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  • Elsass: Tanken wird zum Luxus

    Elsass: Tanken wird zum Luxus

    Ein Blick auf die Preistafel genügt, und so mancher Autofahrer schluckt erst einmal: Fast drei Euro für einen Liter Kraftstoff. Im Elsass, nur wenige Kilometer von der deutschen Grenze entfernt, tauchten zuletzt Preise auf, die selbst erfahrene Pendler staunen lassen.

    Besonders an stark befahrenen Straßen und Autobahnen schnellen die Beträge nach oben. Dort lagen die Preise schon früher über dem Niveau vieler Supermarkt Tankstellen. Doch inzwischen geht es nicht mehr um ein paar Cent Unterschied. Zwischen zwei Zapfsäulen, die nur wenige Kilometer voneinander entfernt stehen, können mehrere Dutzend Cent liegen.

    Das merkt man im Portemonnaie.

    Wer fünfzig Liter tankt, zahlt bei dreißig Cent Preisunterschied bereits fünfzehn Euro mehr. Das reicht für einen kleinen Einkauf, ein Mittagessen oder mehrere Kaffees unterwegs. Kein Wunder also, dass viele Fahrer derzeit genauer hinschauen, bevor sie den Tankdeckel öffnen.

    Wie teuer darf Mobilität eigentlich noch werden, bevor aus dem täglichen Arbeitsweg ein echtes finanzielles Problem entsteht?

    Hinter dem Preissprung steckt vor allem die Lage auf den internationalen Ölmärkten. Die geopolitischen Spannungen im Nahen Osten treiben die Rohölpreise nach oben. Unsicherheit über wichtige Transportwege und mögliche Lieferengpässe verstärkt den Druck zusätzlich. Was Tausende Kilometer entfernt geschieht, landet am Ende erstaunlich schnell auf der Preistafel einer Tankstelle bei Straßburg.

    Im Elsass besitzt diese Entwicklung noch eine zweite Dimension.

    Frankreich, Deutschland und die Schweiz liegen hier eng beieinander. Für viele Menschen gehört der Grenzübertritt zum Alltag. Man arbeitet auf der einen Seite des Rheins, kauft auf der anderen ein und schaut ganz selbstverständlich, wo Benzin oder Diesel gerade günstiger sind.

    Genau deshalb richtet sich der Blick derzeit besonders nach Deutschland.

    Die Bundesregierung plant ab dem 1. Oktober eine vorübergehende Entlastung bei den Kraftstoffsteuern. Für Autofahrer soll der Preis dadurch spürbar sinken. Gerade entlang der Grenze dürfte das Folgen zeigen. Wird der Liter in Deutschland deutlich billiger, dürfte mancher Elsässer für den nächsten Tankstopp einfach über den Rhein fahren.

    Ein kleiner Umweg rechnet sich schnell.

    Frankreich setzt bislang nicht auf eine vergleichbare allgemeine Senkung der Kraftstoffsteuer. Stattdessen stehen gezielte Hilfen für bestimmte Berufstätige und Haushalte im Vordergrund. Für viele Autofahrer bleibt deshalb vor allem eines: Preise vergleichen.

    Dabei lohnt sich ein Blick abseits der Autobahn. Supermarkt Tankstellen liegen häufig deutlich unter den Preisen großer Rastanlagen. Apps und aktuelle Preisportale helfen zusätzlich dabei, günstigere Anbieter in der Umgebung zu finden.

    Doch wie lange funktioniert dieses Ausweichen noch, wenn die Rohölpreise weiter steigen?

    Im Elsass zeigt sich derzeit besonders deutlich, wie eng große Weltpolitik und kleiner Alltag miteinander verbunden sind. Eine Krise im Nahen Osten, Entscheidungen in Berlin, Steuern in Paris und plötzlich kostet die Fahrt zur Arbeit zehn Euro mehr.

    So nah kann die große Welt sein — manchmal passt sie direkt in einen Tank.

    Ein Artikel von M. Legrand