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  • Die langen Schatten des Jeffrey Epstein – Wie der Skandal weiterhin Frankreichs Elite erschüttert

    Die langen Schatten des Jeffrey Epstein – Wie der Skandal weiterhin Frankreichs Elite erschüttert

    Sieben Jahre nach dem Tod von Jeffrey Epstein in einer Gefängniszelle in Manhattan hallt sein Name weiterhin durch die Korridore der Macht – nicht nur in New York oder Palm Beach, sondern auch in Paris.

    Was lange als amerikanisches Drama galt, hat sich Anfang 2026 zu einer französischen Affäre entwickelt, die Politik, Kultur und Wirtschaft gleichermaßen erfasst. Millionen Seiten bislang unter Verschluss gehaltener US-Gerichtsakten gelangten an die Öffentlichkeit. Und plötzlich standen Namen im Raum, die in Frankreich Gewicht haben.

    Im Zentrum der neuen Ermittlungen steht eine Institution, die wie kaum eine andere für kulturellen Dialog steht: das Institut du monde arabe. Polizeibeamte durchsuchten Büros und beschlagnahmten Unterlagen. Anlass: mögliche finanzielle Verflechtungen zwischen dem früheren Institutspräsidenten Jack Lang und Epstein.

    Der Mann, der Frankreichs Kulturpolitik in den achtziger Jahren prägte, sieht sich mit Vorwürfen konfrontiert, die nichts mit den Sexualverbrechen Epsteins zu tun haben. Es geht um Geld. Um Offshore-Strukturen. Um mögliche Verschleierungen. Das Parquet national financier ermittelt wegen des Verdachts auf schwere Steuervergehen und Geldwäsche.

    Lang weist jede Schuld von sich. In Interviews wirkt er kämpferisch, fast indigniert. Er betont, nie finanzielle Vorteile aus der Beziehung zu Epstein gezogen zu haben. Wer ihn kennt, weiß um seine Fähigkeit zur Inszenierung. Doch diesmal fehlt der rote Teppich. Stattdessen Aktenberge.

    Dass sein Name in den Unterlagen auftaucht, überrascht Kenner der Pariser Szene nur bedingt. Epstein bewegte sich über Jahrzehnte souverän in internationalen Elitenetzwerken. Er lud ein, spendete, förderte. Er verstand die Codes der Macht – und spielte sie virtuos. Viele trafen ihn auf Empfängen, bei Konferenzen, in Stiftungen. Nicht jeder Kontakt bedeutet Komplizenschaft. Aber die Nähe wirft Fragen auf.

    Weit gravierender erscheint der Fall von Jean-Luc Brunel. Der frühere Modelagent galt als einer der wichtigsten französischen Partner Epsteins. Opfer sagten aus, Brunel habe junge Frauen rekrutiert, teilweise minderjährig, und sie in das Umfeld des Finanzmagnaten gebracht. In Frankreich lief ein Verfahren wegen Vergewaltigungsvorwürfen.

    Im Februar 2022 fand man Brunel tot in seiner Zelle im Gefängnis Prison de la Santé. Offiziell ein Suizid. Doch sein Tod beendete nur sein persönliches Kapitel, nicht die Ermittlungen. Neue Dokumente aus den USA legen nahe, dass sein Netzwerk größer war als bislang bekannt. Französische Ermittler prüfen, ob weitere Beteiligte zur Verantwortung gezogen werden müssen.

    Die Affäre Epstein legt ein Geflecht offen, das weit über einzelne Personen hinausreicht. Briefe, E-Mails, Kalendernotizen – sie zeichnen das Bild eines Mannes, der es verstand, sich als Mäzen zu präsentieren. Epstein unterstützte wissenschaftliche Projekte, förderte kulturelle Initiativen, umgab sich mit Politikern, Intellektuellen, Künstlern. In diesem Milieu verschwimmen Grenzen zwischen legitimer Beziehungspflege und moralischer Blindheit.

    Auch andere französische Namen tauchen in den Archiven auf. EX-Wirtschaftsminister Bruno Le Maire etwa soll Epstein bei einem Besuch begegnet sein. Er betont, nichts von dessen kriminellen Aktivitäten gewusst zu haben. Künstler und Wissenschaftler finden sich ebenfalls in der Korrespondenz – oft in beiläufigem Ton, als Teil eines mondänen Netzwerkes.

    Das Problem liegt weniger in der bloßen Erwähnung als in der Atmosphäre, die diese Dokumente atmen. Eine Welt, in der Einladungen zu luxuriösen Anwesen als Auszeichnung gelten. In der man sich geschmeichelt fühlt, wenn ein milliardenschwerer Gönner Interesse zeigt. Und in der kritische Fragen allzu selten gestellt werden.

    „Jeder wusste, dass er nie selbst zahlte“, zitieren französische Medien Weggefährten zu Jack Langs Umgang mit Geld. Ein Satz, der nun wie ein Menetekel wirkt. War es nur Großzügigkeit? Oder steckte Kalkül dahinter? Die Ermittler prüfen akribisch Zahlungsflüsse, Beteiligungen, Stiftungsstrukturen. Das Tempo der Justiz wirkt entschlossen, fast demonstrativ.

    Frankreich reagiert damit auf einen Vorwurf, der im Raum steht: zu lange weggesehen zu haben. Während in den USA Opfer öffentlich auftraten und Prozesse Schlagzeilen machten, schien der französische Teil der Geschichte in einer Grauzone zu verharren. Das ändert sich nun. Eine spezielle Ermittlergruppe sichtet systematisch alle Hinweise auf mögliche Straftaten auf französischem Boden.

    Der Fall berührt empfindliche Punkte. Er kratzt am Selbstbild einer Elite, die sich gern als aufgeklärt, kultiviert, moralisch reflektiert versteht. Und er zeigt, wie verführerisch Nähe zur Macht wirkt. Epstein inszenierte sich als Förderer von Wissenschaft und Kunst, als Brückenbauer zwischen Disziplinen. Wer mit ihm speiste, fühlte sich auserwählt.

    Im Rückblick erscheint vieles naiv. Manche sagen heute, sie hätten Gerüchte gehört, sie aber nicht ernst genommen. Andere sprechen von gezielter Täuschung. Wahrheit und Selbstrechtfertigung liegen dicht beieinander. Klar ist nur: Die neuen Enthüllungen setzen eine Dynamik frei, die sich kaum noch einfangen lässt.

    Für die Opfer sexueller Gewalt bedeutet das späte Interesse auch eine Form der Anerkennung. Ihre Aussagen erhalten neues Gewicht. Ihre Geschichten, lange an den Rand gedrängt, rücken ins Zentrum der Debatte. Das juristische Ringen um Verantwortlichkeiten bleibt komplex, doch die gesellschaftliche Sensibilität ist gewachsen.

    In Paris diskutiert man inzwischen weniger über einzelne Namen als über Strukturen. Wie funktionieren Netzwerke, in denen Geld, Einfluss und kulturelles Prestige ineinandergreifen? Warum stellt kaum jemand kritische Fragen, wenn ein Mäzen großzügig Schecks verteilt? Und weshalb fällt es so schwer, moralische Grenzen zu ziehen, wenn Karriere und Ruhm locken?

    Der Skandal zwingt zur Selbstprüfung. Nicht nur bei Politikern oder Kulturschaffenden, sondern im gesamten Milieu der Entscheidungsträger. Nähe zur Macht verlangt Distanz im Denken. Wer beides verwechselt, gerät leicht ins Schlingern.

    Noch ist kein Urteil gesprochen. Ermittlungen laufen, Akten wachsen, Verteidigungsstrategien formieren sich. Doch eines steht fest: Der Name Epstein fungiert längst als Chiffre für ein System, das auf Glanz und Geheimhaltung baute. Und Frankreich spürt, dass es Teil dieser Geschichte ist.

    Man könnte sagen: Der Lack ist ab. Oder, weniger salopp formuliert, das Vertrauen erodiert. Die kommenden Monate entscheiden darüber, ob die Justiz Licht in die Schatten wirft – oder ob sich erneut Nebel über die Szene legt.

    Die Affäre wirkt wie ein Brennglas. Sie bündelt Fragen nach Verantwortung, Moral und Macht. Und sie erinnert daran, dass selbst die glänzendsten Fassaden Risse tragen.

    Von C. Hatty

  • Epstein-Affäre in Frankreich: Transparenzforderung trifft auf institutionelle Vorsicht

    Epstein-Affäre in Frankreich: Transparenzforderung trifft auf institutionelle Vorsicht

    Die Veröffentlichung umfangreicher amerikanischer Gerichtsakten zur Affäre um Jeffrey Epstein hat Frankreich mit voller Wucht erfasst. Innerhalb weniger Tage entwickelte sich aus einem internationalen Justizskandal eine innenpolitische Debatte von erheblicher Sprengkraft. Im Zentrum steht die Frage, ob die französische Nationalversammlung eine parlamentarische Untersuchungskommission einsetzen soll, um mögliche Verbindungen französischer Persönlichkeiten zum Netzwerk Epsteins zu beleuchten. Die Reaktionen reichen von entschiedener Ablehnung bis zu vorsichtiger Offenheit. Damit wird die Affäre zu einem Prüfstein für das Verhältnis von Transparenz, Gewaltenteilung und politischer Strategie – und für die Glaubwürdigkeit einer politischen Elite, die ohnehin unter Legitimationsdruck steht. Von New York nach Paris: Die Internationalisierung eines Skandals Der Ausgangspunkt liegt in den Vereinigten Staaten. Der amerikanische Finanzier Jeffrey Epstein war 2019 wegen Sexualverbrechen angeklagt …

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  • Der Sturz einer Kulturikone – Jack Langs Rücktritt im Schatten der Epstein-Affäre

    Der Sturz einer Kulturikone – Jack Langs Rücktritt im Schatten der Epstein-Affäre

    Der Rücktritt von Jack Lang markiert eine Zäsur in der französischen Kulturpolitik. Am 7. Februar 2026 legte der 86-Jährige sein Amt als Präsident des Institut du monde arabe (IMA) nieder – nach dreizehn Jahren an der Spitze einer der symbolträchtigsten Institutionen der französischen Kulturdiplomatie. Auslöser sind neue Enthüllungen im Zusammenhang mit dem Fall Jeffrey Epstein sowie die Eröffnung eines Ermittlungsverfahrens in Frankreich wegen des Verdachts auf schwere Steuerhinterziehung und Geldwäsche. Der Fall verbindet zwei Sphären, die bislang kaum Berührungspunkte hatten: die schillernde Welt der internationalen Kulturdiplomatie und die dunklen Netzwerke eines globalen Finanzskandals. Für Lang, der wie kaum ein anderer für die kulturelle Selbstvergewisserung Frankreichs seit den 1980er Jahren stand, kommt dies einem politischen und symbolischen Absturz gleich. Die „Epstein Files“ und ihre Sprengkraft Ausgangspunkt der Affäre ist die Veröffentlichung neuer, von US-Gerichten freig…

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  • Kommentar: Ein bisschen Charme, ein bisschen Pädokriminalität – wo ist das Problem, mes amis?

    Kommentar: Ein bisschen Charme, ein bisschen Pädokriminalität – wo ist das Problem, mes amis?

    Ach Jack. Jack Lang. Kulturminister der Herzen, sozialistisches Fossil mit Samtstimme und Seidenschal, einst Lichtgestalt der französischen Intellektualität – heute umwoben von dem ganz leicht unangenehmen Parfum vergangener Freundschaften. Epstein? „Charmant“, „courtois“, „généreux“ – ja, so redet man halt in gewissen Kreisen über Männer, die minderjährige Mädchen missbrauchten wie andere ihre Visitenkarten verteilen. Aber Moment: Man kann auch übertreiben!

    Denn was ist das eigentlich für eine hysterische Zeit, in der man sich für seine soignierten Erinnerungen an einen verurteilten Sexualstraftäter rechtfertigen soll? Darf man denn gar nichts mehr sagen, ohne dass gleich die moralische Guillotine fällt? Jack Lang hat doch nur höflich formuliert, was sich offenbar in den feinen Salons von Paris seit Jahrzehnten keiner zu denken wagt: Dass gewisse Monstren eben auch ganz passabel Small Talk führen konnten.

    Und jetzt also Olivier Faure, Chef der Parti socialiste, der plötzlich sein Rückgrat entdeckt – natürlich ausgerechnet gegenüber einem der letzten noch sichtbaren Gesichter der Partei. Faure fordert „Reflexion über einen Rücktritt“. Réflexion, mesdames et messieurs – wie nobel. Keine klare Kante, keine Verantwortung, sondern höflich hingehauchter moralischer Druck im Konjunktiv. Ein bisschen Entrüstung fürs Publikum, ohne wirklich die Hände schmutzig zu machen.

    Aber mal ehrlich: Was genau wirft man Jack Lang eigentlich vor? Dass er vor Jahrzehnten mit Epstein in einem Raum war? Dass er ihn mochte? Dass er öffentlich nicht den geforderten Zorn über den Mann in ein Mikro brüllte? Es ist doch fast rührend, wie sich Frankreichs politische Klasse auf symbolische Purifizierungsriten verlegt, wenn es sonst nichts mehr zu verteidigen gibt – schon gar nicht eine moralisch verarmte Linke, deren letztes Kapital ausgerechnet die Erinnerung an glorreiche Männer wie Lang ist.

    Natürlich ist es heikel, wenn der Präsident des Institut du monde arabe einen Pädokriminellen öffentlich verharmlost. Natürlich wirkt das verstörend – nicht zuletzt in einem kulturellen Kontext, in dem Vertrauen, Integrität und Dialog mit dem arabischen Raum auf dem Spiel stehen. Aber was tun wir hier eigentlich? Debattieren wir ernsthaft über institutionelle Verantwortung? Oder spielen wir nur wieder das große Spiel der Empörungskultur, diesmal auf französisch?

    Der Fall Lang zeigt vor allem eins: Die absolute Hilflosigkeit einer politischen Elite, die nicht mehr weiß, wie man mit dem eigenen moralischen Verfall umgehen soll – außer durch rituelle Distanzierungen von Symbolfiguren, sobald die Öffentlichkeit kurz das Licht anmacht. Aber nur ganz kurz, versteht sich. Danach geht es weiter wie bisher. Mit ein bisschen mehr Schweigen. Und einem charmanten Lächeln.

    Ein Kommentar von C. Hatty

  • Die Fête de la Musique ist „in den Köpfen und Herzen“ der Franzosen verankert

    Die Fête de la Musique ist „in den Köpfen und Herzen“ der Franzosen verankert

    Für Jack Lang, ehemaliger Kulturminister unter François Mitterrand und Begründer der Fête de la Musique, ist die Veranstaltung, die immer zum Sommeranfang in ganz Frankreich stattfindet, zu einem „nationalen Ritual“ geworden. Die Fête de la Musique ist „ein Ritual, das in den Köpfen und Herzen“ der Franzosen inzwischen verankert ist, freut sich Jack Lang, der Schöpfer des grössten kulturellen Ereignisses des Jahres in Frankreich, am Dienstag, dem 21. Juni, auf Franceinfo. Die 40. Fête de la Musique fühlt sich für den ehemaligen Kulturminister wie ein „Wiedersehen“ nach zwei Jahren Covid-19 an. „Für die Franzosen ist sie zu einem Ritual geworden, das in den Köpfen und Herzen der Menschen verankert ist. Es ist etwas, an dem niemand rütteln mehr kann, ein fast republikanisches und nationales Ritual“, erklärt der ehemalige Minister. Trotz der „Armee der Skeptiker“, die Jack Lang 1982 vorwarf, ein Volksfest zu schaffen und die Musik aus den Konservatorien herauszuholen, blieb der damalige K…

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