Schlagwort: internationale Wirtschaft

  • Zement, Geld und Krieg: Wie Lafarge in Syrien zur Kasse gebeten wurde

    Zement, Geld und Krieg: Wie Lafarge in Syrien zur Kasse gebeten wurde

    Es ist ein Urteil, das weit über die Mauern eines Pariser Gerichtssaals hinaus hallt. Der französische Zementkonzern Lafarge und acht frühere Verantwortliche sind wegen Terrorismusfinanzierung schuldig gesprochen worden – ein Fall, der die dunklen Verflechtungen von Wirtschaft und Krieg in grelles Licht rückt. Zwischen 2013 und 2014, auf dem Höhepunkt des syrischen Bürgerkriegs, hielt Lafarge an seinem Werk im Norden des Landes fest. Während ringsum Frontlinien verliefen und bewaffnete Gruppen die Kontrolle übernahmen, floss Geld – viel Geld. Nach Überzeugung des Gerichts gingen rund 5,6 Millionen Euro an verschiedene jihadistische Organisationen, darunter auch der sogenannte „Islamische Staat“. Ziel: die Produktion sichern, koste es, was es wolle. Die Logik dahinter wirkt zynisch, fast kühl kalkuliert. Solange gezahlt wurde, blieb die Fabrik in Betrieb. Ein industrieller Alltag im Schatten von Gewalt und Chaos. Doch genau diese Zahlungen, so die Richterin Isabelle Prévost-Desprez, stä…

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  • Gericht stoppt Trumps Zollpolitik – ein Lehrstück über Machtgrenzen

    Gericht stoppt Trumps Zollpolitik – ein Lehrstück über Machtgrenzen

    Ein Urteil des U.S. Court of Appeals für den Federal Circuit hat weitreichende Konsequenzen für die amerikanische Handelspolitik und das institutionelle Machtgefüge in Washington. Mit klarer Mehrheit urteilten die Richter, dass US-Präsident Donald Trump mit der Verhängung weitreichender Importzölle unter Berufung auf den International Emergency Economic Powers Act (IEEPA) seine verfassungsmäßigen Kompetenzen überschritten habe. Die Entscheidung betrifft zentrale Bestandteile von Trumps wirtschaftspolitischer Agenda und könnte – je nach Ausgang eines möglichen Verfahrens vor dem Supreme Court – auch künftige Präsidenten erheblich einschränken.

    Die „Liberation Day“-Zölle und ihre rechtliche Grundlage

    Im Zentrum der juristischen Auseinandersetzung steht ein Maßnahmenpaket, das unter der Bezeichnung „Liberation Day Tariffs“ bekannt wurde. Diese sahen einen einheitlichen Zollsatz von zehn Prozent auf nahezu alle Importe vor, ergänzt durch deutlich höhere Sätze für ausgewählte Staaten. Der Donald Trump begründete die Maßnahme mit einer durch „wirtschaftliche Aggression“ ausgelösten nationalen Notlage und berief sich auf den IEEPA – ein Gesetz aus dem Jahr 1977, das ursprünglich zur Bekämpfung von Bedrohungen durch ausländische Mächte geschaffen wurde.

    Der Federal Circuit widersprach dieser Argumentation jetzt deutlich. Die Richter machten geltend, der IEEPA sei keine Blankovollmacht für den Präsidenten, um eigenständig umfassende Wirtschaftspolitik zu betreiben. Vielmehr falle das Erheben von Zöllen unter die klassische Haushalts- und Gesetzgebungskompetenz des Kongresses. Die Regierung habe sich damit außerhalb des verfassungsrechtlichen Rahmens bewegt.

    Handelspolitik als Exekutivmacht? Der institutionelle Kontext

    Die Entscheidung reiht sich ein in eine Serie juristischer Auseinandersetzungen, in denen das Verhältnis zwischen Exekutive und Legislative in den USA neu justiert wird. Sie stützt sich implizit auf die sogenannte „Major Questions Doctrine“, wonach tiefgreifende politische Entscheidungen eine eindeutige gesetzliche Grundlage benötigen. Das Gericht betonte, dass weder der IEEPA noch andere Notstandsgesetze die umfassende Verhängung pauschaler Importzölle decken.

    Die politische Signalwirkung ist erheblich: Präsidenten – auch mit parlamentarischer Rückendeckung – können sich nicht auf diffuse Bedrohungslagen berufen, um zentrale wirtschaftspolitische Weichenstellungen im Alleingang vorzunehmen. Dies gilt insbesondere für Maßnahmen mit erheblichen budgetären und außenwirtschaftlichen Implikationen.

    Wirtschaftliche Folgen und Unsicherheit für Unternehmen

    Die ökonomischen Konsequenzen sind noch nicht voll absehbar, könnten aber beträchtlich sein. Sollte das Urteil Bestand haben, könnten betroffene Unternehmen Rückerstattungen auf bereits gezahlte Zölle in Milliardenhöhe einklagen. Gleichzeitig würden wichtige Einnahmequellen wegfallen, auf die das Trump-Lager zur Finanzierung wirtschaftspolitischer Initiativen gesetzt hatte.

    Unmittelbar sorgt das Urteil für Unsicherheit – sowohl bei multinationalen Konzernen als auch bei mittelständischen Importeuren. Welche Zölle künftig Bestand haben und welche rückabgewickelt werden müssen, bleibt vorerst unklar. Eine Entscheidung des Supreme Court wird voraussichtlich noch im Herbst fallen. Bis dahin bleibt die Wirkung des Urteils ausgesetzt.

    Der politische Widerhall

    Donald Trump reagierte gewohnt scharf auf das Urteil. In einer Stellungnahme sprach er von einer „Katastrophe für das Land“ und kündigte umgehend die Anrufung des Obersten Gerichts an. Die Argumentation der Gegenseite verunglimpfte er als „juristischen Aktivismus“ – ein Vorwurf, der sich in den letzten Jahren zum festen Bestandteil seines politischen Vokabulars entwickelt hat.

    Gleichzeitig bleibt ein Teil von Trumps Zollpolitik unangetastet – etwa Maßnahmen auf Grundlage von Section 232 des Trade Expansion Act, der Zölle aus Gründen der nationalen Sicherheit erlaubt. Doch der Grundsatz, dass der Präsident umfassende Handelsmaßnahmen im Alleingang ergreifen kann, wurde deutlich geschwächt.

    Auch auf dem Capitol Hill hat das Urteil Bewegung ausgelöst. Abgeordnete beider Parteien prüfen derzeit, ob bestehende Gesetze nachgeschärft oder neu gefasst werden müssen, um dem Weißen Haus künftig klarere Leitplanken bei der Handelspolitik zu setzen.

    Die Entscheidung des Federal Circuit markiert eine Wegscheide: Sie stellt nicht nur eine juristische Korrektur einer umstrittenen Politik dar, sondern definiert die Grenzen präsidentieller Gestaltungsmacht neu. Damit wird sie auch zum Prüfstein für das institutionelle Selbstverständnis der Vereinigten Staaten.

    Autor: P. Tiko

  • USA und China inszenieren Einigung – Doch der Zollkonflikt bleibt

    USA und China inszenieren Einigung – Doch der Zollkonflikt bleibt

    Ein Treffen in London zwischen hochrangigen Vertretern der Vereinigten Staaten und Chinas hat zu einem neuen Rahmenabkommen im bilateralen Handelskonflikt geführt. Mit markigen Worten erklärte Donald Trump auf seiner Plattform Truth Social: „Unser Deal mit China ist abgeschlossen, vorbehaltlich der endgültigen Zustimmung durch Präsident Xi und mich.“ Die Verhandlungsparteien bezeichnen das Abkommen als abgeschlossen, doch viele der bestehenden Zölle bleiben bestehen – und damit auch zentrale Reibungspunkte in den Handelsbeziehungen.

    Das Abkommen ist zugleich politisches Schauspiel und wirtschaftlicher Balanceakt. Während Trump seine Verhandlungserfolge medial inszeniert, lässt China offenkundig Spielräume offen, um sich strategisch nicht zu stark zu binden. Die Folgen dieser neuen Phase in den US-chinesischen Handelsbeziehungen sind nicht nur für die beiden Weltmächte, sondern auch für Europa und andere globale Akteure von erheblicher Bedeutung.

    Ein symbolisches Paket mit begrenztem Umfang

    Im Kern sieht das Abkommen die Lieferung strategischer Rohstoffe wie Seltene Erden und Permanentmagnete aus China in die Vereinigten Staaten vor – ein Bereich, in dem die USA stark von chinesischen Exporten abhängig sind. Im Gegenzug sollen chinesische Studierende erleichterten Zugang zu US-Hochschulen erhalten. Darüber hinaus wurde eine Zollstruktur vereinbart, die weiterhin auf hoher Eskalationsstufe verharrt: Die Vereinigten Staaten belegen chinesische Waren mit durchschnittlich 55 % Zoll, während Peking einen Satz von 10 % auf US-Güter erhebt.

    Diese Eckdaten offenbaren den Charakter des Abkommens: Es handelt sich nicht um einen klassischen Zollabbau, sondern um eine Art wirtschaftliches Waffenstillstandsabkommen. Die Handelsbeziehungen werden stabilisiert, aber keineswegs liberalisiert. So warnte Henrietta Treyz, Analystin bei Veda Partners, bereits, das Abkommen zementiere eher den Status quo als dass es neue wirtschaftliche Freiräume eröffne.

    Der politische Kontext: Wahlkampf und Rivalität

    Der Zeitpunkt der Vereinbarung ist politisch aufgeladen. Trump kann sich nun als durchsetzungsstarker Verhandler präsentieren, der nationale Interessen über internationale Konventionen stellt. Gleichzeitig wirkt das Abkommen innenpolitisch als Signal der Stabilität in einer geopolitisch unruhigen Zeit.

    Auf chinesischer Seite nutzt Präsident Xi Jinping die Vereinbarung, um internationalen Druck abzubauen, ohne strukturelle Konzessionen einzugehen. China musste in den letzten Monaten wirtschaftliche Rückschläge hinnehmen, insbesondere durch stagnierende Exporte und eine schwächelnde Binnenkonjunktur. Eine Eskalation des Konflikts mit den USA wäre wirtschaftlich riskant – doch ein vollständiger Rückzug aus zentralen industriepolitischen Positionen, etwa beim Technologietransfer oder bei staatlichen Subventionen, bleibt für Peking inakzeptabel.

    Die Rolle internationaler Institutionen und Dritter

    Auffällig ist, dass multilaterale Gremien wie die Welthandelsorganisation (WTO) in diesem Prozess kaum noch eine Rolle spielen. Stattdessen dominiert bilaterale Diplomatie, ergänzt durch symbolische Elemente – wie das Treffen in London, das auf eine frühere Verhandlungsrunde in Genf folgte. Dort hatten die Parteien eine 90-tägige Zollpause vereinbart, die jedoch wegen Konflikten im Halbleitersektor und bei Visa-Regelungen nicht umgesetzt wurde.

    Zugleich wächst die Unsicherheit in Drittstaaten. In der Europäischen Union etwa drohen parallele Gespräche über Zollerleichterungen mit den USA zu scheitern – eine Frist bis zum 9. Juli setzt die Beteiligten unter hohen Zugzwang. Mexiko verhandelt derweil mit den USA über separate Zugeständnisse im Stahlsektor. Damit wird deutlich: Der US-chinesische Handelskonflikt wirkt weit über das bilaterale Verhältnis hinaus und fragmentiert die internationale Handelsordnung weiter.

    Ein Aspekt des Abkommens, der bislang wenig Beachtung gefunden hat, betrifft seine juristische Basis. Ein Berufungsgericht in den USA hat bestehende Zölle bis zum 31. Juli 2025 verlängert, was faktisch einen gesetzlichen Handlungsrahmen vorgibt. Die Exekutive kann nicht unbegrenzt handeln, sondern ist auf legislative oder gerichtliche Legitimation angewiesen. Dies erhöht die Komplexität der Umsetzung erheblich.

    Hinzu kommt: Sollte einer der beiden Staatsführer das Abkommen politisch infrage stellen, stünde das fragile Gleichgewicht erneut zur Disposition. Es fehlt an institutioneller Absicherung und an einem langfristigen Konfliktlösungsmechanismus. Die strukturellen Streitpunkte – etwa geistiges Eigentum, technologische Autarkie und marktverzerrende Subventionen – bleiben bestehen.

    Der Vertrag birgt somit nicht nur wirtschaftliche, sondern auch politische Risiken. Denn wenn der Eindruck entsteht, dass sich durch bilaterale Inszenierung Vorteile durchsetzen lassen, ohne substanzielle Veränderungen zu erwirken, könnte dies andere Akteure zur Blockade oder Nachahmung animieren.

    Keine Trendwende, sondern eine Atempause

    Der neue US-chinesische „Deal“ ist kein Paradigmenwechsel. Vielmehr handelt es sich um eine taktische Entspannung – ein Zeitgewinn in einem strukturell festgefahrenen Konflikt. Trump und Xi demonstrieren Handlungsfähigkeit, ohne den Preis einer echten Annäherung zahlen zu müssen. Es ist eine geopolitische Atempause, keine strategische Neuausrichtung.

    Ob daraus mehr erwächst, hängt maßgeblich davon ab, ob nach der Phase der Symbolpolitik eine neue Generation von Handelsverträgen entstehen kann, die sowohl nationalen Interessen als auch internationalen Regeln gerecht wird. Derzeit ist ein solcher Wandel nicht in Sicht. Bis dahin bleibt der transatlantisch-pazifische Wirtschaftsraum ein Spannungsfeld zwischen Kontrolle und Kooperation.

    Von Andreas Brucker