Schlagwort: Handelsabkommen

  • Blick in die Welt: Das beschäftigt die internationale Presse am heutigen 25. Juni 2026

    Blick in die Welt: Das beschäftigt die internationale Presse am heutigen 25. Juni 2026

    Die internationale Nachrichtenlage wird heute von fünf großen Themen geprägt: der historischen Hitzewelle in Europa, dem anhaltenden Krieg in der Ukraine, der Fußball-Weltmeisterschaft in Nordamerika, der Entwicklung der Weltwirtschaft sowie den verheerenden Erdbeben in Venezuela. Obwohl die Schwerpunkte regional unterschiedlich ausfallen, ziehen sich Klima, Sicherheit und wirtschaftliche Stabilität wie ein roter Faden durch die Berichterstattung führender Medien weltweit.

    1. Europa erlebt eine außergewöhnliche Hitzewelle

    In weiten Teilen Europas herrschen außergewöhnlich hohe Temperaturen. Besonders Frankreich, Spanien, Italien und Großbritannien melden neue Rekorde für den Monat Juni. Behörden warnen vor Gesundheitsgefahren, Waldbränden und einer zunehmenden Belastung der Energieversorgung.

    Die Auswirkungen reichen von Einschränkungen im Bahnverkehr bis hin zu Stromausfällen und Schulschließungen. Experten weisen darauf hin, dass sich Europa deutlich schneller erwärmt als viele andere Regionen der Erde und Infrastruktur sowie Städte zunehmend an häufigere Extremwetterereignisse angepasst werden müssen.

    2. Ukraine-Krieg bleibt geopolitischer Brennpunkt

    Der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine bleibt eines der dominierenden außenpolitischen Themen. Im Mittelpunkt stehen neue Zusagen westlicher Staaten für den Wiederaufbau des Landes sowie die Frage, wie langfristig die militärische und finanzielle Unterstützung aufrechterhalten werden kann.

    Internationale Beobachter sehen den Konflikt zunehmend als dauerhafte sicherheitspolitische Herausforderung für Europa. Neben militärischen Entwicklungen rücken diplomatische Bemühungen und wirtschaftliche Belastungen stärker in den Vordergrund.

    3. Fußball-WM sorgt weltweit für Aufmerksamkeit

    Die Fußball-Weltmeisterschaft in den USA, Kanada und Mexiko bleibt das beherrschende Sportereignis. Nach dem Einzug Deutschlands in die K.-o.-Runde würdigen zahlreiche internationale Medien insbesondere die Moral und den kämpferischen Auftritt der Mannschaft.

    Neben den sportlichen Leistungen beschäftigen sich viele Berichte mit organisatorischen Herausforderungen. Hohe Temperaturen an mehreren Spielorten, lange Reisewege zwischen den Austragungsorten und logistische Fragen rund um das erstmals mit 48 Mannschaften ausgetragene Turnier stehen ebenfalls im Fokus.

    4. Wirtschaft blickt auf Handel und Zinspolitik

    An den Finanzmärkten richtet sich die Aufmerksamkeit weiterhin auf das neue Handelsabkommen zwischen der Europäischen Union und den USA. Ökonomen analysieren dessen Auswirkungen auf Industrie, Landwirtschaft und internationale Lieferketten.

    Parallel beobachten Investoren die weitere Entwicklung der Inflation sowie die Geldpolitik der großen Zentralbanken. Viele Analysten erkennen erste Anzeichen einer wirtschaftlichen Stabilisierung, warnen jedoch vor Risiken durch geopolitische Konflikte, volatile Energiepreise und anhaltende Unsicherheiten im Welthandel.

    5. Venezuela nach schweren Erdbeben im Ausnahmezustand

    Große Sorge bereitet die Lage in Venezuela. Zwei schwere Erdbeben mit den Magnituden 7,2 und 7,5 haben insbesondere den Nordwesten des Landes sowie die Hauptstadt Caracas erschüttert. Zahlreiche Gebäude wurden beschädigt oder zerstört, Rettungskräfte suchen weiterhin nach Verschütteten.

    Internationale Hilfsorganisationen bereiten Unterstützungsmaßnahmen vor. Die Katastrophe verdeutlicht erneut die Verwundbarkeit vieler Staaten, deren Infrastruktur bereits durch wirtschaftliche und politische Krisen stark belastet ist.

    Der heutige Blick auf die internationale Presse zeigt erneut, wie eng globale Entwicklungen miteinander verknüpft sind. Extremwetterereignisse stellen Gesellschaften und Staaten vor neue Herausforderungen, geopolitische Konflikte beeinflussen Wirtschaft und Sicherheit weit über ihre unmittelbaren Regionen hinaus, und Naturkatastrophen verdeutlichen die Bedeutung internationaler Zusammenarbeit. Gleichzeitig erinnert die Fußball-Weltmeisterschaft daran, dass Sport zwar Menschen weltweit verbindet, aber ebenso von politischen, wirtschaftlichen und klimatischen Rahmenbedingungen geprägt wird.

    Christine Macha

  • Kommentar: Wer ist schuld? Natürlich der Präsident!

    Kommentar: Wer ist schuld? Natürlich der Präsident!

    Es gibt in Frankreich eine eiserne Regel, die zuverlässiger greift als jede Agrarsubvention: Wenn etwas schiefläuft, dann sitzt die Ursache im Élysée. Und wenn im Parc des Expositions die Kühe fehlen, das Frühstück ausfällt und die Stimmung kippt, dann steht der Schuldige bereits fest – er trägt Anzug, lächelt staatsmännisch und heißt Emmanuel Macron.

    So einfach kann Politik sein.

    Der 62. Salon international de l’agriculture hätte ein Fest der Erde, des Bodens, der Tiere und der stolzen bäuerlichen Hände werden sollen. Stattdessen wirkte die Eröffnung wie ein Theaterstück, bei dem die Hauptdarsteller streiken und der Regisseur versucht, das Publikum mit Lichttechnik zu besänftigen. Keine Rinder in den Hallen, kein gemeinsames Frühstück mit den großen Verbänden, dafür Sicherheitskräfte und angespannte Gesichter. Man hätte fast meinen können, es handle sich um einen Krisengipfel – und nicht um jene Messe, die Frankreich jedes Jahr als Herzschlag seiner ländlichen Seele inszeniert.

    Natürlich trägt der Präsident die Schuld.

    Wem sonst ließe sich die Abwesenheit der berühmten Messekuh anlasten, die diesmal nur als Hologramm erschien? Ein Hologramm! Man muss sich das vorstellen: In einem Land, das seine Käse nach Herkunft schützt wie Staatsgeheimnisse, ersetzt man das atmende Tier durch ein digitales Abbild. Wenn das kein Symbol ist. Der ländliche Raum fühlt sich ohnehin oft wie eine Projektion politischer Sonntagsreden – viel Licht, wenig Substanz.

    Die Verbände Confédération paysanne und Coordination rurale blieben der Eröffnung fern. Ein Boykott, der lauter sprach als jede Trillerpfeife. Ihre Botschaft klingt seit Monaten gleich: Einkommen zu niedrig, Auflagen zu hoch, internationale Konkurrenz zu billig. Wer morgens um fünf Uhr im Stall steht, hat wenig Geduld für strategische Papiere über „Transformation“ und „Wettbewerbsfähigkeit“. Der Bauer misst Politik nicht in Absichtserklärungen, sondern am Kontostand.

    Und wieder zeigt der Finger nach oben.

    Dabei ist die Lage komplexer, als es jede Schlagzeile zugibt. Die Debatte um das Mercosur-Abkommen mit dem südamerikanischen Staatenbund Mercosur entzündet Ängste, die tief sitzen. Billigeres Rindfleisch aus Brasilien, Soja aus Argentinien – das klingt für viele französische Landwirte nach ruinösem Wettbewerb. Sie hören „Freihandel“ und denken „Preisverfall“. Wer wollte ihnen das verdenken? Globalisierung schmeckt köstlich, solange man sie exportiert. Importiert man sie, bekommt sie einen bitteren Beigeschmack.

    Gleichzeitig steht der Sektor unter strukturellem Druck. Höhere Umweltauflagen, Klimawandel, Tierseuchen wie die dermatose nodulaire contagieuse, deren Bekämpfung in diesem Jahr drastische Maßnahmen erzwang. Massentötungen, leere Stallungen, Unsicherheit. Landwirtschaft ist kein sentimentales Idyll, sondern ein riskantes Geschäft, das Wetter, Märkte und Politik gleichermaßen herausfordert. Wer das leugnet, hat noch nie erlebt wie eine Ernte vom Himmel abhängig ist.

    Doch differenzierte Betrachtung verkauft sich schlecht.

    Es ist bequemer, das Drama auf eine Person zu reduzieren. Paris gegen Provinz. Technokratie gegen Tradition. Der Präsident im Maßanzug gegen den Landwirt in Gummistiefeln. Dieses Bild besitzt Kraft – es passt in jedes Fernsehstudio. Dass viele Entscheidungen auf europäischer Ebene fallen, dass Marktpreise global entstehen, dass Konsumenten im Supermarkt zuerst aufs Preisschild schauen und erst danach aufs Herkunftslabel – geschenkt. Schuld braucht ein Gesicht. Und das liefert der Präsident frei Haus.

    Dabei pflegt Frankreich eine jahrzehntelange Liebesgeschichte mit seiner Landwirtschaft. Kaum ein anderes Land verteidigt seine Agrarsubventionen in Brüssel mit solcher Leidenschaft. Die FNSEA und die Jeunes Agriculteurs suchen weiterhin den Dialog, auch wenn die Geduld dünner wird. Protest gehört hier zur politischen Folklore, so wie der Ziegenkäse zur Käseplatte. Man streitet, man blockiert Straßen, man schimpft – und am Ende sitzt man doch wieder am Tisch.

    Nur diesmal wirkt der Tisch wacklig.

    Frankreich steht politisch vor bewegten Jahren. Die Präsidentschaftswahl 2027 wirft ihre Schatten voraus. In vielen ländlichen Regionen wächst das Gefühl, zwischen urbanen Diskursen und realen Sorgen unterzugehen. Wer über Biodiversität spricht, aber nicht über Kreditraten, verliert Vertrauen. Wer Innovation predigt, aber keine Planungssicherheit bietet, erntet Skepsis. Das hat weniger mit persönlicher Antipathie gegenüber Emmanuel Macron zu tun als mit einer tieferen Verunsicherung über die Zukunft.

    Doch seien wir ehrlich: Ein Präsident eignet sich hervorragend als Blitzableiter.

    Er steht symbolisch für alles – für Handelsabkommen, für Tierseuchenpolitik, für EU-Regularien, für Supermarktpreise. Er trägt Verantwortung, gewiss. Aber er trägt nicht allein das Gewicht globaler Märkte, klimatischer Extreme und jahrzehntelanger Strukturveränderungen. Wer so tut, als ließe sich das alles mit einem Federstrich im Élysée Palace beheben, glaubt vermutlich auch, dass Kühe freiwillig Hologramme bevorzugen.

    Und doch bleibt der Zorn nachvollziehbar.

    Landwirtschaft bedeutet Identität. Sie bedeutet Herkunft, Stolz, Generationenvertrag. Wenn Betriebe aufgeben, verschwindet mehr als nur eine Produktionsstätte – es verschwindet ein Stück Lebenswelt. Diese Verluste lassen sich nicht mit Innovationsprogrammen beschwichtigen. Sie treffen ins Herz. Da hilft kein freundliches Händeschütteln auf einer Messe.

    Am Ende des Wochenendes blieb ein Bild haften: ein Präsident, der zwischen Ständen und Kameras um Zuversicht wirbt, während hinter ihm eine Branche um Orientierung ringt. Schuldzuweisungen mögen rhetorisch befriedigen. Sie lösen kein einziges strukturelles Problem. Doch sie geben dem Ärger ein Ziel. Und manchmal reicht das schon, um Dampf abzulassen.

    Wer ist also schuld?

    Natürlich der Präsident.

    Oder vielleicht doch wir alle – Konsumenten, Politiker, Märkte, ein ganzes System, das billige Lebensmittel fordert und zugleich bäuerliche Idylle erwartet. Aber das klingt zu kompliziert. Und kompliziert verkauft sich schlecht.

    Also bleiben wir bei der einfachen Antwort. Sie passt auf jedes Transparent. Und sie beruhigt für einen Moment das Gefühl, die Kontrolle zurückgewonnen zu haben.

    Bis zur nächsten Messe.

    Andreas M. B.

  • Misstrauensvotum gegen Lecornu scheitert – das Mercosur-Abkommen spaltet die französische Politik

    Misstrauensvotum gegen Lecornu scheitert – das Mercosur-Abkommen spaltet die französische Politik

    Am 14. Januar 2026 hat die französische Nationalversammlung zwei Misstrauensanträge gegen Premierminister Sébastien Lecornu erwartungsgemäß abgelehnt. Die Anträge, eingereicht von der linksradikalen La France Insoumise (LFI) sowie vom rechtspopulistischen Rassemblement National (RN), richteten sich gegen die Haltung der Regierung zum umstrittenen Freihandelsabkommen zwischen der EU und dem Mercosur. Dessen Unterzeichnung auf europäischer Ebene steht kurz bevor – trotz des erklärten Widerstands der französischen Regierung. Dass beide Anträge scheiterten, war keine Überraschung. Und doch offenbart die Episode zentrale Spannungen im politischen Gefüge Frankreichs – nicht zuletzt eine tiefgreifende Opposition gegen das Abkommen, die parteiübergreifend, aber letztlich machtlos bleibt.

    Zersplitterte Opposition, stabile Regierung Der Antrag der LFI erzielte 256 Stimmen – deutlich unter der notwendigen absoluten Mehrheit von 288. Der Antrag des RN erhielt lediglich 142 Stimmen. Entscheidend w…

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  • „Kein fremdes Produkt darf rein“ – Bauernprotest am Hafen von Le Havre richtet sich gegen Mercosur-Abkommen

    „Kein fremdes Produkt darf rein“ – Bauernprotest am Hafen von Le Havre richtet sich gegen Mercosur-Abkommen

    Frankreichs Bauern rebellieren erneut – und diesmal ist das Ziel kein Pariser Boulevard, sondern einer der wichtigsten Handelshäfen Europas. Am Sonntagabend, dem 11. Januar 2026, versammelten sich mehrere Dutzend Landwirte mit Traktoren am Hafen von Le Havre, um Lastwagen zu kontrollieren, die importierte Waren in das Land bringen. Es ist ein symbolischer Protest gegen das neu unterzeichnete Freihandelsabkommen zwischen der Europäischen Union und dem Mercosur. Ein Vertrag, der in Frankreichs Landwirtschaftssektor als existenzbedrohlich wahrgenommen wird. Freihandel gegen Souveränität Das EU-Mercosur-Abkommen, das am 10. Januar 2026 von der Europäischen Kommission abgesegnet wurde, soll Zölle auf Industriegüter und Agrarprodukte zwischen den beiden Wirtschaftsräumen schrittweise abbauen. Bereits im Vorfeld hatte Frankreichs Präsident Emmanuel Macron erklärt, sein Land werde gegen das Abkommen stimmen. Doch das Votum Frankreichs blieb in der Minderheit. Insbesondere der Agrarsektor befür…

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  • Agrarproteste und politisches Kalkül: Warum Jordan Bardella den Bruch mit der Regierung sucht

    Agrarproteste und politisches Kalkül: Warum Jordan Bardella den Bruch mit der Regierung sucht

    Die Proteste französischer Landwirte gegen Freihandel und Umweltauflagen bringen neue Dynamik in die politische Landschaft Frankreichs – und der Rassemblement National (RN) nutzt die Gunst der Stunde. Parteichef Jordan Bardella kündigte am Donnerstag überraschend eine Motion de censure (Misstrauensvotum) gegen die Regierung unter Premierminister Sébastien Lecornu an. Im Fokus: das geplante Freihandelsabkommen zwischen der EU und den Mercosur-Staaten, das Frankreich nun in letzter Minute doch ablehnen will. Für Bardella ein „inszenierter Rückzieher“ und eine „späte Heuchelei“ Emmanuel Macrons – mit weitreichenden politischen Implikationen. Symbolischer Widerstand in Brüssel – und innenpolitische Eskalation in Paris Frankreich will gegen das seit Jahren verhandelte Handelsabkommen mit dem Mercosur stimmen. Am Freitag soll in Brüssel eine Abstimmung dazu stattfinden. Laut Informationen von France Inter fiel der Entschluss im Élysée offenbar kurzfristig – offiziell aus Sorge um die Souverä…

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  • Frankreich gegen Mercosur – Macrons protektionistisches Stoppsignal

    Frankreich gegen Mercosur – Macrons protektionistisches Stoppsignal

    Frankreichs Präsident Emmanuel Macron hat angekündigt, dass sein Land das geplante Handelsabkommen zwischen der EU und dem südamerikanischen Staatenbund Mercosur ablehnen wird. Die Entscheidung erfolgt wenige Stunden vor der Abstimmung im EU-Rat und markiert eine politische Zäsur – nicht nur für die europäische Handelspolitik, sondern auch für das Selbstverständnis Frankreichs in der EU. Trotz erheblicher Zugeständnisse aus Brüssel und wachsender Zustimmung anderer Mitgliedstaaten setzt sich Macron an die Spitze einer ablehnenden Bewegung, deren Wurzeln vor allem innenpolitischer Natur sind. Die Entscheidung könnte langfristige Folgen für Europas globale Handelsstrategie und die Rolle Frankreichs in der EU nach sich ziehen.

    Agrarproteste und parteiübergreifender Widerstand Der unmittelbare Anlass für Macrons Absage liegt im massiven Widerstand innerhalb Frankreichs. In den letzten Tagen blockierten landesweit Bauern mit Traktoren Zufahrtsstraßen zu Paris und protestierten gegen das Ab…

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  • Kommentar: Agrarland à la dérive – Frankreichs große Kunst, keine Agrarpolitik zu haben

    Kommentar: Agrarland à la dérive – Frankreichs große Kunst, keine Agrarpolitik zu haben

    Ach, Frankreich. Land der Haute Cuisine, der AOP-Käsevielfalt, der Traktorkorsos und der permanenten Agrar-Apokalypsen. Alle paar Monate das gleiche Schauspiel: Bauern protestieren, der Präsident verspricht, und Brüssel ist natürlich wieder schuld. Und während ganz Europa still und leise die Märkte öffnet, sitzt Paris trotzig auf seinem Miststock und ruft: Non ! Zum EU-Mercosur-Abkommen? Natürlich Non. Was sonst?

    Man könnte fast glauben, Agrarpolitik sei in Frankreich ein ritualisiertes Drama, kein politisches Gestaltungsfeld. Und tatsächlich: Jedes Mal, wenn irgendwo auf der Welt jemand „Freihandel“ sagt, schnallen sich französische Landwirte schon mal die gelben Westen an. Wenn dann auch noch südamerikanisches Rindfleisch ins Spiel kommt, ist der Ausnahmezustand sicher. Die Regierung reagiert wie immer: hektisch, widersprüchlich und am Ende handlungsunfähig. Agrarpolitik? Nein, das ist in Frankreich eher so etwas wie ein Reflexbogen zwischen Bauernlobby, Regierungsangst und nationaler Nostalgie.

    Die heilige Kuh: Der französische Bauernstand

    Frankreich hat bis heute eine fast mystische Beziehung zu seinem Bauernstand. Der Landwirt ist hier nicht einfach ein Beruf – er ist eine Projektionsfläche nationaler Identität. Ländliche Idylle, gallisches Selbstverständnis, Widerstand gegen die Moderne: Alles vereint sich im Mythos vom kleinen Hof, der gegen den globalisierten Weltmarkt kämpft. Und wehe, jemand wagt es, diese Idylle mit Zahlen zu hinterfragen.

    Denn tatsächlich ist der französische Agrarsektor längst hochgradig industrialisiert. Die Zeiten von Maurice, der seine drei Kühe beim Namen kennt, sind lange vorbei. Heute exportiert Frankreich weltweit – Getreide, Milchpulver, Luxuswein. Gleichzeitig sind staatliche Subventionen aus Brüssel das Rückgrat vieler Betriebe. Man lebt gut vom EU-Agrarhaushalt – und schimpft auf die EU, sobald sie eine Öffnung fordert.

    Mercosur – das Lieblingsmonster des französischen Protestes

    Jetzt also Mercosur: ein Abkommen mit Südamerika, das in den meisten EU-Staaten als strategisch wichtig gilt – Stichwort Diversifizierung, geopolitische Hebel, marktwirtschaftlicher Zugang. Doch in Frankreich? Dort heißt es, das Abkommen sei ein „ökologischer Skandal“, ein „sozialer Sprengsatz“ und natürlich eine „Bedrohung der Ernährungssouveränität“. Kurzum: Der Weltuntergang. Wieder einmal.

    Dass viele der angeblich „unter unfairen Bedingungen“ produzierten Importe längst den EU-Standards entsprechen müssen? Egal. Dass Frankreich selbst massive Exporte in Drittstaaten betreibt – unter anderem subventioniertes Geflügel nach Afrika? Pas de problème. Es geht ja nicht um Kohärenz, sondern um Haltung. Frankreichs Agrarpolitik funktioniert nach dem Motto: Moralisch immer überlegen, politisch immer blockierend.

    Macron zwischen Panikreaktion und Symbolpolitik

    Emmanuel Macron hat nun also verkündet, dass Frankreich das EU-Mercosur-Abkommen nicht ratifizieren wird. Ein klares „Non“, begleitet von dramatischen Auftritten und der Behauptung, französische Standards stünden zur Disposition. Dass sein Alleingang innerhalb der EU kaum Rückhalt findet? Geschenkt. Dass er sich damit einmal mehr isoliert? Kollateralschaden. Schließlich ist es in Paris seit Jahren Staatsräson, sich bei Agrarfragen querzustellen, koste es, was es wolle.

    Ironischerweise ist Macron – sonst ein glühender Verfechter europäischer Integration – hier plötzlich der oberste Agrarpopulist der Nation. Ob aus Angst vor Traktoren auf den Champs-Élysées oder aus strategischem Kalkül: Seine Positionierung zeigt vor allem, dass Frankreich keine konsistente Agrarpolitik besitzt. Es gibt nur Reaktionen, keine Vision.

    Wenn Agrarpolitik zur Kulisse wird

    Statt langfristiger Strategien sieht man in Paris nur Notfallmanagement. Während andere Länder längst auf klimafreundliche Landwirtschaft, technologische Innovationen und faire Handelsintegration setzen, bleibt Frankreich im Status quo gefangen – aus Angst vor dem nächsten Protest. Die Landwirtschaft wird nicht gestaltet, sondern beruhigt. Ein bisschen mehr Subvention hier, ein bisschen weniger Mercosur dort – das reicht, um die nächsten Wahlen zu überstehen. Zukunftssicherung? Ist was für Technokraten in Brüssel.

    Dabei hätte gerade Frankreich das Potenzial, europäische Agrarpolitik aktiv mitzugestalten – als Brücke zwischen bäuerlicher Tradition und industrieller Innovation. Doch solange sich die nationale Debatte um die Frage dreht, ob ein südamerikanisches Steak wirklich die Apokalypse bedeutet, wird man weiter am Rand der EU stehen – nicht als Avantgarde, sondern als Verweigerer.

    Und so wird Frankreich auch 2026 wieder das Gleiche tun wie 2016 und 2006: Seine Bauern feiern, seine Präsidenten beschwichtigen, seine europäischen Partner irritieren. Eine Agrarpolitik wird daraus nicht entstehen – aber immerhin ein Gefühl nationaler Selbstgerechtigkeit. In Paris reicht das oft schon.

    Autor: Andreas M. Brucker

  • Frankreichs Agrarpolitik auf dem Prüfstand: Lecornu verspricht „Gleichheit der Maßstäbe“

    Frankreichs Agrarpolitik auf dem Prüfstand: Lecornu verspricht „Gleichheit der Maßstäbe“

    Mit einer ungewöhnlich deutlichen Wortwahl hat Frankreichs Premierminister Sébastien Lecornu am 4. Januar eine offene Botschaft an die Landwirte des Landes gerichtet. Während die Protestbereitschaft auf dem Land erneut wächst – nicht zuletzt wegen der Ausbreitung der dermatose nodulaire contagieuse, einer für Rinder gefährlichen Tierseuche – positioniert sich die Regierung als Anwältin der Landwirte gegen europäische Regulierungsflut und unfaire Handelspraktiken. Lecornu verspricht in dem Schreiben, das in mehreren Regionalzeitungen veröffentlicht wurde, eine „Phase der Offensive“ – politisch, wirtschaftlich, regulatorisch. Die Stoßrichtung: Bürokratieabbau, nationale Ernährungssouveränität und gleiche Standards für Im- und Exporte. Frankreichs Agrarpolitik steht damit vor einer Neujustierung – unter dem Druck der Straße und der europäischen Rahmenbedingungen.

    Das Gefühl der strukturellen Ungleichheit „Ich schreibe Ihnen nicht, um Sie zu beruhigen, sondern um die Dinge klar zu sagen“,…

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  • Trumps „Great Deal“ – Welche Branchen in Frankreich von den Zöllen besonders betroffen sind

    Trumps „Great Deal“ – Welche Branchen in Frankreich von den Zöllen besonders betroffen sind

    Ein neues Abkommen zwischen den Vereinigten Staaten und der Europäischen Union sorgt für Unruhe in der französischen Wirtschaft. Das am 27. Juli unterzeichnete Rahmenabkommen sieht vor, dass zahlreiche europäische Produkte künftig beim Import in die USA mit einem pauschalen Zollsatz von 15 % belegt werden – deutlich mehr als in der Vor-Trump-Ära. Die wirtschaftlichen Auswirkungen wären für einige Schlüsselbranchen erheblich. Die Einigung steht noch unter dem Vorbehalt der Ratifizierung durch alle 27 EU-Mitgliedsstaaten. Doch die Konturen zeichnen sich bereits ab – und mit ihnen mögliche Gewinner und Verlierer. Frankreich dürfte zu Letzteren zählen, insbesondere in exportstarken Industriezweigen. Luxusgüter im Fokus – Kosmetikbranche vor erheblichen Zusatzkosten Besonders hart trifft der neue Zollsatz die französische Kosmetik- und Luxusgüterindustrie. Für Unternehmen wie GK Concept, das Displaylösungen für Parfums und Cremes herstellt, ist der US-Markt essenziell: 65 % des Umsatzes wer…

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  • Kommentar: Die beste aller schlechtesten Lösungen – Frau von der Leyen, das war eine Kapitulation

    Kommentar: Die beste aller schlechtesten Lösungen – Frau von der Leyen, das war eine Kapitulation

    Manchmal braucht es kein diplomatisches Feingefühl, sondern Klartext: Das neue Zollabkommen zwischen der EU und den USA ist kein Triumph europäischer Verhandlungskunst. Es ist ein Akt der Notwehr, eine politische Kapitulation, die uns als Erfolg verkauft wird. Und niemand sollte sich darüber täuschen lassen, dass Ursula von der Leyen hier einen „guten Deal“ geschlossen habe. Sie hat das gemacht, was in Brüssel leider viel zu oft geschieht: Zeit gekauft – auf Kosten von Einfluss, Glaubwürdigkeit und strategischer Souveränität.

    15 % Zoll auf den Großteil europäischer Exporte? 750 Milliarden Dollar an zugesagten Energieimporten aus den USA? 600 Milliarden Dollar an Investitionen, die wir angeblich dort tätigen wollen? Das ist kein Deal, das ist ein Schutzgeld, das wir zahlen, um nicht mit 30 % Zöllen wirtschaftlich erschlagen zu werden. Donald Trump hat es ganz offen gesagt: Er hat bekommen, was er wollte. Und wir? Wir applaudieren höflich – und nennen es „Stabilität“.

    Ich frage mich, was für eine Stabilität das eigentlich sein soll. Eine, in der Europa zum Juniorpartner einer ökonomischen Drohkulisse degradiert wird? Eine, in der wir unsere Energie- und Rüstungsabhängigkeit zementieren, weil uns der Mut fehlt, hier in Europa zu investieren, selbst zu handeln, selbst zu denken? Das ist keine Stabilität. Das ist Erpressbarkeit mit System.

    Man kann Frau von der Leyen zugutehalten, dass sie einen Handelskrieg verhindert hat. Ja – aber um welchen Preis? Dass sie nicht weiter wusste, ist nachvollziehbar. Dass sie das Ergebnis als Erfolg verkauft, ist eine Beleidigung der europäischen Intelligenz. Es ist, als würde man ein Leck in einem Schiff mit Tesafilm abkleben und sagen: „Das Wasser kommt wenigstens langsamer rein.“

    Noch tragischer aber ist die politische Symbolik: Europa duckt sich. Schon wieder. Vor Trump. Vor einem Präsidenten, der offen mit Handelskrieg droht, der Europa nicht als Partner, sondern als Gegner sieht. Und was tut Europa? Es verhandelt, es fleht, es zahlt. Diese Unterwürfigkeit ist ein Offenbarungseid.

    Frankreichs Europaminister Benjamin Haddad hat recht, wenn er von einem „unausgewogenen“ Abkommen spricht. Doch seine Mahnung bleibt ungehört. Wo ist der Aufschrei in Berlin, in Rom, in Madrid? Warum gibt es keine rote Linie, keine Vision, kein europäisches Gegengewicht zu dieser aggressiven Wirtschaftspolitik aus Washington?

    Wir brauchen kein „Manhattan-Projekt“ für die EU. Wir müssen endlich politisch erwachsen werden. Wer sich immer wieder auf Deals einlässt, die ihm fundamental schaden, nur um das nächste Desaster zu vermeiden, hat keine Strategie, sondern Angst. Und Angst war noch nie ein guter Ratgeber in der Weltpolitik.

    Was bleibt? Die Illusion von Stabilität, erkauft durch das Versprechen, sich nicht zu wehren. Und eine Kommissionspräsidentin, die ein „großes Abkommen“ verkündet – das in Wahrheit nichts anderes ist als die beste aller schlechten Lösungen.

    Ein Kommentar von Andreas Brucker