Schlagwort: Klima-Notstand

  • Klimagerechtigkeit: Wenn die Krise nicht alle gleich trifft

    Klimagerechtigkeit: Wenn die Krise nicht alle gleich trifft

    Der Begriff „Klimagerechtigkeit“ klingt zunächst vielleicht etwas abstrakt – fast wie ein juristisches Konzept mit grünem Anstrich. Aber hinter diesem Wort verbirgt sich eine der zentralen Fragen unserer Zeit: Wer trägt die Verantwortung für die Klimakrise – und wer muss am meisten darunter leiden? Und mehr noch: Wie sorgen wir dafür, dass aus einer globalen Umweltkrise keine globale Ungerechtigkeit wird?

    Ein ungleiches Spiel: Wer verursacht, wer leidet?

    Die nackten Zahlen sind eindeutig – und brutal: Länder des Globalen Nordens, allen voran Industrienationen wie die USA, Deutschland oder Japan, haben seit der Industrialisierung gigantische Mengen an Treibhausgasen in die Atmosphäre geblasen. Der Lebensstandard dieser Länder basiert zu einem erheblichen Teil auf genau diesem Ausstoß. Die Reichen haben sich ihren Wohlstand auch durch das Verheizen fossiler Rohstoffe erkauft.

    Gleichzeitig zeigt sich die Kehrseite dieses Modells besonders deutlich im Globalen Süden. Dort verursachen Länder wie Mosambik, Bangladesch oder Guatemala nur einen winzigen Bruchteil der weltweiten Emissionen – und doch werden sie von den Folgen der Klimakrise oft mit voller Wucht getroffen: Extremwetterereignisse, Ernteausfälle, steigende Meeresspiegel. Ein bisschen zynisch, aber treffend formuliert: Sie zahlen den Preis für ein Fest, zu dem sie nie eingeladen waren.

    Drei Ebenen der Ungerechtigkeit

    Schauen wir genauer hin, zeigt sich die Klimakrise auf mindestens drei Ebenen zutiefst ungerecht – und jede dieser Ebenen verdient einen eigenen Blick.

    1. Verursachung und Betroffenheit

    Das Grundmuster ist einfach – und schmerzhaft klar: Die Hauptverursacher sind nicht die Hauptleidtragenden. Wer über Geld, Infrastruktur und technologische Möglichkeiten verfügt, kann sich besser gegen die schlimmsten Auswirkungen wappnen. Stabile Dämme, Frühwarnsysteme, Versicherungen gegen Klimaschäden – all das ist in wohlhabenden Ländern machbar.

    Ganz anders die Situation in wirtschaftlich schwachen Regionen. Wenn der Monsunregen ausbleibt oder ein Zyklon ein Dorf verwüstet, stehen viele Menschen vor dem Nichts – ohne soziale Sicherung, ohne staatliche Hilfe, ohne Rücklagen. Das ist mehr als eine Umweltfrage. Es ist eine Frage der sozialen Fairness.

    2. Räumliche Ungleichheit

    Ein Kind, das heute in einem Vorort von Berlin aufwächst, lebt in einer ganz anderen klimatischen Realität als ein Kind in Dhaka oder Lagos. Dabei ist die geographische Ungleichheit keineswegs Zufall – sie ist Ausdruck einer globalen Machtverteilung, in der Länder des Globalen Südens oft benachteiligt sind.

    Und die Realität ist noch härter: Die Regionen, die ohnehin schon mit Armut, schwacher Infrastruktur und politischer Instabilität kämpfen, sind auch die Regionen, die den Klimawandel am wenigsten bewältigen können. Hier potenziert sich das Problem.

    3. Zeitliche Ungleichheit

    Der Klimawandel ist eine tickende Zeitbombe – aber nicht alle sitzen gleich nah dran. Die Schäden, die heute durch Emissionen verursacht werden, treffen nicht nur uns, sondern vor allem die kommenden Generationen. Menschen, die heute noch gar nicht geboren sind, werden mit einer Welt konfrontiert, in der Naturkatastrophen zur Normalität gehören könnten.

    Die Zeitdimension ist deshalb so brisant, weil wir damit eine ethische Verantwortung übernehmen müssen: gegenüber unseren Kindern und Enkeln. Können wir rechtfertigen, dass wir heute auf Kosten der Zukunft leben?

    Klimagerechtigkeit – mehr als nur ein schönes Wort

    Der Begriff „Klimagerechtigkeit“ ist nicht nur ein Appell, er ist eine politische Leitlinie. Er verlangt eine radikale Umverteilung von Verantwortung, von Ressourcen, von Handlungsspielräumen. Und das betrifft sowohl internationale Beziehungen als auch innerstaatliche Realitäten.

    Wie soll das gehen?

    Hier einige zentrale Forderungen, die aus dem Konzept der Klimagerechtigkeit folgen:

    • Verursacherprinzip konsequent anwenden: Wer historisch und aktuell besonders viel CO₂ ausgestoßen hat, soll auch besonders viel zum Klimaschutz und zur Unterstützung der Betroffenen beitragen.
    • Klimafinanzierung ausbauen: Reiche Länder sollen nicht nur Emissionen senken, sondern auch ärmere Länder finanziell dabei unterstützen, sich an den Klimawandel anzupassen.
    • Wissen teilen: Technologien für nachhaltige Energie und Landwirtschaft müssen global verfügbar gemacht werden – nicht als Geschenk, sondern als Teil eines gerechten Ausgleichs.
    • Soziale Gerechtigkeit im Blick behalten: Auch innerhalb der Länder gibt es Ungleichheiten – Klimapolitik muss deshalb armutsorientiert und inklusiv sein.
    • Zukünftige Generationen schützen: Klimapolitik heute muss sich an der Frage messen lassen, welche Welt sie morgen hinterlässt.

    Klimakrise trifft nicht alle gleich – auch innerhalb eines Landes

    Das Argument, Klimagerechtigkeit sei nur ein Nord-Süd-Thema, greift zu kurz. Auch innerhalb von Gesellschaften gibt es massive Unterschiede. In vielen Ländern sind es einkommensschwache Haushalte, Menschen mit Behinderung, Alleinerziehende oder indigene Gruppen, die besonders verletzlich sind.

    In den USA zum Beispiel zeigen Studien, dass schwarze und hispanische Communities überdurchschnittlich häufig in Gebieten mit hoher Luftverschmutzung leben oder überdurchschnittlich oft von Überschwemmungen betroffen sind. In Deutschland wiederum wohnen viele Menschen mit niedrigerem Einkommen in schlecht isolierten Wohnungen – sie leiden besonders unter Hitzewellen oder explodierenden Energiepreisen.

    Klimagerechtigkeit bedeutet also auch: Innenpolitische Verteilungsgerechtigkeit muss mitgedacht werden.

    Verantwortung heißt handeln – und zwar jetzt

    Es geht nicht um Schuldzuweisungen. Sondern um Verantwortung. Und die ist klar verteilt.

    Was mich daran manchmal fast verzweifeln lässt? Dass wir eigentlich alles wissen – und doch so zögerlich handeln. Die Daten sind da, die Technologien ebenfalls. Und dennoch kleben wir an fossilen Strukturen wie ein Kind an seinem Lieblingsspielzeug. Wir wissen, dass es schadet, aber wir können nicht loslassen.

    Gleichzeitig sehe ich weltweit Initiativen, Bewegungen und Projekte, die Mut machen. Von indigenen Gemeinschaften, die ihre Wälder schützen, über Städte, die klimaneutral werden wollen, bis hin zu Jugendlichen, die für ihre Zukunft auf die Straße gehen. Dieser Funken Hoffnung – der fehlt uns in der Politik oft, aber er brennt noch. Zum Glück.

    Zwei unbequeme Fragen zum Schluss:

    Wie lange schauen wir noch zu, während andere für unseren Lebensstil bezahlen?

    Und was sagen wir unseren Kindern, wenn sie uns in zwanzig Jahren fragen, warum wir nicht früher gehandelt haben?

    Andreas M. Brucker

    Quellen:

    • IPCC (2023): Sixth Assessment Report. Intergovernmental Panel on Climate Change.
    • UNFCCC (2021): Climate Finance in the Era of COVID-19.
    • Oxfam (2020): Confronting Carbon Inequality.
    • Climate Justice Alliance (2022): Principles of Climate Justice.
    • Germanwatch (2023): Global Climate Risk Index.
    • Chakrabarty, D. (2021): The Climate of History in a Planetary Age. University of Chicago Press.
    • Klein, N. (2014): This Changes Everything: Capitalism vs. The Climate.
  • Trump stoppt US-Unterstützung für globale Klimafonds

    Trump stoppt US-Unterstützung für globale Klimafonds

    Die Vereinigten Staaten ziehen sich unter Präsident Donald Trump aus zwei internationalen Klimaschutzprogrammen zurück – mit gravierenden Folgen für ärmere Länder.

    Die US-Regierung kündigte in einem Brief an, sich aus einem Fonds zur Unterstützung von Ländern bei Klimakatastrophen zurückzuziehen. Zudem beendet sie ihre Beteiligung an einem globalen Finanzierungsprogramm zur Energiewende in Entwicklungsländern.

    „America First“ statt globaler Klimahilfe

    Ein Sprecher des US-Finanzministeriums begründete die Entscheidung mit Trumps Strategie, internationale Umweltabkommen aus einer „America First“-Perspektive zu bewerten. Die USA wollen zwar weiterhin mit Partnerländern über Energie und Investitionen sprechen, sich aber nicht mehr finanziell an globalen Klimafonds beteiligen.

    Für Länder, die auf diese Mittel angewiesen sind, ist das ein harter Schlag. Richard Sherman, Co-Vorsitzender des „Loss and Damage“-Fonds, betonte, dass der Rückzug der USA enorme Auswirkungen auf Entwicklungsländer habe.

    Diese Entscheidung überrascht nicht: Trump hatte bereits drastische Kürzungen bei Klimaschutzprogrammen vorgenommen, den Rückzug aus dem Pariser Klimaabkommen eingeleitet und Wissenschaftlern die Teilnahme an internationalen Klimakonferenzen untersagt.

    Die USA überlassen die Last den anderen

    Das „Loss and Damage“-Programm soll Länder unterstützen, die von Überschwemmungen, Dürren und anderen Klimakatastrophen betroffen sind. Schon zuvor hatten die USA nur geringe Summen beigesteuert – zuletzt lediglich 17,5 Millionen Dollar. Doch mit ihrem Rückzug verlieren sie nun auch die Möglichkeit, Einfluss auf die Verwendung der Mittel zu nehmen.

    Kenias Klimabeauftragter Ali Mohamed zeigte sich enttäuscht: „Gerade jetzt brauchen wir eine gemeinsame globale Anstrengung gegen die Folgen des Klimawandels.“

    Auch der Ausstieg aus der „Just Energy Transition Partnership“ (JETP) hinterlässt Lücken. Diese 2021 ins Leben gerufene Initiative unterstützt Schwellenländer bei der Abkehr von fossilen Energien – insbesondere von Kohle. Die USA waren Mitbegründer, zusammen mit Deutschland, Frankreich und Großbritannien.

    Milliarden für die Energiewende fehlen

    Die JETP-Partnerschaft hat bisher Milliarden für den Umbau der Energiewirtschaft in Ländern wie Südafrika, Indonesien und Vietnam bereitgestellt. Doch nun ziehen die USA eine Milliarde Dollar aus dem Programm zurück – ein herber Rückschlag.

    Joanne Yawitch, Leiterin der südafrikanischen JETP-Initiative, betonte, dass ihr Land weiterhin an der Energiewende festhalte. Auch in Indonesien befürchtet man Einschnitte, da einige Studien aufgrund der US-Entscheidung gestoppt werden müssen.

    Vertrauenskrise zwischen Nord und Süd

    Die Finanzierung des globalen Klimaschutzes bleibt eine der größten Streitfragen zwischen reichen und armen Ländern. Während wohlhabende Nationen sich verpflichtet haben, bis 2035 jährlich 300 Milliarden Dollar für Klimahilfen zu mobilisieren, reicht diese Summe nach Ansicht vieler Experten bei Weitem nicht aus.

    Der Ausstieg der USA verstärkt das Misstrauen zwischen globalem Süden und Norden. Entwicklungsländer erwarten von den größten historischen Umweltverschmutzern Verantwortung – stattdessen ziehen sich diese zurück.

    Trump setzt seine Umweltpolitik der Blockaden und Kürzungen unbeirrt fort. Doch welche langfristigen Folgen wird das für die USA haben, wenn sie als Klimabremser dastehen?

    Von C. Hatty

  • Überschwemmungen: Betonflut und Klimawandel – Lyon fordert Umdenken

    Überschwemmungen: Betonflut und Klimawandel – Lyon fordert Umdenken

    Die jüngsten Überschwemmungen im Rhonetal werfen erneut die dringende Frage auf, wie Städte in Zeiten des Klimawandels gebaut und geplant werden sollten. Besonders in Lyon, wo die Schäden durch die Wassermassen massiv sind, steht diese Problematik im Fokus. Der Präsident der Metropole Lyon, Bruno Bernard, ein entschlossener Verfechter des Umweltschutzes, findet deutliche Worte: „Man kann nicht weiter betonieren und dann überrascht sein, wenn man Probleme mit Überschwemmungen hat.“ Mit dieser scharfen Kritik richtet er sich gegen eine verfehlte Stadtplanung und fordert ein Umdenken im Umgang mit der Natur. Zersiedelung und ihre Folgen Bruno Bernard nimmt kein Blatt vor den Mund. Er prangert den sorglosen Umgang mit Flächenversiegelung und maßloser Urbanisierung an – Beton und Asphalt, wohin das Auge reicht. Diese versiegelten Flächen verhindern, dass Regenwasser natürlich abfließen kann. Der Boden kann es nicht mehr aufnehmen, das Wasser staut sich, fließt unkontrolliert ab und überflut…

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  • Der Sommer 2024: Wetterextreme und ihre Auswirkungen

    Der Sommer 2024: Wetterextreme und ihre Auswirkungen

    Der Sommer 2024 hat gezeigt, dass der Klimawandel nicht nur eine Zukunftsbedrohung ist, sondern uns bereits jetzt fest im Griff hat. Während viele Menschen das Gefühl hatten, dass dieser Sommer eher kühl und regnerisch war, sagen die Zahlen etwas anderes: Die Durchschnittstemperatur lag deutlich über den historischen Werten, und extreme Wetterereignisse wie Hitzewellen und Starkregen prägten das Geschehen. Was bedeutet das für uns und die Umwelt?

    Temperaturrekorde trotz trüben Wetters

    Auf den ersten Blick könnte man meinen, der Sommer 2024 sei eher unauffällig verlaufen – doch das täuscht. Obwohl es weniger Sonnenschein gab und einige Regionen mehr Regen abbekamen, war die durchschnittliche Temperatur von Juni bis August mit 21,09°C um 1,75°C höher als der Durchschnittswert der Jahre 1971 bis 2000. Besonders der August ragte heraus, er war deutlich wärmer als üblich. In 73 von 92 Tagen war es heißer als der Durchschnitt, und zwei Hitzewellen suchten Frankreich heim. Diese Entwicklung ist ein deutliches Zeichen dafür, wie stark der menschengemachte Klimawandel bereits unsere Sommer beeinflusst.

    Unregelmäßige Niederschläge und extreme Wetterereignisse

    Der Sommer 2024 brachte nicht nur hohe Temperaturen, sondern auch ungewöhnliche Niederschlagsmuster. Der Juni war mit 20 % mehr Regen als im Durchschnitt der Jahre 1991 bis 2020 besonders feucht, während der August mit einem Defizit von 25 % deutlich trockener war. Besonders heftig trafen Starkregen und Gewitter einige Regionen im Juli, wo stellenweise mehr als das Doppelte der üblichen Regenmenge fiel. Diese Wetterextreme führten zu Überschwemmungen und Erdrutschen, wie im kleinen Ort La Bérarde in Isère oder im Vésubie-Tal in den Alpes-Maritimes.

    Warum häufen sich diese extremen Regenfälle? Die Antwort liegt im Zusammenspiel von hohen Temperaturen und der Fähigkeit warmer Luft, mehr Feuchtigkeit zu speichern. Je wärmer die Luft, desto mehr Wasser kann sie aufnehmen – und wenn es dann regnet, geschieht dies oft in Form heftiger, konzentrierter Niederschläge. Diese Erkenntnis ist nicht neu, aber die zunehmende Häufigkeit und Intensität solcher Ereignisse zeigt deutlich, dass der Klimawandel diese Dynamik verschärft.

    Regionen im Süden: Trockenheit und Hitze

    Während einige Teile Frankreichs regelrecht im Regen versanken, blieb der Südosten weitgehend trocken. In der Region Provence-Alpes-Côte-d’Azur wurde ein Niederschlagsdefizit von 21 % gemessen – trotz der Frühlingsregen, die die Grundwasserspeicher auffüllten und so eine akute Dürre abwendeten. Doch auch hier war es heiß: Die Durchschnittstemperatur in Städten wie Nizza lag 2,5°C über dem historischen Durchschnitt, und tropische Nächte – Nächte, in denen die Temperatur nicht unter 20°C sinkt – wurden in diesem Sommer zur Regel.

    Hitzewellen: Ein neues Normal?

    Zwei Hitzewellen prägten den Sommer 2024 in Frankreich, wenn auch kürzer als in den Vorjahren. Vom 30. Juli bis zum 2. August und vom 6. bis zum 13. August stiegen die Temperaturen auf über 40°C – ein Wert, der vor dem Jahr 2000 nur selten erreicht wurde. In Städten wie Moulès-et-Baucels, Biscarosse und Hossegor kletterten die Temperaturen auf über 40°C, was die Realität des Klimawandels eindrucksvoll unterstreicht. Vor 1989 gab es in Frankreich im Durchschnitt alle fünf Jahre eine Hitzewelle – heute ist ein Sommer ohne mindestens eine Hitzewelle eine Seltenheit.

    Das Mittelmeer: Ein weiteres Opfer der Erderwärmung

    Nicht nur das Festland, auch das Mittelmeer litt unter den hohen Temperaturen. Zum zweiten Mal in Folge wurde die Oberflächentemperatur des Meeres auf Rekordwerte getrieben, mit einer Höchsttemperatur von 28,47°C am 15. August. Solche Temperaturen sind nicht nur ein Indikator für den Klimawandel, sie haben auch schwerwiegende Auswirkungen auf die Meeresökosysteme. Korallenbleiche, Störungen der Nahrungskette und eine verringerte Fortpflanzung sind nur einige der Probleme, die durch die Erwärmung der Meere verstärkt werden.

    Ein düsterer Ausblick, aber auch Hoffnung

    Seit dem 19. Jahrhundert ist die globale Durchschnittstemperatur um 1,1°C gestiegen, und es besteht kein Zweifel daran, dass dieser Anstieg auf menschliche Aktivitäten zurückzuführen ist. Dieser Temperaturanstieg bringt unsere Gesellschaft und die biologische Vielfalt in Gefahr – und doch gibt es Hoffnung. Erneuerbare Energien, Maßnahmen zur Senkung des Energieverbrauchs und eine reduzierte Fleischproduktion könnten den schlimmsten Szenarien entgegenwirken.

    Die Zeit zu handeln ist jetzt, bevor es zu spät ist.

  • Wenn Stürme zur neuen Normalität werden: Die Lektionen der jüngsten Unwetter auf den Balearen

    Wenn Stürme zur neuen Normalität werden: Die Lektionen der jüngsten Unwetter auf den Balearen

    Gestern Nachmittag wurde der Himmel über den Balearen plötzlich dunkel. Was wie ein typischer Sommertag begann, verwandelte sich in ein beängstigendes Schauspiel aus Blitzen, Donnern und sintflutartigen Regenfällen. Innerhalb weniger Stunden verwandelten sich friedliche Straßen in reißende Flüsse, Autos wurden fortgespült, und viele Bewohner standen bis zu den Knien im Wasser. Doch was war das eigentlich – nur ein weiterer heftiger Sturm? Oder ist dies das neue Gesicht des Klimawandels?

    Die Gewalt der Natur – Was wir gestern erlebt haben

    Das Unwetter, das gestern über die Balearen hereinbrach, war kein gewöhnlicher Sommerregen. Meteorologen hatten die Warnungen früh ausgesprochen: Ein Tiefdruckgebiet mit enormer Energie hatte sich über dem Mittelmeer zusammengebraut und führte zu einer „explosiven Zyklogenese“ – einem Phänomen, das wir mittlerweile viel zu gut kennen. Es handelt sich dabei um die rapide Vertiefung eines Tiefdruckgebiets, was zu extremen Wetterbedingungen führt. Gestern entlud sich diese Energie in einem Sturm, der mit orkanartigen Böen, Starkregen und intensiven Blitzeinschlägen über die Inseln hinwegzog.

    Auf Mallorca und Menorca wurden innerhalb weniger Stunden mehr als 200 Liter Regen pro Quadratmeter gemessen. Die Kanalisation, nicht für solche Wassermassen ausgelegt, versagte vielerorts. Straßen wurden zu Flüssen, die das Wasser nicht nur auf-, sondern auch in die Gebäude hineinleiteten. Während einige Gebiete weitgehend verschont blieben, wurden andere hart getroffen – insbesondere die niedrig gelegenen Küstenregionen. Mehrere Menschen mussten gerettet werden, als sie von den Wassermassen eingeschlossen wurden.

    Der Elefant im Raum: Klimawandel

    Natürlich sind Gewitter und Stürme keine neuen Phänomene. Die Balearen sind seit jeher mit teils heftigen Wetterlagen konfrontiert. Aber was wir in den letzten Jahren beobachten, ist nicht mehr das, was wir als „normal“ einstufen können. Die Häufigkeit und Intensität solcher Unwetter nimmt zu – das ist eine Tatsache. Aber warum?

    Die Antwort liegt nicht nur im Ozean, sondern auch in unserer Atmosphäre – beides stark beeinflusst durch den Klimawandel. Die Temperaturen des Mittelmeers haben in den letzten Jahrzehnten zugenommen. Ein wärmeres Meer bedeutet mehr Verdunstung, was wiederum die Atmosphäre mit Feuchtigkeit anreichert – der perfekte Nährboden für starke Gewitter. Gleichzeitig hält die Atmosphäre aufgrund der globalen Erwärmung mehr Energie bereit. Kombiniert man beides, erhält man die idealen Bedingungen für heftige Stürme, die mit einer solchen Wucht über uns hereinbrechen.

    Es geht hier nicht nur um Statistik oder wissenschaftliche Modelle – es geht um das Leben und die Sicherheit der Menschen, die direkt betroffen sind. Die zunehmende Intensität dieser Wetterphänomene stellt nicht nur eine Gefahr für uns dar, sondern führt auch dazu, dass sich unser Verhältnis zur Natur verändert. Wo wir früher Sommerstürme vielleicht als aufregende, wenn auch unberechenbare Naturereignisse betrachteten, sehen wir uns nun mit einer Natur konfrontiert, die in ihrer Gewalt eine deutliche Warnung aussendet.

    Ist das der neue Sommer auf den Balearen?

    Für diejenigen, die die Balearen als Sommerparadies kennen, scheint die Vorstellung eines stürmischen, regengepeitschten August fast surreal. Aber genau das haben wir gestern erlebt, und es ist wahrscheinlich, dass solche Ereignisse in Zukunft häufiger auftreten werden. Man muss sich fragen: Wie werden diese Inseln in ein paar Jahren aussehen, wenn solche Stürme zur Norm werden?

    Es ist klar, dass wir dringend handeln müssen. Städte und Gemeinden müssen ihre Infrastruktur anpassen, um den neuen klimatischen Realitäten gerecht zu werden. Straßen und Abwassersysteme müssen so gebaut werden, dass sie große Wassermengen abführen können. Küstenregionen müssen besser geschützt und möglicherweise sogar neu konzipiert werden, um zukünftige Überschwemmungen zu verhindern. Aber das sind alles nur Notlösungen – Pflaster auf einer Wunde, die immer weiter aufreißt, wenn wir nicht endlich anfangen, die Ursachen anzugehen.

    Der Mensch als Verursacher und Opfer

    Der gestrige Tag hat uns wieder einmal vor Augen geführt, wie verletzlich wir sind. Und doch dürfen wir nicht vergessen, dass wir selbst eine Hauptursache für diese zunehmende Wetterextreme sind. Die Emission von Treibhausgasen, die Abholzung von Wäldern, die Übernutzung der Böden – all das trägt dazu bei, dass unser Klima kippt und die Natur sich in einer Weise verändert, die wir kaum noch kontrollieren können.

    Die Balearen sind nur ein Beispiel von vielen. Ähnliche Szenarien spielen sich auf der ganzen Welt ab. In Mitteleuropa haben wir im Sommer 2021 katastrophale Überschwemmungen erlebt, in den USA verwüsten immer heftigere Hurrikane die Küsten, und in Australien lodern Buschbrände, deren Ausmaße jedes Jahr weiter anwachsen. Der Klimawandel ist nicht mehr nur eine Hypothese – er ist Realität.

    Was tun, wenn der Sturm nicht nachlässt?

    Inmitten dieser zunehmenden Extremwetterereignisse stellt sich die Frage, wie wir reagieren sollten. Sollen wir uns einfach anpassen und auf den nächsten Sturm warten? Oder liegt die Antwort darin, dass wir endlich Verantwortung übernehmen und versuchen, das Unvermeidliche zu mildern?

    Die gute Nachricht ist, dass es noch nicht zu spät ist. Die Weltgemeinschaft hat in den letzten Jahren Schritte in die richtige Richtung unternommen, auch wenn es oft den Anschein hat, als ob wir gegen Windmühlen kämpfen. Der Übergang zu erneuerbaren Energien, der Schutz und die Wiederherstellung von Ökosystemen, sowie eine nachhaltigere Landwirtschaft und Landnutzung – all dies sind Schlüsselmaßnahmen, um den Klimawandel zu bremsen. Aber das erfordert Mut und Entschlossenheit – und vor allem das Verständnis, dass wir nicht einfach so weitermachen können wie bisher.

    Der gestrige Sturm auf den Balearen ist ein weiteres Mahnmal, das uns daran erinnert, dass wir uns in einem Wettlauf gegen die Zeit befinden. Es geht um viel mehr als um den Schutz von Eigentum – es geht um unser Überleben in einer sich rapide verändernden Welt. Wenn wir die Stürme von morgen verhindern wollen, müssen wir heute handeln. Wer wird den ersten Schritt machen?

    Es bleibt also die Frage: Werden wir endlich diesen Weckruf hören und reagieren, bevor es zu spät ist? Oder warten wir, bis die Natur uns mit noch härteren Maßnahmen zur Einsicht zwingt?

    MAB

    Es grüßt die Redaktion von Nachrichten.fr!

  • Erwärmung der Luft und Ozeane: Warum Stürme wie Debby immer häufiger und mächtiger werden

    Erwärmung der Luft und Ozeane: Warum Stürme wie Debby immer häufiger und mächtiger werden

    Die zunehmende Erwärmung des Planeten hat weitreichende Auswirkungen auf extreme Wetterereignisse, insbesondere auf tropische Stürme und Hurrikane. Ein aktuelles Beispiel dafür ist der Sturm Debby, der im Jahr 2024 auf die südöstlichen USA traf und massive Regenmengen mit sich brachte. Aber was macht solche Stürme so gefährlich? Und warum nehmen ihre Intensität und Häufigkeit mit der Zeit zu?

    Der Zusammenhang zwischen warmen Ozeanen und intensiveren Stürmen

    Hurrikane wie Debby entstehen über warmen tropischen Ozeanen, wo die Wassertemperaturen mindestens 27 °C betragen. Diese warmen Gewässer spielen eine entscheidende Rolle, indem sie durch Verdunstung große Mengen Wasser in die Atmosphäre abgeben. Je wärmer das Wasser, desto mehr Feuchtigkeit wird in die Luft aufgenommen, was dazu führt, dass der Sturm mehr Energie und somit auch mehr Regen mit sich führt. Debby beispielsweise formierte sich über dem abnorm warmen Wasser des Golfs von Mexiko, wo die Temperaturen etwa 5 Grad Fahrenheit über dem saisonalen Durchschnitt lagen.

    Der Einfluss der globalen Erwärmung

    Die Erwärmung der Ozeane ist größtenteils auf den vom Menschen verursachten Klimawandel zurückzuführen. Seit den 1970er Jahren haben die Meeresoberflächentemperaturen weltweit durchschnittlich um etwa 0,1 °C pro Jahrzehnt zugenommen. Diese Erwärmung trägt nicht nur zur Intensivierung der Stürme bei, sondern verlängert auch deren Lebensdauer, was zu stärkerem Regen und gefährlicheren Überschwemmungen führt. Gleichzeitig erhöht sich das Risiko von Sturmfluten, da der Meeresspiegel durch die Erwärmung steigt und Küstenregionen stärker gefährdet sind.

    Warum Stürme wie Debby häufiger werden

    In den letzten Jahrzehnten haben Wissenschaftler eine Zunahme der Intensität von Hurrikanen beobachtet. Ein Grund dafür ist die Tatsache, dass warme Luft mehr Wasser halten kann als kalte. Dies bedeutet, dass sich bei wärmeren Bedingungen die atmosphärische Feuchtigkeit erhöht und Stürme wie Debby mehr Niederschlag produzieren können. Außerdem haben Studien gezeigt, dass Hurrikane heute schneller an Intensität zunehmen – ein Phänomen, das als „Rapid Intensification“ bekannt ist und Stürme besonders gefährlich macht, da Vorbereitungszeiten verkürzt werden.

    Die Zukunft: Was kommt auf uns zu?

    Während die globale Erwärmung weiter voranschreitet, erwarten Experten, dass Stürme wie Debby häufiger und intensiver werden. Dies stellt eine zunehmende Bedrohung für Küstenregionen dar, wo die Schäden durch solche Stürme verheerend sein können. Der Umgang mit diesen extremen Wetterereignissen erfordert daher nicht nur lokale Anpassungsstrategien, sondern auch internationale Bemühungen zur Bekämpfung der Ursachen des Klimawandels.

    Insgesamt zeigt der Fall von Hurrikan Debby deutlich, wie eng der Klimawandel mit der zunehmenden Stärke und Zerstörungskraft von Stürmen verbunden ist. Nur durch globale Maßnahmen zur Reduzierung von Treibhausgasemissionen können wir hoffen, die schlimmsten Auswirkungen zu vermeiden.

  • Ein riskanter Plan zur Abkühlung der Erde: David Keiths unglaubliche Vision

    Ein riskanter Plan zur Abkühlung der Erde: David Keiths unglaubliche Vision

    David Keith, ein Klimawissenschaftler der Universität Chicago, hat eine gewagte und umstrittene Idee zur Bekämpfung des Klimawandels: das Versprühen von Schwefeldioxid in die Stratosphäre, um einen Teil des Sonnenlichts zu blockieren und somit die Erde abzukühlen. Diese Methode, bekannt als stratosphärisches Solar-GEOengineering, hat das Potenzial, die globale Erwärmung zu verlangsamen, birgt aber auch erhebliche Risiken und ethische Bedenken.

    Hintergrund und Motivation

    Keiths Inspiration stammt aus dem Jahr 1991, als der Ausbruch des Vulkans Pinatubo in den Philippinen große Mengen an Schwefeldioxid in die Atmosphäre schleuderte. Dies führte zu einer vorübergehenden Abkühlung der Erde um etwa 0,5°C. Keith glaubt, dass durch die gezielte Nachahmung dieses natürlichen Phänomens die Erderwärmung signifikant reduziert werden könnte.

    Wie funktioniert stratosphärisches Solar-GEOengineering?

    Der Kern von Keiths Plan besteht darin, Schwefeldioxid in die Stratosphäre zu injizieren, wo es sich in winzige Partikel (Aerosole) umwandelt, die das Sonnenlicht reflektieren und somit die Erdoberfläche kühlen. Laut Keith könnte bereits eine geringe Menge dieser Partikel, gleichmäßig über den Globus verteilt, ausreichen, um die Erderwärmung zu verlangsamen und Millionen von hitzebedingten Todesfällen zu verhindern.

    Die Risiken und Kontroversen

    Trotz des potenziellen Nutzens ist die Methode hoch umstritten. Kritiker warnen vor einer Reihe von Gefahren:

    • Moralisches Risiko: Einige befürchten, dass die Aussicht auf eine technologische Lösung die Bemühungen zur Reduzierung der Treibhausgasemissionen untergraben könnte.
    • Unvorhersehbare Nebenwirkungen: Das Eingreifen in das Klimasystem könnte unvorhersehbare und potenziell katastrophale Folgen haben, wie Veränderungen der Niederschlagsmuster, die Verschärfung extremer Wetterereignisse und die sogenannte „Termination Shock“, ein rapider Temperaturanstieg nach einem abrupten Ende des Geoengineering.
    • Gesundheits- und Umweltrisiken: Schwefeldioxid ist ein Schadstoff, der gesundheitliche Probleme wie Atemwegserkrankungen verursachen kann. Zudem könnte es die Ozonschicht schädigen.

    Gesellschaftliche und ethische Bedenken

    Neben den wissenschaftlichen und technischen Herausforderungen gibt es erhebliche ethische Bedenken. Viele Umweltschützer und indigene Gemeinschaften lehnen das Konzept ab, da es als respektlos gegenüber der Natur angesehen wird und das Potenzial hat, bestehende soziale Ungleichheiten zu verschärfen. Greta Thunberg und andere Aktivisten haben betont, dass die Natur bereits klare Warnsignale sendet und wir stattdessen unseren Umgang mit der Umwelt überdenken sollten.

    Die Zukunft der Forschung

    Trotz der Widerstände gibt es eine wachsende Anzahl von Forschern und Politikern, die das Potenzial von Solar-GEOengineering ernsthaft in Betracht ziehen. Keith und sein Team an der Universität Chicago arbeiten daran, alternative Materialien wie Kalziumkarbonat zu erforschen, die möglicherweise weniger schädlich sind als Schwefeldioxid. Es bleibt jedoch abzuwarten, ob und wann solche Technologien tatsächlich eingesetzt werden können.

    Fazit

    David Keiths Plan zur Abkühlung der Erde durch stratosphärische Solar-GEOengineering ist ein faszinierendes und zugleich umstrittenes Beispiel für menschliche Innovation im Angesicht der Klimakrise. Während die potenziellen Vorteile erheblich sind, bleiben die Risiken und ethischen Fragen komplex und ungelöst. Es ist klar, dass wir weiterhin entschlossen an der Reduzierung von Treibhausgasemissionen arbeiten müssen, während wir die Möglichkeiten und Gefahren solcher Technologien sorgfältig abwägen.

    Für weitere Informationen siehe:

  • Klar, das Klima wandelte sich schon immer – aber noch nie so schnell wie heute!

    Klar, das Klima wandelte sich schon immer – aber noch nie so schnell wie heute!

    Alle Artikel unserer Serie über den Klimawandel findet ihr unter diesem Link …

    Eines der häufigsten Argumente, das wir von Personen hören, die den Klimawandel nicht für vom Menschen gemacht halten, ist das, dass sich das Klima doch schon immer geändert hat, dass die globale Erwärmung doch Teil eines natürlichen Prozesses sei.

    Natürlich ist das ein Argument, dass man nicht einfach vom Tisch wischen kann. Und ja, in diesem Punkt haben sie recht, die Leugner eines menschengemachten Klimawandels: Das Klima wandelt sich, seit es ein Klima auf unserem Planeten gibt. Auch stimmt es, dass die Temperaturen und der CO2-Gehalt der Atmosphäre vor Millionen von Jahren schon wesentlich höher waren als heute.

    Aber all das ist für uns Menschen nicht ausschlaggebend. Wichtig ist lediglich die Frage: Können wir mit dem jetzigen Tempo des Klimawandels mithalten? Welchen Schaden wird er der Menschheit bringen? Wird sie ihn überhaupt überleben?

    Im Folgenden wollen wir die Geschichte des Klimawandels auf der Erde etwas genauer betrachten: In geologischen Zeitspannen von Millionen von Jahren, in einer Zeitspanne von 800.000 Jahren und schliesslich in den vergangenen 1.000 Jahren.

    Wie sahen die Veränderungen in der Urgeschichte unseres Planeten aus?

    Betrachten wir das Känozoikum, das aktuelle geologische Zeitalter der Erde, das die letzten 66 Millionen Jahre der Erdgeschichte umfasst. Es ist gekennzeichnet durch die Dominanz von Säugetieren, Vögeln und Blütenpflanzen, ein abkühlendes und ausgeglichenes Klima und die heutige Konfiguration der Kontinente. Vor hundert Millionen Jahren, in der frühen Kreidezeit (das war die Zeit, als die Dinosaurier auf der Erde lebten) bis hin zur Mitte des Känozoikums war der CO2-Gehalt in der Atmosphäre tatsächlich um ein Vielfaches höher als heute. Es gab kein Eis auf der Erde und die globalen Temperaturen waren deutlich höher als wir es jetzt kennen.

    Und wenn du dich fragst warum das so war, dann hier ein interessanter Hinweis: In bemerkenswerter Parallelität zu der Temperaturkurve zeigt sich auch die Kurve des CO2-Gehalts in der Atmosphäre (vergleiche die beiden Grafiken).

    Der Vergleich der Werte beweist, dass auch auf geologische Zeitskalen über Millionen von Jahren bezogen, die CO2-Schwankungen die Hauptursache für Veränderungen der globalen Temperatur zu sein scheinen.

    Offensichtlich waren in der Erdgeschichte schon immer die Treibhausgase die Hauptursache für einen Klimawandel.

    In den vergangenen etwa 100 Millionen Jahren haben dann natürliche Prozesse den größten Teil dieses CO2 unter der Erdoberfläche begraben. Es wurde in Pflanzen gebunden, die nach und nach als Faulschlamm unter Erdschichten oder in den Tiefen des Meeres begraben und eingeschlossen wurden. Das bildete die Grundlage für die Kohle-, Erdöl- und Erdgasvorkommen.

    Und als die Menschen in den letzten 100 Jahren diese fossilen Brennstoffe entdeckten, zu Tage förderten und verbrannten, haben sie einen grossen Teil des Kohlenstoffs, den die Natur in hundert Millionen Jahren begraben hat, in einem sehr kurzen Zeitraum von gerade mal hundert Jahren wieder in die Atmosphäre geblasen, also eine Million Mal schneller.

    Was hierbei wirklich relevant ist, ist aber nicht die Menge von CO2 und die Größenordnung der Veränderungen, die dies verursacht. Sondern die Geschwindigkeit, in der das alles abläuft.

    Veränderungen, die über viele Millionen Jahre hinweg stattfinden, erlauben es den Lebewesen, sich an sie anzupassen. Aber dieselben Veränderungen über hundert Jahre hinweg, eine Million Mal schneller, übersteigen mit hoher Sicherheit die Anpassungsfähigkeit der Lebewesen auf der Erde – die Menschheit eingeschlossen. Und das ist das eigentliche Problem bei dem beispiellosen Tempo, mit dem wir heute Kohlenstoff in die Atmosphäre blasen – die Klimaveränderungen könnten uns überfordern und überrennen.


    Wie sieht es mit anderen Zeitskalen aus? Was ist mit kürzeren Zeitskalen? Wie kann das Kommen und Gehen der Eiszeiten in den letzten 700.000 Jahren erklärt werden?

    Nachdem klar ist, dass über Millionen von Jahren hinweg die Konzentration der Treibhausgase in der Atmosphäre für Veränderungen des Wärmehaushalts der Erde verantwortlich sind, ist es logisch, dass auch in kürzeren Zeiträumen Kohlendioxid und Methan eine Schlüsselrolle bei der Steuerung der Eiszeitzyklen während der letzten 700.000 Jahre spielen.

    Und tatsächlich: Auch in vergangenen 700.000 Jahren bewegen sich die Kurven der Temperaturentwicklungen und er CO2-Sättigung der Atmosphäre auffällig parallel.

    Aber auch die Albedo-Rückkopplung des Eises, über die wir bereits gesprochen haben, spielt hierbei eine sehr wichtige Rolle. Während der Eiszeiten wird ein größerer Teil des einfallenden Sonnenlichts von den Eis- und Schneedecken auf der Erdoberfläche direkt reflektiert, was eine Abkühlung begünstigt. Schmilzt das Eis jedoch, wird mehr Sonnenlicht von der Erdoberfläche absorbiert, was zu einer Erwärmung führt. Dieser Rückkopplungsprozess ist sehr wichtig, um das Kommen und Gehen der Eiszeiten zu verstehen.

    Um gründlich zu sein, müssen wir in diesem Zusammenhang aber auch betrachten, wie sich die Geometrie der Erdumlaufbahn relativ zur Sonne auf diesen Zeitskalen verändert. Und dabei stellt es sich heraus, dass es drei Hauptkomponenten gibt, wenn es darum geht, wie das absorbierte Sonnenlicht über die Erdoberfläche verteilt wird und wie dies das Klima auf Zeitskalen von Tausenden von Jahren beeinflusst.

    Es gibt drei Hauptkomponenten dafür, wie sich die Geometrie der Erdumlaufbahn im Verhältnis zur Sonne auf Zeitskalen von zehn- bis hunderttausend Jahren verändert: Die elliptische Umlaufbahn, die Neigungsachse und die Rotationsachse der Erde.

    Je elliptischer die Umlaufbahn ist, desto größer ist der Unterschied zwischen dem Punkt, an dem die Erde der Sonne am nächsten ist, und dem Punkt, an dem sie am weitesten von der Sonne entfernt ist, und je größer diese Unterschiede sind, desto ausgeprägter sind die Jahreszeiten, und je ausgeprägter die Jahreszeiten sind, desto größer ist das Potenzial für Veränderungen der Eisbedeckung in hohen Breiten, die das globale Klima beeinflussen können. Die elliptische Umlaufbahn ändert sich ungefähr alle 100.000 Jahre.

    Die Neigungsachse der Erdrotation schwankt auf Zeitskalen von 40.000 Jahren. Heute beträgt sie etwa 22,5 Grad gegenüber der Senkrechten, und das bestimmt die Lage der Tropen und des Polarkreises. Aber es gibt Zeiten, in denen dieser Neigungswinkel größer ist und Zeiten, in denen er kleiner ist. Die Schwankungen dieses Neigungswinkels bestimmen, wie viel Sonnenlicht in hohen Breitengraden einfällt. Auch das wirkt sich auch auf die Eisbildung aus.

    Und auf einer Zeitskala von etwa 20.000 Jahren bewegt sich die Rotationsachse der Erde wie ein Kreisel, der langsam wackelt und sich nach unten dreht.

    All diese Veränderungen auf Zeitskalen von 20.000 Jahren, 40.000 Jahren und 100.000 Jahren beeinflussen die jahreszeitliche Verteilung des Sonnenlichts auf der Erdoberfläche, was wiederum die Ansammlung und den Verlust von Eis in hohen Breitengraden beeinflussen kann.

    Wie wir durch den Eis-Albedo-Effekt wissen, kann sich dies auf die Gesamttemperatur des Planeten auswirken.

    All diese Faktoren sind also wichtig, aber selbst auf diesen Zeitskalen können wir sehen, dass die Schwankungen der Konzentrationen des Treibhausgases CO2 eine wichtige Rolle beim Kommen und Gehen der Eiszeiten spielt, und zwar genau die gleiche Rolle, wie auch auf den langen geologischen Zeitskalen.

    Zusammenfassend müssen wir feststellen, dass zu allen Zeiten ein enger Zusammenhang zwischen CO2-Sättigung der Atmosphäre und den Temperaturverläufen der Erdoberfläche und der Meere besteht. Es gibt zwar verschiedene Einflüsse, die das Klima in den letzten 100 Millionen Jahren beeinflusst haben, aber nur ein Einfluss begleitet die Temperaturunterschiede mit absolut verblüffender Übereinstimmung. Und richtig, das ist der CO2-Gehalt der Atmosphäre.


    So, genug zu Erdgeschichtlichem, wie sieht es nun aber mit den letzten tausend Jahren aus, die uns wirklich interessieren? Das ist ein Zeitraum, der vor der industriellen Revolution beginnt und jung genug ist, dass wir auf bestimmte Arten von „Beweisen“ und „Aufzeichnungen“ zurückgreifen können, die die Wissenschaft als „Proxy Records“ bezeichnet.

    Bei diesen Beweisen handelt es sich um Baumringe, Eisbohrungen, Korallen und Seesedimente. Das sind natürliche Archive, die es uns ermöglichen zu dokumentieren, wie sich das Klima auf Zeitskalen von Jahren, Jahrzehnten oder Jahrhunderten verändert hat.

    Baumringe sind wichtige sogenannte Paläo-Archive der Klimaveränderungen der letzten 1.000 Jahre.

    Lassen Sie uns also ein wenig über diese sogenannten Paläo-Klimaarchive sprechen.

    Als erstes gibt es da die Eisbohrkerne aus dem Eis, das sich jedes Jahr in den Polarregionen oder sogar in den Hochlagen der Tropen, in den Anden, den Alpen oder im Himalaya bildet. Durch die jährlichen Staubschichten im Eis können wir meist auf ein Jahr genau dokumentieren, wie sich die Zusammensetzung des Eises verändert hat.

    Das Eis in Eisbohrkernen ist oft mehrere Millionen Jahre alt.

    Und dann wird es spannend: Wissenschaftler konnten den Sauerstoff, aus dem das H2O-Molekül in diesen Eisschichten besteht und die Isotope dieses Sauerstoffs untersuchen. Dabei stellte es sich heraus, dass die beiden stabilen Isotope des Sauerstoffs, das schwerere Isotop Sauerstoff 18, und das leichtere Isotop Sauerstoff 16 direkt auf die atmosphärischen Temperaturen zum Zeitpunkt der Ablagerung des Eises hinweisen.

    Es gibt also Isotopensignaturen in den Eisschichten, die es uns ermöglichen, Klimaveränderungen in der Vergangenheit zu dokumentieren.

    Ein höheres Vorkommen des schweren Isotops Sauerstoff-18 weist auf eine höhere Temperatur zur Zeit der Ablagerung hin.

    Auch mit dem fossilen Skelett einer Koralle kann eine solche Chronologie erstellt werden, die viele Jahrhunderte zurückreicht. Die Jahresringe dieser Korallen bestehen aus Kalziumkarbonat, CaCO₃, das auch ein Sauerstoffatom enthält. Und wieder sagt uns die relative Häufigkeit der beiden Sauerstoffisotope, des schweren Isotops Sauerstoff 18 und des leichteren Isotops Sauerstoff 16, und das Verhältnis dieser Isotope im Korallenskelett tatsächlich etwas über das Meerwasser aus, in dem die Koralle lebte: sowohl über die Temperatur als auch über den Salzgehalt des Meerwassers.

    Last but not the least gibt es die Baumringe in terrestrischen Regionen, die sich die Wissenschaftler ansehen. Das jährliche Wachstum von Bäumen spiegelt sehr gut die Klimaschwankungen von Jahr zu Jahr wider, und die Dicke und die Dichte der jährlichen Wachstumsringe können etwas über die Veränderungen der Temperaturen in der Vergangenheit sagen.


    Letztendlich können unsere Wissenschaftler also all diese Daten von Eisbohrkernen von den Polen, Eisbohrkernen von Gebirgsgletschern, Baumringen von den Kontinenten der mittleren Breiten, Korallen aus den tropischen Meeren nehmen und so all diese Beweise zusammenfügen und uns damit ein ziemlich genaues globales Bild davon zeichnen, wie sich das Klima in der näheren Vergangenheit verändert hat.

    So können wir das Klima der Vergangenheit rekonstruieren und mit den Aufzeichnungen über die treibenden Kräfte des Klimas vergleichen, um Einblicke in die Funktionsweise des Klimasystems auf längeren Zeitskalen zu erhalten, was wiederum unser Verständnis des heutigen Klimawandels verbessert.

    Und wenn wir uns diese Klimarekonstruktionen ansehen und die Frage stellen: Wie warm war die Erde denn nun?

    Dann führt uns das zu der sogenannten Hockeyschläger-Kurve, die wir in dieser Grafik sehen können, wobei das Ende der Kurve die jüngste Vergangenheit zeigt. Wir sehen eine abrupte Erwärmung während der letzten 100 bis 150 Jahre, und wir sehen, dass diese Erwärmung alles übertrifft, was wir in den letzten tausend Jahren und darüber hinaus auf globaler Ebene dokumentieren können.

    Es gibt keine vergleichbare Erwärmungsrate in all den Millionen von Jahren, die wir uns heute angesehen haben. Soweit die „Proxy Rekords“ zurückreichen findet sich nichts auch nur annähernd Ähnliches. Und das zeigt den beispiellosen Charakter des jüngsten Erwärmungstrends, der sich in der Grafik als die Klinge des Hockeyschlägers darstellt.


    Abschliessend lässt sich also sagen, dass die paläoklimatischen Beweise auf historischen Zeitskalen, auf Jahrtausendzeitskalen, die das Kommen und Gehen von Eiszeiten zeigen, und auf den längsten geologischen Zeitskalen, die uns bis ins Zeitalter der Dinosaurier zurückführen, zeigen, dass die heute stattfindende Erwärmung einmalig ist. Dass die Erwärmungsrate, die wir aufgrund des vom Menschen verursachten Klimawandels beobachten, jede Erwärmungsrate übersteigt, die wir für irgendeinen Zeitpunkt in der Vergangenheit dokumentieren konnten.

    Die Untersuchung des Klimas in der Vergangenheit unterstreicht die Rolle, die der vom Menschen verursachte Anstieg der Treibhausgase heute für die globale Erwärmung und den Klimawandel spielt.

    Wie alle unsere bisherigen Artikel über den Klimawandel soll auch dieser dazu beitragen, das Basiswissen zu erlangen, das notwendig ist, um ein Verständnis für die komplexen Zusammenhänge des Klimas zu erlangen. Ausserdem hoffen wir auch, Argumente und Informationen zu liefern, die mithelfen könnten, Leugner des vom Menschen verursachten Klimawandels davon zu überzeugen, dass sie sich die Sache nochmals überlegen sollten…

    Bleibt neugierig und zu Veränderungen bereit!

    Andreas M. Brucker, Redaktionsleitung Nachrichten.fr

    Unser nächster Artikel wird eine Zusammenfassung der 2. Artikelreihe sein. Auch werden wir euch wieder eine kleine Liste interessanter wissenschaftlicher Veröffentlichungen geben: Klimawandel: Resumé der zweiten Artikelreihe – am Tag des Hurrikans Ida

    Alle Artikel unserer Serie über den Klimawandel findet ihr unter diesem Link …


  • Klima: Erde auf dem Weg zu einer Erwärmung von 2,5 bis 2,9°C – das Pariser Abkommen bereits überholt?

    Klima: Erde auf dem Weg zu einer Erwärmung von 2,5 bis 2,9°C – das Pariser Abkommen bereits überholt?

    Die von den Staaten umgesetzten Klimaschutzverpflichtungen halten unseren Planeten auf einem katastrophalen Erwärmungspfad von bis zu 2,9°C bis Ende dieses Jahrhunderts, weit über die von der internationalen Gemeinschaft festgelegten Grenzen hinaus, warnt die UN am Montag und fordert die G20 dringend dazu auf, sehr viel ehrgeiziger zu sein.

    Dies geht aus dem neuesten Bericht des Umweltprogramms der Vereinten Nationen (UNEP) über die wachsende Lücke zwischen den Erfordernissen und den Ergebnissen bei der Emissionsreduzierung hervor, der jedes Jahr vor der COP veröffentlicht wird.

    Die Umsetzung der derzeitigen Klimazusagen aller Länder weltweit wird den Anstieg nur auf 2,9°C begrenzen, wenn man ihre bedingungslosen Zusagen für die Zukunft berücksichtigt – die nicht an Bedingungen für externe Unterstützung geknüpft sind -, so das Dokument, das kurz vor Beginn der großen Klimaverhandlungen in Dubai im Rahmen der COP28 (30. November bis 12. Dezember) veröffentlicht wurde.

    Die Erwärmung könnte sich auf 2,5°C verringern, wenn man die bedingten Verpflichtungen (z.B. bedingt durch Finanzmittel oder Anstrengungen anderer Länder) mit einbezieht.

    Die Veröffentlichung dieser Untersuchung folgt auf einen anderen UN-Bericht, der Mitte November veröffentlicht wurde und zu dem Schluss kam, dass die derzeitigen Verpflichtungen der Länder zwischen 2019 und 2030 zu einem Emissionsrückgang von nur 2% führen, anstatt der 43%, die nötig wären, um die Erwärmung auf 1,5°C zu begrenzen.

    „Wir haben eine Menge Arbeit vor uns, weil wir im Moment überhaupt nicht dort sind, wo wir sein sollten“ und „wir müssen unsere CO2-Emissionen phänomenal reduzieren“, sagte Inger Andersen, die Exekutivdirektorin des UNEP, gegenüber der Nachrichtenagentur AFP.

    „Angesichts der Intensität der Klimaauswirkungen, die wir bereits erleben, ist keines dieser beiden Ergebnisse wünschenswert“, betonte sie und bezog sich dabei auf die Spanne von 2,5 bis 2,9°C.

    Die festgestellten Erwärmungsniveaus sind viel zu hoch, um zu hoffen, dass die grausamsten Auswirkungen des Klimawandels, die sich bereits heute in unkontrollierbaren Bränden, verheerenden Überschwemmungen oder Dürren, die Menschen um Einkommen und Nahrung bringen, äußern, noch eingedämmt werden können.

    Der am Montag veröffentlichte Bericht zeigt sich besorgt über eine „Beschleunigung“ der erreichten Rekorde beim Klimawandel.
    Es ist bereits ziemlich sicher, dass das Jahr 2023 das wärmste Jahr sein wird, das jemals weltweit gemessen wurde. Das geht aus Daten der europäischen Copernicus-Beobachtungsstelle hervor.

    Die Weltorganisation für Meteorologie (WMO) hat außerdem bekannt gegeben, dass die Konzentration von Treibhausgasen, die für den Klimawandel verantwortlich sind, im Jahr 2022 neue Rekordwerte erreicht hat.

    Diese düsteren Aussichten verdeutlichen auch das Risiko, dass die Ziele des Pariser Abkommens von 2015 ganz un gar nicht eingehalten werden. Das Pariser Abkommen hatte das Ziel, den Anstieg der globalen Durchschnittstemperatur „deutlich unter 2°C“ zu halten und weitere Anstrengungen zu unternehmen, um ihn auf 1,5°C zu begrenzen.

    „Im optimistischsten Szenario liegt die Wahrscheinlichkeit, die Erwärmung auf 1,5°C zu begrenzen, heute bei nur noch 14%“, berechnet das UNEP.
    Um die Ziele des Pariser Abkommens doch noch einzuhalten, werden sehr ehrgeizige Maßnahmen zur Emissionsreduzierung erforderlich sein, die „deutlich verstärkt“ werden müssen, so die in Nairobi ansässige UN-Umweltorganisation.

    „Wenn man sieht, dass die G20-Gruppe für 76% der weltweiten Emissionen verantwortlich ist, weiß man, wer die grundlegende Verantwortung übernehmen muss“. Die großen Volkswirtschaften wie zum Beispiel die USA, die EU, China, Saudi-Arabien müssen ihre Anstrengungen dramatisch erhöhen.

    „Es gibt 193 Länder auf der Welt und das, was die ärmeren 173 tun, wird keinen Unterschied machen“, betont Inger Andersen von der UNEP. Bis 2030 müssen die weltweiten Emissionen um 28% niedriger sein, als es die derzeitige Politik erwarten lässt, um unter 2°C zu bleiben, und um 42% niedriger, um die ehrgeizigere Grenze von 1,5°C zu erreichen.

  • Globaler Hitzerekord: Die Welt hat noch nie einen so warmen September erlebt

    Globaler Hitzerekord: Die Welt hat noch nie einen so warmen September erlebt

    Mit einer durchschnittlichen Temperatur von 16,38°C auf der gesamten Erdoberfläche stellt der vergangene Monat eine beispiellose Anomalie dar und übertrifft den Rekord von September 2020 um überraschende 0,5°C.

    September 2023 war der wärmste September, der jemals weltweit aufgezeichnet wurde und der bisherige Rekord aus dem Jahr 2020 wurde ein halbes Grad übertroffen. Damit wurde eine im Juni begonnene Serie von weltweiten Wärmerekorden fortgesetzt. Laut der Monatsbilanz der europäischen Kopernikus-Atmosphärenüberwachungsdienstes (Copernicus Atmosphere Monitoring Service), die am Donnerstag, dem 5. Oktober veröffentlicht wurde, ist der vergangene Monat mit einer durchschnittlichen Temperatur von 16,38°C auf der gesamten Erdoberfläche in der Tat eine „beispiellose Anomalie“ und übertrifft den bisherigen Rekord von September 2020 um besorgniserregende 0,5°C. Der September 2023 ist „1,75°C wärmer als der durchschnittliche September im Zeitraum 1850-1900“, so Kopernicus.

    Auf dem Weg zu einem neuen Wärmerekord für das gesamte Jahr 2023.
    „Dieser extreme Monat“ September könnte das Jahr 2023 auf den zweifelhaften Ehrenplatz bringen, das wärmste Jahr seit der vorindustriellen Zeit zu werden, sagte Samantha Burgess, die stellvertretende Leiterin der Abteilung Klimawandel (C3S) von Kopernikus, in einer Pressemitteilung. Tatsächlich ist die globale Durchschnittstemperatur in den ersten neun Monaten eines Jahres noch nie so warm gewesen und lag 2023b 1,40°C über dem Klima der Jahre 1850-1900, bevor die Treibhausgasemissionen der Menschheit das Klima beeinflussten. Wir sind dem Grenzwert des Pariser Abkommens (1,5°C über dem vorindustriellen Zeitalter) näher als je zuvor.