Schlagwort: Israelische Politik

  • Wichtigste NIllegales Gold im offiziellen Umlauf: Die US-Münzanstalt unter Druckeuigkeiten

    Wichtigste NIllegales Gold im offiziellen Umlauf: Die US-Münzanstalt unter Druckeuigkeiten

    Eine Recherche der New York Times erschüttert derzeit das Vertrauen in eine der symbolträchtigsten Institutionen der Vereinigten Staaten: die United States Mint. Demnach soll die staatliche Münzanstalt über Jahre hinweg Gold verarbeitet und weiterverkauft haben, dessen Ursprung auf illegale Förderpraktiken und Verbindungen zu lateinamerikanischen Drogenkartellen zurückgeht. Die Enthüllungen werfen grundlegende Fragen zur Integrität staatlicher Lieferketten und zur Wirksamkeit regulatorischer Kontrollen auf.

    Im Zentrum des Skandals steht ein strukturelles Problem: die Intransparenz globaler Rohstoffmärkte. Gold, das aus illegalem Bergbau stammt – häufig unter menschenunwürdigen Bedingungen und unter Kontrolle krimineller Netzwerke – gelangt über Zwischenhändler in den internationalen Handel. Durch eine Kette aus Scheinfirmen und Exporteuren wird die Herkunft systematisch verschleiert. Am Ende dieses Prozesses steht offenbar auch die US-Münzanstalt, die das Edelmetall als „amerikanisches Gold“ deklariert und in Umlauf bringt.

    Dabei gelten für die US-Münze klare gesetzliche Vorgaben: Sie darf ausschließlich Gold aus heimischer, legaler Förderung verwenden. Dass diese Vorschrift offenbar umgangen wurde, deutet auf erhebliche Defizite in der Kontrolle und Zertifizierung der Lieferketten hin. Branchenkenner sprechen von einem „systemischen Versagen“, das nicht nur einzelne Akteure betrifft, sondern auf eine zu geringe regulatorische Durchdringung des Marktes hinweist.

    Die politischen Konsequenzen könnten erheblich sein. In Washington mehren sich die Stimmen, die eine umfassende Untersuchung fordern. Mitglieder des Kongresses verlangen Aufklärung darüber, wie staatliche Institutionen in eine Lieferkette eingebunden sein konnten, die mutmaßlich kriminelle Aktivitäten stützt. Auch internationale Partner dürften aufmerksam beobachten, wie die USA mit dem Vorfall umgehen – nicht zuletzt, weil die Glaubwürdigkeit amerikanischer Goldreserven und -produkte auf dem Spiel steht.

    Ökonomisch betrachtet könnte der Skandal das Vertrauen in den Edelmetallmarkt erschüttern. Gold gilt traditionell als „sicherer Hafen“ in Zeiten wirtschaftlicher Unsicherheit. Diese Funktion beruht jedoch wesentlich auf der Annahme von Stabilität, Transparenz und Werthaltigkeit. Wenn Zweifel an der Herkunft und Legalität des gehandelten Goldes aufkommen, könnte dies die Preisbildung und Marktmechanismen nachhaltig beeinflussen.

    Die Affäre legt offen, wie eng legale und illegale Wirtschaftsströme in globalisierten Märkten miteinander verflochten sind. Sie zeigt zugleich, dass staatliche Institutionen nicht immun gegen diese Dynamiken sind. Entscheidend wird nun sein, ob es den zuständigen Behörden gelingt, die Kontrollmechanismen zu verschärfen und verlorenes Vertrauen wiederherzustellen – sowohl im Inland als auch auf internationaler Ebene.


    Politischer Schulterschluss gegen Netanyahu: Israels Mitte rückt zusammen

    In Israel formiert sich vor den kommenden Wahlen eine bemerkenswerte Allianz: Die ehemaligen Premierminister Naftali Bennett und Yair Lapid haben angekündigt, ihre politischen Kräfte zu bündeln, um Amtsinhaber Benjamin Netanyahu herauszufordern. Dieser Schritt markiert eine strategische Neuordnung im politischen Spektrum des Landes – und könnte das Machtgefüge nachhaltig verändern.

    Die Kooperation zwischen Bennett, der traditionell dem rechten Lager zugeordnet wird, und dem zentristisch-liberalen Lapid ist vor allem als Reaktion auf Netanyahus anhaltende Dominanz zu verstehen. Trotz wiederholter Regierungswechsel und breiter Kritik gelingt es dem langjährigen Premier, seine politische Basis zu mobilisieren. Zugleich sieht er sich weiterhin mit Korruptionsvorwürfen und juristischen Verfahren konfrontiert, die seine Legitimität belasten und das Vertrauen in staatliche Institutionen auf die Probe stellen.

    Die nun angestrebte Parteifusion verfolgt das Ziel, die zersplitterte Opposition zu einen und insbesondere Wähler der politischen Mitte anzusprechen. Bereits in der Vergangenheit hatten Bennett und Lapid – wenn auch nur temporär – in einer ungewöhnlichen Koalition zusammengearbeitet, die Netanyahu zwischenzeitlich aus dem Amt drängte. Die damalige Regierung scheiterte jedoch an internen Spannungen und ideologischen Differenzen.

    Dieses Mal scheint der strategische Fokus klarer: Es geht weniger um programmatische Reinheit als um politische Wirksamkeit. Die gemeinsame Plattform soll wirtschaftliche Stabilität, institutionelle Integrität und eine pragmatische Sicherheitspolitik in den Vordergrund stellen. Beobachter sehen darin den Versuch, eine Alternative zu Netanyahus zunehmend polarisierendem Führungsstil zu bieten.

    Gleichzeitig bleibt fraglich, ob es der neuen Allianz gelingt, die tiefen Gräben innerhalb der israelischen Gesellschaft zu überbrücken. Themen wie Justizreformen, Siedlungspolitik und das Verhältnis zu den Palästinensern bleiben konfliktträchtig und könnten auch innerhalb des Bündnisses Spannungen hervorrufen.

    Die kommenden Monate werden zeigen, ob der Schulterschluss von Bennett und Lapid mehr ist als ein taktisches Wahlbündnis. Klar ist jedoch: Der politische Wettbewerb in Israel tritt in eine neue Phase ein – mit offenem Ausgang und potenziell weitreichenden Folgen für die innen- und außenpolitische Ausrichtung des Landes.


    Weitere Nachrichten

    – Präsident Isaac Herzog von Israel verschiebt eine Entscheidung über eine Begnadigung für Netanyahu; stattdessen wird eine Vermittlung angestrebt.
    – Militärische Auseinandersetzungen zwischen Israel und der Hisbollah im Libanon nehmen zu.
    Islamabad: US-Iran-Gespräche sind gescheitert.
    König Charles III. und Königin Camilla besuchen unter Spannungen die USA.
    – In Japan kämpfen Anwohner gegen Ansturm von Touristen während der Kirschblütensaison.
    – Militante Angriffe in Mali markieren eine Eskalation der langjährigen Feindseligkeiten.
    – Großwildjäger aus Kalifornien in Gabun von Elefant getötet.
    Trump fordert die Beseitigung des iranischen Nuklearbestands, ein Problem, das er mitverursacht hat.
    – AIDS nimmt in Teilen von Sambia zu, ein Jahr nachdem die USA ihre HIV-Hilfe gekürzt haben.

    Christine Macha

  • Israel genehmigt erste Phase des Gaza-Deals – Der Waffenstillstand beginnt, der Frieden bleibt ungewiss

    Israel genehmigt erste Phase des Gaza-Deals – Der Waffenstillstand beginnt, der Frieden bleibt ungewiss

    Nach monatelangen Kämpfen, internationalen Vermittlungsversuchen und wachsendem innenpolitischem Druck hat die israelische Regierung der ersten Phase eines Abkommens mit der Hamas zugestimmt. Das als „vorläufiger Waffenstillstand“ deklarierte Übereinkommen soll den Weg ebnen für die Rückkehr aller verbliebenen israelischen Geiseln, die Freilassung hunderter palästinensischer Häftlinge und eine schrittweise Beruhigung der Lage im Gazastreifen einläuten. Doch der Konflikt ist damit keineswegs beendet – zentrale Fragen bleiben offen, nicht zuletzt die Entwaffnung der Hamas und die politische Zukunft des Küstenstreifens.

    Der Inhalt des Abkommens

    Kern des vereinbarten Maßnahmenpakets ist ein sofortiger Waffenstillstand, der von beiden Seiten eingehalten werden soll. Israel verpflichtet sich, seine militärischen Operationen in Gaza auszusetzen und bestimmte Einheiten zurückzuziehen. Im Gegenzug wird Hamas sämtliche verbliebenen israelische Geiseln freilassen – sowohl lebende als auch getötete. Als Gegenleistung sollen mehrere hundert palästinensische Häftlinge aus israelischen Gefängnissen entlassen werden.

    Ergänzt wird die Vereinbarung durch humanitäre Maßnahmen. Grenzübergänge sollen geöffnet, die Einfuhr von Hilfsgütern erleichtert und zerstörte Infrastruktur zumindest notdürftig instandgesetzt werden. Eine multinationale Beobachtermission – bestehend aus Soldaten der USA, Ägyptens, Katars, der Türkei und der Vereinigten Arabischen Emirate – wird die Einhaltung des Waffenstillstands überwachen.

    Die geopolitische Dimension

    Auffällig ist die zentrale Rolle der USA. Der amerikanische Präsident kündigte an, noch am Wochenende in die Region zu reisen, um der Unterzeichnung des Abkommens persönlich beizuwohnen. Der Deal gilt als ein diplomatischer Erfolg Washingtons, das seit Monaten Druck auf beide Konfliktparteien sowie auf die regionalen Vermittler ausgeübt hatte.

    Das Timing ist dabei nicht zufällig. Israel sieht sich wachsender internationaler Kritik gegenüber, insbesondere angesichts der hohen zivilen Opferzahlen in Gaza und der humanitären Notlage. Gleichzeitig nehmen innenpolitische Spannungen zu, da viele Israelis das Schicksal der Geiseln als nationale Schande empfinden. Aufseiten der Hamas wuchs der Druck ebenfalls: Der Nutzen der Geiseln als politisches Faustpfand schien zunehmend von der strategischen und logistischen Belastung überlagert zu werden.

    Auch regionale Akteure wie Ägypten, Katar und die Türkei drängten auf eine Lösung – nicht zuletzt, um ein Übergreifen der Instabilität auf Nachbarstaaten zu verhindern. Ihre diplomatischen Netzwerke und Einflusskanäle waren entscheidend für die jetzige Einigung.

    Offene Fragen und Risiken

    Trotz aller diplomatischen Inszenierung handelt es sich bislang lediglich um einen ersten Schritt. Die eigentlichen Kernfragen des Konflikts bleiben ungelöst. Vor allem die Entwaffnung der Hamas wurde in die nächste Verhandlungsphase verschoben. Ob die Organisation bereit ist, ihre militärischen Kapazitäten aufzugeben, erscheint höchst fraglich – auch angesichts ihrer ideologischen Grundhaltung und der internen Konkurrenz mit anderen militanten Gruppen im Gazastreifen.

    Auch die künftige politische Verwaltung des Gazastreifens ist ungeklärt. Die palästinensische Autonomiebehörde hat bisher keine tragfähige Rolle im Friedensprozess übernommen, eine internationale Übergangsverwaltung ist bisher lediglich hypothetisch diskutiert worden. Ohne ein klares institutionelles Modell droht der Wiederaufbau in Chaos und Rivalitäten zu versinken.

    Ein weiteres Risiko liegt in der Fragilität des politischen Konsenses in Israel. Rechte und ultranationalistische Kräfte betrachten das Abkommen als gefährlichen Präzedenzfall und könnten versuchen, durch innenpolitischen Druck oder juristische Hebel Einfluss zu nehmen. Auch innerhalb der Hamas ist nicht sicher, ob alle Fraktionen den eingeschlagenen Weg mittragen.

    Symbolkraft und Unsicherheit

    Das jetzt verabschiedete Abkommen ist zweifellos ein diplomatischer Durchbruch – nicht zuletzt, weil es zeigt, dass Dialog auch nach intensiver Gewalt wieder möglich ist. Es eröffnet Raum für humanitäre Entlastung und verschafft politischen Akteuren Zeit, einen tragfähigeren Rahmen für eine langfristige Lösung zu entwickeln.

    Doch der Waffenstillstand ist fragil. Ohne strukturelle Antworten auf die grundlegenden politischen, sozialen und sicherheitspolitischen Probleme der Region bleibt das Risiko hoch, dass es sich lediglich um eine Atempause handelt – nicht um einen Wendepunkt. Die kommenden Wochen werden zeigen, ob die Vereinbarung der Auftakt zu einem belastbaren Friedensprozess ist – oder nur eine Episode in einem langen Zyklus aus Eskalation und Deeskalation.


    Weitere Schlagzeilen

    Ein schweres Erdbeben vor der Südküste der Philippinen hat eine Tsunami-Warnung ausgelöst.

    In den USA wurde Letitia James, Generalstaatsanwältin von New York, wegen Bankbetrugs und Falschaussage angeklagt – zwei Wochen nach der Trump-gelenkten Anklage gegen Ex-FBI-Chef James Comey.

    Russland hat die Verantwortung für den Abschuss eines aserbaidschanischen Passagierflugzeugs im Vorjahr übernommen, offenbar im Bemühen um eine Entspannung mit Baku.

    China verschärft die Exportkontrollen für Seltene Erden, ein entscheidender Rohstoff für Smartphones und E-Autos.

    Ein US-Gericht hat den Einsatz der Nationalgarde in Chicago vorläufig gestoppt. Die von der Regierung Trump vorgebrachten Begründungen seien „unzureichend“.

    Deutschlands Bundeskanzler Merz ruft gemeinsam mit der Autoindustrie die EU auf, ihre Emissionspolitik zu überdenken.

    Die hohe Avocado-Nachfrage in den USA führt zu illegaler Abholzung in Mexiko. Ein neues Satellitenüberwachungssystem soll Exporte aus betroffenen Gebieten stoppen.

    Autor: P. Tiko

  • Israel: Netanjahu bestätigt Operation gegen Hamas-Funktionäre in Katar

    Israel: Netanjahu bestätigt Operation gegen Hamas-Funktionäre in Katar

    Mit einem demonstrativen Bekenntnis zur Eigenverantwortung hat Israels Premierminister Benjamin Netanjahu eine heikle Eskalation im Nahen Osten bestätigt: Die gezielten Angriffe auf Hamas-Funktionäre in der katarischen Hauptstadt Doha seien eine „vollständig unabhängige Operation Israels“ gewesen. Diese ungewöhnlich offene Mitteilung kommt in einer Phase zunehmender regionaler Spannungen – und hat das diplomatische Verhältnis zwischen Israel und dem Golfstaat Katar erheblich belastet.

    Die Luftschläge in Doha, die mehrere Explosionen in Wohngebieten auslösten, trafen nach israelischen Angaben „hochrangige Hamas-Verantwortliche“, die seit Monaten an indirekten Verhandlungen über einen Waffenstillstand im Gazastreifen beteiligt waren. Katar verurteilte die Angriffe scharf als „feige Tat“ und warf Israel vor, zivile Wohnkomplexe ins Visier genommen zu haben.

    Angriff nach Attentat – Netanjahus Signal der Härte

    Auslöser der Operation war ein tödlicher Anschlag in Ostjerusalem am Vortag, bei dem sechs israelische Zivilisten ums Leben kamen. Eine Gruppe der Terrormiliz Hamas, die „Brigaden al-Qassam“, reklamierte die Verantwortung für das Attentat nahe der Siedlung Ramot in Jerusalem. Netanjahu, der unter massivem innenpolitischem Druck steht, stellte umgehend einen Zusammenhang her: Die Operation in Katar sei eine direkte Reaktion auf die Attacke gewesen.

    „Israel hat sie initiiert, Israel hat sie durchgeführt und Israel übernimmt die volle Verantwortung“, erklärte der Premier in einer Mitteilung seines Büros. Diese demonstrative Verantwortungsübernahme ist bemerkenswert – denn sie bricht mit einer jahrzehntelangen Praxis: Operationen auf fremdem Staatsgebiet wurden in der Vergangenheit fast immer dementiert oder nicht kommentiert.

    Katar als diplomatischer Spielball

    Katar hat in diesem geopolitischen Schachspiel in eine paradoxen Doppelrolle inne: Einerseits ist das Emirat enger Partner des Westens – es beherbergt den größten US-Militärstützpunkt im Nahen Osten und tritt oft als Vermittler in internationalen Konflikten auf. Andererseits gewährt es seit Jahren führenden Hamas-Kadern Zuflucht und finanziert große Teile der humanitären Infrastruktur der Hamas in Gaza.

    Gerade die Rolle Katars als vermeintlich neutraler Akteur wird durch die aktuellen Ereignisse infrage gestellt. Zwar betont Doha stets, man unterhalte Kontakte zur Hamas lediglich aus Vermittlungsgründen. Doch Israels Angriff zielt wohl auch darauf ab, Katar in seiner doppelten Rolle öffentlich bloßzustellen – oder zumindest unter Druck zu setzen, den Hamas-Führern keinen sicheren Hafen mehr zu bieten.

    Völkerrechtlich umstritten, strategisch riskant

    Aus völkerrechtlicher Perspektive ist der israelische Angriff auf ausländischem Boden hochproblematisch. Die gezielte Tötung politischer Akteure in einem Drittstaat – ohne dessen Zustimmung – stellt eine klare Verletzung der territorialen Souveränität dar. Derartige Aktionen gelten nach internationalem Recht nur dann als zulässig, wenn eine akute Selbstverteidigungslage besteht. Diese Schwelle ist jedoch äußerst hoch angesetzt und kaum gegeben, wenn die Bedrohung nicht unmittelbar bevorsteht.

    Zudem könnte der Angriff Israels diplomatische Beziehungen zu weiteren Staaten im Golf massiv belasten. Bereits 2010 führte die Ermordung eines Hamas-Kommandeurs in Dubai, mutmaßlich durch den israelischen Auslandsgeheimdienst Mossad, zu einem diplomatischen Eklat – insbesondere, weil dabei europäische Pässe missbraucht worden waren. Auch jetzt ist zu erwarten, dass arabische Staaten auf Distanz zu Israel gehen könnten, selbst wenn sie strategisch mit Tel Aviv kooperieren, etwa in der Iran-Frage.

    Neue Dynamik im Gaza-Konflikt?

    Die gezielte Tötung von Hamas-Führern in Katar birgt zudem das Potenzial, die ohnehin festgefahrenen Verhandlungen über eine Waffenruhe in Gaza weiter zu torpedieren. Gerade jene Personen, die nun zur Zielscheibe wurden, hatten in den vergangenen Monaten über ägyptische und katarische Kanäle indirekt mit Israel verhandelt.

    Unklar bleibt, ob der israelische Angriff ein gezieltes Ende dieser Gesprächskanäle bedeutet – oder ob er nur symbolischen Charakter hatte. In jedem Fall dürfte das Vertrauen der Hamas in diplomatische Prozesse nachhaltig beschädigt sein. Das wiederum könnte die militärische Eskalation in Gaza weiter anheizen.

    Unterdessen positioniert sich Netanjahu gegenüber der eigenen Bevölkerung als kompromissloser Verteidiger nationaler Sicherheit. In einer politischen Phase, in der ihm innenpolitische Gegner – vor allem in Folge des Gaza-Kriegs – Versagen vorwerfen, bietet ihm die Operation in Katar die Möglichkeit, Führungsstärke zu demonstrieren. Dass er dafür internationales Recht bricht und die Region destabilisiert, scheint ein Preis zu sein, den er bereit ist zu zahlen.

    Autor: Andreas M. Brucker

  • Israel rüstet zur Einnahme von Gaza-Stadt – 60.000 Reservisten mobilisiert

    Israel rüstet zur Einnahme von Gaza-Stadt – 60.000 Reservisten mobilisiert

    Der israelische Verteidigungsminister Israel Katz hat den Plan zur Einnahme von Gaza-Stadt offiziell gebilligt und die Mobilisierung von zehntausenden Reservisten angeordnet. Damit bereitet die Regierung von Benjamin Netanjahu die nächste Phase des seit Monaten andauernden Krieges im Gazastreifen vor – mit weitreichenden politischen und humanitären Konsequenzen.

    Eine neue Eskalationsstufe

    Mit der Genehmigung der Operation will die israelische Führung die vollständige Kontrolle über den dicht besiedelten Norden des Gazastreifens erlangen. Gaza-Stadt gilt als symbolisches und operatives Herzstück der palästinensischen Enklave, Sitz zahlreicher Kommandostrukturen der Hamas und Ausgangspunkt der Angriffe vom Oktober des Vorjahres. Schon früh in der Offensive hatte die Armee Teile der Stadt eingekesselt, ein nachhaltiger Durchbruch blieb jedoch aus. Nun soll eine kombinierte Boden- und Luftoperation die verbliebenen Verteidigungsstellungen der Hamas ausschalten.

    Für den Einsatz wurden 50.000 bis 60.000 Reservisten einberufen. Damit wächst die israelische Truppenstärke auf eine Dimension, die seit dem Libanonkrieg 2006 nicht mehr erreicht wurde. Die Verstärkung ist nicht nur militärisch begründet, sondern auch politisch: Netanjahu will Entschlossenheit demonstrieren, nachdem ihm zuletzt innenpolitische Schwäche vorgeworfen wurde.

    Humanitäre Dimension

    Parallel zur Genehmigung der Offensive kündigte das Verteidigungsministerium an, humanitäre Korridore und Evakuierungszonen vorzubereiten. Offiziell sollen so hunderttausende Zivilisten aus den betroffenen Stadtteilen in sichere Gebiete gebracht werden. Doch Hilfsorganisationen äußern Zweifel, ob eine geordnete Evakuierung in der Praxis überhaupt möglich ist. Seit Monaten ist der Zugang zu Hilfsgütern massiv eingeschränkt, elementare Versorgungsgüter wie Zelte oder Medikamente gelangen nur in geringen Mengen in den Gazastreifen.

    Die Vereinten Nationen warnen vor einer „katastrophalen Lage“: Über 700.000 Menschen seien bereits mehrfach vertrieben worden, viele leben unter freiem Himmel oder in notdürftigen Unterkünften. Mit einer weiteren Großoffensive droht sich die humanitäre Notlage dramatisch zu verschärfen.

    Wachsende Skepsis in Israel

    Während die politische Führung den Kriegskurs verschärft, zeigen sich in großen Teilen der israelischen Gesellschaft Risse. Unter den Reservisten wächst die Unzufriedenheit: Umfragen zufolge beklagt mehr als ein Drittel sinkende Motivation und Zweifel am strategischen Ziel. Familien von Soldaten und Geiseln protestieren regelmäßig in Tel Aviv gegen die Regierung und fordern eine politische Lösung statt einer militärischen Eskalation.

    Auch innerhalb der militärischen Führung sind Vorbehalte zu hören. Generalstabschef Eyal Zamir hatte wiederholt auf die Risiken für die noch im Gazastreifen festgehaltenen Geiseln hingewiesen. Zudem befürchten Teile des Sicherheitsestablishments eine militärische Überdehnung sowie den Verlust internationaler Unterstützung.

    Internationale Spannungen

    Die geplante Einnahme von Gaza-Stadt stößt international auf scharfe Kritik. Der UN-Generalsekretär warnt vor unabsehbaren Folgen für die Zivilbevölkerung. Mehrere europäische Staaten prüfen, den Druck auf Israel zu erhöhen – bis hin zur Anerkennung eines palästinensischen Staates, sollte sich die militärische Eskalation fortsetzen.

    Besonders angespannt ist das Verhältnis zwischen Israel und Frankreich. Ein Schreiben Netanjahus an Präsident Emmanuel Macron, in dem er diesem vorwarf, mit der Diskussion über eine Anerkennung Palästinas „Antisemitismus zu fördern“, führte zu diplomatischen Verstimmungen. Paris wies die Vorwürfe entschieden zurück und bekräftigte seine Linie, eine Zwei-Staaten-Lösung zu unterstützen.

    Ein riskanter Kurs

    Die Offensive auf Gaza-Stadt steht in Kontinuität mit den bisherigen Operationen, die zwar große Teile des Gazastreifens unter israelische Kontrolle brachten, aber zentrale Ziele wie die vollständige Zerschlagung der Hamas und die Befreiung aller Geiseln bislang verfehlten. Kritiker sehen in der neuen Eskalation daher vor allem ein politisches Manöver Netanjahus, um innenpolitischen Druck abzubauen und seine angeschlagene Position zu festigen.

    Ob die militärische Operation die erhoffte Stabilität bringt oder Israel in ein langfristiges Besatzungsszenario zwingt, bleibt ungewiss. Sicher ist lediglich, dass die kommenden Wochen entscheidend sein werden – sowohl für die Menschen in Gaza als auch für die politische Zukunft Israels.

    Autor: Andreas M. Brucker