Schlagwort: Hochhaus

  • Der ungeliebte Riese von Paris: Warum die Tour Montparnasse weiter für Streit sorgt

    Der ungeliebte Riese von Paris: Warum die Tour Montparnasse weiter für Streit sorgt

    Seit mehr als 50 Jahren prägt die Tour Montparnasse die Skyline von Paris – und kaum ein Bauwerk löst so viele Diskussionen aus. Der 210 Meter hohe Büroturm galt bei seiner Eröffnung als Symbol des Fortschritts. Heute steht er vor allem für eine städtebauliche Fehlentscheidung, die viele Pariser bis heute nicht verziehen haben. Nun gerät auch die seit Jahren geplante Rundumerneuerung ins Wanken: Explodierende Kosten, unterschiedliche Interessen der Eigentümer und ein schwieriger Büromarkt stellen das Millionenprojekt infrage.

    Die Geschichte des Hochhauses reicht bis in die 1930er-Jahre zurück. Schon damals stieß der Bahnhof Montparnasse an seine Kapazitätsgrenzen. Nach dem Zweiten Weltkrieg entschied sich die Stadt für einen umfassenden Umbau des Viertels. Der Bahnhof wurde nach Süden verlegt, alte Straßenzüge verschwanden, und auf dem frei gewordenen Gelände entstand die Idee eines modernen Geschäftsviertels mit einem markanten Hochhaus als Blickfang.

    Als Ende der 1960er-Jahre die Bauarbeiten begannen, regte sich heftiger Widerstand. Architekten, Politiker und Denkmalschützer warnten davor, die einzigartige Silhouette von Paris dauerhaft zu verändern. Ihre Einwände blieben erfolglos. 1973 war der Turm fertiggestellt – mit 59 Stockwerken, einer dunklen Glasfassade und einer Höhe, die ihn weit über die Dächer der französischen Hauptstadt hinausragen ließ.

    Die Kritik ließ nicht lange auf sich warten. Viele empfanden den Bau als Fremdkörper mitten in einer Stadt, die weltweit für ihre historischen Boulevards und klassischen Fassaden berühmt ist. Besonders beliebt wurde ein bissiger Witz: Den schönsten Blick auf Paris genieße man von der Aussichtsplattform der Tour Montparnasse – schließlich müsse man den Turm von dort aus nicht sehen. Die öffentliche Ablehnung hatte Folgen. Bereits wenige Jahre später verschärfte Paris seine Bauvorschriften und verlagerte neue Hochhäuser weitgehend in die Randgebiete der Metropole.

    Zu den ästhetischen Problemen gesellten sich später technische. In den 2000er-Jahren rückte die Asbestbelastung des Gebäudes in den Mittelpunkt. Die Sanierung erwies sich als kompliziert, teuer und langwierig. Unterschiedliche Gutachten, aufwendige Sicherheitsmaßnahmen und die komplizierte Eigentümerstruktur bremsten jede grundlegende Modernisierung aus. Der Turm gehört nicht einem einzelnen Investor, sondern mehreren Dutzend Eigentümern mit teils sehr unterschiedlichen wirtschaftlichen Interessen.

    2017 schien dennoch ein Neuanfang möglich. Ein internationaler Architekturwettbewerb brachte ehrgeizige Pläne hervor. Die dunkle Fassade sollte einer hellen, transparenten Gebäudehülle weichen. Vorgesehen waren moderne Büroflächen, ein Hotel, Restaurants sowie ein begrünter Dachbereich. Aus dem ungeliebten Hochhaus sollte ein nachhaltiges Wahrzeichen entstehen, das besser in das Stadtbild passt.

    Doch genau dieses Vorhaben gerät inzwischen ins Stocken. Während anfangs mit Baukosten von rund 300 Millionen Euro gerechnet wurde, stiegen die Schätzungen Jahr für Jahr deutlich an. Inzwischen bewegt sich das Gesamtvolumen einschließlich Steuern und weiterer Ausgaben in Richtung 800 Millionen Euro. Parallel dazu hat sich der Markt für Büroimmobilien grundlegend verändert. Homeoffice, gestiegene Finanzierungskosten und eine schwächere Nachfrage nach großen Büroflächen erschweren die wirtschaftliche Kalkulation erheblich.

    Hinzu kommt, dass nicht mehr alle Eigentümer den ursprünglichen Umbau unterstützen. Besonders größere Investoren äußern Zweifel an der Rentabilität des Projekts. Dadurch steht die umfassende Neugestaltung praktisch wieder zur Diskussion.

    Seit Ende März 2026 ist die Tour Montparnasse vollständig geräumt. Auch die Aussichtsplattform, die jedes Jahr zahlreiche Besucher anzog, blieb geschlossen. Eigentlich sollten die Bauarbeiten längst begonnen haben. Stattdessen herrscht Unsicherheit darüber, ob das bisherige Konzept überhaupt noch umgesetzt wird. Gleichzeitig wächst der Zeitdruck, da wichtige Genehmigungen nur noch begrenzte Zeit gültig sind.

    Als Alternative gilt inzwischen eine deutlich kleinere Lösung. Im Mittelpunkt stünden dann die technische Modernisierung, die vollständige Asbestsanierung und eine schlichtere Erneuerung der Fassade. Das wäre wesentlich günstiger, würde dem Gebäude jedoch kaum jene spektakuläre Verwandlung verleihen, auf die viele gehofft hatten.

    So bleibt die Tour Montparnasse das, was sie seit ihrer Entstehung ist: ein Symbol für den schwierigen Spagat zwischen Moderne und Tradition. Der dunkle Turm ragt weiterhin über Paris, ungeliebt, umstritten und zugleich zu bedeutend, um ihn einfach verschwinden zu lassen.

    M.A.B.

  • Das höchste Gebäude von Paris zerfällt – und alle schauen zu

    Das höchste Gebäude von Paris zerfällt – und alle schauen zu

    Es ist schon beeindruckend. Da steht mitten in Paris ein 210 Meter hoher Betonriese, von dem inzwischen regelmäßig Fensterscheiben und Fassadenteile auf die Straße stürzen – und die eigentliche Überraschung ist nicht, dass das passiert. Die Überraschung ist, dass bislang noch niemand unter diesen Trümmern gestorben ist.

    Vielleicht gehört das inzwischen zum Stadtbild. Eiffelturm, Notre-Dame, Louvre – und der Tour Montparnasse als monumentales Symbol dafür, wie meisterhaft man Probleme aussitzen kann. Jahr für Jahr wird diskutiert, geplant, gestritten und gerechnet. Währenddessen verabschieden sich Fenster aus den oberen Etagen und suchen sich ihren eigenen Weg Richtung Asphalt.

    Natürlich folgt nach jedem Vorfall das übliche Ritual. Die Feuerwehr rückt an. Straßen werden abgesperrt. Experten seilen sich an der Fassade ab. Politiker zeigen sich besorgt. Eigentümer verweisen auf offene Finanzierungsfragen. Anschließend kehrt wieder Ruhe ein – bis zur nächsten herabfallenden Scheibe.

    Man fragt sich unweigerlich: Worauf wartet man eigentlich? Auf den ersten Todesfall? Auf ein Auto, das von mehreren hundert Kilogramm Glas getroffen wird? Oder darauf, dass Touristen den Turm künftig nur noch mit einem Schutzhelm fotografieren?

    Es geht längst nicht mehr um Architektur oder um die Frage, ob der Tour Montparnasse schön oder hässlich ist. Darüber streiten die Pariser seit seiner Eröffnung. Es geht um Sicherheit. Um Verantwortung. Und um den erschreckenden Eindruck, dass Eigentümer und Entscheidungsträger lieber endlose Debatten führen, als endlich zu handeln.

    Der Streit um Millionenbeträge wirkt inzwischen geradezu grotesk. Für Sanierungspläne scheint kein Geld vorhanden zu sein. Absperrbänder und Feuerwehreinsätze dagegen gehören offenbar zum kalkulierten Alltag. Eine bemerkenswerte Prioritätensetzung.

    Paris präsentiert sich gern als Weltmetropole, als Stadt der Innovation, der Kultur und der Lebensqualität. Doch mitten in dieser Weltstadt steht ein Hochhaus, das Stück für Stück auseinanderfällt. Ausgerechnet an einem der belebtesten Verkehrsknotenpunkte der Hauptstadt.

    Vielleicht sollte man den Tour Montparnasse einfach offiziell umwidmen. Nicht mehr als Bürogebäude, sondern als Mahnmal der französischen Verwaltungskunst. Eintritt frei – Helmpflicht empfohlen.

    Irgendwann endet jeder Stillstand. Die einzige offene Frage lautet: Passiert das durch entschlossenes Handeln oder erst durch eine Tragödie? Wer darauf keine Antwort geben möchte, trägt längst Mitverantwortung.

    C. Hatty

  • Fenster stürzen vom Tour Montparnasse – Sorge um die Sicherheit wächst

    Fenster stürzen vom Tour Montparnasse – Sorge um die Sicherheit wächst

    Erneut sind vom Tour Montparnasse in Paris Fensterelemente aus großer Höhe auf die Straße gestürzt. Verletzt wurde zwar niemand, doch der Vorfall sorgt für erhebliche Unruhe. Besonders beunruhigend: Nach Medienberichten handelt es sich bereits um den dritten ähnlichen Zwischenfall innerhalb von sechs Monaten. Damit rückt die Frage nach dem baulichen Zustand des Hochhauses und der seit Jahren geplanten Sanierung immer stärker in den Mittelpunkt.

    Am Sonntagnachmittag lösten sich zunächst Teile eines Fensters im 20. Stockwerk. Wenige Stunden später fiel eine weitere Scheibe aus einem der obersten Geschosse rund 200 Meter in die Tiefe. Die Trümmer gingen auf der Rue du Départ nieder und schlugen teilweise in unmittelbarer Nähe von Geschäften auf.

    Augenzeugen schilderten chaotische Szenen. Passanten schrien und suchten hastig Schutz, nachdem die herabfallenden Teile bemerkt worden waren. Andere beobachteten das Geschehen aus sicherer Entfernung. Viele Anwohner reagieren inzwischen mit Sorge. Einige kündigten an, den Bereich um den Turm künftig zu meiden. Das ohnehin umstrittene Hochhaus gilt für manche inzwischen nicht mehr nur als ungeliebtes Wahrzeichen, sondern als mögliches Sicherheitsrisiko.

    Die Feuerwehr sperrte die Rue du Départ sowie die Rue Edgar-Quinet vorübergehend ab. Spezialkräfte untersuchten die Fassade und entfernten im Abseilverfahren weitere lockere Fensterelemente, um zusätzliche Gefahren auszuschließen. Erst nach Abschluss der Sicherungsarbeiten konnte der Bereich wieder freigegeben werden.

    Dass niemand verletzt wurde, grenzt angesichts der stark frequentierten Umgebung an Glück. Der Tour Montparnasse befindet sich unmittelbar neben einem der wichtigsten Pariser Bahnhöfe. Täglich sind dort Tausende Pendler, Touristen und Besucher unterwegs.

    Der 1973 eröffnete Turm ist mit rund 210 Metern das höchste Gebäude innerhalb des Pariser Stadtgebiets. Schon bei seiner Errichtung war die Architektur umstritten. Inzwischen prägen jedoch vor allem technische Probleme und der Sanierungsbedarf die Diskussion. Das Gebäude wurde bereits vollständig geräumt, nachdem umfangreiche Asbestbelastungen bekannt geworden waren.

    Eigentlich war eine umfassende Modernisierung vorgesehen. Geplant waren eine neue Glasfassade, ein Hotel, zusätzliche öffentliche Bereiche sowie ein begrünter Dachbereich. Die Kosten stiegen jedoch von ursprünglich rund 600 Millionen auf etwa 800 Millionen Euro. Zusätzlich geriet das Projekt zuletzt ins Stocken, nachdem ein wichtiger Miteigentümer seine Unterstützung für die aufwendige Komplettsanierung zurückgezogen hatte.

    Ab September soll zunächst mit der Entkernung der unteren Stockwerke, der Asbestsanierung und dem Rückbau von Fassadenteilen begonnen werden. Ob die ursprünglich geplante Neugestaltung anschließend tatsächlich umgesetzt wird, bleibt offen. Nach den jüngsten Vorfällen geht es längst nicht mehr nur um Architektur oder Investitionen – sondern vor allem um die Sicherheit im Herzen der französischen Hauptstadt.

    Daniel Ivers

  • Hunderte Bewohner werden aus einem einsturzgefährdeten 32-stöckigen Hochhaus evakuiert

    Hunderte Bewohner werden aus einem einsturzgefährdeten 32-stöckigen Hochhaus evakuiert

    Insgesamt fast 500 Bewohner des Obelisken-Turms in Épinay-sur-Seine (Seine-Saint-Denis) werden bis zum 8. Dezember ausziehen müssen. Sie werden evakuiert, weil das Gebäude einsturzgefährdet ist.

    Am Fuße des 32-stöckigen Obelisken-Turms in Épinay-sur-Seine herrschen am Mittwoch, 10. November, große Aufregung und Wut. Etwa hundert Bewohner der Südseite des Gebäudes haben bis zu diesem Abend Zeit, ihre Wohnung zu verlassen. Sie erfuhren die die schlimme Nachricht nur eine Woche zuvor.

    Die Evakuierung ist Teil einer Präfekturanordnung, die die vollständige Evakuierung des Hochhauses mit 162 Wohnungen bis zum 8. Dezember vorschreibt. Insgesamt sind 500 Bewohner betroffen. Eine weitere Anordnung hat den Zugang zu den Balkonen auf der Südseite des Gebäudes wegen Einsturzgefahr aufgrund des baufälligen Zustands untersagt.

    Eine „unmittelbare und extrem starke“ Gefahr
    Jacques Witkowski, Präfekt von Seine-Saint-Denis, sagt, er verstehe die Emotionen der Bewohner, aber es handele sich um einen Fall von höherer Gewalt. Der Präfektur und dem Bürgermeister liegt ein gerichtliches Gutachten vor, das einen äußerst knappen Zeitplan für Maßnahmen auferlegt. Es bestehe ein hohes Risiko, das Experten als äußerst bedrohend einschätzen.

    Das Gutachten wird von der Gemeinde Epinay angefochten, die sich gegen die Evakuierung wehren will.