Schlagwort: historische Ereignisse 16. August

  • 16. August: Revolution, Befreiung und ein Goldfund für die Ewigkeit

    16. August: Revolution, Befreiung und ein Goldfund für die Ewigkeit

    Der 16. August gehört zu jenen Tagen, an denen die Weltgeschichte erstaunlich viele Spuren hinterlassen hat. In Frankreich führt die Reise von der Französischen Revolution über die letzten dramatischen Tage der deutschen Besatzung von Paris bis zur Abrechnung mit dem Vichy-Regime. International reicht sie vom Goldrausch im Yukon über die Unabhängigkeit Zyperns bis zu Elvis Presley und einem Sprint, der die Grenzen des menschlich Möglichen neu definierte.

    Beginnen wir im revolutionären Frankreich.

    Am 16. August 1793 beschloss der Wohlfahrtsausschuss gemeinsam mit dem Nationalkonvent die „Levée en masse“, die allgemeine Mobilisierung zur Verteidigung der Französischen Revolution. Frankreich befand sich damals in einer existenziellen Krise. Monarchistische Aufstände erschütterten Teile des Landes, während europäische Mächte von außen gegen die junge Republik kämpften.

    Die Revolution verlangte nun nicht mehr allein politische Zustimmung – sie verlangte Einsatz.

    Junge Männer sollten kämpfen, andere Bürger Waffen herstellen, Lebensmittel bereitstellen oder die Versorgung der Armee sichern. Wenige Tage später konkretisierte ein Dekret vom 23. August diese Mobilisierung. Damit entstand ein Prinzip, das die europäische Kriegführung grundlegend veränderte: Nicht länger kämpften hauptsächlich vergleichsweise kleine Berufsheere im Auftrag eines Monarchen. Nun trat die Nation selbst als militärische Kraft auf.

    Der moderne Gedanke vom „Volk in Waffen“ erhielt hier eine seiner prägendsten Formen.

    Das hatte enorme Folgen. Die revolutionären französischen Armeen erreichten schließlich eine Größe, mit der die traditionellen Streitkräfte der europäischen Monarchien kaum gerechnet hatten. Unter Napoleon entwickelte sich dieses System weiter. Die allgemeine Wehrpflicht und die Vorstellung, Bürger schuldeten dem Staat im Ernstfall militärischen Dienst, prägten Europa anschließend über Generationen.

    Mehr als 150 Jahre später stand Frankreich an einem völlig anderen Abgrund.

    Im August 1944 näherte sich der Zweite Weltkrieg Paris mit rasender Geschwindigkeit. Nach der alliierten Landung in der Normandie brach die deutsche Front in Frankreich zunehmend zusammen. General Dietrich von Choltitz, seit dem 9. August in Paris, kommandierte die deutschen Kräfte in der Hauptstadt. Hitler verlangte, Paris zu halten – notfalls um den Preis seiner Zerstörung.

    Am 16. August 1944 herrschte deshalb eine Atmosphäre zwischen Hoffnung und Todesangst.

    Deutsche Einheiten zogen sich teilweise zurück, die Résistance bereitete den offenen Aufstand vor und die Bevölkerung spürte, dass sich die Besatzungszeit ihrem Ende näherte. Gleichzeitig setzte der NS-Terror seine mörderische Arbeit fort. Noch am folgenden Tag verließ der letzte große Deportationszug das Lager Drancy. Darin befanden sich Hunderte Menschen, darunter der Résistance-Kämpfer und spätere französische Politiker Marcel Dassault.

    Nur wenige Tage später erhoben sich die Pariser offen gegen die Besatzer.

    Barrikaden entstanden, Polizisten und Widerstandskämpfer griffen deutsche Stellungen an, schließlich rückte die 2. französische Panzerdivision unter General Leclerc in Richtung Hauptstadt vor. Am 25. August kapitulierte von Choltitz. Paris war frei.

    Dass die Stadt mit ihren Brücken, Kirchen, Boulevards und historischen Gebäuden nicht systematisch zerstört wurde, gehört zu den großen Wendungen jener Tage. Man stelle sich Paris heute ohne Notre-Dame, Louvre oder die historischen Seine-Brücken vor – wie sähe nicht nur Frankreich, sondern das kulturelle Gedächtnis Europas aus?

    Auch 1945 besaß der 16. August für Frankreich besonderes Gewicht.

    Nur Stunden zuvor hatte die französische Haute Cour den früheren Staatschef des Vichy-Regimes, Philippe Pétain, wegen Hochverrats und Zusammenarbeit mit dem Feind zum Tode verurteilt. Am Morgen des 16. August brachte man den 89-Jährigen unter größter Geheimhaltung zum Fort du Portalet in den Pyrenäen.

    Das war ein historischer Absturz sondergleichen.

    Pétain hatte nach dem Ersten Weltkrieg als „Sieger von Verdun“ beinahe Heldenstatus genossen. Nach 1940 führte er dagegen das autoritäre Vichy-Regime, das mit dem nationalsozialistischen Deutschland kollaborierte und sich an der Verfolgung von Juden beteiligte. General de Gaulle wandelte das Todesurteil kurz darauf in lebenslange Haft um.

    Die Auseinandersetzung mit Vichy beschäftigt Frankreich bis heute. Fragen nach Kollaboration, Widerstand und staatlicher Verantwortung verschwanden nicht mit dem Ende des Krieges. Sie prägen Gedenkpolitik, historische Forschung und politische Debatten weiterhin.

    Fernab Europas löste der 16. August 1896 dagegen einen regelrechten Massenrausch aus.

    Am Rabbit Creek im kanadischen Yukon stieß eine Gruppe um Keish, besser bekannt als Skookum Jim, gemeinsam mit George und Kate Carmack sowie Dawson Charlie auf Gold. Aus dem unscheinbaren Bach wurde bald der berühmte Bonanza Creek.

    Die Nachricht brauchte Monate, um die großen Städte Nordamerikas zu erreichen. Dann ging’s richtig los.

    Zehntausende Glücksritter machten sich Richtung Klondike auf. Manche gaben sichere Existenzen auf, andere riskierten auf gefährlichen Pässen ihr Leben. Dawson City wuchs praktisch aus dem Boden. Der Goldrausch veränderte den Yukon wirtschaftlich und politisch, brachte jedoch auch tiefgreifende Folgen für die dort lebenden indigenen Gemeinschaften mit sich. Die Geschichte vom schnellen Reichtum besitzt also eine deutlich dunklere Rückseite.

    Am 16. August 1960 entstand wiederum ein neuer Staat: Zypern erlangte seine Unabhängigkeit von Großbritannien. Die Republik Zypern trat auf Grundlage internationaler Verträge ins Leben. Griechenland, die Türkei und Großbritannien übernahmen besondere Garantierechte.

    Doch die Spannungen zwischen griechischen und türkischen Zyprioten blieben bestehen.

    Seit der Teilung der Insel 1974 zählt der Zypernkonflikt zu den langlebigsten ungelösten politischen Problemen Europas. Die Republik Zypern gehört heute zur Europäischen Union, während der Norden der Insel politisch getrennt bleibt. Ein Ereignis vom 16. August 1960 reicht damit unmittelbar in die Gegenwart hinein.

    Auch die Popkultur trägt dieses Datum tief in ihrem Gedächtnis.

    Am 16. August 1977 starb Elvis Presley im Alter von nur 42 Jahren in Memphis. Sein Tod löste weltweit Trauer aus. Elvis hatte Rock ’n’ Roll nicht erfunden, doch kaum jemand verkörperte dessen Aufstieg zur globalen Jugendkultur stärker. Musik, Mode, Film und Starkult veränderten sich mit ihm dauerhaft.

    Und schließlich raste am 16. August 2008 ein Jamaikaner in die Sportgeschichte.

    Bei den Olympischen Spielen in Peking gewann Usain Bolt die 100 Meter in 9,69 Sekunden und stellte einen Weltrekord auf. Bemerkenswert blieb nicht nur die Zeit. Bolt begann bereits vor der Ziellinie zu jubeln – als hätte er beim schnellsten Sprint der Welt noch ein bisschen Luft übrig.

    Der 16. August verbindet damit Revolution, Krieg, Freiheit, Goldfieber, Popkultur und sportliche Ausnahmeleistungen. Besonders die französischen Ereignisse zeigen, wie stark Geschichte aus Brüchen besteht: 1793 mobilisierte die Revolution eine Nation, 1944 kämpfte diese Nation um ihre Befreiung und 1945 begann die juristische Abrechnung mit einem Regime, das mit den Besatzern kooperiert hatte.

    Geschichte liegt eben nicht einfach hinter uns. Ihre politischen Entscheidungen, Konflikte und Erinnerungen laufen wie unsichtbare Fäden bis in unsere Gegenwart.