Schlagwort: Kanarische Inseln

  • Hantavirus auf Kreuzfahrtschiff: EU sieht nur geringes Risiko für Europa

    Hantavirus auf Kreuzfahrtschiff: EU sieht nur geringes Risiko für Europa

    Ein Kreuzfahrtschiff mitten im Atlantik, zwei Todesfälle, besorgte Schlagzeilen – Stoff für einen Katastrophenfilm. Doch aus Sicht der Europäischen Kommission besteht derzeit kein Anlass zur Panik. Der Ausbruch des Hantavirus auf dem Expeditionsschiff „MV Hondius“ stelle für Europa lediglich ein „geringes Risiko“ dar. Eine Sprecherin der EU-Kommission formulierte es ungewöhnlich deutlich: „Es gibt keinen Grund zur Beunruhigung.“

    Der Fall sorgt trotzdem für Aufmerksamkeit. Schließlich gilt das Hantavirus vielen Menschen als kaum bekanntes, aber gefährliches Virus. Übertragen wird es vor allem durch Nagetiere, insbesondere über deren Ausscheidungen. Von Mensch zu Mensch verbreitet sich die Krankheit nur äußerst selten. Genau dieser Punkt beruhigt die Gesundheitsbehörden derzeit spürbar.

    Die „MV Hondius“, ein Expeditionsschiff der Reederei Oceanwide Expeditions, war Anfang April im argentinischen Ushuaia gestartet – jener windumtosten Stadt am „Ende der Welt“, wo Antarktisreisen beginnen. Während der Reise starben zwei niederländische Passagiere an den Folgen einer Hantavirus-Infektion. Der Vorfall löste internationale Gesundheitswarnungen aus.

    Inzwischen befindet sich das Schiff auf dem Weg nach Teneriffa auf den Kanarischen Inseln. Dort sollen die verbliebenen Passagiere Anfang kommender Woche evakuiert werden. Laut der Reederei zeigt aktuell niemand mehr Symptome. Bereits am 24. April hatten 30 Personen das Schiff auf der britischen Insel St. Helena verlassen – darunter auch der Leichnam eines verstorbenen Passagiers.

    Besonders aufmerksam beobachten die Behörden einen weiteren möglichen Fall in den Niederlanden. Eine Flugbegleiterin der Airline KLM liegt derzeit in Amsterdam zur Untersuchung im Krankenhaus. Sie hatte Kontakt zu einem infizierten Reisenden auf einem Flug von Johannesburg in Richtung Europa. Bislang sprechen die Behörden lediglich von milden Symptomen. Die Testergebnisse stehen noch aus.

    Die Weltgesundheitsorganisation bleibt ebenfalls vergleichsweise gelassen. WHO-Chef Tedros Adhanom Ghebreyesus erklärte, das Risiko für den „Rest der Welt“ sei niedrig. Hinter den Kulissen laufen dennoch umfangreiche Untersuchungen. Argentinien entsendet nun Spezialisten nach Ushuaia, um Nagetiere entlang der mutmaßlichen Reiseroute der Infizierten einzufangen und zu analysieren. Das klingt fast nach Detektivarbeit im Eiswind Patagoniens – nur eben mit Laborkitteln statt Lupe.

    Hantaviren treten regelmäßig in Nord- und Südamerika, aber auch in Europa auf. In Deutschland etwa registrieren Gesundheitsämter jedes Jahr einzelne Fälle, oft nach Kontakt mit Mäusen in Kellern, Schuppen oder Waldgebieten. Die meisten Infektionen verlaufen mild, manche allerdings schwer. Genau deshalb reagieren Behörden lieber einmal zu viel als zu wenig.

    Für Urlauber auf Kreuzfahrten oder Flugreisende besteht nach aktuellem Stand jedoch kaum Gefahr. Die Behörden versuchen nun vor allem eines: Ruhe bewahren, Informationen sammeln und verhindern, dass aus einem medizinischen Vorfall ein globaler Angstherd entsteht. Oder, wie man im Alltag wohl sagen würde: Die Lage wirkt ernst – aber eben nicht dramatisch.

    Von C. Hatty

  • Tödlicher Virus auf hoher See: Rätsel um Krankheitsausbruch an Bord eines Kreuzfahrtschiffs vor Kap Verde

    Tödlicher Virus auf hoher See: Rätsel um Krankheitsausbruch an Bord eines Kreuzfahrtschiffs vor Kap Verde

    Ein Schiff, abgeschnitten vom Festland, die Weite des Atlantiks ringsum – und an Bord eine unsichtbare Bedrohung. Was sich derzeit auf der MV Hondius abspielt, erinnert an ein Kammerspiel unter Extrembedingungen: mehrere Schwerkranke, drei Tote – darunter wohl auch ein Deutscher – und eine wachsende Ungewissheit darüber, womit man es eigentlich zu tun hat.

    Rund 150 Menschen, unter ihnen wohl auch 5 Franzosen, befinden sich auf dem Expeditionsschiff, darunter auch fünf Franzosen. Die Reise, die ursprünglich von Argentinien in Richtung Nordatlantik führen sollte, nahm eine abrupte Wendung, als erste Passagiere über schwere Atemprobleme klagten. Innerhalb kurzer Zeit verschlechterte sich der Zustand einiger Betroffener dramatisch. Bordmedizin wurde zur Notfallmedizin – mit begrenzten Mitteln, auf offener See.

    Die Entscheidung, Kurs auf die Inselgruppe Kap Verde zu nehmen, lag nahe. Doch dort stieß das Schiff zunächst auf eine Mauer der Vorsicht. Die Behörden verweigerten das Anlegen – aus Sorge, ein potenziell gefährlicher Erreger könne eingeschleppt werden. Ein Dilemma, wie es in global vernetzten Zeiten häufiger auftritt: Hilfe leisten oder Risiken minimieren?

    Im Zentrum der Ermittlungen steht ein Verdacht, der selbst Fachleute aufhorchen lässt. Es geht um das Hantavirus, eine seltene, aber ernstzunehmende Infektion, die üblicherweise durch Kontakt mit Ausscheidungen infizierter Nagetiere übertragen wird. Dass ein solcher Erreger auf einem Schiff vermutet wird, wirft Fragen auf. Woher kam die Quelle? Gab es unentdeckte Tiere an Bord? Oder lag die Infektion bereits vor Reisebeginn vor?

    Die Symptome passen jedenfalls ins Bild: Fieber, rasche Erschöpfung, schließlich Atemnot – und das in einem Tempo, das selbst erfahrene Mediziner alarmiert. Besonders die pulmonale Verlaufsform gilt als tückisch. Sie schlägt schnell zu, oft unerwartet. Man kann sich das vorstellen wie ein Sturm, der sich erst am Horizont andeutet – und dann plötzlich mit voller Wucht hereinbricht.

    Ein weiterer Unsicherheitsfaktor schwingt im Hintergrund mit. Zwar gelten Hantaviren in der Regel nicht als von Mensch zu Mensch übertragbar. Doch einzelne Fälle, vor allem aus Südamerika, deuten darauf hin, dass Ausnahmen existieren könnten. Genau dieser Gedanke sorgt derzeit für erhöhte Wachsamkeit.

    Kreuzfahrtschiffe galten schon lange vor der Covid-19-Pandemie als sensible Räume für Infektionsgeschehen. Enge Kabinen, gemeinschaftliche Bereiche, eine geteilte Luftzirkulation – ideale Bedingungen für die Verbreitung von Krankheitserregern. Die Branche hat aus früheren Krisen gelernt, ihre Hygienekonzepte verschärft. Doch seltene Erreger halten sich nicht an Standardprotokolle.

    Inzwischen richtet sich der Blick auf die Kanarischen Inseln, wo medizinische Infrastruktur und Isolationsmöglichkeiten besser vorbereitet sind. Eine Evakuierung dorthin scheint greifbar.

    Und doch bleibt ein schaler Nachgeschmack. Der Vorfall zeigt, wie schnell selbst abgelegene Orte zu Brennpunkten globaler Gesundheitsfragen werden können. Ein Schiff mitten im Ozean – und plötzlich steht die Welt still.

    Autor: Andreas M. B.

  • Urlaubsinsel im Ausnahmezustand – Sintflutartiger Regen über Lanzarote

    Urlaubsinsel im Ausnahmezustand – Sintflutartiger Regen über Lanzarote

    Lanzarote, 13. April 2025 – Statt Sonne, Strand und Entspannung erlebten Einheimische und Touristen auf Lanzarote am vergangenen Wochenende ein Naturereignis, das die Kanareninsel an den Rand des Ausnahmezustands brachte. Sintflutartige Regenfälle legten Teile der Infrastruktur lahm, überschwemmten ganze Stadtteile und sorgten für Hunderte Notrufe – ein Szenario, das viele Urlauber eiskalt erwischte.

    Wetter-Drama in Zahlen

    Allein in Tahíche prasselten binnen zwei Stunden mehr als 100 Liter Regen pro Quadratmeter nieder – mehr als sonst im ganzen Monat. Auch Arrecife (61,7 Liter) und Teguise (48 Liter) meldeten Rekordwerte. Die Straßen verwandelten sich in reißende Bäche, Keller liefen voll, die Kanalisation kapitulierte. Besonders heftig traf es Costa Teguise, wo in einem Strandhotel sogar die Rezeption überschwemmt wurde. Tiefgaragen? Vollgelaufen bis zur Decke.

    Ausnahmezustand – und schnelle Reaktion

    Die Regionalregierung rief am Samstag rasch den Notstand aus – und konnte ihn Sonntagmorgen bereits wieder aufheben. Doch die Spuren der Katastrophe bleiben. Über 300 Notrufe in nur einer Nacht zeugen von der Dramatik der Situation. Der Leiter der Notfalldienste, Enrique Espinosa, sprach von einer „enormen Menge an Schlamm“ und mehreren überfluteten Häusern – der Schlamm ist zäh, nicht nur im wörtlichen Sinne.

    Urlaub mit Gummistiefeln

    Die Bilder in den sozialen Medien waren ebenso surreal wie erschreckend: Barfuß durch knöcheltiefes Wasser watende Touristen, durchweichte Koffer, improvisierte Evakuierungen. Ein deutscher Urlauber berichtet: „Wir saßen beim Abendessen, da kam plötzlich das Wasser unter der Tür durch. Minuten später standen wir im Wasser.“ Das Hotelpersonal habe blitzschnell reagiert – raus durch den Hintereingang, hochgelegene Zuflucht. Urlaub, wie man ihn sich nicht wünscht.

    Sturm Olivier: Mehr als nur ein Unwetter

    Hinter dem Ganzen steckt „Sturm Olivier“, der bereits am 9. April die Kanarischen Inseln heimsuchte. Die spanische Wetterbehörde AEMET warnt eindringlich vor weiteren Wetterextremen. Denn: Diese Ereignisse sind längst kein Zufall mehr. Meteorologen sehen im Klimawandel die Ursache für die zunehmenden Wetterkapriolen auf den sonst so ausgeglichen temperierten Kanaren. Der Tourismus – bisher auf verlässliches Wetter bauend – muss umdenken.

    Einbruch in die Urlaubsidylle

    Lanzarote ist nicht nur geologisch ein Insel-Unikat, sondern auch eine der meistbesuchten Ferieninseln Spaniens. Dass ganze Hotelanlagen unbewohnbar wurden und zahlreiche Ausflüge gestrichen werden mussten, stellt den Tourismussektor vor große Herausforderungen. Die Behörden loben zwar die reibungslose Zusammenarbeit mit Hotels und Rettungsdiensten – doch bis wieder Normalität einkehrt, werden Tage vergehen.

    Wichtige Hinweise für Reisende

    Wer in den kommenden Tagen eine Reise nach Lanzarote plant, sollte sich gut informieren. Offizielle Kanäle und Wetterdienste liefern regelmäßig Updates. Die Generaldirektion für Notfälle rät eindringlich, Schluchten und Wanderwege entlang der Küste zu meiden. Auch in beliebten Regionen wie Arrecife und Teguise könnten noch Aufräumarbeiten laufen. Urlauber, die bereits vor Ort sind, sollten Anweisungen des Hotelpersonals und der Behörden folgen – und bei Regenwarnungen besser auf Abenteuer verzichten.

    Was bleibt, ist ein Weckruf

    Lanzarote hat einmal mehr gezeigt, wie schnell sich Idylle in Ernst verwandeln kann. Und vielleicht ist dieses Unwetter mehr als nur ein meteorologisches Ereignis – vielleicht ist es ein weiterer Weckruf an uns alle: Die Natur ist nicht planbar, schon gar nicht im Zeitalter des Klimawandels.

    Von C. Hatty