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    Höhlenforscher nach dramatischer Rettung aus 350 Metern Tiefe geborgen

    Nach mehr als eineinhalb Tagen unter der Erde endete in den französischen Pyrenäen ein außergewöhnlicher Rettungseinsatz erfolgreich. Ein verunglückter Höhlenforscher konnte am Freitagvormittag aus rund 350 Metern Tiefe an die Oberfläche gebracht werden. Erschöpft, aber ansprechbar, kam der Mann anschließend zur weiteren Behandlung in ein Krankenhaus.

    Der Unfall ereignete sich im Gouffre AP7, auch als Lonné Peyret bekannt. Die Höhle liegt im Massiv von La Pierre Saint Martin nahe der Gemeinde Arette im Département Pyrénées Atlantiques, unweit der spanischen Grenze. Das Gebiet zählt zu den anspruchsvollsten Höhlenregionen Europas und zieht regelmäßig erfahrene Forscher an.

    Der etwa 60 Jahre alte Speläologe erkundete das weit verzweigte Höhlensystem am Mittwochabend gemeinsam mit einem Begleiter. Gegen 18.30 Uhr stürzte er in einer schwierigen Passage und zog sich Verletzungen an beiden Handgelenken sowie an einem Knöchel zu. Zusätzlich bestand der Verdacht auf eine Rückenverletzung. An einen selbstständigen Aufstieg war deshalb nicht mehr zu denken.

    Sein Begleiter machte sich allein auf den Rückweg und erreichte mehrere Stunden später die Oberfläche. Gegen 23.43 Uhr alarmierte er die Rettungskräfte. Aufgrund der großen Tiefe und der komplizierten Bedingungen aktivierte die Präfektur den ORSEC Notfallplan für Einsätze unter Tage.

    Noch in derselben Nacht stiegen Spezialisten in die Höhle hinab. Der Weg bis zum Verletzten dauerte rund anderthalb Stunden. Gegen fünf Uhr morgens traf ein medizinisches Team bei ihm ein, versorgte die Verletzungen und bereitete den Transport vor.

    Die eigentliche Bergung erwies sich als enorme Herausforderung. Auf einer Spezialtrage ging es Schritt für Schritt durch enge Schächte, steile Abschnitte und verwinkelte Gänge nach oben. Zahlreiche Helfer übernahmen die Trage jeweils auf kurzen Teilstücken. Immer wieder mussten Seile gespannt und technische Sicherungen eingerichtet werden, damit der Transport überhaupt möglich blieb.

    In der Nacht zum Freitag kam die Rettung zeitweise ins Stocken. Eine besonders enge Passage in etwa 240 Metern Tiefe bereitete erhebliche Schwierigkeiten. Kurz stand sogar der Einsatz von Sprengstoffexperten im Raum, um den Durchgang zu verbreitern. Nach intensiver Prüfung fanden die Einsatzkräfte jedoch eine andere Lösung, sodass die Bergung ohne diesen Schritt fortgesetzt werden konnte.

    Am Freitagvormittag erreichte die Trage schließlich den Höhleneingang. Damit endete ein kräftezehrender Einsatz, an dem Feuerwehren, die Hochgebirgseinheit der Gendarmerie, medizinische Teams sowie Spezialisten des französischen Höhlenrettungsdienstes beteiligt waren.

    Das Massiv von La Pierre Saint Martin besitzt ein rund 400 Kilometer langes erforschtes Höhlennetz und gehört zu den bedeutendsten Karstgebieten der Welt. Immer wieder lockt es erfahrene Höhlenforscher an. Gleichzeitig zeigt der aktuelle Unfall eindrucksvoll, wie anspruchsvoll und risikoreich Expeditionen in dieser faszinierenden Unterwelt trotz sorgfältiger Vorbereitung bleiben.

    M. Legrand