Schlagwort: historische Schiffe

  • Lorient empfängt die Nao Victoria

    Lorient empfängt die Nao Victoria

    Ende September schien die Zeit am Ponton de la Découverte in Lorient für ein paar Tage rückwärtszulaufen. Zwischen modernen Segelbooten lag dort ein Schiff mit hohen Holzwänden, mächtigen Masten, Rahen und einem Gewirr aus Tauen: die Nao Victoria.

    Vom 24. bis 27. September öffnete der Nachbau jenes berühmten Seglers seine Decks für Besucher. Das historische Vorbild gehörte zur Expedition Ferdinand Magellans und vollendete vor mehr als 500 Jahren als einziges Schiff der Flotte die erste Weltumsegelung.

    Eigentlich sollte die Nao Victoria bereits im Mai nach Lorient kommen. Schlechtes Wetter durchkreuzte die Pläne. So wurde der bretonische Hafen im September zur ersten vorgesehenen französischen Station ihrer Europatournee 2026.

    Fünf Schiffe fahren los, eines kehrt heim

    Im Jahr 1519 brach eine spanische Flotte unter dem Kommando des portugiesischen Seefahrers Ferdinand Magellan auf. Das Ziel: eine westliche Route zu den begehrten Gewürzinseln Asiens finden. Fünf Schiffe stachen in See, darunter die Victoria.

    Was folgte, hatte wenig mit romantischer Seefahrt zu tun.

    Hunger, Krankheiten, Meutereien, Schiffbrüche und bewaffnete Konflikte bestimmten die Reise. Magellan selbst erreichte Spanien nie wieder. Er starb 1521 bei einer Auseinandersetzung auf der philippinischen Insel Mactan.

    Die entscheidende letzte Etappe führte Juan Sebastián Elcano. Unter seinem Kommando segelte die Victoria durch den Indischen Ozean, umrundete das Kap der Guten Hoffnung und erreichte im September 1522 Spanien.

    Nur eines der ursprünglich fünf Schiffe kam zurück.

    Was muss in den Männern vorgegangen sein, als nach drei Jahren endlich wieder die spanische Küste auftauchte?

    Mit der Rückkehr der Victoria war erstmals eine vollständige Umrundung der Erde auf dem Seeweg gelungen. Zugleich lieferte die Expedition neue Erkenntnisse über Entfernungen, Ozeane, Winde und Navigationswege.

    Geschichte unter den Füßen

    Der besondere Reiz der heutigen Nao Victoria liegt darin, dass Geschichte hier nicht hinter Glas steckt. Besucher laufen über Holzplanken, steigen hinunter in den Laderaum und erleben, wie erstaunlich wenig Platz den Seeleuten einst zur Verfügung stand.

    Kein GPS, keine Wetter App, kein Funkgerät. Wer damals den Ozean überquerte, vertraute auf astronomische Beobachtungen, nautisches Wissen und Erfahrung. Gleichzeitig mussten Wasser, Proviant, Ersatzteile und Handelswaren an Bord verstaut sein.

    Ganz schön eng für eine Reise ans andere Ende der Welt.

    Gerade diese Dimensionen machen den Nachbau so eindrucksvoll. Plötzlich erscheinen die Ozeane wieder riesig und das Schiff erschreckend klein. Wie viel Mut, Hoffnung oder schlicht Abenteuerlust brauchte es, um damit in Gewässer aufzubrechen, die auf europäischen Karten teilweise kaum erfasst waren?

    Die heutige Nao Victoria ist dabei mehr als eine schwimmende Kulisse. Der Nachbau ist seetüchtig und absolvierte zwischen 2004 und 2006 sogar eine eigene Weltumsegelung.

    Lorient und das Meer

    Dass die Nao Victoria ausgerechnet Lorient anlief, passt ausgezeichnet zur Geschichte der bretonischen Hafenstadt.

    Lorient verdankt seine Entwicklung wesentlich dem maritimen Fernhandel und der französischen Ostindienkompanie. Von hier richtete sich der Blick später ebenfalls nach Indien und Asien, zu Gewürzen, Stoffen und anderen begehrten Waren.

    Damit begegneten sich Ende September zwei Kapitel europäischer Seefahrtsgeschichte.

    Doch die Geschichte der ersten Weltumsegelung besitzt auch dunkle Seiten. Die großen europäischen Expeditionen ebneten nicht nur Handel und Wissensaustausch den Weg. Ihnen folgten Eroberung, Gewalt und koloniale Expansion.

    Vielleicht wirkt die Nao Victoria gerade deshalb so nach.

    Zwischen modernen Yachten erscheint sie beinahe zerbrechlich. Und doch erinnert dieses kleine Schiff aus Holz und Segeltuch an einen Moment, der den Blick der Menschen auf die Welt dauerhaft veränderte.

    Die Nao Victoria hat Lorient inzwischen verlassen und ihre Europareise fortgesetzt. Zurück bleibt die Erinnerung an vier Tage, an denen im Hafen plötzlich fünf Jahrhunderte Seefahrtsgeschichte zum Greifen nah lagen.

    Ein Artikel von M. Legrand

  • Ein Schiff wie aus einer anderen Zeit: Die „Nao Santa Maria“ verzaubert Arcachon

    Ein Schiff wie aus einer anderen Zeit: Die „Nao Santa Maria“ verzaubert Arcachon

    Manchmal genügt ein einziges Schiff, um die Stimmung eines ganzen Hafens zu verändern. Als die „Nao Santa Maria“ im April in Arcachon anlegte, wirkte das Hafenbecken plötzlich wie eine Filmkulisse – als hätte sich die Gegenwart kurz verabschiedet und dem späten 15. Jahrhundert Platz gemacht. Dunkles Holz, hoch aufragende Bordwände, ein kompliziertes Geflecht aus Masten und Takelage: Dieses Schiff bringt Geschichte nicht nur mit, es trägt sie sichtbar vor sich her. Der Anlass war der nautische Salon 2026, ein Ereignis, das ohnehin Jahr für Jahr Besucher anzieht. Doch diesmal bekam die Veranstaltung eine zusätzliche, fast theatralische Dimension. Zwischen modernen Yachten und eleganten Segelbooten wirkte die Santa Maria wie ein Relikt aus einer anderen Welt. Und genau das machte ihren Reiz aus. Man schaut nicht einfach hin – man bleibt stehen. Viele verbinden den Namen mit den berühmten Karavellen von Christoph Kolumbus. Doch streng genommen handelt es sich bei der Santa Maria um eine so…

    [wtr-time]

    Der weitere Text ist unseren Abonnenten vorbehalten.


    Warum ein Abo? Weil guter Journalismus seinen Preis hat.

    Information mag frei zugänglich sein – aber Journalismus ist kein Selbstläufer. Recherchen, Interviews, Faktenchecks und Einordnungen erfordern Zeit, Expertise und Verantwortung.

    Wer unabhängige, fundierte Berichterstattung will, muss sie ermöglichen. Werbefinanzierung allein reicht nicht – sonst entscheiden Klickzahlen über Inhalte.

    Ein Abonnement ist kein Eintrittsgeld, sondern ein Bekenntnis: zur Qualität, zur Unabhängigkeit und zu einer informierten Öffentlichkeit.

    Information ist frei. Journalismus kostet. Und genau deshalb lohnt sich ein Abo.


    Abo-Light – das Monatsabonnement zum schlanken Preis

    Alle Artikel für 0,50 € pro Woche. Das Abo wird monatlich mit 2 € abgerechnet und ist monatlich kündbar.

    Monatsabonnement buchen…


    Premium-Abo – das Jahresabonnement mit wertvollen Add-Ons

    Alle Artikel für 0,38 € pro Woche. Das Abo wird jährlich mit 20 € abgerechnet und ist jährlich kündbar.

    Das Premium-Jahres-Abo bietet unbegrenzten Zugriff auf unseren individuellen Reiseplaner.

    Und regelmässig wechselnde ausgewählte E-Books zum kostenlosen Download.


    Jahresabonnement buchen…


    Lebenslang – das Premium-Abo für immer

    Für eine einmalige Zahlung für nur 36 €. Unbegrenzter Zugriff – ein Leben lang.

    Das Premium-Abo-Lebenslang bietet unbegrenzten Zugriff auf unseren individuellen Reiseplaner.

    Und regelmässig wechselnde ausgewählte E-Books zum kostenlosen Download.


    „Abo-Lebenslang“ buchen…


     

     

  • SOS aus dem Trockendock – Die letzte Rettung für die legendäre Fregatte L’Hermione

    SOS aus dem Trockendock – Die letzte Rettung für die legendäre Fregatte L’Hermione

    Wie ein gestrandeter Held aus vergangenen Zeiten liegt sie da – majestätisch und stumm: die Fregatte L’Hermione. Eine originalgetreue Nachbildung des berühmten Segelschiffs, das 1780 den Marquis de La Fayette über den Atlantik brachte, um den amerikanischen Unabhängigkeitskrieg zu unterstützen. Doch heute kämpft dieses schwimmende Symbol der Freiheit selbst ums Überleben – und die Uhr tickt gnadenlos.

    Seit September 2021 liegt die L’Hermione in einer Werft im Hafen von Bayonne, genau genommen in Anglet, auf dem Trockenen. Der Grund: massive Schäden an ihrer hölzernen Struktur, verursacht durch Pilzbefall. Fachleute schlugen schon früh Alarm – die Schäden sind tiefgreifend, die Zeit drängt. Doch das Restaurierungsprojekt wurde abrupt gestoppt. Nicht aus Mangel an Können oder Engagement, sondern am lieben Geld.

    Fünf Millionen Euro – das ist die Summe, die benötigt wird, um die Arbeiten wieder aufzunehmen und abzuschließen. Eine Mammutaufgabe für die betreuende Organisation „Hermione – La Fayette“, die sich seit Jahren mit Herzblut um das Schiff kümmert. Ohne diese Mittel, so die bittere Prognose, sei eine Rettung des historischen Nachbaus bis Ende Juni 2025 unwahrscheinlich. Danach – könne es schlicht zu spät sein.

    Was bedeutet das? Nun, nicht nur das Ende eines Schiffsprojekts, sondern auch den Verlust eines bedeutenden Teils französischer Kulturgeschichte. Denn L’Hermione ist mehr als nur Holz und Segel – sie ist ein lebendiges Denkmal, das Geschichte greifbar macht. Schulklassen, Touristen, Handwerkslehrlinge – sie alle kamen an Bord, um ein Stück Vergangenheit zu erleben. Und genau das steht nun auf dem Spiel.

    Die finanzielle Misere hat bereits erste Spuren hinterlassen. Die spezialisierten Schiffszimmerleute sind vom Gelände abgezogen worden, der Werftbetrieb ruht – und mit ihm die Hoffnung. Zwar versuchen engagierte Freiwillige, das Schiff so gut es geht zu pflegen – doch gegen den fortschreitenden Verfall hilft kein Besen und kein Lappen.

    Trotzdem ist L’Hermione noch nicht verloren. Ein Manifest, unterzeichnet von knapp 90 Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens – darunter TV-Moderator Stéphane Bern, die Seglerin Violette Dorange, der Rennsegler François Gabart und Schauspielerin Catherine Frot – fordert eindringlich zur Unterstützung auf. Ihr Appell: Dieses Schiff ist nicht nur ein Symbol der Vergangenheit, sondern ein Versprechen für die Zukunft. Ein Ort der Bildung, der Handwerkskunst, des Erlebens.

    Doch Hand aufs Herz – wie oft retten große Worte ein sinkendes Schiff? Was L’Hermione jetzt braucht, ist keine Romantik, sondern blankes Kapital. Spenden – direkt, unkompliziert und dringend – sind über die Website der Organisation möglich: don.fregate-hermione.com. Jeder Beitrag zählt – ob von Privatpersonen oder großzügigen Mäzenen.

    Die Situation ist dramatisch – aber nicht aussichtslos. Frankreich hat in der Vergangenheit bewiesen, dass es seine Schätze zu bewahren weiß, sei es der Wiederaufbau von Notre-Dame oder der Schutz traditioneller Berufe. Wird es auch diesmal gelingen?

    Oder schauen wir bald auf ein Museumsstück, das nie das Wasser wiedersieht?

    Die Antwort liegt in den Händen der Menschen – und in ihrer Bereitschaft, gemeinsam ein Stück Geschichte zu retten. Denn ein Schiff wie L’Hermione verdient nicht das Vergessen, sondern ein zweites Leben auf hoher See.

    Von Andreas M. Brucker