Schlagwort: Leerstand

  • Saumur zahlt jungen Hauskäufern 10.000 Euro – eine französische Stadt setzt auf Eigentum gegen den Niedergang

    Saumur zahlt jungen Hauskäufern 10.000 Euro – eine französische Stadt setzt auf Eigentum gegen den Niedergang

    Während steigende Immobilienpreise und Finanzierungskosten vielen jungen Franzosen den Weg ins Wohneigentum erschweren, geht die westfranzösische Stadt Saumur einen ungewöhnlich direkten Weg: Wer dort erstmals eine Wohnung oder ein Haus kauft, kann seit September 2026 von der Kommune 10.000 Euro erhalten. Die Stadt verbindet damit Wohnungspolitik, Demografie und Stadtentwicklung. Hinter der Prämie steht eine grundsätzliche Überlegung, die viele französische Mittelstädte beschäftigt: Wie lassen sich junge Haushalte dauerhaft binden, bestehender Wohnraum wieder nutzen und die schleichende Verlagerung des Lebens an die Peripherie bremsen?

    10.000 Euro für den Schritt ins Eigentum

    Die Regelung ist bemerkenswert einfach. Seit dem 1. September 2026 gewährt Saumur Haushalten, die erstmals Wohneigentum erwerben, eine kommunale Unterstützung von 10.000 Euro. Gefördert werden sowohl Wohnungen als auch Häuser, Neubauten ebenso wie Bestandsimmobilien.

    Anders als gelegentlich dargestellt, beschränkt sich das neue Programm nicht auf die historische Innenstadt. Es gilt im gesamten Gebiet von Saumur sowie in den zur Stadt gehörenden communes déléguées. Damit handelt es sich weniger um eine reine Innenstadtprämie als um ein Instrument der kommunalen Wohnungs- und Bevölkerungspolitik.

    Die Bedingungen grenzen den Kreis der Begünstigten dennoch deutlich ein. Antragsteller dürfen bei Einreichung höchstens 40 Jahre alt sein und zuvor noch nie Eigentümer einer Wohnimmobilie gewesen sein. Das gekaufte Objekt muss mindestens 40.000 Euro kosten, wobei Makler- und Notargebühren nicht berücksichtigt werden. Vor allem aber muss die Immobilie mindestens fünf Jahre lang als Hauptwohnsitz genutzt werden.

    Damit versucht die Stadt, Mitnahmeeffekte zu begrenzen. Gefördert werden sollen weder Ferienwohnungen noch kurzfristige Immobilieninvestitionen, sondern Menschen, die tatsächlich in Saumur leben wollen.

    Die eigentliche Währung heißt Einwohner

    Die 10.000 Euro sind deshalb weniger als Sozialleistung denn als Standortinvestition zu verstehen. Eine Kommune gewinnt mit einem jungen Haushalt nicht lediglich einen neuen Immobilieneigentümer. Sie gewinnt Einwohner, Konsumenten und potenziell Familien, deren Kinder Schulen besuchen und deren tägliche Ausgaben lokale Geschäfte und Dienstleistungen stützen.

    Für eine französische Mittelstadt ist diese Rechnung von erheblicher Bedeutung. Gerade außerhalb der großen Wachstumsräume um Paris, Lyon, Bordeaux, Toulouse oder Nantes konkurrieren Städte zunehmend um mobile Erwerbstätige und junge Familien.

    Saumur mit seinem historischen Zentrum an der Loire besitzt zwar touristische Attraktivität und ein international bekanntes kulturelles Erbe. Doch touristische Frequenz allein garantiert keine lebendige Stadt. Restaurants, Einzelhandel, Schulen und Dienstleistungen benötigen dauerhaft ansässige Bevölkerung.

    Die Stadt setzt daher auf einen klassischen wirtschaftspolitischen Hebel: Sie senkt die Eintrittskosten. Bei einem Immobilienpreis von beispielsweise 150.000 Euro entsprechen 10.000 Euro immerhin rund 6,7 Prozent des Kaufpreises. Gerade für junge Haushalte, deren Problem häufig weniger die langfristige Kreditrate als das erforderliche Eigenkapital und die Nebenkosten des Erwerbs sind, kann dies entscheidend sein.

    Das größere Problem liegt im alten Wohnungsbestand

    Besonders interessant wird das Modell durch die Verbindung mit der bereits bestehenden Sanierungspolitik für die Innenstadt. Dort verfügt Saumur über ein spezifisches Förderinstrument für Erstkäufer von mehr als 15 Jahre alten Immobilien im Gebiet der Stadterneuerungsoperation OPAH-RU.

    Auch dort können insgesamt bis zu 10.000 Euro zusammenkommen. Die Förderung ist jedoch anders aufgebaut: Eine Grundprämie von 5.000 Euro wird an die Verpflichtung geknüpft, die Immobilie mindestens fünf Jahre als Hauptwohnsitz zu nutzen. Weitere 2.500 Euro können hinzukommen, wenn das Objekt seit mindestens zwei Jahren leer steht. Noch einmal 2.500 Euro sind bei bestimmten förderfähigen Renovierungsarbeiten möglich.

    Diese Konstruktion zeigt deutlicher als die allgemeine Eigentumsprämie, welches Problem französische Mittelstädte zu lösen versuchen. In historischen Zentren stehen teilweise Wohnungen leer, obwohl gleichzeitig außerhalb der Städte neue Wohngebiete entstehen.

    Für Kommunen ist diese Entwicklung doppelt problematisch. Einerseits müssen Straßen, Leitungen, Schulen und andere Infrastruktur an der Peripherie erweitert werden. Andererseits verliert die bereits vorhandene Infrastruktur im Zentrum an Auslastung.

    Leerstand erzeugt zudem einen sich selbst verstärkenden Prozess. Weniger Bewohner bedeuten weniger Kunden. Weniger Kunden erhöhen den Druck auf Geschäfte und Gastronomie. Geschlossene Geschäfte wiederum vermindern die Attraktivität eines Viertels für potenzielle Bewohner.

    Ein französisches Problem mit nationaler Dimension

    Saumur steht mit dieser Herausforderung keineswegs allein. Frankreich versucht seit 2018 mit dem nationalen Programm „Action cœur de ville“, seine Mittelstädte systematisch zu stärken. Das Programm umfasst unter anderem die Sanierung von Wohnraum, wirtschaftliche Entwicklung, Handel, Mobilität und die Aufwertung öffentlicher Räume.

    In der zweiten Phase von 2023 bis 2026 rückten zusätzlich Klimaanpassung und ein sparsamerer Umgang mit Boden in den Vordergrund. Dahinter steht ein Paradigmenwechsel der französischen Raumplanung: Wachstum soll möglichst nicht mehr automatisch bedeuten, weitere Flächen am Stadtrand zu bebauen.

    Die Zahlen zeigen, weshalb diese Politik relevant bleibt. Nach Daten der französischen Agence nationale de la cohésion des territoires liegt der strukturelle Wohnungsleerstand – Immobilien, die seit mindestens zwei Jahren unbewohnt sind – in Saumur bei rund 8,7 Prozent. Das ist deutlich mehr als der für die Region Pays de la Loire ausgewiesene Durchschnitt von 2,6 Prozent und auch mehr als der nationale Vergleichswert von 5,1 Prozent innerhalb der entsprechenden „Action cœur de ville“-Daten.

    Beim Gewerbeleerstand steht Saumur dagegen vergleichsweise besser da: Er wird mit etwa 8,7 Prozent angegeben, während der Durchschnitt der betreffenden Städte in Pays de la Loire bei rund 13 Prozent liegt.

    Das macht die Strategie der Kommune nachvollziehbar. Saumur kämpft nicht gegen einen bereits vollständig verödeten Stadtkern. Die Stadt versucht vielmehr, eine vorhandene wirtschaftliche und städtebauliche Struktur zu stabilisieren, bevor Leerstand und demografischer Wandel eine schwer umkehrbare Dynamik entwickeln.

    Die Rechnung der Kommune

    Eine Prämie von 10.000 Euro pro Haushalt klingt zunächst teuer. Aus kommunalpolitischer Perspektive muss sie jedoch gegen die langfristigen Kosten des Leerstands gerechnet werden.

    Ein leer stehendes Haus verliert nicht nur privaten Wert. Dauerhafter Leerstand kann Nachbarimmobilien beeinträchtigen, Sanierungsbedarf erhöhen und ganze Straßenzüge weniger attraktiv machen. Gleichzeitig verursacht die Erschließung neuer Wohngebiete am Stadtrand öffentliche Kosten.

    Gelingt es dagegen, vorhandenen Wohnraum wieder dauerhaft zu belegen, wird bestehende Infrastruktur besser ausgelastet. Neue Einwohner zahlen lokale Abgaben, kaufen vor Ort ein und erhöhen die Nachfrage nach Dienstleistungen.

    Ob die 10.000-Euro-Prämie tatsächlich zusätzliche Käufer nach Saumur bringt oder überwiegend Menschen unterstützt, die ohnehin dort gekauft hätten, wird allerdings die entscheidende Frage sein. Genau darin liegt das klassische Problem solcher Subventionen: Ein Teil der öffentlichen Mittel kann als Mitnahmeeffekt enden.

    Auch steigende Nachfrage könnte einen Teil der Förderung langfristig in höhere Immobilienpreise übersetzen. Je größer und dauerhafter ein Zuschussprogramm wird, desto wichtiger ist deshalb eine Evaluation der tatsächlichen Wirkung.

    Eigentum als Instrument der Stadtentwicklung

    Bemerkenswert an Saumurs Ansatz ist weniger die Summe selbst als die politische Logik dahinter. Wohnungspolitik wird nicht isoliert betrachtet. Eigentumsförderung, Leerstandsbekämpfung, Sanierung, Einzelhandel und Flächennutzung werden als Teile desselben Problems verstanden.

    Das entspricht zunehmend der französischen Strategie für die villes moyennes. Jahrzehntelang konzentrierte sich die öffentliche Debatte vor allem auf die Metropolen und ihre angespannten Wohnungsmärkte. In vielen kleineren und mittleren Städten besteht jedoch das umgekehrte Problem: Wohnraum ist vorhanden, aber nicht unbedingt dort, in dem Zustand oder für jene Bevölkerungsgruppen, die für eine langfristige Stabilisierung der Stadt benötigt werden.

    Gerade deshalb können 10.000 Euro eine erstaunlich große Hebelwirkung entwickeln. In Paris wäre eine solche Summe angesichts der Immobilienpreise kaum mehr als ein Zuschuss zu den Erwerbsnebenkosten. In einer Mittelstadt wie Saumur kann sie einen relevanten Anteil der Finanzierung eines jungen Haushalts darstellen.

    Die Stadt geht damit ein kalkuliertes Experiment ein. Sie gibt heute öffentliches Geld aus, um morgen Einwohner, Kaufkraft und genutzten Wohnraum zu gewinnen. Entscheidend wird nicht sein, wie viele Förderanträge eingehen, sondern wie viele zusätzliche Haushalte sich tatsächlich dauerhaft niederlassen, wie viel leer stehender Wohnraum wieder genutzt wird und ob davon Handel und Innenstadt profitieren.

    Sollte diese Rechnung aufgehen, könnte Saumur beispielhaft für eine neue Generation kommunaler Wohnpolitik stehen: Statt immer neue Bauflächen auszuweisen, bezahlt die Stadt einen Teil des Weges zurück in den bestehenden Ort. Die 10.000 Euro wären dann nicht in erster Linie ein Geschenk an junge Käufer, sondern der Preis dafür, eine Stadt dichter, jünger und dauerhaft bewohnt zu halten.

    Quellen: Ville de Saumur, „Une aide de 10 000 € pour les primo-accédants à Saumur“ (September 2026); Ville de Saumur, „Les aides à la rénovation“ (2026); Agence nationale de la cohésion des territoires (ANCT), „Action cœur de ville“ (2026); ANCT, Fiches territoriales Maine-et-Loire und Pays de la Loire, Datenstand August 2026.

    P.T.

  • Fast jede fünfte Wohnung in Paris ist keine Hauptwohnung – doch die Zahlen erzählen eine komplexere Geschichte

    Fast jede fünfte Wohnung in Paris ist keine Hauptwohnung – doch die Zahlen erzählen eine komplexere Geschichte

    Paris leidet seit Jahren unter einer angespannten Wohnraumsituation. Steigende Mieten, ein knappes Angebot und der Rückgang dauerhaft bewohnter Wohnungen prägen die Debatte. Dabei fällt häufig die Behauptung, Hunderttausende Wohnungen stünden leer. Tatsächlich hängt die Antwort entscheidend davon ab, was unter einer „unbewohnten“ Wohnung verstanden wird.

    Grundsätzlich unterscheiden die französischen Behörden zwischen zwei Kategorien. Einerseits gibt es leerstehende Wohnungen, die unbewohnt und in der Regel unmöbliert sind oder über einen längeren Zeitraum nicht genutzt werden. Andererseits existieren Zweitwohnungen und gelegentlich genutzte Wohnungen, die zwar nicht als Hauptwohnsitz dienen, aber beispielsweise als Zweitwohnsitz, Pendlerwohnung oder zeitweise Ferienunterkunft genutzt werden.

    Nach den jüngsten von der Stadt Paris ausgewerteten Daten gibt es in der französischen Hauptstadt rund 272.000 Wohnungen, die nicht als Hauptwohnsitz genutzt werden. Das entspricht nahezu jeder fünften Wohnung im gesamten Wohnungsbestand.

    Rund 130.000 Wohnungen stehen tatsächlich leer

    Von diesen 272.000 Wohnungen entfallen etwa 48 Prozent auf leerstehende Wohnungen, was rund 130.000 Einheiten entspricht. Die übrigen 52 Prozent, rund 142.000 Wohnungen, werden als Zweitwohnungen oder gelegentlich genutzte Unterkünfte geführt.

    Diese Unterscheidung ist für die wohnungspolitische Diskussion von zentraler Bedeutung. Während leerstehende Wohnungen grundsätzlich dem regulären Wohnungsmarkt wieder zugeführt werden könnten, erfüllen Zweitwohnungen häufig andere Funktionen. Sie gehören etwa Berufspendlern, Personen mit mehreren Wohnsitzen oder Eigentümern, die ihre Wohnung nur zeitweise nutzen.

    Nicht jeder Leerstand ist ein wohnungspolitisches Problem

    Der Begriff „Leerstand“ vermittelt oft den Eindruck dauerhaft ungenutzter Wohnungen. Tatsächlich ist dies jedoch nur teilweise zutreffend.

    Ein Teil des Leerstands gilt als sogenannter friktioneller Leerstand. Dabei handelt es sich um Wohnungen, die sich lediglich vorübergehend nicht in Nutzung befinden – beispielsweise zwischen zwei Mietverhältnissen, während Renovierungsarbeiten oder im Zuge eines Erbverfahrens. Solche Leerstände gelten als normal und sind in jedem funktionierenden Wohnungsmarkt unvermeidbar.

    Nach Einschätzung der Stadt Paris sind jedoch rund 15 Prozent der leerstehenden Wohnungen bereits seit mehr als zwei Jahren ungenutzt. Diese dauerhaft leerstehenden Wohnungen stehen im Mittelpunkt der kommunalen Wohnraumpolitik. Sie sollen durch steuerliche Maßnahmen und rechtliche Instrumente möglichst wieder dem Wohnungsmarkt zugeführt werden.

    Wohnraummangel trotz hoher Zahl nicht dauerhaft bewohnter Wohnungen

    Die hohen Zahlen verdeutlichen das Spannungsfeld, in dem sich Paris befindet. Einerseits herrscht ein erheblicher Mangel an bezahlbarem Wohnraum. Andererseits existiert ein beträchtlicher Bestand an Wohnungen, die entweder gar nicht oder nur zeitweise genutzt werden.

    Besonders in den zentralen Arrondissements hat der Anteil von Zweitwohnungen und gelegentlich genutzten Wohnungen in den vergangenen Jahren zugenommen. Touristische Nutzung, internationale Eigentümer sowie der Wunsch nach einem Zweitwohnsitz in der französischen Hauptstadt haben diese Entwicklung zusätzlich verstärkt. Gleichzeitig versucht die Stadtverwaltung, den dauerhaften Wohnungsbestand zu schützen und Spekulation sowie langfristigen Leerstand einzudämmen.

    Auch steuerliche Maßnahmen spielen dabei eine wichtige Rolle. Frankreich erhebt bereits seit Jahren spezielle Abgaben auf dauerhaft leerstehende Wohnungen sowie auf Zweitwohnungen in angespannten Wohnungsmärkten. Ziel ist es, Eigentümer zu einer dauerhaften Vermietung zu bewegen und zusätzlichen Wohnraum für die Bevölkerung zu schaffen.

    Paris steht damit exemplarisch für viele europäische Metropolen, in denen steigende Immobilienpreise, internationale Kapitalanlagen und touristische Nutzung den Druck auf den Wohnungsmarkt erhöhen. Die Diskussion über leerstehende Wohnungen zeigt zugleich, dass pauschale Zahlen oft irreführend sind. Nicht jede Wohnung, die kein Hauptwohnsitz ist, steht tatsächlich leer – und nicht jeder Leerstand stellt automatisch ungenutzten Wohnraum dar.

    Entscheidend bleibt daher die Differenzierung zwischen dauerhaft leerstehenden Wohnungen und solchen, die aus nachvollziehbaren Gründen nur zeitweise oder saisonal genutzt werden. Erst diese Unterscheidung ermöglicht eine sachliche Bewertung der tatsächlichen Wohnraumsituation in Paris.

    Autor: P. Tiko

  • Paris verschärft den Kampf gegen leerstehende Wohnungen

    Paris verschärft den Kampf gegen leerstehende Wohnungen

    Der Wohnungsmarkt in Paris gehört seit Jahren zu den angespanntesten Europas. Hohe Mieten, ein knappes Angebot und eine anhaltend starke Nachfrage erschweren insbesondere Familien, Studierenden und Haushalten mit mittleren Einkommen den Zugang zu bezahlbarem Wohnraum. Vor diesem Hintergrund hat der Pariser Stadtrat eine deutliche Verschärfung der Besteuerung von leerstehenden Wohnungen beschlossen. Die Maßnahme soll Eigentümer dazu bewegen, ungenutzte Immobilien wieder dem Wohnungsmarkt zuzuführen und damit den Druck auf den Wohnungsmarkt zumindest teilweise zu mindern.

    Deutlich höhere Steuer ab 2027

    Der Pariser Stadtrat verabschiedete die Neuregelung am 17. Juli 2026. Ab dem 1. Januar 2027 werden die Steuersätze für dauerhaft leerstehende Wohnungen erheblich angehoben.

    Künftig beträgt die Steuer im ersten Jahr des Leerstands 30 Prozent des amtlichen Mietwertes der Immobilie. Bislang lag der Satz bei 17 Prozent. Ab dem zweiten Jahr erhöht sich die Abgabe von bisher 34 Prozent auf künftig 60 Prozent.

    Mit dieser Verdoppelung der Steuer verfolgt die Stadt das Ziel, den wirtschaftlichen Anreiz zu erhöhen, ungenutzte Wohnungen wieder zu vermieten oder zu verkaufen. Die Stadtverwaltung geht davon aus, dass sich in Paris rund 20.000 Wohnungen im steuerlich relevanten Leerstand befinden.

    Wohnungsnot bleibt eines der größten Probleme der Hauptstadt

    Paris leidet seit Jahren unter einem strukturellen Wohnungsmangel. Die Kombination aus begrenztem Bauland, einer hohen Bevölkerungsdichte und einer konstant starken Nachfrage hat die Mietpreise auf ein Niveau steigen lassen, das für viele Haushalte kaum noch finanzierbar ist.

    Gleichzeitig wird ein Teil des vorhandenen Wohnraums nicht dauerhaft genutzt. Während einige Wohnungen aus berechtigten Gründen leer stehen – etwa wegen umfangreicher Sanierungsarbeiten oder laufender Erbschaftsverfahren –, richtet sich die neue Steuer insbesondere gegen langfristig ungenutzte Immobilien ohne nachvollziehbaren Grund.

    Die Stadt erhofft sich, dass zusätzliche Wohnungen auf den Markt gelangen und damit zumindest ein Teil des Angebotsengpasses entschärft werden kann. Experten weisen allerdings darauf hin, dass selbst mehrere tausend zusätzliche Wohnungen die grundlegenden strukturellen Probleme des Pariser Wohnungsmarktes nicht vollständig lösen würden.

    Mieterverband begrüßt die Entscheidung

    Die Confédération nationale du logement (CNL), einer der größten französischen Mieterverbände, bezeichnete die Entscheidung als „echten Sieg“. Präsident Eddie Jacquemart sieht in der Steuererhöhung ein wichtiges Signal gegen spekulativen Leerstand.

    Nach Auffassung des Verbandes halten manche Eigentümer ihre Immobilien bewusst unvermietet, weil sie auf weiter steigende Immobilienpreise setzen und dadurch später höhere Verkaufserlöse erzielen möchten. Aus Sicht der CNL entzieht dieses Verhalten dem ohnehin angespannten Markt dringend benötigten Wohnraum.

    Darüber hinaus vermutet der Verband, dass ein Teil der offiziell als leerstehend gemeldeten Wohnungen tatsächlich als nicht deklarierte Ferienunterkünfte genutzt wird. Dadurch könnten sie den Vorschriften für kurzfristige touristische Vermietungen entgehen und gleichzeitig der Besteuerung sowie den entsprechenden Kontrollen entzogen werden.

    Steuer allein wird das Problem nicht lösen

    Trotz der positiven Bewertung der neuen Regelung warnt die CNL davor, ihre Wirkung zu überschätzen. Nach Einschätzung des Verbandes handelt es sich lediglich um einen ersten Schritt, um den Wohnungsmarkt wieder ins Gleichgewicht zu bringen.

    Langfristig seien deutlich umfassendere Maßnahmen erforderlich. Dazu gehöre insbesondere der Bau neuer Wohnungen, vor allem im sozialen Wohnungsbau. Die Nachfrage übersteige das Angebot in der französischen Hauptstadt seit Jahren deutlich, sodass zusätzliche steuerliche Instrumente allein kaum ausreichen dürften.

    Auch Stadtplaner und Wohnungsökonomen vertreten häufig die Auffassung, dass eine nachhaltige Entspannung nur durch eine Kombination verschiedener Maßnahmen möglich ist. Neben der Aktivierung leerstehender Wohnungen zählen dazu der Neubau, eine effizientere Nutzung des vorhandenen Bestands sowie eine konsequente Regulierung kurzfristiger Ferienvermietungen.

    Die nun beschlossene Steuererhöhung ist daher weniger als endgültige Lösung zu verstehen, sondern vielmehr als Teil einer umfassenderen wohnungspolitischen Strategie. Ob die höheren Abgaben tatsächlich dazu führen, dass tausende Wohnungen wieder dauerhaft vermietet werden, dürfte sich erst in den kommenden Jahren zeigen. Klar ist jedoch, dass Paris angesichts des anhaltenden Wohnungsmangels den politischen Druck auf Eigentümer erhöht, ungenutzten Wohnraum nicht länger brachliegen zu lassen.

    Andreas M. Brucker

  • Wenn ein verlassenes Haus ein ganzes Viertel in Geiselhaft nimmt

    Wenn ein verlassenes Haus ein ganzes Viertel in Geiselhaft nimmt

    Nördlich von Lille spielt sich in einem gewöhnlichen Wohnviertel ein Drama ab, das viele Bewohner an dunkle Zeiten erinnert. Nicht Lärm, Gewalt oder Verkehr rauben ihnen den Alltag – sondern ein verlassenes Haus. Was von außen bloß wie eine verfallene Immobilie erscheint, entwickelte sich nach Aussagen der Anwohner zur regelrechten Brutstätte für Ratten. Fenster bleiben geschlossen, Dachluken verriegelt. Die Furcht vor eindringenden Nagern prägt das tägliche Leben. Manche Bewohner schildern ihre Lage wie eine unfreiwillige Quarantäne. Ein Gefühl des Eingesperrtseins macht sich breit – mitten in einem urbanen Raum, nicht irgendwo am Rand der Republik. Der Fall zeigt in bedrückender Klarheit, dass Leerstand weit mehr bedeutet als bröckelnde Fassaden oder optischen Verfall. Wo Gebäude über Jahre unbeaufsichtigt bleiben, entstehen gesundheitliche Gefahren, soziale Spannungen und wachsendes Misstrauen gegenüber Behörden. Verwahrlosung frisst sich nicht nur durch Mauern, sondern auch durch d…

    [wtr-time]

    Der weitere Text ist unseren Abonnenten vorbehalten.


    Warum ein Abo? Weil guter Journalismus seinen Preis hat.

    Information mag frei zugänglich sein – aber Journalismus ist kein Selbstläufer. Recherchen, Interviews, Faktenchecks und Einordnungen erfordern Zeit, Expertise und Verantwortung.

    Wer unabhängige, fundierte Berichterstattung will, muss sie ermöglichen. Werbefinanzierung allein reicht nicht – sonst entscheiden Klickzahlen über Inhalte.

    Ein Abonnement ist kein Eintrittsgeld, sondern ein Bekenntnis: zur Qualität, zur Unabhängigkeit und zu einer informierten Öffentlichkeit.

    Information ist frei. Journalismus kostet. Und genau deshalb lohnt sich ein Abo.


    Abo-Light – das Monatsabonnement zum schlanken Preis

    Alle Artikel für 0,50 € pro Woche. Das Abo wird monatlich mit 2 € abgerechnet und ist monatlich kündbar.

    Monatsabonnement buchen…


    Premium-Abo – das Jahresabonnement mit wertvollen Add-Ons

    Alle Artikel für 0,38 € pro Woche. Das Abo wird jährlich mit 20 € abgerechnet und ist jährlich kündbar.

    Das Premium-Jahres-Abo bietet unbegrenzten Zugriff auf unseren individuellen Reiseplaner.

    Und regelmässig wechselnde ausgewählte E-Books zum kostenlosen Download.


    Jahresabonnement buchen…


    Lebenslang – das Premium-Abo für immer

    Für eine einmalige Zahlung für nur 36 €. Unbegrenzter Zugriff – ein Leben lang.

    Das Premium-Abo-Lebenslang bietet unbegrenzten Zugriff auf unseren individuellen Reiseplaner.

    Und regelmässig wechselnde ausgewählte E-Books zum kostenlosen Download.


    „Abo-Lebenslang“ buchen…


     

     

  • Blois zieht die Zügel an: Kampf gegen leerstehende Läden im Herzen der Stadt

    Blois zieht die Zügel an: Kampf gegen leerstehende Läden im Herzen der Stadt

    In Blois tobt ein leiser, aber folgenreicher Konflikt: Die Stadtverwaltung geht entschieden gegen Eigentümer vor, deren Geschäftsräume seit Jahren leer stehen. Denn wo früher Schaufenster lebten, herrscht heute gähnende Leere – und genau das will die Kommune nicht länger hinnehmen. Die Diagnose ist eindeutig: Leerstand, überhöhte Mieten, verfallende Gebäude. Und die Geduld der Politik schwindet. Ein Zentrum, das um Luft ringt 9,7 Prozent der Geschäfte im Bloiser Zentrum standen 2024 leer. Ein Anstieg gegenüber dem Vorjahr, der zum Warnsignal geworden ist. Noch kein dramatischer Kollaps – aber die Kurve zeigt nach oben. Die Ursachen sind schnell umrissen: Viele Eigentümer verlangen Mieten, die schlicht nicht mehr zum Markt passen. Ein paradoxes Bild: Interessierte Händler gäbe es durchaus, doch die Kalkulation stimmt nicht mehr. Wer heute in einer mittelgroßen Stadt wie Blois ein Geschäft eröffnen will, hat geringere Margen, geringere Passantenströme – aber Mieten, die auf dem Niveau ve…

    [wtr-time]

    Der weitere Text ist unseren Abonnenten vorbehalten.


    Warum ein Abo? Weil guter Journalismus seinen Preis hat.

    Information mag frei zugänglich sein – aber Journalismus ist kein Selbstläufer. Recherchen, Interviews, Faktenchecks und Einordnungen erfordern Zeit, Expertise und Verantwortung.

    Wer unabhängige, fundierte Berichterstattung will, muss sie ermöglichen. Werbefinanzierung allein reicht nicht – sonst entscheiden Klickzahlen über Inhalte.

    Ein Abonnement ist kein Eintrittsgeld, sondern ein Bekenntnis: zur Qualität, zur Unabhängigkeit und zu einer informierten Öffentlichkeit.

    Information ist frei. Journalismus kostet. Und genau deshalb lohnt sich ein Abo.


    Abo-Light – das Monatsabonnement zum schlanken Preis

    Alle Artikel für 0,50 € pro Woche. Das Abo wird monatlich mit 2 € abgerechnet und ist monatlich kündbar.

    Monatsabonnement buchen…


    Premium-Abo – das Jahresabonnement mit wertvollen Add-Ons

    Alle Artikel für 0,38 € pro Woche. Das Abo wird jährlich mit 20 € abgerechnet und ist jährlich kündbar.

    Das Premium-Jahres-Abo bietet unbegrenzten Zugriff auf unseren individuellen Reiseplaner.

    Und regelmässig wechselnde ausgewählte E-Books zum kostenlosen Download.


    Jahresabonnement buchen…


    Lebenslang – das Premium-Abo für immer

    Für eine einmalige Zahlung für nur 36 €. Unbegrenzter Zugriff – ein Leben lang.

    Das Premium-Abo-Lebenslang bietet unbegrenzten Zugriff auf unseren individuellen Reiseplaner.

    Und regelmässig wechselnde ausgewählte E-Books zum kostenlosen Download.


    „Abo-Lebenslang“ buchen…


     

     

  • Drama ohne Verletzte – Gebäude-Einsturz mitten in Amiens

    Drama ohne Verletzte – Gebäude-Einsturz mitten in Amiens

    Freitagmittag, 8. August 2025, es ist kurz nach zwölf. Auf der Place au Feurre, mitten im Herzen von Amiens, bricht plötzlich die Fassade eines längst geschlossenen Hotels in sich zusammen. Sekunden später liegt der einst stolze Ibis-Bau in einem chaotischen Haufen aus Backsteinen, Balken und Staub. Wer zufällig in diesem Moment vorbeigelaufen wäre, wäre womöglich nur knapp dem Unglück entkommen – doch wie durch ein Wunder sieht man auf den Überwachungsvideos: Kein Mensch befand sich in unmittelbarer Nähe. Der Schreck sitzt dennoch tief. Passanten bleiben wie angewurzelt stehen, Anwohner schauen ungläubig aus den Fenstern, Sirenen durchschneiden die sommerliche Mittagshitze.

    Rettungskräfte im Großeinsatz Binnen Minuten rückt ein Großaufgebot an: 48 Feuerwehrleute, unterstützt von Suchhunden und Drohnen, sichern die Trümmer. Nicht nur, um auszuschließen, dass doch noch jemand verschüttet wurde – auch, um das Areal vor weiter…

    [wtr-time]

    Der weitere Text ist unseren Abonnenten vorbehalten.


    Warum ein Abo? Weil guter Journalismus seinen Preis hat.

    Information mag frei zugänglich sein – aber Journalismus ist kein Selbstläufer. Recherchen, Interviews, Faktenchecks und Einordnungen erfordern Zeit, Expertise und Verantwortung.

    Wer unabhängige, fundierte Berichterstattung will, muss sie ermöglichen. Werbefinanzierung allein reicht nicht – sonst entscheiden Klickzahlen über Inhalte.

    Ein Abonnement ist kein Eintrittsgeld, sondern ein Bekenntnis: zur Qualität, zur Unabhängigkeit und zu einer informierten Öffentlichkeit.

    Information ist frei. Journalismus kostet. Und genau deshalb lohnt sich ein Abo.


    Abo-Light – das Monatsabonnement zum schlanken Preis

    Alle Artikel für 0,50 € pro Woche. Das Abo wird monatlich mit 2 € abgerechnet und ist monatlich kündbar.

    Monatsabonnement buchen…


    Premium-Abo – das Jahresabonnement mit wertvollen Add-Ons

    Alle Artikel für 0,38 € pro Woche. Das Abo wird jährlich mit 20 € abgerechnet und ist jährlich kündbar.

    Das Premium-Jahres-Abo bietet unbegrenzten Zugriff auf unseren individuellen Reiseplaner.

    Und regelmässig wechselnde ausgewählte E-Books zum kostenlosen Download.


    Jahresabonnement buchen…


    Lebenslang – das Premium-Abo für immer

    Für eine einmalige Zahlung für nur 36 €. Unbegrenzter Zugriff – ein Leben lang.

    Das Premium-Abo-Lebenslang bietet unbegrenzten Zugriff auf unseren individuellen Reiseplaner.

    Und regelmässig wechselnde ausgewählte E-Books zum kostenlosen Download.


    „Abo-Lebenslang“ buchen…


     

     

  • Arras kämpft um sein Herz – Wie eine Stadt ihr Zentrum lebendig halten will

    Arras kämpft um sein Herz – Wie eine Stadt ihr Zentrum lebendig halten will

    Der Charme von Arras liegt nicht nur in seinen prachtvollen flämischen Fassaden und historischen Plätzen – sondern auch in seinem lebendigen Zentrum. Doch wie viele mittelgroße Städte in Frankreich steht auch Arras vor einer harten Realität: dem täglichen Kampf der lokalen Händler um Kundschaft, Präsenz und wirtschaftliches Überleben.

    Fortschritt ja – aber gebremst

    Seit 2016 unternimmt die Stadt große Anstrengungen, um ihren Stadtkern zu revitalisieren. Unterstützt durch das nationale Programm „Action cœur de ville“, wurden bis 2020 23 Gebäude renoviert, 43 Wohnungen geschaffen und 56 neue Geschäfte eröffnet. Die Leerstandsquote sank deutlich – von 22 Prozent im Jahr 2016 auf 9 Prozent nur vier Jahre später. Klingt nach Erfolg, oder?

    Doch wer durch die Gassen von Arras schlendert, spürt: Die Herausforderungen bleiben. Die Konkurrenz durch Einkaufszentren am Stadtrand und der Onlinehandel machen vielen kleinen Läden schwer zu schaffen. Hinzu kommen die Spätfolgen der Corona-Pandemie – mit erschöpften Rücklagen und verändertem Kaufverhalten der Bürger.

    Lokale Antworten auf globale Probleme

    Die Stadt hat reagiert: Eine eigene Anlaufstelle für Geschäftsleute unterstützt bei Fassadenrenovierungen, Geschäftseröffnungen und konkreten Finanzhilfen. Dazu kommen Studien, die den Bedarf in einzelnen Vierteln ermitteln – um Leerstand gezielter zu bekämpfen.

    Doch damit nicht genug. Arras setzt auf Partnerschaften – etwa mit der URSSAF oder dem Handelsgericht – um frühzeitig eingreifen zu können, wenn Unternehmen ins Schlingern geraten. Es geht um Prävention, nicht bloß um Schadensbegrenzung.

    Kultur trifft Kaufkraft

    Die Stadt denkt dabei über das rein Wirtschaftliche hinaus. Mit Pop-up-Stores, Straßenfesten und einer gezielten Förderung des lokalen Handwerks wird das Zentrum zum Erlebnisort. Denn ein belebter Stadtkern braucht mehr als Schaufenster – er braucht Atmosphäre.

    Auch Nachhaltigkeit spielt eine Rolle: Mehr Fahrradwege, bessere Busverbindungen und eine Aufwertung des öffentlichen Raums sollen den Zugang erleichtern und die Innenstadt langfristig stärken. Denn was nützt das schönste Schaufenster, wenn niemand daran vorbeigeht?

    Ein Modell mit Vorbildfunktion?

    Arras ist bei weitem kein Einzelfall. Städte wie Pau, Bourges oder Laval kämpfen mit ähnlichen Problemen – und könnten von den Ansätzen in Arras lernen. Denn klar ist: Wer Innenstadtentwicklung nur mit Beton und Parkplätzen denkt, greift zu kurz. Es braucht ein ganzheitliches Konzept – sozial, wirtschaftlich und kulturell.

    Die Händler in Arras wünschen sich vor allem eines: eine verlässliche Perspektive. Wer einen Laden führt, braucht Planungssicherheit – und eine Stadt, die an die eigene Zukunft glaubt. Mit gezielter Unterstützung, klugen Investitionen und dem Mut, neue Wege zu gehen, kann das gelingen.

    Und was bleibt?

    Arras zeigt, dass man gegen Leerstand, Onlinehandel und Passivität ankommen kann – wenn man früh genug anfängt und konsequent bleibt. Doch die Balance bleibt empfindlich. Der kleinste Rückschritt, und der Weg nach vorne wird steinig.

    Vielleicht ist genau das die eigentliche Herausforderung: Nicht nur das Zentrum zu renovieren – sondern seine Seele lebendig zu halten.

    Von M.A.B.