Schlagwort: Identitätsdiebstahl

  • Wenn persönliche Daten zur Waffe werden

    Wenn persönliche Daten zur Waffe werden

    Ein harmloser Klick auf eine angebliche Paketbenachrichtigung, eine täuschend echte Nachricht der Hausbank oder ein Anruf mit offizieller Nummer auf dem Display – digitale Betrugsmaschen haben längst eine neue Qualität erreicht. Früher verschickten Kriminelle plumpe Massenmails voller Rechtschreibfehler. Heute arbeiten sie präzise, professionell und erschreckend persönlich. Der Rohstoff dafür liegt überall im Netz verstreut: Namen, Telefonnummern, Adressen, Einkaufsgewohnheiten, Fahrzeugdaten oder Teile von Bankinformationen. Hinzu kommen Fotos aus sozialen Netzwerken, Standortdaten und digitale Spuren aus dem Alltag. Manche Informationen stammen aus legalen Datensammlungen großer Unternehmen, andere aus gehackten Datenbanken. Zusammen ergeben sie ein detailliertes Profil – ein perfektes Werkzeug für Betrüger. Die Methoden wirken deshalb so überzeugend, weil Kriminelle inzwischen mehrere Datenquellen miteinander kombinieren. Wer am Telefon die eigene Adresse hört oder den Namen der ric…

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  • Wenn der Staat zur Zielscheibe wird – und Bürger ins Visier geraten

    Wenn der Staat zur Zielscheibe wird – und Bürger ins Visier geraten

    Ein Klick, ein Formular, ein vermeintlich offizielles Schreiben – und plötzlich ist man Teil eines digitalen Spiels, dessen Regeln andere bestimmen. Genau davor warnen Fachleute derzeit mit Nachdruck. Der Hintergrund: Die französische Behörde für sichere Dokumente, die für die Ausstellung von Personalausweisen, Reisepässen und Führerscheinen zuständig ist, wurde Mitte April Ziel eines Cyberangriffs. Ein Vorfall, der mehr ist als nur eine technische Panne. Denn betroffen sind nicht allein Systeme, sondern vor allem Menschen. Am 15. April registrierte die zuständige Stelle einen sicherheitsrelevanten Zwischenfall, bei dem sensible Daten abgeflossen sein könnten. Namen, Adressen, Geburtsdaten, Zugangsdaten – Informationen, die in falschen Händen schnell zur Währung werden. Was zunächst abstrakt klingt, entfaltet im Alltag eine ganz eigene Dynamik. Plötzlich wirken E-Mails glaubwürdiger, SMS persönlicher, Anrufe überzeugender. Und genau hier beginnt das eigentliche Problem. Cyberkriminelle…

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  • Datenleck bei der ANTS: Wenn das Vertrauen ins Digitale ins Wanken gerät

    Datenleck bei der ANTS: Wenn das Vertrauen ins Digitale ins Wanken gerät

    Es sind Zahlen, die hängen bleiben.

    11,7 Millionen Nutzerkonten könnten betroffen sein – eine Dimension, die man nicht einfach mit einem Schulterzucken abtut. Das französische Innenministerium bestätigte am 21. April 2026 einen Sicherheitsvorfall beim Portal der Agence nationale des titres sécurisés, kurz ANTS. Eine Plattform, die für viele längst so selbstverständlich ist wie der Gang zum Amt früher: Personalausweis, Führerschein, Fahrzeugpapiere – alles digital organisiert.

    Und nun das.

    Der Vorfall selbst wurde datiert auf den 15. April. Was zunächst diffus klang, bekam binnen 24 Stunden Kontur. Betroffen seien vor allem Identifikationsdaten: Namen, E-Mail-Adressen, Geburtsdaten, Login-Kennungen. In einigen Fällen auch Postanschriften oder Telefonnummern. Sensible Dokumente? Biometrische Daten? Fehlanzeige – zumindest nach aktuellem Stand. Die Behörden bemühen sich sichtbar, die Lage zu beruhigen.

    Doch wer schon einmal eine Phishing-Mail im Posteingang hatte, ahnt, wo das Problem liegt.

    Denn genau hier beginnt die eigentliche Gefahr. Nicht der direkte Zugriff auf Konten, sondern das, was Kriminelle daraus machen. Täuschend echte Nachrichten, sauber personalisiert, mit genau den Details, die Vertrauen schaffen. Ein falscher Klick – und zack, schon steckt man drin im Schlamassel. Die Commission nationale de l’informatique et des libertés warnt seit Jahren vor genau solchen Szenarien.

    Parallel läuft die Aufarbeitung auf Hochtouren.

    Die Datenschutzbehörde ist informiert, die Pariser Staatsanwaltschaft eingeschaltet, spezialisierte Cyber-Ermittler arbeiten am Fall. Zusätzlich prüft die Verwaltung intern, wer wann was wusste – und ob irgendwo geschlampt wurde. Hinter den Kulissen dürfte es ziemlich knirschen.

    Und politisch?

    Heikel, keine Frage. Wenn ein zentrales staatliches Portal in dieser Größenordnung betroffen ist, kratzt das am Fundament der digitalen Verwaltung. Bürger sollen Vertrauen haben, ihre Daten online anzugeben – und genau dieses Vertrauen gerät ins Rutschen, sobald solche Meldungen Schlagzeilen machen.

    Das Ministerium setzt daher auf eine klare Botschaft: keine Panik. Kein unmittelbarer Handlungsdruck. Aber erhöhte Wachsamkeit.

    Heißt im Alltag: keine dubiosen Links anklicken, keine sensiblen Daten per Mail preisgeben, im Zweifel direkt über die offizielle Website gehen. Und ja, ein neues Passwort schadet nie – am besten eins, das man nicht schon dreimal verwendet hat.

    Klingt banal, ist aber entscheidend.

    Denn am Ende zeigt dieser Fall vor allem eines: Digitalisierung macht vieles einfacher – aber eben auch verletzbarer. Und Sicherheit ist kein Zustand, sondern ein Dauerlauf.

    Oder, um es weniger geschniegelt zu sagen: Ganz ohne Risiko läuft der Laden halt nicht.

    Autor: Christine Macha

  • Gestohlenes Leben: Wenn Identitätsdiebstahl den Start ins Erwachsensein zerstört

    Gestohlenes Leben: Wenn Identitätsdiebstahl den Start ins Erwachsensein zerstört

    „Ich habe mein Erwachsenenleben mit lauter Strafzetteln begonnen.“Ein Satz wie ein schiefer Witz. Doch für eine 22-Jährige aus Frankreich beschreibt er die Realität. Kaum volljährig, erreichten sie die ersten Briefe. Bußgelder wegen Verkehrsvergehen, begangen in Städten, in denen sie nie war. Zahlungsaufforderungen. Mahnungen. Drohungen mit Vollstreckung. Ihr Name stand über allem – sauber gedruckt, amtlich beglaubigt. Nur: Sie besitzt kein Auto, hat nie eines angemeldet, keinen Vertrag abgeschlossen, der all das erklären würde. Was wie ein bürokratisches Missverständnis klingt, entpuppte sich als Identitätsdiebstahl. Jemand nutzte ihre Daten, um Verkehrsdelikte zu verschleiern. Und sie, die eigentlich Vorlesungen besuchen oder Bewerbungen schreiben wollte, saß plötzlich zwischen Aktenordnern und Einschreiben. So beginnt kein neues Leben. So beginnt ein Spießrutenlauf. Identitätsdiebstahl ist kein Phänomen aus dunklen Ecken des Internets mehr. Ein Name, ein Geburtsdatum, eine Adresse –…

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  • Wenn die Stimme aus dem Hörer nicht echt ist

    Wenn die Stimme aus dem Hörer nicht echt ist

    Der Morgen beginnt in Lécousse mit einem Licht, das sich wie warmer Honig über die Dächer legt. Normalerweise starten die Leute von Nova Energie in genau dieser Stimmung in den Tag: ruhig, konzentriert, im Rhythmus eines kleinen Handwerksbetriebs, der seine Kundschaft gut kennt. Doch seit zwei Wochen liegt über allem ein grauer Schleier – Telefonklingeln im Dauerfeuer, genervte Stimmen, Vorwürfe, Hilfeschreie kurz vor dem Auflegen.

    Ein Sturm, der aus dem Nichts kam.

    Und der nicht einmal menschlich ist.

    Die kleine bretonische Firma – spezialisiert auf Holzöfen und Photovoltaik – steckt plötzlich mitten in einem Albtraum, den niemand in diesem unscheinbaren Industriegebäude für möglich gehalten hätte.

    Nicht einmal ansatzweise.

    Denn am anderen Ende der Leitung, wo jemand vorgibt, ein „Berater“ zu sein, sitzt kein Mensch. Sondern eine Stimme, die aus einer Maschine stammt. Aus einer dieser neuen Systeme, die sprechen, pausieren und mit einer fast erschreckenden Überzeugungskraft Fragen stellen. Und das nicht nur einmal – sondern hundertfach, tausendfach, wie ein unermüdlicher Schwarm digitaler Mücken.


    Cyrielle Belot hebt an diesem Vormittag schon zum dritten Mal innerhalb von zwanzig Minuten das Telefon ab. Ihr Blick verrät das, was die letzten Tage mit ihr machen: Müdigkeit, Frust, ein Funken Ratlosigkeit.
    „Ja, guten Tag, Nova Energie, Cyrielle am Apparat.“

    Die Antwort am anderen Ende ist jedes Mal ähnlich:
    „Stellen Sie ab, dass Sie mich dauernd anrufen! Ich will nichts kaufen, gar nichts!“

    Cyrielle erklärt geduldig – und ihre Stimme hat diese besondere Mischung aus Höflichkeit und innerer Anspannung:
    „Ich verstehe Sie völlig, aber dieser Anruf stammt nicht von uns. Wir stecken selbst drin wie Sie.“

    Bis zu dreißig solcher Gespräche täglich.

    Manchmal mehr.

    Wie reagiert man, wenn die eigene Stimme plötzlich durch Frankreich geistert, obwohl man gerade nur an seinem Schreibtisch sitzt, den Kaffee neben dem Bildschirm, und eigentlich nur seinen Job machen möchte? Wie bleibt man ruhig, wenn ein digitaler Doppelgänger wildfremde Menschen behelligt und einem dabei den Ruf ruiniert?


    Christophe Baranger – ein echter Mitarbeiter aus Fleisch und Blut – erlebt das Unfassbare sogar persönlich.
    Eines Abends klingelt sein privates Handy. Die Nummer unbekannt.
    Ein Anrufer, der sich als Kollege ausgibt, redet sofort drauflos, wie ein Tonband, das nie gelernt hat zuzuhören. Fragen, Pausen, wieder Fragen. Kein Raum für eine Antwort.

    Christophe runzelt die Stirn und denkt: Moment, das ist doch meine Firma… was geht denn hier ab?
    Er lässt den „Kollegen“ reden. Und je länger diese künstliche Stimme plappert, desto deutlicher erkennt er die Fassade. Der Rhythmus stimmt nicht. Die Pausen sind zu regelmäßig. Der Ton ist beinahe perfekt – aber eben nur beinahe.

    Diese winzigen Unregelmäßigkeiten verraten die Wahrheit.

    Nova Energie ist nicht Opfer eines klassischen Datenlecks. Nicht Opfer eines Callcenters aus einem anderen Land. Nein – hier hat ein System die Identität der Firma schlicht nachgeahmt. Ein digitaler Imitator, der weder müde wird noch höflich ist und sich für nichts entschuldigt.


    Der Effekt?
    Der Schaden?
    Er zieht wie eine Schockwelle durch das Unternehmen.

    Maël Guibert, der Gründer, wirkt gefasst, doch seine Augen sprechen eine andere Sprache. Er zeigt auf den Bildschirm, wo neue Onlinebewertungen im Minutentakt auftauchen – negative Kommentare, Misstrauen, Ärger von Menschen, die glauben, Nova Energie betreibe aggressives Telefonmarketing.

    „Da steht zum Beispiel: ‚Die rufen mich ständig an, Finger weg!‘“, erzählt er leise.
    Er kennt diese Menschen nicht. Und doch muss er sich für etwas rechtfertigen, das er nicht tut.
    „Ich hatte Kundinnen und Kunden, mit denen ich bereits Angebote plante. Sie melden sich jetzt und sagen, sie glauben uns das nicht mehr. Manche brechen alles ab. Und das tut weh, ehrlich.“

    Ein kurzer Satz, der wie ein Stein ins Herz trifft:
    „Die Vertrauensbasis ist bei einigen weg.“

    Und Vertrauen – das ist in dieser Branche das täglich Brot.


    Die Geschichte hat fast etwas Tragisches. Da kämpft eine kleine Firma darum, Menschen in ihren Häusern nachhaltige Energie zu ermöglichen, und irgendwo im digitalen Dschungel kopiert ein System ihre Identität und spuckt sie in tausend Stimmen wieder aus.

    Ein Sturm aus Nullen und Einsen.
    Ein Echo, das nichts mit der Realität zu tun hat.

    Und dennoch alles beeinflusst.

    Was geschieht, wenn Technologie nicht mehr als Werkzeug dient, sondern als Trickster in Erscheinung tritt? Wenn sie nicht unterstützt, sondern täuscht? Wenn sie sich so geschickt tarnt, dass selbst geschulte Ohren kurz zweifeln?


    Die Ermittlungen laufen inzwischen bei der Anti Cyber Einheit in Rennes. Maël Guibert hat Anzeige erstattet. Ein Schritt, der notwendig ist, aber der Weg dorthin fühlte sich für ihn eher wie ein Marsch gegen Windböen an.
    Denn was soll man eigentlich vorlegen?
    Eine Stimme, die keine echte Stimme ist?
    Ein Anruf, der nirgends eindeutig verortet werden kann?

    Er schildert den Ermittlern das Problem, so gut es eben geht.
    „Da draußen wird etwas in unserem Namen verkauft, das gar nicht von uns stammt“, erklärt er.
    Und während er spricht, läutet schon wieder das Telefon.
    Es wirkt fast symbolisch, als wolle die unbekannte KI sagen: Ich bin noch da.


    Zwischen all dem Chaos bleibt dennoch diese eine alltägliche Szene:
    Ein Kunde betritt das Büro.
    Er schaut sich um, wirkt misstrauisch, fast angespannt.
    „Sind Sie wirklich die Firma, die mich angerufen hat?“, fragt er.
    Cyrielle hebt die Handflächen leicht an – eine instinktive Geste der Beschwichtigung.
    „Nein. Das passiert überall gerade. Wir stecken genauso drin wie Sie.“

    Der Mann atmet aus. Und genau in diesem Moment hängt das unsichtbare Problem wie ein grauer Vorhang zwischen ihnen. Vertrauen – es fühlt sich an wie ein dünner Faden, der jeden Augenblick reißen könnte.


    Aber mitten in dieser Geschichte – die übrigens jeden treffen könnte, egal ob Café, Handwerksbetrieb oder Arztpraxis – steckt auch eine Erkenntnis:
    Authentizität war noch nie so wertvoll wie heute.

    Wir leben in einer Zeit, in der eine Stimme am Telefon täuschen kann wie ein Maskenbildner im Filmstudio. In erstaunlicher Perfektion.
    Und während dieser Wandel faszinierend wirkt, rüttelt er gleichzeitig an einer tiefen menschlichen Sehnsucht: der Gewissheit, dass am anderen Ende ein Mensch ist, mit Herzschlag, Absichten und echten Worten.


    Ein paar Mitarbeiter scherzen am Rande darüber – so, wie man eben über Dinge lacht, die eigentlich viel zu ernst sind.
    „Wenn diese KI wenigstens Kaffee kochen würde“, meint einer mit einem schiefen Lächeln.
    „Ja, oder Termine eintragen – dann wäre was los“, kontert ein anderer.
    Ein kleiner Moment der Leichtigkeit, der zeigt, dass der Mensch selbst im Sturm seinen Humor nicht verliert.


    Die eigentliche Frage bleibt trotzdem unverändert:
    Wie schützt man sich künftig vor solchen digitalen Doppelgängern?
    Und wie schafft man es, wieder glaubwürdig aufzutreten, wenn im Hintergrund noch immer ein unsichtbares Echo das eigene Firmenlogo missbraucht?

    Man könnte meinen, eine Lösung läge längst in Sichtweite – irgendwas Technisches, ein Schutzmechanismus, ein digitaler Zaun. Doch die Realität ist komplizierter. Systeme, die künstliche Stimmen erzeugen, entwickeln sich so schnell, dass Schutzmaßnahmen ständig nachziehen müssen. Behörden arbeiten hart daran, Betrugsfälle zu verfolgen, aber die Spuren verlaufen oft durch internationale Serverlandschaften, VPN-Tunnel, automatisierte Verschleierung.

    Es ist wie das Greifen nach einem Schatten im Sonnenschein.


    Derweil versucht Nova Energie, sich über Wasser zu halten.
    Es gibt gute Tage. Schlechte Tage. Und Tage, an denen sie fast den Mut verlieren.

    Maël Guibert entscheidet, offen mit allen Kundinnen und Kunden zu sprechen, die sich bei ihm melden. Transparenz, sagt er, sei jetzt der einzige Weg.
    Er führt ein Protokoll über jeden Vorfall, jeden Anruf, jede Beschwerde.
    Nicht, weil er muss – sondern weil er etwas festhalten möchte in einem Chaos, das sich schwer greifen lässt.

    Die Firma nutzt inzwischen Social-Media, die Website, sogar Aushänge am Eingang, um auf die Situation aufmerksam zu machen. Ein Schritt, der die Menschen erreicht – manche nicken verständnisvoll, manche entschuldigen sich sogar für ihren Ärger, nachdem sie die Hintergründe erfahren.

    Und dann gibt es diese Momente der Menschlichkeit:
    Eine ältere Dame ruft zurück, entschuldigt sich lang und warmherzig dafür, dass sie „so ruppig“ gewesen sei.
    Cyrielle lächelt, als sie davon erzählt.
    „Das tat richtig gut. Da merkt man, dass der Funke Menschlichkeit noch da ist.“


    Ein anderer Kunde berichtet, dass auch er bereits von mehreren dubiosen Nummern angerufen wurde, und sagt:
    „Lassen Sie sich nicht unterkriegen. Ich bleibe bei Ihnen. Mir tut’s leid, dass Sie das grad erleben müssen.“
    Dieser Satz hebt die Stimmung im Büro merklich.
    Es braucht manchmal nur eine Stimme – eine echte – um den Tag zu retten.


    Und doch bleibt der Weg zurück in ruhigere Zeiten lang.
    Der Ruf ist ein kostbares Gut.
    Wenn er erst mal beschädigt ist, gleicht die Reparatur einer Restaurierung – man muss geduldig jede Schicht pflegen und die Kunden erneut spüren lassen, dass die Hand auf der anderen Seite des Geschäfts ganz real ist.

    Die Menschen von Nova Energie arbeiten weiter, als würde über ihnen kein Sturm toben.
    Sie beraten, planen Projekte, fahren zu Baustellen.
    Ein bisschen Galgenhumor schwingt mit:
    „Wir sind zwar überall gleichzeitig am Telefon, aber trotzdem real“, meint Christophe mit einem Augenzwinkern.
    Diese Art Heiterkeit – sie wirkt wie ein kleiner Schutzschirm gegen die Absurdität der Lage.


    Spät am Nachmittag, als der Lärm des Tages abebbt, sitzen einige Mitarbeiter noch zusammen. Sie sprechen über das, was passiert ist, darüber, wie verletzlich moderne Identität geworden ist. Und wie leicht eine fremde Stimme ihre eigene übertönen kann.

    „Wer hätte gedacht, dass uns einmal eine Maschine kopiert?“, fragt eine Kollegin.
    „Vor ein paar Jahren klang das wie Science-Fiction.“

    Aber jetzt?
    Jetzt ist es Teil ihres Alltags.

    Ist das der Anfang einer neuen Ära, in der jede Identität schutzbedürftiger ist als je zuvor? Oder nur ein Ausreißer, ein schräger Vorfall in einer ansonsten funktionierenden digitalen Welt – ein Ding, das vorbeifliegt wie ein Schatten, der sich irgendwann verzieht?


    Während die Sonne über Lécousse langsam verblasst, bleibt eines klar:
    Die Menschen von Nova Energie kämpfen nicht nur gegen eine Täuschung, sondern um ihren guten Namen.
    Ein Name, der mit ehrlicher Arbeit verbunden ist.
    Mit echten Stimmen, echten Gesichtern, echten Händen.

    Und vielleicht zeigt diese Geschichte, so verrückt sie klingt, vor allem eines:
    Dass Echtheit ein Wert ist, der trotz aller technischen Wunder nicht imitierbar ist.

    Ein Artikel von M. Legrand

  • Junge Frau schenkt ihrem Freund ein Zugticket und erhält eine Geldstrafe von 245 Euro von der SNCF

    Junge Frau schenkt ihrem Freund ein Zugticket und erhält eine Geldstrafe von 245 Euro von der SNCF

    Unglaublich aber wahr: Als eine junge Frau ihren Freund mit einem romantischen Tag in Lyon überraschen wollte, wurde sie mit einer Geldstrafe von 245 Euro belegt – wegen Identitätsdiebstahls.

    Es war eine Überraschung, die ein junges Paar teuer zu stehen kam und einen romantischen Ausflug ruinierte. Als eine junge Frau ihren Freund mit einem besonders schönen Nachmittag und einem Stadionbesuch in Lyon überraschen wollte, schenkte sie ihrem Liebsten und sich selbst unwissentlich eine bittere Pille…

    Anfang Oktober bucht Manon heimlich Zugtickets nach Lyon für sich und ihren Freund Antoine. Sie erklärt, dass sie sie auf ihren Namen reserviert hat, um die Überraschung nicht zu verderben. „Wir haben beide eine Jugendkarte von der SNCF, aber wenn ich die Nummer von Antoines Karte eingegeben hätte, hätte er eine E-Mail bekommen und die Überraschung wäre verdorben gewesen“, erklärt die junge Frau der Online-Zeitung France Live.

    Der Ausflug zu zweit ist für Sonntag, den 8. Oktober, geplant – aber leider läuft für das Paar nicht alles wie geplant. An Bord des Zuges erhielt Antoine vom SNCF-Zugbegleiter eine Geldstrafe von 245 Euro wegen „Identitätsdiebstahls“. „Wir saßen nebeneinander, und der Schaffner beschuldigte meinen Freund, meine Identität gestohlen zu haben. Ich saß daneben, also habe ich ihm erklärt, dass es eine Überraschung war, dass die beiden Fahrkarten auf meinen Namen ausgestellt waren, damit er es nicht merkt, und wir haben ihm unsere Jugendkarten gezeigt“, schildert Manon.

    Der Kontrolleur bleibt unnachgiebig und die Strafe ist unanfechtbar. „Die Geldstrafe betrug 245 €! 150 € Pauschalstrafe und 95 € für die Reise. Das ist absurd“, sagt die junge Frau. Sie erzählt, dass sie angesichts dieser Situation ihre Tränen nicht zurückhalten konnte. „Der Zugbegleiter antwortete mir, dass ich so sogar alle Fahrkarten in dem Waggon hätte kaufen können, um sie teurer weiterzuverkaufen. Ich sehe nichts Schlimmes darin, dass ich eine Fahrkarte für meinen Begleiter gekauft habe, und wie kann er meine Identität annehmen, wenn ich neben ihm sitze?“, fragt sich die junge Frau verständlicherweise.

    Antoine zahlte das Bußgeld schließlich sofort, insbesondere um eine Erhöhung auf 300 Euro zu vermeiden… „Am Ende zahlen wir 245 € plus die ursprüngliche Fahrt für ein Ticket, das normalerweise 31 € kostet, das ist missbräuchlich!“, sagt die enttäuschte Freundin. Am nächsten Tag versuchte sie, die SNCF zu kontaktieren, um eine Beschwerde einzureichen. Nachdem es ihr gelungen war, telefonisch eine Beraterin zu erreichen, wurde ihr ein Gutschein über 31 Euro angeboten. „Das ist nicht das, was ich erwartet habe, denn die Fahrkarte wurde nicht einmal benutzt, weil mein Begleiter eine andere für 95 € kaufen musste“, reagierte Manon.

    Die junge Frau ließ sich nicht unterkriegen und wandte sich an eine Mediatorin der SNCF. Sie wartet nun auf eine Rückmeldung, ist sich aber nicht sicher, ob der Ausgang positiv sein wird. Von dieser unglücklichen Erfahrung entnervt, fordert Manon die Bahngesellschaft auf, „ihren gesunden Menschenverstand einzusetzen“. Die SNCF tut sich damit allerdings offensichtlich schwer, denn sie hat nicht auf die Anfragen unserer Kollegen von France Live reagiert…

  • Krebspatient schockiert: Für ihn wurde Sterbehilfe organisiert – ohne sein Wissen!

    Krebspatient schockiert: Für ihn wurde Sterbehilfe organisiert – ohne sein Wissen!

    Der Anwalt des Patienten, erklärte gegenüber der Nachrichtenagentur AFP, er habe „eine Klage wegen versuchten Mordes durch Identitätsdiebstahl eingereicht“.

    Eine Klage wegen „versuchten Mordes durch Identitätsdiebstahl“ ist überaus selten. Zu selten, um unbemerkt zu bleiben. Die Familie eines Patienten, der in Lons-le-Saunier (Jura) im Krankenhaus lag, hatte herausgefunden, dass eine bisher nicht identifizierte Person beantragt hatte, ihm in der Schweiz Sterbehilfe zu leisten, wie der Anwalt der Familie am Freitag mitteilte.

    Die Sterbehilfe in der Schweiz war auf den 10. Oktober 2023 festgelegt
    Rechtsanwalt Patrick Uzan, Anwalt eines Teils der Familie des Krebspatienten, erklärte gegenüber der Nachrichtenagentur AFP, er habe „eine Klage wegen versuchten Mordes durch Identitätsdiebstahl eingereicht“. Der Anwalt teilte mit, dass „es den Anschein hat, dass ein Arzt ein Attest ausgestellt hat“, das der Patient, der wegen einer Krebserkrankung im Krankenhaus behandelt wurde, scheinbar angefordert hatte. Einem Bruder und einer Schwester des Patienten zufolge habe der Patient jedoch zu keinem Zeitpunkt Sterbehilfe gewünscht, so der Anwalt. Er selbst war es sogar, der die Familienangehörigen alarmierte, als er ein Dokument entdeckte, das seine Sterbehilfe in der Schweiz auf den 10. Oktober 2023 festlegte.

    Anwalt Patrick Uzan schrieb daraufhin an den zuständigen Staatsanwalt und verwies dabei auf „das ärztliche Attest eines Psychiaters aus Lons-le-Saunier“, der angab, er sei ins Krankenhaus zu dem Patienten gegangen und habe dabei „festgestellt, dass der Mann, der gekommen war, um mich um ein Attest für die Sterbehilfe zu bitten, nicht derselbe war“. Der Arzt gab an, Opfer eines Betrugs geworden zu sein, als er am 19. September einem falschen Antragsteller eine „Bescheinigung über psychische Gesundheit im Hinblick auf eine Sterbehilfe in der Schweiz“ ausgestellt hatte.

    Handelt es sich um einen Mordversuch?
    Der ganze Vorgang schien darauf abzuzielen, den Patienten zu mit Hilfe einer vermeintlichen Sterbehilfe zu töten, sodass er laut Rechtsanwalt Uzan „Opfer eines Mordversuchs“ geworden sei. „Maßnahmen zum Schutz des Patienten wurden ergriffen“ und ein Vormundschaftsrichter wurde eingeschaltet, erklärte die Staatsanwältin von Lons-le-Saunier gegenüber der Nachrichtenagentur AFP.

  • In Frankreich werden jedes Jahr 400.000 Menschen Opfer von Identitätsdiebstahl

    In Frankreich werden jedes Jahr 400.000 Menschen Opfer von Identitätsdiebstahl

    Ein Betroffener konnte nicht heiraten und seine Kinder bei der Geburt nicht anerkennen – weil seine Identität gestohlen wurde. Sein Leben wurde zur Hölle, nachdem ihm vor fast fünfundzwanzig Jahren seine Papiere entwendet worden waren. Er wäre sogar beinahe Opfer eines Justizirrtums geworden, als er für ein Verbrechen verhaftet wurde, das er nicht begangen hatte.

    Im Sommer 2000 geriet Josés Leben aus den Fugen. Einige Tage nach der Geburt seiner Tochter, als er sie bei der Kindergeldkasse anmelden wollte, wurde ihm mitgeteilt, dass eine Person mit seiner Identität als Kindergeldbezieher bereits registriert war. Das für die Auszahlungen angegebene Bankkonto war allerdings nicht das von José. Er bringt dies mit dem Verschwinden seiner Papiere aus einem Zug ein Jahr zuvor in Verbindung und erkennt, dass der Dieb seine Identität angenommen hat. Mit seinen persönlichen Informationen ausgestattet und indem er das Foto auf dem Personalausweises ersetzt hat, bezieht sein „Doppelgänger“ an seiner Stelle Sozialleistungen. José erstattet Anzeige, aber der Betrüger geht noch viel weiter.

    Die Klage hindert den Betrüger nicht daran, sich ein komplettes Leben mit Josés Identität aufzubauen. An dem Tag, an dem José eine Geburtsurkunde beantragt, kann er darin den Vermerk „verheiratet“ lesen, in London, mit einer Frau, die er überhaupt nicht kennt. Unter dem Namen José hat der Betrüger einen Job, Kinder … und begeht weiterhin Betrügereien. Von José werden unbezahlte Steuern und Darlehensrückzahlungen gefordert, bis zu 1.000 Euro im Monat. Er kann nicht mehr legal arbeiten, da sein Doppelgänger an seiner Stelle steuerlich angemeldet ist…

    Ein Albtraum, der kein Ende zu nehmen scheint
    Eines Tages im Jahr 2009 geschieht das Undenkbare. Als José sein Haus verlässt, sieht er sich Auge in Auge mit einem Einsatzkommando der Gendarmerie konfrontiert. Die Gendarmen verhaften ihn. In Polizeigewahrsam erfährt er, dass er wegen der Vergewaltigung und Freiheitsberaubung von zwei Frauen gesucht wird. José wird schließlich entlastet und sein Doppelgänger zu zwölf Jahren Gefängnis verurteilt. Zehn Jahre nach seiner ersten Anzeige wird José als Opfer eines Identitätsdiebstahls anerkannt und glaubt, nun aus dem Gröbsten heraus zu sein. Doch sein Albtraum scheint kein Ende zu nehmen, selbst als der Betrüger inzwischen hinter Gittern sitzt. Er dauert nun schon 25 Jahre an.

    Wie José werden in Frankreich laut einer Schätzung der Sicherheitsbehörden jedes Jahr etwa 400.000 Menschen Opfer von Identitätsdiebstahl. Mit dem Ende der Papierformulare und der Zunahme der Online-Behördengänge ist die Zahl dieser Straftaten explosionsartig angestiegen. Betrüger stehlen den Namen eines anderen, um Verbraucherkredite aufzunehmen, eine Wohnung zu mieten, öffentliche Verkehrsmittel zu benutzen, ohne zu bezahlen… Betrüger machen ihren Opfern täglich das Leben zur Hölle.

    Auszug aus „L’enfer des vols d’identité“, einer Reportage, die am 26. Oktober 2023 auf dem Sender France 2 in der Sendung „Envoyé spécial“ zu sehen ist.