Schlagwort: Hitze

  • Sonne satt und Sommerfeeling: Das Departement Var erlebt ein Miniurlaubswunder

    Sonne satt und Sommerfeeling: Das Departement Var erlebt ein Miniurlaubswunder

    Wer Anfang Juni im Var unterwegs ist, erlebt derzeit einen kleinen Vorgeschmack auf den Hochsommer – ganz ohne teures Flugticket oder lange Anreise. Strahlender Sonnenschein, Temperaturen über 30 Grad und volle Strände sorgen für ein echtes Feriengefühl. Der Pont de l’Ascension, das lange Himmelfahrtswochenende, 2025 macht’s möglich – und lässt nicht nur Urlauberherzen höherschlagen.


    Hochsommerliche Hitze trifft Urlaubsflair

    Von Donnerstag bis Samstag verwandelt sich der südfranzösische Himmel in eine einzige Postkartenidylle: makellos blau, mit sengender Sonne, die die Thermometer auf bis zu 32 Grad klettern lässt. Grund für dieses Sommerspektakel ist ein mächtiges Azorenhoch, das warme Luftmassen direkt aus Spanien herüberträgt.

    Doch Vorsicht – wer jetzt die Sonnenliege gar nicht mehr verlassen möchte, sollte wissen: Am Sonntag kommt der Wetterumschwung. Gewitter und eine deutliche Abkühlung kündigen sich bereits an.


    Strände wie im August

    Saint-Cyr-sur-Mer, La Ciotat, Bandol – in diesen Tagen gleichen die Strände des Var einem Hochsaison-Wochenende im August. Familien mit Kindern buddeln im Sand, Jugendliche springen kreischend ins Wasser, und der Duft von Sonnencreme liegt in der Luft. Eisverkäufer, Strandcafés und Restaurants reiben sich die Hände – der Umsatz schnellt in die Höhe.

    Ein Restaurantbesitzer scherzt: „Wenn’s so weitergeht, brauchen wir bald einen zweiten August.“


    Aufgepasst bei Hitze: Schutz ist Pflicht

    Wer bei solchen Temperaturen draußen unterwegs ist, sollte sein Wohlbefinden nicht dem Zufall überlassen. Sonnencreme? Pflicht. Kopfbedeckung und luftige Kleidung? Genauso. Und das Trinken nicht vergessen – ein Liter Wasser ist da schnell mal weg.

    Besonders riskant ist der Sprung ins kühle Nass nach einem ausgedehnten Sonnenbad – da droht die berüchtigte Hydrocution, ein Schockzustand, der den Kreislauf gefährlich belasten kann.

    Ein kleiner Tipp: Zwischen 12 und 16 Uhr lieber den Schatten genießen oder eine Siesta einlegen – wie es die Einheimischen gerne machen.


    Der Tourismus blüht – und wie!

    Für die Hotellerie und den lokalen Tourismus ist dieses lange Wochenende ein echter Glücksgriff. Die Buchungskalender der Hotels sind randvoll, die Nachfrage nach Ferienwohnungen und Campingplätzen schießt in die Höhe. Auch Aktivitäten wie Wandern im Massif des Maures oder Ausflüge in die malerischen Bergdörfer erleben ein Comeback.

    Ein Wanderführer aus Collobrières berichtet: „Ich habe mehr Anfragen als an Ostern – und das im Mai!“


    Wie geht’s weiter?

    Die Wettervorhersage liest sich wie ein Hochglanzprospekt – zumindest noch bis Samstag:

    • Donnerstag, 29. Mai: Sonne pur, 32°C, leichter Wind vom Meer
    • Freitag, 30. Mai: Weiterhin heiß, mit angenehm frischer Brise
    • Samstag, 31. Mai: Temperaturen knapp unter 30°C, perfekte Bedingungen für Strand oder Ausflug
    • Sonntag, 1. Juni: Der Wetterumschwung kommt – erste Gewitter am Nachmittag, spürbare Abkühlung

    Ob man also einen Strandtag plant oder lieber durch die Altstadt von Toulon bummelt – dieses Wochenende ist wie geschaffen dafür.


    Sommer auf Zeit – oder kommt da noch mehr?

    Das kurze Sommer-Intermezzo weckt natürlich Hoffnungen: Bleibt das Wetter nun so? Gibt’s 2025 vielleicht einen Rekordsommer?

    Noch sind die Meteorologen vorsichtig. Aber eines ist sicher – dieser Vorgeschmack macht definitiv Lust auf mehr. Und wer weiß: Vielleicht steckt hinter dem langen Wochenende auch ein kleiner Vorgeschmack auf das, was da noch kommt.

    Von Andreas M. Brucker

  • Wenn Politik Leben kostet: Wie Forschungskürzungen den Klimaschutz sabotieren

    Wenn Politik Leben kostet: Wie Forschungskürzungen den Klimaschutz sabotieren

    Wie wirkt sich extreme Hitze auf Alzheimer-Patienten aus? Helfen Luftreiniger Menschen mit chronischen Lungenerkrankungen? Und wie kann man Gemeinden am kostengünstigsten vor Rauch und Hitze schützen?

    Fragen wie diese verlieren nun ihre wissenschaftliche Stimme – weil die Trump-Administration der Harvard-Universität Fördermittel in Höhe von 450 Millionen Dollar gestrichen hat. Die betroffenen Forschungsprojekte? Allesamt auf den Zusammenhang zwischen Klimawandel, Umwelt und öffentlicher Gesundheit fokussiert. Diese Entscheidung – ganz nebenbei – trifft eine Forschungsrichtung, die in den letzten 30 Jahren immens an Bedeutung gewonnen hat.

    Denn was vor Jahrzehnten noch wie ein Zukunftsszenario klang, ist längst bittere Realität. Denguefieber erreicht Regionen, deren Bewohner das Wort „tropisch“ sonst nur aus dem Urlaub kannten. Waldbrände brennen sich nicht nur durch Wälder, sondern auch durch Lungen. Und Hitzetote sind keine Randnotiz mehr – sondern ein wachsendes Gesundheitsrisiko.

    Ein Kahlschlag mit Folgen

    Der Kahlschlag trifft die Umweltgesundheitsforschung mit voller Wucht – und das auf einem ohnehin ausgedünnten Spielfeld. Bereits zuvor hatte die Trump-Administration 2,2 Milliarden Dollar eingefroren. Die Begründung? Vorwürfe, Harvard würde Antisemitismus und Rassendiskriminierung dulden.

    Besonders betroffen ist die T.H. Chan School of Public Health. 139 Wissenschaftler erhielten Kündigungsschreiben – 204 Projekte auf Eis. Das ist nahezu der komplette Bundeszuschuss für diese Schule.

    „Das bricht mir das Herz“, sagt Francesca Dominici, Professorin für Biostatistik in Harvard. Zehn Millionen Dollar – in fünf Projekten – per E-Mail gelöscht. Einfach weg. Ihre Forschung? Luftverschmutzung und deren Folgen für Minderheiten und ältere Menschen. Hitze und ihre Auswirkungen auf Kinder und Jugendliche. Alles Themen, die jetzt im Datenmüll versinken.

    „Selbst wenn ich neues Geld auftreibe – der Schaden ist da. Jahre an Arbeit, Entwicklung, Analyse – verloren. Und ja, das kostet Leben“, so Dominici.

    Unvollendete Forschung – mit bitterem Beigeschmack

    Ein weiteres Forschungsopfer: Ein Projekt, das Lösungen gegen extreme Hitze in armen Vierteln entwickeln wollte. Oder eine Studie zur Rettung schwindender Fischbestände, wo Korallenriffe kollabieren. Alles gestoppt.

    Mary B. Rice, Leiterin des Harvard Center for Climate, Health, and the Global Environment, war mitten in einer klinischen Studie. Es ging darum, ob spezielle Luftreiniger Patienten das Atmen erleichtern könnten. Die Teilnehmenden? Ehemalige Raucher, meist ältere Männer und Frauen – 160 an der Zahl.

    Die Studie war fast am Ziel. Dieses Jahr hätte sie abgeschlossen werden sollen. Doch letzte Woche kam der Hammer: Die Regierung hat die Förderung gestoppt – und will sogar ungenutzte Mittel zurückfordern.

    „Wie soll ich den Menschen erklären, dass wir das Experiment abbrechen müssen? Sie haben uns vertraut – und jetzt das?“, fragt Rice. Für sie ist der Abbruch nicht nur enttäuschend, sondern schlicht unethisch. Millionen seien bereits investiert worden.

    Zukunft ungewiss – doch der Klimawandel wartet nicht

    Petros Koutrakis, Experte für Umweltstudien in Harvard, forscht zu Schadstoffemissionen – unter anderem aus Bränden, denen Soldaten im Irakkrieg ausgesetzt waren. Auch sein Projekt steht vor dem Aus. Und mit ihm eine ganze wissenschaftliche Disziplin, deren Zukunft nun in Frage steht.

    Kristie L. Ebi von der Universität Washington, Expertin für die gesundheitlichen Folgen des Klimawandels, bringt es auf den Punkt: Die Forschung war schon immer unterfinanziert. Unter Präsident Biden kam endlich Bewegung in die Sache. Doch nun droht ein Rückfall – mit gravierenden Konsequenzen.

    „Amerikaner sterben wegen des Klimawandels“, sagt sie. Und niemand schaut hin.

    Der Preis des Schweigens

    Was bedeutet es, wenn eine Regierung lebensrettende Forschung kappt – aus politischem Kalkül? Es geht nicht um Zahlen oder Budgets. Es geht um Menschen. Um Luft, die wir atmen. Um Hitze, die wir spüren. Um Krankheiten, die wir nicht mehr heilen können, weil wir sie nicht verstehen.

    Wie lange können wir uns solche Blindheit noch leisten?

    Von Andreas M. B.

  • Frühling auf den Kopf gestellt: Warum es heute im Norden Frankreichs wärmer ist als im Süden

    Frühling auf den Kopf gestellt: Warum es heute im Norden Frankreichs wärmer ist als im Süden

    Ein Mittwochmorgen in Straßburg. Die Stadt erwacht im goldenen Licht eines fast sommerlichen Frühlingstags. Menschen sitzen draußen, trinken Kaffee, genießen Croissants – und schauen ungläubig auf ihre Wetter-Apps. 27 Grad? Ende April? Was ist hier los?

    In einem Land, in dem der Süden fast schon traditionell für seine Wärme bekannt ist, spielt das Wetter heute eine neue Melodie. Eine mit überraschenden Akkorden.


    Der Nordosten schwitzt – und das ist kein Zufall

    Straßburg und Metz, Städte im eigentlich gemäßigten Nordosten Frankreichs, erleben heute einen Temperaturhöchstwert von 27 Grad Celsius. Und das am 30. April. Eine Zahl, die in der Klimahistorie dieser Region eher im Mai oder Juni auftaucht – wenn überhaupt.

    Und im Süden? Marseille, Montpellier, Toulouse – sie alle hinken hinterher. Zwischen 24 und 26 Grad zeigt das Thermometer. Klingt warm? Ist es auch. Aber es fühlt sich fast kühl an im Vergleich zu den Temperaturen nördlich der Rhône.

    Was steckt dahinter?

    Die Erklärung liegt – wie so oft – in den Höhen und Tiefen der Atmosphäre. Eine sogenannte „Omega-Wetterlage“ blockiert momentan den typischen Westwind und lässt warme Luft aus Nordafrika gezielt in den Nordosten Frankreichs strömen. Ein Hochdruckgebiet über Mitteleuropa sorgt dafür, dass diese Luft nicht einfach weiterzieht, sondern sich über Regionen wie dem Elsass staut und dort für frühsommerliche Hitze sorgt.

    Das Phänomen ist nicht neu, aber es tritt heute mit einer Intensität auf, die Fragen aufwirft.


    „Frühsommer“ im April – nur ein Laune der Natur?

    Jein. Einzelne Wetterlagen können immer wieder mal aus dem Rahmen fallen. Doch die Häufung solcher Frühhitzewellen in den letzten Jahren ist auffällig. Und sie passt in ein Muster, das Klimaforscherinnen und Meteorologen weltweit beobachten: Der Frühling wird wärmer – und er kommt früher.

    Im Jahr 2023 zum Beispiel verzeichnete Frankreich bereits im April mehrere Tage mit Temperaturen über 30 Grad. Das war nicht nur rekordverdächtig, sondern ein lautes Warnsignal.

    Hat sich unser Klima vielleicht schon viel weiter verändert, als wir dachten?


    Klima vs. Wetter – ein kurzer Exkurs

    Wichtig dabei: Wetter ist das, was wir heute erleben – Klima ist der langjährige Durchschnitt. Und genau dieser Durchschnitt verschiebt sich.

    Die aktuellen Daten des französischen Wetterdienstes Météo-France zeigen: Die Durchschnittstemperatur im Frühling hat sich in den letzten 30 Jahren um fast 1,5 Grad erhöht. Was früher als Hitze-Ausreißer galt, wird immer mehr zur neuen Normalität.

    Das bedeutet: Ein 27-Grad-Tag in Straßburg Ende April war früher ein sensationelles Ereignis. Heute? Da zucken viele schon nur noch mit den Schultern.


    Eine Frage der Gerechtigkeit

    Hitzewellen im Frühling mögen für manche nach einem willkommenen Wetterbonus klingen – doch sie zeigen auch die Kehrseite der Medaille.

    Nicht jeder kann sich eine Klimaanlage leisten. Nicht jeder lebt in einer gut isolierten Wohnung. Und nicht jede Region hat die Infrastruktur, um mit zunehmender Hitze umzugehen. Gerade ältere Menschen, Kinder oder Menschen mit Vorerkrankungen spüren die Folgen früher und intensiver.

    Wer trägt die Last der Klimakrise? Und wer profitiert von einem sonnigen Frühlingstag?


    Ein Blick nach vorn

    Wissenschaft und Technologie ermöglichen es uns heute, präzise zu messen, was sich verändert – und wo wir gegensteuern müssen. Die heutigen Daten aus Straßburg sind keine Spielerei, sondern Teil eines riesigen Puzzles, das uns hilft, die Dynamik des Klimawandels besser zu verstehen.

    Doch Analyse allein reicht nicht. Wir brauchen Lösungen. Politische Entschlossenheit. Und das Engagement jeder Einzelnen.


    Persönliche Gedanken

    Ich erinnere mich an einen Frühlingstag in Straßburg vor etwa zehn Jahren. Ich saß mit Freunden am Ufer der Ill, wir froren ein bisschen – 14 Grad, leichter Wind, die Jacke war Pflicht. Damals war das ganz normal. Heute wäre es fast schon eine Ausnahme.

    Diese Erinnerung ist mehr als Nostalgie. Es ist ein stiller Hinweis darauf, wie schnell sich unsere Realität verändert.

    Und manchmal frage ich mich: Wenn wir schon so abgestumpft auf 27 Grad im April reagieren – was braucht es dann noch, um uns wachzurütteln?


    Und was nun?

    Das Wetter heute in Frankreich zeigt nicht nur eine regionale Besonderheit – es öffnet ein Fenster in die Zukunft. Eine Zukunft, in der Frühlingstage im Norden fast so heiß werden wie der Sommer im Süden.

    Wir können diesen Trend noch beeinflussen. Aber dazu braucht es mehr als Wetterberichte. Es braucht Mut zur Veränderung, Empathie für die Schwächsten und einen Plan, der die Natur mitdenkt.

    Die Hitze von heute ist ein Teil der Geschichte von morgen. Was wollen wir, dass darin steht?

    Autor: Andreas M. Brucker

  • Bürger gegen den Staat – Wenn Untätigkeit beim Klimaschutz vor Gericht landet

    Bürger gegen den Staat – Wenn Untätigkeit beim Klimaschutz vor Gericht landet

    In Frankreich schlagen die Folgen des Klimawandels nicht nur in Form von Hitzewellen, Dürreperioden oder Überschwemmungen zu – sie landen jetzt auch vor Gericht. Eine Gruppe Betroffener, unterstützt von Umwelt- und Bürgerrechtsorganisationen wie Oxfam, Greenpeace und Notre Affaire à Tous, hat Klage gegen den Staat eingereicht. Der Vorwurf: Versagen bei der Anpassung an den Klimawandel und beim Schutz der Bevölkerung. Trockene Wasserhähne und leere Versprechen Racha Mousdikoudine lebt auf Mayotte, einem französischen Überseegebiet im Indischen Ozean. Was sie erlebt hat, ist kein Science-Fiction-Szenario, sondern bittere Realität: kein fließendes Wasser seit Jahren. 2023 brachte eine Dürre historischen Ausmaßes – und keine Vorbereitung seitens des Staates. Ihre Familie hatte nicht einmal genug Wasser, um sich die Zähne zu putzen oder die Kinder zu baden. Wenn das keine systemische Vernachlässigung ist, was dann? Verbrannte Ernten, gefrorene Blüten Auch in der französischen Provinz steht …

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  • Weltgesundheitstag 2025: Gesunde Anfänge in einer kranken Welt?

    Weltgesundheitstag 2025: Gesunde Anfänge in einer kranken Welt?

    Gesund werden ist Glück. Gesund bleiben ist Verantwortung. Aber wie steht’s um die, die gerade erst auf diese Welt kommen – in einer Zeit, in der Krisen Alltag sind? Der Weltgesundheitstag 2025 wirft genau diese Frage auf: Unter dem Motto „Gesunde Anfänge, hoffnungsvolle Zukunft“ geht’s diesmal um Mütter und Neugeborene. Zwei Gruppen, die viel zu oft übersehen werden, wenn es um globale Gesundheit geht.

    Und Hand aufs Herz – wer denkt beim Thema Klimawandel schon zuerst an Schwangere?

    Wenn das Leben beginnt, aber der Schutz fehlt

    Die ersten Tage, Wochen und Monate nach der Geburt sind entscheidend. Ein gesunder Start ins Leben beeinflusst die gesamte körperliche und geistige Entwicklung eines Menschen. Aber genau dieser Anfang steht weltweit unter Druck – durch schlechte medizinische Versorgung, soziale Ungleichheiten und nicht zuletzt: durch ein immer extremeres Klima.

    Hitze, Überschwemmungen, Luftverschmutzung. Alles Faktoren, die für Schwangere und Neugeborene nicht nur unangenehm, sondern lebensgefährlich sein können. Komplikationen wie Frühgeburten, niedriges Geburtsgewicht oder Atemwegserkrankungen steigen. Und das nicht irgendwo weit weg – sondern auch mitten in Europa.

    Deutschland und Frankreich – zwei Länder, zwei Realitäten

    Ein spannender Blick lohnt sich auf Deutschland und Frankreich. Beide Länder sind wirtschaftlich stark, verfügen über ein gut ausgebautes Gesundheitssystem – und doch ticken die Uhren ganz unterschiedlich, wenn es um Familienpolitik und Geburt geht.

    Frankreich investiert seit Jahrzehnten stark in die frühe Kindheit. Kinderbetreuung ist dort keine Gnade, sondern ein selbstverständlicher Teil der sozialen Infrastruktur. Kein Wunder, dass französische Frauen häufiger mehrere Kinder bekommen – und schneller wieder in den Beruf einsteigen.

    In Deutschland dagegen? Da wird oft noch gerungen. Zwischen Elterngeld, Krippenplatz und Karriere drohen Mütter schnell an den Rand gedrängt zu werden. Auch kulturell bestehen Unterschiede: Während in Deutschland das Stillen häufig propagiert wird, ist es in Frankreich nicht selten ein Tabuthema.

    Aber wer hat’s besser? Die Frage ist gar nicht so einfach zu beantworten. Beide Systeme haben ihre Stärken – und blinde Flecken.

    Klimakrise als Gesundheitskrise

    Der Klimawandel ist längst keine abstrakte Bedrohung mehr, sondern eine handfeste Gesundheitskrise. Und ja, auch eine soziale. Denn wer am wenigsten zum Problem beiträgt, leidet oft am stärksten darunter. Familien mit wenig Einkommen leben häufiger in schlecht isolierten Wohnungen, sind Luftverschmutzung stärker ausgesetzt, haben schlechteren Zugang zu medizinischer Versorgung.

    Gerade Schwangere reagieren besonders sensibel auf Hitze. Studien zeigen: An besonders heißen Tagen steigt die Zahl der Frühgeburten signifikant. Auch der Blutdruck kann entgleisen, Komplikationen wie Präeklampsie treten häufiger auf.

    Jetzt stell dir vor, du bist hochschwanger, hast kein Auto, wohnst im fünften Stock ohne Aufzug – und draußen hat’s 38 Grad. Noch Fragen?

    Aufklärung, ja bitte – aber verständlich!

    Was fehlt, ist oft nicht der Wille zur Veränderung, sondern das Wissen, wie man anfängt. Gesundheitsaufklärung muss verständlich, zugänglich und kultursensibel sein. Was bringt die beste Kampagne, wenn sie niemand erreicht?

    Und nein, das bedeutet nicht nur mehr Broschüren in Wartezimmern. Es heißt: bessere Ausbildung für Hebammen, mehrsprachige Angebote, digitale Tools, die wirklich helfen – und ein Gesundheitssystem, das zuhört statt belehrt.

    Wer schützt eigentlich die Beschützerinnen?

    Ein oft vergessener Aspekt: Auch das medizinische Personal steht unter Druck. Hebammen, Pflegerinnen, Ärztinnen – sie alle arbeiten am Limit. In Deutschland kämpfen viele freiberufliche Hebammen ums wirtschaftliche Überleben. In Frankreich fehlt es ebenfalls an Nachwuchs in der Geburtshilfe. Dabei sind sie das Rückgrat jeder gesunden Gesellschaft.

    Und mal ehrlich: Wollen wir wirklich eine Zukunft, in der der Beruf der Hebamme ausstirbt?

    Lösungen brauchen Mut und Miteinander

    Die Probleme sind komplex. Aber nicht unlösbar. Was es braucht, ist Mut zur Veränderung – und echte Zusammenarbeit. Zwischen Disziplinen, Ländern, Generationen.

    Wieso nicht mehr voneinander lernen? Deutschland könnte von Frankreichs Familienpolitik profitieren. Frankreich vielleicht von Deutschlands Fortschritten im Bereich Elternzeit und Stillförderung. Gemeinsam wäre so viel mehr möglich.

    Und warum nicht Gesundheit und Klimaschutz zusammendenken? Geburtsstationen mit Solaranlage, klimafreundliche Kliniken, Hitzeschutzpläne für Schwangere – klingt machbar, oder?

    Persönlich gesprochen

    Ich habe lange gezögert, bevor ich diesen Artikel schrieb. Vielleicht, weil das Thema zu groß wirkt. Oder weil es so tief ins Herz geht. Was gibt es Verletzlicheres als ein Neugeborenes?

    Und dann dachte ich an eine gute Bekannte meiner Frau, die letzten Sommer hochschwanger war, während eine Hitzewelle über Europa rollte. Sie erzählte mir, wie sie nachts nicht schlafen konnte, wie sie Angst um ihr Baby hatte – und wie allein sie sich fühlte.

    Es war diese Geschichte, die mir klar machte: Wir dürfen das nicht länger ignorieren.

    Ein Weckruf, kein Feiertag

    Der Weltgesundheitstag 2025 sollte kein Tag der Selbstzufriedenheit sein. Sondern ein Weckruf. Für mehr Gerechtigkeit, mehr Vorsorge, mehr Mut.

    Die Gesundheit von Müttern und Neugeborenen ist kein Nischenthema. Sie ist das Fundament einer gesunden Gesellschaft. Und ja, auch ein Gradmesser dafür, wie ernst wir es mit Klimaschutz und sozialer Verantwortung meinen.

    Denn ganz ehrlich: Was sagt es über uns aus, wenn die Schwächsten die größten Risiken tragen?

    Autor: Andreas M. Brucker

  • Hitzewellen 2024: Tausende Todesfälle in Frankreich

    Hitzewellen 2024: Tausende Todesfälle in Frankreich

    Der Sommer 2024 war gnadenlos. Von Juni bis Mitte September starben in Frankreich 3.711 Menschen an den Folgen extremer Hitze. Diese Zahl entspricht mehr als 2 % der gesamten Sterblichkeit in diesem Zeitraum – eine erschreckende Bilanz. Besonders betroffen waren ältere Menschen: Über drei Viertel der Todesfälle entfielen auf Personen ab 75 Jahren.

    Ein Rekordsommer mit fatalen Folgen

    Laut den französischen Gesundheitsbehörden lag die Durchschnittstemperatur in diesem Sommer um 0,7 °C über dem langjährigen Mittel. Das klingt zunächst nicht dramatisch, doch in der Realität war es der achtwärmste Sommer in Frankreich seit 1900 – und global gesehen sogar der heißeste aller Zeiten.

    Allein während der besonders intensiven Hitzewellen wurden über 600 Todesfälle direkt auf die hohen Temperaturen zurückgeführt. In dieser Zeit machte die hitzebedingte Sterblichkeit mehr als 10 % der gesamten Todesfälle aus. Die Haupt-Hitzewelle dauerte vom 28. Juli bis 14. August, betraf 43 Départements und fast die Hälfte der Bevölkerung. Innerhalb dieser zwei Wochen starben 663 Menschen an den Folgen der Hitze.

    Gefährlich – nicht nur für ältere Menschen

    Obwohl vor allem Senioren betroffen waren, blieb die arbeitende Bevölkerung nicht verschont. Die französische Arbeitsaufsicht verzeichnete sieben tödliche Arbeitsunfälle, die möglicherweise durch die hohen Temperaturen mitverursacht wurden. Wer bei glühender Hitze draußen arbeiten muss, trägt ein enormes Risiko.

    Was bedeutet das für die Zukunft? Ist das der neue Normalzustand? Die Daten sprechen eine klare Sprache: Die Hitzeextreme nehmen zu, und mit ihnen die gesundheitlichen Risiken. Es ist längst keine Frage mehr, ob der Klimawandel Menschenleben kostet – er tut es bereits.

    Von Andreas M. B.

  • 100 Tage Hitzewelle in Phoenix (USA): Die endlose Glut des Sommers 2024

    100 Tage Hitzewelle in Phoenix (USA): Die endlose Glut des Sommers 2024

    103 Grad Fahrenheit in der Stadt, der Asphalt glüht. Statt eines lauen Lüftchens weht nur heiße Luft – Phoenix schwitzt in einem beispiellosen Rekordsommer.

    Mit dem 100. Tag in Folge über 100 Grad Fahrenheit (etwa 38 Grad Celsius) markiert der diesjährige Sommer in Phoenix eine beispiellose Wetterlage. Damit wurde der bisherige Rekord von 76 aufeinanderfolgenden Tagen aus dem Jahr 1993 weit übertroffen. Eine Zahl, die viele alarmiert – und man fragt sich: Ist das noch normal?

    Die brutale Sommerhitze von 2024: Ein Blick auf die Ursachen

    Meteorologen wie Sean Benedict vom National Weather Service (NWS) sprechen von einer „Augenöffner“-Statistik. Doch die erschreckende Realität dahinter ist kein Zufall: Die globale Erwärmung, größtenteils getrieben durch die von Menschen freigesetzten Treibhausgase, heizt den Planeten auf. Brennstoffe wie Kohle, Öl und Gas setzen weiterhin klimaschädliche Gase frei, die wiederum dafür sorgen, dass solche extremen Hitzewellen zunehmen. Das Resultat? Immer häufiger erleben wir extreme Wetterphänomene wie diese brutalen Temperaturen, aber auch Dürreperioden und verheerende Stürme.

    Die sengende Hitze in Phoenix ist dabei nicht nur eine Momentaufnahme des Klimas, sondern ein Vorzeichen dessen, was viele Regionen der Welt erwartet. Die Frage drängt sich auf: Wie lange können wir Menschen solche Bedingungen noch aushalten?

    Kein Regen, kein Ende in Sicht: Der endlose Sommer der Wüste Arizonas

    Phoenix hat sich als Metropole inmitten der Wüste von Arizona stets mit der Sommerhitze arrangiert – aber dieser Sommer übertrifft alles. Seit dem 27. Mai hat die Stadt fast ununterbrochen Temperaturen über 38 Grad Celsius verzeichnet. „Normalerweise bringen Regenfälle der Monsunzeit eine kurze Abkühlung“, erklärt Benedict, „aber dieses Jahr? Fehlanzeige.“ Die Hitze begann früh und hat sich seitdem hartnäckig gehalten.

    Die kommenden Tage versprechen auch keine Erleichterung. Extreme Hitzewarnungen für Phoenix, Las Vegas und weite Teile Kaliforniens deuten darauf hin, dass es selbst nachts oft nicht unter 32 Grad Celsius abkühlt. In einigen Gegenden, wie dem Furnace Creek im Death Valley, wird sogar mit Temperaturen bis zu 47 Grad gerechnet – eine Hitze, die selbst für wüstengewöhnte Menschen in diesen Gegenden schwer zu ertragen ist.

    Hitze fordert ihren Tribut: Eine tödliche Bedrohung

    Während der Sommer in Arizona und Nevada stetig neue Hitzerekorde aufstellt, hinterlassen diese Extrembedingungen eine tödliche Spur. In Maricopa County, dem Großraum von Phoenix, sind bis zum 24. August bereits 150 hitzebedingte Todesfälle bestätigt – und das ist nur der Anfang. Weitere 443 Fälle werden noch untersucht.

    Die Zahlen des Vorjahres zeigen das Ausmaß: 645 Menschen starben 2023 in dieser Region infolge der Hitze. Es sind nicht nur ältere oder gesundheitlich vorbelastete Menschen, die betroffen sind – die Hitze macht vor niemandem halt. Besonders für die Bewohner ärmerer Viertel, wo oft keine Klimaanlage vorhanden ist, kann das Leben in solchen Temperaturen zur tödlichen Gefahr werden.

    Ähnlich dramatisch ist die Situation im benachbarten Clark County, Nevada. Hier, wo Las Vegas liegt, wurden dieses Jahr schon 181 hitzebedingte Todesfälle registriert, und es könnten noch mehr werden. Denn es dauert oft Monate, bis die Todesursachen vollständig aufgeklärt sind.

    Hitzestress im Alltag: Kein Entkommen für Outdoor-Arbeiter

    Doch nicht nur in den Zahlen zeigt sich die Härte dieses Sommers. Viele Menschen spüren die Gluthitze in ihrem Alltag – und besonders für diejenigen, die draußen arbeiten, wird jede Schicht zur Tortur. Snack-Verkäufer zum Beispiel, kämpfen sich durch die Hitze, während der Asphalt unter ihren Füßen förmlich glüht.

    „Sonnencreme und eisgekühltes Wasser – anders hält man das nicht aus“, sagt ein Verkäufer gegenüber der Nachrichtenagentur AP.

    Eine Stadt im Ausnahmezustand: Die Auswirkungen auf Gesundheit und Lebensqualität

    In der Wissenschaft wird zunehmend vor den gesundheitlichen Folgen solcher Hitzewellen gewarnt. Wenn die nächtlichen Temperaturen nicht mehr unter 90 Grad Fahrenheit (32 Grad Celsius) fallen, kann sich der Körper nicht mehr ausreichend regenerieren. Diese „tropischen Nächte“, von denen Phoenix in diesem Sommer bereits 37 erlebt hat, belasten das Herz-Kreislauf-System und erhöhen das Risiko für Hitzeschläge und Dehydrierung.

    Erinanne Saffell, Klimatologin an der Arizona State University, weist darauf hin, dass das anhaltende extreme Hitze die Gesundheit vieler Menschen ernsthaft gefährden kann. „Der Körper speichert die Hitze – wenn er nicht abkühlen kann, drohen gesundheitliche Probleme“, erklärt sie.

    Phoenix und seine Schattenseiten: Wer leidet am meisten?

    Wie in vielen Umweltkrisen sind es oft die Schwächsten, die am stärksten betroffen sind. In Phoenix trifft das besonders auf die einkommensschwächeren Gegenden zu. In Vierteln ohne Klimaanlagen, wo die Bewohner dicht an dicht in schlecht isolierten Wohnungen leben, kann die Hitze schnell lebensbedrohlich werden. Während wohlhabendere Haushalte sich in klimatisierte Räume zurückziehen können, kämpfen andere buchstäblich ums Überleben.

    Ramiro Lopez, ein Landschaftsgärtner in den Vororten von Phoenix, kennt diese Herausforderungen nur zu gut. „Es fühlt sich jedes Jahr heißer an“, sagt er. Zwischen den Jobs zieht er sich immer wieder in seinen klimatisierten Truck zurück, um der Hitze zu entkommen. „Man muss viel trinken und sicherstellen, dass man spätestens um 13 Uhr fertig ist“, erklärt er. „Anders wird es einfach zu viel.“

    Lösungen für eine überhitzte Zukunft?

    So drängend die Situation auch ist, es gibt Hoffnung. Klimaanpassungen und Maßnahmen zur Minderung der globalen Erwärmung können zumindest langfristig helfen, die schlimmsten Auswirkungen abzumildern. Die Wissenschaft hat längst bewiesen, dass eine Reduktion der Treibhausgase durch erneuerbare Energien, effizientere Stadtplanung und nachhaltige Praktiken möglich ist. Doch wir dürfen nicht warten, bis es zu spät ist.

    Auch für Städte wie Phoenix müssen innovative Lösungen her. Urbanes Design, das auf Begrünung setzt und die Versiegelung von Flächen reduziert, könnte dazu beitragen, die Hitze zu mildern. Gemeinschaftliche Kühlzentren, wie sie bereits in Los Angeles und anderen Städten eingerichtet wurden, bieten eine kurzfristige Notlösung – aber langfristig muss mehr geschehen.

    Denn eines ist sicher: Der Sommer 2024 mag ein Rekordjahr sein, aber ohne tiefgreifende Veränderungen wird er nicht das letzte dieser Art sein. Die Hitze des Augenblicks ist ein Blick in die Zukunft, und die Frage, die bleibt, lautet: Wie lange können wir dem noch standhalten?

  • Editorial: Europas tödliche Hitze – Ein Weckruf für stärkere Anpassung

    Editorial: Europas tödliche Hitze – Ein Weckruf für stärkere Anpassung

    Im Jahr 2023 erlebte Europa eine der tödlichsten Hitzewellen seiner Geschichte, die das Leben von mehr als 47.000 Menschen forderte. Diese erschreckende Zahl macht das Jahr zum zweitgefährlichsten Sommer in Europa nach 2022, als mehr als 60.000 Menschen an hitzebedingten Ursachen starben. Die Ergebnisse dieser Studie, die von der Barcelona Institute for Global Health (ISGlobal) durchgeführt und in Nature Medicine veröffentlicht wurde, werfen ein grelles Licht auf die katastrophalen Auswirkungen extremer Hitze in Europa.

    Wie viele Menschenleben wären ohne Anpassungen verloren gegangen?

    Die Forschung betont, dass die tatsächliche Opferzahl noch viel höher hätte sein können. Ohne die Fortschritte bei der Anpassung an die steigenden Temperaturen, wie die Verbesserung des Gesundheitssystems, den Ausbau von Klimaanlagen und öffentliche Informationskampagnen, wäre die Zahl der Todesopfer um 80 % höher gewesen. Insbesondere ältere Menschen und Personen mit Vorerkrankungen sind durch Hitzewellen gefährdet. Man schätzt, dass die Sterberate bei Menschen über 80 Jahren ohne diese Anpassungen hätte doppelt so hoch sein können.

    Die bisherigen Anpassungen – von besserer urbaner Planung über die Schaffung von Grünflächen bis hin zu gesundheitlichen Warnsystemen – haben bereits tausende Leben gerettet. Doch sie haben auch ihre Grenzen. Mit steigenden globalen Temperaturen stößt auch die Anpassungsfähigkeit der menschlichen Physiologie und unserer sozialen Strukturen an ihre Grenzen. Es ist eine düstere Perspektive: Wenn die Erderwärmung ungebremst voranschreitet, wird es immer schwieriger, sich an diese neuen, lebensbedrohlichen Bedingungen anzupassen.

    Geschlecht und Alter: Wer ist am meisten gefährdet?

    Die Studie zeigt auch, dass Frauen eine höhere Sterblichkeitsrate durch Hitzewellen aufweisen als Männer. Besonders betroffen waren die südlichen Länder Europas, darunter Griechenland, Bulgarien, Italien und Spanien, wo die Temperaturen besonders lange und intensiv anhielten. Diese Regionen verzeichneten die höchsten hitzebedingten Todesraten, was die geografischen Unterschiede in der Verwundbarkeit verdeutlicht.

    Die Grenzen der Anpassung

    Auch wenn Europa in den letzten Jahrzehnten bedeutende Fortschritte bei der Anpassung an Hitzewellen gemacht hat, stellt sich die Frage: Wie lange können wir uns noch erfolgreich anpassen? Die Warnungen der Forscher sind eindeutig: Wir stehen an einem Scheideweg, an dem die bloße Anpassung nicht mehr ausreicht. Es muss dringend auch auf die Verringerung der Treibhausgasemissionen gesetzt werden, um die Erderwärmung einzudämmen und weitere extreme Wetterereignisse zu verhindern.

    Die Todesfälle der Sommers 2022 und 2023 dienen als drastische Mahnung für Europa und den Rest der Welt, dass Anpassungsstrategien allein nicht ausreichen. Um zukünftige Katastrophen zu vermeiden, bedarf es einer umfassenden Transformation hin zu einer klimafreundlicheren Welt – eine Welt, die nicht nur in der Lage ist, sich an die Veränderungen anzupassen, sondern auch proaktiv Maßnahmen ergreift, um diese Veränderungen zu verlangsamen.

    Die Frage, die wir uns jetzt stellen müssen, lautet: Werden wir es schaffen, uns nicht nur anzupassen, sondern auch aktiv gegen die Ursachen dieser tödlichen Hitzewellen vorzugehen? Die Antwort darauf wird das Schicksal der kommenden Generationen bestimmen.

    MAB

    Es grüßt die Redaktion von Nachrichten.fr


    Quellen: DNyuz, The Independent, Environmental News Network, phys.org.

  • Marseille im Hitzestress: Die schwierige Aufgabe, die Stadt zu begrünen

    Marseille im Hitzestress: Die schwierige Aufgabe, die Stadt zu begrünen

    Marseille kämpft gegen die Hitze – mit einer grünen Offensive.

    Marseille, eine Stadt, die für ihre heiße Sonne und das strahlend blaue Mittelmeer bekannt ist, wird zunehmend mit einem neuen, weniger willkommenen Image konfrontiert: Hitzewellen, die regelmäßig über die Stadt hinwegfegen und ihre Bewohner zwingen, sich in den kargen Schatten zurückzuziehen. Das Département Bouches-du-Rhône ist oft besonders stark betroffen. Angesichts dieser Herausforderungen sucht die Stadt nach Lösungen, um den städtischen Raum an die immer extremeren klimatischen Bedingungen anzupassen.

    Kleine Schritte in die richtige Richtung

    Wer durch das Zentrum von Marseille spaziert, wird schnell feststellen, dass die Stadt im Vergleich zu anderen Großstädten überraschend wenig grün ist. „Béton, Béton und nochmals Béton“, beschwert sich eine Anwohnerin am Vieux-Port. Was einst vielleicht ein schattiges Paradies war, ist nun eine steinige Landschaft, die kaum Schutz vor der erbarmungslosen Sonne bietet. Die aktuelle Stadtverwaltung hat erkannt, dass dieses Problem nicht länger ignoriert werden kann. Seit vier Jahren arbeitet sie an einem umfassenden Plan, um die Stadt Stück für Stück zu begrünen.

    Ein ambitionierter Plan: 300.000 Bäume für Marseille

    Ein Blick in die Vergangenheit zeigt, wie dramatisch die Situation wirklich ist: Seit den 1970er Jahren sind 60 % der Bäume in Marseille verschwunden. Dies ist das Ergebnis jahrzehntelanger Vernachlässigung und einer Bauwut, die die Natur an den Rand gedrängt hat. „Es wurde gebaut, was das Zeug hält, ohne Rücksicht auf die Natur“, so Nassera Benmarnia, die für die Begrünung zuständige Stadträtin. Um diesem Trend entgegenzuwirken, hat die Stadt einen ehrgeizigen „Plan arbres“ ins Leben gerufen. Bis zu 300.000 Bäume, Sträucher und Büsche sollen in den nächsten sechs Jahren gepflanzt werden. Doch Bäume brauchen Zeit – bis sie genügend Schatten spenden, vergehen drei bis fünf Jahre, und erst nach zehn Jahren erfüllen sie ihre kühlende Funktion vollends.

    Schulen als grüne Inseln

    Das Programm beschränkt sich nicht nur auf die öffentlichen Parks. Auch die Höfe von über 450 Schulen in Marseille werden nach und nach von Beton befreit und begrünt. So bereits geschehen an der Schule Saint-Louis Gare im 14. Arrondissement. Hier wurde der graue Beton durch grüne Flecken ersetzt – ein kleiner Schritt, aber einer von großer Bedeutung. Bäume und Pflanzen, die dem immer heißer werdenden Klima in Marseille standhalten, werden sorgfältig ausgewählt. Das Ziel ist klar: wenig Rasen, der viel Wasser benötigt, und mehr robuste mediterrane Pflanzen, die Trockenheit besser überstehen.

    Die Rolle der Bäume im Kampf gegen die Hitze

    Die Initiative zur Begrünung ist ein wichtiger Schritt im Kampf gegen die steigenden Temperaturen, aber sie allein wird nicht ausreichen, wie Marc Saudreau vom INRAE, der am Projekt Cooltrees beteiligt ist, betont. „Jeder Baum, der gepflanzt wird, bringt einen Vorteil“, sagt er. Doch man darf keine Wunder erwarten – Bäume sind keine Klimaanlagen. Sie kühlen die Umgebung durch Schatten und Verdunstungskälte, aber sie können die Temperatur nicht um 10 oder 20 Grad senken. Stattdessen helfen sie, extreme Temperaturspitzen zu vermeiden und tragen dazu bei, dass die Stadt bei 40 Grad bleibt, anstatt auf 50 Grad zu steigen.

    Eine Stadt im Wandel

    Doch Bäume allein reichen nicht aus, um Marseille nachhaltig abzukühlen. Weitere Maßnahmen wie das Streichen von Gebäuden in Weiß, um die Sonnenstrahlen zu reflektieren, oder das Entsiegeln von Flächen, um Beton durch erdige Oberflächen zu ersetzen, sind ebenfalls vonnöten. Marseille steht vor einer gewaltigen Aufgabe – doch jeder kleine Fortschritt, sei es ein neu gepflanzter Baum oder eine entsiegelte Fläche, ist ein Schritt in die richtige Richtung.

    Die Stadt verändert sich, langsam aber sicher. Es wird nicht über Nacht geschehen, aber mit Geduld und Ausdauer könnte Marseille eines Tages ein Vorbild für andere Städte werden, die ebenfalls versuchen, sich den Herausforderungen des Klimawandels zu stellen. Denn wer weiß? Vielleicht wandert man in ein paar Jahren durch Marseille und findet dort, wo einst nur Beton war, grüne Oasen der Erholung.

  • Frankreich schwitzt am Ende der Olympischen Spiele

    Frankreich schwitzt am Ende der Olympischen Spiele

    Während die Olympischen Spiele in Paris ihrem Ende entgegengingen, brach über Frankreich eine Hitzewelle herein, die die Temperaturen in schwindelerregende Höhen treibt. Mit Spitzenwerten von 40 °C im Südwesten des Landes zeigt sich diese „canicule“ (Hitzewelle) gnadenlos – und das just zu dem Zeitpunkt, an dem die Abschlusszeremonie im Stade de France begann.

    Wegen der steigenden Temperaturen wurden am Sonntag, dem 11. August, 25 Départements in Alarmbereitschaft versetzt und der Wetterdienst rief die Stufe Warnstufe Orange aus. Am Montag wurde der Hitzealarm auf 45 Départements ausgeweitet. Von der Bretagne bis ins Elsass, einschließlich der Region um Paris, sind aber insgesamt 58 Départements von der Hitze betroffen.

    Ein Kontrastprogramm für die Athleten

    Als die Athleten aus aller Welt am 26. Juli unter strömendem Regen sich in Booten auf der Seine zur Eröffnungszeremonie einfanden, hätten sie wohl nicht gedacht, dass sie das Finale unter so extremen Bedingungen erleben würden. Mit 27 °C am Sonntagmorgen und Höchstwerten von 33 °C lag die Temperatur während der Abschlussfeier gegen 21 Uhr bei 31 °C liegen – ein wahrhaft heißer Abschied!

    Frankreichs Kampf gegen die Hitze

    Die Franzosen, von Paris bis Bordeaux, suchen verzweifelt nach Abkühlung – sei es im Schatten, am Wasser oder in klimatisierten Räumen. Doch nicht alle Maßnahmen zur Erfrischung sind vernünftig. In Lormont, einer Vorstadt von Bordeaux, haben einige Wagemutige die Badeverbote am Etang de l’Ermitage ignoriert und sich dennoch ins Wasser gestürzt. Verständlich, wenn das Thermometer auf fast 40 °C klettert und die Stadt vor Hitze glüht.

    Florian Boursier, ein 34-jähriger Industriemitarbeiter, erklärte gegenüber der Nachrichtenagentur AFP, dass er und seine Freunde ursprünglich an die Küste fahren wollten, es aber aufgrund der Hitze dann doch nicht taten. „Also sind wir stattdessen zum See gefahren“, erzählt er. Die Strände des Golfs von Biskaya standen ohnehin unter höchster Warnstufe aufgrund gefährlicher Meeresströmungen, die Badegäste durften nur in gekennzeichneten Zonen im Meer schwimmen.

    Rekorde in Reichweite

    Besonders im Südwesten sind die Temperaturen mal wieder beängstigend nahe an historische Rekorde herangerückt. In Bordeaux wurden am Sonntag Höchstwerte um die 40 °C gemessen – nur knapp unter dem August-Rekord von 40,7 °C aus dem Jahr 2003. Der absolute Rekord der Stadt liegt bei 41,2 °C und stammt aus dem Jahr 2019. Einige Experten, wie François Gourand von Météo-France, rechnen damit, dass in der Region Nouvelle-Aquitaine und an den atlantischen Küsten auch 2024 neue Höchstmarken erreicht werden könnten.

    Ganz Frankreich schwitzt unter dieser Hitzewelle, die Temperaturen über 30 °C selbst im Norden bringt. Besonders in Cadenet und Carcassonne wurden am Samstag fast 40 °C erreicht – Werte, die nicht nur die Bevölkerung, sondern auch die Infrastruktur auf die Probe stellen.

    Vorsicht bei Waldbränden und wegen gesundheitlicher Risiken

    Neben den Temperaturen ist auch die Waldbrandgefahr in weiten Teilen des Landes angestiegen. Acht Départements im Süden, von der Gironde bis zum Var, wurden am Sonntag in höchste Alarmbereitschaft für Waldbrände versetzt. Das Gesundheitsministerium hat erneut seine Hotline für Hitzewellen aktiviert, um die Bevölkerung zu warnen und zu schützen – besonders gefährdet sind ältere Menschen, Kinder und Personen mit Vorerkrankungen.

    Klimawandel und Zukunftsperspektiven

    Dass solche Hitzewellen häufiger und intensiver werden, ist kein Zufall. Der Klimawandel, angetrieben durch menschliches Handeln, verstärkt diese Extreme. Wo früher alle fünf Jahre eine Hitzewelle zu erwarten war, kommt es seit 2000 jedes Jahr dazu – ein klarer Beleg für die veränderten klimatischen Bedingungen.

    Der Sommer 2024 mag bisher weniger extrem gewesen sein als der von 2022, doch die aktuelle Hitzewelle zeigt, dass wir uns auf noch heißere Zeiten einstellen müssen. Es bleibt abzuwarten, wie die Menschen und die Natur auf diese neuen Herausforderungen reagieren werden – denn eins ist sicher: Die Hitze wird bleiben.