Schlagwort: Lérins Inseln

  • Das steinerne Geheimnis vor Cannes

    Das steinerne Geheimnis vor Cannes

    Nur wenige Kilometer trennen zwei Welten. Auf der Croisette von Cannes glänzen Luxushotels, Yachten und Strandclubs in der Mittelmeersonne. Eine kurze Bootsfahrt entfernt bestimmen dagegen Pinien, Weinberge, Felsen und jahrhundertealte Mauern das Bild.

    Auf der Île Saint-Honorat öffnet nun eines der außergewöhnlichsten Bauwerke der Côte d’Azur wieder seine Türen: die mittelalterliche Tour Monastère der Abtei von Lérins. Sechs Jahre dauerte ihre Restaurierung. Jetzt lässt sich dieser steinerne Zeuge einer mehr als tausendjährigen Geschichte wieder erkunden.

    Eine Festung für Mönche

    Die Geschichte Saint Honorats reicht rund 1600 Jahre zurück. Um das Jahr 410 gründete Honoratus von Arles auf der damals weitgehend unbewohnten Insel eine Klostergemeinschaft. Lérins entwickelte sich bald zu einem bedeutenden geistlichen Zentrum des westlichen Mittelmeerraums.

    Doch das kleine Paradies besaß eine gefährliche Seite.

    Über Jahrhunderte bedrohten Angriffe und Plünderungen die Insel. Die Mönche brauchten Schutz vor Piraten und anderen Eindringlingen. Direkt am Meer entstand deshalb ein befestigtes Kloster, dessen mächtiger Turm bis heute über der Südküste Saint Honorats wacht.

    Die Tour Monastère verbindet zwei Welten, die auf den ersten Blick kaum zusammenpassen: Festung und Kloster, Verteidigung und Gebet. Hinter den dicken Mauern liegen Kreuzgänge, Kapellen und ehemalige Wohnräume.

    Wer hier Treppen hinaufsteigt und durch schmale Durchgänge geht, besucht also nicht bloß ein altes Gemäuer. Er wandert durch Jahrhunderte.

    Und welche Mauern könnten wohl mehr Geschichten erzählen als jene, die Mönche, Angreifer, Stürme und Generationen von Reisenden erlebt haben?

    Sechs Jahre zwischen Stein und Meer

    Im Juli 2020 begann die umfangreiche Restaurierung. Rund 7,1 Millionen Euro flossen in das Projekt.

    Eine zentrale Aufgabe bestand darin, das historische Gebäude besser gegen Wasser und Witterung zu schützen. Zwei unterschiedliche Dachkonstruktionen entstanden, eine traditionelle und eine zeitgenössische. Handwerker restaurierten außerdem Mauern, Türen, Fenster und Gitter.

    Dabei sollte der Turm keineswegs wie frisch aus dem Mittelalter aussehen.

    Zum Glück.

    Denn gerade seine Unebenheiten, Verfärbungen und sichtbaren Spuren verleihen ihm Charakter. Alte Steine dürfen schließlich alt aussehen. Moderne Technik kam dort zum Einsatz, wo Sicherheit, Beleuchtung und Erhaltung sie verlangten. Der besondere Charakter des Monuments blieb dabei erhalten.

    Moderne Kunst hinter alten Mauern

    Eine Überraschung wartet im Inneren: zeitgenössische Kunst.

    Elf moderne Glasfenster treten in einen ungewöhnlichen Dialog mit der mittelalterlichen Architektur. Hinzu kommt ein Werk der französisch ungarischen Künstlerin Vera Molnar, einer Pionierin der digitalen und algorithmischen Kunst und Teil ihres späten Schaffens.

    Geometrische Formen treffen auf groben Stein, moderne Gestaltung auf jahrhundertealte religiöse Räume. Klingt nach einem gewagten Mix? Genau darin liegt sein Reiz.

    Saint Honorat ist schließlich kein erstarrtes Freilichtmuseum. Bis heute leben Zisterziensermönche auf der Insel. Sie bewirtschaften Weinberge, produzieren Wein und Liköre und führen eine Tradition fort, deren Wurzeln bis in die Spätantike reichen.

    Die stille Seite der Côte d’Azur

    Vom Hafen von Cannes dauert die Überfahrt nur wenige Minuten. Dennoch fühlt sich Saint Honorat erstaunlich weit entfernt an.

    Keine Autos, keine großen Hotelkomplexe, kein ständiger Verkehrslärm. Wege führen unter Pinien und Aleppokiefern entlang, vorbei an Weinbergen, Kapellen und felsigen Buchten. Das Meer begleitet den Spaziergänger fast überall.

    Von den oberen Bereichen der Tour Monastère schweift der Blick über das Mittelmeer und die Lérins Inseln. Cannes liegt gegenüber, sichtbar nah und zugleich wie aus einer anderen Welt.

    Die Restaurierung spielt zudem eine Rolle für ein großes Ziel: Saint Honorat strebt die Aufnahme in die UNESCO Welterbeliste an. Der Klosterturm zählt dabei zu den bedeutendsten Zeugnissen der außergewöhnlich langen monastischen Geschichte der Insel.

    Vielleicht liegt darin das eigentliche Wunder dieses Ortes. Nur eine kurze Bootsfahrt vom roten Teppich des Filmfestivals entfernt stehen Mauern, die aus einer Epoche stammen, in der vom heutigen Cannes noch keine Rede war.

    Manchmal reichen ein paar Minuten auf dem Mittelmeer, um mehr als tausend Jahre zurückzureisen.

    M. Legrand

  • Versteckte Traumstrände vor Cannes: Die Lérins Inseln als stilles Paradies

    Versteckte Traumstrände vor Cannes: Die Lérins Inseln als stilles Paradies

    Nur wenige Minuten trennen die mondäne Promenade der Croisette von einer völlig anderen Welt. Während in Cannes Luxushotels, elegante Boutiquen und beeindruckende Yachten das Bild prägen, erwartet Besucher vor der Küste eine Landschaft voller Ruhe und Ursprünglichkeit. Nach einer kurzen Bootsfahrt eröffnen die Lérins Inseln eine Seite der Côte d’Azur, die viele Urlauber zunächst gar nicht erwarten. Statt dichter Strandreihen, lauter Musik und regem Treiben bestimmen glasklares Wasser, schattige Pinien und kleine, versteckte Buchten das Bild.

    Der kleine Archipel besteht vor allem aus zwei Inseln: Sainte Marguerite und Saint Honorat. Beide besitzen ihren ganz eigenen Charakter, doch eines verbindet sie. Sie laden dazu ein, den Alltag hinter sich zu lassen und die Natur in ihrer schönsten Form zu genießen.

    Sainte Marguerite ist die größere der beiden Inseln und ein echtes Paradies für Badegäste. Bereits unweit des Anlegers liegt der Strand Sainte Anne. Sein flach abfallendes Ufer und das ruhige Wasser machen ihn besonders für Familien attraktiv. Kinder planschen hier sicher im Meer, während Erwachsene den Blick auf das türkisblaue Wasser genießen.

    Wer lieber etwas mehr Abgeschiedenheit sucht, entdeckt entlang der Küste zahlreiche kleine Buchten. Besonders beeindruckend präsentieren sich die Dragon Buchten im Westen der Insel. Helle Kalkfelsen ragen dort direkt aus dem Meer empor, dazwischen wachsen Pinien, deren Äste bis fast ans Wasser reichen. Die Sicht unter Wasser fällt außergewöhnlich klar aus. Kein Wunder also, dass Schnorchler diesen Abschnitt besonders schätzen. Bunte Fische, Seegraswiesen und die faszinierenden Lichtspiele unter der Wasseroberfläche machen jeden Badestopp zu einem kleinen Erlebnis.

    Doch Sainte Marguerite bietet weit mehr als schöne Badeplätze.

    Ein Netz gut ausgebauter Wanderwege führt durch duftende Pinienwälder und vorbei an Eukalyptusbäumen bis zu den ruhigeren Spitzen der Insel. Besonders die Pointe du Batéguier und die Pointe Carbonel gelten als Geheimtipps. Selbst mitten im Sommer findet sich dort oft ein stilles Plätzchen, an dem nur das Rauschen der Wellen und das Zirpen der Zikaden zu hören sind. Wer früh am Morgen unterwegs ist, erlebt die Insel fast für sich allein. Genau das macht ihren besonderen Reiz aus.

    Auch geschichtlich besitzt Sainte Marguerite einen außergewöhnlichen Stellenwert. Hoch über der Küste erhebt sich das Fort Royal, dessen Mauern eng mit einer der geheimnisvollsten Figuren Frankreichs verbunden sind. Hier soll einst der berühmte Gefangene mit der eisernen Maske eingesperrt gewesen sein. Bis heute ranken sich zahlreiche Legenden um seine wahre Identität. Der Besuch der Festung verbindet Natur und Geschichte auf eindrucksvolle Weise.

    Nicht weit davon entfernt wartet eine weitere Besonderheit. Vor der Küste befindet sich ein Unterwasser Skulpturenpark. Mehrere monumentale Kunstwerke ruhen auf dem Meeresboden und lassen sich bereits mit Schnorchel und Taucherbrille entdecken. Zwischen den Skulpturen tummeln sich Fische und andere Meeresbewohner. Kunst und Natur verschmelzen hier auf überraschende Weise miteinander.

    Noch ruhiger wirkt die kleinere Nachbarinsel Saint Honorat.

    Hier bestimmt seit Jahrhunderten das Leben der Zisterziensermönche den Rhythmus des Tages. Das Kloster prägt die Insel bis heute. Weinberge, alte Kapellen und schmale Wege führen durch eine Landschaft, in der die Zeit scheinbar langsamer vergeht. Besucher begegnen immer wieder stillen Orten, die zum Verweilen einladen.

    Die Küsten unterscheiden sich deutlich von denen der größeren Nachbarinsel. Statt ausgedehnter Sandstrände dominieren flache Felsen und kleine Badeplätze direkt am Wasser. Viele Gäste kommen nicht wegen großer Strände hierher, sondern wegen der besonderen Atmosphäre. Wer sich auf einen der warmen Felsen setzt und über das glitzernde Meer blickt, versteht schnell, warum diese Insel als Ort der Ruhe gilt.

    Luxus sucht man auf beiden Inseln vergeblich und genau darin liegt ihr besonderer Charme. Große Hotelanlagen oder Einkaufsstraßen fehlen ebenso wie ausgedehnte Strandpromenaden. Stattdessen empfiehlt es sich, ausreichend Trinkwasser, ein kleines Picknick und festes Schuhwerk mitzubringen. Ein Schnorchel gehört ebenfalls ins Gepäck, denn die Unterwasserwelt zählt zu den schönsten der gesamten Region.

    Ein weiterer Schatz verbirgt sich unter der Wasseroberfläche. Rund um die Inseln wachsen ausgedehnte Posidonia Seegraswiesen. Sie dienen unzähligen Meerestieren als Lebensraum, produzieren Sauerstoff und schützen die Küsten vor Erosion. Aus diesem Grund stehen weite Bereiche unter besonderem Schutz. Für Boote gelten strenge Regeln beim Ankern, damit dieses empfindliche Ökosystem langfristig erhalten bleibt. So bleibt die außergewöhnliche Artenvielfalt auch für kommende Generationen bestehen.

    Wer bislang nur die bekannten Strände von Cannes kennt, erlebt auf den Lérins Inseln einen überraschenden Perspektivwechsel. Kaum legt das Boot ab, verschwinden Hochhäuser und Hotels langsam am Horizont. Wenige Minuten später bestimmen Pinienwälder, schroffe Küsten und das intensive Blau des Mittelmeers die Szenerie. Ist es nicht erstaunlich, wie nah zwei so unterschiedliche Welten beieinander liegen?

    Gerade diese Nähe macht den Reiz eines Ausflugs aus. Vormittags durch die eleganten Straßen von Cannes schlendern und wenig später in einer einsamen Bucht baden – schöner lässt sich die Vielfalt der Côte d’Azur kaum erleben. Wer einmal dort war, erzählt oft nicht zuerst vom roten Teppich oder den Luxusyachten, sondern von den stillen Buchten zwischen den Pinien. Und mal ehrlich, gibt es einen besseren Ort, um einfach die Seele baumeln zu lassen?

    Die Lérins Inseln beweisen eindrucksvoll, dass die französische Riviera weit mehr bietet als Glamour und internationale Filmfestivals. Nur einen Steinwurf von Cannes entfernt bewahrt sich die Natur ihre ursprüngliche Schönheit. Wer die Küste einmal von ihrer stillen Seite erleben möchte, findet hier ein kleines Paradies, das lange in Erinnerung bleibt.

    Ein Artikel von M. Legrand