Schlagwort: Lebensmittel

  • Scannen statt schlucken: Wie Yuka und Open Food Facts unsere Ernährung revolutionieren wollen

    Scannen statt schlucken: Wie Yuka und Open Food Facts unsere Ernährung revolutionieren wollen

    Der Supermarkt ist längst kein Ort bloßer Versorgung mehr. Wer heute durch die Regale wandert, zückt sein Smartphone wie ein Kompass – und scannt, statt einfach zu kaufen. Zwei digitale Helfer haben diesen Wandel wesentlich mitgestaltet: Yuka und Open Food Facts. Was zunächst wie Spielerei wirkt, ist in Wahrheit Teil eines kulturellen Umbruchs. Es geht um nicht weniger als die Rückeroberung der Kontrolle über das, was täglich auf unseren Tellern landet. Wissen, was drinsteckt Open Food Facts war der Anfang. Eine offene, kollaborative Datenbank, in der Millionen von Produkten weltweit erfasst sind – samt Nährwertangaben, Zusatzstoffen, Verarbeitungsgrad, zunehmend auch mit Umweltinformationen. Wer will, kann mitmachen: Daten einpflegen, korrigieren, ergänzen. Was daraus entsteht, ist weit mehr als eine Liste – es ist eine Art Wikipedia unserer Ernährung. Yuka dagegen macht diese Informationen für den Alltag zugänglich. Die App vergibt Noten – von Grün bis Rot – und bewertet Produkte nac…

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  • Schneckenklau in der Champagne – Ein Jahr Arbeit in einer Nacht geraubt

    Schneckenklau in der Champagne – Ein Jahr Arbeit in einer Nacht geraubt

    In der Stille der Nacht, dort, wo normalerweise nur das leise Rascheln der Weinberge und das Zirpen der Insekten die Dunkelheit durchdringen, schlugen Unbekannte zu. Ihr Ziel: ein Hof in Bouzy, einem verschlafenen Ort in der Marne, bekannt für Champagner – und für Schnecken. Jean-Mathieu Dauvergne, Héliciculteur mit Leib und Seele, stand am nächsten Morgen vor einem leeren Kühlhaus. Was fehlte? 450 Kilo Schneckenfleisch – seine gesamte Jahresproduktion, sorgfältig gezüchtet, gepflegt, geerntet. Ein Verlust, der nicht nur finanziell schmerzt. „Das ist ein Stück von mir“, sagt Dauvergne. Kein Pathos, nur bittere Wahrheit. Denn hinter jeder Schnecke steckt nicht nur Arbeit, sondern auch Verantwortung – gegenüber Mitarbeitern, Saisonkräften, Kunden. Das gestohlene Fleisch war für rund 120.000 gefüllte Schneckenhäuser bestimmt – ein Festschmaus, der nun ausfällt. Die Spuren im Schlamm erzählen alles Es brauchte keine Kommissare mit Lupen, sondern nur einen Blick auf die matschigen Reifenspu…

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  • Das Salz in der Butter – Wie die halbsalzige Butter Frankreichs Geschmack verändert

    Das Salz in der Butter – Wie die halbsalzige Butter Frankreichs Geschmack verändert

    Frankreich liebt Butter. Und zwar nicht zu knapp: Rund acht Kilogramm pro Kopf und Jahr kommen hierzulande auf Brote, in Soßen, Croissants oder Bratpfannen. Doch still und leise vollzieht sich in den Supermarktregalen und auf den Frühstückstischen ein Wandel.Die halbsalzige Butter – le beurre demi-sel – ist auf dem Vormarsch.Könnte sie die klassische, süße Butter eines Tages vom Thron stoßen?

    Eine Nation und ihre Butter Frankreich zählt zu den größten Butterkonsumenten der Welt. Butter ist hier nicht bloß ein Fettstoff – sie ist ein Kulturgut, ein Grundpfeiler der französischen Küche.Doch während die süße Butter (ohne Salz) lange Zeit das Maß aller Dinge war, beginnt sich das Verhältnis zu verschieben. Laut aktuellen Handelsdaten entfallen mittlerweile 34 Prozent der Verkaufsmenge auf halbsalzige Butter. In der Bretagne – wo das Salz seit Jahrhunderten zur Butter gehört – liegt der Anteil gar bei 81 Prozent. Selbst in der Île-de-France steigt der Marktanteil Jahr für Jahr.Ein stilles,…

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  • Frankreichs süße Sucht: Warum Zucker die größte Versuchung bleibt

    Frankreichs süße Sucht: Warum Zucker die größte Versuchung bleibt

    35 Kilo. So viel Zucker verzehrt jeder Mensch in Frankreich pro Jahr – im Durchschnitt. Das entspricht fast dem Doppelten des weltweiten Konsums und klar ist: Auch wenn das Bild vom Croissant zum Frühstück oder der Crème brûlée am Abend romantisch wirkt, ist es vor allem der versteckte Zucker in Fertigprodukten, der diesen Wert in die Höhe treibt.Ein süßes Problem, das längst nicht mehr nur eine Frage von Genuss ist, sondern von Gesundheit und Politik.

    Zucker – der unsichtbare Begleiter Man muss nicht einmal den Löffel in die Kaffeetasse tauchen, um täglich Unmengen an Zucker aufzunehmen. Er steckt im Joghurt, im Müsliriegel, in der Tiefkühlpizza und sogar im Salatdressing. Die französische Lebensmittelbehörde Anses schlägt Alarm: Rund ein Viertel aller Erwachsenen und Jugendlichen konsumiert mehr als 100 Gramm Zucker pro Tag. Bei Kindern sieht es noch dramatischer aus – 60 Prozent der Acht- bis Zwölfjährigen und sogar drei von vier Kindern im Alter zwischen vier und sieben Jahren lie…

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  • Kommentar: Mit Gift im Acker – Warum wir uns mit unserem Essen selbst vergiften

    Kommentar: Mit Gift im Acker – Warum wir uns mit unserem Essen selbst vergiften

    Frankreich – Land des Weins, des Baguettes, der feinen Küche. Doch unter dem sattgrünen Kleid seiner Felder verbirgt sich eine bittere Wahrheit: Wir vergiften uns selbst. Mit System. Und mit stillschweigender Billigung der Politik.

    Rund 65.000 Tonnen Pestizide landen jedes Jahr auf den Äckern Frankreichs – ein Drittel des europäischen Gesamtverbrauchs. Das ist keine Randnotiz, das ist eine nationale Tragödie mit Ansage. Die Frage ist nicht mehr, ob unsere Umwelt kontaminiert ist. Sie ist es längst. Die Böden. Die Flüsse. Das Grundwasser. Selbst die Luft.

    Ich erinnere mich an einen Sommerabend in der Bretagne. Goldene Felder, ein leichter Wind, Kinder, die barfuß über die Wiese rannten. Später erfuhr ich, dass genau dort – zwischen Getreide und Apfelbäumen – die Pestizidwerte im Boden das Zehnfache des zulässigen Grenzwerts überschritten. Ein Paradies, das zur chemischen Falle geworden war.

    Was ist das für ein Land, das stolz auf seine Landwirtschaft ist, aber den eigenen Nahrungsquellen beim Sterben zusieht?

    Die Apokalypse beginnt nicht mit einem Donnerschlag – sie beginnt leise. Mit dem Verschwinden der Insekten. Mit dem Rückzug der Vögel. Mit Kindern, die Rückstände von fünf oder mehr Pestiziden im Körper tragen. Und mit Bäuerinnen und Bauern, die sich mit Parkinson, Krebs oder unheilbaren Nervenschäden auseinandersetzen – nur weil sie ihren Beruf ausüben.

    Und was macht die Politik? Sie schreibt Pläne, die scheitern. Sie verlängert Fristen, die nie halten. Und sie winkt 2025 eine Gesetzesänderung durch, die hochtoxische Neonicotinoide wieder erlaubt – Stoffe, von denen wir längst wissen, dass sie Bienenvölker auslöschen wie Frost eine zarte Blüte. Was für ein Wahnsinn.

    Dabei gäbe es Wege aus der Sackgasse. Wege, die nicht ins Labor, sondern in die Zukunft führen. Agroökologie. Biolandbau. Kreislaufwirtschaft. Projekte, die zeigen: Es geht auch anders. Dass Ertrag nicht Gift bedeuten muss. Dass Ernährungssicherheit und Umweltschutz kein Widerspruch sind.

    Aber dazu braucht es Mut. Und ein anderes Denken.

    Vielleicht beginnt dieser Wandel nicht in den Ministerien, sondern bei uns – beim Einkauf, beim Kochen, im Gespräch mit den Kindern. Vielleicht müssen wir wieder lernen, dass „natürlich“ mehr ist als ein Marketingslogan. Dass jede Kartoffel, die ohne Gift wächst, ein politischer Akt ist.

    Denn am Ende geht es um mehr als nur um Essen.

    Es geht um die Frage: Welches Erbe hinterlassen wir?

    Ein Boden, der nährt – oder einer, der krank macht?

    Ein Land, das stolz auf seine Landwirtschaft ist – oder eins, das sie stillschweigend opfert?

    Die Antwort liegt in unseren Händen – und auf unseren Tellern.

    Autor: Andreas M. Brucker

  • 150 Euro pro Monat für gesunde Ernährung? So funktioniert die geplante „Sicherheitskasse für Lebensmittel“

    150 Euro pro Monat für gesunde Ernährung? So funktioniert die geplante „Sicherheitskasse für Lebensmittel“

    Stell dir vor, du bekommst jeden Monat 150 Euro, um hochwertige Lebensmittel zu kaufen – und das ganz unabhängig von deinem Einkommen. Klingt gut? Genau das steckt hinter der Idee der „Sécurité sociale de l’alimentation“ – einer Art Sicherheitskasse für Lebensmittel. Die Grünen in Frankreich haben einen Gesetzesvorschlag eingebracht, um dieses Modell landesweit zu testen. Am 20. Februar wird das Thema in der Nationalversammlung diskutiert. Doch wie genau soll das funktionieren?

    Ein solidarisches System für bessere Ernährung Die Grundidee ist simpel: Jeder zahlt – je nach Einkommen – eine Sozialabgabe und erhält im Gegenzug monatlich 150 Euro, die in bestimmten Geschäften, auf Märkten oder bei Landwirten ausgegeben werden können. So ähnlich wie bei der Krankenversicherung, nur eben für Lebensmittel. Der grüne Abgeordnete Charles Fournier beschreibt das Ziel so:

    „Wir wollen die Prinzipien der Sozialversicherung auf den Bereich Ernährung ausweiten.“

    Drei Kernpunkte machen das Modell be…

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  • Inflationswende in Frankreich: Preise stabilisierten sich 2024 deutlich

    Inflationswende in Frankreich: Preise stabilisierten sich 2024 deutlich

    Die Inflation hat 2024 einen bemerkenswerten Rückgang verzeichnet – ein deutlicher Kontrast zu den vorangegangenen Jahren. Die Verbraucherpreise stiegen im Jahresdurchschnitt nur um 2 %, wie das französische Statistikamt Insee am 15. Januar bekanntgab. Zum Vergleich: 2023 lag die Teuerungsrate noch bei 4,9 %, während sie 2022 sogar 5,2 % betrug. Besonders auffällig ist die Entwicklung bei den Lebensmitteln, deren Preise nur um 1,4 % anstiegen – eine erhebliche Verlangsamung im Vergleich zu den satten 11,8 % des Vorjahres.

    Rückgang der Lebensmittelpreise: Ein Zeichen der Entspannung? Der Preisanstieg bei Lebensmitteln war in den letzten Jahren ein schmerzlicher Punkt für viele Haushalte. 2024 zeigte sich hier jedoch eine unerwartete Kehrtwende. Mit nur 1,4 % Preissteigerung hat sich das Wachstum drastisch verlangsamt. Dies ist nicht nur eine gute Nachricht für Verbraucher, sondern auch ein Signal dafür, dass sich die Märkte stabilisieren könnten. Doch worauf ist dieser Rückgang zurückz…

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  • Zu viel gegessen an Weihnachten? Festliche Essenskörbe gegen Lebensmittelverschwendung in Frankreich

    Zu viel gegessen an Weihnachten? Festliche Essenskörbe gegen Lebensmittelverschwendung in Frankreich

    Weihnachten – ein Fest des Genusses, aber oft auch des Überflusses. Wenn die Festtagstafel überquillt, ist der Magen schnell überfordert. Doch was tun mit den vielen übrig gebliebenen Köstlichkeiten? Wegwerfen? Eine Lösung, die nicht mehr zeitgemäß ist. In Frankreich setzen immer mehr Unternehmen auf sogenannte „paniers festifs“ – festliche Essenskörbe, die gegen Lebensmittelverschwendung wirken sollen.

    Eine kreative Lösung für üppige Reste

    Jedes Jahr landen nach den Feiertagen Tonnen von Lebensmitteln im Müll. Das betrifft nicht nur Haushalte, sondern auch Supermärkte, Restaurants und Caterer, die ihre überschüssigen Vorräte entsorgen. Genau hier setzen die festlichen Essenskörbe an. Sie bieten eine Win-win-Situation: Menschen können hochwertige Lebensmittel zu einem reduzierten Preis erwerben, und die Umwelt wird entlastet.

    Die Idee dahinter ist simpel: Übrig gebliebene, aber vollkommen genießbare Lebensmittel – wie edler Käse, Pasteten, Weihnachtsplätzchen oder auch frisches Obst – werden in ansprechenden Körben zusammengestellt und verkauft. So bekommen die Festtagsreste eine zweite Chance.

    Große Resonanz bei der Bevölkerung

    In Frankreich stoßen diese festlichen Körbe auf großes Interesse. Plattformen wie Too Good To Go oder Phenix, die sich bereits auf die Rettung von Lebensmitteln spezialisiert haben, bieten in der Weihnachtszeit spezielle Aktionen an. Viele Bäckereien, Supermärkte und Feinkostläden schließen sich an. Die Preise der Körbe sind oft stark reduziert, was sie nicht nur nachhaltig, sondern auch attraktiv für den Geldbeutel macht.

    Ein Beispiel: Ein Feinkostladen in Paris stellte nach Weihnachten Körbe mit übrig gebliebenen Foie Gras, Champagner und Pralinen zusammen – und die Nachfrage war riesig. Innerhalb weniger Stunden waren die Körbe ausverkauft.

    Warum Wegwerfen nicht mehr zeitgemäß ist

    Lebensmittelverschwendung ist längst nicht mehr nur ein ethisches, sondern auch ein ökologisches Problem. Die Produktion von Nahrungsmitteln verursacht erhebliche CO₂-Emissionen, verbraucht Wasser und Ressourcen. Werden diese Lebensmittel dann weggeworfen, bedeutet das eine doppelte Verschwendung.

    Frankreich hat bereits 2016 ein Gesetz eingeführt, das Supermärkte verpflichtet, unverkaufte Lebensmittel zu spenden, statt sie zu entsorgen. Mit den festlichen Körben geht das Land noch einen Schritt weiter, um auch auf Verbraucherebene das Bewusstsein für nachhaltigen Konsum zu stärken.

    Tipps, wie jeder mitmachen kann

    Nicht nur Geschäfte und Plattformen können etwas gegen Lebensmittelverschwendung tun – auch im eigenen Haushalt gibt es einfache Möglichkeiten, Reste zu nutzen:

    • Kreative Rezepte: Aus übrig gebliebenem Fleisch lassen sich leckere Eintöpfe oder Sandwiches zaubern. Überreifes Obst eignet sich perfekt für Smoothies oder Kompott.
    • Einfrieren: Viele Speisen, von Kuchen bis hin zu herzhaften Gerichten, lassen sich problemlos einfrieren und später genießen.
    • Teilen: Warum nicht einen Teil der Festtagsreste mit Nachbarn oder Freunden teilen? Das stärkt die Gemeinschaft und sorgt für weniger Abfall.

    Ein Trend mit Zukunft

    Die festlichen Essenskörbe sind mehr als nur eine kurzfristige Lösung für die Feiertage – sie sind ein Symbol für einen bewussteren Umgang mit Lebensmitteln. Frankreich zeigt, dass es möglich ist, Tradition und Nachhaltigkeit zu verbinden. Und wer weiß? Vielleicht werden solche Aktionen in Zukunft auch außerhalb der Festtage zur Norm.

    Am Ende bleibt die Frage: Warum sollte man gutes Essen verschwenden, wenn es so viele kreative Möglichkeiten gibt, es sinnvoll zu nutzen? Ein festliches Mahl muss schließlich nicht nur am Weihnachtsabend Freude bereiten – es kann auch die Tage danach noch ein Genuss sein.

  • Krise um hohe Lebenshaltungskosten in Martinique:  Lebensmittel 20% billiger – aber der Protest geht weiter

    Krise um hohe Lebenshaltungskosten in Martinique: Lebensmittel 20% billiger – aber der Protest geht weiter

    In dem französischen Übersee-Gebiet Martinique herrscht seit Anfang September Unruhe, ausgelöst durch die drastisch hohen Lebenshaltungskosten, insbesondere bei Lebensmitteln. Trotz eines neuen Abkommens, das die Preise für bestimmte Lebensmittel um durchschnittlich 20 % senken soll, ist die Stimmung auf der Karibikinsel weiterhin angespannt. Der Grund? Das Abkommen konnte den zentralen Protestbewegungen nicht gerecht werden – und der Widerstand gegen die hohen Preise hält an. Ein scheinbarer Durchbruch – aber nicht für alle Am 16. Oktober 2024 verkündete der Präfekt von Martinique, Jean-Christophe Bouvier, die Unterzeichnung eines Abkommens zur Preissenkung von Lebensmitteln. Der ausgehandelte Vertrag sieht vor, die Preise für eine Liste von 54 Produktgruppen – darunter die in Martinique am häufigsten konsumierten Lebensmittel – um etwa 20 % zu senken. Dies wurde nach einem siebten Verhandlungstag zwischen der französischen Regierung, lokalen Akteuren wie Supermärkten und dem Grand Po…

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  • Internationaler Tag gegen Lebensmittelverschwendung: Ein Tag der Reflexion und des Handelns

    Internationaler Tag gegen Lebensmittelverschwendung: Ein Tag der Reflexion und des Handelns

    Jedes Jahr am 29. September begehen wir den Internationalen Tag der Aufmerksamkeit für Lebensmittelverluste und -verschwendung. Ein sperriger Titel, könnte man meinen – doch hinter diesem Tag steckt eine dringliche und zugleich globale Herausforderung, die uns alle betrifft. Egal, ob wir täglich bewusst einkaufen oder hin und wieder Lebensmittelreste im Müll entsorgen, das Thema berührt jeden von uns. Die Frage ist: Warum verschwenden wir so viel und was können wir konkret dagegen tun?

    Was steckt hinter dem Tag?

    Die Vereinten Nationen haben diesen Tag ins Leben gerufen, um das Bewusstsein für den immensen Verlust von Lebensmitteln auf der ganzen Welt zu schärfen. Laut Schätzungen der FAO (Food and Agriculture Organization) geht etwa ein Drittel aller weltweit produzierten Nahrungsmittel verloren oder wird verschwendet – ein schockierender Fakt, wenn man bedenkt, dass gleichzeitig Millionen von Menschen an Hunger leiden. Dieser Tag fordert uns auf, innezuhalten und zu überlegen, wie wir mit den Ressourcen unserer Erde umgehen.

    Lebensmittelverluste und -verschwendung haben viele Gesichter. Sie beginnen bereits auf dem Acker, wenn Ernteüberschüsse nicht verkauft werden können und enden auf unseren Tellern, wenn wir mehr kochen, als wir essen können. Zwischen diesen beiden Extremen gibt es viele weitere Faktoren: ineffiziente Lagerung, Transportprobleme, Supermärkte, die nur makellose Ware anbieten – und natürlich unsere eigene Kauf- und Konsumgewohnheiten.

    Die Folgen der Verschwendung

    Lebensmittelverluste sind nicht nur ein ethisches Problem. Sie haben tiefgreifende ökologische und ökonomische Konsequenzen. Stell dir vor: Alle Lebensmittel, die weltweit verschwendet werden, nehmen eine Anbaufläche ein, die fast der Größe von China entspricht. Hinzu kommt, dass der unnötige Einsatz von Wasser, Energie und Dünger enorme CO2-Emissionen verursacht – und das alles für Lebensmittel, die nie gegessen werden.

    Für die Umwelt ist das eine Katastrophe. Besonders die Lebensmittel, die in der Mülltonne landen, sind eine immense Belastung. Beim Verrotten auf Mülldeponien setzen sie Methan frei – ein Treibhausgas, das viel stärker als CO2 wirkt. Kurz gesagt: Wenn wir weniger Lebensmittel verschwenden, tragen wir gleichzeitig aktiv zum Klimaschutz bei.

    Aber warum verschwenden wir so viel?

    Es ist eine spannende Frage, oder? Schließlich wissen wir doch alle, dass Lebensmittel wertvoll sind. Viele von uns haben in der Schule gelernt, keine Nahrung wegzuwerfen. Trotzdem passiert es im Alltag – und das liegt nicht nur an unserer Bequemlichkeit oder Nachlässigkeit. Die Ursachen sind vielfältig.

    Ein Hauptgrund ist sicherlich unser Überangebot an Lebensmitteln. Supermärkte sind rund um die Uhr gefüllt, und in vielen Haushalten bedeutet „gut versorgt“ sein, dass der Kühlschrank überquillt. Wir kaufen oft mehr, als wir brauchen. Angebote wie „3 für 2“ verlocken uns zusätzlich, obwohl wir das Dritte gar nicht mehr schaffen, bevor es schlecht wird. Der Gedanke, dass jederzeit Nachschub vorhanden ist, lässt uns sorgloser werden.

    Ein weiterer Grund: Unser Verhältnis zu Haltbarkeitsdaten. Wie oft werfen wir Lebensmittel weg, nur weil das Mindesthaltbarkeitsdatum überschritten ist? Dabei heißt das nicht zwangsläufig, dass das Produkt nicht mehr genießbar ist. Hier fehlen oft Aufklärung und das Vertrauen in die eigenen Sinne. Geruch, Geschmack und Aussehen geben meist einen viel besseren Hinweis auf die Genießbarkeit als ein aufgedrucktes Datum.

    Die Rolle der Industrie und Politik

    Neben uns Konsumenten tragen natürlich auch andere Akteure Verantwortung – von der Landwirtschaft über die Lebensmittelindustrie bis hin zur Politik. In der Landwirtschaft gehen viele Produkte schon während der Ernte verloren, weil sie nicht die ästhetischen Ansprüche des Marktes erfüllen. Krummes Gemüse bleibt auf den Feldern liegen, weil Supermärkte makellose Produkte bevorzugen. Aber warum sollten wir keine krummen Gurken oder unregelmäßig geformte Karotten essen? Sie schmecken doch genauso gut!

    Einige Initiativen setzen hier bereits an. Landwirte verkaufen „unperfekte“ Ware direkt an Verbraucher oder über spezielle Apps, die sich der Rettung von überschüssigen Lebensmitteln verschrieben haben. Diese Ideen sind fantastisch – aber reichen sie aus? Ohne politischen Druck und striktere Regelungen bleibt das Problem bestehen.

    Politische Maßnahmen sind unerlässlich, um große Fortschritte zu erzielen. Einige Länder haben bereits Gesetze erlassen, die Supermärkte dazu verpflichten, unverkaufte Lebensmittel zu spenden, anstatt sie wegzuwerfen. In Frankreich etwa sind solche Maßnahmen bereits seit 2016 in Kraft. Es ist ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung. Aber der globale Charakter des Problems erfordert auch globales Handeln – und das nicht nur auf staatlicher Ebene.

    Was können wir tun?

    Auch wenn Industrie und Politik gefragt sind, bedeutet das nicht, dass wir als Einzelpersonen machtlos sind. Ganz im Gegenteil: Jeder von uns kann im Alltag einen Unterschied machen. Der Schlüssel liegt in Bewusstsein und kleinen, aber effektiven Verhaltensänderungen.

    Plane deine Einkäufe sorgfältiger. Das klingt so banal, doch wie oft kommt es vor, dass wir nach einem langen Arbeitstag spontan entscheiden, was auf den Tisch kommt – und plötzlich sind drei Sorten Käse im Kühlschrank, von denen zwei ablaufen, bevor wir sie essen? Indem wir uns vorab überlegen, was wir wirklich brauchen, können wir genau das vermeiden.

    Eine weitere Möglichkeit: Reste kreativ verwerten. Hast du jemals ein „Restegericht“ zubereitet? Oft entstehen aus übrig gebliebenem Gemüse oder gekochten Nudeln die besten Gerichte. Im Internet gibt es zahlreiche Rezepte, die genau darauf abzielen, Reste zu nutzen, statt sie wegzuwerfen. Es ist nicht nur gut für die Umwelt, sondern auch für den Geldbeutel.

    Und schließlich: Achte darauf, wie du mit dem Mindesthaltbarkeitsdatum umgehst. Ein Joghurt, der ein paar Tage drüber ist, ist meist noch völlig in Ordnung. Probier ihn einfach – und entscheide dann.

    Ein gemeinsamer Weg in die Zukunft

    Der Internationale Tag der Aufmerksamkeit für Lebensmittelverluste und -verschwendung erinnert uns daran, dass dieses Problem eine Lösung braucht – und zwar von uns allen. Es ist leicht, sich ohnmächtig zu fühlen angesichts der Dimensionen des Problems, aber jeder kleine Schritt zählt. Stell dir vor, wir alle würden nur halb so viel verschwenden wie bisher. Welche Auswirkung hätte das wohl auf unsere Welt?

    Gemeinsam können wir einen großen Beitrag leisten, um den Planeten und seine Ressourcen zu schützen. Manchmal braucht es nur ein bisschen mehr Achtsamkeit – und vielleicht den Mut, eine krumme Karotte zu kaufen.

    MAB

    Es grüßt die Redaktion von Nachrichten.fr