Schlagwort: Leerstand

  • Paris verschärft den Kampf gegen leerstehende Wohnungen

    Paris verschärft den Kampf gegen leerstehende Wohnungen

    Der Wohnungsmarkt in Paris gehört seit Jahren zu den angespanntesten Europas. Hohe Mieten, ein knappes Angebot und eine anhaltend starke Nachfrage erschweren insbesondere Familien, Studierenden und Haushalten mit mittleren Einkommen den Zugang zu bezahlbarem Wohnraum. Vor diesem Hintergrund hat der Pariser Stadtrat eine deutliche Verschärfung der Besteuerung von leerstehenden Wohnungen beschlossen. Die Maßnahme soll Eigentümer dazu bewegen, ungenutzte Immobilien wieder dem Wohnungsmarkt zuzuführen und damit den Druck auf den Wohnungsmarkt zumindest teilweise zu mindern.

    Deutlich höhere Steuer ab 2027

    Der Pariser Stadtrat verabschiedete die Neuregelung am 17. Juli 2026. Ab dem 1. Januar 2027 werden die Steuersätze für dauerhaft leerstehende Wohnungen erheblich angehoben.

    Künftig beträgt die Steuer im ersten Jahr des Leerstands 30 Prozent des amtlichen Mietwertes der Immobilie. Bislang lag der Satz bei 17 Prozent. Ab dem zweiten Jahr erhöht sich die Abgabe von bisher 34 Prozent auf künftig 60 Prozent.

    Mit dieser Verdoppelung der Steuer verfolgt die Stadt das Ziel, den wirtschaftlichen Anreiz zu erhöhen, ungenutzte Wohnungen wieder zu vermieten oder zu verkaufen. Die Stadtverwaltung geht davon aus, dass sich in Paris rund 20.000 Wohnungen im steuerlich relevanten Leerstand befinden.

    Wohnungsnot bleibt eines der größten Probleme der Hauptstadt

    Paris leidet seit Jahren unter einem strukturellen Wohnungsmangel. Die Kombination aus begrenztem Bauland, einer hohen Bevölkerungsdichte und einer konstant starken Nachfrage hat die Mietpreise auf ein Niveau steigen lassen, das für viele Haushalte kaum noch finanzierbar ist.

    Gleichzeitig wird ein Teil des vorhandenen Wohnraums nicht dauerhaft genutzt. Während einige Wohnungen aus berechtigten Gründen leer stehen – etwa wegen umfangreicher Sanierungsarbeiten oder laufender Erbschaftsverfahren –, richtet sich die neue Steuer insbesondere gegen langfristig ungenutzte Immobilien ohne nachvollziehbaren Grund.

    Die Stadt erhofft sich, dass zusätzliche Wohnungen auf den Markt gelangen und damit zumindest ein Teil des Angebotsengpasses entschärft werden kann. Experten weisen allerdings darauf hin, dass selbst mehrere tausend zusätzliche Wohnungen die grundlegenden strukturellen Probleme des Pariser Wohnungsmarktes nicht vollständig lösen würden.

    Mieterverband begrüßt die Entscheidung

    Die Confédération nationale du logement (CNL), einer der größten französischen Mieterverbände, bezeichnete die Entscheidung als „echten Sieg“. Präsident Eddie Jacquemart sieht in der Steuererhöhung ein wichtiges Signal gegen spekulativen Leerstand.

    Nach Auffassung des Verbandes halten manche Eigentümer ihre Immobilien bewusst unvermietet, weil sie auf weiter steigende Immobilienpreise setzen und dadurch später höhere Verkaufserlöse erzielen möchten. Aus Sicht der CNL entzieht dieses Verhalten dem ohnehin angespannten Markt dringend benötigten Wohnraum.

    Darüber hinaus vermutet der Verband, dass ein Teil der offiziell als leerstehend gemeldeten Wohnungen tatsächlich als nicht deklarierte Ferienunterkünfte genutzt wird. Dadurch könnten sie den Vorschriften für kurzfristige touristische Vermietungen entgehen und gleichzeitig der Besteuerung sowie den entsprechenden Kontrollen entzogen werden.

    Steuer allein wird das Problem nicht lösen

    Trotz der positiven Bewertung der neuen Regelung warnt die CNL davor, ihre Wirkung zu überschätzen. Nach Einschätzung des Verbandes handelt es sich lediglich um einen ersten Schritt, um den Wohnungsmarkt wieder ins Gleichgewicht zu bringen.

    Langfristig seien deutlich umfassendere Maßnahmen erforderlich. Dazu gehöre insbesondere der Bau neuer Wohnungen, vor allem im sozialen Wohnungsbau. Die Nachfrage übersteige das Angebot in der französischen Hauptstadt seit Jahren deutlich, sodass zusätzliche steuerliche Instrumente allein kaum ausreichen dürften.

    Auch Stadtplaner und Wohnungsökonomen vertreten häufig die Auffassung, dass eine nachhaltige Entspannung nur durch eine Kombination verschiedener Maßnahmen möglich ist. Neben der Aktivierung leerstehender Wohnungen zählen dazu der Neubau, eine effizientere Nutzung des vorhandenen Bestands sowie eine konsequente Regulierung kurzfristiger Ferienvermietungen.

    Die nun beschlossene Steuererhöhung ist daher weniger als endgültige Lösung zu verstehen, sondern vielmehr als Teil einer umfassenderen wohnungspolitischen Strategie. Ob die höheren Abgaben tatsächlich dazu führen, dass tausende Wohnungen wieder dauerhaft vermietet werden, dürfte sich erst in den kommenden Jahren zeigen. Klar ist jedoch, dass Paris angesichts des anhaltenden Wohnungsmangels den politischen Druck auf Eigentümer erhöht, ungenutzten Wohnraum nicht länger brachliegen zu lassen.

    Andreas M. Brucker

  • Wenn ein verlassenes Haus ein ganzes Viertel in Geiselhaft nimmt

    Wenn ein verlassenes Haus ein ganzes Viertel in Geiselhaft nimmt

    Nördlich von Lille spielt sich in einem gewöhnlichen Wohnviertel ein Drama ab, das viele Bewohner an dunkle Zeiten erinnert. Nicht Lärm, Gewalt oder Verkehr rauben ihnen den Alltag – sondern ein verlassenes Haus. Was von außen bloß wie eine verfallene Immobilie erscheint, entwickelte sich nach Aussagen der Anwohner zur regelrechten Brutstätte für Ratten. Fenster bleiben geschlossen, Dachluken verriegelt. Die Furcht vor eindringenden Nagern prägt das tägliche Leben. Manche Bewohner schildern ihre Lage wie eine unfreiwillige Quarantäne. Ein Gefühl des Eingesperrtseins macht sich breit – mitten in einem urbanen Raum, nicht irgendwo am Rand der Republik. Der Fall zeigt in bedrückender Klarheit, dass Leerstand weit mehr bedeutet als bröckelnde Fassaden oder optischen Verfall. Wo Gebäude über Jahre unbeaufsichtigt bleiben, entstehen gesundheitliche Gefahren, soziale Spannungen und wachsendes Misstrauen gegenüber Behörden. Verwahrlosung frisst sich nicht nur durch Mauern, sondern auch durch d…

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  • Blois zieht die Zügel an: Kampf gegen leerstehende Läden im Herzen der Stadt

    Blois zieht die Zügel an: Kampf gegen leerstehende Läden im Herzen der Stadt

    In Blois tobt ein leiser, aber folgenreicher Konflikt: Die Stadtverwaltung geht entschieden gegen Eigentümer vor, deren Geschäftsräume seit Jahren leer stehen. Denn wo früher Schaufenster lebten, herrscht heute gähnende Leere – und genau das will die Kommune nicht länger hinnehmen. Die Diagnose ist eindeutig: Leerstand, überhöhte Mieten, verfallende Gebäude. Und die Geduld der Politik schwindet. Ein Zentrum, das um Luft ringt 9,7 Prozent der Geschäfte im Bloiser Zentrum standen 2024 leer. Ein Anstieg gegenüber dem Vorjahr, der zum Warnsignal geworden ist. Noch kein dramatischer Kollaps – aber die Kurve zeigt nach oben. Die Ursachen sind schnell umrissen: Viele Eigentümer verlangen Mieten, die schlicht nicht mehr zum Markt passen. Ein paradoxes Bild: Interessierte Händler gäbe es durchaus, doch die Kalkulation stimmt nicht mehr. Wer heute in einer mittelgroßen Stadt wie Blois ein Geschäft eröffnen will, hat geringere Margen, geringere Passantenströme – aber Mieten, die auf dem Niveau ve…

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  • Drama ohne Verletzte – Gebäude-Einsturz mitten in Amiens

    Drama ohne Verletzte – Gebäude-Einsturz mitten in Amiens

    Freitagmittag, 8. August 2025, es ist kurz nach zwölf. Auf der Place au Feurre, mitten im Herzen von Amiens, bricht plötzlich die Fassade eines längst geschlossenen Hotels in sich zusammen. Sekunden später liegt der einst stolze Ibis-Bau in einem chaotischen Haufen aus Backsteinen, Balken und Staub. Wer zufällig in diesem Moment vorbeigelaufen wäre, wäre womöglich nur knapp dem Unglück entkommen – doch wie durch ein Wunder sieht man auf den Überwachungsvideos: Kein Mensch befand sich in unmittelbarer Nähe. Der Schreck sitzt dennoch tief. Passanten bleiben wie angewurzelt stehen, Anwohner schauen ungläubig aus den Fenstern, Sirenen durchschneiden die sommerliche Mittagshitze.

    Rettungskräfte im Großeinsatz Binnen Minuten rückt ein Großaufgebot an: 48 Feuerwehrleute, unterstützt von Suchhunden und Drohnen, sichern die Trümmer. Nicht nur, um auszuschließen, dass doch noch jemand verschüttet wurde – auch, um das Areal vor weiter…

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  • Arras kämpft um sein Herz – Wie eine Stadt ihr Zentrum lebendig halten will

    Arras kämpft um sein Herz – Wie eine Stadt ihr Zentrum lebendig halten will

    Der Charme von Arras liegt nicht nur in seinen prachtvollen flämischen Fassaden und historischen Plätzen – sondern auch in seinem lebendigen Zentrum. Doch wie viele mittelgroße Städte in Frankreich steht auch Arras vor einer harten Realität: dem täglichen Kampf der lokalen Händler um Kundschaft, Präsenz und wirtschaftliches Überleben.

    Fortschritt ja – aber gebremst

    Seit 2016 unternimmt die Stadt große Anstrengungen, um ihren Stadtkern zu revitalisieren. Unterstützt durch das nationale Programm „Action cœur de ville“, wurden bis 2020 23 Gebäude renoviert, 43 Wohnungen geschaffen und 56 neue Geschäfte eröffnet. Die Leerstandsquote sank deutlich – von 22 Prozent im Jahr 2016 auf 9 Prozent nur vier Jahre später. Klingt nach Erfolg, oder?

    Doch wer durch die Gassen von Arras schlendert, spürt: Die Herausforderungen bleiben. Die Konkurrenz durch Einkaufszentren am Stadtrand und der Onlinehandel machen vielen kleinen Läden schwer zu schaffen. Hinzu kommen die Spätfolgen der Corona-Pandemie – mit erschöpften Rücklagen und verändertem Kaufverhalten der Bürger.

    Lokale Antworten auf globale Probleme

    Die Stadt hat reagiert: Eine eigene Anlaufstelle für Geschäftsleute unterstützt bei Fassadenrenovierungen, Geschäftseröffnungen und konkreten Finanzhilfen. Dazu kommen Studien, die den Bedarf in einzelnen Vierteln ermitteln – um Leerstand gezielter zu bekämpfen.

    Doch damit nicht genug. Arras setzt auf Partnerschaften – etwa mit der URSSAF oder dem Handelsgericht – um frühzeitig eingreifen zu können, wenn Unternehmen ins Schlingern geraten. Es geht um Prävention, nicht bloß um Schadensbegrenzung.

    Kultur trifft Kaufkraft

    Die Stadt denkt dabei über das rein Wirtschaftliche hinaus. Mit Pop-up-Stores, Straßenfesten und einer gezielten Förderung des lokalen Handwerks wird das Zentrum zum Erlebnisort. Denn ein belebter Stadtkern braucht mehr als Schaufenster – er braucht Atmosphäre.

    Auch Nachhaltigkeit spielt eine Rolle: Mehr Fahrradwege, bessere Busverbindungen und eine Aufwertung des öffentlichen Raums sollen den Zugang erleichtern und die Innenstadt langfristig stärken. Denn was nützt das schönste Schaufenster, wenn niemand daran vorbeigeht?

    Ein Modell mit Vorbildfunktion?

    Arras ist bei weitem kein Einzelfall. Städte wie Pau, Bourges oder Laval kämpfen mit ähnlichen Problemen – und könnten von den Ansätzen in Arras lernen. Denn klar ist: Wer Innenstadtentwicklung nur mit Beton und Parkplätzen denkt, greift zu kurz. Es braucht ein ganzheitliches Konzept – sozial, wirtschaftlich und kulturell.

    Die Händler in Arras wünschen sich vor allem eines: eine verlässliche Perspektive. Wer einen Laden führt, braucht Planungssicherheit – und eine Stadt, die an die eigene Zukunft glaubt. Mit gezielter Unterstützung, klugen Investitionen und dem Mut, neue Wege zu gehen, kann das gelingen.

    Und was bleibt?

    Arras zeigt, dass man gegen Leerstand, Onlinehandel und Passivität ankommen kann – wenn man früh genug anfängt und konsequent bleibt. Doch die Balance bleibt empfindlich. Der kleinste Rückschritt, und der Weg nach vorne wird steinig.

    Vielleicht ist genau das die eigentliche Herausforderung: Nicht nur das Zentrum zu renovieren – sondern seine Seele lebendig zu halten.

    Von M.A.B.