Schlagwort: Loiret

  • Hubschrauberabsturz im Loiret: Justiz untersucht die Ursachen der Tragödie

    Hubschrauberabsturz im Loiret: Justiz untersucht die Ursachen der Tragödie

    Nach dem Absturz eines Hubschraubers der französischen Gendarmerie im Département Loiret hat die Justiz die Ermittlungen aufgenommen. Das Unglück ereignete sich am Sonntag, dem 7. Juni 2026, in der Gemeinde Bray-Saint-Aignan während eines Sucheinsatzes nach einer vermissten Person. Ein Gendarm kam dabei ums Leben, zwei weitere Besatzungsmitglieder erlitten schwere Verletzungen. Bei dem Todesopfer handelt es sich um den Adjudanten Dorian Larigaudrie. Die Pilotin des Hubschraubers sowie der Bordmechaniker überlebten den Absturz, befinden sich jedoch mit schweren Verletzungen in medizinischer Behandlung. Der Vorfall hat weit über die Region hinaus Betroffenheit ausgelöst und erneut die Gefahren verdeutlicht, denen Einsatzkräfte bei Such- und Rettungsmissionen ausgesetzt sind. Die Staatsanwaltschaft leitete inzwischen ein Ermittlungsverfahren wegen fahrlässiger Tötung, fahrlässiger Körperverletzung sowie fahrlässiger Zerstörung von Eigentum ein. Eine solche juristische Einstufung gehört in…

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  • Saint-Martin-d’Abbat: Wo Briefkästen zu Dorfgeschichten werden

    Saint-Martin-d’Abbat: Wo Briefkästen zu Dorfgeschichten werden

    Wer durch das kleine französische Dorf Saint-Martin-d’Abbat spaziert, merkt schnell: Hier läuft etwas anders. Kein Mensch hetzt. Kein Souvenirshop blinkt aggressiv um Aufmerksamkeit. Stattdessen bleibt man plötzlich vor einem Briefkasten stehen — und grinst. Denn dieser Briefkasten sieht aus wie ein Traktor. Der nächste wie ein kleines Schiff. Wieder ein paar Häuser weiter hängt eine […]

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  • Zwischen Tonerde und Türmchen – eine sonntägliche Reise durch das Herz des Loiret

    Zwischen Tonerde und Türmchen – eine sonntägliche Reise durch das Herz des Loiret

    Manchmal genügt ein kleiner Landstrich, um ein ganzes Geschichtsbuch aufzuschlagen – und das Loiret versteht diese Kunst par excellence. Wer hier unterwegs ist, spürt eine eigenartige Mischung aus Gelassenheit und vibrierender Vergangenheit. Als ob jeder Stein, jeder Wasserlauf, jede Handbewegung eines Handwerkers ein kleines Echo durch die Zeit schickt. Genau dort führt unser gemütlicher Sonntagsausflug hin: von der traditionsreichen Faïencerie de Gien bis zum imposanten Château de Sully sur Loire. Ein Weg, auf dem alte Meister, Könige, Visionäre und neugierige Reisende überraschend nah beieinanderstehen.

    Ein spannender Auftakt für einen Tag, der – versprochen – nachklingt.

    Die Stadt Gien schmiegt sich ans Ufer der Loire, als hätte sie sich schon immer hier ausruhen wollen. Und genau hier, in einem Ensemble aus Werkstätten und lichtdurchfluteten Räumen, entsteht seit über zwei Jahrhunderten die berühmte Fayence von Gien. Schon von außen spürt man, wie viel Stolz und Rhythmus in diesem Ort steckt. Ein leichter Geruch nach Ton, Wasser und Hitze liegt in der Luft, sobald man die Schwelle übertritt – ein Duft, der fast wie ein höfliches „Bonjour, bienvenue“ wirkt.

    Innen tummeln sich Besuchergruppen, die teils ehrfürchtig, teils neugierig zwischen den Arbeitsplätzen stehen. Da sitzt Christine Maciel, die mit ruhiger Hand eine frisch getauchte Schale prüft. Sie lächelt, als sie sie anhebt. „Schauen Sie, schon trocken“, sagt sie und ihre Stimme trägt eine Mischung aus Erfahrung und sanfter Freude. Wer hätte gedacht, dass ein so fragiles Stück nach Minuten schon bereitsteht, weiterverarbeitet zu werden?

    Und dann ist da diese Besucherin, die beinahe flüstert: „Magnifique … das muss man echt mal gesehen haben.“ Recht hat sie. Manche Dinge lassen sich kaum beschreiben, man muss sie fühlen – und dieses Handwerk gehört genau in diese Kategorie. Jede Keramikform geht hier durch rund 30 Hände, von Menschen, die ihren Beruf leben wie ein altes Lied, das nie langweilig wird.

    Man steht daneben, schaut ihnen zu, wie sie die feuchte Masse mit Schwämmen bearbeiten, wie sie in konzentrierter Stille Muster tupfen, Linien ziehen, Farben zähmen. Und plötzlich denkt man: Wie viel Geduld, wie viel Hingabe liegt in so einem Teller? Wie lange braucht ein Mensch, um sein Werkzeug so zu lieben, dass er dessen kleinsten Widerspruch kennt?

    Für die filigranen Dekore der Luxusstücke gilt eine goldene Regel: drei Jahre Erfahrung, bevor man überhaupt an solche Feinheiten darf. Drei Jahre – das ist für die meisten längst ein kleiner Lebensabschnitt. Für eine der jungen Emailleurinnen dort jedoch ist es der Beginn einer Berufung. „Auch wenn die Teller für andere gleich aussehen“, sagt sie, „wir erkennen genau, wer welchen gemacht hat.“ Fast klingt es wie ein Geheimcode unter Künstlern. Und ja, es hat etwas Tröstliches: In einer Welt, die so oft alles vereinheitlicht, zeigt jeder Teller die Handschrift eines Menschen.

    Einige Besucher zücken ihre Handys, andere lassen sie einfach in der Tasche – es gibt Momente, da taucht man lieber ganz ein.

    In Gien könnte man sich tatsächlich verlieren, aber der Tag ruft weiter. Und so folgt man der Loire, die heute träge und selbstbewusst gleitet, als wollte sie uns zu einem neuen Kapitel führen.

    Dreissig Kilometer weiter erhebt sich das Château de Sully sur Loire aus dem Flussland wie ein Märchen, das gerade erst begonnen hat. Mit seinen hohen Rundtürmen, dem breiten Wassergraben und dem majestätischen Innenhof wirkt es wie ein Schauplatz aus einer Legende, die man schon als Kind immer wieder hören wollte.

    Der Historiker Mathieu Girault führt eine Gruppe durch das Halbdunkel des Ganges, wo hohe Steinwände und schmale Fenster der Fantasie Schub verleihen. Plötzlich bleibt er stehen, zeigt auf eine eiserne, schwer anmutende Tür. Fast wie aus einem Agentenroman – wuchtig, beinahe bedrohlich. „Vielleicht wurden hier wichtige Papiere gelagert“, sagt er, „Briefe des Königs, geheime Dokumente. Der damalige Schlossherr wollte sie gut schützen.“ Und dann klopft er mit den Knöcheln an das Metall. Ein trockener Klang, der noch lange im Ohr bleibt.

    Während man weiter durch die Räume geht, entfaltet sich eine erstaunliche Galerie an Geschichten. Louis der Vierzehnte – ja, der Sonnenkönig persönlich – war hier. Voltaire, der mit spitzer Feder und klarem Geist die Welt befragte, ebenfalls. Und Jeanne dArc, deren Lebensweg ohnehin wie ein Blitz durch die Geschichte fährt, hat das Schloss mehrmals betreten. Was machte sie hier? Wen traf sie? Welche Gedanken trug sie durch dieselben Säle, durch die wir heute schlendern?

    Es ist ein schönes Gefühl, einem Ort zu begegnen, der die Spuren seiner Besucher nicht zu verstecken versucht. Manche Schlösser wirken wie Theaterkulissen – hübsch, aber leblos. Doch Sully atmet. Ein Paar, das dem Guide lauscht, sagt leise: „Man merkt einfach, dass hier wirklich gelebt wurde.“ Und man nickt innerlich. Genau so ist es.

    Die Räume sind eingerichtet, ohne überladen zu wirken, die Atmosphäre vertraut, fast ein wenig melancholisch. Es gibt diese Momente, in denen man plötzlich glaubt, Schritte hinter sich zu hören – und dann lacht man über sich selbst. Aber ganz ehrlich, wer wäre hier nicht empfänglich für ein wenig Fantasie?

    Draussen legt sich ein Teppich aus sattem Grün um das Schloss. Natur und Architektur scheinen sich heimlich zuzuflüstern, dass sie einander gut stehen. Der Wind lässt die Bäume rascheln, als würden sie alte Geschichten weitergeben. Und so wirkt dieser Ort wie eine Einladung: Bleibt noch ein wenig, spaziert am Wasser entlang, schaut den Wolken zu. Vielleicht entdeckt ihr etwas, das nicht in den Führern steht.

    Das Loiret zeigt sich hier von einer Seite, die man leicht unterschätzt. Zwischen Handwerk, Féerie und Geschichte liegt eine stille Kraft, die nur darauf wartet, dass jemand sie hört. Manche Regionen brüsten sich mit Weltattraktionen – das Loiret hingegen schenkt den Augen und dem Herzen Ruhe und Überraschung zugleich.

    Man denkt an die Tonarbeiten in Gien, die talentierten Hände, die konzentrierten Bewegungen, das kleine Funkeln in den Augen der Handwerkerinnen. Und dann an die kühlen Steinflure des Schlosses, an jene Tür aus Eisen, die ein Jahrhundertgeheimnis zu bewachen scheint, an die Stille, die sich in den Innenhof legt, sobald die Stimme des Guides einen Moment verstummt.

    Da fragt man sich: Wie viele Geschichten verstecken sich in Regionen, die man auf der Karte schnell übersieht? Und weshalb besuchen wir manchmal die halbe Welt, ohne solche Schätze ganz in der Nähe zu bemerken?

    Vielleicht ist genau das der Zauber dieser Reise – eine geduldige Einladung, sich Zeit zu gönnen, genauer hinzuschauen, tiefer zu lauschen. Das Loiret hat eine Stimme. Und sie spricht in Keramikgeräuschen, in Turmwind, in Flussrauschen.

    Ein bisschen poetisch, klar. Aber an einem Sonntag darf das sein.

    Ein Artikel von M. Legrand

  • Null Toleranz im Straßenverkehr von Orléans – Entschlossenheit mit Augenmaß

    Null Toleranz im Straßenverkehr von Orléans – Entschlossenheit mit Augenmaß

    In Orléans rückt das Thema Sicherheit auf den Straßen zunehmend ins Zentrum des kommunalpolitischen Interesses. Politik, Verwaltung und Polizeikräfte legen aktuell eine harte Linie vor: Geschwindigkeitsüberschreitungen, Trunkenheit am Steuer oder Autofahren unter Drogeneinfluss sollen künftig ohne Nachsicht geahndet werden. „Null Toleranz“ lautet das politische Leitmotiv – eine klare Botschaft, die aber nicht ohne Widersprüche bleibt.

    Auf der Straße: Signale, die man nicht überhören kann Bereits im Sommer 2025 kündigte die Stadtverwaltung unter dem Motto „Orléans dit stop“ an, Verkehrssünden konsequent zu bekämpfen – von Rotlichtübertritten über Telefonieren am Steuer bis hin zu riskantem Fahrverhalten. Die Polizei und Gendarmerie reagieren mit verstärkten Kontrollen, gezielten Einsätzen in besonders gefährdeten Bereichen und mehr Präsenz auf verkehrsschwachen, aber gefährlichen Strecken. Angesichts solcher Maßnahmen soll der Eindruck zerstört werden, manche Zonen seien „systembedingt…

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  • Flammen, Rauch, Lebensgefahr – das Drama von Châlette-sur-Loing

    Flammen, Rauch, Lebensgefahr – das Drama von Châlette-sur-Loing

    Ein Dienstagabend, der in die Geschichte der kleinen Stadt Châlette-sur-Loing im Département Loiret eingehen wird. Am 9. September 2025 bricht in der Kelleretage eines Wohngebäudes ein Feuer aus, dessen Folgen binnen Minuten zur Katastrophe eskalieren. Neun Menschen werden verletzt, darunter ein zweijähriges Mädchen und zwei Polizisten – alle drei befinden sich in akuter Lebensgefahr und kämpfen ums Überleben.

    Rauch, der zur Falle wird Das Feuer selbst war schnell lokalisiert – doch die wahre Gefahr ging, wie so oft, nicht von den Flammen aus, sondern vom Rauch. Giftige Gase breiteten sich durch die Treppenhäuser aus, verwandelten Fluchtwege in Todesfallen, nahmen den Eingeschlossenen Sicht und Luft. Für die Bewohner gab es keinen sicheren Ausweg mehr. In diesem Moment griffen zwei Polizeibeamte ein. Sie eilten ins Gebäude, halfen Menschen aus dem Qualm, führten Familien nach draußen – bis auch sie selbst mit einer Rauchvergiftung zusammenbrachen. Ihr Mut war der Grund, warum mehrere …

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  • Alles trocken im Herzen Frankreichs –Wie die Region Centre-Val de Loire unter der Dürre des Sommers leidet

    Alles trocken im Herzen Frankreichs –Wie die Region Centre-Val de Loire unter der Dürre des Sommers leidet

    Die Sommerhitze brennt erbarmungslos – und sie kommt früher als sonst. In der Region Centre-Val de Loire, dem grünen Herzen Frankreichs, ist die Lage inzwischen kritisch. Felder verdorren, Wasserstände sinken, und die Behörden greifen zu drastischen Maßnahmen. Ein Sommer der Extreme Frankreich kämpft 2025 mit einer beispiellosen Trockenheit. Bereits seit Jahresbeginn verzeichnet das Land einen durchschnittlichen Niederschlagsmangel von 20 Prozent – in manchen Regionen des Nordostens sind es sogar 80 Prozent. Die Folge: 98 Prozent des französischen Bodens gelten inzwischen als von „landwirtschaftlicher Dürre“ betroffen. Auch die Region Centre-Val de Loire bleibt davon nicht verschont – im Gegenteil. Die Region, bekannt für ihre Flüsse, Wälder und Weinberge, erlebt eine der schlimmsten Trockenperioden seit Beginn der Wetteraufzeichnungen. Wasser: plötzlich ein kostbares Gut Besonders angespannt ist die Lage im Département Loiret. Hier griff die Präfektur bereits am 11. Juni 2025 durch un…

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  • Tödliche Hitze: Drei Menschen ertrinken an einem einzigen Tag in Frankreich

    Tödliche Hitze: Drei Menschen ertrinken an einem einzigen Tag in Frankreich

    Ein Sommertag voller Tragödien. Am Sonntag, dem 22. Juni 2025, verloren in Frankreich gleich drei Menschen ihr Leben durch Ertrinken – in drei verschiedenen Départements: Loiret, Seine-Maritime und Isère. Gemeinsam ist den Fällen nicht nur der tödliche Ausgang, sondern auch der Kontext: eine brütende Hitzewelle, die Menschen massenhaft an natürliche Badegewässer treibt. Doch was als Abkühlung gedacht war, endete in einem Albtraum. Unerbittliche Natur – unterschätzte Gefahr Im Loiret wurde ein 20-jähriger Mann am frühen Sonntagmorgen tot am Strand von Le Havre aufgefunden. Zwei Stunden lang galt er als vermisst, nachdem er in der Nacht ins Wasser gegangen war. Die Umstände deuten auf eine unbegleitete Badeaktion hin – ein Moment der Leichtsinnigkeit mit fatalen Folgen. Ähnlich tragisch verlief es in der Seine-Maritime. Auch dort kam es zu einem tödlichen Badeunfall – doch die Einzelheiten sind noch unklar. Eines ist jedoch sicher: Das warme Wetter und der unstillbare Wunsch nach Erfrisc…

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  • Der neue Schulterschluss der europäischen Rechten – Marine Le Pen trotzt ihrer Verurteilung

    Der neue Schulterschluss der europäischen Rechten – Marine Le Pen trotzt ihrer Verurteilung

    Am 9. Juni 2025 inszenierte sich der Rassemblement National (RN) als führende Kraft der europäischen Rechten. Auf einem ländlichen Gelände bei Mormant-sur-Vernisson im französischen Département Loiret versammelten sich über 5.000 Anhänger des RN, flankiert von prominenten Vertretern der europäischen Rechtsaußenparteien. Anlass war das einjährige Jubiläum des Wahlerfolgs bei den Europawahlen 2024, bei denen der RN mit 31,37 Prozent der Stimmen sein bisher bestes Ergebnis erzielte.

    Im Mittelpunkt des Treffens stand die öffentlich zur Schau gestellte Geschlossenheit der Parteiführung. Marine Le Pen, obwohl seit März 2025 aufgrund einer Verurteilung wegen Veruntreuung europäischer Gelder für fünf Jahre von öffentlichen Ämtern ausgeschlossen, trat als zentrale Figur auf. Ihre Botschaft war eine klare Kampfansage an das politische und juristische Establishment Frankreichs und der Europäischen Union.

    Le Pen als Symbolfigur – trotz politischem Bann

    Die dreifache Präsidentschaftskandidatin verurteilte ihre Ineligibilitätsstrafe als politisch motiviert. Die Justiz sei, so Le Pen, „instrumentalisiert worden“, um ihre Teilnahme an der Präsidentschaftswahl 2027 zu verhindern. In ihrer Rede zeichnete sie ein düsteres Bild der EU, die sie als „wokistisches, ultraliberales Imperium“ beschrieb, das im Begriff sei, Europa in einen Krieg zu führen. Mit dieser Rhetorik positionierte sie sich erneut als Stimme des Protests gegen das politische Zentrum, verbunden mit einer klaren Ablehnung der EU-Institutionen.

    An ihrer Seite stand Jordan Bardella, der junge Parteichef und designierte Nachfolger. In seinen Ausführungen übernahm er zentrale Narrative Le Pens, geißelte die EU als „bürokratisches Monster“ und stellte insbesondere den europäischen Migrationspakt als Bedrohung für die nationale Souveränität Frankreichs dar. Seiner Darstellung zufolge zwingt Brüssel Frankreich, Migranten gegen den Willen der lokalen Bevölkerung in ländliche Regionen umzusiedeln – eine Interpretation, die die Ängste eines Teils der Bevölkerung gezielt bedient.

    Orbán, Salvini, Abascal – das internationale Netzwerk der Rechten

    Ein bemerkenswertes Zeichen war die Anwesenheit internationaler Verbündeter. Viktor Orbán, Matteo Salvini und Santiago Abascal verliehen dem Treffen den Anschein einer paneuropäischen Mobilisierung der Rechten. Orbán griff auf seine bekannte Argumentation des „Großen Austauschs“ zurück, nach der europäische Migrationspolitik zur Ersetzung der traditionellen Bevölkerung führe. Salvini wiederum beschwor das Bild einer „von Brüssel finanzierten Invasion islamistischer Illegaler“. Abascal sprach gar von einer historischen Notwendigkeit, dass „Marine kommt“ und „Frankreich zu Europa zurückkehrt“.

    Die Symbolik war eindeutig: Der RN inszeniert sich nicht mehr nur als französische Oppositionskraft, sondern als Teil eines europaweiten Projekts der konservativen Wende. Die nationale Bühne wurde damit zur Kulisse für eine größere ideologische Allianz.

    Zwischen Mobilisierung und Polarisierung

    Der Event stieß nicht nur auf Zustimmung. Zeitgleich fand in Montargis eine Gegenkundgebung statt, organisiert von linken Parteien, Gewerkschaften und zivilgesellschaftlichen Gruppen. Rund 3.000 Teilnehmer protestierten gegen das Auftreten des RN und seiner Gäste, warnten vor einem „Rückfall in autoritäre Ideologien“ und sprachen von einer „neuen Gefahr für die Demokratie“. Die Polarisierung zwischen Anhängern und Gegnern des RN war greifbar – und sie dürfte sich im Vorfeld der kommenden Wahlen weiter zuspitzen.

    Die Nachfolgefrage – Bardella rückt in den Fokus

    Mit dem Ausschluss Le Pens von künftigen Wahlen steht Bardella nun mehr denn je im Zentrum der Parteistrategie. Der 29-jährige Parteivorsitzende verfügt über solide Zustimmungswerte, insbesondere bei jungen Wählern. Umfragen zufolge erreicht er in der Altersgruppe unter 35 fast die gleiche Unterstützung wie Le Pen. Seine politische Linie ist bislang eine Gratwanderung: Er versucht, die rebellische Grundhaltung des RN mit einem präsidialeren Habitus zu verbinden – eine Strategie, die sowohl das Erbe Le Pens wahrt als auch eine gewisse Modernisierung signalisiert.

    Die Herausforderung besteht darin, die in den letzten Jahren betriebene „Dédiabolisation“ – also die Normalisierung und Entradikalisierung des Parteibilds – mit der engen Anbindung an Figuren wie Orbán oder Salvini zu vereinen. Letztere gelten vielen Franzosen nach wie vor als Inbegriff eines autoritären, illiberalen Konservatismus. Die Frage ist, ob sich der RN langfristig als Partei mit Regierungsperspektive oder als dauerhafte Protestbewegung positionieren will.

    Ein strategischer Kraftakt mit offenem Ausgang

    Die „Fête de la victoire“ war mehr als ein Jubiläum. Sie war ein strategisch inszenierter Moment, in dem der RN seine Wandlung zur europäischen Schlüsselpartei der Rechten vorführen wollte. Mit Marine Le Pen als Märtyrerin des Systems, Bardella als Hoffnungsträger der Jugend und einem Netzwerk internationaler Unterstützer präsentiert sich der RN als geschlossen, zukunftsorientiert – und gefährlich einflussreich.

    Doch der Weg zur Macht ist steinig. Die Polarisierung der französischen Gesellschaft schreitet voran, und die Legitimität des RN bleibt umstritten. Die nächsten Monate werden zeigen, ob die Partei in der Lage ist, aus der aktuellen Dynamik einen echten politischen Durchbruch zu machen – oder ob der Schulterschluss mit den europäischen Rechtsnationalisten letztlich mehr schreckt als begeistert.

    Von Andreas Brucker

  • Ein Dorf als Bühne: Europas extreme Rechte feiert in Frankreich ihre Macht

    Ein Dorf als Bühne: Europas extreme Rechte feiert in Frankreich ihre Macht

    Am 9. Juni 2025 wurde das 133-Seelen-Dorf Mormant-sur-Vernisson im Département Loiret zum symbolträchtigen Schauplatz eines internationalen Treffens der europäischen Rechten. Eingeladen vom französischen Rassemblement National (RN), versammelten sich hochrangige Vertreter der europäischen Rechten wie Viktor Orbán, Matteo Salvini und Santiago Abascal, um den ersten Jahrestag ihres Erfolgs bei den Europawahlen 2024 zu feiern. Unter dem martialischen Motto „Tag des Sieges“ mobilisierte die Veranstaltung zwischen 5.000 und 6.000 Anhänger – ein Kraftakt, der weit über die französischen Landesgrenzen hinausstrahlt. Ein symbolträchtiger Ort, eine klare Botschaft Die Wahl des Veranstaltungsortes war alles andere als zufällig. Mormant-sur-Vernisson verkörpert das, was der RN als „vergessene Frankreich“ beschreibt – die ländliche, abgehängte Bevölkerung fernab der urbanen Zentren. Thomas Ménagé, Abgeordneter des RN und Gastgeber, erklärte, es sei an der Zeit, „die Stimme der Provinz zu erheben, …

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  • Showdown im Loiret: Europaweite Machtprobe zwischen Rechtsaußen und Progressiven

    Showdown im Loiret: Europaweite Machtprobe zwischen Rechtsaußen und Progressiven

    Am 9. Juni 2025 blickt Europa gebannt auf das französische Département Loiret – wo sich symbolträchtig zwei gegensätzliche politische Welten gegenüberstehen. Während das Rassemblement National (RN) in Mormant-sur-Vernisson mit Gleichgesinnten aus halb Europa den Sieg bei den Europawahlen feiert, formieren sich in Montargis Gegenkräfte aus Zivilgesellschaft, linker Szene und dem proeuropäischen Lager rund um Präsident Macron. Diese Konfrontation ist mehr als ein Schlagabtausch – sie ist ein Testlauf für die politische Zukunft Europas.

    Europaweit vereint: Die Rechte marschiert auf Marine Le Pen und Jordan Bardella, die zentralen Figuren des RN, inszenieren ihren Triumph mit einem internationalen Aufgebot: Viktor Orbán aus Ungarn, Italiens Matteo Salvini, der niederländische Populist Geert Wilders und Santiago Abascal aus Spanien geben sich die Ehre. Ein Stelldichein der europäischen Rechtsaußen. Ziel ist klar: der Ausbau des neuen EU-Parlamentsblocks „Patrioten für Europa“, der bereits …

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