Schlagwort: Linke

  • Kommentar: Wenn linke Bürgermeister zur Waffe greifen, stirbt ein Stück unserer Demokratie

    Kommentar: Wenn linke Bürgermeister zur Waffe greifen, stirbt ein Stück unserer Demokratie

    Ich weiß nicht, wann genau wir aufgehört haben, an das Gespräch zu glauben. Vielleicht war es in dem Moment, als Pierre Hurmic, der grüne Bürgermeister von Bordeaux, verkündete, seine Polizeikräfte zu bewaffnen – ein Mann, der im Wahlkampf versprochen hatte, so etwas niemals zu tun. Vielleicht war es, als Michaël Delafosse in Montpellier oder Benoît Payan in Marseille sich entschieden, Pistolen statt Präsenz zu verteilen. Sicher ist: Jeder dieser Schritte ist ein kleiner Sargnagel für die Idee einer bürgernahen Polizei, die schützt, ohne zu bedrohen.

    Denn die Waffe ist kein neutrales Werkzeug. Sie ist immer ein Signal. Ein Signal der Angst, des Misstrauens und der Eskalation. In einer Zeit, in der unsere Gesellschaft polarisiert ist wie selten zuvor, in der das Vertrauen in staatliche Institutionen erodiert, schicken linke Bürgermeister ihren Bürgern nun eine klare Botschaft: „Wir trauen euch nicht. Und wir sind bereit, zu schießen.“

    Wie kann es sein, dass eine politische Linke, die einst stolz war auf ihre sozialen, friedenspolitischen und präventiven Ansätze, sich heute mit denselben martialischen Rezepten brüstet wie die Hardliner der Rechten? Ist das die neue Definition von Verantwortungsbewusstsein – den Lauf einer Waffe auf den Bürger zu richten, um ihm Sicherheit zu versprechen? Niemand bestreitet, dass es Gewalt gibt, organisierte Kriminalität, Drogennetze, Bedrohungen des öffentlichen Friedens. Doch wer glaubt, dass eine Glock 17 am Gürtel eines kommunalen Sicherheitsbeamten dieses Netz zerschlägt, der hat den Begriff Prävention nie verstanden.

    Die Waffenfrage ist nicht technisch, sondern politisch. Und sie ist zutiefst moralisch. In Grenoble oder Nantes verweigern sich Bürgermeister weiterhin dem Trend zur Bewaffnung. Dort setzt man auf Sozialarbeit, Urbanistik, Bildung, Präsenz ohne Drohpotenzial. Dort hält man an dem Glauben fest, dass Sicherheit vor allem dann entsteht, wenn der öffentliche Raum nicht zur Kampfzone wird.

    Doch es ist leicht, diesen Glauben zu verlieren. Wenn Journalisten täglich von Überfällen berichten, wenn soziale Netzwerke Gewaltvideos multiplizieren, wenn Oppositionsparteien unaufhörlich von „No-Go-Areas“ sprechen, dann wächst der Druck. Und Politiker knicken ein – auch die Grünen, auch die Sozialisten. Ihre letzte Bastion, der humanistische Kern ihrer Sicherheitsvorstellungen, zerbröselt zwischen Furcht und Opportunismus.

    Am bittersten ist das Schweigen vieler Linker, die diese Entwicklung hinnehmen. Weil es einfacher ist, einen kleinen Verlust an Werten zu akzeptieren, als sich mit dem Vorwurf der Naivität oder Realitätsferne konfrontieren zu lassen. Doch wer sich für den Frieden schämt, wird am Ende nur noch Krieg ernten. Wer glaubt, mit einer Waffe im Holster den sozialen Frieden sichern zu können, hat sich von allem entfernt, was linke Politik in Frankreich einmal bedeutete.

    Ich schreibe diese Zeilen als Bürger, nicht als Ideologe. Ich will keine Polizisten ohne Schutz. Ich will aber auch keine Gesellschaft, in der jede soziale Frage mit Stahl und Kaliber beantwortet wird. Eine Gesellschaft, in der linke Bürgermeister ihre Stadtpolizei bewaffnen, ist eine Gesellschaft, die aufgehört hat, an die Kraft des Politischen zu glauben. Dann bleibt nur noch das Recht des Stärkeren – und die Waffe in der Hand des Ortspolizisten wird zum Symbol seines moralischen Bankrotts.

    Ein Kommentar von P. Tiko

  • Präsidentschaftswahl 2027: Frankreichs gespaltene Opposition sucht ihren gemeinsamen Kandidaten

    Präsidentschaftswahl 2027: Frankreichs gespaltene Opposition sucht ihren gemeinsamen Kandidaten

    Am 2. Juli 2025 trafen sich in Bagneux (Hauts-de-Seine) zentrale Figuren der französischen Linken, um eine historische Vereinbarung zu schliessen: Olivier Faure (Parti socialiste), Marine Tondelier (Les Écologistes), François Ruffin (Debout !), Clémentine Autain (L’Après) und Lucie Castets beschlossen, einen gemeinsamen Kandidaten für die Präsidentschaftswahl 2027 aufzustellen. Bemerkenswert ist, wer fehlte: La France insoumise (LFI) von Jean-Luc Mélenchon, le Parti communiste français (PCF) und Place publique von Raphaël Glucksmann waren nicht beteiligt. Ein neuer Anlauf für die zersplitterte Linke Die Teilnehmer sprachen von einem „Moment historique“ und verpflichteten sich, bis Ende 2025 Modalitäten zur Kandidatenkür zu definieren. Zwischen Mai und Oktober 2026 soll der gemeinsame Bewerber nominiert werden. Lucie Castets betonte, dass es nun darum gehe, „eine Alternative für das Land“ zu schaffen, während Marine Tondelier eine Primärwahl als „starke Option“ bezeichnete. François Ruf…

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  • François Ruffin und seine neue Partei: „Debout !“ – Vorbereitung seiner Kandidatur für 2027

    François Ruffin und seine neue Partei: „Debout !“ – Vorbereitung seiner Kandidatur für 2027

    Es gibt Momente, in denen Politik wie ein stiller Fluss dahinfließt – und Tage, an denen plötzlich Gischt aufschäumt. Der 28. Juni 2025 war so ein Tag. In Paris, vor rund 200 Unterstützerinnen und Unterstützern, hat François Ruffin, der rebellische Abgeordnete aus der Somme, offiziell sein neues nationales Partei-Projekt vorgestellt: „Debout !“ – zu Deutsch: „Steh auf!“. Ein Name, der klingt wie ein Weckruf. Vom Regionalexperiment zur nationalen Bewegung Ruffin ist kein Unbekannter. Der Journalist, Filmemacher und Politiker war lange Mitglied von La France insoumise (LFI), der Partei Jean-Luc Mélenchons, die die französische Linke mit radikalen Positionen elektrisierte – und spaltete. Doch 2024 kam es zum Bruch. Ruffin gründete nun „Debout !“ als nationale Erweiterung seines Regionalprojekts „Picardie debout !“. Sein Ziel: Eine alternative Linke, die weder dogmatisch noch abgehoben wirkt. Die neue Partei „riecht nicht nach Designerparfum aus Paris“, wie ein Beobachter sagte, sondern na…

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  • Knapper Sieg, große Zweifel: Olivier Faure bleibt PS-Chef – doch die Partei ringt um ihre Seele

    Knapper Sieg, große Zweifel: Olivier Faure bleibt PS-Chef – doch die Partei ringt um ihre Seele

    Ein Hauch von Triumph – doch das Echo klingt hohl. Olivier Faure ist erneut zum Ersten Sekretär der französischen Parti socialiste (PS) gewählt worden. Mit hauchdünnen 50,9 % setzte er sich gegen seinen Rivalen, den Rouener Bürgermeister Nicolas Mayer-Rossignol, durch. Schon zum vierten Mal in Folge übernimmt Faure damit die Führung des einst so mächtigen Parteiapparats – aber dieses Mal ohne Rückenwind, ohne klaren Konsens und ohne echte Feierlaune. Denn die Zahlen sprechen für sich: Die Partei ist gespalten. Und das bis ins Mark. Zwischen Sieg und Spaltung Die Nacht der Wahl war keine glorreiche – sie war nervenaufreibend, geprägt von hektischen Zählungen und gegenseitigem Misstrauen. Zwar konnte Faure sich knapp durchsetzen, doch die Legitimität dieses Ergebnisses wird in Teilen der PS offen angezweifelt. Der knappe Abstand von nur 1,8 Prozentpunkten zeigt, wie tief die Gräben im Lager der Sozialisten mittlerweile sind. Was macht man mit einem Wahlsieg, der sich wie eine Niederlage …

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  • Ascendant Beauf: Wie Rose Lamy den Klassenhass in Frankreich entlarvt

    Ascendant Beauf: Wie Rose Lamy den Klassenhass in Frankreich entlarvt

    Der „Beauf“ – eine Karikatur, die mehr über den Betrachter aussagt als über die Karikierten selbst. Rose Lamy, eine der prägnantesten Stimmen des zeitgenössischen französischen Feminismus, legt mit ihrem neuen Werk Ascendant Beauf eine Streitschrift vor, die die Diskussionen in Frankreich ordentlich…

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