseille einmal mehr ins Zentrum des europäischen Verbrechens rückt. Ein perfektes System – fast Die Spur führte über die Alpen. Ende 2024 hatte die italienische Guardia di Finanza Alarm geschlagen: Ein Netzwerk bewegte Millionen in bar, tauschte sie in Gold um und schickte sie weiter Richtung Balkan. Von dort aus flossen die Werte in die Türkei – ein klassischer Drehscheibenhandel.In Marseille nahmen die Ermittler die Fährte auf. Zwischen Oktober 2024 und August 2025 wurden wöchentlich Bargelds…

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  • Korsika kämpft mit Schulunterricht gegen die Mafia – ein Bildungsprojekt mit Signalwirkung

    Korsika kämpft mit Schulunterricht gegen die Mafia – ein Bildungsprojekt mit Signalwirkung

    Ab September 2025 beginnt für Schülerinnen und Schüler auf Korsika ein neues Kapitel. Zum ersten Mal in Frankreich wird es ein verbindliches Bildungsprogramm geben, das Jugendliche gezielt über die Gefahren und Mechanismen der Mafia aufklärt. Ein Schulfach gegen die Mafia – klingt ungewöhnlich, ist aber bittere Realität auf einer Insel, die seit Jahrzehnten mit den Schattenseiten des organisierten Verbrechens konfrontiert ist.

    Wenn Verbrechen zum Alltag wird Korsika ist wunderschön, wild und stolz. Doch hinter den Postkartenmotiven verbirgt sich ein Problem, das seit Jahren gärt: eine Kriminalität, die tief in Wirtschaft und Gesellschaft hineinreicht. Statistisch gesehen geschieht auf der Insel dreimal so häufig ein Mord wie im Rest Frankreichs. Immobilien, Restaurants, der maritime Tourismus – viele Branchen sind von mafiösen Strukturen durchzogen. Für die Menschen vor Ort ist das längst keine abstrakte Bedrohung mehr, sondern ein greifbarer Alltag. Im Februar 2025 zog die korsische …

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  • Letizia Battaglia in Arles: Mit der Kamera gegen das Schweigen

    Letizia Battaglia in Arles: Mit der Kamera gegen das Schweigen

    Manche Bilder schreien. Andere flüstern. Und dann gibt es jene, die tief unter die Haut gehen – weil sie Wahrheit zeigen, wo andere wegschauen. Genau das tat Letizia Battaglia. Vom 7. Juli bis zum 5. Oktober 2025 widmet ihr die Chapelle Saint-Martin du Méjan in Arles eine beeindruckende Retrospektiv…

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  • Pizza, Mafia und Millionen: Wie die ‘Ndrangheta in der Haute-Savoie ihr Geld wusch

    Pizza, Mafia und Millionen: Wie die ‘Ndrangheta in der Haute-Savoie ihr Geld wusch

    Pizzaofen, Teigschaufel, frischer Basilikumduft – und mittendrin ein Netzwerk internationaler Kriminalität. In der Haute-Savoie, unweit der Schweizer Grenze, hat eine internationale Großrazzia kürzlich das wahre Gesicht zweier beliebter Pizzerien entlarvt: Sie waren nichts anderes als Fassaden für das Geldwäschegeschäft der gefürchteten kalabrischen Mafia, der ‘Ndrangheta. Drei Jahre Undercover-Arbeit Über drei Jahre lang arbeiteten Ermittler aus Frankreich, Italien, der Schweiz, Deutschland und Interpol Seite an Seite, um das Netz zu durchleuchten. Mehr als 150 Ermittler waren beteiligt. Am 13. Mai klickten schließlich die Handschellen: 15 Personen wurden festgenommen, darunter fünf Mitglieder einer Familie aus Kalabrien. Der Vorwurf: Sie sollen über die beiden Pizzerien in Scientrier und Saint-Julien-en-Genevois in nur zwei Jahren mehrere Millionen Euro gewaschen haben. Pizzerien wie jede andere – oder doch nicht? „Calabria Mia“ und „I Tre Sapori“ – Namen, die Gemütlichkeit, Heimatge…

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  • Calvi in Flammen – Brandanschläge erschüttern Korsikas Touristenhochburg

    Calvi in Flammen – Brandanschläge erschüttern Korsikas Touristenhochburg

    Calvi, das malerische Küstenstädtchen im Nordwesten Korsikas, steht derzeit nicht nur wegen seiner azurblauen Buchten und schneeweißen Strände im Rampenlicht. Sondern wegen einer beunruhigenden Serie mutmaßlich mafiös motivierter Brandanschläge – mitten im Countdown zur Urlaubssaison. Tourismus im Fadenkreuz Innerhalb weniger Tage wurden gleich mehrere gezielte Attacken auf touristische Infrastruktur verübt. Der schwerste Vorfall: In der Nacht vom 5. auf den 6. Juni brannte nahe dem Flughafen von Calvi die Mietwagenstation „Rent a Car“ nahezu vollständig aus. Zwei Bürocontainer, eine Terrasse und fünf Fahrzeuge – darunter zwei Hybridautos – fielen den Flammen zum Opfer. Weitere Fahrzeuge wurden stark beschädigt. Die Feuerwehr war zwar rasch zur Stelle, doch der Schaden war da längst angerichtet. Nur wenige Tage zuvor, am 3. Juni, hatte es bereits den Yachthafen von Calvi getroffen. Dort gingen fünf Boote von drei verschiedenen Ausflugsunternehmen in Flammen auf. Und als wäre das nicht …

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  • Tödliche Schüsse: Bastia unter Schock nach Mord an Ex-Mitglied der Mafiagruppe „Brise de Mer“

    Tödliche Schüsse: Bastia unter Schock nach Mord an Ex-Mitglied der Mafiagruppe „Brise de Mer“

    Ein Schusswechsel am frühen Samstagmorgen hat das Zentrum von Bastia in eine Szene verwandelt, die an vergangene Zeiten der korsischen Bandenkriege erinnert. Gegen 8 Uhr wurde Robert Moracchini, eine einstige Schlüsselfigur des berüchtigten Verbrecherkartells „Brise de Mer“, direkt vor seinem Wohnhaus erschossen. Ein Auftragsmord mitten auf der Straße – eiskalt, präzise und mit einer klaren Botschaft. Die Polizei spricht inzwischen offiziell von „Mord in organisierter Bande“ und „krimineller Vereinigung zur Begehung eines Verbrechens“. Für viele in Bastia klingt das wie ein Déjà-vu – zu vertraut sind die Muster, zu bekannt die Namen. Ein Name, der eine Ära prägte Robert Moracchini war kein Unbekannter. Er galt als einer der Mitbegründer der „Brise de Mer“ – einer Organisation, die sich in den 1980er Jahren von einem losen Zusammenschluss in einem kleinen Hafenlokal zum mächtigsten mafiösen Netzwerk Korsikas entwickelte. Der Name des Kartells stammt von der gleichnamigen Bar im alten Ha…

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  • Blutige Abrechnung auf der A41: Mafiaboss Jean-Pierre Maldera erschossen

    Blutige Abrechnung auf der A41: Mafiaboss Jean-Pierre Maldera erschossen

    Ein tödlicher Kugelhagel auf der Autobahn A41 – mitten im morgendlichen Berufsverkehr. Jean-Pierre Maldera, eine berüchtigte Figur der Mafia in Grenoble, wurde am Mittwochmorgen erschossen. Die Polizei spricht von einem regelrechten Hinterhalt auf offener Straße.

    Schüsse auf der Autobahn – Chaos im Morgenverkehr

    Die Szenerie hätte aus einem Mafia-Film stammen können: Zwei Autos rasen nebeneinander her, plötzlich peitschen Schüsse durch die Luft. Auf der A41, zwischen Grenoble und Chambéry, endete das Leben von Jean-Pierre Maldera abrupt. Augenzeugen berichten von einem dramatischen Moment, als Maldera, offenbar bereits getroffen, noch versuchte, aus seinem Wagen zu steigen – vergeblich.

    Die Autobahn wurde in beide Richtungen stundenlang gesperrt, ein Verkehrschaos war die Folge. Erst am frühen Nachmittag konnte der Verkehr wieder fließen. Die Polizei sicherte währenddessen die Spuren am Tatort, eine groß angelegte Fahndung wurde eingeleitet.

    Wer war Jean-Pierre Maldera?

    In den 1980er- und 1990er-Jahren war der Name Maldera ein Synonym für Angst in der kriminellen Szene Frankreichs. Gemeinsam mit seinem Bruder Robert galt Jean-Pierre als einer der letzten „alten Bosse“ des organisierten Verbrechens. Prostitution, Schutzgelderpressung, Verbindungen zur italienischen Mafia – die Liste der Vorwürfe war lang.

    „Die Malderas – die letzte Familie in Frankreich, die selbst die härtesten Gangster der Vorstädte das Fürchten lehrte“, so ein Insider der Unterwelt. Doch während viele Kriminelle irgendwann untertauchen oder hinter Gittern landen, endete Robert Maldera 2015 auf mysteriöse Weise: Er verließ sein Haus in Meylan zu einem Treffen – und verschwand spurlos. Sein Körper wurde nie gefunden.

    Jean-Pierre Maldera blieb als letzter der Brüder übrig. Doch mit diesem Attentat ist nun auch er Geschichte.

    Die Täter: Ein ausgebranntes Auto, keine Spuren

    Die Angreifer handelten professionell. Nur wenige Stunden nach der Tat wurde das mutmaßliche Täterfahrzeug ausgebrannt aufgefunden – ein typischer Trick in der Unterwelt, um Spuren zu vernichten. Die Fahnder setzen nun auf Videoaufnahmen von Mautstationen und Überwachungskameras entlang der Strecke.

    Barrikaden wurden errichtet, Straßensperren eingerichtet – doch bislang fehlt jede Spur der Mörder.

    Ein absehbares Ende?

    Dass Jean-Pierre Maldera irgendwann so sterben würde, war wohl nur eine Frage der Zeit. Zu viele Feinde, zu viele dunkle Geschäfte – sein Leben glich einem Drahtseilakt ohne Netz.

    Die brutale Exekution auf der Autobahn zeigt einmal mehr, dass der Schatten der Vergangenheit jeden irgendwann einholt. Doch wer genau hinter dem Mord steckt, bleibt vorerst ein Rätsel.

    Catherine H.

  • Marseille: Schlag gegen das kriminelle Netzwerk der DZ Mafia

    Marseille: Schlag gegen das kriminelle Netzwerk der DZ Mafia

    Seit dem 1. Oktober hat die französische Polizei einen bedeutenden Schlag gegen die berüchtigte marseillaische Drogenbande DZ Mafia erzielt. Insgesamt wurden in acht separaten Ermittlungsverfahren 119 Personen festgenommen. Mehr als 100 von ihnen wurden offiziell angeklagt, darunter 73 in Untersuchungshaft genommen und 33 unter richterliche Kontrolle gestellt. Diese Entwicklung verdeutlicht die wachsende Macht und Bedrohung dieses Netzwerks – aber auch die verstärkten Bemühungen der Strafverfolgungsbehörden, diese Kriminalität einzudämmen.

    Ein Netzwerk mit wachsendem Einfluss

    Die DZ Mafia, bekannt für ihren dominierenden Einfluss im Drogenhandel Marseilles, hat ihre kriminellen Aktivitäten offenbar über ihre bisherigen Kerngebiete hinaus ausgedehnt. Nicolas Bessone, Staatsanwalt von Marseille, beschrieb in einer Pressekonferenz die Verbindungen der Organisation zu traditionellem Banditentum und ihre Fähigkeit, über die Region hinaus zu agieren.

    Zwei emblematische Fälle verdeutlichen diese Ausdehnung:

    1. Ein Angriff auf ein Fahrzeug, in dem der bekannte Rapper SCH hätte sitzen sollen. Dieses Ereignis vom 26. August führte zum Tod eines seiner engen Vertrauten, nachdem sie eine Diskothek in der Grande-Motte (Hérault) verlassen hatten.
    2. Erpressungen, die sich gegen den Besitzer einer Diskothek, eines Restaurants und mehrerer anderer Geschäfte richteten.

    In beiden Fällen konnten Ermittler laut Bessone „gemeinsame Auftraggeber“ identifizieren. Insgesamt führten diese Ermittlungen zur Anklage von 44 Personen – 31 von ihnen befinden sich derzeit in Untersuchungshaft.

    Über den Drogenhandel hinaus

    Traditionell wird die DZ Mafia mit dem florierenden Drogengeschäft in Verbindung gebracht, das in Marseille seit Jahrzehnten blüht. Doch die aktuellen Ermittlungen zeigen, dass die Bande zunehmend in andere kriminelle Bereiche vordringt, darunter schwere Erpressung, Gewaltverbrechen und sogar Mordaufträge.

    Ein erschreckender Aspekt dieser Ausdehnung ist die Fähigkeit der Bande, auch die Strafverfolgung zu bedrohen. Eine zentrale Figur der DZ Mafia, die bereits in Haft sitzt, steht im Verdacht, hinter den jüngsten Morddrohungen gegen die Direktorin des Gefängnisses Les Baumettes und einen ihrer Stellvertreter zu stecken.

    Ein komplexes Geflecht von Verbrechen

    Die Ermittler betonen, dass die DZ Mafia nicht nur eine Drogenbande ist, sondern ein hochorganisiertes kriminelles Netzwerk, das tief in das soziale und wirtschaftliche Gefüge von Marseille eingebettet ist. Philippe Frizon, Leiter des interdépartementalen Dienstes der Polizei, betonte die Erfolge der jüngsten Operationen, mahnte aber auch zur Geduld: „Die Probleme werden nicht von heute auf morgen gelöst, aber wir haben Ergebnisse.“

    Diese Ergebnisse sind das Resultat einer intensiven Zusammenarbeit zwischen verschiedenen Polizeieinheiten, darunter dem Service Interdépartemental de la Police Judiciaire (SIPJ13).

    Was bedeutet das für Marseille?

    Der Kampf gegen die DZ Mafia ist mehr als eine Auseinandersetzung zwischen Polizei und Kriminellen – er ist ein Kampf um die Kontrolle der Stadt. Marseille, bekannt für seine atemberaubende Küste und reiche Geschichte, kämpft seit Jahren mit der Schattenseite des organisierten Verbrechens. Die jüngsten Erfolge geben Hoffnung, dass die Sicherheitskräfte auf dem richtigen Weg sind, aber sie verdeutlichen auch die enorme Herausforderung.

    Ein langer Weg zur Sicherheit

    Die Festnahmen und Anklagen markieren einen wichtigen Schritt im Kampf gegen die Kriminalität in Marseille. Doch sie werfen auch Fragen auf: Kann das Justizsystem die Verantwortlichen angemessen zur Rechenschaft ziehen? Und wie können Behörden langfristig verhindern, dass neue Netzwerke die Lücke füllen?

    Der Schlag gegen die DZ Mafia zeigt, dass es möglich ist, auch mächtigen kriminellen Organisationen entgegenzutreten. Doch die Arbeit hat gerade erst begonnen. Marseille bleibt ein Spiegelbild der komplexen Herausforderungen, die viele Städte in Europa im Umgang mit organisiertem Verbrechen bewältigen müssen.