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  • Kommentar: Der Russe vor den Toren von Bordeaux? Wirklich?

    Kommentar: Der Russe vor den Toren von Bordeaux? Wirklich?

    Man könnte meinen, morgen früh rollen russische Panzer über den Place Bellecour in Lyon, nehmen unterwegs noch einen Café crème in Bordeaux und biegen anschließend Richtung Vieux-Port in Marseille ab. Zumindest entsteht dieser Eindruck, wenn man manchen politischen Reden und militärischen Inszenierungen aufmerksam zuhört.

    Seit Jahren wird der Bevölkerung vermittelt, Europa stehe an der Schwelle zu einer neuen Epoche permanenter Bedrohung. Fast täglich ist von Aufrüstung, Kriegstüchtigkeit und Hochintensitätskonflikten die Rede. Nun trainiert die Armee sogar den Häuserkampf in nachgebauten Städten – und die Botschaft scheint klar zu sein: Bereitet euch vor.

    Aber worauf eigentlich?

    Soll die französische Bevölkerung ernsthaft glauben, dass russische Soldaten eines Tages durch die Straßen von Lyon, Marseille oder Bordeaux marschieren werden? Dass sich der nächste große Krieg ausgerechnet in französischen Wohnvierteln entscheidet? Oder wird hier vor allem ein Gefühl erzeugt, das politisch nützlich ist – die ständige Erwartung einer existenziellen Bedrohung?

    Noch vor wenigen Jahrzehnten lautete das politische Versprechen nach den Katastrophen des 20. Jahrhunderts: „Nie wieder Krieg.“ Europa sollte ein Kontinent der Verständigung werden. Die Europäische Union erhielt sogar den Friedensnobelpreis für ihren Beitrag zur Überwindung jahrhundertealter Feindschaften.

    Heute scheint sich der Ton verändert zu haben. Aus „Nie wieder Krieg“ wird zunehmend „Seid bereit für den nächsten Krieg“. Aus Friedenspolitik wird Sicherheitsrhetorik. Aus Diplomatie wird Abschreckung. Und wer kritische Fragen stellt, riskiert schnell, als naiv oder sicherheitspolitisch verantwortungslos abgestempelt zu werden.

    Natürlich wäre es ebenso naiv, bestehende Bedrohungen zu ignorieren. Der Krieg in der Ukraine zeigt eindrücklich, dass militärische Gewalt in Europa keineswegs der Vergangenheit angehört. Staaten müssen ihre Verteidigung organisieren und ihre Streitkräfte auf unterschiedlichste Szenarien vorbereiten. Das gehört zu den Aufgaben jeder Regierung.

    Doch genau deshalb sollte auch die öffentliche Debatte ehrlich bleiben.

    Zwischen einer professionellen militärischen Vorsorge und einer gesellschaftlichen Gewöhnung an den Gedanken eines unvermeidlichen Krieges besteht ein erheblicher Unterschied. Wer permanent von der nächsten Eskalation spricht, verändert das Denken einer Gesellschaft. Angst wird zum politischen Dauerbegleiter. Ausnahmezustände erscheinen plötzlich normal.

    Vielleicht sollte man sich deshalb eine einfache Frage stellen: Dient jede martialische Inszenierung tatsächlich der Sicherheit des Landes – oder trägt sie auch dazu bei, ein Klima zu schaffen, in dem Aufrüstung, steigende Verteidigungsausgaben und militärisches Denken zunehmend als alternativlos erscheinen?

    Wer Frieden erhalten will, braucht glaubwürdige Verteidigung. Aber er braucht ebenso Diplomatie, Dialog und die Fähigkeit, Bedrohungen nüchtern einzuordnen, statt sie ständig zu dramatisieren.

    Denn eines sollte auch heute noch gelten: Das eigentliche Ziel darf niemals sein, den Häuserkampf in französischen Städten perfekt zu beherrschen. Das eigentliche Ziel muss bleiben, alles dafür zu tun, dass ein solcher Kampf niemals stattfinden muss.

    Andreas M. Brucker

  • Frankreich bereitet sich auf den Häuserkampf vor: Die Armee trainiert für den Krieg in der Stadt

    Frankreich bereitet sich auf den Häuserkampf vor: Die Armee trainiert für den Krieg in der Stadt

    Wenige Tage vor den Feierlichkeiten zum französischen Nationalfeiertag am 14. Juli rückt die französische Armee einen Bereich ihrer Ausbildung in den Mittelpunkt, der lange Zeit nur wenig öffentliche Aufmerksamkeit erhielt: den Kampf in urbanem Gelände. Während auf den Champs-Élysées Soldaten, Fahrzeuge und Flugzeuge militärische Stärke demonstrieren, bereiten sich die Landstreitkräfte unter realitätsnahen Bedingungen auf ein Szenario vor, das militärische Planer inzwischen für besonders wahrscheinlich halten – Gefechte in dicht besiedelten Städten gegen einen technologisch ebenbürtigen Gegner. Im Rahmen der Großübung ORION 2026 absolvieren zahlreiche Einheiten der französischen Streitkräfte ein anspruchsvolles Ausbildungsprogramm, das die Anforderungen moderner Hochintensitätskonflikte widerspiegeln soll. Städte werden zum Schlachtfeld moderner Kriege Die Erfahrungen der vergangenen Jahre haben die militärische Planung grundlegend verändert. Ob in Mariupol, Bachmut oder Gaza – aktuell…

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