Schlagwort: Käse

  • Wenn das Terroir ins Wanken gerät – Wie der Klimawandel Frankreichs AOPs herausfordert

    Wenn das Terroir ins Wanken gerät – Wie der Klimawandel Frankreichs AOPs herausfordert

    Frankreichs Wein, Käse, Olivenöl oder Butter sind weit mehr als bloße Agrarprodukte. Sie sind Essenz einer Landschaft, geronnene Geschichte, Ausdruck jahrhundertealter Handwerkskunst. Wer in Frankreich von einer geschützten Ursprungsbezeichnung spricht – der Appellation d’Origine Protégée, kurz AOP –, meint ein Versprechen: Dieses Produkt gehört genau hierher. Sein Geschmack speist sich aus Boden, Klima und menschlichem Können.

    Doch genau dieses Fundament gerät ins Rutschen.

    Das AOP-System folgt einem präzisen Regelwerk. Rebsorten, Anbaumethoden, Erträge, geografische Grenzen – alles detailliert festgelegt. Diese Strenge sichert Authentizität. Sie schützt vor Beliebigkeit. Gleichzeitig macht sie Anpassung schwer. Und das Klima zeigt sich unbeeindruckt von Paragrafen.

    Seit Beginn des 20. Jahrhunderts stieg die Durchschnittstemperatur in Frankreich um etwa 1,7 Grad Celsius. Eine abstrakte Zahl – bis man erlebt, was sie im Weinberg oder auf der Alm bedeutet.

    In Bordeaux beginnt die Weinlese heute häufig zwei bis drei Wochen früher als noch vor vierzig Jahren. Die Trauben erreichen schneller ihre Reife, der Zuckergehalt steigt, der Alkohol im Wein ebenfalls. Das Resultat: kräftigere, mitunter schwerere Tropfen, die sich vom historischen Stil entfernen. Winzer sprechen von einer schleichenden Verschiebung der Identität. Was einst für Eleganz stand, tendiert nun zu Opulenz.

    Hitzeperioden konzentrieren die Beeren, anhaltende Dürre schwächt die Rebstöcke. 2022 litten zahlreiche Parzellen unter massivem Wasserstress. Für eine Region, die lange auf ozeanische Ausgeglichenheit bauen konnte, wirkt diese Entwicklung wie ein Klimaschock. Manche Betriebe experimentieren mit neuen Rebsorten oder veränderten Schnitttechniken. Doch jede Abweichung vom traditionellen Sortenspiegel berührt das Selbstverständnis der Appellation.

    Noch sensibler reagiert Burgund. Hier gründet der Ruf der großen Lagen auf feiner Aromatik, subtiler Struktur, lebendiger Säure. Steigende Temperaturen senken jedoch die natürliche Säure der Trauben. Die Weine gewinnen an Fülle, verlieren mitunter an Spannung. Spätfröste zerstören junge Triebe, Hagelstürme hinterlassen binnen Minuten ein Bild der Verwüstung.

    Winzer stehen vor einer Frage, die fast existenziell wirkt: Anpassung oder Beharren? Neue, hitzeresistente Rebsorten testen oder kompromisslos am tradierten Kanon festhalten? Eine Änderung der AOP-Regularien greift tief ins genetische Gedächtnis einer Region ein. Gleichzeitig droht Untätigkeit die Typizität schleichend auszuhöhlen. Tradition, das zeigt sich, ist kein statisches Monument. Sie entstand selbst aus früheren Anpassungen – nur spricht heute kaum jemand darüber.

    Nicht nur der Wein ringt mit der Erwärmung.

    Auch Frankreichs zahlreiche Käse-AOPs hängen unmittelbar am Klima. Der Comté aus dem Juramassiv etwa lebt von der Vielfalt alpiner Wiesen. Kühe grasen dort überwiegend auf regionalen Flächen, die Zusammensetzung der Kräuter und Gräser prägt die Aromen der Milch – und damit des Käses.

    Doch trockene Sommer bremsen das Wachstum der Weiden. Landwirte sehen sich gezwungen, Futter von außerhalb zuzukaufen. Das belastet die Kalkulation und wirft Fragen nach der Übereinstimmung mit den strengen Vorgaben auf. Wenn sich die Flora verändert, verändert sich das Geschmacksprofil. Eine AOP bezeichnet schließlich nicht nur einen Ort, sondern eine sensorische Handschrift.

    In der Provence wiederum kämpfen Olivenbauern mit immer häufigeren Hitze- und Dürreperioden. Sinkende Erträge, kleinere Früchte, steigende Bewässerungskosten – all das stellt die Wirtschaftlichkeit infrage. Paradoxerweise rücken Olivenhaine inzwischen weiter nach Norden vor. Was einst klar mediterran war, gedeiht plötzlich in Regionen, die früher als zu kühl galten.

    Und da stellt sich eine beinahe philosophische Frage: Was geschieht mit einer Ursprungsbezeichnung, wenn ihr ursprüngliches Klima wandert?

    Die zuständigen Institutionen reagieren vorsichtig. In einzelnen Regionen genehmigen sie testweise neue Rebsorten oder passen Anbaumethoden an. Ziel bleibt, Kohärenz und Glaubwürdigkeit zu bewahren. Niemand möchte aus einer geschützten Herkunftsbezeichnung ein flexibles Lifestyle-Label machen. Gleichzeitig wächst die Erkenntnis, dass Starrheit keine Lösung bietet.

    Der wirtschaftliche Einsatz ist beträchtlich. AOP-Produkte stehen für Milliardenumsätze im Export und bilden einen zentralen Baustein der französischen Gastronomie-Identität. Doch jenseits der Zahlen geht es um kulturelles Kapital. Um Landschaftsbilder. Um Rituale. Um das Selbstverständnis eines Landes, das seine Küche als Kulturerbe begreift.

    Der Klimawandel zwingt diese Traditionen in eine neue Phase. Das Terroir, lange als stabile Konstante verstanden, erweist sich als dynamisches Gefüge. Vielleicht liegt genau darin die eigentliche Lehre: Herkunft war nie nur Geografie. Sie war immer auch Anpassung.

    Oder, etwas salopp gesagt: Die Natur spielt nicht nach unseren Regeln.

    Wenn die AOP überleben sollen, brauchen sie Mut zur behutsamen Veränderung – ohne ihre Seele preiszugeben. Ein Balanceakt zwischen Bewahrung und Erneuerung, zwischen Identität und Realität. Frankreichs kulinarisches Erbe steht damit vor einer Prüfung, die leise begann und längst spürbar geworden ist.

    Autor: Andreas M. Brucker

  • Mont d’Or – wo die Jurakämme den Himmel berühren

    Mont d’Or – wo die Jurakämme den Himmel berühren

    Man sagt, wer auf dem Mont d’Or steht, sieht halb Frankreich und einen guten Teil der Schweiz. Vielleicht ist das übertrieben – aber wer einmal dort oben war, weiß, warum sich solche Geschichten halten. Zwischen den schroffen Felsen und den sanft geschwungenen Weiden des Haut-Doubs entfaltet sich eine Landschaft, die sich nicht einfach beschreiben lässt. Man muss sie spüren: den Wind, der über die Grate pfeift, das Rascheln des Herbstlaubs, den Geruch von feuchtem Holz und kaltem Käse.

    Der Mont d’Or ist kein Gipfel, der sich mit reißerischem Pathos ins Gedächtnis brennt. Er ist leiser, fast demütig. Mit seinen gut 1.460 Metern wirkt er eher wie ein langgestreckter Rücken, der sich vorsichtig an die Wolken lehnt. Doch seine Schönheit liegt gerade in dieser Sanftheit.


    Der Aufstieg über die Crêtes

    Der Weg hinauf beginnt unscheinbar. Ein schmaler Pfad, der sich durch Weiden und Nadelwälder schlängelt, begleitet vom Läuten der Kuhglocken. Dann wird es steiler. Der Himmel weitet sich, die Luft wird klarer. Und plötzlich – steht man oben.

    Ein paar Meter weiter öffnet sich der Blick auf ein Panorama, das fast unwirklich erscheint: Im Osten die Alpen, schimmernd wie eine ferne Illusion; im Westen das Jura, wellig, gedämpft, vertraut. An Tagen ohne Dunst reicht der Blick bis zum Mont-Blanc, dessen weiße Kappe über der Erde schwebt wie eine Verheißung.

    Eine Familie aus Besançon steht staunend auf der Plattform, die Haare zerzaust vom Wind. „Schau mal, wie sich das Licht verändert“, ruft die Tochter, „das sieht ja aus wie gemalt!“ Der Vater nickt still – und für einen Moment scheint die Zeit stillzustehen.

    Sieben Kilometer dauert die Wanderung entlang der Crêtes, vorbei an grasenden Schafen, kleinen Holzschuppen und Weiden, die im Herbst in tausend Farben leuchten. „C’est trop beau“, ruft jemand, und man versteht sofort, dass hier keine Übertreibung im Spiel ist.


    Zwischen Wildnis und Handwerk

    Im Doubs lebt man mit den Jahreszeiten, nicht gegen sie. Wer sich auf den Mont d’Or einlässt, begegnet dieser Ruhe auf Schritt und Tritt. Und doch schlägt das Herz der Region kräftig, besonders in den kleinen Dörfern rund um Métabief und Mouthe.

    Hier bereitet man sich schon im Herbst auf den Winter vor. Fanny, eine junge Skilehrerin mit Sonnenbrand auf der Nase, zeigt Touristen das „ski-roue“, eine Art Sommertraining auf Rollen. „Man bleibt in Bewegung“, sagt sie lachend, „und die Beine vergessen den Winter nicht.“

    Ringsum dehnen sich Wälder und Almwiesen, durchzogen von klaren Bächen. Wer einen Moment innehält, hört das ferne Rauschen der Quelle des Doubs – dieser Fluss, der der Region ihren Namen gibt und an manchen Stellen so geheimnisvoll aus der Erde tritt, dass man fast an Märchen glaubt.

    Im Sommer schwimmt man im Lac de Saint-Point, im Herbst spaziert man durch das Farbenspiel der Wälder. „Hier ändert sich alles, aber auf eine sanfte Weise“, sagt ein alter Bauer. „Nie abrupt, immer mit Gefühl.“


    Der Käse, der den Namen des Berges trägt

    Wer „Mont d’Or“ sagt, meint oft nicht den Gipfel, sondern den Käse. Ein runder Laib, cremig und weich, in Rinde von Fichtenholz gebettet – so duftet er nach Wald, nach Rauch, nach Zuhause. Seit Jahrhunderten wird er hier im Haut-Doubs hergestellt, aus der Milch jener Kühe, die an den Hängen des Mont d’Or grasen.

    Im kleinen Dorf Les Longevilles-Mont-d’Or steht Fabien in seiner Küche. Auf dem Herd blubbert ein Topf, in der Ecke ein Stück Comté, daneben die runden, hellen Kisten des Mont d’Or. „C’est le moment“, sagt er, und bohrt mit geübter Hand ein Loch in den Käse. Ein Schuss Vin du Jura, ein paar Scheiben Knoblauch – und schon duftet der ganze Raum.

    Diese Version, warm, goldgelb und leicht zerlaufen, wird mit Kartoffeln und Charcuterie serviert. „Il a du goût“, meint ein Besucher aus Nancy, „et il tient chaud au cœur.“ Genau darum geht es: um Wärme, um dieses Gefühl, das von innen kommt, wenn draußen der Wind über die Jurakämme zieht.

    Fabien wagt sich auch an Neues: eine Mousse de Mont d’Or auf einem leichten Gemüsevelouté, garniert mit knuspriger Tuile de Morteau. „Das ist unsere Art, Tradition lebendig zu halten“, sagt er. „Nichts versteinern – immer weiter erfinden.“


    Der Mont d’Or als Seele des Doubs

    Vielleicht ist der Mont d’Or deshalb so besonders: weil er beides verkörpert – die Ruhe der Natur und die lebendige Kraft der Menschen, die hier leben.

    In Métabief sitzt man abends auf der Terrasse eines kleinen Gasthauses, das Holz knarzt, die Gläser klirren. Draußen leuchtet der Himmel in dunklem Orange, und irgendwo muht eine Kuh träge. Eine Frau aus Pontarlier sagt: „Hier oben hat man das Gefühl, dass die Zeit sich dehnt. Nicht stillsteht, aber langsamer läuft.“

    Was sucht man, wenn man auf einen Berg steigt? Aussicht? Ruhe? Eine Art von Wahrheit? Vielleicht alles zusammen. Der Mont d’Or antwortet nicht mit Spektakel, sondern mit stiller Geste. Mit einem Licht, das die Landschaft streichelt, statt sie zu blenden. Mit einer Weite, die nicht einschüchtert, sondern atmen lässt.

    Und wenn man am Ende des Tages unten im Tal sitzt, mit einem Glas Vin jaune und einem Teller dampfender Mont d’Or-Kartoffeln, dann begreift man: Dieser Berg ist kein Ziel, sondern eine Stimmung.

    Ein Gefühl aus Holz, Wind und Wärme.

    Ein Artikel von M. Legrand

  • Kleiner Käse, große Geschichte – Wie der Pérail dem Larzac neues Leben einhaucht

    Kleiner Käse, große Geschichte – Wie der Pérail dem Larzac neues Leben einhaucht

    Hoch oben auf dem windgegerbten Kalksteinplateau des Larzac, dort wo Schafherden durch die karge Vegetation wandern und die Sonne gnadenlos vom Himmel brennt, findet man einen Käse, der auf den ersten Blick fast unscheinbar wirkt – rund, flach, etwa handtellergroß. Aber wer ihn einmal probiert hat, merkt schnell: Hier steckt mehr drin als bloß Milch […]

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  • Tomme au Foin: Wie ein fast vergessener Käse die Herzen zurückerobert

    Tomme au Foin: Wie ein fast vergessener Käse die Herzen zurückerobert

    In den saftigen Wiesen der Oise blüht ein altes Käsehandwerk neu auf – wortwörtlich aus dem Heu geholt: die Tomme au Foin. Dieses aromatische Meisterwerk bringt nicht nur Käseliebhaber ins Schwärmen, sondern erzählt auch eine Geschichte von Tradition, Hingabe und regionalem Stolz.

    Käse mit Geschichte – und Heu im Herzen

    Bereits im 18. Jahrhundert nutzten Bauern im Pays de Bray eine clevere Methode, um ihre Käse länger haltbar zu machen: Sie lagerten die Laibe im Heu. Das schützte nicht nur, sondern verlieh dem Käse ein feinwürziges Aroma mit Noten von Walnuss und Wiesenkräutern.

    Doch dann kam das Vergessen.

    Fast zwei Jahrhunderte lang verschwand der Tomme au Foin aus den Regalen – bis Jean-Marie Beaudoin 1993 beschloss, dem Käse neues Leben einzuhauchen. In Villers-sur-Auchy grub er alte Rezepte aus, hörte den Alten im Dorf zu und wagte einen Neustart. Seine Idee? Kein Nostalgieprojekt, sondern ein echtes Revival.

    Handarbeit statt Massenware

    Hier wird nichts dem Zufall überlassen. Der Herstellungsprozess des Tomme au Foin ist ein echtes Handwerk. Rohmilch von Kühen, die auf unbehandelten Wiesen grasen, wird sanft zu Käse verarbeitet – mit traditionellen Techniken, wie sie schon die Vorfahren kannten.

    Nach dem ersten Reifeschritt ruht der Käse dann in getrocknetem Heu. Klingt rustikal? Ist es auch – aber genau das macht den Unterschied. Die Pflanzenstoffe des Heus, vor allem die aromatische Cumarin-Verbindung, verleihen der Tomme ihren unverwechselbaren Charakter. Die Kruste wird grau, die Konsistenz geschmeidig, das Aroma komplex.

    Ein bisschen wie ein gutes Buch: außen unscheinbar, innen voller Überraschungen.

    Zwei Fromagerien, eine Mission

    Heute gibt es gerade mal zwei Produzenten, die diese Tradition bewahren: die Fromagerie Jean-Marie Beaudoin in Villers-sur-Auchy und die Fromagerie de la Chapelle Saint Jean in Grémévillers. Beide setzen auf biologische Landwirtschaft, nachhaltige Methoden und viel Geduld.

    Die Mühe wird belohnt: Bei der Weltmeisterschaft des Käses in Tours gewann der Tomme au Foin 2023 die Silbermedaille. Kein Wunder – die Qualität schmeckt man. Jeder Biss ist eine kleine Reise durch die grüne Seele der Picardie.

    Genuss, der verbindet

    Wie isst man so einen Käse?

    Am besten bei Zimmertemperatur, damit sich das volle Aroma entfalten kann. Ein fruchtiger Weißwein oder ein leichter Roter passt hervorragend dazu. Auch in der Küche macht er eine tolle Figur – etwa in einer herzhaften Tarte, in der klassischen Ficelle Picarde oder einfach auf knusprigem Landbrot.

    Und auf dem Käsebrett? Da wird er schnell zum heimlichen Star, dem alle anderen Platz machen müssen.

    Was bleibt?

    Mehr als nur ein Käse.

    Der Tomme au Foin ist ein Stück lebendige Kultur – ein Zeugnis dafür, wie man mit Leidenschaft und Respekt vor der Vergangenheit neue Begeisterung wecken kann. Wer durch die Oise reist, sollte sich dieses Erlebnis nicht entgehen lassen. Denn manchmal liegt das Besondere direkt im Heu verborgen.

    Von Andreas M. Brucker

  • 100 Jahre Roquefort: Wie ein Blauschimmelkäse zum französischen Kulturerbe wurde

    100 Jahre Roquefort: Wie ein Blauschimmelkäse zum französischen Kulturerbe wurde

    Frankreich feiert 2025 ein kulinarisches Juwel: der Roquefort wird stolze 100 Jahre alt – zumindest seine geschützte Ursprungsbezeichnung. Dieser Käse ist weit mehr als nur ein Produkt aus Milch und Schimmel – er ist eine Legende aus den Tiefen der Höhlen von Roquefort-sur-Soulzon.

    Ein Meilenstein …

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  • Frankreichs Käsekultur zwischen Tradition und Zeitgeist

    Frankreichs Käsekultur zwischen Tradition und Zeitgeist

    Manchmal sagt ein einziges Produkt mehr über ein Land aus als tausend Worte. In Frankreich ist das der Käse. Er ist Symbol, Stolz und Sinnbild einer Lebensart, die Genuss nicht nur erlaubt, sondern zelebriert. Doch auch dieses kulinarische Denkmal bleibt nicht unberührt vom Wandel der Zeit – und genau darin liegt seine eigentliche Stärke.

    Mehr als 1.200 Sorten. Das ist keine Zahl aus einem Werbeprospekt, sondern das greifbare Ergebnis jahrhundertealter Handwerkskunst. Käse wie der Camembert de Normandie oder der Saint-Nectaire erzählen Geschichten – von Regionen, Familienbetrieben, von Wetter und Weide. Sie sind so vielfältig wie Frankreich selbst.

    Und dennoch: Die Zahlen sprechen eine andere Sprache. Der klassische Käsegang, einst Höhepunkt eines jeden französischen Menüs, wird seltener. Junge Konsumenten greifen lieber zur Mozzarella auf der Pizza als zum kraftvollen Roquefort auf der Käseplatte. Zwischen 2007 und 2023 verlor dieser an Bekanntheit – und an Absatz. Ein Stück Kulturgut, das leise in den Hintergrund tritt?

    Nein. Denn was hier passiert, ist keine schleichende Verdrängung, sondern ein natürlicher Wandel. Essgewohnheiten verändern sich – und mit ihnen die Rolle des Käses. Er bleibt präsent, nur eben anders: flexibler, internationaler, moderner. Neue Formen der Produktion – etwa vegane Alternativen aus Nüssen – zeigen, wie dynamisch diese Branche agiert. Von einem starren Festhalten an Tradition ist keine Spur. Eher von einem klugen Bewahren und gleichzeitig mutigen Weiterdenken.

    Besonders bemerkenswert: Die Rückbesinnung auf Regionalität. Während Industrieprodukte global aufgestellt sind, gewinnt die Direktvermarktung vom Hof an Bedeutung. Der persönliche Kontakt, die Transparenz – das alles schafft Nähe und Vertrauen. Der Käse bekommt wieder ein Gesicht, eine Geschichte, einen Ort.

    Doch mit aller Offenheit für Neues darf eines nicht verloren gehen: das Wissen um die Wurzeln. Junge Generationen sollten nicht nur veganen Cashewkäse kennen, sondern auch wissen, wie Roquefort schmeckt – und warum er so schmeckt. Bildung über Geschmack ist genauso wichtig wie Nachhaltigkeit und Innovation.

    Frankreich hat das Potenzial, beides zu vereinen: Tradition und Moderne. Die Liebe zum Käse ist tief in der Kultur verankert – sie braucht nur hin und wieder eine neue Verpackung. Wer meint, Käse sei ein Relikt aus Omas Zeiten, irrt. Er ist lebendig. Und er bleibt – wenn wir ihn lassen.

    Catherine H.

  • Vorsicht, Käserückruf: Listerienkontamination bei Comté von Carrefour und Entremont

    Vorsicht, Käserückruf: Listerienkontamination bei Comté von Carrefour und Entremont

    Ein ernstzunehmender Gesundheitsalarm hat zum landesweiten Rückruf von Comté-Käse der Marken Carrefour und Entremont geführt. Eine Kontamination mit Listerien zwingt zu diesem drastischen Schritt, um die Konsumentensicherheit zu gewährleisten.

    Die betroffenen Produkte sind Comté in Scheiben von Entremont (120g), geriebener Comté (2x70g), sowie der Comté AOP aus Rohmilch und geriebener Comté (150g) von Carrefour. Diese Käseprodukte, die seit dem 18. April unter Beobachtung stehen, sollten keinesfalls konsumiert werden. Die Konsumenten werden aufgefordert, die Produkte zu zerstören oder sie zum Geschäft zurückzubringen, um eine Rückerstattung zu erhalten.

    Die spezifischen Chargennummern, die vom Rückruf betroffen sind, lauten: 7440408-02; 7440408-03; 7440408-05; 7440408-06; 744040804; 3B9013B2; 3C9053C2; 3D9043D2; 3E9043E2; 3F9033F2; 3G9013G2. Diese Information hilft dabei, betroffene Produkte schnell und effektiv zu identifizieren.

    Gesundheitliche Symptome, die nach dem Verzehr auftreten können, umfassen Fieber, eventuell begleitet von Kopfschmerzen und Muskelschmerzen. Betroffene sollten keine Zeit verlieren und umgehend einen Arzt aufsuchen, wobei sie auf den Konsum der betroffenen Produkte hinweisen sollten.

    Die Listeriose, verursacht durch das Bakterium Listeria monocytogenes, ist eine Infektionskrankheit, die in ihrer „digestiven“ Form zu Durchfall und Fieber führen kann. In schwereren Fällen, der „invasiven“ Form, kann die Infektion das Blut und das Nervensystem betreffen. Besonders gefährdet sind Kleinkinder, schwangere Frauen, ältere Menschen und Personen mit geschwächtem Immunsystem. Bei diesen Risikogruppen kann die Krankheit schwerwiegende oder sogar tödliche Folgen haben.

    Es ist entscheidend, dass alle Verbraucher, die möglicherweise betroffenen Käse zu Hause haben, die entsprechenden Vorsichtsmaßnahmen treffen und den Anweisungen für eine sichere Entsorgung oder Rückgabe folgen. Ihre Gesundheit sollte an erster Stelle stehen.

  • Brie vs. Camembert: Ein Duell der französischen Käsekulturen

    Brie vs. Camembert: Ein Duell der französischen Käsekulturen

    Frankreich, das Land der Gastronomie, ist weltberühmt für seine exquisite Küche und insbesondere für seine Käsevielfalt. Zwei der bekanntesten französischen Käsesorten, Brie und Camembert, sind häufig Gegenstand kulinarischer Diskussionen und Vergleiche. Trotz ihrer äußerlichen Ähnlichkeiten – beide sind Weichkäse mit einer essbaren weißen Rinde – gibt es zwischen ihnen bemerkenswerte Unterschiede in Geschmack, Herstellung und […]

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  • Hautes-Alpes: Der Queyras-Blaukäse hofft auf seine AOP-Zertifizierung

    Hautes-Alpes: Der Queyras-Blaukäse hofft auf seine AOP-Zertifizierung

    In den Hautes-Alpes könnte bald eine besondere Anerkennung winken. Die Produzenten und Käser der Region setzen sich dafür ein, die geschützte Ursprungsbezeichnung (AOP) für den Queyras-Blaukäse zu erhalten. Der Queyras-Blaukäse, ein vollständig handwerklich hergestelltes Produkt, wird nach alter Tra…

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  • Morbier, Raclettekäse, Tomme du Jura: Zahlreiche Käsesorten wegen E-Coli-Bakterien zurückgerufen

    Morbier, Raclettekäse, Tomme du Jura: Zahlreiche Käsesorten wegen E-Coli-Bakterien zurückgerufen

    Vorsicht bei den Käsesorten Morbier, Tomme du Jura oder Raclettekäse: Viele Chargen werden wegen des Vorhandenseins von Escherichia Coli Bakterien dringend zurückgerufen. Warnungen vor Eschirichia Coli. Dieses Bakterium, das dafür bekannt ist, bei Menschen Bauchschmerzen und Durchfall zu verursachen, wurde in mehreren Käsechargen in Frankreich nachgewiesen. Die Gesundheitsbehörden rufen mehrere Chargen der Käsesorten Morbier, Tomme du Jura und Raclettekäse zurück. Sie wurden in ganz Frankreich verkauft. Diese Sorten sind betroffen: Morbier AOP sélection maison Monts et TerroirsGTIN-NR.: 93048971002326Los-Nr.: alle LoseVerbrauchsdatum: zwischen dem 21.11.2023 und dem 01.02.2024. Morbier AOP PrestigeGTIN-NR.: 93048971007581Nr. der Partie: alle PartienVerbrauchsdatum: zwischen dem 21.11.2023 und dem 08.01.2024 Morbier AOP Rohmilch dégagementGTIN-NUMMER: 93048971005822Nr. der Partie: alle PartienVerbrauchsdatum: zwischen dem 22.11.2023 und dem 31.01.2024 Morbier AOP RohmilchGTIN-NR.: 93048…

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