Schlagwort: Krieg

  • Im Schatten der Trümmer: Gaëlle Girbes zeigt das menschliche Gesicht des Ukrainekriegs

    Im Schatten der Trümmer: Gaëlle Girbes zeigt das menschliche Gesicht des Ukrainekriegs

    Sie halten durch – in Kellern, zwischen ausgebrannten Häusern, unter ständigem Beschuss. Die Ukrainerinnen und Ukrainer in den Frontregionen haben vieles verloren, aber nicht ihre Würde. Genau das fängt die französische Fotojournalistin Gaëlle Girbes in ihrer bewegenden Ausstellung „Ukraine: Überleb…

    [wtr-time]

    Der weitere Text ist unseren Abonnenten vorbehalten.


    Warum ein Abo? Weil guter Journalismus seinen Preis hat.

    Information mag frei zugänglich sein – aber Journalismus ist kein Selbstläufer. Recherchen, Interviews, Faktenchecks und Einordnungen erfordern Zeit, Expertise und Verantwortung.

    Wer unabhängige, fundierte Berichterstattung will, muss sie ermöglichen. Werbefinanzierung allein reicht nicht – sonst entscheiden Klickzahlen über Inhalte.

    Ein Abonnement ist kein Eintrittsgeld, sondern ein Bekenntnis: zur Qualität, zur Unabhängigkeit und zu einer informierten Öffentlichkeit.

    Information ist frei. Journalismus kostet. Und genau deshalb lohnt sich ein Abo.


    Abo-Light – das Monatsabonnement zum schlanken Preis

    Alle Artikel für 0,50 € pro Woche. Das Abo wird monatlich mit 2 € abgerechnet und ist monatlich kündbar.

    Monatsabonnement buchen…


    Premium-Abo – das Jahresabonnement mit wertvollen Add-Ons

    Alle Artikel für 0,38 € pro Woche. Das Abo wird jährlich mit 20 € abgerechnet und ist jährlich kündbar.

    Das Premium-Jahres-Abo bietet unbegrenzten Zugriff auf unseren individuellen Reiseplaner.

    Und regelmässig wechselnde ausgewählte E-Books zum kostenlosen Download.


    Jahresabonnement buchen…


    Lebenslang – das Premium-Abo für immer

    Für eine einmalige Zahlung für nur 36 €. Unbegrenzter Zugriff – ein Leben lang.

    Das Premium-Abo-Lebenslang bietet unbegrenzten Zugriff auf unseren individuellen Reiseplaner.

    Und regelmässig wechselnde ausgewählte E-Books zum kostenlosen Download.


    „Abo-Lebenslang“ buchen…


     

     

  • „U-Bahn-Station aus der Hölle“: Wie Moskau den Westen dämonisiert und sich selbst verklärt – und andere World-News

    „U-Bahn-Station aus der Hölle“: Wie Moskau den Westen dämonisiert und sich selbst verklärt – und andere World-News

    Eine heruntergekommene U-Bahn-Station mit flackernden Neonröhren, Pfützen von Abwasser und einem Verkäufer gefälschter Handtaschen: Was wie ein Albtraum aus dem urbanen Amerika wirkt, ist in Wahrheit Teil eines Moskauer Sommerfestivals – finanziert und orchestriert vom russischen Staat. Die Szenerie zeigt einen Spaziergang durch ein künstliches hässliches New York, an dessen Ende sich der Besucher in einer makellosen Moskauer Metrostation wiederfindet – ganz in Marmor, blitzblank und menschenleer.

    Diese surreale Installation ist mehr als Unterhaltung. Sie ist Teil einer umfassenden Propagandaoffensive, die Russland nicht nur als stabilen Gegenpol zum „verfallenden Westen“ inszenieren will, sondern auch als kulturelle Alternative – insbesondere für Länder außerhalb des westlichen Lagers.


    Inszenierte Normalität im Schatten des Krieges

    Während Russland in der Ukraine einen blutigen Stellungskrieg führt, inszeniert man an der Heimatfront ein Bild des Friedens, der Ordnung und des Fortschritts. Festivals, Lichtshows, renovierte Metrostationen – sie alle dienen einem doppelten Zweck: Ablenkung nach innen, Imagepflege nach außen. Der Krieg kommt im Alltag kaum vor. Stattdessen erlebt Moskau einen Kulturboom, der gezielt den Eindruck erweckt, dass das Leben trotz Sanktionen, internationaler Isolation und militärischer Verluste weitergehe – vielleicht sogar besser denn je.

    Gleichzeitig sind solche Veranstaltungen ideologisch aufgeladen. Sie vermitteln das Bild einer dekadenten, unkontrollierten westlichen Welt – schmutzig, gefährlich, absurd – und kontrastieren es mit einer autoritär geordneten russischen Gesellschaft. Die Botschaft: Russland mag anders sein, aber es ist stabil. Und das zählt in einer Welt der Krisen.


    Weltpolitische Schaufensterpolitik

    Die Propaganda im Inneren ist nur eine Seite dieser Strategie. Ebenso wichtig ist die Außenwirkung – vor allem auf jene Länder, die sich weder klar dem Westen noch Russland zuordnen. Besucher aus Asien, Afrika und dem Nahen Osten werden in Moskau gezielt angesprochen. Ihnen präsentiert sich Russland als funktionierender, souveräner Staat – im Gegensatz zu liberalen Demokratien, die sich in politischen Dauerkonflikten, gesellschaftlicher Polarisierung und wirtschaftlicher Unsicherheit verfangen.

    In dieser Perspektive erscheint Russland nicht länger als Außenseiter, sondern als Alternative. Der Anspruch ist nicht, die westliche Ordnung zu kopieren, sondern sie zu überwinden – kulturell, wirtschaftlich, geopolitisch. Die Festivals sind somit keine reinen Freizeitveranstaltungen, sondern Ausdruck eines globalen Narrativkampfes.


    Die Schwäche des Westens als strategischer Hebel

    Der Erfolg dieser Strategie beruht auch auf einer realen Schwäche westlicher Demokratien. Haushaltskrisen, populistische Bewegungen, zersplitterte Parlamente – all das untergräbt die frühere Strahlkraft westlicher Institutionen. Wer von außen auf Washington, Paris oder Berlin blickt, sieht oft keine Vorbilder mehr, sondern fragilen Stillstand.

    Diese Wahrnehmung nutzt der Kreml geschickt aus. Statt mit Panzern und Raketen allein wird der Ukrainekrieg auch mit Bildern, Symbolen und kultureller Selbstvergewisserung geführt. Die Behauptung lautet: Der Westen ist nicht nur militärisch gescheitert, sondern auch zivilisatorisch überholt. Russland hingegen sei widerstandsfähig – eine Bastion der Ordnung in einer aus den Fugen geratenen Welt.


    Vom Bild zur Wirklichkeit

    Doch wie lange lässt sich eine solche Parallelrealität aufrechterhalten? In Russland selbst zeigen sich bisher nur geringe Anzeichen von Protest oder Kriegsmüdigkeit. Die propagierte Normalität verfängt, weil sie auf ein Bedürfnis trifft: jenes nach Stabilität in unsicheren Zeiten. So wird das Festival zur Projektionsfläche – für eine Nation im Krieg, die sich selbst in der Pose des Friedens spiegelt.

    Nach außen erzeugt es einen Kontrast, der zunehmend Wirkung zeigt. In großen Teilen der Welt wird Russland nicht mehr als Aggressor wahrgenommen, sondern als selbstbewusste Macht, die dem Westen die Stirn bietet – auch wenn der Preis dafür ein Krieg ist, dessen Ende nicht abzusehen ist.


    Weitere World-News

    China: Das Land wird heute Japans Niederlage im Zweiten Weltkrieg mit einer Parade aus Raketen, Soldaten und führenden Politikern begehen – darunter Kim Jong-un aus Nordkorea und Wladimir Putin aus Russland.

    USA: Ein Richter hat entschieden, dass der Einsatz von Militärtruppen durch die Trump-Regierung in Los Angeles rechtswidrig war. Das Justizministerium wird voraussichtlich Berufung einlegen.

    Katastrophen: Die Zahl der Todesopfer nach einem Erdbeben in Afghanistan ist auf mindestens 1.400 gestiegen. Im Sudan kamen Hunderte Menschen ums Leben, als ein Erdrutsch ihr Dorf in Darfur verschüttete.

    Belgien: Das Land wird bei der diesjährigen UN-Generalversammlung einen palästinensischen Staat anerkennen – allerdings nur, wenn Hamas bestimmte Bedingungen erfüllt.

    Israel: In der israelischen Führung ist ein Riss entstanden, ausgelöst durch Benjamin Netanyahus Beharren auf einem umfassenden Abkommen zur Beendigung des Kriegs im Gazastreifen.

    Ukraine: Kiew verfolgt einen milliardenschweren, von Europa finanzierten Rüstungsaufbau – um seine Armee langfristig aufrechtzuerhalten.

    Brasilien: Ex-Präsident Jair Bolsonaro blieb dem ersten Tag seines Prozesses wegen mutmaßlicher Umsturzpläne fern. Die New York Times wertete Dokumente aus, die Hinweise darauf enthalten, wie Bolsonaro den Staatsstreich geplant haben soll.

  • Russland bombardiert Kiew: Eine gezielte Eskalation gegen Zivilisten und EU-Diplomatie

    Russland bombardiert Kiew: Eine gezielte Eskalation gegen Zivilisten und EU-Diplomatie

    In der Nacht vom 27. auf den 28. August wurde die ukrainische Hauptstadt Kiew von einer der schwersten russischen Luftangriffe seit Beginn des Krieges erschüttert. Die Attacke, die mit einer beispiellosen Kombination aus Drohnen und Raketen erfolgte, forderte mindestens 14 Todesopfer – darunter drei Kinder – und zerstörte zentrale Teile der zivilen Infrastruktur. Unter den getroffenen Zielen befinden sich Wohnhäuser, ein Kindergarten, ein Einkaufszentrum und sogar diplomatische Einrichtungen. Die politische Botschaft Moskaus ist ebenso deutlich wie brutal: Verhandlungen stehen nicht zur Debatte – stattdessen wird Stärke demonstriert, um den Druck auf Kiew und seine westlichen Partner zu erhöhen.

    Eine Nacht der Zerstörung

    Über 600 Drohnen und Raketen wurden nahezu zeitgleich auf ukrainisches Gebiet abgefeuert – ein Angriff, der weniger militärisch-strategischen Zielen diente als vielmehr der gezielten Einschüchterung der Bevölkerung. Mehr als 20 Einschlagsorte wurden allein in Kiew registriert. Trotz der zunehmenden Leistungsfähigkeit der ukrainischen Luftabwehrsysteme, von denen viele westlicher Herkunft sind, konnten nicht alle Geschosse abgefangen werden. In einem Wohnblock stürzte ein gesamtes Stockwerk ein, mehrere Menschen wurden unter den Trümmern verschüttet. Der Sachschaden geht in die Millionen, der psychologische Schaden ist kaum bezifferbar.

    Auch der Sitz der EU-Delegation in der Ukraine wurde beschädigt – ein symbolträchtiger Angriff auf die europäische Präsenz und Unterstützung im Land. Für Kiew ist dies ein weiterer Beleg, dass Russland zunehmend bereit ist, diplomatische Grenzen zu überschreiten. Die gezielte Beschädigung eines diplomatischen Gebäudes stellt einen klaren Bruch des Wiener Übereinkommens dar – ein diplomatisches Tabu, das Moskau offenbar bewusst ignoriert.

    Die Strategie hinter der Eskalation

    Russlands Kalkül hinter dieser Eskalation ist vielschichtig. Zum einen demonstriert das Regime seine militärische Handlungsfähigkeit trotz westlicher Sanktionen und militärischer Unterstützung für die Ukraine. Zum anderen setzt es gezielt auf Eskalation, um ein Narrativ zu befeuern, das sich gegen diplomatische Verhandlungen richtet. Präsident Selenskyj interpretierte den Angriff als klare Antwort auf internationale Appelle zum Waffenstillstand: Russland setze auf Raketen statt auf den Verhandlungstisch. Diese Lesart dürfte nicht nur in Kiew geteilt werden.

    Tatsächlich untergräbt Moskau mit jedem gezielten Angriff auf zivile Einrichtungen die Glaubwürdigkeit möglicher Verhandlungsangebote. In westlichen Hauptstädten, die zunehmend mit der Frage ringen, wie lange die militärische und wirtschaftliche Unterstützung aufrechterhalten werden kann, wirken solche Bilder wie eine Mahnung: Ein vorschnelles Friedensangebot könnte als Schwäche interpretiert werden – und Russland dazu ermutigen, weitere Zugeständnisse militärisch zu erzwingen.

    Der Krieg der Signale

    Die Bombardierung Kiews reiht sich ein in eine Serie russischer Offensiven der letzten Monate, die weniger durch territoriale Gewinne als durch psychologische Kriegsführung geprägt sind. Die russische Führung setzt bewusst auf asymmetrische Mittel – darunter Cyberangriffe, Angriffe auf die Energieinfrastruktur und eben gezielte Angriffe auf die Zivilbevölkerung –, um die Resilienz der Ukraine zu untergraben und westliche Solidarität zu erschöpfen.

    Diese Strategie ist nicht neu. Bereits im Winter 2022/23 setzte Russland auf gezielte Angriffe auf ukrainische Energieinfrastruktur, um die Moral der Bevölkerung zu brechen. Jetzt richtet sich der Fokus verstärkt auf urbane Zentren. Die Angriffe sollen ein Gefühl permanenter Unsicherheit erzeugen – gerade in der Hauptstadt, dem politischen und symbolischen Herz der Ukraine.

    Diplomatische Konsequenzen

    Die internationale Reaktion auf den Angriff war zwar deutlich in der Rhetorik, aber bislang verhalten in konkreten Maßnahmen. Zwar wurde der Bruch diplomatischer Normen durch den Angriff auf die EU-Vertretung scharf verurteilt, doch konkrete Sanktionen oder sicherheitspolitische Konsequenzen blieben zunächst aus. Dies dürfte Moskau als Signal werten, dass die westliche Empörung berechenbar bleibt – und militärische Grenzüberschreitungen nur begrenzt mit einem politischen Preis verbunden sind.

    Dabei stellen sich grundlegende Fragen zur Durchsetzung des Völkerrechts. Wenn selbst diplomatische Einrichtungen nicht mehr sicher sind, untergräbt dies zentrale Pfeiler der internationalen Ordnung. Die gezielte Eskalation in Kiew ist daher mehr als eine militärische Episode: Sie ist ein Stresstest für die Prinzipien, auf denen die europäische Friedensordnung seit dem Kalten Krieg beruht.

    Nicht zuletzt zeigt sich auch die Begrenztheit westlicher Abschreckung. Trotz massiver militärischer Unterstützung der Ukraine ist es Russland erneut gelungen, einen koordinierten Großangriff auf die Hauptstadt durchzuführen – mit tödlicher Wirkung. Die logistische und strategische Fähigkeit zu solchen Operationen zeugt von einer anhaltenden Ressourcenverfügbarkeit und einer bewussten politischen Planung in Moskau.

    Die nächtlichen Angriffe auf Kiew markieren daher keine zufällige Eskalation, sondern eine bewusste Entscheidung: Russland will die Ukraine nicht nur militärisch zermürben, sondern den Westen vor die Wahl stellen, entweder dauerhaft in diesen Konflikt investiert zu bleiben – oder sich allmählich zurückzuziehen. Für Kiew ist diese Ambiguität eine existenzielle Bedrohung. Für Europa eine offene Herausforderung.

    Autor: Andreas M. Brucker

  • Kein Gipfel in Sicht – Warum Putin und Selenskyj nicht zusammenfinden

    Kein Gipfel in Sicht – Warum Putin und Selenskyj nicht zusammenfinden

    Die Hoffnung auf eine diplomatische Wende im Ukrainekrieg hat einen erneuten Dämpfer erhalten. Die russische Regierung ließ verlautbaren, dass ein Treffen zwischen Präsident Wladimir Putin und seinem ukrainischen Amtskollegen Wolodymyr Selenskyj derzeit nicht zur Debatte steht. Damit bleibt die Perspektive eines direkten Dialogs zwischen den beiden zentralen Akteuren blockiert – trotz wachsender internationaler Vermittlungsbemühungen.

    Putins Sprecher betonte, ein Gipfel sei nur möglich, wenn eine konkrete, bilaterale Agenda ausgearbeitet sei. Diese sei aktuell jedoch „absolut nicht vorbereitet“. Dahinter verbirgt sich mehr als bloße diplomatische Förmlichkeit: Moskau stellt Bedingungen, die für Kiew nicht verhandelbar sind – etwa ein Verzicht auf den NATO-Beitritt, territoriale Zugeständnisse im Osten und Süden des Landes sowie eine Neutralität der Ukraine unter russischer Sicherheitsgarantie.

    Symbolpolitik statt Fortschritt

    Die Ankündigung fällt zeitlich zusammen mit einer Reihe symbolischer und militärischer Ereignisse. Während in Kiew Luftalarme ertönten – ein fast alltäglicher Zustand – empfing die ukrainische Regierung den neuen NATO-Generalsekretär zu Gesprächen über künftige Sicherheitsarchitekturen. Die Parallelität der Ereignisse unterstreicht die Polarisierung der Lage: Während der Westen auf langfristige Absicherung setzt, versucht Moskau, durch gezielte Eskalation die Gesprächsbedingungen zu diktieren.

    Auf dem Schlachtfeld meldet Russland erneut Geländegewinne im Oblast Donezk. Die Eroberung mehrerer Ortschaften dient nicht nur taktischen Zielen, sondern auch propagandistischen. Der Vormarsch demonstriert Handlungsfähigkeit und soll die Gesprächsbereitschaft der Ukraine unter Druck setzen – ein Muster, das bereits in früheren Phasen des Krieges zu beobachten war.

    Stillstand in der Diplomatie

    Die internationale Diplomatie zeigt sich weiterhin bemüht, doch substanzielle Fortschritte bleiben aus. Zwar signalisieren einzelne Akteure wie die Vereinigten Staaten oder EU-Staaten ihre Vermittlungsbereitschaft, doch fehlt es an einem gemeinsamen Rahmen, der für beide Seiten akzeptabel wäre. Die Ukraine fordert territoriale Integrität und klare Sicherheitsgarantien – Forderungen, die Russland kategorisch ablehnt. Umgekehrt interpretiert Kiew jede Form von „Kompromissbereitschaft“ im Sinne Moskaus als potenziellen Verrat an der eigenen Souveränität.

    Derweil geraten auch Nachbarstaaten zunehmend ins Visier der geopolitischen Spannungen. Die bevorstehende Visite mehrerer europäischer Regierungschefs in Moldawien signalisiert die wachsende Sorge vor einer Ausweitung russischer Einflussversuche in post-sowjetischen Staaten mit westlicher Orientierung. In Chisinau warnt die Regierung offen vor einer hybriden Destabilisierungskampagne Moskaus – eine Warnung, die durch die Erfahrungen der Ukraine untermauert wird.

    Keine Bewegung ohne Grundsatzentscheidung

    Der Status quo in den diplomatischen Kanälen ist symptomatisch für den Zustand des Krieges insgesamt: Beide Seiten setzen auf Zeit, aber mit unterschiedlichen strategischen Zielen. Russland versucht, durch militärischen Druck und geopolitische Drohgebärden die Initiative zurückzugewinnen – sowohl auf dem Schlachtfeld als auch im internationalen Diskurs. Die Ukraine wiederum hofft auf weitere westliche Unterstützung, auf eine strategische Ermüdung des Gegners und auf eine internationale Isolierung Moskaus.

    In diesem Kontext ist ein persönliches Treffen zwischen Putin und Selenskyj mehr als ein diplomatischer Termin: Es wäre ein Symbol für Bewegung, für Verhandlungen, für Optionen jenseits des militärischen Konflikts. Solange jedoch die grundlegenden Positionen unvereinbar bleiben, wäre ein solches Treffen vor allem symbolisch – und damit politisch riskant für beide Seiten.

    Ein Gipfel bleibt daher nicht nur unrealistisch, sondern auch strategisch unerwünscht. Beide Lager nutzen den Stillstand für eigene Narrative. Und solange keine Seite bereit ist, aus der eigenen Logik auszubrechen, bleibt der Dialog Wunschdenken.

    Autor: P. Tiko

  • Europa und die USA konkretisieren ihr Handelsabkommen – und weitere World-News

    Europa und die USA konkretisieren ihr Handelsabkommen – und weitere World-News

    Die EU und die USA sind im vergangenen Monat einem Handelskrieg ausgewichen, als sie ein Abkommen über gegenseitige Zölle ankündigten. Bislang handelte es sich dabei jedoch lediglich um eine Absichtserklärung. In den darauffolgenden Wochen feilten Unterhändler beider Seiten an den Details – nun wurden die konkreten Vereinbarungen veröffentlicht.

    Das Grundgerüst des Deals bleibt dabei unverändert: Die USA erheben einen Zollsatz von 15 Prozent auf die meisten Waren aus der EU. Dies betrifft auch Arzneimittel – Europas wichtigstes Exportgut in die Vereinigten Staaten –, die weiterhin mit 15 Prozent verzollt werden. Dies gilt auch dann, wenn Washington wie erwartet ein neues Zollpaket für ausländisch produzierte Medikamente verabschiedet, das Abgaben von bis zu 200 Prozent vorsieht.

    Komplexer gestaltet sich die Lage bei Autos. Laut den nun veröffentlichten Details bleiben die hohen US-Zölle auf europäische Fahrzeuge zunächst bestehen. Erst wenn die EU ein Gesetz zur Senkung der Zölle auf zahlreiche US-Produkte einführt, sollen diese Zölle auf 15 Prozent festgelegt werden. Europäische Autobauer sehen sich derzeit mit einem geltenden US-Zollsatz von 27,5 Prozent konfrontiert.

    Erste Reaktionen
    Europäische Beamte haben mit „verhaltener Erleichterung“ auf das Abkommen reagiert. Es entspreche im Wesentlichen den Erwartungen, und die nun schriftlich fixierten Vereinbarungen gäben den Unternehmen in der EU ein Mindestmaß an Planungssicherheit.

    Folgewirkungen auf den transatlantischen Handel

    Die Zölle unter Präsident Trump werden vielfältige Auswirkungen auf den Handel zwischen Europa und den USA haben.

    • Einige US-Kleinunternehmen sehen sich durch die Zölle gezwungen, in den „Überlebensmodus“ zu wechseln.
    • Trumps Drohung, kommende Woche 50 Prozent Zölle auf Importe aus Indien zu erheben, wird große Belastungen für US-Unternehmen im Bereich Dienstleistungen mit sich bringen.

    Ukraine identifiziert gefallene Soldaten

    Seit Juni sind in der südukrainischen Region Odesa die sterblichen Überreste von rund 6.000 Soldaten eingetroffen – Teil eines Austauschabkommens mit Russland. Forensische Teams arbeiten nun daran, die Toten zu identifizieren und ihren Angehörigen zu übergeben.

    Dieser massive Rücktransport Verstorbener ist eines der wenigen greifbaren Ergebnisse dreier Runden von Waffenstillstandsverhandlungen zwischen Russland und der Ukraine. Diese Zahl gibt jedoch nur einen Bruchteil des Gesamtbildes wieder: Über 70.000 Menschen gelten in der Ukraine seit Beginn des Krieges als vermisst.

    Kurz nachdem Ex-Präsident Trump Gespräche im Weißen Haus zur Beendigung des Krieges mit em ukrainischen Präsidenten Selenskyj und europäischen Spitzenpolitikern geführt hatte, startete Russland laut Angaben der ukrainischen Luftwaffe einen massiven Angriff mit fast 600 Drohnen und 40 Raketen auf ukrainische Städte.

    Trotz demonstrativer Rhetorik aus Washington ist ein echter Durchbruch in Richtung Frieden derzeit nicht absehbar.


    WEITERE NACHRICHTEN

    • Migration: Erstmals seit Jahrzehnten verlassen mehr Migranten die USA, als neu einwandern, wie eine aktuelle Studie zeigt. Abschiebungen unter Trump erreichten ein neues Rekordhoch.
    • Trump: Ein Berufungsgericht in New York hob eine Geldstrafe in Höhe von 500 Millionen Dollar gegen den US-Präsidenten auf, bestätigte jedoch seine Verurteilung wegen Betrugs.
    • Wahlpolitik: In Texas und Kalifornien stimmten die Staats-Parlamente über neue Zuschnitte von Wahlkreisen ab, die den Ausgang der Kongresswahlen 2026 maßgeblich beeinflussen könnten.
    • Gaza: Das israelische Militär stationierte Bodentruppen in etwa einem Viertel von Gaza-Stadt. Unklar bleibt, ob und wann eine großangelegte Offensive beginnt.
    • Nord-Stream-Attentat: In Italien wurde ein Ukrainer festgenommen, der als Drahtzieher des Anschlags auf die Nord-Stream-Pipelines im Jahr 2022 gilt.
    • Seltene Erden: Die USA verhandelten über eine Partnerschaft zum Abbau strategisch wichtiger Mineralien in Brasilien – bevor die neuen Zölle angekündigt wurden.
    • Spionage: Der US-Matrose Jinchao Wei wurde verurteilt, weil er Informationen über amerikanische Kriegsschiffe an China verkauft hatte.

    Autor: P. Tiko

  • Schwieriger Balanceakt: Wo könnten sich Selenskyj und Putin treffen?

    Schwieriger Balanceakt: Wo könnten sich Selenskyj und Putin treffen?

    Eine mögliche direkte Begegnung zwischen dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj und dem russischen Staatschef Wladimir Putin würde ein geopolitisches Signal von höchster Tragweite darstellen. Sie könnte der Beginn ernsthafter Friedensgespräche sein – oder lediglich ein symbolischer Akt ohne konkrete Wirkung. Derzeit laufen die Vorbereitungen für ein Treffen, das nach Angaben aus Kiew und Washington in den kommenden zwei Wochen stattfinden soll. Offen bleibt jedoch der Ort – und gerade diese Frage offenbart die ganze Komplexität der diplomatischen Lage.


    Moskau: Symbolische Dominanz des Kremls

    Der Vorschlag Wladimir Putins, das Treffen in Moskau abzuhalten, stieß umgehend auf Ablehnung. Für Selenskyj wie auch für die anwesenden europäischen Staats- und Regierungschefs bei der Unterredung in Washington wäre ein solcher Rahmen kaum tragbar gewesen. In der russischen Hauptstadt aufzutreten, würde nicht nur erhebliche Sicherheitsrisiken bergen, sondern auch als symbolische Unterwerfung unter den Kreml gedeutet werden. Historisch betrachtet haben Friedensverhandlungen in den Hauptstädten aggressiver Mächte selten die nötige Legitimität entfaltet. Die Erinnerung an die sowjetische Inszenierung internationaler Gipfel im Kalten Krieg ist in Europa noch präsent – und erklärt auch die kategorische Ablehnung Kiews.


    Genf: Tradition der Neutralität

    Als neutraler Boden mit langer Tradition bei diplomatischer Vermittlung erscheint Genf vielen Akteuren als die plausibelste Option. Frankreichs Präsident Emmanuel Macron brachte die Stadt ins Spiel – wohl auch in der Absicht, die Rolle Europas als vermittelnde Kraft zu betonen. Die Schweiz hat bereits signalisiert, dass sie Wladimir Putin trotz des laufenden Haftbefehls des Internationalen Strafgerichtshofs temporäre Immunität gewähren könnte, solange der Aufenthalt strikt an Friedensverhandlungen gebunden wäre. Völkerrechtlich wäre dies heikel, politisch aber ein gangbarer Weg, um Gespräche überhaupt zu ermöglichen.

    Genf hat bereits mehrfach als Kulisse für geopolitische Gespräche gedient: vom Reagan-Gorbatschow-Gipfel 1985 bis zu den Syrien-Verhandlungen unter UN-Ägide. Insofern wäre die Stadt nicht nur neutraler Boden, sondern auch mit symbolischer Legitimität aufgeladen.


    Budapest: Orbáns Brückenangebot

    Eine weitere Option ist Budapest. Ungarns Ministerpräsident Viktor Orbán hat mehrfach seine Bereitschaft erklärt, die beiden Staatschefs zu empfangen. Orbán pflegt seit Jahren enge Beziehungen zu Moskau und steht zugleich in gespannter Partnerschaft zur Europäischen Union. Ein Treffen in Ungarn würde eine geopolitische Ambivalenz spiegeln: Einerseits EU-Mitglied, andererseits ein Staat, der oft als „Trojanisches Pferd“ russischer Interessen in Brüssel gesehen wird.

    Orbáns Rolle als Gastgeber könnte einerseits den Weg für Gespräche ebnen, da er das Vertrauen Moskaus genießt. Andererseits birgt sie das Risiko, dass ein Gipfel in Budapest als Legitimierung einer Politik wahrgenommen würde, die den Konsens der EU häufig untergräbt. Damit bliebe offen, ob ein solcher Rahmen der angestrebten Glaubwürdigkeit zuträglich wäre.


    Washington: Juristische Hürden und politische Brisanz

    Donald Trump, der seine internationale Vermittlerrolle unterstreichen will, hat Washington ebenfalls als möglichen Treffpunkt ins Spiel gebracht. Doch ein solches Szenario gilt aus mehreren Gründen als unwahrscheinlich. Zum einen müsste sich die amerikanische Regierung mit der Frage auseinandersetzen, wie der Haftbefehl des Internationalen Strafgerichtshofs gegen Putin auf amerikanischem Boden zu handhaben wäre. Zum anderen wäre die innenpolitische Brisanz enorm: Ein Empfang Putins im Weißen Haus könnte auch in den USA selbst wie ein Affront gegenüber der Ukraine und deren europäischen Unterstützern wirken.

    Auch in historischer Perspektive erscheint Washington wenig plausibel. Zwar fanden dort Gipfel zwischen Supermächten statt, doch meist in einem Kontext, in dem die USA selbst unmittelbare Konfliktpartei waren. In diesem Fall würde ein Treffen in Washington eine zu enge Verflechtung mit der US-Regierung signalisieren.


    Diplomatische Mathematik

    Die Entscheidung über den Austragungsort ist mehr als eine logistische Frage. Sie ist Ausdruck einer politischen Gleichung, in der Symbole, Völkerrecht, Sicherheitserwägungen und geopolitische Allianzen miteinander verrechnet werden. Ein Ort wie Moskau würde dem Kreml symbolisches Kapital zuspielen, Washington hingegen den Anschein einer parteiischen Vermittlung erwecken. Budapest könnte eine Brücke bieten, aber mit hohem Risiko für die Glaubwürdigkeit der EU. Genf hingegen erscheint derzeit als die einzige Bühne, die Neutralität, Erfahrung und völkerrechtliche Machbarkeit miteinander verbindet.

    Ob es tatsächlich zu einem Treffen kommt – und ob dieses mehr als ein diplomatisches Schauspiel sein wird –, hängt nicht zuletzt von der Bereitschaft der beiden Präsidenten ab, den symbolischen Rahmen für konkrete Zugeständnisse zu nutzen. Sollte es dazu kommen, könnte der Ort des Treffens später als erster Schritt auf einem langen Weg zum Frieden in der Ukraine in die Geschichtsbücher eingehen.

    Autor: Andreas M. Brucker

  • Israel rüstet zur Einnahme von Gaza-Stadt – 60.000 Reservisten mobilisiert

    Israel rüstet zur Einnahme von Gaza-Stadt – 60.000 Reservisten mobilisiert

    Der israelische Verteidigungsminister Israel Katz hat den Plan zur Einnahme von Gaza-Stadt offiziell gebilligt und die Mobilisierung von zehntausenden Reservisten angeordnet. Damit bereitet die Regierung von Benjamin Netanjahu die nächste Phase des seit Monaten andauernden Krieges im Gazastreifen vor – mit weitreichenden politischen und humanitären Konsequenzen.

    Eine neue Eskalationsstufe

    Mit der Genehmigung der Operation will die israelische Führung die vollständige Kontrolle über den dicht besiedelten Norden des Gazastreifens erlangen. Gaza-Stadt gilt als symbolisches und operatives Herzstück der palästinensischen Enklave, Sitz zahlreicher Kommandostrukturen der Hamas und Ausgangspunkt der Angriffe vom Oktober des Vorjahres. Schon früh in der Offensive hatte die Armee Teile der Stadt eingekesselt, ein nachhaltiger Durchbruch blieb jedoch aus. Nun soll eine kombinierte Boden- und Luftoperation die verbliebenen Verteidigungsstellungen der Hamas ausschalten.

    Für den Einsatz wurden 50.000 bis 60.000 Reservisten einberufen. Damit wächst die israelische Truppenstärke auf eine Dimension, die seit dem Libanonkrieg 2006 nicht mehr erreicht wurde. Die Verstärkung ist nicht nur militärisch begründet, sondern auch politisch: Netanjahu will Entschlossenheit demonstrieren, nachdem ihm zuletzt innenpolitische Schwäche vorgeworfen wurde.

    Humanitäre Dimension

    Parallel zur Genehmigung der Offensive kündigte das Verteidigungsministerium an, humanitäre Korridore und Evakuierungszonen vorzubereiten. Offiziell sollen so hunderttausende Zivilisten aus den betroffenen Stadtteilen in sichere Gebiete gebracht werden. Doch Hilfsorganisationen äußern Zweifel, ob eine geordnete Evakuierung in der Praxis überhaupt möglich ist. Seit Monaten ist der Zugang zu Hilfsgütern massiv eingeschränkt, elementare Versorgungsgüter wie Zelte oder Medikamente gelangen nur in geringen Mengen in den Gazastreifen.

    Die Vereinten Nationen warnen vor einer „katastrophalen Lage“: Über 700.000 Menschen seien bereits mehrfach vertrieben worden, viele leben unter freiem Himmel oder in notdürftigen Unterkünften. Mit einer weiteren Großoffensive droht sich die humanitäre Notlage dramatisch zu verschärfen.

    Wachsende Skepsis in Israel

    Während die politische Führung den Kriegskurs verschärft, zeigen sich in großen Teilen der israelischen Gesellschaft Risse. Unter den Reservisten wächst die Unzufriedenheit: Umfragen zufolge beklagt mehr als ein Drittel sinkende Motivation und Zweifel am strategischen Ziel. Familien von Soldaten und Geiseln protestieren regelmäßig in Tel Aviv gegen die Regierung und fordern eine politische Lösung statt einer militärischen Eskalation.

    Auch innerhalb der militärischen Führung sind Vorbehalte zu hören. Generalstabschef Eyal Zamir hatte wiederholt auf die Risiken für die noch im Gazastreifen festgehaltenen Geiseln hingewiesen. Zudem befürchten Teile des Sicherheitsestablishments eine militärische Überdehnung sowie den Verlust internationaler Unterstützung.

    Internationale Spannungen

    Die geplante Einnahme von Gaza-Stadt stößt international auf scharfe Kritik. Der UN-Generalsekretär warnt vor unabsehbaren Folgen für die Zivilbevölkerung. Mehrere europäische Staaten prüfen, den Druck auf Israel zu erhöhen – bis hin zur Anerkennung eines palästinensischen Staates, sollte sich die militärische Eskalation fortsetzen.

    Besonders angespannt ist das Verhältnis zwischen Israel und Frankreich. Ein Schreiben Netanjahus an Präsident Emmanuel Macron, in dem er diesem vorwarf, mit der Diskussion über eine Anerkennung Palästinas „Antisemitismus zu fördern“, führte zu diplomatischen Verstimmungen. Paris wies die Vorwürfe entschieden zurück und bekräftigte seine Linie, eine Zwei-Staaten-Lösung zu unterstützen.

    Ein riskanter Kurs

    Die Offensive auf Gaza-Stadt steht in Kontinuität mit den bisherigen Operationen, die zwar große Teile des Gazastreifens unter israelische Kontrolle brachten, aber zentrale Ziele wie die vollständige Zerschlagung der Hamas und die Befreiung aller Geiseln bislang verfehlten. Kritiker sehen in der neuen Eskalation daher vor allem ein politisches Manöver Netanjahus, um innenpolitischen Druck abzubauen und seine angeschlagene Position zu festigen.

    Ob die militärische Operation die erhoffte Stabilität bringt oder Israel in ein langfristiges Besatzungsszenario zwingt, bleibt ungewiss. Sicher ist lediglich, dass die kommenden Wochen entscheidend sein werden – sowohl für die Menschen in Gaza als auch für die politische Zukunft Israels.

    Autor: Andreas M. Brucker

  • Wie geht es weiter für die Ukraine nach dem Treffen im Weißen Haus? Und andere World-News

    Wie geht es weiter für die Ukraine nach dem Treffen im Weißen Haus? Und andere World-News

    Nach dem Gipfeltreffen von Präsident Trump mit Wladimir Putin in der vergangenen Woche und seinem Gespräch am Montag mit dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj sowie mehreren EU-Spitzenvertretern zeichnet sich als wahrscheinlichster nächster Schritt ab: weitere Treffen.

    Die Gespräche am Montag im Weißen Haus brachten öffentlich kaum sichtbare Fortschritte in Richtung eines Friedens in der Ukraine. Trump erklärte, sein Ziel sei es, ein Treffen zwischen Putin und Selenskyj zu ermöglichen. Putin habe sich gesprächsbereit gezeigt, allerdings gab es bisher keine offizielle Bestätigung des Kremls. Russlands Außenminister dämpfte laut staatlichen Medien am Dienstag die Erwartungen an mögliche Gespräche deutlich.

    Nach dem Verlassen des Oval Office erklärte Selenskyj: „Es bleibt noch viel zu tun.“

    Militärhilfe:
    Selenskyj kündigte an, die Ukraine werde amerikanische Waffen im Wert von 90 Milliarden US-Dollar erhalten – darunter dringend benötigte Luftabwehrsysteme und Kampfflugzeuge. Unklar blieb, wie die Ukraine für die Waffen bezahlen soll. Es gilt als wahrscheinlich, dass europäische Staaten und NATO-Verbündete einen Großteil der Kosten übernehmen werden.

    Sicherheitsgarantien:
    Die Gespräche im Weißen Haus endeten ohne formale Einigung über Sicherheitsgarantien für die Ukraine. Europäische Regierungschefs bemühen sich seit Dienstag darum, ein konkretes Konzept zu erarbeiten. Trump betonte, dass keine amerikanischen Bodentruppen in die Ukraine entsendet würden, die USA jedoch in anderer Form helfen könnten – etwa durch Luftunterstützung. Ohne US-Truppen vor Ort bleibt jedoch fraglich, wie stark man Russland tatsächlich von weiteren Angriffen abschrecken kann.

    Der britische Premierminister Keir Starmer forderte eine internationale Truppe, die in der Ukraine stationiert werden könnte – mit einer Stärke von mehreren Hundert bis zehntausenden Soldaten. Trump äußerte, Russland könnte sich mit europäischen Truppen abfinden, obwohl Moskau derartigen Vorschlägen bisher regelmäßig eine Absage erteilt hat.

    Teilerfolge:
    Selenskyj und europäische Regierungschefs haben gelernt, wie man mit Trump umgehen muss. Während Selenskyj bei einem früheren Besuch im Weißen Haus noch gerügt und frühzeitig verabschiedet wurde, wurde er diesmal freundlich empfangen, erhielt Zusagen für amerikanische Waffenlieferungen und Unterstützung bei der Vermittlung eines persönlichen Treffens mit Putin.

    In der Nacht bombardierte Russland die Ukraine erneut mit Hunderten Drohnen und Raketen.


    Netanjahu unter Druck wegen vorgeschlagenem Gaza-Waffenstillstand

    Einige Vertreter des ultrarechten Flügels in Israels Regierungskoalition lehnen einen vorgeschlagenen Geiselaustausch mit der Hamas kategorisch ab. Ministerpräsident Benjamin Netanjahu hatte sich zu dem von der Hamas bereits akzeptierten Waffenstillstandsplan zunächst nicht positioniert.

    Der Plan sieht die Freilassung eines Teils der verbleibenden Geiseln im Gazastreifen im Austausch gegen palästinensische Gefangene vor. Ein Waffenstillstand würde de facto Netanjahus angekündigte Offensive auf Gaza-Stadt stoppen.

    In diesem Zusammenhang:
    Israel hat mit Südsudan Gespräche darüber geführt, ob das Land bereit wäre, palästinensische Zivilisten aus Gaza in größerer Zahl aufzunehmen.


    Indonesiens Regenwälder werden für US-Wohnmobile gerodet

    US-amerikanische Wohnmobilhersteller setzen seit Jahrzehnten auf einen entscheidenden Importrohstoff: Lauan-Holz aus Indonesien. Das Tropenholz wird zu Sperrholz verarbeitet, das leicht, feuchtigkeitsresistent und flexibel ist.

    Hersteller halten Lauan für unersetzlich – etwa für Schränke und Innenverkleidungen der Fahrzeuge. Umweltschutzorganisationen kritisieren jedoch, dass die Nachfrage der Branche die Abholzung in Borneo massiv beschleunigt habe. In den vergangenen fünf Jahren seien dort große Flächen Regenwald gerodet worden.


    WEITERE NACHRICHTEN

    • Pakistan: Mindestens 660 Menschen starben seit Beginn der Monsunzeit Ende Juni bei regenbedingten Unglücken.
    • Kanada: Ein vorläufiger Tarifabschluss beendete den Streik des Bordpersonals von Air Canada, der Tausende Reisende stranden liess.
    • Großbritannien: Ein Gericht entschied, dass Asylsuchende aus einem Hotel ausziehen müssen – ein Urteil mit Signalwirkung in einer zunehmend aufgeheizten Debatte.
    • Russland: Laut einem Forschungsinstitut zielt Moskau auf die Destabilisierung Europas durch Angriffe auf kritische Infrastruktur.
    • Gesundheit: Das von Mücken übertragene Chikungunya-Virus breitet sich rasant aus – erstmals gibt es auch Fälle in China.
    • Europa/USA: Alkohol aus der EU wird laut einem US-Beamten wohl nicht von neuen amerikanischen Zöllen ausgenommen.
    • Kriminalität: Die Frau, die laut Anklage das Ketamin verkaufte, das zum Tod von Matthew Perry führte, wird sich schuldig bekennen.

    Autor: P. Tiko

  • Gaza: Waffenruhe in Aussicht – doch Israels Antwort bleibt aus

    Gaza: Waffenruhe in Aussicht – doch Israels Antwort bleibt aus

    Die Ankündigung kam überraschend: Die Hamas hat eine neue Waffenruhe-Vereinbarung akzeptiert, die in dem seit fast zwei Jahren andauernden Gaza-Krieg den Weg für eine längere Feuerpause ebnen könnte. Vermittelt durch Ägypten und Katar, enthält der Vorschlag eine 60-tägige Kampfpause, kombiniert mit einem schrittweisen Geiselaustausch und humanitären Erleichterungen. Doch während die palästinensische Seite Zustimmung signalisiert, bleibt Israel bislang offiziell stumm. Die Frage, ob dies der Beginn eines nachhaltigen Waffenstillstands ist, hängt nun entscheidend vom politischen Willen der israelischen Regierung ab – und von ihrer Fähigkeit, innenpolitische Spannungen zu überwinden.

    Das Angebot auf dem Tisch

    Die von ägyptischen und katarischen Unterhändlern präsentierte Vereinbarung enthält mehrere Komponenten: eine sofortige zweimonatige Waffenruhe, der teilweise Austausch israelischer Geiseln – lebender wie getöteter – gegen palästinensische Häftlinge, sowie einen schrittweisen Rückzug israelischer Bodentruppen aus Teilen des Gazastreifens. Begleitend sollen Hilfslieferungen wieder ausgeweitet und humanitäre Korridore geöffnet werden.

    Die Hamas-Führung ließ über ihre politischen Vertreter verkünden, man habe dem Vorschlag vollständig zugestimmt. Begleitet wurde dies von religiös aufgeladenen Botschaften, die dem militärischen Widerstand einen höheren Sinn verleihen sollen – ein rhetorisches Muster, das die Hamas seit Beginn des Konflikts kultiviert.

    Israel unter Druck

    Die Reaktion Israels auf die Ankündigung blieb zunächst aus. Premierminister Benjamin Netanjahu hatte sich bereits in den Tagen zuvor skeptisch gezeigt: Jede Vereinbarung müsse die vollständige Freilassung aller Geiseln unter israelischen Bedingungen garantieren, ließ er erklären. Teilabkommen, wie sie in der aktuellen Initiative vorgesehen sind, lehnt er prinzipiell ab – zu groß ist aus seiner Sicht die Gefahr, dass die Hamas gestärkt aus einem Deal hervorgehen könnte.

    Doch Netanjahu steht unter wachsendem innenpolitischem Druck. Große Teile der israelischen Öffentlichkeit – insbesondere die Familien der noch verbliebenen Geiseln – fordern vehement eine Verhandlungslösung. Gleichzeitig wächst die Kritik an der anhaltenden militärischen Eskalation, deren strategische Zielsetzung zunehmend infrage gestellt wird. Rechte Koalitionspartner hingegen pochen auf eine kompromisslose Linie: Jeder Schritt in Richtung Waffenruhe sei ein Verrat an den Gefallenen und würde die Hamas politisch legitimieren.

    Die Logik der Gewaltspirale

    Seit Beginn der israelischen Bodenoffensive hat sich die Lage im Gazastreifen dramatisch zugespitzt. Hunderttausende Menschen sind auf der Flucht, weite Teile der Infrastruktur sind zerstört, die humanitäre Versorgung ist praktisch zusammengebrochen. Der militärische Fokus Israels richtet sich gegenwärtig auf die letzten verbliebenen Hamas-Stellungen in Gaza-Stadt – ein Kampf, der trotz internationaler Warnungen mit unverminderter Härte geführt wird.

    Gleichzeitig bleibt unklar, ob die militärische Strategie langfristig das erklärte Ziel – die vollständige Zerschlagung der Hamas – erreichen kann. Vielmehr droht ein Szenario, in dem die militärische Übermacht Israels zwar taktische Geländegewinne bringt, aber keine strategische Lösung für das politische Vakuum nach einem Rückzug anbietet.

    Diplomatie zwischen Hoffnung und Zermürbung

    Die jüngste Initiative reiht sich ein in eine lange Serie diplomatischer Vorstöße, die seit Beginn des Krieges ins Leere liefen. Ägypten und Katar fungieren seit Monaten als zentrale Vermittler, unterstützt von US-amerikanischen Sondergesandten. Die strukturellen Hindernisse sind jedoch beträchtlich: Beide Konfliktparteien betrachten zentrale Forderungen – die Freilassung aller Geiseln einerseits, die Garantie einer Waffenruhe und Aufhebung der Blockade andererseits – als nicht verhandelbar. Diese Gegensätzlichkeit lähmt den diplomatischen Prozess.

    Hinzu kommt die symbolische Bedeutung der Geiselfrage für beide Seiten. In Teilen Israels gilt sie als nationales Trauma, das nach einer kompromisslosen Lösung verlangt. Auf Seiten der Hamas wiederum stärkt jeder Austausch ihre Position im innerpalästinensischen Machtgefüge, nicht zuletzt gegenüber der politisch marginalisierten Autonomiebehörde im Westjordanland.

    Die aktuelle Entwicklung zeigt dennoch, dass das diplomatische Fenster nicht geschlossen ist. Die Annahme des Vorschlags durch die Hamas signalisiert Bereitschaft zur taktischen Deeskalation – sei es aus militärischer Schwäche, politischem Kalkül oder internationalem Druck. Entscheidend wird nun sein, ob Israel bereit ist, die politischen Kosten einer Verhandlungslösung in Kauf zu nehmen.

    Die kommenden Tage könnten darüber entscheiden, ob sich ein realer Waffenstillstand abzeichnet – oder ob der Krieg weiter in die zermürbende Logik gegenseitiger Eskalation zurückfällt.

    Autor: Andreas M. Brucker

  • Macron und Merz drängen auf Waffenruhe in der Ukraine – Trump bleibt vage

    Macron und Merz drängen auf Waffenruhe in der Ukraine – Trump bleibt vage

    Ein dramatischer diplomatischer Vorstoß aus Europa markiert eine neue Phase im Ringen um ein Ende des Krieges in der Ukraine. Bei einem Gipfeltreffen in Washington forderten Frankreichs Präsident Emmanuel Macron und der deutsche Bundeskanzler Friedrich Merz einen sofortigen Waffenstillstand. Während Europa auf Deeskalation drängt, bleibt US-Präsident Donald Trump zurückhaltend – und setzt auf große Gesten statt konkreter Zusagen. Die Begegnung am 18. August 2025 im Weißen Haus hätte kaum symbolträchtiger sein können: Der französische Präsident, der deutsche Kanzler und der US-Präsident trafen sich zu Gesprächen über eine der folgenschwersten geopolitischen Konflikte der Gegenwart. Die Initiative aus Paris und Berlin für eine sofortige Feuerpause signalisiert nicht nur eine wachsende Ungeduld in Europa, sondern auch eine Verschiebung diplomatischer Schwerpunkte. Europäische Initiative für eine Trendumkehr „Wir können uns keine weiteren Gipfeltreffen ohne vorherigen Waffenstillstand leis…

    [wtr-time]

    Der weitere Text ist unseren Abonnenten vorbehalten.


    Warum ein Abo? Weil guter Journalismus seinen Preis hat.

    Information mag frei zugänglich sein – aber Journalismus ist kein Selbstläufer. Recherchen, Interviews, Faktenchecks und Einordnungen erfordern Zeit, Expertise und Verantwortung.

    Wer unabhängige, fundierte Berichterstattung will, muss sie ermöglichen. Werbefinanzierung allein reicht nicht – sonst entscheiden Klickzahlen über Inhalte.

    Ein Abonnement ist kein Eintrittsgeld, sondern ein Bekenntnis: zur Qualität, zur Unabhängigkeit und zu einer informierten Öffentlichkeit.

    Information ist frei. Journalismus kostet. Und genau deshalb lohnt sich ein Abo.


    Abo-Light – das Monatsabonnement zum schlanken Preis

    Alle Artikel für 0,50 € pro Woche. Das Abo wird monatlich mit 2 € abgerechnet und ist monatlich kündbar.

    Monatsabonnement buchen…


    Premium-Abo – das Jahresabonnement mit wertvollen Add-Ons

    Alle Artikel für 0,38 € pro Woche. Das Abo wird jährlich mit 20 € abgerechnet und ist jährlich kündbar.

    Das Premium-Jahres-Abo bietet unbegrenzten Zugriff auf unseren individuellen Reiseplaner.

    Und regelmässig wechselnde ausgewählte E-Books zum kostenlosen Download.


    Jahresabonnement buchen…


    Lebenslang – das Premium-Abo für immer

    Für eine einmalige Zahlung für nur 36 €. Unbegrenzter Zugriff – ein Leben lang.

    Das Premium-Abo-Lebenslang bietet unbegrenzten Zugriff auf unseren individuellen Reiseplaner.

    Und regelmässig wechselnde ausgewählte E-Books zum kostenlosen Download.


    „Abo-Lebenslang“ buchen…