Schlagwort: Klimawandel Alpen

  • Lawinentod in der Haute-Savoie: Zwei Skitourengeherinnen sterben nahe La Chapelle-d’Abondance

    Lawinentod in der Haute-Savoie: Zwei Skitourengeherinnen sterben nahe La Chapelle-d’Abondance

    Die Berge kennen keine Gnade. Am vergangenen Wochenende traf ein neuer Lawinenabgang die französischen Alpen mit voller Wucht – zwei erfahrene Skitourengeherinnen verloren nahe La Chapelle-d’Abondance im Département Haute-Savoie ihr Leben. Die beiden Frauen, 51 und 55 Jahre alt, stammten aus der Region Chablais. Was als sportlicher Wintertag begann, endete unter anderthalb Metern Schnee. Am Sonntagmorgen brachen sie zu einer Skitour auf, einer jener anspruchsvollen Routen, die fernab präparierter Pisten verlaufen und gerade deshalb so viele begeistern. Ihr Fahrzeug blieb auf einem Parkplatz zurück, dem Ausgangspunkt eines beliebten Anstiegs. Als die Frauen am Abend nicht heimkehrten, wuchs die Unruhe. In Bergregionen kennt man dieses Gefühl – es ist die stille, nagende Ahnung, dass etwas nicht stimmt. Erst am Montag gelang es den Rettungskräften, die Vermissten zu lokalisieren. Ein Team der Bergrettung rückte aus, unterstützt von einem Helikopter Dragon 74. Die Retter nutzten Lawinenve…

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  • Wenn der Winter kürzer wird – Ski, Schnee und die stille Zeitenwende in den Bergen

    Wenn der Winter kürzer wird – Ski, Schnee und die stille Zeitenwende in den Bergen

    Ein Dezembermorgen in den Bergen. Früher knirschte der Schnee unter den Schuhen, heute klingt es eher nach feuchtem Kies. Die Gondel schwebt trotzdem talwärts, routiniert, fast trotzig. Und irgendwo zwischen Bergstation und Tal fragt man sich leise: Wie viele Winter bleiben uns eigentlich noch zum Skifahren?

    Der Rückgang der ski­baren Tage bis 2050 wirkt nicht wie eine ferne Zukunftsprognose. Er fühlt sich an wie eine Geschichte, die längst begonnen hat – nur lesen wir gerade erst die ersten Kapitel.


    Der Winter verliert an Länge – und an Verlässlichkeit

    Der Klimawandel wedelt nicht mit Warnschildern. Er zeigt sich subtil. Mal öffnet eine Ski-Station erst zwei Wochen später. Mal endet die Saison schon, obwohl der Kalender noch Februar zeigt.

    In vielen Skigebieten Europas schrumpfen die Winter still zusammen – wie ein Pullover, der zu heiß gewaschen wurde. Besonders betroffen sind Lagen unter 2.000 Metern. Dort, wo früher monatelang Schnee lag, regnet es heute öfter als den Betreibern lieb ist.

    Studien von INRAE und Météo-France zeichnen ein Bild, das nüchtern wirkt und gerade deshalb unter die Haut geht. Bis 2050 steigen die Durchschnittstemperaturen in vielen Gebirgsregionen Frankreichs um rund 2,5 bis 3 Grad.

    Klingt harmlos? Ist es nicht.

    Denn Schnee reagiert empfindlich. Schon ein einziges Grad entscheidet, ob Flocken fallen oder Regen.


    Heute schon spürbar – nicht erst morgen

    Wer in den letzten Jahren regelmäßig Ski gefahren ist, kennt das Gefühl. Die Saisonstarts verschieben sich. Weihnachten ohne Naturschnee? Früher undenkbar, heute fast normal.

    In den USA verloren Skigebiete zwischen 2000 und 2019 im Schnitt fünf bis sieben Skitage pro Saison. Keine Katastrophe auf den ersten Blick. Doch Prognosen zeigen: Diese Zahl verdoppelt oder verdreifacht sich bis 2050.

    Und Europa? Kein Sonderfall. Im Gegenteil.


    Die Pyrenäen als Seismograf des Wandels

    Nehmen wir den Col du Tourmalet. Ein Name, der nach Schnee, Radsport und Hochgebirge klingt. Auf rund 1900 Metern Höhe gelegen, galt das Gebiet lange als relativ schneesicher.

    Galt.

    Ende des 20. Jahrhunderts kamen in guten Wintern rund 150 ski­bare Tage zusammen. Eine solide Basis für Tourismus, Jobs, Dorfleben.

    Mit einem Temperaturanstieg von etwa 2,7 Grad reduziert sich diese Zahl laut Modellen bis 2050 auf rund 116 Tage – inklusive künstlicher Beschneiung. Ohne Schneekanonen sähe es deutlich düsterer aus.

    116 Tage. Klingt immer noch nach viel? Rechnen wir kurz: spätere Eröffnung, früheres Saisonende, dazwischen immer häufiger Unterbrechungen. Planbarkeit? Schwierig. Wirtschaftlichkeit? Wacklig.

    Und jetzt ehrlich: Wer bucht gern einen Skiurlaub, wenn niemand weiß, ob die Pisten offen sind?


    Kunstschnee – Rettungsanker mit Nebenwirkungen

    Die Schneekanone ist zum Symbol geworden. Sie steht für Anpassung, Technik, Durchhaltewillen. Aber auch für Zielkonflikte.

    Kunstschnee braucht Kälte. Und Wasser. Beides wird knapper. Die sogenannten Kältefenster, in denen Beschneiung technisch sinnvoll ist, verkürzen sich.

    Das Paradoxe daran: Gerade in milden Wintern, wenn man Kunstschnee besonders dringend braucht, funktioniert er am schlechtesten.

    Ein bisschen wie ein Regenschirm, der sich erst öffnet, wenn die Sonne scheint.


    Der Blick über den Alpenrand hinaus

    Internationale Studien zeigen ein klares Muster. Weltweit verlieren Skigebiete an Saisonlänge. Manche um 30 Prozent, andere um 50. In einzelnen Regionen sogar noch mehr.

    Selbst bei Einhaltung der Klimaziele des Pariser Abkommens schrumpfen die Saisons messbar. Der Unterschied liegt im Tempo und in der Härte des Einschnitts.

    Weniger Emissionen bedeuten keine Rettung – aber Zeit. Und Zeit ist in den Bergen plötzlich eine knappe Währung.


    Mehr als ein Freizeitproblem

    Skifahren ist kein isoliertes Hobby. Es ist ein Wirtschaftsmotor, ein Identitätsanker, ein sozialer Kitt.

    Wenn die Saison kürzer wird, leidet nicht nur der Liftbetreiber. Dann fehlen Übernachtungen. Restaurantbesuche. Saisonjobs. Ausbildungsplätze.

    Ganze Täler hängen am Wintertourismus. Und plötzlich steht da diese Frage im Raum, die niemand gern stellt: Wie geht es weiter?

    Manche Orte reagieren bereits. Andere zögern. Verständlich – Veränderung fühlt sich selten bequem an.


    Diversifikation: Keine Kür, sondern Pflicht

    Viele Regionen setzen inzwischen auf ein breiteres Angebot. Winterwandern, Thermalbäder, Kultur, Kulinarik, Sommeraktivitäten.

    Das klingt vernünftig. Und ist es auch. Aber es ersetzt nicht von heute auf morgen die Einnahmen des Skitourismus.

    Ein Hotel lebt anders von Wanderern als von Skiurlaubern. Die Wertschöpfung verschiebt sich. Langsamer. Kleinteiliger.

    Und trotzdem bleibt sie eine echte Chance.


    Zwischen Nostalgie und Neuanfang

    Vielleicht ist das die größte Herausforderung: Abschied nehmen von einem Bild, das tief sitzt. Der Winter wie früher. Verlässlich. Weiß. Still.

    Doch die Berge verändern sich. Nicht über Nacht, sondern Schritt für Schritt.

    Halten wir an der Vergangenheit fest – oder gestalten wir die Zukunft bewusst?

    Diese Frage schwebt über jedem Tal, jeder Gemeinderatssitzung, jedem Investorengespräch.


    Anpassung statt Wegschauen

    Technische Innovationen helfen. Bessere Schneespeicherung, effizientere Beschneiung, klügere Pistenplanung.

    Doch Technik allein trägt nicht alles. Sie kauft Zeit, mehr nicht.

    Langfristig entscheidet der globale Klimapfad darüber, wie hart der Einschnitt ausfällt. Jedes vermiedene Zehntelgrad zählt – auch wenn es abstrakt klingt.

    In den Bergen wird es greifbar. Sehr greifbar.


    Ein Winter, der Geschichten erzählt

    Vielleicht erzählen zukünftige Winter andere Geschichten. Weniger von endlosen Abfahrten. Mehr von Vielfalt. Von bewussterem Reisen. Von Orten, die sich neu erfunden haben.

    Der Schnee verschwindet nicht vollständig. Aber er wird kostbarer. Flüchtiger. Unberechenbarer.

    Und vielleicht liegt genau darin eine neue Ehrlichkeit. Der Winter zeigt uns, was auf dem Spiel steht – ohne große Worte, einfach durch sein Ausbleiben.

    Der Rückgang der ski­baren Tage bis 2050 ist keine ferne Warnung, sondern ein laufender Prozess. Wer heute in die Berge schaut, sieht bereits die Umrisse der Zukunft.

    Und die Frage bleibt, leise aber hartnäckig: Was machen wir daraus?

    Ein Artikel von M. Legrand

  • Grand Puy – Wenn der Schnee geht, bleibt die Sehnsucht

    Grand Puy – Wenn der Schnee geht, bleibt die Sehnsucht

    Man hört es sofort: den Unterschied zwischen einer stillgelegten Skistation und einer lebendigen. Im Grand Puy, hoch über Seyne-les-Alpes, sind es nicht mehr die Kinder, die juchzend über die Piste rufen, sondern der Wind, der durch die Masten pfeift. Wo einst das metallische Surren der Lifte das Tal erfüllte, liegt jetzt eine eigenartige Ruhe. Fast ehrfürchtig. Eine Ära endet – aber vielleicht beginnt genau hier eine neue.


    Vom Glanz vergangener Winter

    Die Geschichte von Grand Puy ist die vieler kleiner Skistationen in Frankreich. Entstanden in den 1960er-Jahren, wuchs sie mit dem Wirtschaftswunder, mit dem Glauben an endlosen Schnee und ewige Winter. Familien aus Marseille, Aix oder Digne strömten an Wochenenden hierher. Ein kleiner Hügel, ein paar Pisten, ein Téléski – und alles fühlte sich das an wie die großen Alpen.

    Heute steht auf dem Parkplatz ein rostiger Skilift, verwaist und teilweise abgebaut, als hätte jemand mitten im Satz aufgehört zu sprechen. Denise, die ein Chalet in dem Ort besitzt, sagt leise: „Es war so schön hier oben, so lebendig. Jetzt bleiben nur noch die Schneeschuhe.“ Ihre Stimme bricht ein wenig.

    Lydie, seit 25 Jahren Stammgast, nickt: „Das war unsere kleine Station, familiär, gemütlich. Wir kommen trotzdem noch – aus Liebe zum Ort.“

    Doch Liebe allein stoppt keine Defizite.


    Wenn das Minus zu groß wird

    350.000 Euro jährlich – so viel kostete die Gemeinde Seyne-les-Alpes der Betrieb der Skistation. 13 Prozent des gesamten Haushalts. Bürgermeister Laurent Pascal stand irgendwann vor einer klaren Entscheidung: entweder weiter in den Abgrund rutschen oder einen Schlussstrich ziehen. Ein Bürgerreferendum machte den Rest.

    „Wir mussten die Reißleine ziehen“, sagt Pascal, nüchtern, aber ohne Bitterkeit. „Sonst wäre die Gemeinde irgendwann handlungsunfähig gewesen.“

    Er sieht dennoch nach vorn. Und das ist nicht nur Zweckoptimismus. Denn während anderswo noch um jede Schneekanone gerungen wird, hat Seyne-les-Alpes die Zeichen der Zeit erkannt. Der Schnee wird seltener, unzuverlässiger, teurer. Wer heute auf die Zukunft der Berge setzt, muss umdenken.

    Der Bürgermeister will die Seen, die früher der Beschneiung dienten, künftig als Angelreviere öffnen. Trails für Mountainbiker, Strecken für E-Bikes, vielleicht sogar Biathlon mit Lasergewehren – eine Art „grüner“ Wintersport.

    „Wenn wir nicht an eine andere Form von Berg glauben“, sagt er, „dann verlieren unsere Täler jede Hoffnung.“

    Eine steile These – aber vielleicht die einzig mögliche.


    Wo Mut den Winter überlebt

    Inmitten dieser Veränderung gibt es Menschen, die nicht aufgeben. Sandie Bony zum Beispiel, Besitzerin des einzigen Restaurants der Station: Le Chalet. Ihre Familie führt es seit 66 Jahren.

    „Weil man uns die Lifte schließt, sollen wir auch die Tür schließen? Sicher nicht!“, sagt sie entschlossen. Der Satz fällt mit der Energie einer Frau, die schon viele Winter erlebt hat.

    Früher war ihr Lokal ein Treffpunkt für Skifahrer mit dampfenden Tabletts und Pommesgeruch. Heute hat sie das Konzept umgekrempelt: kein Self-Service mehr, sondern regionale Küche, Themenabende, Livemusik, Spiele-Nachmittage.

    Und dann gibt’s da diese Idee, die alle überrascht hat: die „Balade aux lampions“. Besucher spazieren mit bunten Laternen durch den winterlichen Wald – eine friedliche, fast poetische Alternative zur klassischen „Descente aux flambeaux (Fackelabfahrt)“.

    „Am Anfang dachten wir, keiner kommt“, erzählt Sandie und lacht. „Aber die Leute lieben’s! Sie singen, sie reden, Kinder lachen – fast wie früher auf der Piste.“

    Sogar ein „Escape Game“ in den Bergen ist in Arbeit – eine Mischung aus Rätsel, Abenteuer und Naturerlebnis.

    Und siehe da: Trotz des Endes des Skibetriebs läuft das Restaurant profitabel. Vielleicht, weil hier nicht auf Nostalgie gesetzt wird, sondern auf Fantasie.


    Der Schnee als Erinnerung, nicht als Bedingung

    Was bedeutet eigentlich „Berg“ ohne Schnee? Diese Frage stellt sich nicht nur Grand Puy, sondern ganz Frankreich. Mehr als 180 Skigebiete haben seit den 1970er-Jahren dichtgemacht. Viele kleine Orte in den Alpen, den Pyrenäen und im Jura suchen verzweifelt nach einer neuen Identität.

    Das Klima verändert die Geografie der Sehnsüchte: Die Winter werden kürzer, die Sommer länger. Während die Großstationen mit Schneekanonen und Millionenkrediten gegen den (Klima-)Wandel ankämpfen, versuchen die Kleinen, sich neu zu erfinden – mit Wandern, Wellness, Kultur und Gastronomie.

    Aber sind wir, die Besucher, bereit für diesen Wandel? Wollen wir wirklich den Berg als Lebensraum erleben und nicht nur als Freizeitpark?

    Grand Puy zeigt: Es geht. Langsamer vielleicht, kleiner, aber ehrlicher. Statt Lärm und Après-Ski: Stille, Lagerfeuer, Sternenhimmel. Statt Massentourismus: Begegnungen.

    Natürlich, der Abschied tut weh. Viele hier haben den Schnee geliebt, das Ritual des ersten Sessellifts, das leise Knirschen unter den Skiern. Doch wer sagt, dass Schönheit an Frost gebunden sein muss?


    Ein Dorf, das sich selbst neu erfindet

    Seyne-les-Alpes plant, das Areal rund um die ehemalige Station als „Quatre Saisons“-Gebiet zu gestalten. Ein Ort, der das ganze Jahr über Besucher anzieht. Im Sommer Biker und Wanderer, im Herbst Pilzsammler, im Winter Familien, die einfach nur Ruhe suchen.

    Das Ziel: keine Eventmaschine, sondern nachhaltiger Tourismus. Menschen sollen bleiben, leben, arbeiten – nicht nur für ein paar Wochen im Jahr.

    Die Gemeinde setzt auf regionale Produzenten, Handwerksmärkte, Naturführungen. Ein Weg, der nicht spektakulär klingt, aber langfristig tragfähig sein könnte. Denn eine Region, die nur vom Schnee lebt, hat in Zeiten des Klimawandels kaum noch Atem.


    Und doch – ein Rest Wehmut bleibt

    Manche Abende, wenn die Sonne hinter den Bergen verschwindet und das Tal in goldenes Licht taucht, kann man sie fast hören – die alten Geräusche des Grand Puy. Das Klacken der Bindungen an den Ski, das Lachen der Kinder, die Musik aus dem Restaurant.

    Dann mischt sich Wehmut mit Stolz. Denn was hier passiert, ist mehr als ein wirtschaftlicher Übergang. Es ist der Versuch, Würde zu bewahren in einer Welt, die sich rasant verändert.

    Vielleicht ist Grand Puy kein Skiort mehr. Aber er ist noch immer ein Stück Alpenkultur. Ein Ort, der gelernt hat, dass man auch ohne Schnee glänzen kann – mit Mut, Gemeinschaft und einer Prise Fantasie.

    Und wer weiß? Vielleicht hört man eines Tages wieder Stimmen am Hang. Keine von Skifahrern, sondern von Spaziergängern mit Lampions, die sagen: „C’est beau ici, non?“

    Ja, schön ist es. Anders, aber schön.

    Ein Artikel von M. Legrand

  • Céüze sagt dem Skifahren Lebewohl – und erfindet sich neu

    Céüze sagt dem Skifahren Lebewohl – und erfindet sich neu

    Es ist ein Moment mit Symbolkraft: Die letzten Skiliftpylone verlassen die Hänge von Céüze – Stück für Stück, per Helikopter abgetragen, wie aus einer anderen Zeit. Der einst blühende Wintersportort in den französischen Hautes-Alpes beendet offiziell seine Geschichte als Skistation. Was zurückbleibt, ist keine Ruine, sondern ein Ort im Aufbruch. Der Abschied vom weißen Traum […]

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  • Wenn ein Wald durstet: Die Chartreuse im Kampf gegen das große Austrocknen

    Wenn ein Wald durstet: Die Chartreuse im Kampf gegen das große Austrocknen

    Im Herzen der französischen Alpen liegt eine grüne Welt, die einst als wasserreiches Naturparadies galt. Die Chartreuse – ein imposanter Gebirgszug zwischen Grenoble und Chambéry – beherbergt eine der ursprünglichsten und faszinierendsten Bergwälder Frankreichs. Doch dieser grüne Schatz ist bedroht. Die Dürre nimmt zu, Parasiten wüten, und die einst mächtigen Baumriesen fallen reihenweise. Was hier […]

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  • Tragödie am Mont-Blanc: Bergführer stirbt bei Sicherungsmission

    Tragödie am Mont-Blanc: Bergführer stirbt bei Sicherungsmission

    Ein Unfall, der die Welt der Bergsteiger erschüttert.Am Freitag, dem 12. September 2025, ist der erfahrene Bergführer und Ausbilder der École nationale de ski et d’alpinisme (ENSA), Christophe Jacquemoud, bei einer Mission an der Aiguille des Grands Charmoz ums Leben gekommen. Es war kein waghalsiger Gipfelsturm, kein Wettlauf gegen die Uhr – sondern eine Sicherheitsmission. Doch auch dabei zeigte die Natur ihre unberechenbare Seite.

    Ein Routineeinsatz mit tragischem Ausgang Jacquemoud war mit drei weiteren ENSA-Bergführern sowie einem Mitglied des Pelotons de gendarmerie de haute montagne (PGHM) im Einsatz. Ihr Auftrag: die Sicherung einer klassischen Route am Pilier Cordier, einer der berühmten Wände der Grands Charmoz.Gegen 17 Uhr, bei den letzten Abseilmanövern, kam es zum Unglück. Christophe Jacquemoud stürzte in die Wand. Seine Kollegen konnten nichts mehr ausrichten. Die Gendarmerie hat eine Untersuchung eingeleit…

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  • Alpen unter Wasser: Historische Fluten, ein Todesopfer in Italien und stillstehende Züge zwischen Paris und Mailand

    Alpen unter Wasser: Historische Fluten, ein Todesopfer in Italien und stillstehende Züge zwischen Paris und Mailand

    Die Natur hat wieder einmal gezeigt, wie wenig sie sich um menschliche Pläne schert.

    Am Montag, dem 30. Juni, verwandelten sich die Alpen an der Grenze zwischen Frankreich und Italien in ein dramatisches Szenario: Orkanartige Gewitter, reißende Bäche und zerstörerische Schlammlawinen legten alles lahm, was Menschenhand gebaut hat.

    Die Maurienne im Ausnahmezustand

    In der Savoie bot sich ein Bild, das viele Bewohnerinnen und Bewohner so noch nie gesehen hatten.

    Die Maurienne, eine langgezogene Talregion, war vom Unwetter besonders hart getroffen. In Modane und Fourneaux trat der sonst eher unscheinbare Torrent du Charmaix über die Ufer. Meterhoch aufgeschäumtes Wasser und braune Schlammmassen bahnten sich ihren Weg durch Straßen und Höfe, drangen in Keller und in die örtliche Schule ein. In manchen Bereichen stand das Wasser bis zu 50 Zentimeter hoch – eine unheimliche Vorstellung, wenn man sich vor Augen führt, wie plötzlich solche Wassermassen hereinbrechen.

    Die Präfektur sprach von der „schwersten Flut seit 70 Jahren“. Ein Satz, der hängen bleibt – denn wer in dieser Region lebt, kennt so manche Überschwemmung. Feuerwehrkräfte brachten rund fünfzehn Menschen in Sicherheit, unter anderem in den Gemeindesaal, der kurzfristig zum Notquartier umfunktioniert wurde.

    Paris – Mailand: Verbindungen gekappt

    Auch für Reisende hatte dieses Naturchaos gravierende Folgen.

    Seit Montagnachmittag, 17 Uhr, steht der Zugverkehr zwischen Paris und Mailand still. An der Gare de Modane, dem letzten Halt vor der italienischen Grenze, lagen die Gleise unter meterdicken Schlammlawinen und Geröll. Ein Anblick, der nicht nur Zugführer:innen und Gleisarbeiter fassungslos machte.

    Die SNCF sprach von einer Sperrung „mindestens für mehrere Tage“. Erst wenn die Schlammmassen entfernt und die Stabilität der Gleise geprüft seien, könne der Verkehr wieder anlaufen. Auch die Regionalzüge (TER) sind betroffen und müssen in Saint-Michel-Valloire enden – ein Nadelöhr für alle, die zwischen Frankreich und Italien pendeln.

    Tod in Bardonnèche: Schlammlawine reißt Mann mit

    Jenseits der Grenze, in Italien, nahm das Unwetter ein tödliches Ende.

    In Bardonnèche, einer kleinen alpinen Grenzstadt direkt hinter dem Fréjus-Tunnel, donnerte eine gewaltige Schlammlawine durch die Straßen. Ein 70-jähriger Mann wurde dabei von den Fluten mitgerissen und starb. Der örtliche Fluss, der ebenfalls Fréjus heißt, verwandelte sich binnen Minuten in einen tosenden, unkontrollierbaren Strom, der Autos wegdrückte und Straßen unpassierbar machte.

    Ein ganzes Stadtviertel ist derzeit von der Außenwelt abgeschnitten. Die Behörden hatten bereits zuvor dringend geraten, zuhause zu bleiben – doch gegen die Urgewalt solcher Lawinen hilft manchmal auch kein guter Rat mehr.

    Hitzewelle als Brandbeschleuniger des Unwetters

    Wer sich fragt, warum solche Gewitter plötzlich so gewaltig werden, findet die Antwort in den Temperaturen der letzten Tage.

    Denn vor dem Gewitter hatte eine massive Hitzewelle Südeuropa im Griff. Italien hatte landesweit Alarmstufe Rot ausgerufen: Von Mailand bis Rom, von Bologna bis Florenz ächzen die Menschen unter drückender Hitze. In Bologna richteten die Behörden „Klima-Schutzräume“ für Schwangere, Senioren und andere gefährdete Gruppen ein. In Ancône verteilte man sogar Luftentfeuchter, um wenigstens die stickige Feuchtigkeit in den Wohnungen zu lindern.

    Und so wurde diese Hitze mit ihrer feucht-schwülen Luft zu einer Art Treibstoff für die Gewitterwolken, die sich über den Alpen stauten, abregneten und schließlich alles überfluteten, was sich ihnen in den Weg stellte.

    Wenn die Alpen weinen

    Diese Flutkatastrophe zeigt schonungslos, wie verletzlich die Alpen sind.

    Immer häufiger reißen Unwetter ganze Straßen weg, verschütten Bahnstrecken und reißen Häuser mit. Klimaforscher schlagen seit Jahren Alarm, weil der Temperaturanstieg in den Gebirgsregionen besonders drastisch ausfällt. Die Folgen? Auftauende Permafrostböden, instabile Hänge, unvorhersehbare Wassermassen.

    Vielleicht sollte man sich in diesen Tagen nicht nur fragen, wie schnell Züge zwischen Paris und Mailand wieder fahren – sondern auch: Wie viele solcher Warnschüsse braucht es noch, bis wir unsere Bauweisen, Warnsysteme und unseren Lebensstil konsequent an diese neuen Realitäten anpassen?

    Die Stille nach dem Sturm

    Für Modane, Bardonnèche und alle weiteren betroffenen Orte heißt es nun aufräumen, reparieren und hoffen, dass der nächste Gewitterguss nicht schon wieder neue Wunden reißt.

    Doch wer einmal erlebt hat, wie eine braune Schlammlawine an der Haustür rüttelt, der wird die Stille nach dem Sturm nie wieder als selbstverständlich empfinden.

    Autor: Andreas M. Brucker

  • Kommentar: Schneeflöckchen, Weißröckchen – Du kommst nie zurück!

    Kommentar: Schneeflöckchen, Weißröckchen – Du kommst nie zurück!

    Man muss es einfach mal aussprechen: Der alpine Skitourismus, so wie wir ihn kannten, stirbt. Langsam, leise und von vielen verdrängt. Aber er stirbt – in Frankreich, in den Alpen, überall. Und während Politiker noch über Schneekanonen, neue Lifte oder Steuererhöhungen diskutieren, verabschiedet sich der Winter klammheimlich aus den Bergen.

    Ich komme aus einer Familie, die ihre Ferien immer im Schnee verbracht hat. Allos, Serre Chevalier, Les Orres – diese Namen schmeckten für uns nach Raclette, roter Nase und Skischuhdrama. Aber heute? Heute sehe ich nur noch braune Hänge, grüne Weihnachten und Gemeinden, die ihre Seele verkaufen, um ein paar Saisons länger durchzuhalten.

    Wie absurd ist es, im Jahr 2025 noch so zu tun, als könnten Skigebiete unter 2.000 Metern langfristig überleben? Es ist, als würde man mit einem Gießkännchen ein brennendes Haus löschen – ein netter Versuch, aber komplett zum Scheitern verurteilt.

    Und ja, ich höre sie schon, die Romantiker: „Aber was ist mit der Tradition?“
    Na und? Tradition darf doch kein Freifahrtschein für Realitätsverweigerung sein.

    Was wir brauchen, ist Ehrlichkeit. Und Mut. Der Mut zu sagen: „Schluss mit dem Selbstbetrug!“ Der Mut, Visionen für einen ganzjährigen, nachhaltigen Bergtourismus zu entwickeln, statt auf Alibiveranstaltungen und künstlich beschneite Pisten zu setzen. Das ist nämlich nichts anderes als Schnee von gestern – im wahrsten Sinne des Wortes.

    Warum fällt es uns so schwer loszulassen? Vielleicht, weil wir gelernt haben, den Winter mit Kindheit, Geborgenheit und Freiheit zu verbinden. Aber die Wahrheit ist: Der Winter hat sich verändert. Und wir müssen es auch tun.

    Natürlich tut es weh. Ich weine innerlich, wenn ich an all die stillgelegten Lifte, leerstehenden Chalets und das vergessene Rattern der Gondeln denke. Aber ich weine noch mehr, wenn ich sehe, wie Gemeinden ihr letztes Geld in eine Schneesaison investieren, die nie mehr kommt.

    Sollen wir deshalb alle Skiorte aufgeben? Nein. Aber wir müssen differenzieren. Hochgelegene Gebiete haben vielleicht noch eine Chance. Die anderen? Die brauchen ein neues Konzept. Wandern, Mountainbiken, Kulinarik, Kunst – das alles kann genauso magisch sein wie ein Tiefschneetag.

    Aber was wir nicht mehr brauchen, ist diese Verklärung des Skitourismus als alternativlose Lebensgrundlage.

    Denn wenn das einzige Zukunftsmodell lautet: „Entweder höhere Steuern oder mehr Schnee, der nicht mehr fällt“ – dann ist die Diskussion eigentlich längst entschieden.

    Es wird Zeit, dass wir aufhören, um ein System zu kämpfen, das sich selbst längst aufgegeben hat. Wer den Winter retten will, muss anfangen, neu zu denken. Und vielleicht – nur vielleicht – entdecken wir dabei eine ganz neue Liebe zu unseren Bergen.

    Von C. Hatty