Schlagwort: internationale Beziehungen

  • Emmanuel Macron in Damaskus: Ein Besuch von großer symbolischer Tragweite

    Emmanuel Macron in Damaskus: Ein Besuch von großer symbolischer Tragweite

    Der Besuch von Emmanuel Macron in Damaskus ist weit mehr als eine gewöhnliche diplomatische Reise. Als erster Staatschef einer bedeutenden westlichen Macht reist der französische Präsident seit dem Sturz von Baschar al-Assad Ende 2024 und der Machtübernahme des Übergangspräsidenten Ahmed al-Chareh nach Syrien. Damit setzt Macron ein politisch bedeutsames Zeichen. Der Besuch markiert das Ende eines Kapitels, das 2011 begann, als Frankreich nach der blutigen Niederschlagung des Volksaufstands sämtliche Beziehungen zum Assad-Regime abbrach. Über mehr als ein Jahrzehnt gehörte Paris zu den entschlossensten westlichen Hauptstädten im Umgang mit Damaskus. Heute haben sich die geopolitischen Rahmenbedingungen grundlegend verändert. Eine bewusst gewählte französische Strategie Tatsächlich bereitet Emmanuel Macron diese Annäherung bereits seit mehreren Monaten vor. Schon im Mai 2025 überraschte er zahlreiche europäische Partner, als er Ahmed al-Chareh im Élysée-Palast empfing und dem neuen syri…

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  • Frankreich setzt auf Diplomatie: Warum Paris das neue US-Iran-Abkommen als Chance begreift

    Frankreich setzt auf Diplomatie: Warum Paris das neue US-Iran-Abkommen als Chance begreift

    Die französische Regierung hat die jüngste Einigung zwischen den Vereinigten Staaten und dem Iran mit vorsichtigem Optimismus aufgenommen. Außenminister Jean-Noël Barrot begrüßte das Abkommen ausdrücklich, verband seine Zustimmung jedoch mit einer klaren Mahnung: Alle beteiligten Akteure müssten die vereinbarten Verpflichtungen konsequent einhalten. Aus Sicht von Paris entscheidet sich der Erfolg der Vereinbarung nicht bei der Unterzeichnung, sondern erst bei ihrer Umsetzung. Die Stellungnahme verdeutlicht die zentrale Rolle, die Frankreich seit Beginn der jüngsten Verhandlungsrunde eingenommen hat. Während sich die Spannungen im Nahen Osten zuletzt mehrfach zuspitzten und militärische Eskalationen als reale Gefahr erschienen, setzte die französische Diplomatie konsequent auf Verhandlungen, internationale Kontrolle und vertrauensbildende Maßnahmen. Das neue Abkommen wird daher in Paris nicht als endgültige Lösung betrachtet, sondern als wichtiger Schritt auf einem langen und schwierige…

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  • Attal sieht Nahost-Abkommen als Entlastung – warnt aber vor trügerischer Stabilität

    Attal sieht Nahost-Abkommen als Entlastung – warnt aber vor trügerischer Stabilität

    Das in dieser Woche geschlossene Friedensprotokoll im Nahen Osten wird von vielen westlichen Regierungen als wichtiger Schritt zur Deeskalation gewertet. Auch der Vorsitzende der französischen Präsidentenpartei Renaissance, Gabriel Attal, begrüßte die Vereinbarung. Zugleich machte er deutlich, dass der diplomatische Durchbruch nicht mit einer dauerhaften Lösung der zahlreichen Konflikte in der Region verwechselt werden dürfe. Seine Einschätzung fällt bewusst zurückhaltend aus: Das Abkommen sei vor allem eine Form der Erleichterung, weil es die Gefahr einer unmittelbaren militärischen Eskalation verringere. Ein diplomatischer Erfolg mit begrenzter Reichweite Das neue Protokoll gilt als Versuch, die Spannungen zwischen den Vereinigten Staaten, dem Iran und mehreren regionalen Akteuren einzudämmen. Vorgesehen sind Mechanismen zur Konfliktvermeidung, Kommunikationskanäle zur Krisenbewältigung sowie Maßnahmen zur Wiederaufnahme wichtiger Handels- und Transportverbindungen. Besonders die Sic…

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  • Macron zwischen Trump, Ukraine und Nahost: Frankreichs Balanceakt auf dem G7-Gipfel

    Macron zwischen Trump, Ukraine und Nahost: Frankreichs Balanceakt auf dem G7-Gipfel

    Der G7-Gipfel in Évian stand ganz im Zeichen zweier Krisenherde, die die internationale Politik seit Jahren prägen: des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine und der anhaltenden Instabilität im Nahen Osten. Bei seiner abschließenden Pressekonferenz nutzte Frankreichs Präsident Emmanuel Macron die Gelegenheit, nicht nur die Ergebnisse des Treffens einzuordnen, sondern auch seine eigene außenpolitische Strategie zu verteidigen. Im Mittelpunkt stand dabei insbesondere das Verhältnis zu US-Präsident Donald Trump, dessen Haltung zur Ukraine Macron als bemerkenswerten Fortschritt wertete. Annäherung in der Ukraine-Frage Die wohl wichtigste Botschaft des französischen Präsidenten betraf die Entwicklung der amerikanischen Position gegenüber der Ukraine. Macron zeigte sich überzeugt, dass Donald Trump sich den europäischen Sichtweisen inzwischen stärker angenähert habe als noch vor wenigen Monaten. Bemerkenswert war dabei die persönliche Einschätzung des französischen Staatschefs. Er bet…

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  • Der Versailler Moment: Wie Macron Trumps Iran-Coup zur Bühne transatlantischer Diplomatie machte

    Der Versailler Moment: Wie Macron Trumps Iran-Coup zur Bühne transatlantischer Diplomatie machte

    Versailles war am Abend des 17. Juni weit mehr als ein historischer Schauplatz. Während die Weltöffentlichkeit auf die Feierlichkeiten zum 250. Jahrestag der amerikanischen Unabhängigkeit blickte, ereignete sich hinter den vergoldeten Fassaden des französischen Königsschlosses ein diplomatischer Vor…

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  • Cyberangriff während des G7-Gipfel: Digitale Störaktion in der Haute-Savoie

    Cyberangriff während des G7-Gipfel: Digitale Störaktion in der Haute-Savoie

    Kaum hatte der G7-Gipfel in Évian-les-Bains begonnen, ist die Region zum Ziel einer koordinierten Cyberattacke geworden. Mehrere Internetseiten von Gemeinden und öffentlichen Einrichtungen in der Haute-Savoie waren am 15. Juni vorübergehend nur eingeschränkt erreichbar oder fielen zeitweise ganz aus. Betroffen waren unter anderem Annecy, Thonon-les-Bains, Évian-les-Bains und Saint-Gingolph. Die Vorfälle verdeutlichen einmal mehr, dass internationale Gipfeltreffen längst nicht mehr nur auf diplomatischer und sicherheitspolitischer Ebene ausgetragen werden, sondern auch im digitalen Raum. Zu der Attacke bekannte sich die pro-russische Hackergruppe NoName057(16), die seit Beginn des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine immer wieder mit Angriffen auf staatliche Einrichtungen und öffentliche Infrastrukturen westlicher Länder in Erscheinung tritt. Die Gruppe nutzt vor allem sogenannte DDoS-Angriffe. Dabei werden Server mit einer enormen Anzahl von Anfragen überlastet, bis Webseiten o…

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  • Versailles als Bühne der Macht: Macron und Trump inszenieren die Rückkehr der transatlantischen Symbolpolitik

    Versailles als Bühne der Macht: Macron und Trump inszenieren die Rückkehr der transatlantischen Symbolpolitik

    Wenn Staatschefs ihre Botschaften nicht nur mit Worten, sondern auch mit Orten vermitteln, dann wird Diplomatie zur Inszenierung. Das Staatsdinner von Frankreichs Präsident Emmanuel Macron für seinen amerikanischen Amtskollegen Donald Trump am Abend des 17. Juni 2026 im Schloss Versailles gehört in diese Kategorie. Nach dem G7-Gipfel in Évian-les-Bains trafen sich die beiden Präsidenten an einem Ort, der wie kaum ein anderer für die historischen Verbindungen zwischen Frankreich und den Vereinigten Staaten steht. In einer Zeit wachsender geopolitischer Spannungen, wirtschaftlicher Unsicherheiten und neuer Konflikte im Nahen Osten sollte das Treffen mehr sein als ein festlicher Abschluss eines internationalen Gipfels. Es war ein bewusst gesetztes Signal an Verbündete und Rivalen gleichermaßen: Die transatlantische Partnerschaft bleibt trotz politischer Differenzen ein zentraler Pfeiler der westlichen Ordnung. Die Symbolik von Versailles Die Wahl des Schlosses Versailles war kein Zufall. …

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  • Zwischen Waffenstillstand und Atomdiplomatie: Was das neue Memorandum zwischen den USA und Iran tatsächlich bedeutet

    Zwischen Waffenstillstand und Atomdiplomatie: Was das neue Memorandum zwischen den USA und Iran tatsächlich bedeutet

    Nach Monaten militärischer Spannungen haben die Vereinigten Staaten und Iran offenbar einen wichtigen diplomatischen Schritt vollzogen. Beide Seiten bestätigten die Unterzeichnung eines Memorandums of Understanding (MOU), das die unmittelbaren Kampfhandlungen beenden und den Weg für weiterführende Verhandlungen über das iranische Atomprogramm ebnen soll. Dennoch ist Vorsicht geboten: Das Dokument stellt keinen endgültigen Vertrag dar, sondern einen politischen Rahmen, dessen konkrete Umsetzung erst noch ausgehandelt werden muss.

    Was als gesichert gilt

    Ende der Feindseligkeiten und Öffnung der Straße von Hormus

    Zu den zentralen Bestandteilen des Memorandums gehört die schrittweise Wiederöffnung der Straße von Hormus für den internationalen Schiffsverkehr. Die Meerenge zählt zu den strategisch wichtigsten Handelsrouten der Welt, da ein erheblicher Teil der globalen Ölexporte sie passiert. Eine Normalisierung der Lage könnte daher unmittelbare Auswirkungen auf die Energiemärkte und die internationale Wirtschaft haben.

    Iranisches Bekenntnis zum Verzicht auf Atomwaffen

    Teheran bekräftigt im Rahmen der Vereinbarung erneut, keine Atomwaffen entwickeln oder erwerben zu wollen. Diese Position vertritt die Islamische Republik offiziell seit Jahrzehnten. Neu ist jedoch der Versuch, diese Zusage in einen überprüfbaren diplomatischen Rahmen einzubetten, der den Forderungen Washingtons nach Transparenz entgegenkommen soll.

    Vorläufiger Stopp weiterer Nuklearaktivitäten

    Mehrere übereinstimmende Berichte deuten darauf hin, dass Iran während der Verhandlungsphase keine zusätzlichen Urananreicherungen vornehmen und seine nuklearen Kapazitäten nicht weiter ausbauen wird. Damit soll verhindert werden, dass während der Gespräche neue Fakten geschaffen werden, welche die Verhandlungen belasten könnten.

    Verhandlungsfenster von 60 Tagen

    Das Memorandum selbst löst die offenen Streitfragen nicht. Vielmehr eröffnet es einen rund zweimonatigen Zeitraum, in dem beide Seiten über ein umfassenderes Abkommen verhandeln sollen. Im Mittelpunkt stehen dabei die künftigen Anreicherungsgrenzen, die Behandlung bereits vorhandener Uranbestände, internationale Kontrollen sowie die Zukunft der Wirtschaftssanktionen.

    Die entscheidenden Streitpunkte bleiben ungelöst

    Der Bestand an hoch angereichertem Uran

    Besonders heikel bleibt die Frage des bereits vorhandenen Materials. Iran verfügt nach Schätzungen über erhebliche Mengen von Uran, das auf bis zu 60 Prozent angereichert wurde. Technisch liegt dieser Wert deutlich über den für zivile Zwecke üblichen Konzentrationen und relativ nahe an waffenfähigem Material.

    Diskutiert werden mehrere Optionen: die Verdünnung des Materials, ein Transfer ins Ausland oder eine Lagerung unter internationaler Aufsicht. Welche Lösung letztlich gewählt wird, dürfte entscheidend für den Erfolg der Gespräche sein.

    Umfang und Tiefe internationaler Kontrollen

    Ebenso umstritten ist die Frage der Inspektionen. Die Vereinigten Staaten drängen auf weitreichende Kontrollrechte der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA). Für Teheran berührt dies Fragen nationaler Souveränität und Sicherheit. Die genaue Ausgestaltung eines künftigen Kontrollregimes dürfte daher zu den schwierigsten Verhandlungspunkten gehören.

    Die Zukunft der Sanktionen

    Auch bei den Sanktionen gibt es bislang keine abschließende Einigung. Nach Berichten aus iranischen Regierungskreisen stehen zeitlich begrenzte Ausnahmen für Ölexporte sowie die Freigabe eingefrorener Vermögenswerte zur Diskussion. Eine umfassende Aufhebung der amerikanischen Strafmaßnahmen wäre hingegen wohl erst nach einem endgültigen Abkommen denkbar.

    Themen, die vorerst ausgeklammert werden

    Bemerkenswert ist, dass zwei der umstrittensten Fragen des Nahen Ostens offenbar nicht zum unmittelbaren Verhandlungsgegenstand gehören: das iranische Raketenprogramm und die Unterstützung regionaler Milizen und Partnerorganisationen.

    Gerade diese Punkte hatten in den vergangenen Jahren wesentlich zum Scheitern früherer Annäherungsversuche beigetragen. Kritiker in den USA, in Israel sowie in mehreren europäischen Staaten argumentieren daher, dass ein Abkommen ohne diese Themen wichtige Sicherheitsfragen unbeantwortet lasse.

    Erinnerungen an das Atomabkommen von 2015

    Das aktuelle Memorandum weist strukturelle Parallelen zum Weg auf, der einst zum Joint Comprehensive Plan of Action (JCPOA) von 2015 führte. Damals wurden ebenfalls zunächst vertrauensbildende Maßnahmen vereinbart, bevor detaillierte Regelungen ausgearbeitet wurden.

    Die Ausgangslage ist heute jedoch grundlegend anders. Das iranische Atomprogramm ist deutlich weiter fortgeschritten als vor zehn Jahren. Gleichzeitig haben regionale Konflikte, geopolitische Rivalitäten und das tiefere gegenseitige Misstrauen die Verhandlungslage erheblich erschwert.

    Dennoch zeigt die Vereinbarung, dass beide Seiten derzeit ein gemeinsames Interesse daran haben, eine weitere militärische Eskalation zu vermeiden. Ob daraus tatsächlich ein dauerhaftes Abkommen entsteht, hängt von den kommenden Wochen ab. Die entscheidenden Fragen – der Umgang mit hoch angereichertem Uran, die Kontrollmechanismen und die schrittweise Aufhebung der Sanktionen – sind bislang ungelöst. Das Memorandum markiert daher weniger das Ende des Konflikts als vielmehr den Beginn einer neuen diplomatischen Phase.

    Autor: P. Tiko

  • Der G7-Gipfel: Weniger Weltregierung, mehr Koordinationszentrum

    Der G7-Gipfel: Weniger Weltregierung, mehr Koordinationszentrum

    Der G7 wird häufig als Relikt einer vergangenen Weltordnung beschrieben. Tatsächlich hat sich die internationale Machtverteilung seit der Gründung des Forums Mitte der 1970er Jahre grundlegend verändert. Damals vereinten die führenden westlichen Industrienationen den überwiegenden Teil der globalen Wirtschaftsleistung auf sich. Heute prägen neben den traditionellen Wirtschaftsmächten vor allem China, Indien und zahlreiche Schwellenländer die Entwicklung der Weltwirtschaft.

    Dennoch wäre es voreilig, den Einfluss der G7 abzuschreiben. Zwar ist ihr relativer Anteil an der globalen Wirtschaftsleistung deutlich gesunken, doch bleibt die Gruppe ein zentraler Ort politischer Abstimmung unter den wichtigsten demokratischen Industriestaaten. Die eigentliche Bedeutung des G7 liegt heute weniger in seiner ökonomischen Dominanz als in seiner Fähigkeit, gemeinsame strategische Leitlinien zu formulieren.

    Vom Wirtschaftsclub zum geopolitischen Akteur

    Als die Staats- und Regierungschefs der Vereinigten Staaten, Grossbritanniens, Frankreichs, Deutschlands, Italiens und Japans 1975 erstmals zusammenkamen, standen wirtschaftspolitische Fragen im Vordergrund. Die Ölkrise, Inflation und Währungsturbulenzen verlangten nach enger Abstimmung unter den westlichen Industriestaaten. Mit dem späteren Beitritt Kanadas entstand die heutige G7.

    Über Jahrzehnte hinweg spiegelte die Gruppe die wirtschaftliche Realität wider. In den 1980er- und 1990er-Jahren vereinten ihre Mitglieder einen Grossteil der weltweiten Wirtschaftsleistung, kontrollierten die wichtigsten Finanzzentren und bestimmten die Regeln der internationalen Wirtschaftsordnung massgeblich mit.

    Doch die Globalisierung veränderte die Kräfteverhältnisse. Der wirtschaftliche Aufstieg Chinas zählt zu den bedeutendsten geopolitischen Entwicklungen seit dem Ende des Kalten Krieges. Gleichzeitig gewannen Länder wie Indien, Brasilien, Indonesien oder Saudi-Arabien erheblich an Gewicht. Die Weltwirtschaft wurde multipolarer, und damit schwand zwangsläufig die Fähigkeit des G7, globale Entwicklungen allein zu bestimmen.

    Die eigentliche Stärke: Politische Koordination

    Trotz dieser Verschiebungen verfügt der G7 weiterhin über beträchtliche Gestaltungskraft. Seine Mitglieder repräsentieren noch immer einen erheblichen Teil des globalen Bruttoinlandsprodukts, dominieren viele Bereiche der Hochtechnologie, verfügen über führende Finanzmärkte und stellen den Kern der westlichen Sicherheitsarchitektur.

    Vor allem aber ermöglicht das Forum eine schnelle politische Abstimmung zwischen den wichtigsten Demokratien Nordamerikas, Europas und Ostasiens. Anders als internationale Organisationen mit komplexen Entscheidungsprozessen arbeitet der G7 informell. Gerade diese Flexibilität macht ihn in Krisenzeiten handlungsfähig.

    Besonders sichtbar wurde dies seit dem russischen Angriff auf die Ukraine. Die westlichen Sanktionen gegen Moskau wären ohne die enge Koordination innerhalb des G7 kaum in dieser Form möglich gewesen. Ähnliches gilt für die Unterstützung der Ukraine, die Stabilisierung der Energiemärkte nach dem Ausfall russischer Lieferungen oder die Diskussion über den Umgang mit strategischen Technologien.

    Auch bei Zukunftsthemen gewinnt die Abstimmung an Bedeutung. Die Regulierung künstlicher Intelligenz, die Sicherung kritischer Lieferketten, der Zugang zu seltenen Rohstoffen oder die Resilienz digitaler Infrastrukturen betreffen sämtliche G7-Staaten. Gemeinsame Standards und abgestimmte Regeln können hier weit über die Grenzen der Mitgliedsländer hinaus Wirkung entfalten.

    Die Grenzen westlicher Gestaltungsmacht

    Gleichzeitig sind die strukturellen Grenzen des G7 offensichtlich geworden. Viele globale Herausforderungen lassen sich ohne die Beteiligung grosser Schwellenländer nicht mehr bewältigen.

    Der Klimawandel ist dafür das deutlichste Beispiel. Selbst die ambitioniertesten Klimaschutzmassnahmen der G7 wären wirkungslos, wenn China und Indien nicht ebenfalls substanzielle Beiträge leisten. Ähnliches gilt für den Welthandel. Die Volksrepublik China ist heute für zahlreiche Staaten der wichtigste Handelspartner und spielt in praktisch allen industriellen Lieferketten eine zentrale Rolle.

    Hinzu kommt die Rohstofffrage. Viele der für die Energiewende benötigten Mineralien werden ausserhalb der G7 gefördert oder verarbeitet. Wer über Lithium, Kobalt, Nickel oder Seltene Erden spricht, muss zwangsläufig Akteure einbeziehen, die nicht Teil des westlichen Industrielagers sind.

    Die wirtschaftliche Dynamik der kommenden Jahrzehnte wird zudem zunehmend von den Bevölkerungs- und Wachstumsmärkten Asiens, Afrikas und Lateinamerikas bestimmt. Die Vorstellung, eine kleine Gruppe westlicher Staaten könne allein die Richtung der Weltwirtschaft festlegen, entspricht längst nicht mehr den Realitäten des 21. Jahrhunderts.

    Die Herausforderung durch die BRICS

    Besonders sichtbar wird dieser Wandel im Aufstieg der BRICS-Staaten. Was ursprünglich als lockerer Zusammenschluss grosser Schwellenländer begann, hat sich in den vergangenen Jahren zu einem geopolitischen Forum mit wachsendem Selbstbewusstsein entwickelt.

    Mit der Erweiterung um zusätzliche Mitglieder beanspruchen die BRICS zunehmend, die Interessen des sogenannten Globalen Südens zu vertreten. Viele Staaten sehen darin eine Alternative zu den von westlichen Ländern dominierten Institutionen der Nachkriegsordnung.

    Dennoch sollte die Bedeutung der BRICS nicht überschätzt werden. Anders als der G7 verfügen sie weder über vergleichbare politische Kohärenz noch über ein gemeinsames Wertefundament. Die Interessen Chinas, Indiens, Brasiliens oder Saudi-Arabiens unterscheiden sich in zahlreichen strategischen Fragen erheblich. Grenzkonflikte, geopolitische Rivalitäten und unterschiedliche wirtschaftliche Prioritäten erschweren eine einheitliche Positionierung.

    Gerade hierin liegt weiterhin ein Vorteil des G7-Formats. Die Mitglieder teilen grundlegende politische und wirtschaftliche Prinzipien und können deshalb oftmals schneller gemeinsame Positionen entwickeln.

    Normative Macht statt wirtschaftlicher Dominanz

    Die Rolle des G7 hat sich deshalb gewandelt. Während die Gruppe früher vor allem aufgrund ihrer ökonomischen Überlegenheit Einfluss ausübte, basiert ihre Bedeutung heute stärker auf normativer und politischer Gestaltungskraft.

    Internationale Standards entstehen häufig zunächst in den grossen westlichen Volkswirtschaften. Dies betrifft digitale Regulierung ebenso wie Finanzmarktregeln, Exportkontrollen oder technologische Sicherheitsstandards. Aufgrund der wirtschaftlichen Bedeutung ihrer Märkte können Entscheidungen der G7-Staaten weltweit Auswirkungen entfalten.

    Diese Form von Einfluss ist weniger sichtbar als klassische Machtpolitik, aber oft langfristig wirksam. Wer Standards definiert, prägt die Spielregeln künftiger Entwicklungen.

    Die aktuelle Debatte über künstliche Intelligenz verdeutlicht dies exemplarisch. Während sich die technologischen Wettbewerber weltweit positionieren, versuchen die führenden Demokratien gemeinsame Leitplanken für Sicherheit, Transparenz und Haftung zu entwickeln. Die daraus entstehenden Normen könnten weit über die Mitgliedstaaten hinaus Bedeutung erlangen.

    Die Geschichte des G7 ist damit auch die Geschichte einer Anpassung an eine veränderte Weltordnung. Das Forum ist heute weder allmächtig noch irrelevant. Es repräsentiert nicht mehr die Weltwirtschaft in ihrer Gesamtheit, bleibt aber ein zentraler Koordinationsmechanismus jener Staaten, die weiterhin über erhebliche wirtschaftliche, technologische und militärische Ressourcen verfügen.

    Gerade darin liegt das gegenwärtige Paradox: Der G7 ist weniger dominant als vor drei Jahrzehnten, aber in einer zunehmend fragmentierten Welt weiterhin unverzichtbar. Wenn internationale Krisen eskalieren, geopolitische Spannungen zunehmen oder neue Technologien globale Regeln erfordern, richtet sich der Blick nach wie vor auf die Position der grossen westlichen Demokratien. Der G7 mag nicht mehr das Direktorium der Welt sein. Er bleibt jedoch einer ihrer wichtigsten Orientierungspunkte.

    Autor: Andreas M. Brucker

  • Die Fußball-WM – und die Kalküle der Staatschefs

    Die Fußball-WM – und die Kalküle der Staatschefs

    Jedesmal, wenn eine Fußball-Weltmeisterschaft beginnt, richten sich die Blicke der Fans auf Taktik, Tore und Titelkandidaten. In den Regierungssitzen der Welt wird das Turnier jedoch oft aus einer anderen Perspektive betrachtet: als Instrument politischer Einflussnahme und internationaler Selbstdarstellung. Die Geschichte der Weltmeisterschaft zeigt, dass Fußball und Politik seit langem eng miteinander verbunden sind. Bereits die WM 1934 im faschistischen Italien oder das Turnier 1978 im Argentinien der Militärjunta wurden für politische Zwecke genutzt. Auch Russland 2018 und Katar 2022 setzten das Großereignis gezielt ein, um ihr internationales Ansehen zu stärken. Die Weltmeisterschaft 2026 in den USA, Kanada und Mexiko dürfte diese Entwicklung fortsetzen. Fußball als Mittel der Machtprojektion Kein anderes Sportereignis erreicht ein vergleichbares globales Publikum. Milliarden Menschen verfolgen die Spiele und nehmen dabei zugleich das Gastgeberland wahr – seine Infrastruktur, seine…

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