Schlagwort: Kinder

  • Kindheit braucht Zukunft – warum der Internationale Kindertag mehr ist als nur ein Datum im Kalender

    Kindheit braucht Zukunft – warum der Internationale Kindertag mehr ist als nur ein Datum im Kalender

    Jedes Jahr am 1. Juni erinnern wir uns an etwas scheinbar Selbstverständliches: Kinder sind unsere Zukunft. Klingt abgedroschen? Vielleicht. Aber selten war dieser Satz so dringend und bedeutsam wie heute. Denn die Realität, in der unsere Kinder aufwachsen, ist geprägt von Herausforderungen, die wir ihnen hinterlassen – bewusst oder unbewusst.

    Was bedeutet es, Kind zu sein, in einer Welt, die sich immer schneller dreht?

    Früher war Kindsein gleichbedeutend mit Spielen im Freien, matschigen Hosen und grenzenloser Fantasie. Heute kämpfen viele Kinder mit überfüllten Schulplänen, digitaler Dauerberieselung und einem Klima, das aus dem Gleichgewicht geraten ist. Statt Vogelgezwitscher hören sie die Nachrichten von Wetterextremen, Kriegen und Krisen. Ihre Fragen sind drängend – ihre Sorgen berechtigt.

    Die Pflicht liegt bei uns Erwachsenen.

    Der Internationale Kindertag ist keine Bühne für billige Sonntagsreden. Er ist ein Weckruf. Wenn wir Kindern eine lebenswerte Zukunft ermöglichen wollen, dann braucht es jetzt Taten. Und zwar nicht irgendwann, sondern sofort. Denn die Welt von morgen entsteht heute – und zwar durch die Entscheidungen, die wir treffen. Oder eben nicht treffen.

    Ein Blick in die Nachrichten genügt: Klimakrise, Umweltzerstörung, soziale Ungleichheit, Gewalt, Bildungsdefizite. All das betrifft nicht nur uns. Es betrifft vor allem die Kleinsten, die noch keine Stimme in Parlamenten haben, die nicht auf Demonstrationen marschieren können – und trotzdem die Konsequenzen tragen.

    Was wollen wir ihnen also hinterlassen? Einen Planeten, der kurz vor dem Kipppunkt steht? Eine Gesellschaft, die sich in populistischer Spaltung verliert? Oder eine Welt, in der Empathie, Zusammenhalt und Nachhaltigkeit keine hohlen Phrasen, sondern gelebte Werte sind?

    Dabei geht es nicht nur um das große Ganze. Auch im Kleinen können wir viel bewirken.

    Kinder brauchen sichere Räume – nicht nur physisch, sondern auch emotional. Sie brauchen Vorbilder, keine Besserwisser. Sie brauchen Gehör – und keine Erwachsenen, die ständig sagen: „Dafür bist du noch zu klein.“ Kinder verstehen oft mehr, als wir denken. Und manchmal erinnern sie uns an Dinge, die wir längst vergessen haben: Unvoreingenommenheit. Neugier. Mut.

    Klingt kitschig? Mag sein. Aber wer einmal in die Augen eines Kindes geschaut hat, das fragt: „Wird die Welt später noch schön sein?“, der weiß, wie ernst es ist.

    Wir können nicht länger auf die nächste Generation hoffen, um unsere Fehler auszubügeln. Es ist unsere Verantwortung, Strukturen zu schaffen, in denen Kinder nicht nur überleben, sondern aufblühen. Schulen müssen nicht nur Wissen, sondern Werte vermitteln. Städte müssen Platz für Kinderfüße machen – nicht nur für Autos. Und Politik muss Kinder mitdenken, nicht nur in Wahlkämpfen erwähnen.

    Es gibt Länder, in denen der Internationale Kindertag ein Fest voller Spiele, Lachen und Umarmungen ist. Schön so. Doch er sollte auch ein Tag des Innehaltens sein. Ein Tag, an dem wir Erwachsenen uns fragen: Was haben wir in der Hand, um die Welt ein Stück kindgerechter zu machen?

    Denn machen wir uns nichts vor: Wenn wir so weitermachen wie bisher, dann riskieren wir nicht nur das Vertrauen der Kinder – wir gefährden ihre Zukunft.

    Doch Hoffnung gibt es – und zwar reichlich. Denn die Generation von morgen ist nicht nur eine, die fordert. Sie ist auch kreativ, klug, kämpferisch. Aber sie darf nicht allein kämpfen müssen. Sie braucht Verbündete. Und das sind wir.

    Also, lasst uns anfangen – heute, nicht morgen. Damit der Internationale Kindertag nicht bloß ein hübscher Eintrag im Kalender bleibt, sondern ein Versprechen. Ein Versprechen an all die kleinen Menschen, die diese Welt in wenigen Jahren gestalten werden. Aber nur, wenn wir ihnen eine Welt überlassen, in der es sich zu leben lohnt.

    Von Andreas M. Brucker

    Es grüßt die Redaktion von Nachrichten.fr!

  • Frankreich macht ernst – und Deutschland schaut zu: Rauchverbot 2.0 zum Weltnichtrauchertag

    Frankreich macht ernst – und Deutschland schaut zu: Rauchverbot 2.0 zum Weltnichtrauchertag

    Morgen ist Weltnichtrauchertag – ein Datum, das jedes Jahr ein Mahnmal für die weltweiten Bemühungen gegen das Rauchen darstellt. Doch in diesem Jahr rückt ein Land besonders ins Rampenlicht: Frankreich. Die Grande Nation hat kürzlich eine klare Linie gezogen und ein Rauchverbot verabschiedet, das sich gewaschen hat – und das schon ab dem 1. Juli in Kraft tritt.

    Strände, Parks, Spielplätze, Schulumgebungen, Sportstätten und Bushaltestellen – all diese Orte sollen künftig rauchfrei sein. Der Gedanke dahinter ist ebenso simpel wie kraftvoll: Kinder sollen geschützt werden. Schluss mit dem blauen Dunst in der Nähe von kleinen Lungen. Wer trotzdem qualmt, zahlt 135 Euro Bußgeld – und das ist kein Pappenstiel.

    Frankreich zeigt Haltung. Und zwar mit einer Deutlichkeit, die man von der deutschen Politik derzeit kaum erwarten darf.

    Deutschland? Noch im Nebel unterwegs

    Was passiert in Deutschland? Eher wenig. Zwar gibt es Rauchverbote in öffentlichen Einrichtungen und Verkehrsmitteln. Auch in Gaststätten darf nicht mehr gequalmt werden – zumindest meistens. Doch das war’s dann schon weitgehend. Alles andere ist Ländersache, ein föderaler Flickenteppich, in dem man sich leicht verliert.

    In der einen Stadt sind Spielplätze rauchfrei, in der anderen gilt das nur als Empfehlung. Und während Frankreich klare Kante zeigt, wird in Deutschland munter weiter debattiert – oder besser gesagt: ausgesessen.

    Was hält Deutschland zurück?

    Ein bisschen wirkt es so, als hätte man Angst davor, den Rauchern auf die Füße zu treten. Schließlich gibt es noch immer viele Menschen, die an ihrer Zigarette hängen. Dazu kommt der Einfluss der Tabaklobby – ein Faktor, der oft unterschätzt wird. Und natürlich die föderale Struktur: Wenn jedes Bundesland eigene Regelungen trifft, entsteht kein klarer Kurs, sondern ein Sammelsurium aus Kompromissen.

    Doch sind diese Ausreden noch zeitgemäß? Gerade beim Thema Kinderschutz sollten wir alle an einem Strang ziehen.

    Frankreichs Vision: Eine tabakfreie Generation

    Frankreich will eine tabakfreie Generation bis 2032. Das ist ambitioniert – und doch irgendwie logisch. Denn wenn Kinder nie mit dem Rauchen in Kontakt kommen, werden sie es seltener selbst beginnen. Wer nie eine Zigarette im Park sieht, verbindet sie auch nicht mit Entspannung. Wer nie den Rauch an der Bushaltestelle einatmet, entwickelt keine Gewöhnung. Die Rechnung ist einfach – aber effektiv.

    In Deutschland hingegen redet man lieber über E-Zigaretten oder verbietet Werbung. Man bekämpft die Symptome, aber nicht die Ursachen.

    Zeit für einen klaren Schritt

    Deutschland könnte viel lernen von seinem Nachbarn. Nicht nur in Sachen Gesundheitspolitik, sondern auch in Sachen Mut. Denn ja, solche Maßnahmen sind unpopulär – zumindest bei den Rauchern. Aber sie sind notwendig. Für eine gesündere Zukunft. Für Kinder, die frei atmen können. Für Städte, die nach Blumen riechen – nicht nach Kippen.

    Und mal ehrlich: Wer braucht schon eine Zigarette im Park? Die Sonne scheint, Kinder spielen, Menschen lachen – was passt da weniger hinein als ein glühender Glimmstängel und der süßlich-beißende Geruch von verbranntem Tabak?

    Morgen ist Weltnichtrauchertag.

    Ein Tag, der wachrütteln soll – aber auch Mut machen kann. Frankreich hat gezeigt, wie es geht. Deutschland steht noch am Anfang. Doch warum nicht jetzt den nächsten Schritt gehen?

    Warum nicht das Jahr 2025 zum Jahr des Durchatmens machen?

    Von C. Hatty

  • 14.000 Kinderleben in Gefahr – Der verzweifelte Hilferuf aus dem belagerten Gaza

    14.000 Kinderleben in Gefahr – Der verzweifelte Hilferuf aus dem belagerten Gaza

    Die Lage in der palästinensischen Enklave Gaza ist dramatischer denn je. Während israelische Bomben fallen und die humanitäre Hilfe kaum durchdringt, droht eine Katastrophe unvorstellbaren Ausmaßes – insbesondere für die jüngsten Bewohner. 14.000 Kinder unter fünf Jahren sind laut UN-Schätzungen akut von schwerer Mangelernährung bedroht.

    Tom Fletcher, Einsatzleiter der humanitären UN-Mission, fand klare Worte in einem BBC-Interview: „14.000 Babys könnten innerhalb von 48 Stunden sterben, wenn wir sie nicht erreichen.“ Diese Aussage hat weltweit Alarm ausgelöst – und das zu Recht. Die Not im Gazastreifen wächst von Tag zu Tag, und die Kinder sind die ersten Opfer.

    Ein aktueller Bericht der Organisation IPC, auf den sich die UN beruft, beziffert die Zahl der schwer mangelernährten Kleinkinder auf rund 14.100 – prognostiziert für den Zeitraum von April 2025 bis März 2026. Es geht nicht darum, dass all diese Kinder innerhalb von zwei Tagen sterben – aber es geht ums nackte Überleben. Und das hängt an einem seidenen Faden.

    Seit dem 2. März liegt die humanitäre Hilfe praktisch lahm. Einem fast vollständigen Blockadezustand folgte eine Hungerkrise, die laut UN mittlerweile 57 Kinder das Leben gekostet hat – allein durch Mangelernährung.

    „Diese Kinder haben keine Kindheit“, sagt Olga Cherevko, Sprecherin des UN-Nothilfebüros in Gaza. „Sie sind an das Dröhnen von Bomben gewöhnt.“ Was für viele unvorstellbar klingt, ist für diese Kinder Alltag. Und während sich internationale Hilfsorganisationen mühen, bleibt der Zugang blockiert oder kompliziert. Hilfskonvois brauchen Genehmigungen, Routen sind unpassierbar, und jeder Hilfstransport muss einzeln verhandelt werden – mit einer Regierung, die in diesem Kontext militärische Interessen über humanitäre stellt.

    Am Montag erreichten etwa 90 Lastwagen die Enklave – deutlich zu wenig. „Es reicht nicht einmal, um ein Viertel der Bevölkerung für einen Tag zu versorgen“, sagt Tamara Alrifai vom UNRWA. In Wahrheit wären 500 bis 600 Laster täglich nötig. Aber die Realität sieht anders aus: zu wenig Nahrung, zu wenig medizinisches Material, keine Hygieneprodukte und kein Treibstoff.

    Und was nützt Hilfe, die nicht dort ankommt, wo sie gebraucht wird?

    „Keine der Lieferungen hat bislang die Bedürftigen erreicht“, bestätigt auch Cherevko. Es ist ein Spießrutenlauf: Straßen sind zerstört, Bomben fallen weiter, und jeder Hilfstransport steht unter dem Vorbehalt neuer Verhandlungen. Eine UN-Sprecherin spricht von einer „Militarisierung der Hilfe“. Der Vorwurf wiegt schwer – denn das humanitäre Völkerrecht kennt keine Verhandlungspflicht, wenn es um Essen, Wasser oder medizinische Versorgung geht. Diese Dinge sind ein Menschenrecht, kein Handelsgut.

    Das israelische Militär wiederum rechtfertigt seine Operationen unter dem Namen „Chariots of Gédéon“ mit dem Ziel, die Kontrolle über das gesamte Gebiet auszuweiten. Die Folge: Bombardierte Krankenhäuser, zerstörte Infrastruktur, erneut massenhafte Fluchtbewegungen.

    „80 Prozent des Gazastreifens sind jetzt militärische Zone“, sagt Alrifai. Die Menschen leben in ständiger Angst, verschleppt von einem Ort zum nächsten. Krankenhäuser werden regelmäßig Ziel von Angriffen. Was bleibt, sind überfüllte Notstationen ohne Medikamente, ohne Strom – und mit kaum noch Hoffnung.

    Hisham Mhanna vom Internationalen Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) beschreibt eine Szenerie, die an die Grenzen des Erträglichen geht: „Jeden Tag werden neue Kliniken und Krankenhäuser getroffen. Die Kapazitäten reichen längst nicht mehr aus, um alle Verletzten zu behandeln.“

    Was bleibt, ist ein verzweifelter Hilferuf aus einer Region, die immer tiefer in den Abgrund rutscht. Familien rufen das Rote Kreuz an, flehen um Hilfe, sind unter Trümmern gefangen, wissen nicht mehr weiter.

    Und doch: Noch immer gibt es keine dauerhafte Lösung, kein Waffenstillstand, keine garantierte Öffnung für Hilfsgüter. Nur Appelle. Und Hoffnung, dass die Welt endlich handelt – bevor es zu spät ist.

    Wie viele Kinder müssen noch sterben, bevor sich etwas ändert?

    Von C. Hatty

  • Verkehrswende für Kinder: Warum Paris jetzt Europas kinderfreundlichste Stadt ist

    Verkehrswende für Kinder: Warum Paris jetzt Europas kinderfreundlichste Stadt ist

    Paris hat es geschafft – und das auf eindrucksvolle Weise. Die französische Hauptstadt führt seit Kurzem das Ranking der kinderfreundlichsten Städte Europas in Sachen Mobilität an. Die internationale NGO-Koalition „Clean Cities Campaign“ hat Paris unter 36 Großstädten auf Platz eins gesetzt. Der Grund: ein durchdachtes Maßnahmenpaket aus Tempo-30-Zonen, sicheren Radwegen und sogenannten „Schulstraßen“.

    Ein Paradigmenwechsel mitten im Großstadtverkehr.

    Mehr als nur ein paar bunte Fahrradwege

    Mit einem Gesamtwert von 79 Prozent (Note B+) kratzt Paris am Spitzenwert und lässt selbst Amsterdam (63 Prozent) deutlich hinter sich. Weitere Spitzenreiter sind Antwerpen (62 %), Brüssel (56 %) und Lyon (53 %). Was besonders beeindruckt: Diese Entwicklung fand in weniger als zehn Jahren statt – unter der Leitung von Bürgermeisterin Anne Hidalgo. Die Initiatoren der Studie nennen das „bemerkenswert“ und sehen darin ein starkes Signal, dass städtischer Wandel auch überdurchschnittlich schnell möglich ist.

    Schauen wir genauer hin.

    Schulstraßen – wo Kinder wieder Vorrang haben

    Wer morgens durch Paris spaziert, begegnet einem Bild, das in vielen Metropolen undenkbar ist: Schulwege ohne Autoverkehr, mit Pflanzen gesäumt, von Kindern belebt. Über 230 dieser „rues aux écoles“ existieren bereits – 125 davon in unmittelbarer Nähe von Grundschulen. Diese Straßen werden entweder temporär zu Stoßzeiten oder dauerhaft für Autos gesperrt. Bis 2026 sollen 300 dieser sicheren Zonen entstehen.

    Ein echtes Statement für mehr Lebensqualität – und gegen den täglichen Schulstress.

    Tempo 30: Weniger Tempo, mehr Sicherheit

    Ein weiteres Erfolgsrezept: die flächendeckende Einführung von Tempo 30. In über 80 Prozent des Pariser Straßennetzes gilt inzwischen die niedrigere Höchstgeschwindigkeit. Das reduziert nicht nur die Unfallgefahr, sondern senkt auch Lärm- und Schadstoffbelastung – ganz nebenbei profitieren alle Altersgruppen davon.

    Klingt nach einer Kleinigkeit, hat aber enorme Wirkung.

    Fahrradfahren für alle – nicht nur für Mutige

    Wer denkt, Radfahren sei in Paris noch immer ein Abenteuer, sollte einen neuen Blick wagen: 48 Prozent des Straßennetzes sind mittlerweile mit geschützten Radwegen ausgestattet. Das reicht für den ersten Platz – gemeinsam mit Helsinki. Gerade im Vorfeld der Olympischen Spiele 2024 hat Paris Tempo gemacht: 60 Kilometer neue Radwege wurden in Windeseile gebaut.

    So wird aus einer einstigen Autostadt ein Ort, an dem auch Sechsjährige sicher in die Schule radeln können.

    Kinder brauchen Platz – und Bewegung

    Clément Drognat Landré von Clean Cities France bringt es auf den Punkt: „‚Geh doch raus zum Spielen‘ – das sagt heute kaum noch jemand.“ Die zunehmende Bewegungsarmut bei Kindern ist ein echtes Problem. Der urbane Raum sei ihnen zu oft verschlossen. Genau hier setzt die Pariser Mobilitätswende an: Kinder sollen wieder Teil des öffentlichen Raums sein – und sich frei und sicher darin bewegen können.

    Und mal ehrlich: Wann sind wir das letzte Mal barfuß über eine Straße gerannt, ohne Angst vor hupenden Autos?

    Eine Idee macht Schule

    Dass Paris nun Vorbild für ganz Europa ist, zeigt der Erfolg des Rankings. Städte wie Lyon oder Marseille – ebenfalls analysiert – haben zwar Fortschritte gemacht, aber noch deutlich Luft nach oben. Der Erfolg der französischen Hauptstadt liegt in der Konsequenz ihrer Politik, nicht in vereinzelten Leuchtturmprojekten. Es geht nicht um Prestige, sondern um das tägliche Leben – und um eine Generation, die wieder eigenständig ihre Stadt entdecken darf.

    Paris hat vorgemacht, wie eine Stadt Kinder nicht als Störfaktor, sondern als Maßstab für gute Stadtplanung begreifen kann. Weniger Autos, mehr Grün, sichere Wege – das ist keine Zukunftsvision, sondern Realität in vielen Pariser Vierteln.

    Die eigentliche Frage ist also: Wann zieht der Rest Europas nach?

    Von C. Hatty

  • Carpentras zieht die Reißleine: Nächtliches Ausgangsverbot für Minderjährige soll für mehr Sicherheit sorgen

    Carpentras zieht die Reißleine: Nächtliches Ausgangsverbot für Minderjährige soll für mehr Sicherheit sorgen

    Ab dem 1. April 2025 herrscht in Carpentras ein neuer Ton – zumindest nach Einbruch der Dunkelheit. Die südfranzösische Stadt hat ein nächtliches Ausgangsverbot für Minderjährige verhängt, das je nach Stadtteil unterschiedlich greift. Kinder unter 13 Jahren dürfen zwischen 23 Uhr und 6 Uhr nur noch in Begleitung eines Erwachsenen draußen sein. In den als besonders sensibel geltenden Vierteln Pous du Plan und Bois de l’Ubac gilt dieses Verbot auch für Jugendliche unter 16 Jahren.

    Ein ungewöhnlicher Schritt? Vielleicht. Aber einer, der sich längst abgezeichnet hatte.

    In den vergangenen Wochen häuften sich Vorfälle, bei denen Jugendliche in gewaltsame Auseinandersetzungen verwickelt waren. Insbesondere in den oben genannten Stadtteilen kam es vermehrt zu Konfrontationen mit der Polizei. Der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen brachte: Jugendliche, die bei einer Verfolgungsjagd Gegenstände auf Polizeibeamte warfen.

    Die Stadt reagierte. Bürgermeister Serge Andrieu ließ keinen Zweifel daran, dass er mit dieser Maßnahme klare Kante zeigen will. Die Sicherheit der jungen Bürger – so betonte er – stehe an erster Stelle. Und wenn nötig, sei man auch bereit, diesen Schritt vor Gericht zu verteidigen.

    Doch wie kommt das Ganze bei den Betroffenen an?

    Die Meinungen gehen weit auseinander. Während einige Jugendliche sich in ihrer Freiheit eingeschränkt fühlen und mit Kopfschütteln reagieren, zeigen sich andere überraschend einsichtig. Sie hoffen, dass dadurch nächtliche Gewalt, Drogenkontakte und unschöne Begegnungen zumindest eingedämmt werden könnten.

    Einwohner der Stadt – viele von ihnen Eltern – äußern sich größtenteils zustimmend. „Es geht nicht darum, die Jugend zu gängeln, sondern sie zu schützen“, sagt eine Mutter aus Bois de l’Ubac. Es sei ohnehin längst überfällig gewesen, klare Grenzen zu setzen – in einer Zeit, in der der Einfluss von Drogenhändlern und kriminellen Gruppen auf Jugendliche wachse.

    Natürlich bleibt die Frage nach der Wirksamkeit solcher Maßnahmen im Raum stehen. Kritiker warnen davor, dass Ausgangssperren allein kaum langfristige Lösungen bieten. Sie seien oft reine Symptombekämpfung – ein Pflaster auf einer tiefen Wunde.

    Doch selbst Skeptiker müssen eingestehen: In manchen Situationen braucht es schnelle, deutliche Zeichen. Und Carpentras ist nicht allein. Auch Städte wie Béziers, Montpellier und Nîmes haben bereits ähnliche Regeln eingeführt – stets mit dem Ziel, die Eskalation der Jugendgewalt zu bremsen.

    Wer abends durch Carpentras spaziert, spürt die Veränderung bereits. Weniger Jugendliche auf den Straßen, mehr Polizeipräsenz, mehr Kontrolle. Manche begrüßen die neue Ruhe – andere vermissen das Leben, das einst durch die Gassen hallte.

    Wie bei jeder drastischen Maßnahme hängt der Erfolg auch hier von der Umsetzung ab – und davon, ob parallel Angebote geschaffen werden, die Jugendliche langfristig einbinden und stärken. Denn eines ist klar: Verbot allein macht noch keine Lösung.

    Von C. Hatty

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  • Verbotene Gifte in Kinderkörpern: Rückstände krebserregender Pestizide nahe La Rochelle entdeckt

    Verbotene Gifte in Kinderkörpern: Rückstände krebserregender Pestizide nahe La Rochelle entdeckt

    Man sollte meinen, dass verbotene Stoffe weitgehend aus unserem Alltag verschwunden sind. Doch eine aktuelle Untersuchung beweist das Gegenteil – und trifft einen besonders sensiblen Punkt: die Gesundheit unserer Kinder. Altlasten im Haar Eine Umweltorganisation hat nahe La Rochelle Kinderhaare auf Pestizidrückstände untersucht. Das Ergebnis? Erschreckend. In mehreren Proben wurden Substanzen nachgewiesen, die in Frankreich seit Jahren, teils Jahrzehnten, verboten sind. Und nicht irgendeine Art von Stoffen – es handelt sich um Chemikalien, die von internationalen Gesundheitsbehörden als wahrscheinlich oder möglicherweise krebserregend eingestuft werden. Darunter befanden sich unter anderem Lindan, Atrazin und sogar DDT – ein Insektizid, das bereits in den 1970er Jahren in vielen Ländern vom Markt genommen wurde. Dass solche Rückstände noch immer in Kinderkörpern auftauchen, ist nicht nur ein medizinischer Schock, sondern auch ein umweltpolitischer Offenbarungseid.

    Die unsichtbare Gefa…

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  • Frankreichs Verpflichtung zur Überprüfung von Rückführungsanträgen für Kinder von Dschihadisten

    Frankreichs Verpflichtung zur Überprüfung von Rückführungsanträgen für Kinder von Dschihadisten

    Das Verwaltungsgericht von Paris hat am 13. März die Entscheidung der französischen Regierung, 29 Kinder von Dschihadisten und ihre Mütter nicht nach Frankreich zurückzuführen, aufgehoben. Das Außenministerium ist nun verpflichtet, die Anträge innerhalb von zwei Monaten erneut zu prüfen. Die betroffenen Kinder, zwischen sechs und fünfzehn Jahre alt, leben mit ihren Müttern im Lager Roj im Nordosten Syriens. Ihre Angehörigen, organisiert im Kollektiv „Familles unies“, hatten bereits 2024 Rückführungsanträge gestellt. Das französische Außenministerium lehnte diese mit Verweis auf Sicherheitsrisiken ab und führte seit Sommer 2023 keine Rückführungsaktionen mehr durch – trotz internationaler Kritik. Insgesamt sollen sich noch mindestens 120 französische Kinder und 50 Frauen in Syrien in Haft befinden. Alle betroffenen Mütter stehen unter strafrechtlicher Beobachtung und sind mit Haftbefehlen belegt. Die Anwältin der Familienangehörigen, Marie Dosé, bezeichnete das Zögern der französischen …

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  • Frankreich untersucht TikTok: Gefährdet die App die psychische Gesundheit von Jugendlichen?

    Frankreich untersucht TikTok: Gefährdet die App die psychische Gesundheit von Jugendlichen?

    Die französische Nationalversammlung hat eine Untersuchung zu den psychologischen Auswirkungen von TikTok auf Kinder und Jugendliche eingeleitet. Im Fokus steht die Frage, ob die Plattform gefährliche Inhalte verstärkt – und damit Risiken wie Suizidgedanken, Selbstverletzung oder Hypersexualisierung begünstigt. Eine Kommission für mehr Klarheit TikTok zählt in Frankreich über 15 Millionen monatliche Nutzer – darunter viele Kinder unter 12 Jahren, obwohl die App offiziell erst ab 13 erlaubt ist. Die Abgeordnete Laure Miller, die die Untersuchung vorangetrieben hat, sieht dringenden Handlungsbedarf: „TikTok hat die intransparenteste und wahrscheinlich ineffizienteste Moderationspolitik unter den sozialen Netzwerken.“ Die nun eingesetzte Kommission hat sechs Monate Zeit, um zu untersuchen, ob TikTok tatsächlich problematische Inhalte verstärkt. Besonders besorgniserregend: Eine US-Studie aus dem Jahr 2022 fand heraus, dass Jugendliche, die Anzeichen von psychischem Stress zeigen, im Schni…

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  • Gewalt in Sportclub: Trainer in Nizza misshandelte Kinder

    Gewalt in Sportclub: Trainer in Nizza misshandelte Kinder

    Schockierende Aufnahmen erschüttern Nizza: Ein Sporttrainer des Clubs „Ultra de Cimiez“ soll mehrfach Kinder brutal behandelt haben. Videos, die in Eltern-Chats kursieren, zeigen, wie er gezielt Bälle ins Gesicht von Kindern schießt und sie sogar von einem Mauervorsprung stößt. Die Empörung ist groß – und die Justiz ermittelt.

    Gewalt statt Sportförderung

    Eltern, die sich eigentlich auf die sportliche Entwicklung ihrer Kinder freuten, mussten fassungslos mitansehen, was sich im Club tatsächlich abspielte. In den Videoaufnahmen sieht man einen Jungen, der von einem Trainer absichtlich gestoßen wird und stürzt. In einer weiteren Szene wird ein Kind mit voller Wucht von einem Ball am Kopf getroffen. Und das Schlimmste: Solche Vorfälle gab es offenbar nicht nur einmal.

    Seit dem 7. März kursieren die Aufnahmen in Elternkreisen. Viele haben ihre Kinder umgehend aus dem Club abgemeldet.

    Konsequenzen für die Verantwortlichen

    Der Clubleiter hat schnell reagiert: Der identifizierte Trainer wurde fristlos entlassen. Zwei weitere Betreuer, die in den Aufnahmen zu sehen sind, haben den Verein inzwischen verlassen. Doch für die Justiz ist der Fall damit nicht erledigt: Die Staatsanwaltschaft hat eine Untersuchung wegen „Gewalt gegen Minderjährige unter 15 Jahren durch eine autoritätshabende Person“ eingeleitet.

    Eltern in Sorge – was wussten die Verantwortlichen?

    Der Vorfall wirft viele Fragen auf. Wieso wurde der Trainer erst jetzt entlassen, obwohl die Taten aus der Saison 2022-2023 stammen? Hat die Clubleitung wirklich erst durch die Videos von den Misshandlungen erfahren?

    Für viele Eltern ist klar: Ein solches Verhalten darf in einem Sportverein keinen Platz haben. Die Ermittlungen werden hoffentlich ans Licht bringen, wie es so weit kommen konnte – und wer vielleicht noch die Augen davor verschlossen hat.

    Von C. Hatty

  • Kinder in Bewegung bringen: Warum körperliche Aktivität eine wichtige Gesundheitsfrage ist

    Kinder in Bewegung bringen: Warum körperliche Aktivität eine wichtige Gesundheitsfrage ist

    Kinder bewegen sich immer weniger – das ist keine neue Erkenntnis, aber die Zahlen dazu werden immer alarmierender. Laut einem Bericht der französischen Akademie der Medizin erreichen nur 50 % der Jungen und lediglich ein Drittel der Mädchen die empfohlene tägliche Stunde körperlicher Aktivität. Diese Entwicklung ist nicht nur eine Frage des Lebensstils, sondern ein drängendes Gesundheitsproblem.

    Doch anstatt gegenzusteuern, hat der französische Staat kürzlich beschlossen, zwei zusätzliche Sportstunden in den Schulen nicht umzusetzen – ein Rückschritt, der auf massive Kritik stößt. Warum wird so wenig getan, wenn die Folgen von Bewegungsmangel so schwerwiegend sind?


    Bewegungsmangel und seine Folgen

    Die Welt unserer Kinder wird immer statischer: Längeres Sitzen und steigender Medienkonsum bestimmen ihren Alltag. Im Schnitt verbringen Kinder 3 bis 4 Stunden täglich vor Bildschirmen – und das hat Konsequenzen.

    Was bedeutet es, wenn Kinder weniger aktiv sind? Neben dem steigenden Risiko für Übergewicht und Herz-Kreislauf-Erkrankungen zeigt sich auch eine direkte Verbindung zu schlechterer geistiger Gesundheit und sinkender schulischer Leistung. Bewegung ist also nicht nur für die körperliche, sondern auch für die geistige Fitness unverzichtbar.

    Besonders betroffen sind Mädchen, Kinder aus benachteiligten Familien und Kinder mit Behinderung. Ihre Chancen, regelmäßig aktiv zu sein, sind deutlich geringer – ein alarmierender Trend, der soziale Ungleichheiten vertieft.


    Kleine Fortschritte, große Hindernisse

    Es gibt bereits Maßnahmen, die wirken: Zum Beispiel die Einführung von 30 Minuten täglicher Bewegung in Grundschulen, zusätzlich zum regulären Sportunterricht. Auch der „Pass’Sport“, ein finanzieller Zuschuss von 50 Euro zur Förderung von Vereinsaktivitäten, ist ein Schritt in die richtige Richtung.

    Doch reichen diese Initiativen aus? Experten wie der Physiologe Xavier Bigard meinen: Nein. Vielmehr müssten diese Programme nicht nur ausgeweitet, sondern langfristig gesichert werden. Eine Erhöhung des Sportunterrichts auf vier Stunden pro Woche in weiterführenden Schulen wäre laut Fachleuten ein dringend nötiger Schritt – aber diese Idee wurde vom aktuellen Kabinett offenbar auf Eis gelegt.


    Eltern und Lehrer: Die heimlichen Schlüssel zur Lösung

    Was tun, wenn staatliche Maßnahmen nicht ausreichen? Eltern spielen eine Schlüsselrolle, wenn es darum geht, Kinder für Bewegung zu begeistern. Ein aktiver Lebensstil beginnt oft zu Hause: Eltern, die selbst aktiv sind, geben diese Gewohnheit viel eher an ihre Kinder weiter. Ob der Schulweg mit dem Fahrrad oder zu Fuß zurückgelegt wird oder gemeinsame Aktivitäten am Wochenende – kleine Schritte machen hier den Unterschied.

    Auch Lehrkräfte könnten stärker in die Pflicht genommen werden. Warum nicht den Unterricht dynamischer gestalten? Regelmäßige Bewegungspausen, weniger Zeit im Sitzen und praktische Übungen, die das Lernen mit Bewegung verbinden, wären einfache Maßnahmen mit großer Wirkung.


    Bewegung muss Spaß machen

    Ein Punkt wird oft übersehen: Sport muss Spaß machen. Wenn körperliche Aktivität als Pflicht oder Strafe wahrgenommen wird, verlieren Kinder schnell die Motivation. Besonders Mädchen und Kinder mit Behinderung profitieren von inklusiven und spielerischen Angeboten, die auf ihre Bedürfnisse eingehen.

    Warum nicht mehr Spiele, Tanz- oder Outdoor-Aktivitäten einbauen? Schließlich ist die Freude an Bewegung der wichtigste Antrieb, um langfristig aktiv zu bleiben.


    Eine Frage der Priorität

    Dass die französische Regierung die Förderung körperlicher Aktivität zunächst zur „Grande Cause Nationale“ erklärte und dann zurückruderte, zeigt ein großes Problem: Die Umsetzung guter Ideen scheitert oft an politischen Prioritäten. Aber wenn wir weiterhin zusehen, wie Kinder sich immer weniger bewegen – wer zahlt dann am Ende die Rechnung?

    Es ist höchste Zeit, Kinder wieder in Bewegung zu bringen. Schließlich hängt von ihrer Gesundheit nicht nur ihre persönliche Zukunft ab, sondern die unserer gesamten Gesellschaft.