Schlagwort: Jugendpolitik

  • Fussball-WM 2026: Toulouse plant Ausgangssperre für Minderjährige bei Risikospielen

    Fussball-WM 2026: Toulouse plant Ausgangssperre für Minderjährige bei Risikospielen

    Mit Beginn der Fussball-Weltmeisterschaft 2026 sorgt nun auch die Stadt Toulouse für eine kontroverse Debatte. Die Stadtverwaltung unter Bürgermeister Jean-Luc Moudenc beabsichtigt, für bestimmte als besonders risikoreich eingestufte Spiele eine nächtliche Ausgangssperre für unbegleitete Minderjährige unter 16 Jahren einzuführen. Zwar stehen die konkreten Modalitäten noch nicht fest, das Grundprinzip wurde von der Stadt jedoch bereits beschlossen.

    Hintergrund der Massnahme sind die schweren Ausschreitungen, die Anfang Juni nach dem Sieg von Paris Saint-Germain im Final der Champions League die Innenstadt von Toulouse erschütterten. Beschädigte Fahrzeuge, zerstörtes Stadtmobiliar und verwüstete öffentliche Einrichtungen verursachten nach Angaben der Stadt Schäden von rund 45.000 Euro. Unter den festgenommenen Personen befanden sich auch mehrere Minderjährige.

    Moudenc argumentiert, die Kommunen benötigten zusätzliche Instrumente, um ähnliche Vorfälle während des weltweit grössten Fussballturniers zu verhindern. Die geplante Regelung soll unbegleiteten Jugendlichen nach einer noch festzulegenden Uhrzeit den Aufenthalt im öffentlichen Raum untersagen. Nach Angaben der Stadtverwaltung orientiert man sich dabei unter anderem am Modell von Clermont-Ferrand, wo während der gesamten Weltmeisterschaft für Minderjährige unter 16 Jahren zwischen 23 Uhr und 7 Uhr eine nächtliche Ausgangssperre gilt.

    Die Initiative stösst jedoch auf erheblichen politischen Widerstand. Vertreter linker Parteien werfen der Stadtregierung vor, mit einer pauschalen Sicherheitsmassnahme auf Probleme zu reagieren, die lediglich von einer kleinen Minderheit verursacht würden. Kritiker sehen die Gefahr, dass zahlreiche Jugendliche für das Verhalten weniger Randalierer kollektiv bestraft werden. Statt repressiver Massnahmen fordern sie stärker betreute Fan-Zonen, zusätzliche Präventionsangebote sowie kulturelle und sportliche Aktivitäten, um Feierlichkeiten in geordneten Bahnen zu ermöglichen.

    Auch unter Jugendlichen selbst fällt das Echo gemischt aus. Während einige die Pläne angesichts der jüngsten Gewaltvorfälle nachvollziehen können, betrachten andere die Massnahme als unverhältnismässig und kaum durchsetzbar. Mehrere Jugendliche äusserten gegenüber lokalen Medien Zweifel daran, dass eine Ausgangssperre tatsächlich geeignet sei, spontane Ausschreitungen zu verhindern.

    Der Fall Toulouse steht exemplarisch für eine Debatte, die derzeit zahlreiche französische Städte beschäftigt. Grossereignisse wie eine Fussball-Weltmeisterschaft sollen öffentliche Begeisterung und gesellschaftlichen Zusammenhalt fördern. Gleichzeitig sehen sich Kommunen zunehmend mit Sicherheitsrisiken konfrontiert, die durch soziale Spannungen, organisierte Gruppen oder spontane Gewaltakte verstärkt werden können.

    Ob die geplante Ausgangssperre letztlich wirksam sein wird, bleibt offen. Bereits jetzt zeigt die Diskussion jedoch, wie schwierig die Balance zwischen öffentlicher Sicherheit, individueller Freiheit und dem Charakter eines sportlichen Volksfestes geworden ist.

    Autor: P. Tiko

  • Emmanuel Macron: Neujahrsansprache 2026 – der Präsident skizziert seinen Abschied

    Emmanuel Macron: Neujahrsansprache 2026 – der Präsident skizziert seinen Abschied

    Am Abend des 31. Dezember 2025 richtete sich Emmanuel Macron mit seiner traditionellen Neujahrsansprache an die Nation – zum neunten und vorletzten Mal in seiner Amtszeit. In einer inhaltlich dicht gepackten, jedoch tonal auffallend zurückhaltenden Rede umriss der Präsident seine politischen Schwerpunkte für das Jahr 2026. Es sind Themen mit hoher gesellschaftlicher Sprengkraft – flankiert von Appellen an den Zusammenhalt der Nation in unruhigen Zeiten. Eine Rede der Mäßigung – im Schatten des Mandatsendes Macrons Ansprache war kurz, betont sachlich und weitgehend frei von Selbstlob. Sie wirkte wie ein Versuch, sich über Parteigrenzen hinweg Gehör zu verschaffen – als Präsident aller Franzosen, nicht mehr als Reformer mit disruptivem Anspruch. Der übliche Rückblick auf Erfolge vergangener Jahre blieb aus. Stattdessen dominierte eine Formulierung: 2026 solle ein „nützliches Jahr“ werden – ein Jahr des Zusammenhalts, der Eigenverantwortung und der Orientierung an Grundwerten, auch gegen …

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  • Zwischen Rückkehr und Wandel — Emmanuel Macrons neues freiwilliges Militärdienst‑Programm

    Zwischen Rückkehr und Wandel — Emmanuel Macrons neues freiwilliges Militärdienst‑Programm

    Am 27. November 2025 hat Frankreichs Präsident Emmanuel Macron in der Militärkaserne von Varces bei Grenoble einen radikalen sicherheitspolitischen Kurswechsel angekündigt: Ab 2026 wird ein freiwilliger, rein militärischer Nationaldienst für junge Erwachsene eingeführt. Der neue Service national volontaire ersetzt das wenig etablierte, zivil-militärisch angelegte „Service national universel“ (SNU) und markiert einen Paradigmenwechsel im französischen Staatsverständnis. Im Zentrum steht ein erklärtes Ziel: die Wiederbelebung des „Pakts zwischen Armee und Nation“. Der Vorstoß Macrons folgt dem Anspruch, nicht nur sicherheitspolitisch auf eine instabiler werdende Weltordnung zu reagieren, sondern auch gesellschaftspolitisch eine neue Form des zivilen Engagements zu fördern. Frankreich, das nach Abschaffung der Wehrpflicht im Jahr 1997 vollständig auf eine Berufsarmee setzte, schließt damit eine sicherheitspolitische Lücke – ohne formell zur allgemeinen Wehrpflicht zurückzukehren.

    Ein fre…

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  • Der langsame Verfall der Ordnung – Macrons freiwilliger Wehrdienst als Antwort auf eine unruhige Welt

    Der langsame Verfall der Ordnung – Macrons freiwilliger Wehrdienst als Antwort auf eine unruhige Welt

    Die Rückkehr eines freiwilligen Militärdienstes in Frankreich ist mehr als ein innenpolitisches Projekt mit pädagogischer Note. Sie ist Ausdruck einer strategischen Neubewertung der internationalen Lage. Emmanuel Macron stellt sich damit einem Befund, der sich aufdrängt: Die europäische Sicherheitsarchitektur ist brüchig geworden, die Nachkriegsordnung verliert an Bindekraft, und auch im Innern drohen gesellschaftliche Fliehkräfte. Der Präsident reagiert mit einem Vorschlag, der pragmatische Sicherheitsüberlegungen mit einer zivilgesellschaftlichen Vision verbindet – der Etablierung eines modernen, freiwilligen Dienstes an der Nation.

    Zwischen Bürgerpflicht und sicherheitspolitischem Realismus

    Frankreich hat seine Wehrpflicht 1997 abgeschafft und seine Armee seither auf Berufssoldaten umgestellt. Die Professionalisierung der Streitkräfte hat zweifellos deren Einsatzfähigkeit gestärkt – zugleich aber auch zur gesellschaftlichen Entkopplung beigetragen. Der Militärdienst, einst ein kollektives Ritual staatsbürgerlicher Integration, ist in Vergessenheit geraten. Die Armee wirkt für viele junge Franzosen heute wie eine Parallelwelt.

    In einer zunehmend instabilen geopolitischen Umgebung – geprägt von Krieg in Europa, hybriden Bedrohungen, Cyberspionage und geopolitischen Machtverschiebungen – genügt dem Élysée eine rein professionelle Verteidigungsstruktur nicht mehr. Die Wiederbelebung eines freiwilligen Militärdienstes soll eine „strategische Tiefe“ schaffen: ein Reservoir an ausgebildeten und im Ernstfall mobilisierbaren Bürgerinnen und Bürgern. Das Konzept folgt einer doppelten Logik: Der Staat will sich widerstandsfähiger machen – und zugleich das Band zwischen Armee und Gesellschaft neu knüpfen.

    Ein Projekt für die Resilienz der Nation

    Der geplante Dienst richtet sich an Jugendliche ab 16 Jahren und soll jährlich Zehntausende ansprechen. Anders als bei klassischen Wehrpflichtmodellen ist der Dienst bewusst freiwillig, flexibel in der Ausgestaltung und offen für unterschiedliche Einsatzformen – militärisch, zivil, digital. Die politische Botschaft dahinter: Der Staat setzt auf Engagement, nicht auf Zwang. Er bietet Orientierung, aber keine autoritäre Disziplinierung. Das entspricht dem politischen Stil Macrons, der versucht, Modernisierung mit staatsbürgerlichem Pathos zu verbinden.

    Die Idee ist nicht neu, doch sie gewinnt vor dem Hintergrund wachsender Unsicherheiten neue Plausibilität. Der freiwillige Dienst soll nicht nur militärisch nutzbar sein, sondern auch als gesellschaftlicher Kitt wirken. In einem Land, das unter sozialen, kulturellen und territorialen Fragmentierungen leidet, könnte ein solcher Dienst Erfahrungsräume bieten, in denen gemeinsames Handeln, Verantwortung und Zugehörigkeit erfahrbar werden – unabhängig von Herkunft oder Milieu.

    Zwischen Symbolpolitik und Strukturreform

    Doch der Vorschlag ist nicht ohne Risiken. Kritiker bemängeln, dass das Vorhaben kostspielig ist – der Ausbau auf eine relevante Größenordnung würde jährlich Milliardenbeträge verschlingen. Auch ist unklar, ob die militärische Infrastruktur auf einen derart breit angelegten Zustrom vorbereitet ist, sowohl personell als auch organisatorisch. Nicht zuletzt bleibt offen, ob sich genügend junge Menschen tatsächlich für den Dienst begeistern lassen.

    Denn damit der Dienst nicht zur reinen Symbolpolitik verkommt, braucht es mehr als ein attraktives Rahmenprogramm: Er muss glaubwürdig, sinnvoll und respektvoll gestaltet sein. Junge Menschen müssen das Gefühl haben, dass ihr Beitrag zählt – und dass ihr Engagement nicht politisch vereinnahmt, sondern anerkannt wird. Die Armee wiederum steht vor der Herausforderung, ein Umfeld zu schaffen, das nicht nur ausbildet, sondern auch bildet – im besten republikanischen Sinn.

    Was Macron hier vorschlägt, ist daher mehr als eine taktische Maßnahme. Es ist ein Versuch, das Verhältnis zwischen Staat und Bürgern neu zu justieren. In einer Zeit, in der viele Demokratien unter Erosionserscheinungen leiden, könnte der freiwillige Wehrdienst – richtig ausgestaltet – einen Beitrag zur demokratischen Resilienz leisten. Als Raum des Miteinanders, der Orientierung, der Einbindung.

    Der Erfolg des Projekts wird davon abhängen, ob es gelingt, junge Menschen für eine Idee von Staatsbürgerschaft zu gewinnen, die mehr ist als bloße Rechtsstellung – nämlich gelebte Verantwortung in unsicheren Zeiten.

    Autor: Andreas M. Brucker

  • Freiwillig in Uniform – Frankreichs neues militärisches Engagement für die Jugend

    Freiwillig in Uniform – Frankreichs neues militärisches Engagement für die Jugend

    Am 27. November 2025 kündigt Emmanuel Macron die Einführung eines neuen „Service militaire volontaire“ (SMV) an. Das Modell soll den bisherigen Service national universel (SNU) ablösen und eine doppelte Lücke schließen: das wachsende Bedürfnis junger Menschen nach sinnstiftendem Engagement sowie die sicherheitspolitische Notwendigkeit, Frankreichs Verteidigungsfähigkeit zu stärken. In einer Zeit, in der Europas sicherheitspolitische Architektur immer mehr unter Druck gerät, zielt der neue Freiwilligendienst darauf ab, militärische Kapazitäten zu erweitern – ohne die Rückkehr zur allgemeinen Wehrpflicht. Zwischen Freiwilligkeit und nationaler Resilienz Seit der Aussetzung des verpflichtenden Wehrdienstes 1997 ist Frankreichs Verhältnis zu Militär und nationaler Verteidigung ambivalent geblieben. Projekte wie der 2019 eingeführte, aber wenig verbindliche SNU konnten kaum gesellschaftliche Breitenwirkung entfalten. Die geopolitische Lage – nicht zuletzt der russische Angriffskrieg gegen d…

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  • Zwischen Härte und Hoffnung: Emmanuel Macrons strategische Gratwanderung in der Ukraine-Frage

    Zwischen Härte und Hoffnung: Emmanuel Macrons strategische Gratwanderung in der Ukraine-Frage

    Mit einem ausführlichen Fernsehinterview hat der französische Präsident Emmanuel Macron am 25. November 2025 seine Position zur Russlandpolitik, zum möglichen Frieden in der Ukraine und zur Neugestaltung des nationalen Dienstes bekräftigt. Die Aussagen markieren nicht nur eine Positionierung im aktuellen geopolitischen Kontext, sondern auch ein Signal an die französische Öffentlichkeit – zwischen sicherheitspolitischer Entschlossenheit und dem Versuch, gesellschaftliche Kohärenz zu stärken.

    „Keine Schwäche zeigen“: Frankreichs Haltung gegenüber Russland Macron legte den Fokus des Gesprächs auf die wachsende Bedrohung durch Russland – rhetorisch unmissverständlich: „Es gibt nur eine Seite, die keinen Frieden will, und das ist Russland.“ Mit dieser Aussage positioniert sich Frankreich deutlich in der europäischen Debatte über den Umgang mit dem Kreml. Die Rede ist von einer hybriden Kriegsführung, die weit über das Schlachtfeld hinausreicht: nukleare Drohgebärden, Cyberangriffe, Drohnen…

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  • Auch Frankreich denkt über den Wehrdienst nach

    Auch Frankreich denkt über den Wehrdienst nach

    Ein freiwilliger militärischer Dienst soll jungen Franzosen ab 2026 offenstehen – ein symbolischer wie strategischer Schritt in Zeiten wachsender Unsicherheit.

    Vom Berufsheer zur Rückbesinnung auf den Dienst an der Nation Frankreich könnte in naher Zukunft ein Stück seiner sicherheitspolitischen Tradition wieder aufleben lassen. Präsident Emmanuel Macron plant, einen freiwilligen Militärdienst für junge Menschen zwischen 18 und 25 Jahren einzuführen. Die Pläne sehen eine zehnmonatige Dienstzeit vor, mit einer monatlichen Vergütung von rund 900 bis 1.000 Euro. Die Initiative soll zunächst 3.000 Freiwillige im Jahr 2026 umfassen und bis 2035 auf bis zu 50.000 anwachsen. Dieser Schritt erfolgt vor dem Hintergrund wachsender geopolitischer Spannungen, einer zunehmenden Debatte über Wehrhaftigkeit und einem neuen Nachdenken über gesellschaftlichen Zusammenhalt. Zwar hatte Frankreich die allgemeine Wehrpflicht 1997 abgeschafft, doch seither mehren sich Stimmen, die auf eine strategische Sch…

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  • Generation Z in Frankreich – Motor des Wandels oder Störfaktor?

    Generation Z in Frankreich – Motor des Wandels oder Störfaktor?

    Die Generation Z – gemeinhin definiert als die zwischen etwa 1997 und 2012 geborenen Jahrgänge – steht im Fokus wachsender Aufmerksamkeit. Nicht selten wird sie dabei mit Misstrauen betrachtet: als angeblich illoyal, bildschirmfixiert, politisch wankelmütig oder ökonomisch schwer integrierbar. Doch wie belastbar sind diese Urteile wirklich – und was offenbart ein differenzierter Blick auf die jüngste erwachsene Generation, insbesondere in Frankreich?

    Frankreich, ein Land mit starkem republikanischem Selbstverständnis und ausgeprägten soziopolitischen Spannungen, dient als aufschlussreicher Spiegel für die Auseinandersetzung mit den gesellschaftlichen Rollen der Generation Z. Zwischen Arbeitswelt, Politik, Kultur und digitaler Identität – das Verhältnis zwischen einer sich verändernden Gesellschaft und ihren jüngsten Akteuren ist ambivalent.


    Zwischen Digitalisierung und Sinnsuche: Die Wertewelt der Generation Z

    Wer über die Generation Z spricht, kommt an einem Punkt nicht vorbei: Sie ist die erste vollständig digital sozialisierte Generation. Smartphones, soziale Medien, algorithmisch kuratierte Inhalte – all das ist für ihre Mitglieder keine Innovation, sondern selbstverständlicher Bestandteil des Alltags. Der französische Soziologe Jean Twenge spricht in diesem Zusammenhang von einer „hypervernetzten Sozialisation“, die neue Formen der Selbstwahrnehmung, des Lernens und der Meinungsbildung hervorbringe.

    Doch Technikaffinität ist nicht gleichbedeutend mit Oberflächlichkeit. Zahlreiche Studien – etwa von McKinsey oder dem Global Web Index (GWI) – zeigen, dass junge Menschen heute in hoher Zahl nach beruflicher Sinnhaftigkeit und gesellschaftlicher Wirkung streben. In Frankreich äußerten laut einer Studie des Institut Montaigne (2024) 64 % der 18- bis 25-Jährigen, sie wollten für Unternehmen arbeiten, die ökologische und soziale Verantwortung übernehmen. Diese Haltung stellt klassische Führungsmodelle in Frage und fordert Arbeitgeber heraus – insbesondere in Frankreichs traditionell hierarchisch geprägtem Arbeitsmarkt.


    Psychische Belastung und politischer Druck: Eine fragile Generation?

    So engagiert viele Angehörige der Generation Z auftreten – gleichzeitig sind sie eine Generation unter Stress. Die Covid-19-Pandemie hat in Frankreich wie in vielen anderen Ländern tiefe Spuren hinterlassen. Eine Untersuchung der französischen Gesundheitsbehörde Santé publique France (2023) ergab, dass rund 40 % der jungen Erwachsenen im Land Symptome von Angst oder Depression aufwiesen – eine Zahl, die deutlich über dem Durchschnitt der Gesamtbevölkerung liegt.

    Diese psychische Belastung trifft auf eine politische Öffentlichkeit, die zunehmend polarisiert ist. In Frankreich zeigen sich diese Bruchlinien besonders deutlich: Der Aufstieg rechtspopulistischer Bewegungen (wie Rassemblement National), die massiven Proteste gegen Rentenreformen und ein zunehmendes Misstrauen gegenüber etablierten Parteien machen es jungen Menschen schwer, stabile politische Orientierungen zu entwickeln. Gleichzeitig lässt sich eine hohe Bereitschaft zur punktuellen Mobilisierung beobachten – etwa über soziale Medien oder in Bewegungen wie „#NousToutes“ oder „Fridays for Future“. Politikwissenschaftler wie Jérôme Fourquet (IFOP) sprechen von einem „zerrissenen Engagement“ – geprägt von emotionaler Beteiligung, aber institutionellem Misstrauen.


    Arbeit, Wandel, Widerstand: Ökonomische Realitäten

    Auf dem französischen Arbeitsmarkt zeigen sich typische Spannungsfelder der Generation Z besonders scharf. Die Jugendarbeitslosigkeit liegt seit Jahren deutlich über dem europäischen Durchschnitt – 2025 betrug sie laut Eurostat rund 16 %. Hinzu kommt eine strukturelle Unsicherheit, etwa durch den wachsenden Einfluss der Plattformökonomie, befristete Verträge (CDD) und eine geringe Aufstiegsperspektive im Niedriglohnbereich.

    Für viele junge Menschen ist daher nicht Loyalität zum Arbeitgeber, sondern persönliche Resilienz und Flexibilität das oberste Gebot. Laut einer Studie der Direction de l’Animation de la recherche, des Études et des Statistiques (DARES) im Jahr 2024 wechseln unter 30-Jährige im Durchschnitt alle zwei bis drei Jahre den Job – deutlich häufiger als ihre Eltern-Generation. Diese „ökonomische Pragmatik“ wird von manchen als fehlende Verbindlichkeit kritisiert, könnte jedoch auch als Reaktion auf ein prekäres System verstanden werden.


    Mediennutzung und Informationsökologie: Eine neue Aufmerksamkeitskultur

    Ein weiteres zentrales Merkmal der Generation Z ist ihre Art, Informationen zu konsumieren. Studien wie jene des französischen Think-Tanks Fondation Jean-Jaurès (2024) zeigen, dass klassische Medienformate (Fernsehen, Printzeitungen) massiv an Bedeutung verloren haben. Stattdessen dominieren TikTok, Instagram und YouTube – Plattformen, auf denen Informationen oft fragmentiert, emotionalisiert und ohne journalistische Kontrolle zirkulieren.

    Diese Entwicklung wirft Fragen auf: Wie lässt sich politische Bildung in einer Welt fördern, in der „Informationsblasen“ und algorithmisch gefilterte Inhalte die Wahrnehmung prägen? Gleichzeitig zeigen Forschungen – etwa von arXiv.org (2023) –, dass viele junge Nutzer:innen durchaus Strategien zur Quellenprüfung entwickeln. Die Herausforderung besteht daher weniger in einem Mangel an Fähigkeiten als in einer Überflutung durch Reize und Widersprüche.


    Zweifelsohne steht die Generation Z an der Frontlinie gesellschaftlicher Umbrüche – ökologisch, technologisch, politisch. In Frankreich, wo der Generationenkonflikt historisch stark ausgeprägt ist, erscheint sie manchen als Provokation: illoyal, schwer zu führen, unberechenbar. Doch diese Zuschreibungen verkennen, dass sich hinter dem Verhalten junger Menschen oft nicht Ablehnung, sondern eine Reaktion auf strukturelle Unsicherheiten verbirgt.

    Die Generation Z ist keine Bedrohung, sondern ein Seismograph für gesellschaftliche Veränderungen. Ihre Forderungen nach Sinn, Partizipation und Flexibilität sind Ausdruck eines neuen Zeitgeists – und vielleicht auch ein Korrektiv für überkommene Systeme. Wer sie verstehen will, muss zuhören, beobachten – und bereit sein, alte Maßstäbe zu hinterfragen.

    Autor: Andreas M. Brucker

  • Kommentar: Endlich wach – Die Jugend dieser Welt jagt den alten Eliten Angst ein

    Kommentar: Endlich wach – Die Jugend dieser Welt jagt den alten Eliten Angst ein

    Manchmal braucht es nur einen Funken. Ein Gesetz, ein Bann, eine dreiste Lüge – und plötzlich brennt die Straße. 2025 ist dieser Funke die Jugend, die Gen Z, und sie fackelt nicht mehr lange.

    Ob in Nepal, Marokko oder Madagaskar – überall dort, wo alte Männer an den Schalthebeln der Macht sitzen und meinen, die Gesellschaft wie ein Familienunternehmen führen zu können, steht nun eine Generation auf, die sagt: Schluss damit.

    Sie sind laut, sie sind digital, sie sind unberechenbar.


    In Nepal begann alles mit einem Verbot von Social Media – einem Angriff auf das digitale Wohnzimmer dieser Generation. Wer glaubt, man könne 26 Plattformen einfach abschalten und die Leute würden schweigend in ihre Schulbücher zurückkriechen, hat die Zeichen der Zeit nicht verstanden. VPNs, Chatrooms, dezentrale Netzwerke – das Arsenal der Jugend ist unsichtbar, aber hocheffektiv. Die Reaktion der Regierung? Tränengas, Gummigeschosse, scharfes Feuer. Das Ergebnis? Ein Premierminister, der stürzt.


    In Marokko wütet der Protest wie ein Sandsturm. Junge Menschen, organisiert unter dem Label „GenZ 212“, klagen über kaputte Schulen, leere Krankenkassen und gigantische Stadionprojekte. Während die Elite die Fußball-WM feiert, vegetiert ein Teil der Bevölkerung am Rand der Gesellschaft. Wieder einmal gilt: Brot und Spiele für die Wenigen, Polizeiknüppel für die Vielen.


    Und in Madagaskar? Da schreien die Jugendlichen nach Wasser, nach Strom, nach Würde – nach einem Leben, das nicht im Schatten korrupter Eliten erstickt. 22 Tote, über 100 Verletzte, ein Präsident, der seine eigene Regierung auflösen muss. Man fragt sich: Wie lange wollen diese alten Strukturen noch so tun, als seien sie unantastbar?


    Natürlich – nicht jede Bewegung dieser jungen Welle wird sofort Erfolg haben. Viele laufen Gefahr, im Chaos zu versanden, weil sie bewusst auf Führungsfiguren verzichten. Aber vielleicht ist genau das ihr Trick: Sie sind wie Wasser. Man kann es einkesseln, niederdrücken, aber irgendwann sucht es sich seinen Weg.

    Die Jugend hat die Schnauze voll von „später“ und „irgendwann“. Sie hat verstanden, dass Politik zu oft bedeutet: ein kleines Netzwerk aus Begünstigten füttert sich durch, während unten das Volk zahlen darf. Korruption ist kein Betriebsunfall – sie ist System. Und wer das System nicht anrührt, der bleibt mitschuldig.


    Was diese Generation so gefährlich macht? Sie ist vernetzt wie nie. Wenn in Kathmandu ein Minister fällt, dann liest ein Student in Rabat davon auf TikTok. Wenn in Antananarivo das Parlament brennt, dann postet jemand in Nairobi ein Solidaritätsvideo. Grenzen werden durchlässig, Erfahrungen wandern von Smartphone zu Smartphone.

    Die Frage ist nur: Wann springt der Funke nach Europa? Nach Nordamerika? Hier, wo junge Menschen zwar auf Fridays-for-Future-Demos gehen, aber noch längst nicht mit derselben Härte wie ihre Altersgenossen im globalen Süden.

    Vielleicht ahnen die Mächtigen genau das – und haben deswegen Angst.


    Denn eines ist klar: Die Generation Z hat keine Lust mehr, in einem System alt zu werden, das ihnen schon in jungen Jahren die Zukunft klaut. Und wer sich an die Macht klammert, wer glaubt, mit Schlagstöcken und Internetverboten eine globale Jugendbewegung zu bremsen – der sollte lieber schon mal zittern.

    Denn diese Proteste sind mehr als Lärm auf der Straße. Sie sind der Soundtrack eines Erwachens. Und der Refrain lautet: Wir sind viele, wir sind vernetzt, und wir gehen nicht mehr weg.

    Ein Kommentar unserer Leserin Mariam H., 20 Jahre, Frankfurt/Main

    Dieser Kommentar spiegelt die persönliche Meinung einer Leserin aus Frankfurt am Main wider. Er erhebt keinen Anspruch auf Neutralität, sondern versteht sich als subjektiver Beitrag zur aktuellen Debatte.

  • Lecornu beerdigt den SNU: Ende eines Projekts oder Beginn einer Neuordnung?

    Lecornu beerdigt den SNU: Ende eines Projekts oder Beginn einer Neuordnung?

    Mit der Ankündigung des französischen Premierministers Sébastien Lecornu, den Service national universel (SNU) in seiner bisherigen Form auslaufen zu lassen, endet eines der ambitioniertesten jugendpolitischen Projekte der Macron-Ära. Ab dem 1. Januar 2026 wird die eigens dafür geschaffene Verwaltungseinheit aufgelöst. An ihre Stelle sollen ein „parcours d’engagement citoyen“ sowie ein neu aufgelegter freiwilliger Militärdienst treten. Damit zeichnet sich ein Paradigmenwechsel ab: von der universellen, beinahe verpflichtenden Erfahrung für alle Jugendlichen hin zu einer gezielteren, freiwilligen Beteiligung.

    Symbolik und Realität des SNU Der SNU war 2019 mit dem Anspruch gestartet, einen „republikanischen Schmelztiegel“ zu schaffen. Junge Menschen aus allen sozialen und geografischen Kontexten sollten gemeinsam eine Zeit absolvieren, die staatsbürgerliche Bildung, gemeinschaftliches Arbeiten und zum Teil auch militärisch inspirierte Elemente verband. Doch zwischen Anspruch und Umsetzu…

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