Schlagwort: Klima

  • Jane Goodall ist tot – und hinterlässt der Welt mehr als nur Forschung

    Jane Goodall ist tot – und hinterlässt der Welt mehr als nur Forschung

    Sie gab Schimpansen Namen. Sie gab der Natur eine Stimme. Und sie gab uns ein Vermächtnis, das bleibt.

    Am 1. Oktober 2025 ist Jane Goodall im Alter von 91 Jahren in Los Angeles gestorben – mitten auf einer Vortragsreise, wie es sinnbildlicher kaum sein könnte. Bis zuletzt war sie unterwegs, um zu sprechen, zu bewegen, zu erinnern. Der Tod dieser bemerkenswerten Frau markiert nicht nur das Ende eines außergewöhnlichen Lebens, sondern auch einen Moment der kollektiven Rückschau: Was bleibt, wenn die Stimme der Natur verstummt?

    Eine stille Beobachterin, die laut wurde

    Jane Goodall wurde 1934 in London geboren – in eine Welt, die von Männern regiert und von Konventionen begrenzt wurde. Doch schon als Kind war da diese Neugier, dieses stille Staunen über Tiere und ihre Welt. Mit Mitte Zwanzig zog es sie nach Afrika, wo sie 1960 in Tansania ihre Langzeitbeobachtung von Schimpansen begann – ohne akademischen Abschluss, ohne formale Ausbildung. Nur mit einem Fernglas, einem Notizbuch und einem unbeirrbaren Willen.

    Sie saß stundenlang im Busch, beobachtete, schrieb mit – und veränderte, was wir über Tiere dachten. Schimpansen, entdeckte sie, benutzen Werkzeuge. Sie haben Emotionen. Sie bilden soziale Strukturen, kennen Freundschaft und Konflikt, Liebe und Verlust. Goodall sprach nicht von „Versuchsobjekten“, sondern von David Greybeard, Flo, Goliath. Sie benannte, wo andere nummerierten – und schenkte uns dadurch neue Augen.

    Vom Regenwald ins Weltgeschehen

    Doch Jane Goodall blieb nicht im Dschungel. Ab den 1980er Jahren wandelte sie sich von der Forscherin zur Aktivistin. Sie reiste, sprach, forderte. Sie kämpfte gegen Wildtierhandel, gegen die Vernichtung von Lebensräumen, gegen das Verstummen der Artenvielfalt.

    1977 gründete sie das Jane Goodall Institute. Es war mehr als eine Stiftung – es war eine Vision. Naturschutz, so glaubte sie, funktioniert nur, wenn man Menschen mitnimmt: lokale Gemeinschaften, junge Generationen, politische Entscheidungsträger. Ihr Bildungsprogramm „Roots & Shoots“ wurde zu einer globalen Bewegung, in der Kinder Bäume pflanzen, Umweltprojekte starten und lernen, dass auch kleine Taten große Kreise ziehen.

    Die Macht der leisen Revolution

    Jane Goodall war nie laut. Aber sie hatte eine Präsenz, die Räume veränderte. Ihre Stimme – sanft, aber bestimmt. Ihre Sprache – klar, niemals belehrend. Ihre Haltung – immer von Respekt getragen, vor Mensch und Tier.

    Und dennoch war sie unbequem. Sie sprach unbeirrt von Verantwortung, von unserer Rolle als Teil, nicht als Herrscher der Natur. Ihr Leben war ein Appell: Seht hin. Hört zu. Handelt.

    2025, wenige Monate vor ihrem Tod, erhielt sie die Presidential Medal of Freedom – als Symbol dafür, wie weit ihre Botschaft gereist war. Vom Tanganyika der Sechzigerjahre bis in die politische Bühne der Welt heute.

    Was bleibt, wenn sie geht?

    Ihr Tod ist ein Verlust. Keine Frage. Aber vielleicht ist es mehr ein Übergang. Denn Jane Goodalls größter Beitrag war nie allein die Wissenschaft. Es war die Idee, dass Veränderung bei uns beginnt – in unserem Blick auf Tiere, auf Umwelt, aufeinander.

    Was also bleibt?

    Vier Spuren, die ihr Wirken hinterlässt:

    1. Empathie als Wissenschaftsprinzip:
    Sie zeigte, dass Beobachtung nicht kühl sein muss. Dass auch im Forschen Mitgefühl möglich ist. Ihre Methode war revolutionär – gerade weil sie menschlich war.

    2. Naturschutz als Gemeinschaftsaufgabe:
    Goodall glaubte nicht an Lösungen von oben. Sie glaubte an Engagement von innen. Ihr Vermächtnis ist partizipativ, inklusiv, dezentral.

    3. Eine globale Stimme für das Stumme:
    Ob beim Weltwirtschaftsforum oder vor Schüler:innen in ländlichen Schulen – Goodall sprach für die, die selbst keine Stimme haben: Tiere, Pflanzen, Ökosysteme.

    4. Ein Netzwerk, das weiterwächst:
    Das Jane Goodall Institute lebt weiter. In Afrika, Europa, Asien. Ihr Denken ist kein Monument, sondern ein Samen, der weiter Früchte trägt.

    Und jetzt?

    Die Frage, die bleibt, ist keine kleine: Wer spricht jetzt für die Natur? Wer füllt die Lücke, wenn ihre Stühle leer bleiben, ihre Sätze verhallen?

    Die Antwort liegt womöglich in ihrem eigenen Glaubenssatz: Jeder Mensch kann einen Unterschied machen – jeden Tag.

    Sicher beginnt ihr Erbe nicht in Gedenkfeiern, sondern im Alltag. Beim Plastikverzicht. Beim Spaziergang mit offenen Augen. Beim Gespräch mit Kindern über Tiere. Beim Pflanzen eines Baumes.

    Denn was Jane Goodall uns gelehrt hat, ist nicht nur Biologie. Es ist eine Haltung. Eine Verbindung. Ein Blick auf das Leben, der leise sagt: Du bist Teil davon. Also kümmere dich.

    Autor: Andreas M. Brucker

  • Chikungunya in Antibes: Wenn die Warnung vor der Tropenkrankheit per SMS ins Handy flattert

    Chikungunya in Antibes: Wenn die Warnung vor der Tropenkrankheit per SMS ins Handy flattert

    Antibes, Côte d’Azur. Statt Urlaubsfeeling, Sonnenschirm und Croissant am Strand gibt es plötzlich eine Push-Nachricht auf den Handys mit ganz anderem Beiklang: „Alerte sanitaire – cas de chikungunya“. Eine SMS, die mehr als 11.000 Menschen in der südfranzösischen Küstenstadt erreicht hat. Der Auslöser: über 100 nachgewiesene Infektionen mit dem tropischen Virus, alle lokal übertragen, ohne dass jemand zuvor eine Fernreise gemacht hätte. Ein Szenario, das bislang eher in den Schlagzeilen über La Réunion oder Indien auftauchte, spielt sich nun mitten in der französischen Riviera ab.

    Ein Rekord, der niemanden freut Die Gesundheitsbehörden sprechen vom größten bekannten Ausbruch in Frankreichs Geschichte. 103 Infektionen allein in Antibes – das entspricht etwa einem Viertel aller landesweit gemeldeten Fälle. Denn auch das ist neu: Frankreich zählt inzwischen über 500 autochthone Fälle seit Frühjahr 2025. Damit wird der Chikungunya nicht mehr als „importiertes Problem“ betrachtet, das ein…

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  • Ernährung, Klima, Gesundheit – eine Strategie im Wartestand

    Ernährung, Klima, Gesundheit – eine Strategie im Wartestand

    Frankreich ringt mit einem Grundsatzkonflikt zwischen wissenschaftlichen Empfehlungen, politischem Realismus und wirtschaftlichen Interessen. Seit mehr als zwei Jahren wartet das Land auf die Veröffentlichung einer nationalen Strategie für Ernährung, Gesundheit und Klima. Nun machen über hundert Organisationen öffentlich Druck – und stellen unbequeme Fragen nach Legitimität, Lobbyeinfluss und politischer Verantwortung. Im Zentrum steht ein Dokument, das mehr sein sollte als ein Regierungsplan: eine kohärente Antwort auf die ökologischen und gesundheitlichen Herausforderungen der Gegenwart. Doch stattdessen steht die „SNANC“ – die Stratégie nationale pour l’alimentation, la nutrition et le climat – sinnbildlich für die Schwierigkeit, wissenschaftliche Erkenntnisse in konkrete Politik zu überführen.

    Ein Entwurf mit Ambition – und vielen Widersprüchen Die französische Strategie sollte ursprünglich bereits im Sommer 2023 vorliegen. Ihr Ziel war es, Ernährungspolitik, Gesundheitsprävention…

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  • Legionellen-Alarm in Savoyen: Was hinter dem Ausbruch in Albertville steckt

    Legionellen-Alarm in Savoyen: Was hinter dem Ausbruch in Albertville steckt

    Ein unsichtbarer Feind hat sich in die Täler der französischen Alpen geschlichen – und er ist möglicherweise tödlich. Zwischen dem 16. und dem 22. September 2025 wurden in der Region rund um Albertville, Savoie, insgesamt 17 Fälle von Legionellose registriert. Sechs Patient:innen liegen auf der Intensivstation, eine Person hat den Kampf gegen die Krankheit bereits verloren. Die französischen Gesundheitsbehörden sind alarmiert – und auf Spurensuche. Ein Ausbruch mit vielen Fragezeichen – und einigen beunruhigenden Antworten.

    Was ist Legionellose – und warum ist sie gefährlich? Legionellose, oft auch als Legionärskrankheit bezeichnet, ist eine schwere Lungenentzündung, ausgelöst durch das Bakterium Legionella pneumophila. Die Übertragung erfolgt nicht von Mensch zu Mensch – sondern durch das Einatmen winziger Wassertröpfchen (Aerosole), die mit der Bakterie kontaminiert sind. Diese Aerosole entstehen überall dort, wo warmes Wasser fein zerstäubt wird: in Duschen, Klimaanlagen, Whirlpool…

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  • Marseille unter Wasser: Wenn ein Monat Regen in einer Stunde fällt

    Marseille unter Wasser: Wenn ein Monat Regen in einer Stunde fällt

    Es war, als hätte jemand den Himmel aufgerissen. Innerhalb weniger Minuten stand das Wasser in den Straßen Marseilles kniehoch, Autos trieben wie Spielzeuge durch die Viertel, besonders betroffen: das Quartier de l’Estaque. Was hier am 21. September 2025 passierte, war kein gewöhnliches Unwetter. Es war ein meteorologischer Ausnahmezustand.

    Denn was da vom Himmel prasselte, entsprach dem, was sonst in einem Monat fällt – in manchen Gebieten sogar eineinhalb Monate, in nur einer einzigen Stunde.

    80 Liter in einer Stunde

    Normalerweise fällt in Marseille im gesamten Monat September zwischen 35 und 45 Liter Regen auf einen m2. In Sanary-sur-Mer, an der Küste des Départements Var, liegt der Monatsdurchschnitt bei rund 42 Litern.

    Doch an diesem Sonntag ergossen sich 80 bis 90 Liter/m2 binnen 60 Minuten über die Region. Das bedeutet: Fast zwei volle Monatsrationen – eine Menge, die selbst für Mittelmeerregionen, die regelmäßig von Starkregen betroffen sind, völlig aus dem Rahmen fällt.

    Aber: Nicht der Regen allein war das Problem – sondern die Wucht, mit der er kam.

    Schlamm, Stromausfälle und Chaos

    Die Folgen ließen nicht lange auf sich warten. Straßen verwandelten sich in reißende Bäche, Unterführungen wurden zu Fallen, der Strom fiel aus, der Nahverkehr kam zum Erliegen. In Estaque spülte das Wasser Fahrzeuge weg, drang in Wohnungen ein, verwüstete Geschäfte.

    Mancherorts rutschte der aufgeweichte Boden ab. Denn diese Gegend wurde schon im Sommer durch Buschbrände geschwächt – das Feuer hatte die Vegetation zerstört, die Erde hatte keinen Halt mehr. Es war ein Lehrstück in Sachen Hydrologie: Ohne Pflanzen kein Halt, kein Puffer, kein natürlicher Schutz.

    Das Wettergeschehen lässt sich erklären – zumindest meteorologisch. Der späte Sommer bis frühe Herbst ist die klassische Zeit für solche Ereignisse: Die Mittelmeeroberfläche ist noch warm, die Luft kann viel Feuchtigkeit aufnehmen. Trifft dann ein südöstlicher Luftstrom auf diese aufgeladene Atmosphäre, kann sich ein stationäres Gewittersystem bilden, das seine Feuchtigkeit binnen Minuten entlädt.

    Doch da steckt noch mehr dahinter.

    Der Boden – ausgetrocknet und geschwächt – nimmt das Wasser nicht mehr auf. Statt zu versickern, fließt es oberflächlich ab, reißt Erde, Müll, ja ganze Autos mit sich. Noch dazu ist Marseille stark verbaut, versiegelt durch Straßen und Beton – das Wasser findet keinen natürlichen Weg mehr.

    Klimakrise oder mediterranes Wetter?

    Natürlich gab es in Marseille schon früher starke Regenfälle. Historisch belegt ist ein Extremereignis mit über 200 Litern/m2 an einem einzigen Tag – im Jahr 1892. Auch in jüngerer Zeit wurden vereinzelt über 150 Liter in 24 Stunden gemessen.

    Doch was dieses Ereignis so besonders macht, ist die Verdichtung: 80 bis 90 Millimeter in nur einer Stunde – das gab es so kaum je zuvor, zumindest nicht in solch dicht besiedelten Gegenden. Offizielle Stundenrekorde lagen meist weit darunter, besonders in den letzten Jahrzehnten.

    Ein einzelner Starkregen macht noch keinen Klimawandel – aber die Häufung, Intensivierung und geografische Ausweitung solcher Ereignisse sind klare Warnsignale.

    Warnung oder Weckruf?

    Was bleibt nach diesem Regen? Schlamm, Schäden, Scherben – aber auch Erkenntnisse.

    Diese Katastrophe zeigt nicht nur, wie verletzlich gerade große Städte wie Marseille sind. Sie legt auch offen, wo die Schwachstellen liegen: veraltete Entwässerungssysteme, unzureichende Vorsorge, fehlender Raum für Wasser, kaum angepasste Bauvorgaben in Risikozonen.

    Es braucht neue Standards, neue Schutzkonzepte – und ein grundsätzliches Umdenken im Umgang mit Wasser: nicht nur als Ressource, sondern auch als Gefahr.

    Denn wer einmal erlebt hat, wie aus einem Spätsommerregen binnen Minuten eine lebensbedrohliche Flut wird, weiß: Die Natur verzeiht keine Nachlässigkeit.

    Und wenn das, was einst als Jahrhundertregen galt, plötzlich alle paar Jahre auftritt – dann ist das keine Ausnahme mehr.

    Dann ist das der Anfang.

    Von C. Hatty

  • Unwetter Bretagne: Ertrunken im eigenen Auto – ein Todesfall, der viele Fragen aufwirft

    Unwetter Bretagne: Ertrunken im eigenen Auto – ein Todesfall, der viele Fragen aufwirft

    Montagmorgen in Guingamp, Nordwestfrankreich. Es regnet, ununterbrochen, seit Stunden. Die Böden sind durchweicht, Bäche steigen über die Ufer, Straßen verwandeln sich in reißende Flüsse. Mitten in diesem Wetterchaos geschieht es: Eine Frau stirbt, weil ihr Auto von den Wassermassen mitgerissen wird. Ein tragischer Unfall – und ein Warnsignal. Ein kurzer Moment, der das Leben kostet Die Frau, etwa 55 Jahre alt, war auf dem Weg zur Arbeit. Sie nahm eine Strecke, die sie wahrscheinlich gut kannte. Doch an diesem Morgen war alles anders. Eine überflutete Straße, ein zunächst unscheinbares Rinnsal, das sich in einen Strom verwandelt hatte – und plötzlich gibt es kein Zurück mehr. Ihr Fahrzeug wird eingeschlossen, das Wasser steigt. Sie schafft es nicht, sich zu befreien. Rettungskräfte finden später das Auto – und ihren leblosen Körper. Die Wetterlage war dramatisch. Der gesamte bretonische Küstenabschnitt, insbesondere das Département Côtes-d’Armor, stand unter Unwetterwarnung. Innerhalb …

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  • Sintflut im Süden: Orkanartige Regenfälle setzen Marseille und die Bouches-du-Rhône unter Wasser

    Sintflut im Süden: Orkanartige Regenfälle setzen Marseille und die Bouches-du-Rhône unter Wasser

    Es ist, als hätte der Himmel seine Schleusen geöffnet. An diesem Sonntag, dem 21. September, verwandelte sich der Süden Frankreichs binnen Stunden in eine Wasserlandschaft, wie sie die Bewohnerinnen und Bewohner selten erlebt haben. Die Départements Vaucluse und Bouches-du-Rhône stehen unter Alarmstufe Orange: „Orage“ und „pluie-inondation“ – Gewitter und Starkregen-Überschwemmung. Und das nicht ohne Grund. Schon am frühen Nachmittag verschlechterten sich die Bedingungen im Vaucluse. Innerhalb kurzer Zeit fielen Regenmassen, die Keller, Straßen und ganze Stadtteile überfluteten. Was dort begann, zog unaufhaltsam Richtung Marseille.

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    Ein Beitrag geteilt von France 3 Provence-Alpes (@france3provencealpes)

    99 Liter Regen in wenigen Stunden Météo France lieferte die nackten Zahlen: 99 Liter/m2 Niederschlag in Eyragues – fast ein ganzer Monatswert in wenigen Stunden. Ein solcher Wasserschwall macht keinen Unter…

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  • Französische Weinberge im Umbruch: Hybride Rebsorten gegen Pestizide

    Französische Weinberge im Umbruch: Hybride Rebsorten gegen Pestizide

    Die Weinberge Frankreichs stehen unter Druck. Krankheiten, Klimawandel, steigende Umweltauflagen – alles drängt die Winzer, neue Wege zu gehen. Eine der spannendsten Entwicklungen trägt den unscheinbaren Namen „hybride Rebsorten“. Doch hinter diesem Begriff steckt nichts weniger als ein kleines Erdbeben für die Weinwelt.

    Was sind hybride oder resistente Rebsorten? Hybride Rebsorten, auch PIWI genannt, entstehen aus einer Kreuzung der klassischen europäischen Vitis vinifera mit wilden Arten aus Nordamerika oder Asien. Ziel ist ein doppelter Gewinn: die aromatische Finesse der europäischen Weine und die natürliche Abwehrkraft der Wildarten.So entstehen Sorten, die sich gegen Pilzkrankheiten wie Mehltau oder Oidium deutlich robuster zeigen. Weniger Behandlungen mit Kupfer und Schwefel, weniger Traktorfahrten durch die Rebzeilen – und damit weniger Belastung für Böden, Grundwasser und Menschen.

    Frankreich tastet sich vor In der Gironde hat die Winzergenossenschaft Tutiac begonnen, resist…

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  • Frankreich und das Wasser: Wie das Land seine Trinkwasserversorgung gegen die Dürre absichern will

    Frankreich und das Wasser: Wie das Land seine Trinkwasserversorgung gegen die Dürre absichern will

    Frankreichs Wasserspeicher geraten ins Schwitzen. Seit der großen Trockenheit 2022 steht das Land vor einer unbequemen Wahrheit: Die Quellen, aus denen jahrzehntelang scheinbar mühelos Trinkwasser sprudelte, werden unzuverlässig. Grundwasser sinkt früher ab, Flüsse führen länger Niedrigwasser, und selbst Winterregen füllen die Speicher nicht mehr zuverlässig. Besonders kleine Gemeinden und abgelegene Regionen erleben inzwischen, was es heißt, wenn das tägliche Glas Leitungswasser nicht mehr selbstverständlich ist. Die Frage lautet nicht mehr: Kommt eine neue Dürre? Sondern: Wie überstehen wir sie?

    Neue Fabriken für sauberes Wasser Eine der Antworten heißt Technik. Überall im Land entstehen neue Werke zur Trinkwasseraufbereitung. In Montpellier etwa wurde 2024 die moderne Usine de Valédeau eröffnet. Sie zapft das Wasser des Rhône an, reinigt es und liefert täglich fast 65.000 Kubikmeter Trinkwasser – genug, um eine Metropolregion selbst in Zeiten von Hitzerekorden zu versorgen. Dazu gi…

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  • Hitzewelle im Herbst: Frankreich schwitzt im Spätsommermodus

    Hitzewelle im Herbst: Frankreich schwitzt im Spätsommermodus

    35 Grad – mitten im September und kurz vor Herbstanfang. Klingt nach einem meteorologischen Ausrutscher, ist aber längst kein Einzelfall mehr. Frankreich erlebt am heutigen Freitag, dem 19. September, einen markanten Hitzespitzenwert – einen sogenannten „sursaut de l’été“, also ein spätsommerliches Aufflackern, das sich mit zunehmender Regelmäßigkeit in den Herbst hineinschiebt.

    Was früher als Laune der Natur galt, ist heute ein weiteres Symptom eines größeren Problems: der menschengemachte Klimawandel.

    Fast das ganze Land ist betroffen. In Bordeaux klettert das Thermometer auf 32 Grad, in Paris werden 29 Grad erwartet, in Toulouse 28 Grad und in Lille immerhin noch 27 Grad. Besonders heiß wird es im Südwesten – in den Ebenen der Gironde, in Lot-et-Garonne, Landes und Gers könnten die Temperaturen sogar die 35-Grad-Marke knacken. Ein Wert, der laut Météo-France nach dem 15. September höchst selten war – zumindest früher.

    Doch was ist heute noch „normal“?

    In der nördlichen Landeshälfte zeigen sich die Extremwerte etwas gedämpfter, aber auch dort können in Regionen wie den Hauts-de-France, der Normandie, dem Pariser Becken oder in der Bourgogne punktuell 30 Grad erreicht werden. Im Durchschnitt liegt die Temperatur an diesem Tag über das gesamte französische Staatsgebiet hinweg rund 5,2 Grad über dem langjährigen Mittelwert. Eine Abweichung, die längst keine bloße Wetterkapriole mehr ist, sondern deutlicher Fingerzeig auf eine sich verändernde Klimarealität.

    Nur eine Region fällt ein wenig aus dem Hitzemuster: Der Nordwesten, vor allem Bretagne und Cotentin, spüren die kühlende Hand des atlantischen Ozeans. In Brest bleibt es mit rund 19 Grad angenehm mild.

    Schon am Vortag haben mehrere Messstationen in Okzitanien und der Gironde Temperaturen jenseits der 33 Grad registriert – Vorboten dessen, was heute in voller Wucht über das Land hinwegzieht. Doch das Sommer-Comeback hat ein Ablaufdatum: Bereits am Samstag hält sich die Hitze nur noch in einigen Regionen, bevor am Sonntag eine markante Wetterwende folgt – mit Gewittern, Regen und Temperaturstürzen auf unter 15 Grad in manchen Gebieten.

    Ein meteorologischer Stimmungswechsel? Sicher. Aber auch ein Blick auf das, was uns immer häufiger erwartet.

    Denn dieser Hitzeschub ist kein Zufall, sondern direkte Folge einer globalen Entwicklung. Seit dem 19. Jahrhundert hat sich die durchschnittliche Temperatur der Erde um 1,1 Grad erhöht. Diese Zahl klingt harmlos – doch sie steht für einen tiefgreifenden Wandel. Wissenschaftler sind sich einig: Hauptverantwortlich dafür sind menschliche Aktivitäten, insbesondere die Verbrennung fossiler Energieträger wie Kohle, Öl und Gas. Die Geschwindigkeit dieses Temperaturanstiegs ist ohne Beispiel in der Erdgeschichte – und sie überfordert nicht nur die natürlichen Kreisläufe, sondern auch unsere gesellschaftlichen Systeme.

    Wie sehr der Klimawandel bereits unseren Alltag beeinflusst, zeigt sich nicht mehr nur in apokalyptischen Szenarien, sondern in ganz konkreten Lebensrealitäten. In Bauernhöfen, die unter Dürre leiden. In Städten, die nachts nicht mehr abkühlen. In Menschen, die gesundheitlich unter der Hitze ächzen – insbesondere Alte, Kranke und Kinder.

    Und da stellt sich unweigerlich die Frage: Müssen wir uns an 35 Grad im September gewöhnen?

    Die Antwort ist komplex – sie liegt nicht nur in der Anpassung, sondern in der Veränderung. Die gute Nachricht: Es gibt Lösungen. Der Ausbau erneuerbarer Energien, ein bewussterer Lebensstil, etwa durch weniger Fleischkonsum und geringeren Energieverbrauch, sowie politische Weichenstellungen für mehr Klimaschutz sind kein utopisches Wunschdenken, sondern machbare, greifbare Maßnahmen.

    Ob sie rechtzeitig umgesetzt werden – das wird über die Zukunft entscheiden.

    Doch eines ist schon jetzt klar: Der Herbst, wie wir ihn kannten – golden, kühl, verlässlich – steht vor einem Umbruch. Und mit ihm eine ganze Generation, die sich neu orientieren muss in einem Klima, das aus den Fugen geraten ist.

    Autor: Andreas M. Brucker